Die Fremde in dir – OT: The Brave One

Am gestrigen Filmfreitag habe ich mich für die Sichtung von Neil Jordans „Die Fremde in dir“ entschieden. Den Film hatte damals nur aufgrund des günstigen Preises und der Mitwirkung Jodie Fosters mitgenommen. Insofern waren die Erwartungen nicht all zu hoch und der positive Eindruck des Films konnte umso stärker wirken.

„The Brave One“ ist ein Selbstjustizthriller. Die Geschichte ist altbekannt: Eine Person aus dem privaten Umfeld eines unbescholtenen Staatsbürgers wird zum Opfer eines Gewaltverbrechens, woraufhin dieser rot sieht. Insofern hat sich seit den 70ern nicht viel geändert. Nur die Darsteller: Charles Bronson macht Platz für Jodie Foster. Der Vigilante ist schon lange im Mainstream angekommen.

Was Neil Jordans Film so außergewöhnlich macht ist das, was hinter der Fassade geschieht. Wäre es die Handlung eines Buches, man würde von dem sprechen was zwischen den Zeilen steht. Hier steht es auf Jodie Fosters Gesicht. Man sieht als Zuschauer deutlich, wie ihre Figur immer mehr in den Sog der Gewalt gerät. In einen Rausch. Macht. Verzweiflung. Rache. Ein gebrochener Charakter, der sich selbst verloren hat.

Über das Ende wurde viel geredet. Ich wäre auch der erste, der Selbstjustiz verurteilt. Doch kann ich das  beurteilen? Wie kann man das als Außenstehender überhaupt beurteilen? Der Film manipuliert den Zuschauer insofern, als dass er ihn in einen emotionalen Zustand der Anteilnahme versetzt. Doch würde das nicht geschehen, was bliebe dann? Keine moralischen Bedenken. Kein Hinterfragen der Dinge, die auf der Leinwand geschehen. Ebenso ist das Ende einzuordnen: Wäre Erica Bain (Jodie Foster) gestellt worden hätte man sich wieder auf der sicheren Seite gefühlt. Das Gute – das Gesetz – hätte gewonnen. Man hätte seine eigenen Gedanken nicht hinterfragen müssen. So aber bleibt das ungute Gefühl, dass man Ericas Handlungen als emotional gerechtfertigt ansieht.

Mit „The Brave One“ hat Neil Jordan einen formidabel gefilmten Revenge-Thriller abgeliefert. Die schauspielerischen Leistungen von Jodie Foster überzeugen einmal mehr auf ganzer Linie. Trotz Ansiedlung im Mainstream, verbreitet der Film eine teils wirklich unangenehme Eindringlichkeit – weniger in der Aktion, als in der Reflektion. Trotz altbekannter Geschichte sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

14 Gedanken zu “Die Fremde in dir – OT: The Brave One

  1. Na endlich mal jemand, der sich nicht über das politisch unkorrekte Ende maßlos aufregt. Dachte schon ich wäre der einzige, der The Brave One sehenswert fand.

    Natürlich ist die Botschaft des Films durchaus diskussions- und fragwürdig. Aber gerade das schätze ich bei einem Mainstream-Streifen. Wer auf moralisch einwandfreie Aussagen steht, sollte vielleicht besser bei Disney-Streifen bleiben.

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  2. O-Ton ich: Eine vierzigjährige gewaltfreie Frau trifft aus heiterem Himmel überall auf Gewalt? Man man man, was hat sich Jordan dabei nur gedacht, dazu die Figur von Howard, der Polizist der sein Vertrauen in das Rechtssystem verliert und daher frustriert seiner Arbeit nachgeht. Irgendwie wieder so ein Film, den eigentlich keiner braucht – am wenigsten die Foster.

