Rapunzel: Neu verföhnt – OT: Tangled

Disney’s back! Wie schön. Ich liebe ja die klassischen Disney-Filme. Doch irgendwann haben sie begonnen an Qualität zu verlieren und Pixar hat dem ehrwürdigen Animationsstudio – trotz offizieller Zusammenarbeit – den Rang abgelaufen. Ich weiß gar nicht mehr genau, was mein letzter Disney-Film war, doch nachdem ich eine Menge ausgelassen hatte, schien „Rapunzel: Neu verföhnt“ trotz des unschönen deutschen Titels sehr sehenswert geworden zu sein. Insofern war meine Vorfreude groß und ich sollte nicht enttäuscht werden…

„Tangled“ – so der um einiges gelungenere Originaltitel – ist ein klassischer Disney-Film, wie er im Buche steht. Es wird eine bekannte Märchenhandlung nacherzählt, es wird getanzt und gesungen, es gibt lustige Sidekicks, eine zarte Liebesgeschichte und einen eindeutigen Bösewicht. Dennoch wirkt der Film viel morderner als z.B. „Cindarella“ oder auch „Die Schöne und das Biest“, was aber weniger an der verwendeten Animationstechnik (ja, auch Disney ist schon seit Längerem im 3D-Zeitalter angekommen), als an der spritzigen Erzählweise der Geschichte. Das Tempo ist höher, die Dialoge gewitzter und dennoch fügt sich alles zu einem einheitlichen Bild zusammen. Wirklich sehr gelungen!

Auch wenn die Geschichte nicht mit großen Überraschungen auftrumpft, so sind es jedoch die Details, die überzeugen. Jeder Nebencharakter wirkt bewusst platziert und jeder auch noch so kleine visuelle Gag sitzt. Dabei sollte man aber nicht den Fehler machen eine Art „Shrek“ zu erwarten, denn „Tangled“ nimmt sich als klassischer Märchenfilm durchaus ernst, was zu einigen herrlich kitschig-schönen Einstellungen führt, die wir an Disney-Filmen eben so lieben. Davon gerne bitte wieder mehr.

Ebenso kann die Besetzung voll und ganz überzeugen. Mandy Moore klingt genauso süß und naiv, wie man sich Rapunzel eben vorstellt. Donna Murphy (Denise Goodman, „Trust Me“) weiß als böse Mutter Gothel zu brillieren und Zackary Levi (Chuck Bartowski, „Chuck“) gibt einen herrlich charmanten Tagedieb. Wahrlich famos! Mit Ron Perlman, Jeffrey Tambor und Brad Garrett seien dann nur einige der Nebendarsteller genannt. Ein wahres Fest also für Film- und Serienfreunde.

Zwar reicht „Tangled“ in meinen Augen noch nicht an die ganz großen Disney-Klassiker heran, doch der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Der Film ist eigenständig und versucht weder Pixar zu kopieren, noch auf Teufel komm raus irgendwie anders modern zu sein. Er weiß seine Stärken geschickt auszuspielen und überzeugt somit auf ganzer Linie. Wie gesagt, äußerst gerne mehr davon: 8/10 Punkte.

Two and a Half Men – Season 7

Eigentlich wollte ich die Serie ja nicht mehr weiterschauen, doch der Eklat rund um Charlie Sheens Ausstieg Rausschmiss hat mich dann doch neugierig gemacht. Bis jedoch die neuen Episoden mit Ashton Kutcher ausgestrahlt werden, gilt es für mich noch zwei Staffeln nachzuholen. Wie zu erwarten setzt auch „Two and a Half Men – Season 7“ den eingeschlagenen Weg gnadenlos fort und verliert sich immer mehr in plattesten Humorregionen. Mal sehen, ob ich tatsächlich bis zur Neuausrichtung der Serie dranbleiben werde.

