Die Tribute von Panem: Flammender Zorn (Suzanne Collins)

tribute_von_panem_3Gestern habe ich nun auch den letzten Band von Suzanne Collins‘ dystopischer Romantrilogie beendet. Auch wenn ich teils so meine Probleme mit „Die Tribute von Panem: Flammender Zorn“ hatte, finde ich es schade diese Welt und ihre Charaktere zu verlassen. Letztendlich wundert es mich nicht, dass die Reihe ein so großer Erfolg war und bin erstaunt ob der Konsequenz mit der die Geschichte zum Abschluss gebracht wird. Spoiler sind zu erwarten.

Anders als beim Vorgänger „Die Tribute von Panem: Gefährliche Liebe“ wird die bisher bekannte Struktur ein wenig aufgebrochen, d.h. der Roman ist nicht mehr strikt in die Vorbereitungszeit in Distrikt 12 und den Kampf in der Arena unterteilt. Dennoch hat Collins den Aufbau den bisherigen Büchern in groben Zügen nachempfunden, nur dass sich Katniss nun eben in Distrikt 13 zurechtfinden muss und die Arena im Finale durch die Kampfhandlungen im Kapitol ersetzt wurde. Die Handlung dazwischen mäandert zwischen Kriegsaction, Beziehungdrama und dystopischer Science-Fiction.

Die Eingewöhnung in Distrikt 13 und den damit verbundenen militärischen Drill fand ich teils etwas anstrengend und unglaubwürdig. Inhaltlich macht es ja durchaus Sinn Katniss als Spotttölpel weiterhin in den Medienfokus zu stellen, doch sie in tatsächliche Kampfhandlungen stecken? Damit hatte ich teils so meine Schwierigkeiten. Auch erschien mir die Geschichte teils etwas unfokussiert und manche Ereignisse erinnerten mich an das Deus ex machina-Finale des zweiten Teils (z.B. Bomben vor dem Präsidentenpalast).

Der letzte Akt nach der Machterfreifung durch Präsident Coin wirkt aufgrund der psychischen Verfassung unserer Hauptfigur oft beinahe traum- oder rauschartig und ist auch unglaublich schnell wieder vorbei. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – hat mich das Finale überzeugt, da es die Geschichte auf einer traurigen und doch hoffnungsvollen Note enden lässt. Das nächste Mal werde ich wohl erst mit der Verfilmung des zweiten Bandes in die Welt von Panem zurückkehren, worauf ich mich jetzt schon sehr freue. Eine wirklich sehr gelungene Trilogie: 8/10 Punkte.

Die Tribute von Panem: Gefährliche Liebe (Suzanne Collins)

tribute_von_panem_2Seit ein paar Wochen verbringe ich täglich ca. eine halbe Stunde in Panem. Viel zu wenig eigentlich, denn nach wie vor nimmt mich Suzanne Collins‘ Romanwelt gefangen und ich würde am liebsten länger dort verweilen. Somit habe ich auch „Die Tribute von Panem: Gefährliche Liebe“ verhältnismäßig schnell verschlungen und weiß jetzt schon, dass ich nach dem Finale der Romantrilogie Entzugserscheinungen haben werde. Spoiler sind zu erwarten.

Von seiner Struktur erinnert der zweite Band sehr an den Auftakt „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“, das heißt die erste Hälfte spielt sich größtenteils in Distrikt 12 ab, wo sich Katniss und Peeta mit ihrem neuen Status anfreunden müssen, und in der zweiten Hälfte geht es erneut in die Arena. Ich hatte zunächst befürchtet, dass sich dieser Aufbau recht schnell abnutzt, doch erstaunlicherweise gelingt es Collins ihre Figuren und ihr Szenario beständig weiterzuentwickeln. Ich freue mich jetzt schon darauf zu sehen, wie die neue Arena samt ihrer Schrecken in der kommenden Verfilmung umgesetzt wird.

Auch wenn es der reißerische deutsche Titel anders vermuten lässt, wird aus dem Buch kein schnulziger Liebesroman. Zwar hängen die angedeuteten Beziehungen stets wie dunkle Schatten über der Hauptfigur, doch sind diese nicht nur schmuckes Beiwerk, sondern essentiell für die Motivation der Charaktere. Darauf stützt sich auch der Cliffhanger am Ende des Buches, der die Spannung erhöht und einen gänzlich anderen Aufbau des finalen Akts vermuten lässt.