    Fazit: Kann deine Meinung nicht teilen – aber hab dich trotzdem lieb 😀

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  3. @ Enk: Genau das ist der Punkt. Wäre am Ende der Gerechtigkeit dem Gesetz nach genüge getan worden, dann hätte das die vorangehenden zwei Stunden völlig nichtig gemacht. Denn dass Selbstjustiz der falsche Weg ist, dürfte den meisten Zuschauern klar sein. Gerade die emotionale Grauzone macht den Film doch so interessant.

    @ TheRudi: Stimmt, die Zufälle fand ich auch etwas sehr gehäuft. Doch war dies auch sinnbildlich für den Wandel von Fosters Figur: Durch den Kauf der Waffe hat sie sich der Gewalt geöffnet. Für mich also nur ein kleinerer Kritipunkt.

    Hachja, love still is in the air… 😉

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  4. Jodie Foster die ich ansonsten nicht so mag, hat mich in diesem Film auch voll und ganz überzeugt.
    Das Ende an sich fand ich auch gut so, aber für mich war es doch zu offensichtlich. War aber doch das beste, den Film so Enden zu lassen.
    Natürlich verurteile auch ich Selbstjustiz, aber wie du in deinem Beitrag geschrieben hast, können wir das nicht wirklich beurteilen.

    Schön fand ich auch die Szene im Zug, die ich als Zitat von „Ein Mann sieht rot“ empfunden habe. Schön ist vielleicht das falsche Wort. 😉

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  5. Ist bei Selbstjustizfilmen ja generell so, dass man beginnt seine eigenen Werte zu hinterfragen. Deshalb kann diesem Genre verrohende Wirkung meiner Meinung nach nur bis zu einem gewissen Grad vorwerfen. Man übernimmt das Gesehene ja nicht ungefiltert, sondern als Denkanstoß. Und in den allermeisten Fällen dürfte das eigene Wertesystem ja nicht komplett durch einen Film umgestoßen werden… 😉

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  6. Ja würde ich auch sagen. Wird halt immer mal wieder von Politikern oder anderen „Experten“ so dargestellt. Ist ja bei der „Killerspieledebatte“ in Deutschland ähnlich. Schwappt ja sogar schon zu uns in die Schweiz rüber. 😦

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  7. Aber im großen Ganzen werden wir für die Politiker eben stets nur eine Randgruppe bleiben, bei der es eben nicht viele Stimmen zu holen gibt. Sieht man ja gerade wieder toll an den Netzsperren, ach was reg‘ ich mich da überhaupt noch auf…

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  8. Ja, habe das auch mitbekommen. Wurde mal auf Schnittberichte.com in den News erwähnt. Schlimm, was man da heutzutage alles schlucken muss. Sind ja schon fast Zustände wie in China.
    Schade dass es bei euch nicht so ist wie bei uns in der Schweiz, ich denke mal wenn sowas bei uns der Fall wäre, würde es eine Unterschriftensammlung geben und der Antrag würde vors Volk kommen. Es würde eine Volksabstimmung geben.

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  9. Eine Petition gab es hier auch. Sogar eine äußerst erfolgreiche. Hat aber nichts gebracht. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das bei der nächsten Wahl auswirken wird. Leider gibt es ja keine wirkliche Alternative. Die Piratenpartei ist ja auch nicht ohne Vorsicht zu genießen. Achja, Politics. Warum kann ich nicht einfach Bartlet und Co. wählen? 😉

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  10. Es ist heutzutage schon nicht leicht, sich für eine Partei zu entscheiden. Und jetzt wo bei euch Wahlkampf ist, wird was weiss ich was versprochen damit man gewählt wird und nach der Wahl siehts dann wieder ganz anders aus.
    Freue mich auch schon auf dieses Theater bei uns, da im Herbst ein neuer Bundesrat gewählt wird.

    Ich würde David Palmer wählen. 🙂

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  11. Ja, wird wirklich immer schwieriger. Zur Not konnte man bisher immer noch das kleinere Übel wählen, doch das ist mittlerweile auch schon ganz schön groß geworden. Naja, we’ll see…

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