Napoleon Dynamite (2004)

Mit der Erstsichtung von sogenannten Kultfilmen ist es schwierig. Besonders wenn man den Film anscheinend nur lieben oder hassen kann. Ein solcher Fall ist auch der Überraschungshit „Napoleon Dynamite“ von Jared Hess. Die Erwartungen waren extrem hoch und konnten leider nur bedingt erfüllt werden – und das obwohl der Film eigentlich alles hat was es braucht, um mir zu gefallen.

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Die grundlegende Idee macht mir den Film schon einmal sympathisch. Außenseiter werden in ihrer eigenen Welt gezeigt. Anders als sonst strotzen sie geradezu vor Selbstvertrauen. Sie ziehen ihr Ding durch und lassen sich durch nichts und niemanden beeindrucken. Ein netter Ansatz. Ihre Umwelt reagiert meist natürlich befremdlich und die Highschoolwelt wird einmal mehr als Klassengesellschaft gezeigt. Anders als im thematisch ähnlichen – und meiner Meinung nach gelungeneren – „Willkommen im Tollhaus“ von Todd Solondz ignorieren die Außenseiter die Anfeindungen ihrer Umwelt und zeigen auch keinerlei emotionale Reaktion.

Selbst wenn man „Napoleon Dynamite“ als reine Komödie ohne tieferen Sinn sieht, offenbaren sich durch die distanzierten Verhaltensweisen der Charaktere einige Schwächen. Man sieht nie wirklich was in den Figuren vorgeht. Ihnen – besonders Napoleon und Pedro – scheint alles egal zu sein. Dies zeigt sich auch im Schauspiel: Jon Heder (Napoleon) sieht den gesamten Film über so aus, als würde er schlafen. Selbst bei den seltenen Gefühlsausbrüchen wirkt er wie auf Beruhigungsmitteln. Mir ist durchaus bewusst, dass dies so gewollt ist, doch fällt es mir dadurch sehr schwer mich mit der Figur zu identifizieren.

Der Humor des Films ist teils wirklich gelungen, teils nicht. Zumindest nicht für mich. Über weite Strecken plätschert die Handlung vor sich hin und es passiert nichts, was man nicht schon zu genüge in anderen Highschool-Komödien gesehen hätte. Da helfen auch die außergewöhnlichen Charaktere nichts. In der weiblichen Hauptrolle gibt es übrigens Tina Majorino (Mac aus „Veronica Mars“) zu sehen.

„Napoleon Dynamite“ ist einer der Kultfilme, bei denen ich den Hype zwar bis zu einem gewissen Maße nachvollziehen kann, der mich persönlich aber einfach nicht packt. Die Grundidee ist nett, die Umsetzung dagegen nicht nach meinem Geschmack. Für mich kein Fall von lieben oder hassen. Für mich einfach nur nett: 6/10 Punkte.

8 Gedanken zu “Napoleon Dynamite (2004)

  1. Ich bin bei Napoleon Dynamite eingeschlafen. Wortwörtlich. Der Film baut einfach keine Spannung auf.
    Aber es war auch 5 Uhr morgens, vielleicht relativiert sich das dadurch.

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  2. Ich fand den auch nich so Knaller. Hab den auch gar nich zuende gesehen, wenn ich mich nich irre…
    Hab mich die ganze Zeit gefragt, warum mir der Film nich gefiel. Du hasts auf den Punkt gebracht. Die Emotionslosigkeit vom Hauptdarsteller war mir einfach zu fremd…

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  3. Also ich fand den klasse! 🙂 Kein Geniestreich, aber durchaus respektabel, bin weder eingeschlafen, noch habe ich mich an den Figuren gelangweilt. Die fand ich irgendwie typisch für mittelstaatische Amerikaner, jede einzelne der Figuren – zudem hat mir auch der Humor zugesagt. Aber sicherlich eine Frage – wie du sagtest – von lieben oder hassen (wie du es ja auch bei Lost in Translation richtigerweiße erwähnt hast).

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  4. Ich habe mich ja weitgehend auch gut unterhalten. Auch ist mir die Intention der Filmemacher durchaus positiv aufgefallen. Manchmal klickt es eben nicht. Ich würde aber auch nicht sagen, dass ich den Film hasse.

    Hast du auch den Nachfolgefilm des Regisseurs („Nacho Libre“) gesehen? Soll ja auch recht seltsam sein und ist – im Gegensatz zu „Napoleon Dynamite“ – beim Publikum nicht sonderlich gut angekommen.

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  5. Einer meiner Lieblingsfilme. 🙂 Heders Darstellung bedarf keiner Erklärung. Herrlich.

    Zitat:

    „Mir ist durchaus bewusst, dass dies so gewollt ist, doch fällt es mir dadurch sehr schwer mich mit der Figur zu identifizieren.“

    Jared Hess hat mich Sicherheit nicht die Absicht gesucht, den Zuschauer mit Napoleon zu identifizieren und umgekehrt.

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  6. Naja, man benötigt doch immer eine Identifikationsfigur. So geht es zumindest mir. Bei „Napoleon Dynamite“ war ich dagegen nur ein unbeteiligter Beobachter, wodurch der Film für mich nicht so wirklich funktioniert hat.

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