John Carter: Zwischen zwei Welten – OT: John Carter

Es sollte einer der größten Flops der Filmgeschichte werden, dabei hatte Disney große Hoffnungen in „John Carter: Zwischen zwei Welten“ gesetzt. Nicht lange nach James Camerons Überhit „Avatar“ schien auch der richtige Zeitpunkt, um das Publikum auf eine weitere Reise zu fernen Planeten zu schicken. Doch weder das immense Budget noch die groß angelegte Marketing-Kampagne konnten die Zuschauer in die Kinos ziehen…

Der Einstieg in den Film wirkt umständlich und verwirrend erzählt, doch gefällt von Anfang an die opulente Inszenierung, welche wunderschön anzusehende Bilder hervorbringt. Nach 20 Minuten betreten wir zusammen mit dem titelgebenden Helden eine neue Welt, wie wir sie zuvor noch nicht erlebt haben. Zwar kennt man nahezu alle Versatzstücke aus Fantasy- bzw. Sci-Fi-Filmen, wie „Star Wars“ oder „Planet der Affen“, doch beschwört „John Carter“ durch seine Bilder wunderbar das Gefühl sich tatsächlich auf einem fremden Planeten zu befinden, auf dem hinter jeder Ecke neue Abenteuer warten.

Edgar Rice Burroughs hat mit den Mars-Abenteuern John Carters tatsächlich den Prototypen jener Art von Sci-Fi geschaffen, die ihren Schwerpunkt auf die Fantasyaspekte setzt und von exotischen Prinzessinnen, verfeindeten Häusern und wilden Kreaturen erzählt. Insofern bietet „John Carter“ für heutige Kinobesucher wahrlich nichts Neues. Die opulente und technisch sehenswerte Inszenierung wird zudem einer naiven und altmodischen Handlung entgegengesetzt, was ich durchaus charmant fand, vielen Kritikern aber sauer aufstößt. Durch die fähige Regie von Pixars Andrew Stanton (u.a. „Findet Nemo“, „WALL·E“) wirkt der Film auf mich zeitlos und fängt die altmodisch-naive Atmosphäre des interstellaren Abenteuers gekonnt ein.

Wohin das riesige Budget des Films geflossen ist, muss man sich nicht lange Fragen. Mars bzw. Barsoom sieht unglaublich gut aus. Die Landschaftsaufnahmen laden zum Träumen ein und auch die Kreaturen – allen voran die vierarmigen Tharks – wirken in ihrer Umgebung absolut realistisch, was sich vor allem im Zusammenspiel mit echten Schauspielern zeigt. Erschreckend schwach fand ich dagegen etliche Greenscreen-Einstellung, bei denen man das Licht einfach nicht richtig hinbekommen hat. Hier werden Erinnerungen an die 80er Jahre wach, wodurch der leicht trashige Aspekt der Handlung unterstrichen wird.

Im Gegensatz zu den meisten Kritikern fand ich Taylor Kitsch in der Rolle des John Carter perfekt besetzt. Sein ernsthaftes Spiel passt zu der Art und Weise, wie Stanton den Film inszeniert hat. Knackige Oneliner oder selbstreferentielles Augenzwinkern sucht man vergebens. Dafür gibt es sympathische Nebencharaktere, eine heiße Prinzessin (Lynn Collins) und einen außerirdischen Turbohund zu bewundern. Neben den durchwegs positiven Aspekten hätte ich allein auf die teils übertriebenen Actionsequenzen – z.B. die hektische und billig aussehende Flugjagd durch Zodanga – verzichten können.

In meinen Augen ist der Film unberechtigterweise gefloppt und ich hätte gerne noch einen – nun leider unwahrscheinlichen – zweiten Teil der Mars-Abenteuer gesehen. Dabei ließe sich ein solcher bestimmt mit weit weniger Budget verwirklichen, da die meisten 3D-Modelle wohl gebaut sein dürften und man in einem solchen auf unsinnig teure und übertriebene Actionszenen verzichten könnte. So oder so kann ich allen Freunden von „Star Wars“ (besonders solchen, denen auch die neue Trilogie gefallen hat) und Co. durchaus empfehlen einmal die Wurzeln der modernen Sci-Fi-Fantasy zu besuchen. Es lohnt sich: 8/10 Punkte.

31 Gedanken zu “John Carter: Zwischen zwei Welten – OT: John Carter

  1. Ich mochte den Streifen auch, nicht zuletzt wegen des Turbohundes. Schönes Fantasykino, sicherlich nicht perfekt, manchmal ein wenig trashig, aber liebenswert und mit opulenten Bildern. Und vor allem mit einem runden Ende, was heutzutage ja nicht immer vorausgesetzt werden darf. Taylor Kitschs Leistung fand ich ebenfalls in Ordnung, vor allem, wenn ich mir anschaue, wie er später in „Battleship“ (meinem aktuellen Grabesfilm für schauspielerische Leistungen) gelitten hat.

