Outlander (2008)

Gestern Abend habe ich mir, obwohl es eigentlich viel zu spät und ich viel zu müde war, Howard McCains „Outlander“ angesehen und trotz erschwerter Rahmenbedingungen hat der Film enorm viel Spaß gemacht. Insofern schade, dass dem Film der Sprung auf die Kinoleinwand verwehrt wurde.

Auf „Outlander“ hatte ich mich schon seit längerer Zeit gefreut. Endlich einmal wieder ein Monsterfilm. Endlich wieder Wickinger. Endlich wieder Sci-Fi. Gleich drei Wünsche auf einmal. Nach den ersten Minuten wurde meine Euphorie dann deutlich gedämpft, da bereits der Einstieg viel zu holprig und belanglos inszeniert war. Da hätte ich mir wahrlich mehr erhofft. Leider schafft es der Film über die gesamte Laufzeit nicht ganz diesen unausgegorenen Charakter loszuwerden. Doch glücklicherweise kann er im weiteren Verlauf durch andere Stärken überzeugen.

Vielleicht habe ich den Film – aufgrund des für solch eine Geschichte doch recht hohen Budgets – zu ernst genommen. Das darf man natürlich nicht. Schon bald eröffnete sich mir jedoch der leicht trashige Charme dieses überteuerten B-Movies und ab diesem Zeitpunkt hatte ich wirklich Spaß damit. Es geht ordentlich zur Sache und das Blut spritzt meterweit. Hinzu kommt ein toll designtes Monster („Das Relikt“ lässt grüßen) und jede Menge Wikinger. Neben dem reinen Unterhaltungswert bietet „Outlander“ dann sogar immer mal wieder eine grandiose Einstellung, welche beinahe schon zu perfekt für diesen Film wirkt.

McCains Interpretation von „Die Legende von Beowulf“ richtet sich ganz klar an Genrefreunde. Alle anderen werden mit diesem Sci-Fi-Monster-Wikingerfilm wohl nur wenig Freude haben. Trotz offensichtlicher Schwächen hat mir dieser Mix sehr viel Spaß gemacht und ich kann mir durchaus die eine oder andere Wiederholungssichtung vorstellen. Mit eineinhalb zugedrückten Augen gibt es von mir 7/10 Punkte.

Inglourious Basterds (2009)

Es gab eine Zeit, da musste nur der Name Tarantino irgendwie mit einem Film in Verbindung stehen und es gab für mich kein Halten mehr. Heute sehe ich die Sache gelassener, dennoch ärgere ich mich nun „Inglourious Basterds“ nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Der Film hätte es wahrlich verdient gehabt.

Als ich das erste Mal von dem Film hörte war ich sehr neugierig. Besonders da ich ahnte, dass Tarantino eben nicht die oberflächlichen Erwartungen erfüllen würde. Ich bin mit „Reservoir Dogs“ darauf hereingefallen, von dem ich mir damals wilde Überfälle und actionreiche Shootouts erwartete. Was ich jedoch bekam waren endlose Dialoge und verstörende Einzelszenen. Das Davor und das Danach war wichtig. Inzwischen habe ich den Film zu schätzen gelernt und sehe die Geschwätzigkeit in Tarantinos Filmen als sein Markenzeichen an. Meist sind die Dialoge ja auch verdammt gut geschrieben. Insofern war mir bewusst, dass ich hier wohl kaum nur nazimordende Bastarde sehen würde.

Allein die Eröffnungssequenz ist großes Kino. „Inglourious Basterds“ ist wahrlich Tarantinos Beitrag zum Italowestern. Sergio Leone wäre stolz darauf gewesen. Wie so oft liegt die verstörende Bedrohung nicht in expliziter Gewalt, sondern eben in den Charakteren selbst begründet. Mit Hans Landa hat Tarantino einen so herrlich fiesen Bösewicht geschaffen, dass es eine wahre Freude ist. Ohne Christoph Waltz wäre die Figur jedoch nur halb so sehenswert. Unglaublich gut gespielt. Der Golden Globe ist in meinen Augen mehr als nur verdient.

