Man on Fire

Nach langer Zeit des Wartens habe ich gestern nun endlich Tony Scotts „Man on Fire“ gesehen. Von teils überschwänglichen Kritiken heiß gemacht, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch. Zudem hat Ridley Scotts kleiner Bruder Anfang der 90er einen meiner All-Time-Favourites gedreht: „True Romance“. Ich war also sehr gespannt, ob der Regisseur mit „Man on Fire“ wieder zu alter Form zurück gefunden hat, nachdem er mit Filmen wie „Staatsfeind Nr. 1“ eher in der Mittelmäßigkeit versumpft ist.

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Anfangs war ich beinahe schockiert aufgrund des Effektgewitters, das in der Montage auf den Zuschauer prallt. Optisch zwar höchst interessant und eigenwillig, doch der Konzentration auf die narrative Entwicklung der Geschichte eher abträglich. Ich möchte Scott nun nicht vorwerfen, dass er den Stil über den Inhalt gestellt hat – in einigen Szenen zeigt die individuelle Montage tatsächlich große Wirkung – doch weniger wäre hier glaube ich mehr gewesen. So viel Interesse ich auch an dem stilistischen Nachfolger „Domino“ zeige, so vorsichtig bin ich nun auch geworden, da der Einsatz der Verfremdungen dort noch verstärkt sein soll.

Die Geschichte von „Man on Fire“ ist sehr simpel: Gebrochener Ex-Soldat wird Bodyguard eines kleinen Mädchens, das ihm wieder den Sinn im Leben zeigt. Mädchen wird entführt und getötet, Bodyguard geht auf Rachefeldzug. Glücklicherweise lässt Scott den Film nicht zum bloßen Rachereißer verkommen. Allein für die Annäherung zwischen Creasy (großartig: Denzel Washington) und Pita (stark: Dakota Fanning) lässt sich der Regisseur über eine Stunde Zeit. Leider ist diese Stunde auch die wahre Stärke des Films, da hier bereits alle Gefühle festgelegt werden, die beim Zuschauer – auch über die folgende Laufzeit hinweg – aufkommen. Der Rachegedanke und dessen Nachvollziehbarkeit erwächst allein aus der Glaubwürdigkeit der Beziehung zwischen Creasy und Pita. Diese darzustellen ist Scott wirklich gelungen – doch leider ist das nicht genug.

Die nun folgende Racheaktion ist voll roher Gewalt, die zwar durch die optische Verfremdung abgemildert wird, aber aufgrund der emotionalen Wucht immer noch sehr präsent ist. Leider merkt man dem Film nun seine lange Laufzeit an und es kommt zu einigen Längen. Erst in den Schlußszenen weiß „Man on Fire“ wieder zu seiner wahren Stärke zurück zu finden. Hier ist der Film auch wirklich mitreißend und mir ging das Ende – auch aufgrund seiner Einfachheit – doch sehr nahe.

Tony Scott ist mit „Man on Fire“ ein toller Film gelungen, wenngleich er auch nicht das erhoffte Meisterwerk darstellt. Dafür ist er zu lang und die Montage etwas zu verspielt. Trotz der Kritikpunkte wirklich sehenswert: 8/10 Punkte.

6 Gedanken zu “Man on Fire

  1. Pingback: Crank « Tonight is gonna be a large one.

  2. Pingback: Domino « Tonight is gonna be a large one.

  3. Wirklich toller Film. Hat mir sehr gefallen. Auch optisch hat er mir sehr zugesagt, das gilt auch für „Domino“.
    Denzel Washington spielt wie immer überzeugend, sowie auch Dakota Fanning. Ihr schauspielerisches Talent ist mir erst vor kurzem wieder aufgefallen, als ich sie in „Winged Creatures“ gesehen habe.

    Natürlich ist die Story simpel, aber es ist doch schön, wieder einmal einen Rache Film aus dem A- Sektor zu sehen. Die letzten Rache Filme aus dieser Liga, die ich gesehen habe waren „Death Sentence“ und „Die Fremde in mir – The Brave One“. Ansonsten wird das Thema ja eher im B-Movie Bereich bedient.

    Was die Länge angeht, war der Film für mich nicht zu lang.

    Ich würde dem Film noch einen Punkt mehr geben, also 9/10 Punkten.

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  4. Ich muss sagen, dass ich mich heute kaum noch an den Film erinnern kann. Es sind mir einfach keine Szenen wirklich im Gedächtnis hängen geblieben. Ganz anders als bei Tony Scotts früheren Werken („True Romance“, „Last Boy Scout“). Das spricht rückblickend nicht wirklich für den Film, obwohl er mich damals wirklich gut unterhalten hatte.

    Es sind ja sowieso nur die wenigsten Filme, die nachhaltend beeindrucken und „Man on Fire“ gehört da für mich – zumindest noch – nicht dazu.

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  5. Sind ja doch schon wieder drei Jahre her seit deiner Sichtung.

    Bei mir kommt noch dazu, dass ich einfach etwas für diese ganzen Rachefilme übrig habe. Hier fällt mir grad noch ein, „Taken“ mit Liam Neeson sollte hier auch noch als guter Rachefilm erwähnt werden. 😉

    „Last Boy Scout“ kenne ich, guter Film mit ein paar harten Szenen. Sollte ich mir auch wieder mal anschauen. Ansonsten kenne ich von Tony Scott älteren Werken: „Top Gun“, „Tage des Donners“ und „Beverly Hills Cop 2“.

    „True Romance“ werde ich mir wohl mal zulegen müssen.

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  6. Ja, ist tatsächlich schon wieder unglaublich lange her. Doch bei so vielen neuen Filmen komme ich kaum noch zu Wiederholungssichtungen und wenn, dann versuche ich meist auf persönliche Klassiker zurückzugreifen, was auch nicht immer gelingt.

    Von den Rachefilmen hatte mir „The Brave One“ noch recht gut gefallen, wenngleich es auch kein Genre ist, in dem ich mich wirklich zu Hause fühle. „Taken“ interessiert mich aber auch. Bei diesem Genre sollte man wohl auch die beiden „Kill Bill“-Filme nicht unerwähnt lassen.

    Stimmt, „Beverly Hills Cop 2“ war ja auch von Tony Scott. Hatte ich schon wieder vergessen. Seine Filme mit Tom Cruise kenne ich dagegen nicht, fast schon eine Schande.

    Wenn due „True Romance“ noch nicht kennst kann ich dir nur raten ihn wirklich einmal anzuschauen. Gehört zu meinen All-Time-Favorites und würde glatte 10/10 Punkte bekommen. Habe mir nun auch die DVD-Neuaflage zugelegt und werde bald bestimmt einmal wieder reinschauen. Wirklich ein toller Film!

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