Run, Fatboy, Run (137)

Nach einer beinahe zweimonatigen Pause, habe ich mich heute endlich einmal wieder in die Laufschuhe geschwungen. Was war passiert? Unser nicht mehr ganz so kleines Zappelinchen hat sich zu einer wahren Bazillenschleuder entwickelt und uns die hartnäckigste Erkältung seit Menschengedenken beschert. Die letzten Zuckungen sind zwar immer noch nicht ganz überwunden, doch irgendwann muss man sich ja einmal wieder aufraffen…

Länge: 4,20
Laufzeit: 00:27:00
kCal: 336
min/km: 6:25

Um es kurz zu machen: Es war ein harter Lauf. Richtig anstrengend. Meine Kondition hatte sich wohl schon an den beständigen Ruhezustand gewöhnt. Somit bin auch nur die kurze Strecke gelaufen. Der ganze schöne Vorsprung im Vergleich zum letzten Jahr ist dahin. Ob ich das überhaupt noch aufholen kann?

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

Ich liebe Edgar Wright. Bereits mit „Spaced“ hat er mein kleines Nerdherz schneller schlagen lassen. So viele Ideen, so grandios umgesetzt. Dann „Shaun of the Dead“, der Traum eines jeden Zombiefans. Mit „Hot Fuzz“ lieferte er einen der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre ab und nun? „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ – erstmals ohne das Duo Simon Pegg und Nick Frost, dafür mit gefeierter Vorlage. Konnte das wirklich gut gehen?

Oh ja! Edgar Wright ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Ein Film, wie ein Rausch. Ein Film, dessen audiovisueller Stil alles zu ersticken droht – und wohl gerade deshalb die stillen Szenen umso mehr hervorhebt. Ein Film, der wohl nur von einer bestimmten Generation verstanden werden wird. Lieben oder hassen – eine Grauzone ist kaum vorstellbar. Mich hatte der Film ja bereits beim 8-bit Universal-Logo und dem „The Legend of Zelda“-Jingle. Man muss kein nerdiger Hipster sein, um der audiovisuellen Flut Herr zu werden. Aber es hilft. Vermutlich.

Die Vorlage kenne ich zugegebenermaßen nicht. Noch nicht. Die Lektüre der „Scott Pilgrim“-Comics steht allerdings schon jetzt ganz oben auf meiner Leseliste. Insofern kann ich die Vorlagentreue nicht beurteilen. Das Mitwirken des Autors lässt aber hoffen. Zudem wirkt der Film als geschlossene Einheit und nicht, wie eine schöne 1:1-Umsetzung der Panels. Die Dialoge sind nahezu perfekt. Zwar nicht immer zum laut Lachen, doch stets zum leise Freuen. Herzerwärmend, witzig und pointiert. Man merkt hier auch immer wieder Edgar Wrights perfektes Gefühl für Timing.

Mein Kritikpunkt? Wohl der starke Schwerpunkt auf die Kämpfe. So bombastisch diese anzusehen sind, so sehr hätte ich mir doch noch mehr Dialoge und zwischenmenschliche Szenen gewünscht. Dennoch sind die Kämpfe natürlich wunderbare Allegorien, die einen bestimmten Lebensabschnitt ziemlich gut einfangen. Wie ihre langfristige Wirkung ist, müssen garantiert folgende Wiederholungssichtungen zeigen. Bis dahin hoffe ich auf weitere Filme. Please, Mr. Wright (and Producers, of course).

Für mich ist „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein fantastischer Film, der ein ziemlich undefinierbares Zeitgefühl ziemlich perfekt einfängt. Videospiele, Musik, Leben. Ja, diesen Themen hat dieser Film gefehlt. Nun ist er da und ich bin hoch erfreut. Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden. Wie hätte es auch anders kommen können? Nicht für jeden, aber für seine diffuse Zielgruppe eben einer dieser speziellen Filme: 9/10 Punkte.

