Wer früher stirbt, ist länger tot

Es gibt Filme, die werden einem empfohlen und man schaut sie sich an, ohne vorher große Erwartungen gehegt zu haben. Ein Bruchteil dieser Filme entpuppt sich dann als großartiges Kino. Zu diesen darf sich auch „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zählen. Leider kaum bekannt, hat sich dieser kleine, sympathische, ehrliche und urkomische Film sofort in mein Herz gespielt – und nicht nur in meins: So eine ausgelassene Stimmung habe ich im Kinosaal nur selten erlebt.

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Die Geschichte selbst ist eigentlich schnell erzählt: Der junge Sebastian erfährt, dass seine Mutter während seiner Geburt gestorben ist. Seitdem hält er sich für verantwortlich für ihren Tod. Jede Nacht plagen ihn Albträume des Fegefeuers, wo ihm seine scheinbaren Sünden vorgehalten werden – und da gibt es einige, denn Sebastian ist ein kleiner Unruhestifter. Fortan versucht er sich unsterblich zu machen – sei es durch Buße tun oder durch Rockmusik. Doch es kommt immer wieder zu Situationen, in denen Sebastion nur Wortfetzen der Erwachsenen aufschnappt und diese mit seinem kindlichen Gemüt auch sofort in die Tat umsetzt. Das Chaos ist vorprogrammiert – Michel aus Lönneberga wäre stolz auf Sebastian.

Der Film sprüht nur so vor Witz und irrwitzigen Einfällen. Als Beispiel sei hier nur angeführt, dass Sebastian – nachdem er versehentlich ein paar Hasen um die Ecke gebracht hat – versucht diese in bester Frankenstein-Manier wieder zum Leben zu erwecken. Doch leider ist der Strom zu stark und der Hase expodiert. Ja mei, das passiert halt in den besten Familien.

Die Glaubwürigkeit des Films ist auf jeden Fall seinen grandiosen Darstellern zu verdanken. Allen voran Markus Krojer, der einer der besten Jungschauspieler ist, die ich je auf der Leinwand gesehen habe. Doch auch der Rest des Casts ist famos besetzt.

Kritikpunkte gibt es fast keine. Allein die dramatischen Situationen gegen Ende des Films fand ich etwas aufgesetzt.

Jeder, der gern lacht und der dem deutschen Film auch nur etwas abgewinnen kann, sollte sich „Wer früher stirbt, ist länger tot“ auf jeden Fall anschauen. Der geneigte norddeutsche Zuschauer sei aber bezüglich der bayerischen Mundart gewarnt. Ein toller Film: 8/10 Punkte.

9 Gedanken zu “Wer früher stirbt, ist länger tot

  1. Pingback: Video Kings « Tonight is gonna be a large one.

  2. Ich als Nordlicht muss hier wirklich vor den Bayern den Hut ziehen. Eine unfassbar gute Leistung von Markus Kroja als Sebastian (wer kennt nicht die unzähligen dt. Filme mit katastrophalen Kinderdarstellern?!) und ein unwahrscheinlich liebenswerter, lustiger und schöner Film!

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  3. Ihr Nordlichter habt aber auch schon tolle Filme auf die Beine gestellt. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist immer noch „Absolute Giganten“.

    Marcus H. Rosenmüller hat übrigens so einen hohen Filmausstoß, dass man mit der Sichtung schon beinahe gar nicht mehr hinterher kommt. So fehlen mir noch „Schwere Jungs“, „Beste Zeit“ und „Beste Gegend“. Sollten die auch nur annähernd so erfrischend sein wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“, dann sollte ich die wohl mal schleunigst nachholen…

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  6. Das erinnert mich daran, dass ich mir den Film schon lange einmal zulegen wollte. Schön auf jeden Fall, dass du auch noch in die abgelegten Kritiken reinschaust… 🙂

    Hast du eigentlich mal in die anderen Filme Marcus H. Rosenmüllers reingeschaut? Ich fand ja die bisher unvollendete „Beste…“-Trilogie ganz nett, auch wenn sie an diesen Film nicht herankommt.

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  7. Nein, hab ich nicht. „Schwere Jungs“ wirkte wie eine deutsche „Cool Runnings“-Version und seine letzten Filme auf mich irgendwie zu trashig und die beiden „Beste“-Filme hab ich noch nicht gesehen. Ich hab’s ja nicht so mit deutschem Kino 🙂

    Und auf die Kritik bin ich nur aufmerksam geworden als ich bei OFDB meine eigene eingestellt hab und dann deinen Link sah 😉

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  8. Ich schaue auch nicht so oft deutsche Filme. Gibt ein paar wenige Lieblinge, doch das war’s dann auch. Die „Beste…“ Filme kann man sich auf jeden Fall gut anschauen, besonders wenn man in Bayern in ländlichen Gegenden aufgewachsen ist… 😉

    Ja, die OFDB ist da immer eine ganz schöne Linksammlung und sorgt – wie hiermit bewiesen wäre – doch für den einen oder anderen Besucher.

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