Spielräume: Projektmanagement jenseits von Burn-out, Stress und Effizienzwahn (Tom DeMarco)

spielraeume-tom-demarco…und nun zu etwas ganz anderem: Da ich den ganzen Tag mit irgendeiner Art von Fachliteratur (von kurzen Artikeln bis längeren Abhandlungen) beschäftigt bin, lese ich in meiner Freizeit meist nur Fiktion. Sollte es einmal ein Sachbuch sein, dann beschäftigt es sich bestimmt mit Film. Im Zuge einer beruflichen Veränderung bekam ich von meinen Führungskräften jedoch das Buch „Spielräume: Projektmanagement jenseits von Burn-out, Stress und Effizienzwahn“ geschenkt, das mir Impulse und Ansätze für meine neue Rolle mit auf den Weg geben soll. Ein Management-Ratgeber also, den ich sonst eher nicht zu meiner üblichen Lektüre zählen würde. Nach anfänglicher Skepsis war ich doch schon bald positiv überrascht und kann Tom DeMarcos Buch auch nur  bedingungslos weiterempfehlen.

In meinem letzten Job in einer Kommunikationsagentur habe ich mit vielen größeren Unternehmen bzw. Konzernen zusammengearbeitet und dabei auch ein wenig Einblick in die Firmen- bzw. Management-Kultur erhalten. Oft ist diese tatsächlich eine Kultur der Angst und ich hätte in vielen Abteilungen und unter vielen Führungskräften Vorgesetzten nicht arbeiten wollen. Tom DeMarco zeigt in seinem Buch Wege auf, die zu einer effektiveren Führung führen können – ohne Angst und unnötigen Stress. Wie wichtig die titelgebenden Spielräume für Organisationen im Hinblick auf beständige Veränderungen sind, wird in nahezu jedem Themenkomplex sichtbar – sei es nun in Bezug auf aggressive Zeitpläne, lernende Organisationen oder Risikomanagement.

Da ich im Moment sowohl auf der Arbeit als auch im Privaten ziemlich Land unter bin, habe ich auch diesen scheinbar schweren Stoff nur abends kurz vor dem Einschlafen gelesen. Glücklicherweise schreibt DeMarco sehr nachvollziehbar und verwendet keine unnötig komplizierte Satzkonstruktionen. Die Themen sind zwar komplex, doch werden sie stets nachvollziehbar aufbereitet und häufig durch Beispiele ergänzt. Dabei darf man keine exakte Anleitung erwarten, wie man spezifische Herausforderungen konkret angeht, sondern bekommt eher einen Gesamtüberblick wie man in Zeiten des beständigen Wandels sinnvoll agiert – und dabei spielen die bereits erwähnten Spielräume sowohl für Manager als auch deren Teams eine große Rolle.

Wie weiter oben geschrieben, hatte ich so meine Vorbehalte was solch ein Sachbuch als Abendlektüre angeht. Ich konnte jedoch viel daraus mitnehmen und werde versuchen die vorgeschlagenen Herangehensweisen auch in meinen Alltag zu integrieren. Eine interessante, wenn auch zeitweise zugegebenermaßen anstrengende Erfahrung, was jedoch eher an den äußeren Umständen als an dem Buch liegt. Nun gilt es nur noch die einleuchtenden und sinnvollen Ideen in die persönliche Arbeitswelt zu übertragen – eine echte Herausforderung: 9/10 Punkte.

Das verlorene Symbol (Dan Brown)

verlorene_symbolWie schon sowohl für mein Lesejahr 2014  als auch das aktuelle Lesejahr angekündigt, habe ich es endlich geschafft mich Dan Browns „Das verlorene Symbol“ zu widmen. Mit den bisherigen Abenteuern Robert Langdons verbinde ich sehr gute Erinnerungen, habe ich doch „Illuminati“ gelesen noch bevor die Werke des Autoren groß durchgestartet sind, während mich „Sakrileg“ während einer ziemlich harten Prüfungsphase erfolgreich ablenken konnte. Mit den leider höchstenfalls durchschnittlichen Verfilmungen ging mein Interesse an der Reihe auch verloren und somit hat es Jahre gedauert, bis ich mich an die Fortsetzung wagen sollte…

Mit Washington, D.C. als Setting hatte ich mir so einiges erwartet, denn immerhin zählt die Reise in die US-Hauptstadt mit zu meinen schönsten Erinnerungen – und tatsächlich wurde meine Fantasie  auch durch den Schauplatz befeuert. Mit Robert Langdon bekommt man eine Hauptfigur an die Seite gestellt, die sich bereits über zwei Romane bewährt hat. Ich empfand ihn dieses Mal jedoch als ziemlich blass, was auch für die gesamte Handlung gilt. Antagonist Mal’akh ist noch die interessanteste Figur, wenngleich er auch völlig überzeichnet dargestellt wird. Brown verknüpft in „Das verlorene Symbol“ den mysteriösen Reiz von Geheimbünden mit dem extrem pseudowissenschaftliche Hintergrund der Noetik, was eine krude aber irgendwie auch unterhaltsame Mischung abgibt.