Neben Christoph Waltz ist mir besonders August Diehl im Gedächtnis geblieben, dessen Wortgefecht mit Michael Fassbender zu meinen Lieblingsszenen des Films gehört. Diehl steht Waltz in Sachen Boshaftigkeit in nichts nach und wird wohl ebenso lange im Gedächtnis des Publikums bleiben. Übehaupt muss man sagen, dass die Wahl der Schauspieler wieder einmal famos ist. Eine wirkliche Hauptrolle gibt es nicht, man hat es eher mit einem Ensemble zu tun, welches jedoch perfekt aufeinander abgestimmt wurde. Dafür hat Tarantino wahrlich ein Händchen.

Die Handlung selbst ist eher wenig spektakulär und wie die meisten Filme des Regisseurs lebt auch „Inglourious Basterds“ von seinen grandiosen Einzelszenen. Man muss sich jedoch wirklich auf den Film einlassen können, um der absurden Comicvariante des Italowestern, welcher im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist, all das abgewinnen zu können, das der Film letztendlich wert ist.

Für mich ist „Inglourious Basterds“ der beste Tarantino seit „Jackie Brown“ und ich bin mir sicher, dass er mit der Zeit noch besser werden wird. Vor zehn Jahren hätte ich den Film in den kommenden Tagen wohl gleich noch ein paar Mal gesehen, heute jedoch bleibt es vorerst bei dieser einen Sichtung. Ein herrlich unkonventionelles Stück Kino, das zumindest meine Erwartungen ziemlich genau erfüllt hat: 9/10 Punkte.

How I Met Your Mother – Season 2

Was für ein träges Januarwochenende. Ich glaube so schnell wie „How I Met Your Mother – Season 2“ habe ich schon lange keine Serienstaffel mehr verschlungen. Unglaublich. Somit wurden auch die letzten freien Tage von mir mehr oder weniger produktiv genutzt, bevor morgen wieder der Ernst des Lebens beginnt.

Das zweite Jahr von „How I Met Your Mother“ hatte ich bisher noch nicht so stark verinnerlicht, wie die Episoden der ersten Staffel und somit auch erst zum dritten Mal gesichtet. Ich weiß auch noch, dass ich nach dem ersten Durchgang beinahe etwas enttäuscht war, doch inzwischen habe ich auch hier unzählige Lieblingsepisoden gefunden: „The Scorpion and the Toad“, „Ted Mosby: Architect“, „World’s Greatest Couple“, „Slap Bet“, „Single Stamina“, „Monday Night Football“, „Lucky Penny“, „Stuff“ und „Arrivederci Fiero“ bilden nur die Highlights einer insgesamt wirklich unglaublich gelungenen Staffel.

Trotz aller Leichtigkeit beginnt die Staffel mit der Trennung von Marshall und Lily zunächst einmal etwas ernster. Aber nur etwas. Die Autoren verstehen es auch in dieser Ausgangslage leichtes Drama mit viel Humor und noch mehr Herz zu kombinieren und dadurch selbst schwierige Situationen zu meistern. Natürlich ist am Ende wieder alles im Lot, doch warum auch nicht? Schließlich ist das eine Sitcom und wer will bei einer solchen schon schweres Drama sehen? Dann lieber noch einmal Robin Sparkles oder die nächste Slap Bet-Runde!

Die nicht chronologische Erzählstruktur wird mit Episoden, wie „Ted Mosby: Architect“ oder „Lucky Penny“ auf die Spitze getrieben, wodurch die Serie noch einmal an Spritzigkeit gewinnt. Wirklich grandios! Wie man an der Geschwindigkeit der Sichtung erkennt, wurde ich der Show auch nicht überdrüssig. Ich könnte nun sogar direkt mit der dritten Staffel weitermachen: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Der Pate – OT: The Godfather (1972)

Aktualisierung: Ich habe „Der Pate“ am 3. März 2022 erneut in der 4K-Kinoversion zum 50. Jubiläum gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, denen ein besonderer Ruf vorauseilt. Filme mit Bedeutung. Großes Kino. Klassiker. Und dann gibt Francis Ford Coppolas „Der Pate“ – wohl einer der bedeutendsten Filme seit Anbeginn des Kinos. Ein Film nach dessen Sichtung man sich unweigerlich fragt, warum man sich überhaupt noch mit durchschnittlichen Filmen aufhält. Ein Meilenstein.