Erbarmen (Jussi Adler-Olsen)

So zügig, wie Jussi Adler-Olsen „Erbarmen“ habe ich schon lange kein Buch mehr gelesen. Zugegebenermaßen habe ich für die erste Hälfte beinahe einen Monat benötigt, doch der Rest ging dann ziemlich flott innerhalb eines Tages. Manchmal muss man sich eben bewusst Zeit zum Lesen nehmen – gar nicht so einfach zwischen Job und Familie.

Nachdem ich mit Stieg Larsson und Håkan Nesser bereits Gefallen an skandinavischer Krimiliteratur gefunden hatte, lag es Nahe mich als nächstes Jussi Adler-Olsen zuzuwenden. Seine Buchreihe rund um das Sonderdezernat Q ist zurzeit in aller Munde und ich konnte mit Freude feststellen, dass dies auch durchaus gerechtfertigt ist. Carl Mørck ist eine wunderbar geschriebene Hauptfigur und einen besseren Assistenten, als den kauzigen Assad hätte man ihm nicht zur Seite stellen können.

Die Geschichte, welche in zwei Zeitebenen spielt, ist äußerst spannend und teils wirklich grausam. Man kann den Schmerz oft beinahe spüren. Auch wenn die Auflösung für Genrekenner nicht gerade überraschend ist, so wird die Handlung doch so mitreißend und treibend erzählt, dass die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhalten bleibt. Dies liegt auch an Adler-Olsons Schreibweise, die schnell zum Punkt kommt und – passend zur Hauptfigur – einen herrlich spröden Sprachrhythmus besitzt.

Ich freue mich nun wirklich schon auf den zweiten Teil, der bereits im Bücherregal bereit steht. Am liebsten würde ich sofort weiterlesen, was zwar nicht möglich ist, doch immerhin das größte Kompliment, das man einem Autor machen kann: 9/10 Punkte.

The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.

Parenthood – Season 2

Meine persönliche Serienentdeckung der letzten Saison, konnte mich glücklicherweise auch in diesem Jahr wieder voll und ganz überzeugen. Was hatte ich mich auf ein Wiedersehen mit „Parenthood – Season 2“ gefreut! Ein herrlich unaufgeregtes Drama, das mit Charakteren, Dialogen sowie einer intensiven Inszenierung zu überzeugen weiß und – für mich fast schon das Wichtigste – wirklich Herz besitzt. Nach wie vor großartig.

Auch wenn ich im Intro beinahe schon mein Fazit gezogen habe, so möchte ich es mir nicht nehmen lassen, noch etwas detaillierter auf die Vorzüge dieser Ausnahmeserie einzugehen. Wie bereits in der vorangegangenen Staffel wird ein sehr genaues Bild der Großfamilie Braverman gezeichnet. Die Serie lebt von ihren Charaktermomenten, von denen es in jeder Episode nur so wimmelt. Dennoch hätte ich mir von diesen tatsächlich noch mehr anschauen können, auch wenn es natürlich verständlich ist, dass man nicht in jeder Episode allen Familienmitgliedern gleich viel Aufmerksamkeit schenken kann. Für mich als Zuschauer auf jeden Fall ein deutliches Zeichen, wie sehr einem beinahe ausnahmslos alle Charaktere ans Herz wachsen.

Auch wenn jede Episode ein anderes Thema in den Vordergrund rückt, so sind es doch vor allem die episodenübergreifenden Handlungsstränge, welche die Serie auszeichnen. Sei es Adams neuer Boss, Crosbys Affäre oder Haddies erste Beziehung – jede Geschichte wird von dutzenden von Blickwinkeln aus betrachtet. Kein plumpes Schwarz-Weiß-Zeichnen, keine einfachen Lösungen. Auch wenn „Parenthood“ durchaus mit der emotionalen Klaviatur seiner Zuschauer zu spielen weiß, so wirkt die Serie stets echt und die Handlungen der Figuren bleiben nachvollziehbar, was unter anderem den herausragenden Leistungen der Schauspieler zu verdanken ist.