Kritisieren würde ich einzig die Rettung aus der Arena, die zwar unerwartet kam, doch ein wenig nach dem Prinzip Deus ex machina abläuft. Insgesamt fand ich den Roman aber sehr rund und hätte ihn am liebsten gar nicht aus der Hand gelegt. Sicher im Grunde immer noch ein Jugendbuch mit entsprechender Zielgruppe, doch ein unglaublich unterhaltsames, das mir auch im nicht mehr ganz so jugendlichen Alter sehr gut gefallen hat: 9/10 Punkte.

Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (Suzanne Collins)

tribute_von_panem_1Nach der erneuten Sichtung der Verfilmung, war ich doch zu neugierig zu erfahren, wie die Geschichte um Katniss Everdeen weitergeht, als dass ich das Lesen der Trilogie länger hätte aufschieben können. Somit habe ich George R. R. Martins vierten Band der „A Song of Ice and Fire“-Reihe nach knapp 500 Seiten zur Seite gelegt, um mich mit „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ dem ersten Teil der Trilogie rund um die Hungerspiele zu widmen. Trotz wenig Freizeit, hatte ich das Buch in knapp zweieinhalb Wochen durch, was für den Roman spricht und zeigt, wie stark eine fokussierte Erzählweise eine Geschichte voranbringen kann.

Zu Beginn hatte ich noch so meine Probleme mit dem Ich-Erzähler in Gegenwartsform. Es liest sich irgendwie ungewohnt. Hinzu kommt, dass Suzanne Collins sich nicht groß mit beschreibenden Adjektiven aufhält und der Erzählstil somit etwas nüchtern und fast schon zweckgebunden erscheint. Ich habe mich öfter gefragt, wie ich mir denn die Welt von Panem vorgestellt hätte, wenn ich zuvor den Film noch nicht gekannt hätte. Vermutlich bin ich aber auch durch die vorher gelesenen 3500 Seiten „A Song of Ice and Fire“ durch die minutiösen Beschreibungen jedes auch noch so unbedeutenden Kleidungsstücks oder aufgetischten Gerichts geschädigt. Nach ein paar Seiten hatte ich mich aber auch schon an Collins‘ Stil gewöhnt und wurde von der Geschichte mitgerissen.

Überraschungen gab es für mich kaum, da Gary Ross die Geschichte nahezu perfekt für die Leinwand adaptiert hatte. Auch wenn es natürlich Kürzungen im Handlungsverlauf gibt, so wurden keine besonders wichtigen Details ausgelassen. Besonders die Vorbereitungszeit wurde nahezu 1:1 umgesetzt, was ich auf jeden Fall positiv bewerte. In der Arena ist der Roman dann doch ausführlicher, wenngleich man auch im Film die Essenz und Schlüsselszenen beibehalten hat. Alleine der Beziehung zwischen Katniss und Peeta wird im Buch weit mehr Platz eingeräumt, was den Charakteren und ihrer Motivation einen etwas anderen Drall gibt.

Letztendlich ist „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ wirklich unterhaltsam zu lesen und ich freue mich bereits enorm auf die nächsten beiden Teile. Man sollte sich keine Offenbarung erwarten, doch wer einfach nur gut unterhalten werden möchte und mit dem Setting – Sci-Fi, Menschenjagd und Dystopie light – etwas anfangen kann, der sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass es sich letztendlich um ein Jugendbuch handelt: 8/10 Punkte.

A Song of Ice and Fire, Book 3: A Storm of Swords (George R. R. Martin)

Ein halbes Jahr. Welch trauriger Rekord. Dabei hätte ich auch den dritten Teil von George R. R. Martins „A Song of Ice and Fire“-Saga am liebsten am Stück verschlungen. Doch die knapp 1200 Seiten haben ihren Tribut gezollt und somit war „A Storm of Swords“ für lange, lange Zeit mein treuer Begleiter. Trotz der enormen Seitenzahl habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt oder durch die Seiten quälen müssen, was auch daran liegt, dass Martin geschickt und gezielt mit den Erwartungen der Leserschaft bricht – und darunter haben die Charaktere schmerzlichst zu leiden…