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Meine letzte Sichtung liegt bestimmt schon fünf Jahre zurück, dennoch konnte ich mich noch an nahezu jedes Details erinnern. Warum? Vermutlich weil ich innerhalb dieser Zeit gewisse Szenen oder Dialoge des Films auf die eine oder andere Art und Weise dennoch gesehen, gelesen oder gehört habe. „Der Pate“ hat die moderne Popkultur durchdrungen, wie kaum ein zweites Werk. Man wird sich schon anstrengen müssen, wenn man ein paar Tage Medienkonsum ohne Anspielung auf Coppolas Meisterwerk erleben möchte.

Ich könnte nun unzählige Lieblingsszenen aufzählen, doch eigentlich besteht der Film nur aus Lieblingsszenen. Am meisten beeindruckt mich jedoch immer wieder die eröffnende Hochzeitssequenz. Wie geschickt Coppola hier die Figuren einführt, bedrückende Dunkelheit mit gleißendem Licht und Lebensfreude zu verbinden weiß sowie Geschäft und Familie als Grundpfeiler der Geschichte etabliert, ist Kino in Perfektion. Ich könnte dem bunten Treiben stundenlang zusehen und doch schreitet die Geschichte unerbittlich weiter und entwickelt einen solchen Sog, dass man sich ihm unmöglich entziehen kann.

Dem Film wird häufig vorgeworfen, er würde ein zu romantisches und idealisiertes Bild des organisierten Verbrechens zeichnen. Ich möchte diese Vorwürfe auch gar nicht entkräften, nur mag mich diese Tatsache auch nicht stören. Man weiß ja heute, wie Michael Corleones Geschichte weitergeht. Welch gequältes Leben er doch führt. Betrachtet man diesen ersten Teil der Mafiasaga für sich, dann mag man den Vorwurf der Romatisierung jedoch zurecht treffen. Dennoch sollte man auch nicht vergessen, dass „Der Pate“ in erster Linie eine übersteigerte Form des Kapitalismus aufzeigt und somit durchaus kritischer mit gewissen Themen umgeht, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Nun möchte ich noch ein paar Worte zur aktuellsten Präsentation des Films auf Blu-ray verlieren: Grandios! Absolut grandios. Das Bild des Films hat – im Vergleich zur ersten DVD-Version – nicht nur eine komplette Überarbeitung in Bezug auf Kratzer, Bildstand usw. erfahren, sondern auch eine von Gordon Willis und Francis Ford Coppola überwachte Farbkorrektur erhalten. Anfangs mag das beinahe schon sepiafarbene Bild ungewohnt erscheinen, doch schon bald erlebt man den Film in völlig neuer Pracht. Schon alleine die Szenen auf Sizilien vermitteln einem das Gefühl, als wäre man wirklich selbt vor Ort. Ein echter Zugewinn.

Über die an Perfektion grenzende Inszenierung, den erstklassigen Schnitt, die famosen Schauspieler oder den herrlichen Score könnte ich nun noch seitenweise schreiben. Jedoch wird es hier wohl kaum einen Leser geben, der sich nicht schon selbst ein Bild von Coppolas Epos gemacht hat. Für mich hält der Film seinen Status völlig zurecht: Wohl der Filmklassiker überhaupt. Ohne ihn wäre das moderne Kino heute nicht da, wo es ist. Auch die Serienwelt würde in Ermangelung eines Tony Soprano anders aussehen. Ein Film, den man einfach gesehen haben muss: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Hellbound: Hellraiser II (1988)

Wie kann man den letzten Urlaubstag am besten nutzen? Da gibt es wohl einige Möglichkeiten, ich jedoch habe eine angebrochene Filmreihe weiterverfolgt. Tony Randels „Hellbound: Hellraiser II“ besitzt unter Genrefreunden einen exzellenten Ruf und wird in einem Atemzug mit dem Original genannt. Ich kann mich an meine erste Sichtung kaum noch erinnern, wodurch sich mir ein nahezu neuer Film präsentierte.

Die Fortsetzung des 80er Jahre Horrorklassikers „Hellraiser: Das Tor zur Hölle“ macht genau dort weiter, wo der Vorgänger aufhört. Und das in ausnahmslos jedem Aspekt. War der erste Teil eher ein bedrückendes Kammerspiel mit schockierenden Horrorelementen, so öffnen sich hier die Tore der Hölle meilenweit. Auch wenn viele Horrorfreunde es nicht gerne hören werden: „Hellbound: Hellraiser II“ ist eine typische Genrefortsezung. Mehr Gewalt, mehr Sex, mehr Blut und weniger Handlung. Insofern kann ich mich den Jubelstürmen leider nicht anschließen.