War bereits die sechste Staffel nicht mehr so untehaltsam, wie die ersten Jahre mit den zweieinhalb Männern, so waren in dieser Staffel zum ersten Mal Episoden dabei, bei denen ich am liebsten abgeschaltet hätte. Fäkalhumor auf unterstem Niveau, Schauspiel zum Fremdschämen und eine Handlung, die als solche nicht zu bezeichnen ist. Glücklicherweise haben sich solche Totalausfälle auf ein paar wenige Episoden beschränkt, wohingegen der Rest der Staffel durchaus unterhaltsam war – trotz der seltsamen Prämisse Charlie eine längerfristige Beziehung andichten zu wollen.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Der Reboot kann der Serie qualitativ nur gut tun. Bis dahin heißt es noch eine verkürzte Staffel mit Charlie Sheen zu überstehen, die sich hoffentlich wieder mehr auf die durchaus funktionierende Gruppendynamik und weniger auf Furzwitze konzentriert. Sehr knappe 6/10 (5.5) Punkte.

127 Hours (2010)

Danny Boyle ist zurzeit wohl einer der wandlungsfähigsten Filmemacher. Egal ob stilbildender Drogenfilm, Zombie-Schocker oder Science-Fiction. Der Mann fühlt sich in jedem Genre zu Hause. Mit „Slumdog Millionär“ schuf er vor zwei Jahren sogar den großen Abräumer bei den Acadamy Awards. Auch sein jüngstes Werk „127 Hours“ ist bei der Kritik größtenteils gut angekommen und Danny Boyle erschließt für sich damit abermals ein neues Genre. Man darf gespannt sein, was uns der Mann in Zukunft noch bescheren wird.

Nun aber zum Film, der hier besprochen werden soll: Die Geschichte von „127 Hours“ hat mich schon gereizt als ich das erste Mal davon hörte. Zum einen das Abenteuer und die wahre Begebenheit als Grundlage, die mich augenblicklich an den grandiosen „Into the Wild“ denken ließ. Zum anderen das begrenzte Setting und ein Schauspieler, der den gesamten Film tragen muss. Nicht zuletzt hat für mich auch die Regie einen großen Teil des Interesses ausgemacht. Was wird Danny Boyle wohl aus diesem Einpersonenstück zaubern? Ein intimes Rührstück? Wird die Prämisse nur Grundlage für eine größere Geschichte werden? Welchen Filmstil wird er wählen? Letztendlich hat „127 Hours“ dann ziemlich genau das geliefert, was man sich erhoffen durfte.

James Franco spielt den unbedachten Abenteurer Aaron Ralston wirklich äußerst überzeugend. Man kann mit ihm mitfühlen. In manchen Szenen sogar viel zu gut. Die digitale Handkamera bleibt stets sehr nah an der Hauptfigur. Normalerweise mag ich den überaus digitalen Look nicht, doch hier wird die – im wahrsten Sinne des Wortes – festgefahrene Situation durch die dynamische Kameraarbeit sehr effektiv aufgelockert. Auch der kunterbunte Prolog hat mir ausgezeichnet gefallen. Man lernt Aaron Ralston somit in seiner natürlichen Umgebung kennen und weiß, dass er trotz seines Übermuts ein erfahrener Kletterer ist.

Die Szenen im Canyon werden schließlich durch kurze Erinnerungsfragmente aufgebrochen, was oft etwas plakativ wirkt, doch ebenso ziemlich realistisch. Wer kennt diese kurzen Gedankenfetzen in Extremsituationen oder kurz vor dem Einschlafen nicht? Rein inszenatorisch gesehen nutzt Danny Boyle diese Szenen natürlich auch, um  das recht begrenzte Szenario aufzufrischen. Ich möchte ihnen jedoch keinesfalls ihren dramaturgischen Wert absprechen.

„127 Hours“ ist nach dem beinahe schon epischen „Slumdog Millionär“ ein eher kleiner und persönlicher Film, der jedoch so packend und mitreißend inszeniert wurde, dass er Boyles Oscar-Gewinner in nahezu nichts nachsteht. Die berüchtigte Amputationsszene empfand ich auch als sehr schwer anzusehen, doch war diese drastische Darstellung meiner Meinung nach nötig für den Film. In oberflächlichem Gore badet Boyle glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt und der beinahe schon übermenschliche Eingriff wird auch nicht verharmlost.