Ich weiß jetzt schon, dass ich die Bravermans in den kommenden Monaten vermissen werde. Noch ist es leider nicht einmal sicher, dass die Serie ins dritte Jahr gehen wird. Sollte sie abgesetzt werden, dann wäre dies für mich wohl der größte Verlust unter den aktuell laufenden Serien. Doch ich bin hoffnungsvoll, denn schließlich kann ich nicht der einzige Träumer unter den Familienmenschen da draußen sein, der die fantastische Qualität dieser Ausnahmeserie zu schätzen weiß. Großartiges Fernsehkino: 9/10 (9.4) Punkte.

Die Letzten ihrer Art – OT: Last Chance to See (2009)

Auf die Empfehlung von donvanone habe ich mich in den letzten Tagen zusammen mit Stephen Fry und Mark Carwadine aufgemacht, um die Letzten ihrer Art in der BBC-Dokumentation „Last Chance to See“ aufzusuchen. Da ich in letzter Zeit wieder äußerst gerne gut gemachte Tier- und Reisedokus schaue, kam die Serie genau zum richtigen Augenblick und bot – zumindest in ihrem Genre – einfach nur perfekte Unterhaltung.

Was unterscheidet die Serie von anderen Dokumentationen? Vor allem natürlich ihre sympathischen Reiseführer. Stephen Frys Wortwitz erinnert nicht ohne Grund an den des großen Douglas Adams, der sich – ebenso mit Mark Carwadine – schon vor mehr als 20 Jahren  aufmachte, um die Letzten ihrer Art zu suchen. Das aktuelle Abenteur im Serienformat erinnert häufig an das ursprüngliches Buch und seinen Autor Douglas Adams, was mich als Fan seiner fantastischen Romane beinahe etwas wehmütig gestimmt hat.

Glücklicherweise kann der adamsartige Erzählstil in die Serie hinübergerettet werden. Stephen Frys Humor lässt die teils doch etwas zu euphorischen Beschreibungen Mark Carwadines nicht ganz so übertrieben erscheinen. Überhaupt ergänzen sich die beiden gemütlichen Abenteurer perfekt und ich hatte stets das Gefühl echten Menschen zuzusehen. Neben den gesuchten Tieren stehen wunderschöne Landschaftsbilder, interessante Begegnungen und entspannte Gespräche im Vordergrund.

Wie man aus der Besprechung bis hier entnehmen kann, hatte ich wirklich enorm viel Spaß mit der tierischen Reise rund um den Globus. Wenn man Tierfreund ist und zudem britischen Humor mag, dann sollte man „Last Chance to See“ definitiv eine Chance geben. Wenn Stephen Fry noch einmal den Bequemlichkeiten des modernen Lebens entsagen kann, könnte ich mir sogar durchaus eine zweite Staffel vorstellen – genügend bedrohte Tierarten gibt es ja leider: 9/10 Punkte.

Ostersonntag

Da es nun schon reichlich spät ist, spare ich mir große Worte und lasse hauptsächlich die heute entstandenen Bilder sprechen. Bei diesen handelt es sich um Zufallstreffer vom heutigen Osterspaziergang.

Man kann auf jeden Fall erkennen, wie fantastisch das Wetter war und wie intensiv sich die Natur inzwischen wieder zu Wort meldet. Endlich kann man mit Gewissheit sagen: Der Winter ist vorbei.

Trotz des guten Wetters habe ich es mir nicht nehmen lassen und die Bilder in Sachen Farbintensität, Helligkeit und Kontrast etwas nachbearbeitet. Oft wäre dies aber gar nicht nötig gewesen.

