Schattenmond (George Lucas/Chris Claremont)

Dies ist das erste Mal, dass ich über ein Buch schreibe, das ich abgebrochen habe. Dazu sollte man wissen, dass ich normalerweise jedes Buch zu Ende lese, egal wie langweilig oder nervtötend die Geschichte auch ist. Hier konnte ich es nicht. Dabei hatte ich mich so gefreut, als ich erfuhr, dass George Lucas und Chris Claremont mit „Schattenmond“ eine Fortsetzung zu einem meiner Lieblingsfilme geschrieben haben. Die Geschichte setzt einige Jahre nach den Geschehnissen von „Willow“ ein und hat doch leider so wenig mit dem wunderbaren Fantasyfilm gemein.

Ich könnte mich nun seitenweise darüber auslassen, was George Lucas nur geritten hat, ausgerechnet diesen Weg mit seinem potentiellen Franchise zu gehen. Es fängt schon damit an, dass Willow nicht mehr Willow heißt, sondern Thorn Drumheller – warum auch immer. Weiterhin gab es irgendeine mysteriöse Katastrophe, die nahezu alle liebgewonnenen Charaktere des Films ausgelöscht hat. Es wurden wahrlich seltsame Entscheidungen getroffen, doch hätte ich mit diesen noch leben können.

Leider ist das Buch so unglaublich schlecht geschrieben, dass es über weite Teile unmöglich ist der Handlung zu folgen. Charaktere tauchen unvermittelt auf, nur um irgendwann plötzlich wieder zu verschwinden. Motivationen werden nicht im Ansatz erklärt, dafür ist die Geschichte durchsetzt mit seltsamen Traumszenen und Visionen. Manchmal kam es mir vor, als hätte Chris Claremont – eigentlich ein Comicautor – vergessen, dass er nun einen Roman schreibt und sich auf nicht vorhandene Zeichnungen verlassen kann. Die Handlung weist somit größere Löcher auf, als die im Buch thematisierte Katastrophe in Tir Asleen hinterlassen hat.

Auch wenn ich nur knapp die Hälfte des Buches (241 von 510 Seiten) gelesen habe, so erlaube ich mir dieses Mal dennoch eine Warnung auszusprechen: Auch wenn ihr „Willow“ liebt, bitte lasst die Finger von diesem unsäglichen Machwerk. Selten hatte ich das Gefühl meine Zeit mehr verschwendet zu haben. Das war nix, lieber Schorsch: 1/10 Punkte.

Resturlaub (Tommy Jaud)

Bisher gingen die Romane von Tommy Jaud spurlos an mir vorüber. Zwar waren mir die bunten Cover bereits öfter aufgefallen und die Bücher waren eine Zeitlang ja auch in aller Munde, doch letztendlich war von meiner Seite kein Interesse vorhanden. Nun empfahl mir ein Freund „Resturlaub“ indem er Tommy Jaud als deutschen Nick Hornby betitelte. Für mich Grund genug doch einmal reinzulesen.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass das Buch durchaus einen gewissen Unterhaltungswert besitzt. Besonders die ausführliche Beschreibung des fränkischen Gemüts fand ich sehr amüsant. Ab dem fingierten Überfall wurde mir die Geschichte dann aber leider zu kalauernd und erinnerte mich oftmals an den SAT.1-Comedyfreitag oder ähnliche Auswüchse des typisch deutschen Humors.

„Resturlaub“ lässt sich mit seinen knapp 250 Seiten locker an ein paar längeren Abenden runterlesen und man möchte trotz repititiver und – gegen Ende – abstruser Handlung doch wissen, wie es weitergeht mit Pitschi Greulich. Die Figuren und ihre Eigenheiten werden allesamt nett beschrieben, kommen letztendlich aber nie über bloße Klischees hinaus. Besonders ärgerlich fand ich die Darstellung der Beziehung von Pitschi (feige und dummdreist) und Biene (naiv und hörig). Sicher sollte das alles im Sinne der Satire witzig sein, doch verliert die Geschichte dadurch emotional die Bodenhaftung. Schade.