In meinen Augen ist es Danny Bolye und James Franco gelungen aus einer kammerspielartigen Ausgangssituation ein mitreißendes und vor allem lebendiges sowie hoffnungsvolles Abenteuerdrama zu schaffen. Teils anstrengend, teils befremdlich, doch stets sehenswert. Sicher nicht Boyles bester Film, doch mit Sicherheit das Beste, was man aus der begrenzten Prämisse herausholen kann: 8/10 Punkte.

Das Wörterbuch des Viktor Vau (Gerd Ruebenstrunk)

Bisher habe ich meine Urlaube auch immer stets dazu genutzt viel zu lesen. Seit dem Eintritt ins Berufsleben bleibt dafür im Alltag nämlich nicht mehr allzu viel Zeit übrig. In meinem letzten Urlaub jedoch habe ich nicht einmal ein einziges Buch komplett gelesen. An der Qualität von Gerd Ruebenstrunks „Das Wörterbuch des Viktor Vau“ liegt dies glücklicherweise nicht, denn wenn es danach ginge, hätte ich das Buch wohl schon am ersten Tag verschlungen. Doch da hat Herr Ruebenstrunk wohl nicht mit meiner Tochter gerechnet, die mich während des Urlaubs keine Sekunde aus den Augen lassen wollte. Mit Rückkehr in die heimischen vier Wände konnte ich die Geschichte um Viktor Vau nun endlich zuende verfolgen.

Zunächst dachte ich ja, dass es sich bei „Das Wörterbuch des Viktor Vau“ um einen leichten Jugendroman mit Fantasyanleihen handelt. Weit gefehlt. Gerd Ruebenstrunk erzählt die Geschichte einer Gesellschaft, die deutliche Parallelen zu George Orwells „1984“ aufweist. Anfangs fällt es noch schwer den diversen Handlunsebenen zu folgen bzw. diese korrekt in Bezug auf die Gesamtgeschichte einzuordnen. Manche Beschreibungen (z.B. die des fiktiven afrikanischen Staates Dagombé) sind beinahe schon so detailliert, dass man vermutet Ruebenstrunk habe die eigentliche Geschichte aus den Augen verloren. Dann jedoch laufen die Erzählfäden wieder zusammen und es wird ein umfassendes Bild geschaffen, dessen theoretische Grundlage sowohl faszinierend, als auch erschreckend ist.

Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht mehr über den Inhalt verraten, denn jedes Wort zuviel würde nur die Gefahr bergen einige der diversen Wendungen vorwegzunehmen. Dennoch möchte ich den Roman jedem Leser ans Herz legen, der andersartige und intelligente Unterhaltung zu schätzen weiß. Wenn man erst einmal in die Geschichte eingetaucht ist, dann bietet sie einen wahren Fundus an Ideen und Konzepten, über die man selbst noch lange nachdenken kann. Ein äußerst gelungenes Lesevergnügen: 9/10 Punkte.

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993) (WS1)

Da ich nach meinem Urlaub jetzt schon wieder die Berge vermisse, musste dringend Abhilfe gefunden werden. Welcher Film bietet sich da mehr an, als Renny Harlins „Cliffhanger“ mit Sylvester Stallone und John Lithgow? Keiner, ganz genau. Zudem liegt die letzte Sichtung auch schon wieder 5 Jahre zurück, was die Entscheidung für den 90er Jahre Actionkracher umso leichter machte.

Ich liebe es wie herrlich altmodisch der Film daherkommt – und das obwohl er damals mit den aufwendigsten Stuntszenen aufwarten konnte und neueste VFX-Techniken zum Einsatz kamen. Dennoch strahlt der Film eine sehr handgemachte Atmosphäre aus, was durch die brutalen Actioneinlagen nur noch unterstrichen wird. Da die Geschichte beinahe schon vernachlässigbar simpel – aber dennoch überzeugend und spannend – ist, hat sich Renny Harlin größtenteils auf die grandiose Naturkulisse verlassen, die auch enorme Schauwerte bietet.