An der Erfolgsformel hat Dan Brown nur wenig geschraubt, was natürlich auch bedeutet, dass wir am Ende des zweiten Akts eine überraschende Wendung präsentiert bekommen – und ja, ich fand sie wirklich überraschend. Das alles macht „Das verlorene Symbol“ zu keinem wirklich guten Buch, aber einem unterhaltsamen. Genau das Richtige eben, um abends kurz vor dem Einschlafen noch einmal 10 Seiten zu lesen. In dieser Form hat mich der 800-seitige Wälzer über das letzte halbe Jahr begleitet (wenngleich ich auch ein paar Comics eingeschoben hatte), was auch so einiges aussagt. Unterhaltsames Mystery-Geschwurbel mit tollem Setting: 7/10 Punkte.

Die Auserwählten in der Brandwüste (James Dashner)

brandwueste_dashnerHatte ich den ersten Band aus James Dashners „The Maze Runner“-Reihe noch relativ schnell verschlungen, hat mich „Die Auserwählten in der Brandwüste“ über beinahe drei Monate begleitet. Glücklicherweise liegt dies nicht an einem qualitativen Einbruch in der Erzählweise, sondern daran, dass ich kaum zum Lesen gekommen bin. Dennoch habe ich mich jeden Abend auf ein paar Seiten mit den Lichtern gefreut…

Nachdem das Setting in „Die Auserwählten im Labyrinth“ noch relativ begrenzt war, öffnet sich plötzlich eine Welt jenseits des Labyrinths. Dies ist anfangs noch ungewohnt, bleibt jedoch stets spannend und entwickelt sich schnell zu einer Art postapokalyptischer Zukunftsvision, in der auch zombieähnliche Kreaturen nicht fehlen dürfen. All dies strotzt nicht vor inhaltlicher Innovation, doch erzählt Dashner Thomas‘ Geschichte äußerst mitreißend und unterhaltsam.

Durch die personale Erzählperspektive weiß man immer nur so viel wie die Hauptfigur, was die Spannung stets aufrecht hält. Man kann die unterschiedlichen Parteien nie wirklich exakt einordnen, Bündnisse werden eingegangen und wieder aufgelöst, doch eine endgültige Lösung offenbart sich nie. Das Finale ist temporeich und lässt eine Aufklärung der diversen Geheimnisse erahnen, ohne wirklich konkret zu werden. Dies hebt sich Dashner jedoch hoffentlich für den Abschluss der Trilogie auf…

Auch wenn die Buchreihe seit der Verfilmung des ersten Teils nicht den allerbesten Ruf hat, so macht sie mir doch wirklich enorm viel Spaß. Am liebsten würde ich sofort weiterlesen, doch lässt die Veröffentlichung des Finales als Taschenbuch noch auf sich warten. Zeit also, um die Vorfreude wachsen zu lassen und sich vorerst einem anderen Thema zu widmen: 8/10 Punkte.

Die Auserwählten im Labyrinth (James Dashner)

labyrinth_dashnerLabyrinthe üben schon immer eine starke Faszination auf mich aus – und ich finde es immer noch tragisch, dass es in meiner Kindheit anscheinend noch keine Maislabyrinthe gab. Auf James Dashners „Die Auserwählten im Labyrinth“ wurde ich folglich auch einzig und allein aufgrund seiner Prämisse aufmerksam. Allerdings hatte ich das Buch zunächst verschenkt und sollte erst jetzt, im Fahrwasser der Verfilmung, dazu kommen es zu lesen. Aufgrund etlicher vernichtender Kritiken der Adaption, hatte ich meine Erwartungen ziemlich gesenkt – und war vielleicht gerade deshalb so angetan. So schnell habe ich schon lange kein Buch mehr verschlungen…

