Das Reich der Sonne – OT: Empire of the Sun

Steven Spielberg gehört für mich zu den größten Regisseuren aller Zeiten. Kaum ein anderer versteht es die verschiedensten Zuschauertypen – vom Cineasten bis zum Gelegenheitskinogänger – gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen. Zudem mag ich die – oft kritisierte –  Bedeutung der Familie und die damit verbundene Hoffnung, die sich wie ein roter Faden durch all seine Filme zieht. Umso gespannter war ich deshalb auf „Das Reich der Sonne“ – einen der letzten mir unbekannten Filme des Regisseurs. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

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In „Das Reich der Sonne“ erleben wir die Wirren des Krieges aus den Augen eines 11jährigen Jungen. Welche Perspektive könnte besser sein um das Unbegreifliche begreifbar zu machen? Der Film hebt sich dadurch auch von allen anderen Antikriegsfilmen ab. Ihn als solchen zu bezeichnen wäre sowieso falsch. Spielberg zeigt eine Reise. Eine Reise von der Kindheit zum Erwachsenwerden. Eine Reise, die Jamie Graham – aufgrund der äußeren Umstände – viel zu schnell durchleben muss.

Der Junge wird nicht von irgendeinem (heute unbekannten) Schauspieler gespielt: Er wird vom – damals gerade einmal – 13jährigen Christian Bale („Batman Begins“) verkörpert. Dieser liefert eine unglaubliche Leistung. Fantastisch. Eindringlich. Großartig. Ich bin schwer begeistert. Der von mir stets gern gesehene John Malkovich spielt Basie, einen Glücksritter, der sich dem Jungen – zumindest zeitweise – annimmt. Ansonsten ist mir besonders Ben Stiller in einer kleinen Nebenrolle aufgefallen. Man merkt an den Schauspielern, dass der Film doch schon 19 Jahre auf dem Buckel hat. Ansonsten weist er glücklicherweise noch keine Alterungserscheinungen auf – so wie eigentlich alle Filme Spielbergs.

Neben der toll erzählten Geschichte, den beeindruckenden Bildern und den grandiosen Schauspielern sticht besonders der wunderschöne Score von John Williams hervor. Das Gesamtbild, das sich durch all diese Faktoren ergibt, ist rund und macht „Das Reich der Sonne“ zu einem äußerst sehenswerten – wenngleich auch nicht allzu bekannten – Film für alle Freunde Spielbergs.

Ich bin schwer begeistert und hoch erfreut spät – aber dennoch – auf diese Perle gestoßen zu sein. Das schöne 2-DVD-Set gibt es zur Zeit übrigens für knappe 5 Euro. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld. Dies war garantiert nicht meine letzte Sichtung: 9/10 Punkte.

10 Gedanken zu “Das Reich der Sonne – OT: Empire of the Sun

  1. Den Film habe ich vor einiger Zeit auch mal gesehen und fand ihn sehr ergreifend. Das bekommt Spielberg eben immer wieder hin.

    Wo wir hier von Spielberg reden, da habe ich gleich mal eine Frage: Ich suche seit kurzem eine gescheite Biographie über Spielberg, wobei mich vor allem natürlich die Arbeit an seinen Filmen interessiert, was seine Filme eben so außergewöhnlich machen und was er eben für Meinungen um Filmgeschäft vertreten hat. Dabei interessieren mich vor allem auch die früheren Filme wie Der weiße Hai, E.T. oder Indiana Jones. Gerade mit dem Weißen Hai hat er sich ja zusammen mit Lucas und einer Reihe anderer junger Regisseure gegen das etablierte Filmstudio-System in Hollywood aufgelehnt. Kennst du da zufällig ein Buch (auch englischsprachig), was sich lohnt?

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  2. Mit einem Buch kann ich dir leider nicht weiterhelfen. Ich fand die Doku „Easy Riders, Raging Bulls“ sehr gut, die sich mit dem Niedergang des Studiosystems im Hollywood der 60er/70er Jahre beschäftigt und auch Spielberg thematisiert. Basiert auf dem gleichtitulierten Buch von Peter Biskind. Desweiteren findet sich eine höchst interessante Doku namens „Das Erbe der Filmemacher: Die Anfangsjahre von American Zoetrope“ auf der DVD von „THX 1138“, die American Zoetrope (Zusammenschluss von Francis Ford Coppola mit verschiedenen Regisseuren, u.a. George Lucas) näher beleuchtet. Damit ist dieser interessante Zeitrahmen schon einmal sehr gut abgedeckt. Wenn du noch ein gutes Buch findest, sag Bescheid!

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  3. Hm, von der Doku „Easy Rider…“ gibt’s nur eine UK-DVD, aber auf 3Sat ist die Doku shcon zweimal gelaufen. Mist, verpasst. Aber in jeden Fall danke für den Tipp, ich merke mir Film und Buch mal vor. THX 1138 habe ich noch nie gesehen, ist aber auch schon lange vorgemerkt. Gut, damit sollte sich was anfangen lassen und ich hoffe, dass ich das bald mal in die Finger bekomme. 🙂 Mich interessiert diese Thematik auch schon länger, konnte aber nie etwas greifbares dazu finden, sondern immer nur Andeutungen irgendwo im Internet.

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  4. Die UK-Disc kann ich dir wirklich empfehlen. Gute Qualität, englische Untertitel und haufenweise Interviews als Bonus. Wie gesagt: Gib mal Bescheid, wenn du noch Entdeckungen machst. Diese Zeit interessiert mich nach wie vor.

    Achja, viele Making Of-Dokus (z.B. von „Jaws“ oder „Empire of Dreams“ von „Star Wars“) bieten auch stets gute Einblicke in diese Zeit des Umbruchs.

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  5. Die „Jaws“-DVD habe ich mir auch schon lange vorgemerkt, bin leider bisher nicht dazu gekommen. „Empire of Dreams“ kenne ich schon, fand diese Doku nun aber nicht so besonders.

    Wenn ich was finde, sag ich Bescheid. Wird aber sicher eine Weile dauern, da ich noch geschätzte 5.000 andere Sachen zum Lesen und Anschauen da habe. 😉

    Ich suche ansonsten wie gesagt noch konkret was zu Spielberg, bzw. zur Arbeit an seinen Filmen und was den Erfolg seiner Filme ausmacht.

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  6. „Empire of the Sun“ ist wirklich ein hervorragender Film, der damals von der Kritik eher reserviert aufgenommen wurde. Damals traute man Spielberg noch keine Filme mit ernsthafter Thematik zu. Christian Bale schauspielert selbst in jungen Jahren schon so praezise wie spaeter und dass Ben Stiller mitspielte, hatte ich ganz vergessen.

    Uebrigens war ich zu der Zeit, als der Film in Shanghai gedreht wurde (einer der ersten westlichen Filme mit Drehgenehmigung in der VR China), auch als kleiner Knirps von acht Jahren in der Stadt. Fuer die Massenfluchtszene wurden damals haenderingend Auslaender gesucht. Leider hatte ich damals Schule, aber zumindest meine Eltern sind in der Fluchtszene ganz kurz zu sehen.

    Deswegen auch von mir 9 von 10 Punkten plus ein Punkt fuer „Familienbeteiligung“.

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  7. Na das ist doch einmal eine wirklich lesenswerte Anekdote! Danke dafür. Mir ist der Film auch nach über einem Jahr noch sehr psoitiv in Erinnerung und ich hätte direkt mal wieder Lust auf eine Sichtung. Werde dann an dich denken… 😉

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