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    • Ja, das Ende fand ich auch sehr schön. Hat letztendlich auch dem etwas konfusen Anfang Sinn gegeben. Man kann nun zufrieden sein und dennoch wäre eine Fortsetzung problemlos möglich.

      „Battleship“ werde ich mir übrigens nicht antun. Trotz Liam Neeson. Der Trailer sah einfach schon zu dämlich aus – selbst bei meiner durchaus vorhandenen Vorliebe für reines Unterhaltungskino… 😉

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    • Klar, bei den Punkten kann man streiten. Ich finde die 8 Punkte voll und ganz gerechtfertigt, zumal ich mir den Film heute gleich noch einmal hätte anschauen können – und das spricht, finde ich, immer sehr für einen Film…

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    • „Battleship“? Was will ich denn mit „Battleship“? Etwas Anspruch habe ja auch ich! „John Carter 2: Rückkehr nach Barsoom“ würde ich dagegen gerne nehmen… 😉

      Wenn man dem generellen Tenor hier so glauben schenken mag, ist der Film sogar erstaunlich gut angekommen. Zumindest beim interessierten Genrepublikum.

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      • Battleship ist ein Film, den man sich für 5€ kauft, um damit seine Nachbarn zu nerven. So ziemlich der dümmste Film, den ich die letzten Jahre gesehen habe (wie erwartet), aber mit brachialer Action. Definitiv kein Film, den man am Stück angucken muss, sondern nur die lauten Stellen um den Subwoofer auszureizen. 😀

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  2. noch die groß angelegte Marketing-Kampagne

    Welche denn? Da lag ja die Krux, Disney hat die Vermarktung total verhunzt, von vorne bis hinten. Ein selbstverschuldeter Flop, was schade ist, da der Film awesome ist. Schön Oldschool, wie Fantasy-Filme aus den 80ern und davor eben waren. Ganz klar einer der besten des Jahres.

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    • Echt? Ich hatte den Eindruck als hätte man vor dem Kinostart nur noch von „John Carter“ gelesen bzw. gehört. Allerdings kann sich dieser Eindruck auch allein auf die Blogosphäre beschränkt haben, wo ja jedes neue Plakat usw. bis ins Kleinste zerlegt wurde. Was in der normalen Welt da draußen passiert ist, kann ich allerdings nicht sagen.

      Es überrascht mich auf jeden Fall, dass dir der Film so gut gefallen hat. Freut mich! Auch ich fand ihn trotz Effektorgie schön altmodisch im Sinne von 80er Jahre Fantasystreifen.

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  3. Ich fand den Film auch in Ordnung. Hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht (auch wenn das ja höchstwahrscheinlich nicht passieren wird – oder höre ich irgendwo „Reboot“??? ).

    Taylor Kitsch fand ich auch echt gut in der Rolle.

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    • Reboot würde hier ja absolut keinen Sinn machen. Dafür hätte der Film ja ein Erfolg sein müssen, doch heute lockt „John Carter“ anscheinend niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Wie Sarge richtig schreibt: In den 80ern wäre der Film ein Hit gewesen.

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  4. Also in den 80ern wäre John Carter sicher ein Hit geworden, aber heutzutage erwarte ich mir schon deutlich mehr. Sowohl John Carter als auch Battleship habe ich in letzter Zeit als die größten Blockbuster-Enttäuschungen empfunden. Gegen Battleship ist sogar Independance Day intellektuell anspruchsvolle Unterhaltung.

    Am nervigsten fand ich übrigens den Turbohund, da kann man mal sehen, wie unterschiedlich das ist.

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    • Ich habe mich gerade an der altmodischen Filmstruktur und der einfachen Handlung erfreut. Ist dem Unterhaltungswert deutlich zugute gekommen. Wenn ich da an die überkomplizierte und doch bescheuerte Handlung so manch anderer Blockbuster (z.B. so mancher „Pirates of the Carribean“-Teil) denke… da war „John Carter“ einfach nur ehrliches Entertainment – und das ohne betont doof zu sein, wie es „Battleship“ den Trailern nach ja anscheinend ist.

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  6. Der Film ist recht ordentlich und war im Grunde auch gute und vor allem sehr simple Unterhaltung. Die Geschichte an sich ist eigentlich sehr gut und da liegt wohl das Problem. So viele Filme, besonders George Lucas haben sich davon beeinflussen lassen, dass das Original so wirkt, als hätte man alles aus verschiedenen Filmen kopiert. Für mich ist er eine 7 von 10.

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    • Ja, das ist natürlich ein Problem für das heutige Publikum, welches sich bestimmt nicht ausführlich mit der Entstehungsgeschichte jedes Blockbusters auseinandersetzt. Bei meiner Bewertung habe ich irgendwo zwischen 7 und 9 geschwankt und mich dann für die goldene Mitte entschieden.

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