Nach einer halben Ewigkeit habe ich einmal wieder eine Doku gesehen. Warum mich ausgerechnet der Rückblick auf eine, zumindest in meiner bisherigen Wahrnehmung, Teenie-Band aus den späten 1990ern Jahren dazu gebracht hat? Die dreiteilige Doku „ECHT: Unsere Jugend“ wurde in diversen Publikationen und Podcasts nahezu übertrieben positiv besprochen. Obwohl ich keinen großen Bezug zur Band hatte, war mein Interesse dennoch geweckt. Der Zugriff via ARD-Mediathek ist zudem sehr bequem. Warum auch ihr reinklicken solltet, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung. Kurz: Coming-of-Age at its best. 🎸🎶

ECHT: Unsere Jugend | © ARD
Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind
Ich kenne von ECHT nur die Singles bzw. ihre Hits. Die Band wurde groß, als ich mich im ungefähr gleichen Alter befand, wie ihre Mitglieder. Sie wurde damals als Teenie-Band positioniert, was so gar nicht mein Interessensgebiet war. Ich fing zu dem Zeitpunkt an, meinen eigenen Musikgeschmack zu entwickeln und begann ausschließlich Alternative Rock und (Pop) Punk zu hören. Dennoch muss ich zugeben, dass die Songs der Band aus dem Brei der damals populären Musik herausgestochen sind. Als ich sie kürzlich beim Spielen von Hitster wieder einmal hörte, merkte ich auch, dass sie mir nach all den Jahren im Kopf geblieben und dabei überraschend gut gealtert sind. Vermutlich war das auch der Auslöser, mich tatsächlich der Doku zu widmen, die von Kim Frank selbst, dem ehemaligen Sänger von ECHT, aus über 240 Stunden Videomaterial geschnitten wurde. Durch die große Menge an Material, das damals ohne Plan oder Ziel irgendeiner Veröffentlichung gefilmt wurde, bekommen wir sehr persönliche und authentisch wirkende Eindrücke vom Aufstieg und Fall dieser Band. Ohne riesengroße Skandale und übertrieben heftige Wendungen. Doch genau das lässt den Blick auf ECHT auch so, ich kann es nicht anders sagen, echt wirken.
Es ist faszinierend, in eine Zeit ohne Smartphones, Social Media und YouTube zurückzublicken. In eine Zeit, in der Musikfernsehen und Teenie-Zeitschriften den Markt beherrschten. In die Zeit auch meiner Jugend. Schon alleine deshalb resoniert die Doku wohl so stark mit Zuschauenden in meinem Alter. Davon abgesehen ist die dreiteilige Doku handwerklich wirklich gut gemacht. Hut ab. Auch wenn Kim Frank eindeutig als globale Erzählstimme fungiert, so wird allen Bandmitgliedern doch die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn man sich ein aktuelles Gespräch anschaut, so wie es auch im Zentrum der unbedingt sehenswerten Bonus-Episode steht, dann ist es verblüffend zu sehen, wie erwachsen die fünf Jungs geworden sind. Es liegen 20 Jahre dazwischen. Ist also ganz normal. Sollte man meinen.
Auch ich bin seitdem 20 Jahre älter geworden, doch reflektiert man das selbst eher selten. Die ehemaligen Musiker blicken unfassbar reflektiert und liebevoll auf das jüngere Ich ihrer Bandkollegen zurück. Das fand ich wirklich beeindruckend. Kim Frank nimmt die Doku auch nicht als Vehikel, um eine Reunion zu starten o.ä. Es ist schön zu sehen, dass jeder der fünf Bandmitglieder seinen Platz im Leben gefunden hat. Fast noch schöner ist, dass heute keine Wehmut vorherrscht, sondern in erster Linie Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit. Das sind nachvollziehbare und sehr reflektierte Botschaften. Mich hat die Doku wirklich berührt und ich bin beeindruckt, wie gut das gewählte Material den Werdegang von ECHT erzählt. Ich hätte das nie für möglich gehalten, aber ich werde die Jungs vermissen.