Die Prämisse ist so genial wie einfach: Jugendliche, deren Gedächtnis gelöscht wurde, finden sich im Zentrum – der sogenannten Lichtung – eines Labyrinths wieder. Tagsüber suchen sie im Labyrinth nach einem Ausgang, nachts schließen sich die Tore zur Lichtung und grausige Kreaturen ziehen hinter den Mauern ihre Kreise. Man erlebt all das durch die Augen eines Neuankömmlings, der sich – wie auch wir Leser – erst mit der Mythologie vertraut machen muss. Zunächst gibt es unzählige Fragen und Geheimnisse, welche erst nach und nach gelüftet werden. Eben das „Lost“-Prinzip, welches bei mir anscheinend immer noch tadellos funktioniert.

Anfangs ist die Sprache des Romans ein wenig ungewohnt, versucht Dashner doch eine Art eigene Jugendsprache zu etablieren, die sich auf der Lichtung entwickelt hat. Doch schon nach ein paar Seiten geht diese recht locker von der gedanklichen Zunge. Die Charaktere sind dabei weder sonderlich ausgefeilt, noch bleiben sie blass. Durch das hohe Tempo und die auf Hauptcharakter Thomas beschränkte Erzählperspektive, wird man als Leser einfach mitgerissen. Zumindest ging es mir so – und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Auch wenn „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ bestimmt das bessere Jugendbuch ist, so habe ich „Die Auserwählten im Labyrinth“ doch stets mit großer Freude gelesen und wurde beinahe ebenso gut unterhalten wie von Suzanne Collins‘ Reihe. So ist es kaum verwunderlich, dass ich mir inzwischen den zweiten Band zugelegt habe habe schenken lassen und auch schon die ersten Kapitel gelesen sind. Besser als sein durch diverse Kritiken zur Verfilmung heraufbeschworener Ruf: 8/10 Punkte.

Maniac (Douglas Preston/Lincoln Child)

maniac_preston_childNachdem ich mich in den letzten Jahren nahezu ausschließlich mit George R. R. Martins „A Song of Ice and Fire“ beschäftigt hatte, bin ich mit „Maniac“ zu einer altbekannten Romanreihe zurückgekehrt. Das Autorenduo  Douglas Preston und Lincoln Child beenden mit diesem Band ihre sogenannte Diogenes-Trilogie, welche mich mit den beiden Vorgängern „Burn Case“ und „Dark Secret“ bereits bestens zu unterhalten wusste.

Leider sind seit dem Lesen des letzten Bandes bereits drei Jahre vergangen, was mir so einige Zusammenhänge doch eher im Unklaren ließ. Dies ist besonders schade, da auch „Maniac“ wieder stark Bezug auf die anderen Bücher des Autorenduos nimmt. Die erste Romanhälfte hat mich zudem stark an den Klassiker „Relic“ bzw. dessen Verfilmung erinnert, da auch dieses Mal wieder eine Ausstellungseröffnung im American Museum of Natural History im Mittelpunkt stand, die von ungewöhnlichen Ereignissen begleitet wird.

Die starke Konzentration auf die Beziehung zwischen Aloysius und Diogenes Pendergast hat durchaus ihre Momente, wirkt aber teils auch etwas gewollt. Weiterhin schwebt die Geschichte erneut irgendwo zwischen Mystery und Kriminalfall, was ich durchaus begrüße. Dennoch fehlte mir dieses Mal der Wissenschaftsthriller-Anteil, der in den ersten Büchern des Autorenduos noch stärker vorherrschte.

Insgesamt bildet „Maniac“ einen schönen Abschluss der Diogenes-Trilogie, wenngleich sich der Roman qualitativ eher im Mittelfeld der gesamten Reihe befindet. Ich hatte meinen Spaß damit und werde irgendwann bestimmt auch in den Nachfolger „Darkness“ reinlesen, der bei uns schon im Bücherregal wartet: 7/10 Punkte.

Filme der 2000er (Jürgen Müller)

filme_der_2000erNachdem die letzte Buchvorstellung mit Filmbezug bei euch so gut angekommen ist, möchte ich euch auch meinen zuletzt ausgelesenen Schmöker aus diesem Bereich nicht vorenthalten: „Filme der 2000er“ aus dem Taschen Verlag ist der neueste Band der Buchreihe rund um die wichtigsten Filme der vergangenen Jahrzehnte. In meiner Sammlung befinden sich inzwischen alle Bände ab „Filme der 60er“, wobei „Filme der 90er“ mein Einstieg in die Reihe war. Seitdem sind inzwischen bereits 12 Jahre vergangen, was unglaublich ist – eine lange Zeit, während der mich diese Buchreihe stets begleitet hat.

