Wolf Creek (2005)

Der Horrorfilm boomt. Der harte Horrorfilm. Der gelackte harte Horrorfilm. Die Low-Budget-Produktion „Wolf Creek“ scheint ein weiteres Beispiel für diese Hochphase des Horrors zu sein. Glücklicherweise ist er das nicht bzw. nur bedingt. Greg McLeans Film macht alleine mehr richtig, als die die meisten aktuellen Hollywood-Produktionen dieses Genres zusammen.

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Der Begriff Torture-Porn geistert seit letztem Jahr durch die Medienwelt. Filme wie „Saw III“ oder „Hostel“ sind die neuen Kassenschlager. Ich selbst mag es normalerweise nicht, wenn engstirnige Label verhängt werden. Doch selbst mir ist die seltsame Richtung nicht entgangen, in die sich der Horrorfilm bzw. das Terrorkino bewegt. Für mich persönlich das Traurigste: Ein von mir geliebtes Genre wurde seiner Funktionalität beraubt. Figuren, die einem völlig egal sind kommen in Situationen, die – selbst für das Genre – absolut unglaubwürdig sind. Die Bedrohung bekommt ein Gesicht, das einem Comic entsprungen scheint. Menschliche Abgründe werden außen vor gelassen. Es gibt weder Terror noch Horror. Nur noch Blut und die zwangsweise drohende Fortsetzung. Der Horrorfilm als Goldesel.

Was macht „Wolf Creek“ nun richtig? Die Figuren sind sympathisch und einigermaßen realistisch gezeichnet. Man lernt sie in Ruhe kennen und fängt an sich für sie zu interessieren. Man begibt sich mit ihnen auf eine Reise, was absolut essentiell für das Funktionieren des Films ist. Die kommende Bedrohung rückt nun immer näher. Dies geschieht durch unzählige Kleinigkeiten, die das weitere Geschehen vorausahnen lassen. Als nun der Horror über die Figuren herein bricht bleibt der Film weitgehend realistisch und konfrontiert die Charaktere – und damit den Zuschauer – nicht mit unglaubwürdigen Situationen oder Handlungen. Die Bedrohung ist absolut real. Es ist nicht sicher, wer überlebt und wer stirbt. Es gibt keine Hauptfigur außer der Abgeschiedenheit des Outbacks. Das ist Terrorkino, lieber Darren Lynn Bousman!

Ein genialer Coup ist den Filmemachern zudem mit der Besetzung des Killers gelungen: John Jarrat ist einigen eventuell aus der Familienserie „McLeod’s Töchter“ bekannt, die in Australien größte Erfolge feiert. Es wird mit den Erwartungen der Zuschauer gespielt und am Ende könnte man beinahe meinen John Ryders Bruder durch das Outback streifen zu sehen. Auch der Rest der Besetzung weiß zu überzeugen. Kamera (gedreht auf HDV!), sowie Montage und Sound tragen zur bedrückenden Stimmung bei und sind als wirklich gelungen zu bezeichnen.

Für mich ist „Wolf Creek“ eine wirklich positive Überraschung. Ein ehrlicher, kleiner Schocker. Auch wenn in der zweiten Hälfte einige Horrorfilm-Klischees nicht vermieden werden können und die Zweitsichtung wohl weniger nervenzerrend ausfallen dürfte, so kann ich doch eine uneingeschränkte Empfehlung für Horrorfreunde aussprechen: 8/10 Punkte.

20 Gedanken zu “Wolf Creek (2005)

  1. Endlich, vielen Dank! Ich bin kein Horrorfilme Fan und kann überhaupt nichts mit diesem neuen Schnickschnack anfangen.. ich glaube, den einzigen Horrorfilm den ich gut finde ist Demolition Man (hallo, Wesley Snipes, das IST PURER HORROR,.. aber der Film rockt :D) und Hide & Seek, und das IST nicht mal ein Horrorfilm. Aber weisste was ich mein, von wegen Angst und so?

    .. ich werde jedenfalls deine Rezension mal auf die Probe stellen und mir diesen Film zu Gemüte führen 🙂

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  2. „Hide & Seek“ fand ich leider enttäuschend, obwohl – oder gerade weil – ich mir superviel davon versprochen hatte. Sei aber bezüglich „Wolf Creek“ gewarnt, denn dieser schlägt in eine ganz andere Richtung (Terror), als „Hide & Seek“ (Grusel).

    Lass dann mal hören, wie dir der Aussi-Horror gefallen hat! 🙂

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  3. Also ich war damals nicht unbedingt enttäuscht vielleicht im Kino, aber mir gefallen solche Filme auch nicht. Im Vergleich zu Genrekollegen empfand ich WOLF CREEK jedoch nicht sonderlich besser, sondern im Prinzip genauso „schlecht“. Abgesehen von HIDE & SEEK, der ist noch ne Stufe schlechter *duckundweg*

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  4. Vermutlich muss man das Horrorkino mögen, um gefallen an „Wolf Creek“ zu finden. Der klassische Aufbau und die ruhige Erzählweise, sowie der dosierte aber effektive Einsatz von Gewaltszenen haben mich zumindest eher an Filme wie „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) denken lassen, als an die aktuelle Flut von Genrefilmen.

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  5. Ich „musste“ mir diesen Film mit Freunden angucken und hab mir die Hälfte der Zeit Augen und Ohren zugehalten, weils absolut nichts für mich wahr.. Schauderhaft.

    Bei Hide & Seek („musste“ ich auch angucken) gings mir ebenso.

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  6. Das trifft sich gut! Ich muss diese spezielle Art von Film immer mit meiner Schwester schauen. Aber auch meine Frau lässt sich ab und an erweichen – wenn ich ihr nicht so ganz genau sage, worum es geht… 😉

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  7. Naja, daran kann man sehen, wie sehr mich das Horrorgenre kalt lässt- wenn ich anscheinend einen so schlechten Film wie Hide & Seek gut finde (mich deprimiert sowas. Mentale Notiz: MEHR HORRORFILME GUCKEN!!)

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  8. Jaa, der stand auch schon immer & ewig auf meiner Liste. Ich meine, ich arbeite in einer verdammten Videothek, da hat man keine Zeit mehr, und vor allem keinen Bock, sich nach dem ganzen Empfehlen und Beschäftigen auch noch selbst nen Film zu fahren.. 😀
    Jaja, und außerdem werd ich berühmt 😀

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  9. Jaja, immer diese Leute mit den Starallüren. Kaum im Radio sind sie sich plötzlich zu gut Filme zu gucken. 😉

    Kann aber verstehen, dass man erstmal eine Pause braucht, wenn man den ganzen Tag in der Videothek steht…

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