Die Welt wird nicht kleiner. Martin erweitert seine personalen Erzähler um neue Figuren und so darf man als Leser nun u.a. auch an der Gedankenwelt von Jaime Lannister teilhaben, was gewisse Ereignisse in ein neues Licht rückt. Ein spannender Ansatz, der die Welt noch epischer erscheinen lässt, aber auch unübersichtlicher macht – es ist ja nicht so, als hätte es in den ersten beiden Büchern zu wenige Charaktere gegeben. Allerdings dünnt Martin seine Hauptfiguren ja auch wieder kräftig aus, so dass die Anzahl der Gedankenwelten im Vergleich zu „A Clash of Kings“ tatsächlich wohl nicht viel größer geworden sein dürfte.

Meine bevorzugten Handlungsstränge wurden dieses Mal erneut von Arya und John Snow bestritten. Tyrion fand ich zwar auch spannend, doch war mir seine Figur im Vergleich zu den zwei vorangegangenen Büchern zu passiv – zumindest bis zum großen Finale. Faszinierend war auch wieder die Daenerys Handlungsstrang, doch letztendlich haben sich hier keine sonderlich spannenden Entwicklungen ergeben, außer dass ihre Armee angewachsen ist. Dennoch weiterhin eine der interessanteren Figuren. Dazwischen gibt es einiges an Füllstoff, der von den Autoren der TV-Serie bestimmt gekonnt verdichtet wird, und einige einschneidende Ereignisse – ich denke da nur an die zwei Hochzeiten: wow!

Auch wenn es ein halbes Jahr gedauert hat, so habe ich mich doch jeden Abend darauf gefreut wenigstens für ein paar Seiten nach Westeros abzutauchen. Es war wieder einmal ein tolles Erlebnis! Nun hadere ich mit mir, ob ich mich an „A Feast for Crows“ heranwagen oder lieber einmal wieder das Genre wechseln soll – zumal ich aufgrund der immer näher rückenden privaten Großereignisse in den nächsten Monaten wohl sowieso kaum zum Lesen kommen werde. So oder so bin ich – besonders nach dem überraschenden Cliffhanger – gespannt, wie die Saga weitergeht und werde mit Freude nach Westeros zurückkehren: 10/10 Punkte.

A Song of Ice and Fire, Book 2: A Clash of Kings (George R. R. Martin)

Knapp vier Monate habe ich für den zweiten Teil der „A Song of Ice and Fire“-Saga benötigt. Eine lange Zeit, doch wenn man bedenkt, dass ich nur am Abend und ab und zu am Wochenende zum Lesen komme, habe ich die knapp 1000 Seiten doch erstaunlich schnell verschlungen. Dies alles klingt nun nach viel Arbeit, doch das Eintauchen in die Welt von „A Clash of Kings“ ist größtenteils pures Vergnügen. Hat man sich erst einmal an die unglaubliche Figurenvielfalt gewöhnt und weiß einzelne Königsfamilien und Lordschaften einzuordnen, macht der komplexe Kampf um die Vorherrschaft in Westeros enorm viel Spaß.

Im Vergleich zum ersten Band „A Game of Thrones“ konnte ich mich nicht auf die Kenntis der TV-Serie stützen. Dennoch habe ich mich schnell in die Handlung eingefunden und war stets neugierig, wie die diversen Figuren mit dem Umbruch umgehen, in dem sich ihre Welt befindet. Erneut gibt es einige überraschende Wendungen und Todesfälle (oder auch nicht) zu bestaunen. Teils treibt Martin die Verwirrtaktik sogar so weit, dass man als Leser erst Kapitel später versteht, wovon die Figuren sprechen. Ich denke hier z.B. an die Jagd auf Bran und Rickon samt gezogener Konsequenzen. Eine ungewohnte Erzählweise und doch erstaunlich mitreißend. Nervenzerreißende Cliffhanger am Ende der Kapitel sind somit an der Tagesordnung.