Mit der heutigen Bilderausbeute bin ich auf jeden Fall zufriedener als noch beim Versuch im letzten Monat. Vielleicht auch deshalb, weil ich heute weniger gezielt gearbeitet und nur ein paar Schnappschüsse mitgenommen habe.

Über Feedback würde ich mich wie immer freuen. Inzwischen ist übrigens auch meine neue Festbrennweite unterwegs, die meine technischen Möglichkeiten noch einmal erweitern dürfte. Ich bin gespannt!

The Social Network (2010)

Als ich zum ersten Mal vom Facebook-Film hörte, dachte ich: Wirklich, muss das sein? Dann wiederum waren David Fincher und Aaron Sorkin federführend beteiligt, die ich beide sehr schätze. Schließlich strich „The Social Network“ etliche Auszeichnungen ein und wurde von den Kritikern gefeiert. Aus dem zunächst unwirklich erscheinenden Projekt wurde einer der angesehensten Filme des Jahres. Höchste Zeit also, mir eine eigene Meinung zu bilden.

Man muss nicht bei Facebook angemeldet sein, um „The Social Network“ etwas abgewinnen zu können. Das Projekt ist keine Softwareverfilmung – und doch hilft es bestimmt ungemein, wenn man den Erfolg des sozialen Netzwerks sowie den damit verbundenen Aufstieg Mark Zuckerbergs zumindest am Rande verfolgt hat. Auch wenn Sorkins Drehbuch eher als Fiktion mit wahrem Kern zu betrachten ist, so zeigt der Film doch wunderbar die Mechanismen auf, die dieser fast schon unglaublichen Erfolgsgeschichte zugrunde liegen.

Durch seine Erzählstruktur, die zwischen der Entwicklungsphase von Facebook und den Anhörungen nach dem bombastischen Erfolg des sozialen Netzwerks wechselt, bekommt der Film eine ganz eigene Dynamik. Diese Art des Erzählens ist natürlich nicht neu, doch wurde sie selten so effektiv eingesetzt, wie in diesem Film. Ich hätte wahrlich nicht erwartet, dass diese eigentlich bereits bekannte Geschichte so mitreißend und spannend erzählt werden kann. Man merkt dem Drehbuch auch oft – ganz besonders in der Eröffnungsszene – den Stil Aaron Sorkins an, der ja spätestens seit „The West Wing“ für seine pfeilschnellen und pointierten Dialoge bekannt ist.

Erwähnenswert ist natürlich die schauspielerische Leistung von Jesse Eisenberg (Columbus, „Zombieland“), dem ein intensives Portrait des Facebook-Gründers gelingt. Ob diese Darstellung dem echten Mark Zuckerberg entspricht? Dies können wohl nur die Personen beurteilen, die dabei waren. So oder so hat Eisenberg dem Filmcharakter einen Stempel aufgedrückt, der von nun an wohl auch immer mit dem realen Vorbild verbunden werden wird. Andrew Garfield dagegen fand ich anfangs noch recht blass, gegen Ende hat sein Eduardo Saverin jedoch immer mehr an Profil gewonnen. Insgesamt auf jeden Fall ein starkes Ensemble an Jungschauspielern.

Insgesamt hat mir David Finchers „The Social Network“ wirklich ausgezeichnet gefallen. Erzählt wird eine altbekannte Geschichte in einer neuen Zeit. Das Spiel ist das gleiche, nur Spielfeld und Spieler haben gewechselt. Gerne hätte ich noch mehr über die genauen Hintergründe erfahren und als 10-teilige Miniserie wäre dies wohl auch durchaus möglich gewesen. Dann aber wohl ohne den famosen Score von Trent Reznor, die beeindruckenden Originalschauplätze und Finchers erneut perfekten VFX-Einsatz (z.B. CG-Winklevoss-Zwilling). Zu Recht einer der angesehensten Filme des letzten Jahres: 9/10 Punkte.

Frohe Ostern!