Letztendlich hatte ich während Pitschis „Resturlaub“ durchaus meinen Spaß. Die grobe Rahmenhandlung verlief zwar genau so wie erwartet, doch das dazwischen war abends, so kurz vor dem Einschlafen, genau die richtige Berieselung. Der Vergleich mit Nick Hornby hinkt allerdings gewaltig. Da liegen Welten dazwischen. Mehr als netter Zeitvertreib ist hier nicht zu holen: 6/10 Punkte.

Heat Wave (Richard Castle)

Zu meinem letzten Ausflug in die Welt der geschriebenen Wörter hat mich eine TV-Serie verleitet. Richard Castles „Heat Wave“ entspringt der ersten Staffel der humorvollen Krimiserie „Castle“, welche mir besonders in ihrer zweiten Staffel sehr ans Herz gewachsen ist. Was lag also näher, als mich nach meinem Stieg Larsson-Marathon diesem kleinen, aber doch sehr feinen Krimi zu widmen?

Das Buch liest sich wie eine Episode der Serie, nur dass die Charaktere nicht denen der Show entsprechen. Der Roman „Heat Wave“ entspringt direkt der Serienhandlung und wurde darin von dessen Hauptcharakter Richard Castle geschrieben. In dieser fiktiven Welt funktioniert das Buch tadellos. Richard Castle würde wohl genau so schreiben, wie der ungenannte Autor des vorliegenden Romans.

Da die Figuren und Ereignisse von „Heat Wave“ jedoch von Richard Castle auf den Serienfiguren rund im Detective Kate Beckett basieren, könnte man einfach die Namen der Charaktere austauschen und hätte ein astreines Drehbuch für eine Episode der Serie vorliegen. Einzig und allein die Beziehung von James Rook (Richard Castle) und Nikki Heat (Kate Beckett) hat im Roman schon eine andere Ebene erreicht – wenn auch nur körperlich. Der verbale Schlagabtausch bleibt glücklicherweise erhalten.

Für Fans der Serie ist „Heat Wave“ ein großes Lesevergnügen. Ich hatte enorm viel Spaß mit dem Buch und freue mich nun umso mehr auf die dritte Staffel. So etwas nenne ich einmal gelungenes crossmediales Marketing. Gut geschrieben, äußerst kurzweilig und im Geiste der Serie. Bitte mehr davon: 8/10 Punkte. Der Nachfolger „Naked Heat“ steht übrigens bereits in den Startlöchern…

Vergebung (Stieg Larsson)

Zu behaupten seit der Geburt unseres Zappelinchens hätte ich mehr Zeit zum Lesen, wäre maßlos übertrieben. Immerhin bieten sich mir in letzter Zeit nun wieder mehr Gelegenheiten dem gedruckten Wort meine Aufmerksamkeit zu schenken, als den zuvor dominierenden audiovisuellen Medien. So habe ich in den vergangenen Tagen endlich Stieg Larssons „Vergebung“ zu Ende gelesen. Das Finale der „Millenium“-Trilogie hat dabei deutlich mehr Zeit beansprucht als seine beiden Vorgänger, was einerseits den knapp 900 Seiten, andererseits aber auch der deutlich zäheren Handlung geschuldet ist.

Zunächst einmal muss ich festhalten, dass die gesamte Trilogie ein großer Lesegenuss für mich war. Stieg Larsson ist das Kunststück gelungen die verschiedensten Genres zu einem wirklich stimmungsvollen Gesamtwerk zu verbinden. War „Verblendung“ eher ein klassicher Thriller, welcher in Form einer Detektivgeschichte erzählt wurde, stellte „Verdammnis“ die düstere Lebensgeschichte einer seiner beiden Hauptfiguren in den Vordergrund. „Vergebung“ gipfelt letztendlich in einem komplexen Verschwörungsthriller – eine Entwicklung, welche ich zu Beginn so wirklich nicht erwartet hatte.

Für Freunde der beiden Vorgänger, ist auch der Abschluss der Trilogie absolut empfehlenswert. Die Geschichte wird zu einem runden Ende gebracht, wenngleich die Spannung davor doch ab und zu auf der Strecke bleibt. So interessant es auch ist den genauen Hintergrund der Sektion und der damit verbundenen Verschwörung zu erfahren, so langatmig und redundant sind diese Ausführungen doch über weite Strecken. Auch den abschließenden Prozess hätte man wohl mitreißender gestalten können, denn es bestand nie auch nur der geringste Zweifel, wie dieser wohl ausgehen wird.

