Beginners (2010)

Bei manchen Filmen weiß ich schon im Vorfeld, dass sie mir gefallen werden. Und dennoch zögere ich die Sichtung aus irgendeinem Grund hinaus. Auch Mike Mills‘ „Beginners“ ereilte dieses Schicksal: Obwohl ich den Trailer großartig fand und die Blu-ray bereits seit Monaten im Regal steht, habe ich mich nie überwinden können den Film tatsächlich einzulegen. Heute jedoch war es endlich soweit…

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Geschichten welche die Beziehung zwischen Vater und Sohn in den Mittelpunkt stellen, haben seit jeher eine starke emotionale Wirkung auf mich. Seit dem Tod meines Vaters vor nicht einmal drei Jahren umso mehr. Auch „Beginners“ stellt diese Beziehung in den Mittelpunkt der Geschichte. Der Film beginnt zudem damit, dass Oliver Fields (Ewan McGregor) die Wohnung seines verstorbenen Vaters ausräumt. Bereits während dieser ersten Szene hatte ich feuchte Augen – und das sollte sich über den Verlauf des Films nicht ändern, obwohl er alles andere als deprimierend oder hoffnungslos ist. Mills erzählt in seinem autobiographisch angehauchten Film eine Geschichte über das Alter, Neuanfänge und die pure Lust am Leben.

So herrlich absurd das Coming-out des 75jährigen Hal Fields (Christopher Plummer) teils wirkt, so schwingt doch beständig eine Ernsthaftigkeit mit, die uns die Last der gesellschaftlichen Konventionen stets vor Augen hält. Der Film umspannt Generationen, was uns durch wunderbare Stillbild-Montagen nahe gebracht wird. Zutiefst tragische Momente wechseln sich mit solchen der Glückseeligkeit ab, was zu Beginn – ebenso wie die unterschiedlichen Zeitebenen – ein wenig anstrengend wirkt. Doch mit jeder weiteren Minute zeigt sich, dass jede fragmentarisch angehauchte Erinnerung ihren Platz in der Geschichte hat. Der Film fügt sich letztendlich wie ein großes Puzzle der Emotionen zusammen.

Die drei vier Hauptdarsteller Ewan McGregor, Christopher Plummer, Mélanie Laurent sowie Hund Cosmo spielen allesamt fantastisch und es war eine Freude ihnen beim Lachen, Weinen und Herumalbern zuzusehen. Das Ende hat mich emotional noch einmal so richtig mitgenommen, wenngleich es auch eine positive Art der Traurigkeit war. Schwierig zu erklären. Schon lange hat mich kein Film mehr so im tiefsten Inneren packen können. Mike Mills hat mit „Beginners“ ein kleines Meisterwerk geschaffen, das auch aufgrund seiner naturalistischen Inszenierung zu packen weiß: 9/10 Punkte.

19 Gedanken zu “Beginners (2010)

    • Ich glaube selbst ohne die starke emotionale Bindung hätte ich ihn stärker als okay gefunden. Ich mochte die Inszenierung, die Charaktere und die Aussage des Films sehr. Zusammen mit der Erzählstruktur, die sich auch eher durch Emotionen als durch Logik erschließt, war es für ein sehr mitreißendes Filmerlebnis.

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      • Oha, doch gleich drei Punkte. Was hat dich denn konkret gestört? Ich habe zwischen 8 und 10 Punkten geschwankt, da war die 9 für mich die richtige Wahl. Andererseits: Punkte eben…

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      • Mir hat mein Gedächtnis einen Streich gespielt, hatte sogar 7/10 gegeben 😀
        „So ist BEGINNERS letztlich ein typischer, subtil anbiedernder Indie-Film, dem man seine Schwächen (über die Figuren erfährt man nur sehr wenig) nicht wirklich vorhalten will, dessen Stärken ihn jedoch auch nicht zur Ausnahmeerscheinung machen.“ – schrieb ich damals unter anderem. Ist natürlich alles süß und knuffig, aber war mir nicht tiefgründig bzw. gehaltvoll genug.
        Aber soweit weg voneinander sind wir nun ja wider Erwarten doch nicht 🙂

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    • Ewan ist großartig! Immer und ganz besonders in „Moulin Rouge“ — aber das hatten wir an anderer Stelle, denke ich, auch schon einmal. Viel Erfolg also mit deiner Nichte! Es kann nur ein Gewinn für sie ein — und am besten schon einmal die Soundtrack-CDs brennen… 😉

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    • Stimmt, Musicals sollte man schon mögen. Allerdings handelt es sich ja auch um sehr poppige Songs, so dass man schon mit einer generellen Liebe zu Musik Gefallen an dem Film finden könnte.

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