Grenzüberscheitende Elemente, welche den ersten Teil noch so frisch und unkonventionell wirken ließen, gibt es hier auch zu sehen. Als Beispiel nenne ich hier nur den Kuss, welcher wirklich äußerst verstörend anzusehen ist. Große Klasse! Leider bleiben solch relativ subtile Szenen in der Unterzahl und es wird zunehmen auf Blut und Ekel gesetzt. Die Geschichte bleibt dabei leider völlig nebensächlich und wirkt selbst wie ein großes Puzzle für das es keine Lösung gibt. Besonders gegen Ende mit dem Auftritt des Channard Cenobiten driften sowohl Effekte als auch Handlung in die Lächerlichkeit ab.

So intensiv manche Szenen (besonders in der ersten Filmhälfte) sind und so sehr ich die leider unterbudgetierte Visualisierung der Höllenwelt mochte, so sehr leidet der Film jedoch unter seinen Versatzstücken. Für mich kann dieses Sequel leider nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Weniger wäre wohl eben doch mehr gewesen. Aber so ist das ja oft bei Fortsetzungen und das nicht nur in diesem Genre: 5/10 Punkte.

How I Met Your Mother – Season 1

Es wird wirklich allerhöchste Zeit, dass ich endlich über „How I Met Your Mother – Season 1“ schreibe. Inzwischen habe ich die erste Staffel bestimmt schon vier Mal gesichtet. An diesen Wert kommen sonst nur die ersten Staffeln von „Friends“ und natürlich „Seinfeld“ heran. Doch lasst mich erst einmal erzählen, wie ich die Serie überhaupt kennen lernte…

Es war Ende 2005 und die Serie war vor nicht allzu langer Zeit angelaufen. Irgendwo sah ich die erste Episode und ich konnte gar nicht glauben, was ich da eigentlich sah. So viel musste ich bei einem Serienpiloten noch nie lachen. Das eigentlich Erstaunliche dabei war jedoch, wie sympathisch mir die Charaktere von der ersten Sekunde an waren. Als hätte ich mit ihnen bereits unzählige Abenteuer erlebt. Nach dieser Feststellung musste ich die Episode gleich noch einmal ansehen. Als meine Frau nach Hause kam, wurde auch diese erst einmal damit beglückt und da drei Sichtungen an diesem Tag noch nicht ausreichten, rief ich noch einen Freund an und begeisterte ihn ebenso für meine Entdeckung.

Während dieser ersten Staffel jagte für mich dann auch tatsächlich ein Highlight das nächste und ich bin mir kaum einer anderen Sitcomstaffel mit so vielen hundertprozentigen Treffern bewusst. Neben dem Piloten spielten sich besonders „Sweet Taste of Liberty“, „Okay Awesome“, „Slutty Pumpkin“, „The Pineapple Incident“, „The Limo“, „Game Night“ und „Mary the Paralegal“ in mein Serienherz, was eine enorme Anzahl an Lieblingsepisoden für eine erste Staffel darstellt. Die anderen Episoden stehen diesen Favoriten zudem um kaum etwas nach und einen Ausfall gibt es überhaupt nicht zu beklagen. Absolut bemerkenswert.

Was jedoch macht „How I Met Your Mother“ so außergwöhnlich sehenswert? Vermutlich die perfekte Verbindung von Humor und Herz. Es gibt so viele zynische oder schwarzhumorige Shows da draußen, dass es – zumindest für mich – wieder einmal höchste Zeit für warmherzige Comedy war. Die Serie wird oft mit „Friends“ verglichen, was meiner Meinung nach auch ziemlich ins Schwarze trifft. Als ich meinen ersten Durchlauf mit diesem Sitcomklassiker hatte, war ich jedoch zu jung für die Charaktere. Bei „How I Met Your Mother“ ist das anders. Ich habe genau das richtige Alter, kenne die Sorgen und Hoffnungen und kann somit gewisse Situationen (Zukunftsängste, Hochzeitsvorbereitungen usw.) viel besser nachvollziehen.