Inhaltlich stehen vor allem die diversen Machtkämpfe und Intrigen der verschiedenen Häuser im Vordergrund, doch auch mit Schlachtszenen wird nicht gegeizt. Hinzu kommt die verstärkte Einbindung von Fantasyelementen, welche im ersten Band noch beinahe komplett außen vor gelassen wurden. Besonders bei diesen bin ich schon sehr gespannt auf die Umsetzung in der TV-Serie, welche aktuell ja kurz vor dem US-Start der zweiten Staffel steht.

Welche Handlungsstränge haben mir am besten gefallen? Wohl erneut die Abenteuer von Jon Snow, Tyrion und Arya – wobei Daenerys Handlungsstrang mich stellenweise auch zu begeistern wusste, da dieser die wohl stärksten Fantasyelemente enthält. Bei den restlichen Figuren wird der Fokus eher auf Intrigen und Schlachtszenen gelegt, was teils große Aufmerksamkeit erfordert, um zwischen all den Rittern, Lords und Königen noch den Überblick zu behalten.

Für mich war „A Clash of Kings“ eine fantastische Erfahrung, da ich nun endlich weiß wie die Geschichte weitergeht – und auch pünktlich zum Start der zweiten Staffel der TV-Verfilmung mit der Vorlage fertig wurde. Nun stellt sich mir die Frage, ob ich mit einem anderen Buch eine Auszeit von Westeros nehmen soll oder im Anschluss sofort mit „A Storm of Swords“ weitermache, welches die 1200 Seiten sprengt. Im Moment fällt es mir noch schwer, mich von Martins Saga zu trennen. Großartige Unterhaltung: 10/10 Punkte.

A Song of Ice and Fire, Book 1: A Game of Thrones (George R. R. Martin)

Ich habe den ersten Teil des Mammutwerks „A Song of Ice and Fire“ abgeschlossen. Unglaublich. Dabei musste ich ihn – im Gegensatz zu Autor George R. R. Martin – ja nur lesen. Der Mann muss wirklich in der von ihm geschaffenen Welt leben. Beneidenswert und erschreckend zugleich. Mit „A Game of Thrones“ habe ich den Einstieg geschafft und bin immer noch überwältigt, wie detailreich Martin sein Universum ausgestattet hat. Wenn ich Anfang des Jahres nicht die Serienadaption dieses ersten Buches gesehen hätte, wäre ich von den unzähligen Namen und Verflechtungen wohl völlig erschlagen worden. Man kann sich wirklich kaum vorstellen, dass hier keine tatsächliche, real existierende Welt beschrieben wird.

Auch wenn der Einstieg in die Geschichte mit gut 800 Seiten doch recht lang geraten ist, so kam bei mir – trotz Kenntnis der Handlung – nie Langeweile auf. Der Kniff jedes Kapitel durch eine andere personale Perspektive zu erzählen, lässt den Leser an der Gedankenwelt aller wichtigen Figuren teilhaben, was den Eindruck einer lebendigen Welt noch verstärkt. Gut und böse sind nie klar getrennt, kein Charakter ist vor dem Tod sicher und Rechtschaffenheit und Ehre sind keine Eigenschaften, welche in der düsteren Welt von „A Song of Ice and Fire“ ans Ziel führen. Sympathien werden ebenso schnell verteilt, wie wieder eingerissen. Vorurteile selten bestätigt und Andeutungen sind oft so subtil, dass man schon genau aufpassen muss, um nichts zu verpassen.

Auch wenn „A Game of Thrones“ dem Fantasygenre zuzuorden ist, so sollte man kein zweites „Der Herr der Ringe“ erwarten. Über weite Strecken erinnert die Geschichte mehr an eine Familientragödie mit Politthriller-Einschlag, die sich in einem fernen mittelalterlichen Land zuträgt. Dennoch gibt es auch genügend mysteriöse Andeutungen und die Magie scheint stets kurz davor wieder zu erwachen. Foreshadowing scheint sowieso eines der beliebtesten Stilmittel Martins zu sein. Mir soll es recht sein, wird dadurch doch nur die Vorfreude auf die Dinge, die da kommen mögen geweckt. Winter is coming. So einfach und doch so genial.