Fazit
Auch wenn ich zu Beginn nur aus mildem Interesse in „ECHT: Unsere Jugend“ reingeschaut habe, so hat die dreiteilige Doku (plus unbedingt sehenswerter Bonusfolge) mich so stark in ihren Bann gezogen, wie schon lange nichts mehr. Ich kann dementsprechend nur eine dringende Empfehlung dafür aussprechen. Auch wenn ihr nichts mit der Band anfangen konntet. Ihr werden ECHT danach mit anderen Augen sehen und speziell die Menschen dahinter und ihre Geschichten. Ein Klick in die ARD-Mediathek genügt und schon kann es losgehen: 10/10 (9.7) Punkte.
Prädikat: Lieblingsserie
Echt ist eine Gruppe?? Musste grade mal Youtube befragen. Die singen deutsch. Kein Wunder, dass die mir völlig unbekannt sind. 😆
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Gibt es ja auch schon seit 20 Jahren nicht mehr. Ein paar Songs kennst du bestimmt bzw. hast du schonmal gehört.
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Wahrscheinlich nie wahrgenommen 😉
Deutsch gab es bei mir früher nur Grönemeier, Westernhagen und Lindenberg.
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Warst ja damals auch schon zu alt dafür. 😋 Hört man heute noch ab und zu im Radio.
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Zum Glück musste ich das nicht hören. 🙂
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Ist ja immer Geschmackssache und die Doku auch unabhängig davon sehenswert.
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Das glaube ich dir. Eine Doku über Wolfsmond würde mir gefallen.
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Die Band sagt mir wiederum nichts.
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Lude Lafayette’s Wolfsmond. Geile Band war das.
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Ah schau an, das klingt gut. Ja finde auch, man hat mehr von ihnen im Kopf als man es „damals“ erwartet hätte. Hast du die ARD-Doku zum Musikfernsehen der 1990er gesehen? Die fand ich auch sehr gelungen und ist thematisch ja auch nicht so weit weg.
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Die Songs, die ich zum ersten Mal in der Doku gehört habe (z.B. Meisterwerk) gefallen mir auch überraschend gut. Nein, die Doku über Musikfernsehen habe ich noch nicht gesehen. Danke für den Tipp!
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Kleine Teenie Beichte: Ich fand den Kim damals sooooo süß. Gerade bei ihrer Debüt-Single und ich war ja nun auch im passenden Alter. Hachz… Wobei mir ihre Musik irgendwann zu schnulzig wurde. Ich war (oder bin) auch eher Richtung Alternative Rock und auch anderes… aber dennoch haben sie durchaus eine Zeit meiner Jugend geprägt 🙂
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Kann ich durchaus verstehen. Von all den deutschen Band-Acts waren ECHT doch einfach die „echteste“ und Kim definitiv charismatisch. Hast du die Doku gesehen? Gerade wenn du einen Bezug zur Band hast, wirst du bestimmt viel Freude damit haben.
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Ne, noch nicht. Mal sehen, vielleicht gebe ich mir die, wenn der Mann das nächste Mal auf Dienstreise ist oder so 😉
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Auch wenn dein Mann keinen Bezug dazu hat, kann man die doch gut gemeinsam schauen. Zumindest wenn man Coming-of-Age-Geschichten mag. Aber nun genug der Werbung für die Doku. 😉
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.Mir ging es was Vorkenntnisse angeht ganz ähnlich wie dir. Und ebenso begeistert war ich von den Protagonisten und deren Werdegängen. Wirklich sehr empfehlenswert und reflektiert. Ganz, ganz tolle Doku, in sämtlichen Belangen 💚
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Freut mich, dass dir die Doku ebenso gut gefallen hat. Habe inzwischen auch noch ein paar Interviews aus heutiger Zeit gesehen bzw. gehört und ich bin auch sehr positiv angetan von der Entwicklung, welche die Jungs hingelegt haben.
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