Wenn man die Bücher noch nicht kennt, wird man zunächst von ihrem Gewicht erschlagen. Auf knapp 900 großformatigen Seiten bekommt der Leser zu jedem Jahr eine Auswahl an Filmen der entsprechenden Dekade präsentiert. Es gibt eine Zusammenfassung des Inhalts, eine Besprechung und noch weitere Details zu Regisseur, Schauspielern und Produktion an sich. Ergänzt werden die Informationen durch mehrere Standbilder aus dem  Film, die teilweise die komplette Seite einnehmen. Dadurch bekommt man als Leser a) ausreichend Informationen zum jeweiligen Film und b) auch enorm Lust darauf ihn zu sehen – speziell die weniger bekannten Filme.

Was die Auswahl der Werke angeht, so kann man sich darüber bestimmt exzellent streiten, doch letztendlich haben die Herausgeber eine gute Mischung aus relevanten Blockbustern, Indie-Produktionen und ausländischen Beiträgen zusammengestellt. Für mich ist es jedes Mal eine Freude in den Bänden zu schmökern – selbst wenn das Regal für diese Buchreihe wirklich sehr stabil gebaut sein sollte: 9/10 Punkte.

Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions (Guillermo del Toro)

del_toro_curiositiesNach dem „A Song of Ice and Fire“-Marathon hatte ich mich sehr darauf gefreut einmal wieder etwas anderes zu lesen. Doch gab es da immer noch „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ von und mit Guillermo del Toro, in das ich seit ca. einem halben Jahr immer mal wieder reingeschaut hatte. Normalerweise lese ich Film- bzw. Sachbücher immer parallel zu Belletristik und nie am Stück, doch dieses Buch hat mich so begeistert, dass ich ihm mehr Aufmerksamkeit schenken wollte.

Ich mochte Guillermo del Toro als Regisseur schon länger und spätestens mit „Pans Labyrinth“ hat er einen der beeindruckendsten Filme geschaffen, die ich je gesehen habe. Welch detaillierte Gedanken und Aufzeichnungen allerdings selbst hinter seinen einfacheren Filmen – wie z.B. „Mimic“ – stecken, war mir vor der Lektüre dieses Buches noch nicht bewusst. So habe ich nun große Lust bekommen, einmal wieder in all die vorgestellten Filme reinzuschauen. Besonders von „Cronos“ und „The Devil’s Backbone“ wäre eine Wiederholungssichtung dringend angebracht, doch auch die Unterhaltungskracher „Hellboy“, „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ und „Pacific Rim“ würde ich nun am liebsten sofort in den Player packen.

Inhaltlich beschäftigt sich „Cabinet of Curiosities“ mit den Notizbüchern, die der Regisseur für jeden seiner Filme – und das meist projektübergreifend – führt. Dort gibt es detaillierte Zeichnungen und Texte zu bewundern, die den komplexen Entstehungsprozess veranschaulichen. Hinzu kommen ausführliche Interviews, welche Hintergrundinformationen zu den Notizen und Filmen liefern. Nicht vergessen darf man zudem die Vorstellung von Bleak House, Guillermo del Toros wahr gewordenen Traum eines jeden Monsterfilmfreunds. Was würde ich für einen Besuch dieses Privatmuseums geben!

Nicht nur ist „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ inhaltlich wertvoll, es ist auch formal ein kleines Meisterwerk. Ich kann es nur jedem Filmfreund ans Herz legen, der sich auch nur am Rande für del Toros Schaffen interessiert und generell Genrefilmen nicht abgeneigt ist: 10/10 Punkte.

Was will ich und wenn ja, wie viele? (Felicitas Pommerening)

was_will_ichNach zweieinhalb Jahren „Game of Thrones“-Marathon ist mein Zu-Lesen-Stapel ziemlich angewachsen. Auch wenn ich George R. R. Martins Romanreihe liebe, so hatte ich mich doch darauf gefreut einmal wieder etwas anderes zu lesen. Felicitas Pommerenings „Was will ich und wenn ja, wie viele?“ befand sich nicht auf dem Stapel. Vermutlich hätte ich das Buch auch nie in die Hand genommen, wenn die Autorin nicht persönlich Kontakt mit mir aufgenommen und mir mein erstes Rezensionsexemplar geschickt hätte.

