In die Wildnis: Allein nach Alaska (Jon Krakauer)

Nachdem ich von Sean Penns Verfilmung mehr als nur begeistert war, habe ich direkt im Anschluss Jon Krakauers Vorlage „In die Wildnis: Allein nach Alaska gelesen. Auffällig beim Lesen war, wie genau sich Penn doch an die Struktur von Krakauers Tatsachenbericht gehalten hat. Einzig Auslassungen und Straffungen sind mir aufgefallen, welche dem Film jedoch zugute kamen.

Die Person des Christopher McCandless wird von Krakauer sehr genau beschrieben. Sowohl seine Herkunft, als auch seine Vorstellungen und Ideale. In meinen Augen entsteht dadurch ein recht realistisches Bild des jungen Abenteurers, welches seine Handlungen für den Leser – aufgrund von McCandless‘ Charakter – durchaus nachvollziehbar macht. Ebenso fand ich nicht, dass Krakauer McCandless – so wie es ihm häufig vorgeworfen wird – zum tragischen Helden stilisiert. Natürlich wird er sympathisch gezeichnet, doch ebenso stark wird darauf eingegangen, dass sich der Reisende nicht ausreichend auf sein Abenteuer vorbereitet sowie sich und seine Fähigkeiten maßlos überschätzt hat.

Der gute Gesamteindruck des Reiseberichts wird leider etwas durch Krakauers abschweifende Erzählweise getrübt. So zieht er nicht nur etliche weitere Abenteurer als Vergleich heran, sondern schweift besonders im Bezug auf seine eigene Wildniserfahrung leider ziemlich ab. Diese Vergleiche machen inhaltlich zwar durchaus Sinn, hätten aber durchaus kürzer erzählt und geschickter in McCandless‘ Odyssee eingeflochten werden können.

Am Ende bleibt ein beeindruckes Zeugnis eines außergewöhnlichen Menschen. Auch wenn ich persönlich etliche Charakterzüge und Handlungen McCandless‘ nicht nachvollziehen kann, so hat mich Krakauers Nacherzählung seiner Geschichte doch wirklich berührt. Beinahe ebenso sehr, wie die in meinen Augen noch gelungenere Verfilmung: 9/10 Punkte.

11 Gedanken zu “In die Wildnis: Allein nach Alaska (Jon Krakauer)

  1. Haha, das Buch habe ich mir gerade bestellt (leider auf deutsch, wie ich zu spät gemerkt habe). Hast du es auch auf deutsch gelesen? Das wäre beruhigend.

    Ich habe noch ein weiteres Krakauer-Buch bestellt (irgendwas mit Mount Everest) und bin mal gespannt, wie sich das im Vergleich macht. Kennst du andere von ihm?

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  2. Der gute Gesamteindruck des Reiseberichts wird leider etwas durch Krakauers abschweifende Erzählweise getrübt.

    Jau, diese vergleichenden Aussteiger-Einschübe fand ich auch ungemein störend, gerade weil sie mitten in McCandless‘ Geschichte platziert werden. Aber dennoch sehr schön und sorgfältig recherchiert.

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  3. @juliaL49: Ich habe das Buch auch auf deutsch gelesen und mich hat die Übersetzung nicht gestört. Bei Büchern bin ich da aber auch nicht so empfindlich, wie bei gesprochenen Texten in Filmen oder Serien.

    Ansonsten kenne ich kein Krakauer-Buch, doch ich denke wenn man gerne Reiseberichte liest, dann kann man mit ihm nichts falsch machen.

    @Flo Lieb: Ja, ich fand auch dass Krakauer McCandless‘ Geschichte sehr nachvollziehbar, lückenlos und – aufgrund seiner angeführten Recherchen – glaubwürdig rekonstruiert und dargestellt hat. Nun habe ich tatsächlich wieder Lust auf den Film bekommen, werde aber warten bis ich ihn mir auf Blu-ray zugelegt habe.

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  4. Ja, ich finde auch, dass sowohl Film als auch Buch Chris McCandless nicht auf ein Podest heben, sondern durchaus auch seine Fehler (z.B. Selbstüberschätzung) zeigen. Aber irgendwo müssen die Kritiker ja schließlich ansetzen… 😉

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