TRON (1982)

Was war gestern Abend wohl der Auslöser dafür, dass ich plötzlich enorme Lust auf Steven Lisbergers „TRON“ hatte? Vielleicht das Poster in Chuck Bartwoskis Zimmer, vielleicht die immerwährende Faszination der Thematik ‚Mensch gegen Maschine‘ oder vielleicht auch einfach nur die Lust auf einen der wohl einflussreichsten Filme der letzten 30 Jahre.

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Wenn man sich heute „TRON“ ansieht, muss man sich vor Augen führen, dass der Film bereits vor 27 Jahren gedreht wurde und was das für die Weiterentwicklung von CGI bedeutet. In den 60er/70er Jahren war das Science-Fiction Genre von Dystopien beherrscht. Ob nun „Planet der Affen“, „THX 1138“, „Soylent Green“ oder „Logan’s Run“ – all diese Filme zeigten eine düstere Welt, in der die Menschheit im großen Stil scheiterte. Erst 1977 nahm das Genre mit George Lucas‘ „Star Wars“ eine Wende hin zum reinen Unterhaltungsfilm, dessen herausragende Effekte einen Großteil seiner Faszination ausmachten. Steven Lisbergers Meilenstein steht ganz in dieser Tradition, wenngleich er auch nie den popkulturellen Stellenwert zugesprochen bekam, wie Lucas‘ Weltraummärchen.

Wenn sich die Jugend von heute „TRON“ ansieht, wird sie vermutlich über die absurden Kostüme und antiquierten CGI-Sequenzen lachen. Auch die Geschichte verlangt dem Zuschauer ein großes Vorstellungsvermögen ab. Computerprogramme dargestellt von Personen. Wie albern! Man muss den Film allerdings in seinem kontemporären Kontext sehen. Damals war das Internet noch eine Zukunftsvision. Große Zentralrechner beherrschten die Computerwelt und PC-Lösungen, wie wir sie heute kennen, konnten sich gerade einmal IT-Theoretiker vorstellen. Insofern darf man die Geschichte beinahe schon als prophetisch ansehen, ging die Entwicklung doch tatsächlich hin zu einer dezentralisierten Rechnerstrukur.

So absurd die neonfarbene Rechnerwelt heute auch wirken mag, sie ist doch eine Meisterleistung des Designs. Man hat hier einen perfekten Kompromiss aus möglicher Darstellungsqualität und gezielter Vereinfachung gefunden. Nicht umsonst stammen die Visualisierungskonzepte von zwei der genialsten Science-Fiction-Designer aller Zeiten: Jean ‚Moebius‘ Giraud (u.a. „Das fünfte Element“) und Syd Mead (u.a. „Blade Runner“). Die von ihnen aufgebaute Welt wirkt absolut stimmig und die Verbindung von CGI- und Realbildern weiß auch heute noch zu beeindrucken. Man hat hier aus der Not wahrlich eine Tugend gemacht. Für alle Technikfreunde da draußen gibt es wohl kaum einen faszinierenderen Film, als „TRON“.

Die einzigen Kritikpunkte, die ich finden kann liegen in der teils etwas sprunghaften Geschichte. Doch man sollte nicht vergessen, dass der Geist von „Star Wars“ zu diesem Zeitpunkt der Filmgeschichte allgegenwärtig war und die Studios demnach auf einen ähnlichen Effekt geschielt haben. Ich für meinen Teil kann darüber jedoch hinwegsehen und werde somit jedes Mal aufs Neue famos unterhalten. Wo bleibt eigentlich „TRON 2.0“?

„TRON“ ist einer dieser Filme, die sich über die Zeit in mein Herz gespielt haben. Seit meiner intensiveren Beschäftigung mit CGI weiß ich heute zudem die unglaubliche Leistung zu schätzen, die alle an dem Film beteiligten gestemmt haben. Lisbergers Film mag nicht perfekt sein, doch er war damals einfach nur mutig. Mutig und seiner Zeit weit voraus. Ein Pflichtfilm für alle Nerds, Geeks und solche die es werden wollen: 10/10 Punkte.

6 Gedanken zu “TRON (1982)

  1. I see. Wobei man mit solchen Wünschen ja eher vorsichtig sein sollte, zumal „TRON 2.0“ nie wieder solch einen Eindruck hinterlassen kann, wie sein Vorgänger. Doch lassen wir uns überraschen.

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