Neben dem generell sympathischen Ton der Serie überzeugt vor allem der Humor. Wie schon lange keine Serie zuvor hat „How I Met Your Mother“ die Sprache in meinem Freundeskreis geprägt. Seien es nun die International business men, Have you met Ted? oder Five shots in a row. Der popkulturelle Eindruck, den die Serie hinterlassen hat ist wahrlich bemerkenswert. Seien es unzählige „Star Wars“-Anspielungen oder Referenzen auf „Die Goonies“, man fühlt sich sofort zu Hause.

Getragen wird die Show natürlich vor allem von ihrem wunderbaren Ensemble. Ich möchte hier niemanden herausstellen, denn der Kerncast ist einfach fantastisch. Alyson Hannigan („Buffy: The Vampire Slayer“) und Jason Segel („Forgetting Sarah Marshall“) geben ein wahrlich hinreißendes Paar ab, Josh Radnor gelingt es wunderbar den emotionalen Kern der Geschichte zu tragen, Cobie Smulders gibt neben ihrem Part als Teds Love interest einen exzellenten Bro und Neil Patrick Harris („Doogie House, M.D.“ und „Starship Troopers“) spielt die Rolle seines Lebens. Abgerundet wird die Besetzung durch herrliche Gastauftritte, z.B. Alexis Denisof und Amy Acker (beide aus „Angel“), welche Serienfreunden großes zusätzliches Vergnügen bereiten.

Müsste ich die für mich perfekte Sitcomstaffel nennen, dann würde diese Ehre zweifellos an die erste Staffel von „How I Met Your Mother“ gehen. Trotz der vielen Sichtungen entdecke ich immer noch Details und kann genauso lachen wie beim ersten Mal. Abnutzungserscheinungen? Fehlanzeige! Kritikpunkte gibt es von meiner Seite aus keine, einzig die DVD hat sich nicht mir Ruhm bekleckert und so gibt es die Staffel nur im 4:3-Format und mit ausgetauschtem Soundtrack zu bewundern, was wirklich schade ist. Die finalen Worte? ‚It is legen-… wait for it… and I hope you’re not lactose intolerant because the second half of that word is DAIRY! Legendary!‘ This show really is legendary: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Anmerkung: Wie bei Besprechungen zu besonderen Filmen, werde ich dieses Prädikat in Zukunft auch an besondere Serien vergeben. Irgendwann folgt dann eine Zusammenfassung als Liste, aus der sich – so zumindest der Plan – jeweils meine jeweiligen Top 10 ergeben. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Ort und zu einer anderen Zeit…

Platoon

Mit der Sichtung von Oliver Stones „Platoon“ habe ich einmal wieder eine filmische Bildungslücke schließen können. Der Film steht bei mir schon länger im Regal, doch wurde ich erst durch die Sichtung der Genreparodie „Tropic Thunder“ an ihn erinnert. Neben Coppolas „Apocalypse Now“ wohl der bedeutendste über den Vietnamkrieg.

Wie bei so vielen Kriegs- bzw. Antikriegsfilmen überrascht einmal mehr die beinahe unüberschaubare Masse an bekannten Schauspielern. Wohlgemerkt an heute bekannten Schauspielern. So taucht z.B. Johnny Depp in einer winzigen Nebenrolle auf und Charlie Sheen steht in einem für ihn aus heutiger Sicht unüblichen Genre im Mittelpunkt. Weiterhin gibt es Willem Dafoe in einer seiner beeindruckendsten Rollen zu sehen und Tom Berenger in einer seiner fiesesten. Mit John C. McGinley (Dr. Cox, „Scrubs“) und Kevin Dillon (Johnny Chase, „Entourage“) ergänzen zwei heutige Serienstars den famosen Cast, welcher durch Forest Whitaker abgerundet wird.

Da der Film auf Oliver Stones eigenen Erfahrungen in Vietnam basiert, erleben wir als Zuschauer eine recht persönliche Sicht auf die Dinge. Unterstützt wird dieser Eindruck durch sporadisch eingesetztes Voice-over der Hauptfigur. Man wird mit Chris (Charlie Sheen) in die Handlung hinein geworfen und muss sich zunächst einmal orientieren. Stupide Aktionen und langwierige Wanderungen lösen sich mit unüberschaubaren Feuergefechten ab. Besonders interessant ist die Gruppendynamik, welche für so manch beklemmende Szene sorgt.