Wer sich von der unglaublichen Figurenvielfalt nicht abschrecken lässt und Durchhaltevermögen beweist, dem wird diese epische Fantasysaga schnell ans Herz wachsen. Ich freue mich nun schon unglaublich auf „A Clash of Kings“, das ich hoffentlich bis zum Start der zweiten Serienstaffel ausgelesen habe. Der erste Teil der Romanreihe wird seinem Ruf auf jeden Fall gerecht. Ein wahrhaft königliches Lesevergnügen: 10/10 Punkte.

Das Wörterbuch des Viktor Vau (Gerd Ruebenstrunk)

Bisher habe ich meine Urlaube auch immer stets dazu genutzt viel zu lesen. Seit dem Eintritt ins Berufsleben bleibt dafür im Alltag nämlich nicht mehr allzu viel Zeit übrig. In meinem letzten Urlaub jedoch habe ich nicht einmal ein einziges Buch komplett gelesen. An der Qualität von Gerd Ruebenstrunks „Das Wörterbuch des Viktor Vau“ liegt dies glücklicherweise nicht, denn wenn es danach ginge, hätte ich das Buch wohl schon am ersten Tag verschlungen. Doch da hat Herr Ruebenstrunk wohl nicht mit meiner Tochter gerechnet, die mich während des Urlaubs keine Sekunde aus den Augen lassen wollte. Mit Rückkehr in die heimischen vier Wände konnte ich die Geschichte um Viktor Vau nun endlich zuende verfolgen.

Zunächst dachte ich ja, dass es sich bei „Das Wörterbuch des Viktor Vau“ um einen leichten Jugendroman mit Fantasyanleihen handelt. Weit gefehlt. Gerd Ruebenstrunk erzählt die Geschichte einer Gesellschaft, die deutliche Parallelen zu George Orwells „1984“ aufweist. Anfangs fällt es noch schwer den diversen Handlunsebenen zu folgen bzw. diese korrekt in Bezug auf die Gesamtgeschichte einzuordnen. Manche Beschreibungen (z.B. die des fiktiven afrikanischen Staates Dagombé) sind beinahe schon so detailliert, dass man vermutet Ruebenstrunk habe die eigentliche Geschichte aus den Augen verloren. Dann jedoch laufen die Erzählfäden wieder zusammen und es wird ein umfassendes Bild geschaffen, dessen theoretische Grundlage sowohl faszinierend, als auch erschreckend ist.

Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht mehr über den Inhalt verraten, denn jedes Wort zuviel würde nur die Gefahr bergen einige der diversen Wendungen vorwegzunehmen. Dennoch möchte ich den Roman jedem Leser ans Herz legen, der andersartige und intelligente Unterhaltung zu schätzen weiß. Wenn man erst einmal in die Geschichte eingetaucht ist, dann bietet sie einen wahren Fundus an Ideen und Konzepten, über die man selbst noch lange nachdenken kann. Ein äußerst gelungenes Lesevergnügen: 9/10 Punkte.

Schändung (Jussi Adler-Olsen)

Knapp zwei Monate habe ich benötigt, um Jussi Adler-Olsens Roman „Schändung“ zu lesen. Früher wäre dies für meine Lesegewohnheiten ein ziemlich langer Zeitraum gewesen, doch im Moment ist das beinahe schon rekordverdächtig. Auch wenn ich abends meist recht müde war, so habe ich mich doch stets auf Carl Mørck und Assad gefreut. Einfach ein rundum sympathisches Ermittlerteam, das ab diesem Fall durch die resolute Rose ergänzt wird.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger „Erbarmen“ habe ich die Handlung des Romans als zu vorhersehbar empfunden. Es gab kein Mysterium und die Geschichte rund um Kimmie und ihre Clique erschien mir etwas zu klischeehaft. Die unantastbare Oberschicht, die skrupellos ihre Gelüste auslebt und stets ungeschoren davonkommt. Bestechlichlichkeit und schmierige Beziehungen als Währung der Angst. Hier hätte es meiner Meinung nach mehr Feingefühl bei der Entwicklung der Figuren – speziell der Antagonisten – benötigt. Mehr Grauzone und weniger Schwarzweißmalerei.

Unterhaltsam bleibt „Schändung“ bis zum Schluss und auch wenn ich jetzt erst einmal eine kleine Pause einlegen werde, so freue ich mich dennoch schon darauf den neuen Jussi Adler-Olsen zu lesen. Gut geschrieben und trotz kleinerer Mängel mitreißend erzählt, weshalb ich auch für den zweiten Fall des Sonderdezernats Q meine Empfehlung für Krimifreunde aussprechen möchte: 8/10 Punkte.