Trotz seiner Schwächen habe ich „Vergebung“ stets sehr gerne gelesen. Schon alleine schon aufgrund der Figuren, die mir inzwischen wirklich ans Herz gewachsen sind. Wie es in einem guten Buch eben sein sollte. Der Abschied fällt dementsprechend etwas schwer, wenngleich ich mich auch freue einmal wieder etwas anderes zu lesen. Der Abschluss von Stieg Larssons Vermächtnis bekommt von mir gute 8/10 Punkte.

Verdammnis (Stieg Larsson)

Wie bereits den Vorgänger habe ich auch Stieg Larssons „Verdammnis“ in Rekordzeit verschlungen. Ein tolles Buch und ein absolut würdiger zweiter Teil der „Millenium“-Trilogie. Nun bleibt nur noch das große Finale, von dem ich mir auch noch so einiges erwarte.

Im Vergleich zu „Verblendung“ steht die eigentliche Kriminalhandlung nicht so sehr im Vordergrund, auch wenn die Geschichte um das Aufdecken einer grausamen Vergangenheit durchaus Parallelen zum Vorgänger aufweist. Lisbeth Salander rückt mit enormer Kraft ins Zentrum der Geschichte.  Zuvor fallengelassene Handlungsstränge werden wieder aufgenommen und schon bald entspinnt sich ein dichtes Netz aus Verschwörung und blanker Gewalt.

Auch wenn ich im Vergleich zum Vorgänger das Gefühl hatte, dass nicht sonderlich viel passiert, so wurde ich doch schnell wieder in die Geschichte hineingesogen. Die aufgedeckten Geheimnisse sind teils schockierend, teils einfach nur spannend, doch immer glaubwürdig und mit interessanten Charakteren ausgestattet. Einzig das Finale fand ich etwas unbefriedigend, was aber durchaus daran liegen kann, dass „Verdammnis“ nur der Mittelteil einer Trilogie ist.

Qualitativ gibt es zwischen den beiden ersten Romanen kaum Unterschiede und alle begeisterten Leser des ersten Teils dürfen sich über eine gelungene Fortführung der Geschichte rund um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist freuen. Ich selbst freue mich nun auf ein hoffentlich gelungenes Finale und – wie bereits beim ersten Teil – die Verfilmung des Bestsellers: 9/10 Punkte.

Eragon – Der Auftrag des Ältesten (Christopher Paolini) / Hörbuch

Unglaubliche 11 Monate habe ich benötigt, um die Vertonung von Christopher Paolinis „Eragon – Der Auftrag des Ältesten“ durchzuhören. Beinahe ein komplettes Jahr. Mein typisches Hörbuchdilemma. Ich sollte mich wirklich nur noch auf knackige Podcasts beschränken und die Literatur beim gedruckten Wort belassen.

Trotz der elendig langen Zeitspanne, in der mich die Forsetzung von „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ begleitet hat, schien der Inhalt auf der Stelle zu treten. Eragons Ausbildung kam mir sehr langwierig und redundant vor und auch Rorans Reise hatte in meinen Augen bzw. Ohren nur wenige Höhepunkte zu bieten. Die gesamte Geschichte umweht zwar durchaus ein Hauch von Epik, doch wird dieser viel zu selten genutzt, um die Handlung auch wirklich voranzutreiben.

Der Schreibstil Paolinis kann sich inzwischen durchaus sehen bzw. hören lassen, wenngleich er der Geschichte wirklich etwas mehr Struktur hätte geben können. Herausragend war dagegen erneut die Erzählstimme von Andreas Fröhlich. Ein echtes Erlebnis. Hörbuchfreunde sollten sich diesen Sprecher auf jeden Fall merken. Lebendig, abwechslungsreich und unterhaltsam. Genau so muss eine Geschichte vorgelesen werden.

Alles in allem hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Drachenreiter, doch wirklich mitgerissen hat mich seine Geschichte leider nicht. Ob ich mir den dritten Teil noch anhören werde? Im Moment stehen die Chancen dazu wohl nicht allzu gut. So oder so ist die folgende Bewertung mit Vorsicht zu genießen und Hörbuchfreunde dürfen gerne noch einen Punkt drauflegen: 6/10 Punkte.