Mit dem Überfall auf ein vietnamesisches Dorf hat Stone wohl eine der bedrückendsten Szenen des Films geschaffen. Man fragt sich unweigerlich: Wie hätte man selbst wohl reagiert? Helden. Mitläufer. Wegseher. Und alles dazwischen. Die Grausamkreit des Krieges verblasst hinter der Grausamkeit der Menschen. Krieg ist nur ein abstrakter Begriff, der Mensch ist die Bestie. Stone gelingt es tatsächlich diese Botschaft zu vermitteln und am Ende des Films bleibt nur Entsetzen zurück.

Nach der Sichtung ist mir nun klar, warum „Platoon“ diesen besonderen Ruf in seinem Genre hat. Er ist einer der wenigen wirklichen Antikriegsfilme. Der Feind befindet sich in den eigenen Reihen. Was der einzelne Soldat oder selbst sein Platoon letztendlich erreicht bleibt völlig unklar. Krieg als unfassbare Größe, Soldaten als Menschen. Unbequemes, starkes Kino: 8/10 Punkte.

Das Kino des George Lucas (Marcus Hearn)

Durch Zufall bin ich auf Marcus Hearns „Das Kino des George Lucas“ gestoßen, einer detaillierten Betrachtung George Lucas‘ Gesamtwerks von seinen Studentenfilmen bis hin zur neuen „Star Wars“-Trilogie. Im Vorfeld hatte ich nicht mit solch einer ausführlichen Betrachtung gerechnet und eher nur einen erweiterten Bildband erwartet. Es stellte sich jedoch heraus, dass Hearns Werk ein tolles Kompendium für das Lucas’sche Universum ist.

Seit jeher bin ich fasziniert von George Lucas. Ein Standpunkt, für den man sich in der Zeit des zur Mode gewordenen Lucas Bashing fast schon schämen muss, aber auf keinen Fall sollte. Hearn legt in seinem Buch sehr genau dar, was Lucas in seinem bisherigen Leben für die Filmindustrie geleistet hat. Abgesehen von seinen Mammuterfolgen „Star Wars“ und „Indiana Jones“ gab es mit „THX 1138“, „America Graffiti“, „Willow“ usw. unzählige weitere Filmperlen, die ohne Lucas‘ Vision nie ins Leben gerufen worden wären.

Neben seinem filmischen Eindruck, hat Lucas besonders einen technischen hinterlassen. Ohne ILM (Industrial Light & Magic) wäre die Filmtechnik nicht da, wo sie heute ist. Sei es nun non-linearer Videoschnitt, Motion Capturing, die digitale Aufzeichnung und Projektion von Kinofilmen uvw. Lucas‘ stetes Streben nach neuen Möglichkeiten ebnete den Weg für das Kino, wie wir es heute kennen. Auch Pixar entstand unter Lucas‘ Obhut und nicht vergessen sollte man ebenso LucasArts, welche nicht nur mit der „Monkey Island“-Reihe eine ganze Generation von PC-Spielern prägten.

Dass Lucas mit seinen unabhängigen – das muss man sich erst einmal vorstellen – Filmproduktionen stets ein großes finanzielles Risiko eingegangen ist, sollte man auch nicht vergessen. Ich kann demnach nachvollziehen, wie wichtig ihm seine geistigen Kinder sind und warum er diese stets in der bestmöglichen Fassung veröffentlichen möchte. Mehr als die dahinter vermutete Geldgier sehe ich tatsächlich seinen Hang zur Perfektion und der Finalisierung seiner Vision.

All das von mir Beschriebene kommt in Marcus Hearns Werk sehr gut heraus. Natürlich sollte man ein gewisses Faible für Lucas mitbringen und sich am besten schon etwas Lucas – besonders mit seiner Zeit bei American Zoetrope – beschäftigt haben. Für mich hätte es teils noch etwas tiefer gehen können, doch war ich insgesamt mehr als nur zufrieden mit Hearns Darstellung von Lucas‘ Schaffen: 9/10 Punkte.

The Sopranos – Season 5

Mit „The Sopranos – Season 5“ nähert sich mein aktuell laufendes Seriengroßprojekt so langsam aber sicher auch schon wieder seinem Ende. Wirklich schade, denn über die letzten Monate ist mir die Sippe richtig ans Herz gewachsen. Umso schöner, dass ich mit dieser Staffel noch einmal ein echtes Highlight erleben durfte.

