30 Days of Night

Gestern Abend habe ich eine filmische Reise nach Barrow (Alaska) unternommen, wo ich einem äußerst atmosphärischen Überlebenskampf beiwohnen durfte. In David Slades Comic-Adaption „30 Days of Night“ ist der Name Programm: 30 Tage Dunkelheit. 30 Tage Terror.

Die Geschichte ist nicht sonderlich spektakulär. Eine Belagerungssituation, wie man sie bereits aus George A. Romeros „Night of the Living Dead“ kennt. Ein nächtlicher Überlebenskampf, der an John Carpenters „Assault on Precinct 13“ erinnert. Auch abgesehen von den geistigen Vorbildern ist der Aufbau des Films äußerst klassich: Lange, ruhige Einstellungen zu Beginn. Die Personen werden in aller Ausführlichkeit vorgestellt. Es wird sich Zeit genommen. Das Setting ist verdichtet und die Bedrohung bricht zunächst schleichend über Barrow herein. Die Exposition hat mir – trotz Wiedererkennungseffekt – wirklich sehr gut gefallen.

Die Atmosphäre, die in der ersten halben Stunde aufgebaut wird, trägt den Film. Man fühlt sich selbst heimisch in Barrow. Als dann die Hölle losbricht, identifiziert man sich bereits mit den Charakteren. Man leidet mit ihnen. Bis zum Ende ist mir die Reduzierung der Handlung auf den reinen Überlebenskampf auch überhaupt nicht negativ aufgefallen. Erstaunlich bei einem Film von über 100 Minuten Laufzeit. Diese Kurzweile ist der dichten Atmosphäre und den kurzen, aber knackigen Gewaltszenen zuzuschreiben. Man kann den Terror förmlich spüren. Die Vampire werden hier völlig entromantisiert. Ein erfrischender Ansatz, da sie dennoch einige Geheimnisse zu umwehen scheinen.

Inszenatorisch ist der Film wahrlich grandios. Manche Einstellungen wirken wie gemalt und man erkennt hier deutlich die Comic-Herkunft. Besonders die ruhige Kamerafahrt beim ersten Angriff über Barrow wird mir so schnell nicht aus dem Kopf gehen. Einzig einige CGI-Blutfontänen wären meiner Meinung nach nicht nötig gewesen, aber selbst diese sind nicht sonderlich störend aufgefallen.

Kritisieren muss ich leider das Ende, welches mir sowohl von der Stimmung als auch von der Logik nicht wirklich in den Film passen will. Damit meine ich nicht nur den Sonnenaufgang, sondern die gesamte Heldenaktion von Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett, „Lucky#Slevin“). Ich kann verstehen, dass es auf dem Papier wirklich gut geklungen hat, doch im Film mag es einfach nicht so wirklich funktionieren – und das ist im Filmgeschäft leider kein Einzelfall. Wirklich schade, denn das Ende wirft für mich ein etwas schwaches Licht auf den ansonsten wirklich starken Film.

„30 Days of Night“ ist ein atmosphärisch herausragender Film, der ein neues Licht auf den Vampirmythos wirft und durch seine kompromislose und düstere Inszenierung zu überzeugen weiß. Einzig das Ende trübt den Gesamtgenuss dann doch etwas. Dennoch absolut sehenswert: 7/10 Punkte.

7 Gedanken zu “30 Days of Night

  1. Ich empfand den Film deutlich schwächer, klar ist die Optik gut und die angesprochene Kamerafahrt ist das Highlight des Filmes, aber die Geschichte ist so strunzdumm, dass sie in Verbindung mit dem Aussehen der Vampire nur noch lächerlich ist. Das Ende – wie du bemerkst – trägt dazu sein übriges bei. Zudem verliert der Film bei jeder Sichtung enorm. Von meiner Seite aus sind das 4/10. 😦

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  2. Da die Geschichte auf den reinen Überlebensaspekt reduziert war, habe ich mich daran nicht wirklich gestört – hatte aber auch nicht mehr erwartet, als reinen survival horror. Den Look der Vampire fand ich zudem wirklich passend. Einfach anders und animalischer, als mit den typischen verkängerten Reiszähnen, die eher zu „Interview mit einem Vampir“ o.ä. passen.

    Kann mir auch vorstellen, dass der Film bei einer wiederholten Sichtung verliert, aber das ist in dem Genre ja meist so.

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  3. Ich fand den ziemlich gut, weshalb mich die Wertung der Fünf Filmfreunde seinerzeit doch enttäuscht hat. Zugegebenermaßen bin ich bei Horrorfilmen auch sehr anspruchslos: bisschen Gore hier, bisschen Action da, schon bin ich zufrieden. Der Schluss ist wirklich sehr an den Haaren herbeigezogen – das haben sie wohl gedreht, um ein schönes Schlussbild zu haben.

    7+ würde ich mal sagen.

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  4. Ha! Wusste ich doch, dass auf dich verlass ist. Ich dachte schon ich stehe mit meiner Meinung zu dem Film alleine da. Das Schlussbild ist ja irgendwie auch schön, nur passt es meiner Meinung nach nicht zum Rest des Films, der doch recht straight forward ist. Anyway. Hat Spaß gemacht!

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  5. Den Film habe ich auch erst vor kurzem gesehen ud ich empfand die erste halbe Stunde ebenfalls als sehr gut und es hat mich da wirklich in den Film hineingezogen. Leider bin ich dann mit dem Auftauchen der Vampire und der ziemlich nervigen Auseinandersetzungen aber wieder herausgerissen worden, die zweite Hälfte hat mir einfach gar nicht zugesagt, da es nur „eine Gruppe gegen die andere“ ging und noch dazu einen ziemlich üblen Splattereffekt hatte (Kopf abhacken?! Uh…). Das war manchesmal einfach nicht mehr so unterhaltsam für mich.

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  6. Ja, die Effekte waren teils schon ziemlich hart, was mich allerdings generell nicht sonderlich stört solange das Umfeld (z.B. Fantasy) stimmt. Ist wohl ein klarer Fall von Geschmackssache. Vampire, Schnee, Isolation. Mehr war für mich nicht nötig! 🙂

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  7. Pingback: 30 Days of Night (2007) | Film-Blogosphäre

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