Verblendung (Stieg Larsson)

Schon lange habe ich kein Buch mehr so verschlungen, wie „Verblendung“ von Stieg Larsson. Wenn ich mich nach einem 10 Stunden Arbeitstag nachts um 23 Uhr noch hinsetze und bis zu 50 Seiten lese, dann zeugt das eindeutig von der Qualität einer Geschichte. Umso schöner, dass die beiden Fortsetzungen nur darauf warten von mir gelesen zu werden.

Der erste Teil der „Millenium“-Trilogie fängt gemächlich an, nur um gegen Ende in einen wahrlich knallharten Thriller umzuschwenken. Das hätte ich zu Beginn so nicht erwartet. Stieg Larsson gelingt das seltene Kunststück seinen Roman absolut schlüssig zu gestalten und selbst die Auflösung gegen Ende nicht aufgesetzt wirken zu lassen – ganz im Gegensatz zu anderen Vertretern dieses Genres (siehe „Kalte Asche“ von Simon Beckett). Ein wahrlich herrlich mitreißendes Lesevergnügen.

Die beiden Hauptfiguren Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander bilden ein ungleiches Ermittlerteam, das den Leser in einen immer tieferen Abgrund von Macht, Gewalt und Perversion begleitet. Eingebettet wird die Thrillerhandlung in eine beinahe schon epische Familiengeschichte, welche sich zwar nur nach und nach entwickelt, doch gerade deshalb die Ermittlungsarbeit von Salander und Blomkvist so spannend und nachvollziehbar wirken lässt.

Letztendlich ist Stieg Larsson mit „Verblendung“ ein fantastischer Debütroman gelungen, der allen Freunden von besonders düsteren skandinavischen Thrillern dringend ans Herz gelegt ist. Ich freue mich schon auf die beiden Nachfolger sowie die Verfilmung der Trilogie. Tolles Textkino: 9/10 Punkte.

Todsünde (Tess Gerritsen) / Hörbuch

Vor guten fünf Monaten habe ich begonnen die Vertonung von Tess Gerritsons „Todsünde“ zu hören. Nachdem mir der direkte Vorgänger auch als Hörbuch recht gut gefallen hatte, erhoffte ich mir durchaus unterhaltsame Stunden. Leider jedoch musste ich mich teils durch die Geschichte quälen.

Anders als noch in „Der Meister“ steht weniger Jane Rizzoli, als die Gerichtsmedizinerin Maura Isles im Mittelpunkt. Man mag denken diese neue Gewichtung würde der Geschichte gut tun, doch leider verliert sich Gerritson nun noch mehr in der Beschreibung der Beziehungsebene zwischen ihren Figuren, als bereits im Vorgänger. Dadurch wird der Fokus vom ohnehin nicht sonderlich spannenden Kriminalfall genommen, was die gesamte Handlung leider auch nicht interessanter macht – vom immerhin netten Finale einmal abgesehen.

Es mag sein, dass ich die Geschichte nicht wirklich angemessen beurteilen kann, da ich viel zu unregelmäßig in sie reingehört habe. So oder so ist für mich ein deutlicher Qualitätsabfall erkennbar, was mich einmal mehr am Medium Hörbuch zweifeln lässt. Hierfür gibt es leider nicht mehr als durchschnittliche 5/10 Punkte.

In die Wildnis: Allein nach Alaska (Jon Krakauer)

Nachdem ich von Sean Penns Verfilmung mehr als nur begeistert war, habe ich direkt im Anschluss Jon Krakauers Vorlage „In die Wildnis: Allein nach Alaska„ gelesen. Auffällig beim Lesen war, wie genau sich Penn doch an die Struktur von Krakauers Tatsachenbericht gehalten hat. Einzig Auslassungen und Straffungen sind mir aufgefallen, welche dem Film jedoch zugute kamen.

