Hogfather (Schweinsgalopp)

Die gestrige Sichtung von Terry Pratchetts „Hogfather“ (deutscher Titel: „Schweinsgalopp“) war für mich wie ein Trip in die Vergangenheit. Früher habe ich die Scheibenweltromane regelrecht verschlungen. Ich kannte jede Gasse in Ankh-Morpork, war Mitglied in jeder Gilde und bin in der Unsichtbaren Universität ein- und ausmarschiert, wie es mir gerade beliebte. In den letzten Jahren hatte ich dagegen kaum mehr Kontakt zu den skurrilen Figuren und die Erinnerungen an sie begannen zu verblassen – bis gestern Abend.

Als ich von der Realverfilmung des mir unbekannten Scheibenweltromans hörte, war ich einerseits begeistert, andererseits auch skeptisch. Konnte das funktionieren? Als TV-Zweiteiler? Die DVD steht schon seit ca. einem Jahr ungesehen in meinem Regal und gestern habe ich mich nun endlich an die Sichtung gewagt: Bereits die ersten paar Minuten haben so viele Erinnerungen zurückgebracht. Es ist fantastisch! Da sehe ich doch tatsächlich Groß A’Tuin majestätisch durchs All gleiten. Fliege auf Ankh-Morpork zu. Besuche die Unsichtbare Universität und höre Gevatter Tod in Großbuchstaben reden. Welche Freude!

Ich bin wirklich schwer begeistert, mit wie viel Liebe man die Atmosphäre der Scheibenwelt auf Film gebannt hat. Sicher sieht man dem Film an, dass er kein Budget von etlichen Millionen zur Verfügung hatte – doch hätte das vermutlich auch gar nicht zur Scheibenwelt gepasst. Die Liebe steckt hier wirklich im Detail und mein Herz hat jedesmal einen kleinen Hüpfer gemacht, wenn eine mir bekannte Figur aufgetreten ist oder ein mir bekannter Ort besucht wurde. Der Auftritt von Terry Pratchett als Schlussgag hat mir dann letztendlich bestätigt, dass die Adaption auch im Sinne des Autors ist.

Nun zur Geschichte: Diese ist – typisch für die Scheibenwelt – wieder einmal sehr abgefahren und recht komplex. Ich fand es teils schwierig und auch etwas ermüdend den absurden Erklärungen zu lauschen, die sich auf dem Papier so locker lesen. Besonders im zweiten Teil wird die Handlung im Schloss der Zahnfee etwas zu stark breitgetreten. Auch waren einige Szenen für mich zu ernst inszeniert und der absurde Humor der Scheibenwelt kam mir etwas zu kurz. Aber das sind alles keine wirklich schwerwiegenden Mängel. Ganz im Gegensatz zu deutschen Übersetzung, die im direkten Vergleich zum Original wirklich zum schlechtesten gehört, das ich jemals hören musste. Sinnverfälschend und einfach nur dumm. Ich kann jedem nur raten: Schaut den Film mit englischer Tonspur!

Insgesamt stellt „Hogfather“ einen wunderbaren Ausflug auf die Scheibenwelt dar. Wie gut die Geschichte selbst adaptiert ist, kann ich mangels Kenntnis der Vorlage leider nicht beurteilen. Dies wird mir – so mich mein Gedächtnis nicht schon im Stich gelassen hat – allerdings bei der Verfilmung von „The Color of Magic“ gelingen, auf die ich mich schon sehr freue! Rincewind ist sowieso immer noch eine meiner liebsten Scheibenweltfiguren. Hat wirklich Spaß gemacht: 8/10 Punkte.

12 Gedanken zu “Hogfather (Schweinsgalopp)

  1. japp, hogfather ist eine klasse verfilmung eines schwierig verfilmbaren autors – habs letztes jahr um weihnachten (leider in deutsch) gesehen. und es hat richtig spas gemacht zu sehen, inwiefern die eigenen vorstellungen von orten und personen mit denen der filmemacher übereinstimmten.

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  2. In der Weihnachtszeit hätte der Film auch bei mir bestimmt nochmal stärker gewirkt, da die Atmosphäre doch teils sehr heimelig ist und TOD einen wunderbaren Hogfather abgibt.

    Besonders gelungen fand ich übrigens die Darstellung der Unsichtbaren Universität inklusive Erzkanzler Ridcully und den anderen verpeilten Zauberern – genau so hatte ich mir das immer vorgestellt.

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  3. Ich sehe die Pratchett-Verfilmungen immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits erfreue ich mich an der optischen Illustration, die wirklich gelungen ist. Aber andererseits – und das ist dir ja auch aufgefallen – kommt mir der Humor nicht so rüber, wie wenn ich die Romane lese. Vielleicht ist diese Art von Humor auch unverfilmbar?

    Würde mich freuen, wenn ich bei „The Color of Magic“ eines besseren belehrt werden würde.

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  4. Ich denke auch, dass viel von dem das die Pratchett-Romane so einzigartig macht unverfilmbar ist. Er hat einfach eine unnachahmlich Art komplexe Themen unglaublich komisch und treffsicher in die Scheibenwelt zu portieren. Dennoch halte ich „Hogfather“ – mit Abstrichen – für sehr gelungen in dem Versuch die Scheibenwelt auf die Leinwand zu bringen. Ob es dann wirklich gelingt werde ich hoffentlich in „The Color of Magic“ sehen.

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  5. Habs jetzt endlich mal geschafft, den Film zu schauen..
    Und ich bin zum gleichen Ergebnis gekommen wie Du, 8/10. =)
    Es stimmt, man kann den Humor der Bücher nicht so einfach übertragen. Aber ich finde, dass mit Hogfather trotzdem ein ziemlich lustiger Film rausgekommen ist (hab das Buch noch nicht gelesen, leider…).
    Aber, und das ging glaube ich nicht nur mir so, musste ich am meisten lachen über den Tod bzw. seine Texte und die der Leute die mit ihm in den Szenen gespielt haben. Allein die Umsetzung des Gevatter ist super geworden, meiner Meinung nach.

    Ach ja, wurde natürlich auf Englisch geschaut^^

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  6. Na, das freut mich, dass sich dein Besuch auf der Scheibenwelt genauso vergnüglich gestaltet hat, wie meiner. Übrigens liegt bei mir inzwischen schon „The Color of Magic“ bereit und wartet auf die Sichtung. Mal sehen, ob ich im Laufe der Woche noch dazu komme!

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  7. Für Kritiken bin ich zu unbegabt. Und außerdem leide ich unter einer Form von akuter Faulheit. Immer wenn ich mir was vornehme und auch anfange, bleibt das dann liegen.. 😉
    Auch wenn die Idee reizvoll ist, so bezweifle ich, dass ich meine Leser, sofern welche vorhanden wären, auch ausreichend zufriedenstellen könnte mit Posts.^^

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  8. Na das würde ich aber – von dem was ich hier von dir gelesen habe – aber nicht behaupten! Da wird die Faulheit das größere Problem sein, das ich auch durchaus nachvollziehen kann – mir fällt es auch nicht immer leicht mich nach jedem gesehenen Film aufzuraffen. Aber es ist eine ganz gute Übung, was das Schreiben betrifft… 😉

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  9. Pingback: The Color of Magic (Die Farben der Magie & Das Licht der Phantasie) « Tonight is gonna be a large one.

  10. Pingback: Going Postal (Ab die Post) « Tonight is gonna be a large one.

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