Der Film sieht auch heute noch fantastisch aus und wird zur nächsten Sichtung garantiert auf Blu-ray angeschafft. Einige Einstellungen lassen zwar ihre Studioherkunft nicht verleugnen, doch sind mir diese weit weniger störend aufgefallen, als noch bei der letzten Sichtung. Überhaupt hat mich die Handlung dieses Mal wieder sehr mitgerissen, was vielleicht auch daran lag, dass ich den Film wohl zum ersten Mal im englischen Originalton gesehen habe.

Renny Harlin ist mit „Cliffhanger“ wahrlich ein Actionmeisterwerk gelungen. Sicher nichts was sehr lange in Erinnerung bleibt, doch mit jeder Sichtung eine verdammt unterhaltsame Achterbahnfahrt mit einem herrlichen Bösewicht und fantastischen Bildern. Auch Trevor Jones Score ist nicht zu unterschätzen und rundet das Gesamtbild stimmig ab. Sollte man als Actionfreund ruhig öfter als alle 5 Jahre einmal sehen: 8/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Casino Royale“ am 8. Mai 2013 und am 22. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem alle Welt bereits über den neuen James Bond berichtet hat und Daniel Craig bereits zum zweiten Mal als 007 auf der Leinwand erschienen ist, ergreife nun auch ich die Gelegenheit, um „James Bond 007: Casino Royale“ zu besprechen. Ein neuer Bond, ein frischer Bond. Kein strahlender, charmanter Lebemann. Ein gebrochener Held, unter dessen harter Schale ein verletzlicher Kern zu finden ist. Ein James Bond für die 2010er Jahre.

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Früher habe ich James Bond geliebt. Neben den Bud Spencer- und Terence Hill-Kloppereien gehörte die Reihe um den britischen Geheimagenten wohl zu den ersten Filmen, für die ich abends lange aufbleiben durfte. So sah ich in meiner Jugend alle Bond-Filme mit Sean Connery und Roger Moore wohl nicht nur einmal. Exotische Länder, geheimnisvolle Bösewichte und außergewöhnliche technische Gadgets waren der Mix, der die Serie für mich interessant machte. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Spätestens mit Pierce Brosnan habe ich jedoch das Interesse an der Reihe verloren und seit knapp 10 Jahren wohl auch keinen Bond mehr gesehen. Ob es Daniel Craig gelungen ist, das alte Interesse wieder zu wecken?

Ich muss zugeben, dass Herr Craig durchaus eine gute Figur macht. Besonders das erste Filmdrittel ist wunderbar inszeniert und gespielt. Bond ist körperlicher geworden. Die Actionszenen sind schnell und doch übersichtlich geschnitten. Oft las ich von Vergleichen zur Bourne-Trilogie, doch ist James Bonds Universum weit weniger in der Realität angesiedelt, als das von Jason Bourne. Die oft übertriebene und doch realistisch inszenierte Action steht dem Film gut zu Gesicht und ich wünschte mir sehr, dass die restliche Handlung etwas von dieser Überhöhung mitbekommen hätte.

Auch wenn der Antagonist in „Casino Royale“ wie ein typischer Bond-Bösewicht daherkommt, so fehlt diesem doch der beißende Witz und unserem Helden der lockere Spruch auf den Lippen. Zwar fand ich die deutlich brutaleren Kampfszenen und harten Actioneinlagen sehr gelungen, doch hätte ich z.B. auf die Folterszene durchaus verzichten können. Überhaupt fällt die Handlung im letzten Drittel etwas ab. Die teils schon übertrieben schmonzettige Liebesgeschichte sowie das undurchsichtige Finale hätte man – trotz einer fantastischen Eva Green – durchaus kürzer und prägnanter abhandeln können. Dennoch ist dieser Kritikpunkt nur ein geringer und ich wurde insgesamt ausgezeichnet unterhalten.