Der sich bereits in der vierten Staffel abzeichnende Konflikt zwischen den New Yorker Familien und New Jersey wird nun endlich auf die Spitze getrieben. Herrlich inszeniert und gespielt. Besonders im Gedächtnis blieb mir hier die famose Traumepisode „The Test Dream“, in welcher Tonys innere Gedankenwelt gekonnt visualisiert wurde. Die Realität stand dem Traum jedoch in nichts nach und somit gibt es in dieser Staffel einige brutale, komische und bewegende Highlights zu bewundern.

Mit Steve Buscemi als zweiter Tony bekommt die Serie einmal mehr einen grandiosen Charakter spendiert. Gekonnt wird hier mit der Rehabilitation von Verbrechern gespielt, wobei am Ende doch wieder alles auf das Unvermeindliche hinausläuft. Geld verdirbt eben den Charakter. Ganz besonders unter Mafiosis. Die Ereignisse spitzen sich gegen Ende der Staffel immer mehr zu und in einer emotional fordernden Szene müssen wir uns von einer weiteren Figur trennen. Hier merkt man einmal wieder deutlich, wie mitreißend diese Serie doch ist.

Für mich stellt diese Staffel das bisherige Highlight der Serie dar. Herausragend gespielt, grandiose Dialoge und eine Handlung wie ein schwarzes Loch. Man kann der Sogwirkung wahrlich nicht entkommen. Nun blicke ich der sechsten Staffel mit großer Freude und bereits jetzt mit großer Wehmut entgegen. Doch man soll schließlich aufhören, wenn es am schönsten ist: 10/10 Punkte.

Stirb langsam 4.0 – OT: Live Free or Die Hard – Recut Version

Weiter geht es im Fortsetzungswahn. Len Wisemans „Stirb langsam 4.0“ ist das von Fans lange erwartete und gefürchtete Sequel zu den Actionklassikern der späten 80er und frühen 90er Jahre. Es lagen folglich Erwartungen vor, die unmöglich erfüllt werden konnten. Oder etwa doch?

Um es vorwegzunehmen: Len Wiseman ist mit seiner Modernisierung des Actionmythos ein durchaus würdiger Nachfolger gelungen. Stets unterhaltsam, mit einem herrlich aufspielendem Bruce Willis und ausreichend fetziger Action. Das eigentliche Kunstück war jedoch wohl John McClane glaubhaft in eine Bedrohungssituation zu bringen, die dem Kino des neuen Jahrtausends würdig ist und dementsprechend auch eine neue Generation von Kinogängern für den alternden Actionhelden begeistern kann.

Ich hatte wirklich befürchtet, dass die Cybercrime-Rahmenhandlung zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist und vom Sujet her absolut unpassend für diesen klassischen Heldentypus. Doch die Sache funktioniert erstaunlich gut, besonders wenn man den Spagat zwischen alter und neuer Zielgruppe bedenkt. Zwar gibt es wieder unzählige dumme Computerklischees und Logiklücken, doch abgesehen davon wirkt die Bedrohung doch recht real im heutigen Zeitalter der globalen Vernetzung.

Die Aufstellung der Bösewichte erinnert tatsächlich an die der klassischen Filme. Timothy Olyphant hat mir erstaunlich gut gefallen. Vielleicht etwas schmierig, doch insgesamt ein passender Gegenspieler im Rahmen der Handlung. Auch McClanes Sidekick Matt Farrell (Justin Long) war nicht ganz so nervig, wie ich das nach den Trailern befürchtet hatte. Dennoch hat er den Fokus von der eigentlichen Hauptfigur abgelenkt, was ich schade fand.

Die Actionszenen fand ich größtenteils klasse inszeniert, doch – wie hätte es anders sein sollen? – zu übertrieben und teils auch zu CGI lastig. Besonders der Kampf gegen den Jet hätte dann doch nicht in all seiner Ausführlichkeit sein müssen. Wenn ich so etwas sehen will, dann schaue ich mir lieber noch einmal James Camerons „True Lies“ an.

Insgesamt bin ich mit „Stirb langsam 4.0“ durchaus zufrieden. Ich hatte zwei Stunden lang wirklich großen Spaß und habe mich letztendlich doch nicht an so vielen Sachen gestört, wie ich anfangs noch befürchtet hatte. Wer mit den Modernisierungen leben kann und keinen waschechten 80er bzw. 90er Jahre Actionfilm erwartet, der dürfte auch als Fan viel Spaß mit John McClane im neuen Jahrtausend haben: 7/10 Punkte.