Auch wenn dies wohl wieder Thomas katholisches Herz bluten lässt, wünsche ich allen Lesern schon einmal frohe Osterfeiertage:

Vielleicht schaffe ich es in den nächsten Tagen ja doch die eine oder andere Filmkritik unterzubringen. Wie man sieht schielt selbst der einzige Osterschmuck, der zurzeit unsere Wohnung bevölkert, zum DVD-Regal…

Die Legende der Wächter – OT: Legend of the Guardians: The Owls of Ga’Hoole (2010)

Während alle Welt über Zack Snyders „Sucker Punch“ diskutiert, habe ich mir gestern mit „Die Legende der Wächter“ seinen wenig beachteten Ausflug ins klassische Fantasygenre angesehen. Die Kritiken waren durchaus gemischt, weshalb meine Erwartungen nicht sonderlich hoch waren. Was ich letztendlich jedoch zu sehen bekam, hat mich – vielleicht auch deshalb – äußerst positiv überrascht.

Bisher stehe ich Zack Snyders Schaffen eher skeptisch gegenüber. Besonders seine Verfilmung von „Watchmen“ hinterließ bei mir keinen sonderlich guten Eindruck. Dennoch gehöre ich zu den Rezipienten, die seiner Art der Inszenierung durchaus etwas abgewinnen können. Auch wenn die Sichtung schon lange zurückliegt, so habe ich „300“ immer noch als äußerst bildgewaltig in Erinnerung und die Eröffnung von „Watchmen“ sieht einfach nur großartig aus. Das Problem war bisher einfach immer, dass die Bilder zu artifiziell waren, um einen Film auch emotional über die gesamte Laufzeit zu tragen.

Auch der Look von „Die Legende der Wächter“ ist sehr stilisiert, jedoch passen die übertrieben lichtdurchfluteten Bilder perfekt zum Fantasysetting und der komplett aus dem Rechner stammenden Welt samt ihrer Figuren. Der Film sieht dabei einfach unglaublich gut aus, ohne jedoch die oft irritierende Diskrepanz zwischen Realbild und CGI-Shot zu beinhalten, die Snyders vorherige Filme (und wohl auch „Sucker Punch“) auszeichneten. Natürlich gibt es auch in diesem Film die für den Regisseur typischen Zeitlupen, welche jedoch weniger aufgesetzt wirken und während der Flugsequenzen einfach nur großartig aussehen.

Neben dem audiovisuellen Hochgenuss, gibt es natürlich noch eine Geschichte zu bewerten. Auch diese hat es mir durchaus angetan. Ich mag Fantasyfilme ohnehin und „Die Legende der Wächter“ enthält viele klassische Elemente des Genres, wie die Wanderung bzw. den Flug der Helden, epische Schlachten und klischeehafte Bösewichte. Zwar wird hier nichts wirklich neu erfunden, doch Eulen als Helden? Da hatte der Film bei mir ohnehin schon fast gewonnen. Die geschaffene Welt ist zudem stimmig und ich hätte mich gerne noch länge in ihr aufgehalten. Hier sind wir auch schon beim größten Kritikpunkt: Der Film wirkt viel zu gehetzt und die Charaktere bleiben oft leider entsprechend blass. Eine halbe Stunde mehr Laufzeit und eine bessere Charakterzeichnung hätten dem Film auf jeden Fall gut getan.

Ich war nach der Sichtung selbst überrascht, wie gut mir der Film gefallen hat. Da hatte ich zuvor wahrlich nicht erwartet. Der Film ist dabei weit davon entfernt perfekt zu sein, doch wer sich in fantastischen Welten zu Hause fühlt und ein Faible für wunderschöne CG-Bilder hat, der sollte auf jeden Fall einmal in „Die Legende der Wächter“ reinschauen. Für mich nach dem „Dawn of the Dead“-Remake auf jeden Fall Zack Snyders gelungenster Film: 8/10 Punkte.