Fazit

Für mich hat „Casino Royale“ tatsächlich wieder das Interesse an James Bond geweckt. So werde ich mir irgendwann demnächst garantiert auch „Ein Quantum Trost“ zu Gemüte führen – auch wenn diverse Kritiken befürchten lassen, dass man 007 noch mehr zum wortkargen Einzelkämpfer stilisiert hat. Vor der nächsten Sichtung sollte ich aber auf jeden Fall meine Poker-Kenntnisse auffrischen. Knappe 8/10 Punkte.

Der 13te Krieger – OT: The 13th Warrior (1999)

Lange hat es gedauert, bis John McTiernans bzw. Michael Crichtons „Der 13te Krieger“ seinen Weg in mein Heimkino fand. Obwohl ich den Film damals bereits im Kino kennen und lieben gelernt hatte und unzählige Sichtungen auf diversen Videoabenden folgen sollten, konnte ich mich nie zum Kauf der qualitativ minderwertigen DVD durchringen. Dank durchaus respektabler Blu-ray habe ich dieses Versäumnis nun endlich nachgeholt.

Ich weiß noch genau, dass die Freigabe des Films damals wilde Diskussionen entfachte. Im Kino war „Der 13te Krieger“ nämlich noch ab 12 freigegeben. Auch ich musste mich sehr wundern, erlebten wir bei der damaligen Sichtung doch ein recht brutales Historienabenteuer. Männerkino eben. Folglich durfte der Film auch bei etlichen, damals noch an der Tagesordnung stehenden, Videoabenden nicht fehlen. Die meisten Szenen haben sich demnach unauslöschbar in mein filmisches Langzeitgedächtnis gespielt. Umso gespannter war ich also, wie sich das Historienvehikel denn heute schlagen würde.

Um es kurz zu machen: Ich bin immer noch begeistert. Auch wenn bekannt ist, dass die Produktion unter keinem guten Stern stand und Michael Crichton John McTiernans Version um mehr als 45 Minuten beraubte, den Rest umschnitt und den kompletten Score austauschte, so muss ich doch sagen, dass „Der 13te Krieger“ immer noch verdammt gut funktionert. Er ist kurzweilig, äußerst atmosphärisch und schön gefilmt. Die Handlung ist treibend und der Spannungsaufbau exakt ausgearbeitet. Die Charaktere sind gut geschrieben und wachsen einem schnell ans Herz. Auch wenn man teils merkt, dass gewisse Handlungsstränge (z.B. rund um den Sohn des Königs) weichen mussten, so wirkt der Film kompakt und wie aus einem Guss.

Erfrischend ist, wie bedächtig Antonio Banderas Figur als untypischer Held aufgebaut wird. Kleine Details, wie das schön visualisierte Erlernen der nordischen Sprache, tragen zudem dazu bei, dass die Filmwelt – trotz mythischer Ankläge – real und fundiert wirkt. Weiterhin liebe ich die grandiosen Landschaftsaufnahmen. Der Drehort rund um das Dorf ist wirklich perfekt gewählt. Auch Jerry Goldsmiths Score könnte ich immer wieder hören. Episch und doch passend für dieses doch recht intime Historienabenteuer.

Für mich wird „Der 13te Krieger“ wohl immer ein ganz besonderer Film sein und ich würde einiges geben, um einmal John McTiernans Director’s Cut sehen zu können. Doch auch Michael Crichtons Version hat sich in mein filmisches Herz gespielt und ich werde ihn nun wohl wieder öfter anschauen. Zweiflern sei dieses herrlich altmodisch inszenierte Actionabenteuer auf jeden Fall ans Herz gelegt. Dank Blu-ray nun auch endlich in ansprechender Qualität: 9/10 Punkte.

Men of a Certain Age – Season 1

Eine Serie, über die ich durch eine Empfehlung von Kollege Inishmore gestolpert bin, ist „Men of a Certain Age – Season 1“ mit zwei nicht unbekannten Größen des TV-Geschäfts. Sowohl Ray Romano als auch Scott Bakula habe ich schon immer gerne gesehen und auch wenn ich noch nicht ganz zur Zielgruppe der Show gehören dürfte, so konnte ich mich doch erschreckend gut mit ihren Charakteren identifizieren.

Sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch sticht „Men of a Certain Age“ deutlich aus dem TV-Einerlei heraus. Die Serie ist ungewöhnlich unaufregend anzusehen und die Charaktere sind ungewöhnlich sympathisch gezeichnet. Die Geschichten verlaufen meist ohne größere Höhepunkte und sind überhaupt erfrischend altmodisch inszeniert. Einzig die dokumentarische Kamera mag teils etwas zu modern wirken, doch wird einem als Zuschauer dadurch die Distanz genommen, was ich in diesem Fall durchaus positiv sehe – und das schreibe ich als jemand, der normalerweise mit übertriebener Wackelkamera in ruhigen Szenen so rein gar nichts anfangen kann.

Inhaltlich geht es größtenteils um die Widrigkeiten des Alltags. Insbesondere um die Widrigkeiten mit denen Männer in ihren besten Jahren zu kämpfen haben. Familie, Gesundheit, Beziehungen, Beruf und der Sinn des Lebens im Allgemeinen. Dramaturgisch bleibt die Serie eher seicht, doch die Themen berühren und werden mit einem wunderbar leichten Humor unterfüttert. Dies lässt „Men of a Certain Age“ in den meisten Szenen unglaublich sympathisch erscheinen – auch oder gerade weil es kaum Spannungsmomente gibt.

Da sich die drei Erzählstränge unserer Charaktere oft nur am Rande berühren, wirkt die Serie oft sehr episodisch erzählt. Dennoch steht die Freundschaft stets im Vordergrund – und ist es im Leben (zumindest ab einem gewissen Alter) nicht auch so, dass jeder sein eigenes Leben lebt und gute Freundschaften dennoch funktionieren? Ich für meinen Teil habe „Men of a Certain Age“ auch aus diesem Grund sehr gerne gesehen. Wohl eine der sympathischsten Serien zurzeit, die zwar keine großen Geschichten erzählt, doch oft an das erinnert, was im Leben wirklich zählt: 8/10 (7.9) Punkte.

TRON: Legacy (2010)

Aktualisierung: Ich habe „TRON: Legacy“ am 6. Juli 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Sequels, die etliche Jahre – bzw. in diesem Fall beinahe zwei Jahrzente – nach dem Original erscheinen, sind oft leider mit Vorsicht zu genießen. Besonders wenn man die Originale liebt. So habe ich mich auf „TRON: Legacy“ zwar sehr gefreut, doch war ich gleichzeitig besorgt, dass die Fortsetzung nicht mehr viel mit einem meiner Lieblingsfilme aus sorgenfreien Jugendtagen gemein hat.

TRON: Legacy (2010) | © Walt Disney

TRON: Legacy (2010) | © Walt Disney

Der 1982er „TRON“ war ein Meilenstein für die VFX-Branche und generell für Filme, wie wir sie heute kennen. Auch wenn er heute teils sehr angestaubt und naiv wirkt, so besetzt er dennoch einen Dauerplatz in meinem persönlichen Filmolymp. Gelingt es „TRON: Legacy“ die übergroßen Fußstapfen der Vorgängers auszufüllen? Natürlich nicht. Wie sollte es auch? Selbst James Camerons „Avatar“ wird, rückblickend betrachtet, wohl nicht mit der gleichen Bedeutung in die Filmgeschichte eingehen, wie Steven Lisbergers „TRON“ – doch wenden wir uns nun der Fortsetzung zu.

Von der Handlung her betrachtet wirkt „TRON: Legacy“ größtenteils wohl ebenso befremdlich, wie sein Vorgänger. Eine lebendige Computerwelt. Menschen, die Programme darstellen. Spätestens an dieser Stelle steigen viele Zuschauer wohl bereits aus. Für mich war es jedoch nie ein Problem, diese Prämisse zu schlucken. Vermutlich, weil ich die Welt von „TRON“ kenne solange ich denken kann. Dass dem aktuellen Film zudem noch der naive Charme des Originals abgeht und er hypermodern inszeniert wurde, mag – trotz aggressivem Marketing – seine Schwierigkeiten beim normalen Kinopublikum erklären.

