Domino

Es gibt Filme, die lassen einen etwas unschlüssig zurück. Zu diesen gehört seit heute Tony Scotts Bilderrausch „Domino“. Zwar kommt der Film den beiden Extremen – Meisterwerk bzw. Schrott – nicht wirklich nahe, doch dazwischen ist beinahe die gesamte Bandbreite vorhanden. Wie sagt Domino so schön? There are three kinds of people in the world. The rich. The poor. And everyone in between. Dieser Film ist irgendwo dazwischen.

Im Vorfeld hatte ich – wie so oft – ein paar Dinge über den Film gelesen. Spoilerfrei natürlich. Am meisten wurde auf Tony Scotts berühmt/berüchtigte Montage eingegangen. Etwas, das mir bereits in Scotts „Man of Fire“ etwas sauer aufgestoßen ist und das ich in „Domino“ verstärkt zu sehen befürchtet hatte. Dem war dann auch so. Doch seltsamer- bzw. glücklicherweise sind mir die Bildverfremdungen hier passender erschienen. Sie haben nicht so sehr wie Fremdkörper in der Geschichte gewirkt. Stimmiger. Schwer zu beschreiben.

Auch wenn der visuelle Overkill also annehmbar war, so hat er teils doch etwas meine Nerven strapaziert. Besonders da auch ruhige Sequenzen (z.B. Beerdigung) nicht verschont geblieben sind. In solchen Szenen gab es dann auch keinerlei Verbindung zwischen Montage und Inhalt. Hier hat sich Scotts Stil als das offenbart, was er oft leider auch ganz einfach ist: Spielerei. Trotzdem darf ich für alle Entwarnung geben, die den Film völlig durch die Montage ruiniert wähnen: In vielen Szenen gibt es wunderbare Bildsequenzen zu bewundern, die Sinn und Spaß machen.

Inhaltlich ist auch nicht alles im grünen Bereich. Die Geschichte um Domino Harvey ist interessant und es gibt charismatische Figuren. Die Handlung braucht etwas bis sie in die Gänge kommt und oft werden – da haben wir es wieder – zu verspielte Sequenzen eingestreut. Ich denke nur an die Jerry Springer-Show, die ausgedehnte Drogensequenz oder auch einige der Interviewszenen. Eine halbe Stunde weniger hätte dem Film meiner Meinung nicht geschadet. Neben dem inhaltlichen Balast und den visuellen Auswüchsen wird nämlich eine spannende Geschichte erzählt, die zudem mit interessanten Figuren bevölkert ist.

Erwähnenswert finde ich zudem Keira Knightley, die mich hier sehr positiv überrascht hat, sowie Mickey Rourke, der endlich wieder zur alten Form zurückgefunden zu haben scheint. Das große Shoot Out am Ende hat mich übrigens sowohl vom Spannungsaufbau, als auch von der Inszenierung sehr an Scotts „True Romance“-Finale erinnert. Überhaupt fand ich das Ende unerwartet emotional, besonders da die wunderschönen End Credits mit der echten Domino Harvey enden, die 2005 an einer Überdosis gestorben ist.

„Domino“ ist gefällt mir besser, als ich gedacht hatte. Teils beeindruckend gespielt und in tollen Bildern erzählt. Teils abschweifend und zu verspielt. Als Gesamtwerk auf jeden Fall sehenswert und durchaus mit Potential: 7/10 Punkte.

7 Gedanken zu “Domino

  1. Hmmm, ich hab damals den Film im Kino gesehen und aus meinem unerklärlichen Fanatismus heraus für Keira Knightley ihn direkt als das beste eingestuft, was ich je (von ihr) gesehen habe. In Reflektion muss ich dann allerdings zweierlei Dinge berücksichtigen: 1. Das der Film mir gar nicht so gut in Erinnerung geblieben ist, und 2. dass alle Eindrücke, die ich jetzt noch vom Film habe, wahrscheinlich durch Kritiken und Rezensionen die ich danach und davor gelesen habe irgendwie verfälscht sind.

    Aber im Großen und Ganzen weiß ich noch, dass der Film für mich einfach zu schnell war, diese Schnelligkeit aber irgendwie stimmig war mit der ganzen Geschichte und daher gar nicht so schlimm war. Die Verfremdung, die du als Spielerei bezeichnest, waren für mich ein ausschlaggebender Bonus- ich steh irgendwie drauf. Und zu meinem Leid muss ich auch gestehen, die Story erst am Ende wirklich komplett gerafft zu haben.

    Also, keine Ahnung- 7/10 hört sich gut an, das Review ist mal wieder richtig gut, ich persönlich werde den Film demnächst sicherlich noch mal schauen, um mal meine Meinung zu überdenken. Nur eins bleibt sicher: Keira Knightley konnte mich, anders als bei Fluch der Karibik, von ihrer schauspielerischen Leistung her richtig überzeugen.

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  2. Dem ist eigentlich fast nichts hinzuzufügen… 😉

    Die Verfremdungen sind ja nicht immer Spielerei. Doch Scott neigt in letzter Zeit nunmal dazu, die ganze Sache zu übertreiben. Zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt, zeigt diese überbordende Montage nämlich durchaus Wirkung.

    Zur Leistung von Keira Knightley kann ich dir nur zustimmen. Kann was die Kleine, man muss sie nur lassen…

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  3. Mir gehts da ähnlich wie Lucky#Slevin. Ich fand den Film als ich ihn sah wirklich super. Im Nachhinein merke ich, dass ihm allerdings die Fähigkeit fehlt, sich nachhaltig ins Gedächtnis einzuprägen…

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