Erbarmen (Jussi Adler-Olsen)

So zügig, wie Jussi Adler-Olsen „Erbarmen“ habe ich schon lange kein Buch mehr gelesen. Zugegebenermaßen habe ich für die erste Hälfte beinahe einen Monat benötigt, doch der Rest ging dann ziemlich flott innerhalb eines Tages. Manchmal muss man sich eben bewusst Zeit zum Lesen nehmen – gar nicht so einfach zwischen Job und Familie.

Nachdem ich mit Stieg Larsson und Håkan Nesser bereits Gefallen an skandinavischer Krimiliteratur gefunden hatte, lag es Nahe mich als nächstes Jussi Adler-Olsen zuzuwenden. Seine Buchreihe rund um das Sonderdezernat Q ist zurzeit in aller Munde und ich konnte mit Freude feststellen, dass dies auch durchaus gerechtfertigt ist. Carl Mørck ist eine wunderbar geschriebene Hauptfigur und einen besseren Assistenten, als den kauzigen Assad hätte man ihm nicht zur Seite stellen können.

Die Geschichte, welche in zwei Zeitebenen spielt, ist äußerst spannend und teils wirklich grausam. Man kann den Schmerz oft beinahe spüren. Auch wenn die Auflösung für Genrekenner nicht gerade überraschend ist, so wird die Handlung doch so mitreißend und treibend erzählt, dass die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhalten bleibt. Dies liegt auch an Adler-Olsons Schreibweise, die schnell zum Punkt kommt und – passend zur Hauptfigur – einen herrlich spröden Sprachrhythmus besitzt.

Ich freue mich nun wirklich schon auf den zweiten Teil, der bereits im Bücherregal bereit steht. Am liebsten würde ich sofort weiterlesen, was zwar nicht möglich ist, doch immerhin das größte Kompliment, das man einem Autor machen kann: 9/10 Punkte.

Dark Secret (Douglas Preston/Lincoln Child)

In den letzten Tagen habe ich gemerkt, wie sehr ich es vermisst hatte zu lesen. Zwar lese ich in meinem Beruf täglich diverse Fachthemen und bin auch auf unzähligen Blogs unterwegs, doch Unterhaltungsliteratur in Buchform? Ich kann mich kaum daran erinnern das letzte Mal ein Buch wirklich verschlungen zu haben. Irgendwie traurig. Durch eine fiese Erkältung, hatte ich plötzlich ein paar Tage Zeit, um „Dark Secret“ von Douglas Preston und Lincoln Child zu – ja, ganz genau! – verschlingen. Endlich wieder lesen.

Besonders für Fans des Autorenduos dürfte der direkte Nachfolger von „Burn Case“ eine kleine Offenbarung darstellen. Nahezu alle wichtige Figuren dieses kleinen, aber feinen Thrilleruniversums geben ihr Stelldichein. Mit Vincent D’Agosta und Special Agent Pendergast sind wieder einmal die wohl beliebtesten Hauptfiguren an einem Fall beteiligt, der für unseren unkonventionell arbeitenden FBI-Agenten eine ganz besondere Gefahr birgt. So wartet die Geschichte mit dunklen Familiengeheimnissen, mysteriösen Todesfällen sowie vielen alten Bekannten (u.a. Bill Smithback, Nora Kelly, Margo Green, Eli Glinn) auf und liefert somit einen äußerst spannenden und mitreißend erzählten Fall für Agent Pendergast und Co.

Vielleicht liegt es daran, dass mein letztes Buch so ein grandioser Flop war, doch ich hatte enorm viel Spaß mit dem Mittelteil der Pendergast-Trilogie. Ich liebe das immer etwas übernatürlich angehauchte und verschroben wirkende Universum, das Douglas Preston und Lincoln Child in ihren Romanen aufgebaut haben. Ich mag die unzähligen Verbindungen zwischen den Büchern und ihre Art Geschichten zu erzählen. Keine große Literatur, aber gut geschrieben und stets äußerst unterhaltsam. Nun kann das große Finale kommen: 8/10 Punkte.