Audiovisuell ist der Film ein Genuss. Wahnsinn. Die Computerwelt wird durch ein Meer von Licht dargestellt. Glänzende Oberflächen, Spiegelungen und Licht. Soviel Licht. Absolut beeindruckend. Nicht minder imposant ist der fantastische Score des französischen Electronica-Duos DAFT PUNK, welcher den hypertechnisierten Look des Films perfekt unterstreicht. Erstaunlich dabei ist, dass sich die Welt von „TRON: Legacy“ dennoch wie ein nur weiterentwickelter Teil des damaligen Filmuniversums anfühlt. Eine erstaunliche Leistung.

Fazit

Trotz meiner hier kundgetanen Begeisterung muss man ganz klar sagen, dass „TRON: Legacy“ durchaus seine Fehler hat. Die Geschichte ist nicht sonderlich innovativ, oft nimmt sich der Film zu ernst und auch die Dramaturgie hakt an so mancher Stelle. Dennoch wurde ich absolut positiv überrascht. Besonders da es doch etliche Verbindungen zum Original – inklusive teils mehr, teils weniger gelungenem CGI-Double des 1982er Jeff Bridges – gibt, kann ich den Film als absolut sehenswert einstufen: 8/10 Punkte.

The Event – Season 1

Nach dem Hype um „Lost“ gingen in den letzten Jahren unzählige Mysteryserien an den Start. Keine jedoch konnte dem großen Vorbild das Wasser reichen. Nach Abflauen der Mysterywelle machte sich das Genre auch auf dem Bildschirm rar und fand mit der letztjährigen Serienhoffnung „The Event – Season 1“ ihr – zumindest bis zum nächsten Versuch – unrühmliches Ende. Dabei war die Show zu Beginn wirklich vielversprechend…

Mich überzeugte die Serie zunächst mit ihrer Besetzung. Jason Ritter als Hauptcharakter in einer actionlastigen Mystery-Serie? Ungewöhnlich, doch in meinen Augen perfekt. Ein sympathischer Jedermann, der ein hohes Identifikationspotential birgt und keine Superkräfte besitzt. Auch das Unheil bricht über die Figuren zunächst in Alltagssituationen herein, was mich ziemlich schnell in die Geschichte hinein zog. Im ersten Drittel war ich somit davon überzeugt, dass „The Event“ eines meiner diesjährigen Serienhighlights werden sollte. Wie man sich doch täuschen kann.

Spätestens mit der Enthüllung des Masterplans der Antagonisten (sprich ab dem Wiedereinstieg nach der Ausstrahlungspause) verwandelte sich die mysteriöse Geschichte in „24“ mit Aliens, was der Serie so gar nicht bekommen wollte. Absurde Wendungen, unlogische Charakterentwicklungen und sinnlose Actionsequenzen bestimmten von nun an den Verlauf der Serie. Der Qualitätseinbruch war in meinen Augen enorm und ich muss mich wirklich fragen, ob zu Beginn der Staffel meine Wahrnehmung getrübt war. Wirklich sehr schade.

Auch wenn ich das Finale recht ansprechend fand, bin ich insgesamt nicht traurig, dass „The Event“ trotz des offenen Endes abgesetzt wurde. Die Luft ist irgendwie raus. Man hat zu früh alle Karten ausgespielt und die Mysterien erklärt. Danach gab es nur noch heiße Luft. Ich hoffe sehr, dass Jason Ritter in einer anderen, gelungeneren Serie unterkommt. Übergangsweise auch gerne wieder als Gaststar in „Parenthood“. Trotz sehr gelungenem Auftakt letztendlich nur knapp überdurchschnittliche Unterhaltung: 6/10 (6.4) Punkte.