Felicitas Pommerening bezeichnet ihr Werk direkt auf dem Cover als Entscheidungsroman – und ein solcher ist es wohl auch. Im Mittelpunkt stehen vier Freundinnen, von denen drei gleichzeitig auch die Erzählperspektive liefern und uns somit ungefiltert an ihren Gedanken teilhaben lassen. Alle Frauen sind so um die 30, beruflich etabliert und befinden sich in verschiedenen Phasen einer Beziehung. Es ist eine Zeit des Umbruchs: Heirat, Kinder, private und berufliche Zukunft. Was will ich vom Leben? Das sind die Themen, die uns durch das gesamte Buch begleiten. Die biologische Uhr tickt. Mal mehr, mal weniger laut. Die Autorin versucht verschiedene Ansichten und Charaktertypen zu definieren, wodurch das Thema aus mehreren Perspektiven beleuchtet wird.

Eine klassische Handlung bietet „Was will ich und wenn ja, wie viele?“ nicht. Meist lauscht man den Gesprächen der drei Freundinnen oder bekommt ihre Gedanken in Form von inneren Monologen präsentiert. Dies ist auch der größte Kritikpunkt, den ich habe: Die Geschichte wird nicht durch Aktionen erzählt, sondern beinahe nur durch Dialoge. Hinzu kommt, dass die sich drei Figuren – so unterschiedlich diese auch konzipiert sein mögen – stilistisch (und teils auch inhaltlich) kaum unterscheiden. Dadurch fehlt den Erzählperspektiven leider ein wenig Eigenständigkeit.

Abgesehen von diesen Kritikpunkten hatte ich ein interessantes und sehr entspanntes Lesevergnügen. Die Themen, die in diesem Entscheidungsroman aufgegriffen werden, sind heute relevanter denn je. Die Möglichkeiten sind theoretisch nahezu endlos und doch ist man, besonders als Frau, starren Vorgaben und veralteten Vorstellungen unterworfen. Warum geht bei uns in Deutschland oft eben nicht beides? Karriere und Familie? Eine Antwort darauf bietet auch „Was will ich und wenn ja, wie viele?“ nicht, doch erfährt man zumindest auf unterhaltsame Art und Weise, dass man mit dieser Fragestellung nicht alleine ist: 7/10 Punkte.

A Song of Ice and Fire, Book 5: A Dance with Dragons (George R. R. Martin)

dance_with_dragonsIch bin durch! Schneller als noch beim Vorgänger, habe ich „A Dance with Dragons“ in nur 8 Monaten verschlungen. Somit habe ich mich die letzten zweieinhalb Jahre – mit einer kurzen Unterbrechung aufgrund eines Ausflugs nach Panem – literarisch beinahe komplett in Westeros aufgehalten. Insgesamt knapp 5000 Seiten, was die monumentale Epik unterstreicht, mit der George R. R. Martin seine Geschichte erzählt. Ich bin wirklich gespannt, wie die etlichen Cliffhanger im folgenden Band aufgelöst werden, der leider noch länger auf sich warten lassen wird…

Nachdem der vierte Band „A Feast for Crows“ mit zu vielen neuen Charakteren und Schauplätzen ein wenig zerfahren wirkte und Fokus vermissen ließ, konzentriert sich GRRM in „A Dance with Dragons“ wieder stärker auf die Hauptfiguren der Geschichte. Endlich wieder Tyrion Lannister, Daenerys Targaryen und Jon Snow. Ein wahre Freude! Nach ca. zwei Drittel des Buches fügt Martin auch die örtlich getrennten Handlungsstränge wieder zusammen und so erfahren wir Leser gegen Ende auch, wie es u.a. Königin Cercei ergangen ist. Dies bestätigt übrigens meine Vermutung, dass eine chronologische Teilung der Geschichte durchaus sinnvoller gewesen wäre.

Auch wenn dieser Band wieder deutlich stärker ist als der Vorgänger, so habe ich doch ein paar Erzählperspektiven vermisst: Littlefinger und Sansa zum Beispiel. Oder auch Catelyn Stark. Dafür tritt der Handlungsstrang von Arya komplett auf der Stelle und hätte meiner Meinung nach deutlich gekürzt werden dürfen. Wirklich schade, da die Figur eigentlich zu meinen Lieblingen zählte. Auch hier sehe ich wieder viel Potential für die TV-Serie, was sinnvolle Straffungen angeht, ohne dabei den Kern der Geschichte zu verlieren.