Die Person des Christopher McCandless wird von Krakauer sehr genau beschrieben. Sowohl seine Herkunft, als auch seine Vorstellungen und Ideale. In meinen Augen entsteht dadurch ein recht realistisches Bild des jungen Abenteurers, welches seine Handlungen für den Leser – aufgrund von McCandless‘ Charakter – durchaus nachvollziehbar macht. Ebenso fand ich nicht, dass Krakauer McCandless – so wie es ihm häufig vorgeworfen wird – zum tragischen Helden stilisiert. Natürlich wird er sympathisch gezeichnet, doch ebenso stark wird darauf eingegangen, dass sich der Reisende nicht ausreichend auf sein Abenteuer vorbereitet sowie sich und seine Fähigkeiten maßlos überschätzt hat.

Der gute Gesamteindruck des Reiseberichts wird leider etwas durch Krakauers abschweifende Erzählweise getrübt. So zieht er nicht nur etliche weitere Abenteurer als Vergleich heran, sondern schweift besonders im Bezug auf seine eigene Wildniserfahrung leider ziemlich ab. Diese Vergleiche machen inhaltlich zwar durchaus Sinn, hätten aber durchaus kürzer erzählt und geschickter in McCandless‘ Odyssee eingeflochten werden können.

Am Ende bleibt ein beeindruckes Zeugnis eines außergewöhnlichen Menschen. Auch wenn ich persönlich etliche Charakterzüge und Handlungen McCandless‘ nicht nachvollziehen kann, so hat mich Krakauers Nacherzählung seiner Geschichte doch wirklich berührt. Beinahe ebenso sehr, wie die in meinen Augen noch gelungenere Verfilmung: 9/10 Punkte.

Das Kino des George Lucas (Marcus Hearn)

Durch Zufall bin ich auf Marcus Hearns „Das Kino des George Lucas“ gestoßen, einer detaillierten Betrachtung George Lucas‘ Gesamtwerks von seinen Studentenfilmen bis hin zur neuen „Star Wars“-Trilogie. Im Vorfeld hatte ich nicht mit solch einer ausführlichen Betrachtung gerechnet und eher nur einen erweiterten Bildband erwartet. Es stellte sich jedoch heraus, dass Hearns Werk ein tolles Kompendium für das Lucas’sche Universum ist.

Seit jeher bin ich fasziniert von George Lucas. Ein Standpunkt, für den man sich in der Zeit des zur Mode gewordenen Lucas Bashing fast schon schämen muss, aber auf keinen Fall sollte. Hearn legt in seinem Buch sehr genau dar, was Lucas in seinem bisherigen Leben für die Filmindustrie geleistet hat. Abgesehen von seinen Mammuterfolgen „Star Wars“ und „Indiana Jones“ gab es mit „THX 1138“, „America Graffiti“, „Willow“ usw. unzählige weitere Filmperlen, die ohne Lucas‘ Vision nie ins Leben gerufen worden wären.

Neben seinem filmischen Eindruck, hat Lucas besonders einen technischen hinterlassen. Ohne ILM (Industrial Light & Magic) wäre die Filmtechnik nicht da, wo sie heute ist. Sei es nun non-linearer Videoschnitt, Motion Capturing, die digitale Aufzeichnung und Projektion von Kinofilmen uvw. Lucas‘ stetes Streben nach neuen Möglichkeiten ebnete den Weg für das Kino, wie wir es heute kennen. Auch Pixar entstand unter Lucas‘ Obhut und nicht vergessen sollte man ebenso LucasArts, welche nicht nur mit der „Monkey Island“-Reihe eine ganze Generation von PC-Spielern prägten.

Dass Lucas mit seinen unabhängigen – das muss man sich erst einmal vorstellen – Filmproduktionen stets ein großes finanzielles Risiko eingegangen ist, sollte man auch nicht vergessen. Ich kann demnach nachvollziehen, wie wichtig ihm seine geistigen Kinder sind und warum er diese stets in der bestmöglichen Fassung veröffentlichen möchte. Mehr als die dahinter vermutete Geldgier sehe ich tatsächlich seinen Hang zur Perfektion und der Finalisierung seiner Vision.

All das von mir Beschriebene kommt in Marcus Hearns Werk sehr gut heraus. Natürlich sollte man ein gewisses Faible für Lucas mitbringen und sich am besten schon etwas Lucas – besonders mit seiner Zeit bei American Zoetrope – beschäftigt haben. Für mich hätte es teils noch etwas tiefer gehen können, doch war ich insgesamt mehr als nur zufrieden mit Hearns Darstellung von Lucas‘ Schaffen: 9/10 Punkte.