Mit dem Abschluss dieses Bandes reihe ich mich nun in die Gruppe der unzähligen Leser ein, die auf „The Winds of Winter“ warten – und warten und warten. Vor 2015 wird der Band bestimmt nicht erscheinen, wenn man den Gerüchten glauben mag. Das wird eine lange Wartezeit und ich kann nur hoffen, dass ich bis dahin nicht schon wieder alles vergessen habe. Das lange Warten vertreibe ich mir mit der dritten (und bis dahin wahrscheinlich auch vierten) Staffel der TV-Serie. Ich werde meine tägliche Dosis Tyrion und Co. in den nächsten Wochen auf jeden Fall vermissen: 9/10 Punkte.

A Song of Ice and Fire, Book 4: A Feast for Crows (George R. R. Martin)

feast_for_crowsGeorg R. R. Martin hat es mir mit diesem Buch wirklich nicht leicht gemacht. Ganze 10 Monate habe ich benötigt, um mich durch die knapp 1000 Seiten zu kämpfen – auch wenn ich nach der Hälfte zugegebenermaßen erst einmal Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“-Trilogie eingeschoben habe. Die Pause nach gut 3500 Seiten „A Song of Ice and Fire“ hat gut getan und danach konnte mir die zweite Hälfte von „A Feast for Crows“ auch wieder viel Freude bereiten. Das fünfte Buch kann also kommen…

Bereits beim Vorgänger „A Storm of Swords“ konnte man sich als Leser nicht über eine zu geringe Auswahl an Charakteren beschweren. Übersicht in Westeros zu behalten war somit nicht immer einfach, doch aufgrund der immer wiederkehrenden Erzählstränge und teils Überschneidungen in der Handlung, konnte ich den jeweiligen Charakter stets in den Gesamtzusammenhang einordnen. In diesem Buch gelingt das – besonders zu Beginn – nicht immer: Martin führt etliche neue Figuren ein und widmet diesen auch eigene Kapitel, obwohl sie teils nicht wirklich wichtig zu sein scheinen und im weiteren Verlauf kaum vorkommen. Besonders die Handlung in Dorne und auf den Iron Islands hat mich oft aus der eigentlichen Geschichte rausgerissen und teils sogar gelangweilt.

Die neuen Charaktere werden auch selten beim Namen genannt, d.h. ihr Kapitel-Titel wird, anders als bei den anderen Figuren, häufig umschrieben, was die Einordnung nicht leichter macht. Martin hätte diese Handlungsstränge, die durchaus noch wichtig werden können, einfach in die bestehenden mit eingliedern sollen. Berichte aus Dorne bzw. von den Iron Islands hätten auch anders nach King’s Landing gelangen können. Meiner Meinung nach wäre hier weniger mehr gewesen und man hätte die Erzählstränge nicht auf „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ aufteilen müssen. Den Cliffhanger von „A Storm of Swords“ zudem erst ein paar Seiten vor Ende aufzulösen, zeugt zudem von schriftstellerischem Selbstbewusstsein – und funktioniert erstaunlicherweise sogar recht gut.

Beeindruckend fand ich es erneut, wie Martin mit seinen Charakteren umspringt. Ich hätte nie gedacht, dass Jaime einmal so sympathisch werden könnte und auch Brienne hat deutlich an Profil gewonnen. Da man von Tyrion, Daenerys und John Snow nichts mitbekommt, fallen meine bisherigen Lieblingserzählstränge heraus, doch dafür konnten mich Jaime, Brienne und Cercei – was für ein grandioses Finale! – entschädigen. Arya und Sansa habe ich auch stets gerne begleitet, wenngleich ihre Geschichten größtenteils etwas auf der Stelle getreten sind. Nicht vergessen darf man auch Samwell, der einen schönen Handlungsbogen spendiert bekommt und für die Geschichte wichtiger sein dürfte, als ursprünglich angenommen.

Insgesamt ist „A Feast for Crows“ das bisher schwächste Buch der Reihe, was vor allem daran liegt, dass sich Martin ein wenig übernommen hat. Die zweite Hälfte fand ich deutlich stärker und freue mich nun auch auf „A Dance with Dragons“, das ich – entgegen meiner ursprünglichen Planungen – doch sofort im Anschluss lesen werde. Lasst euch also vom zähen Beginn nicht abschrecken, denn gegen Ende macht auch der vierte Band der Saga wirklich viel Spaß: 8/10 Punkte.