Last Man Standing – Season 2

Im letzten Jahr hatte ich die Serie noch für ihre altmodische Art gelobt, doch anscheinend haben die Showrunner meine Besprechung nicht gelesen. Somit wartet „Last Man Standing – Season 2“ mit mehreren unschönen Überraschungen auf, welche mich – besonders zu Beginn der Staffel – schon fast zum Abschalten bewegt hätten. Warum ich dennoch drangeblieben bin, lest ihr in der folgenden Besprechung…

last_man_standing_s2_2

Ich hasse es wenn Schauspieler in Serien oder Filmen ohne guten Grund ausgetauscht werden. Besonders dann, wenn sich dadurch die Figur auf negative Art und Weise wandelt. Somit ist mir die Neubesetzung von Tochter Kristin ganz besonders sauer aufgestoßen, da sich mit ihr auch die Ausrichtung der Serie änderte. Hinzu kommt, dass der Vater ihres Sohnes ebenfalls neu besetzt und seine Rolle enorm ausgenaut wurde. Er ist eigentlich nur dazu da, dass Tim Allens Figur seine erzkonservativen politischen Ansichten vertreten darf: Obama doof, Krankenversicherung doof, Waffenbesitz yeah – das nervt und hat meiner Meinung nach in solch einer Serie auch nichts zu suchen.

Glücklicherweise gibt es zwischen den politisierenden Eskapaden – besonders in der zweiten Staffelhälfte – immer wieder normale Episoden (speziell rund um den Outdoor Man und seinen Angestellten), so dass ich insgesamt doch wieder meinen Spaß mit Tim Taylor Mike Baxter und seiner Familie hatte. Ein paar Gaststars aus „Hör mal, wer da hämmert“ haben sich zudem auch blicken lassen, was ich wirklich nett fand.

„Last Man Standing“ ist auch im zweiten Jahr größtenteils unterhaltsam, doch leider mit ein paar bösen Ausreißern nach unten. In die nächste Staffel werde ich aber schon alleine deshalb reinschauen, um zu sehen welche Tochter dieses Mal ausgetauscht wird: 6/10 (6.4) Punkte.

The Shield – Season 2

Unvorstellbare eineinhalb Monate habe ich für die Sichtung von „The Shield – Season 2“ benötigt. Vor ein paar Jahren hätte ich die 13 Episoden wohl locker innerhalb von ein oder zwei Wochen verschlungen. Das Cop-Drama ist mit seiner Vielzahl an Charakteren und unterschiedlichen Erzählsträngen sogar wie gemacht für eine fokussierte Sichtung, doch glücklicherweise entfaltet es auch über einen längeren Zeitraum einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann…

the_shield_s2_2

Zu Beginn der Staffel hatte ich noch so meine Probleme mit einigen Erzählsträngen. Besonders Vics Privatleben schien mir etwas forciert aus den Fugen zu geraten. Hier wäre eine langsamere Entwicklung meiner Meinung nach glaubhafter gewesen. Auch die Reaktion des Strike Teams auf Vics Gewaltausbruch in Bezug auf Armadillo hatte mich erstaunt, wurden doch andere Konflikte – zumal mit geringerem Bedrohungspotential für das Team – auf ähnliche Art und Weise gelöst. Doch nach einigen Episoden wurde die Motivation einzelner Charaktere in Bezug auf den Vorfall erklärt, wodurch dieser Erzählstrang noch zu einem Highlight der Staffel wurde, wenn auch leider mit sehr abruptem Ende.

Neben den großen Themen der Staffel (Armadillo, Money Train usw.), gab es wieder etliche Einzelfälle, die in ihrer Darstellung der menschlichen Perversion erneut nicht zu überbieten waren. Immer wenn man denkt, man hätte im Rahmen der Serie bereits alles gesehen, setzen die Autoren noch einen drauf. Die gezeigten menschlichen Abgründe werden zudem wunderbar in den Aktionen des Strike Teams – allen voran Vic Mackey – gespiegelt. Man begrüßt als Zuschauer somit die größtenteils drastischen Aktionen und vergisst nur allzu schnell, dass Vic Grenzen im Sekundentakt überschreitet.

Nach Abschluss des ersten großen Erzählstrangs der Staffel, gibt es eine komplette Episode als Rückblende, welche die Entstehung der Polizeistation zeigt. Dies fand ich sehr interessant, da auch die Dynamiken zwischen den einzelnen Charakteren dadurch eine neue Ebene bekamen. Zwar nicht unbedingt nötig, doch eine nette Zäsur zur Haupthandlung, welche den Weg für die nachfolgenden vier Episoden freimachte, die in einem famosen Staffelfinale mündeten. Hochspannung par excellence.

Ich für meinen Teil bin wahrlich begeistert, wie sich die Staffel entwickelt hat. Nach dem im Vergleich zur ersten Staffel etwas schwächeren Anfang, hat sich „The Shield“ im zweiten Jahr wirklich sehr stark entwickelt. Eine mitreißende und schockierende Cop-Serie, die stets für Überraschungen gut ist und mit ihren Figuren wahrlich nicht zimperlich umgeht. Nun bin ich bereits sehr gespannt, was das dritte Jahr für Vic und Co. bereit hält: 9/10 (8.8) Punkte.

Zorn der Titanen – OT: Wrath of the Titans (2012)

Nach einem ereignislosen und doch irgendwie recht anstrengenden Samstag, konnte ich kaum noch Energie für die dringend nötige Abendunterhaltung aufbringen. Doch wollte ich die Woche nicht komplett ohne Film vorüberziehen lassen – und da erinnerte ich mich daran, dass „Zorn der Titanen“ noch ungesehen im Regal vor sich hinschlummerte. Also Hirn aus und ab in die US-Popcorn-Version der griechischen Mythenwelt…

zorn_der_titanen

Der Vorgänger, der 2010er „Kampf der Titanen“, hatte mir bereits viel Spaß bereitet, wenngleich es sich auch nicht wirklich um einen guten Film handelt. Vom Nachfolger erhoffte ich mir somit auch nicht mehr, spricht: fetzige Monster, schöne Landschaftsaufnahmen und mitreißende Action. Dies sollte ich zu Beginn auch bekommen: Die Handlung schickte sich zwar an noch dämlicher zu sein, als die des Vorgängers, doch versprach die Unterwelt als neuer Schauplatz immerhin interessanter zu werden, als der glitzernd aufpolierte Olymp. Auch Perseus erster Kampf gegen die Chimäre war mitreißend gefilmt und ließ auf eine Steigerung hoffen – jedoch weit gefehlt und nach 15 Minuten hatte ich den besten Teil des Films bereits hinter mir gelassen.

Gab es in „Kampf der Titanen“ zumindest noch eine Gruppe von Gefährten, die durchaus ein wenig Charakter besaßen, so kann man dies von der neuen Truppe rund um Perseus leider nicht behaupten. Hinzu kommt, dass sich die Szenen in der Unterwelt – trotz teils bombastischer Schauwerte – schnell als noch schlimmeres Schmierentheater herausstellen, als die Szenen im Olymp es bereits waren. Und das heißt etwas. Auch die folgenden Kämpfe sind leider keine Steigerung, sondern eher nervig inszeniert und inhaltlich unmotiviert. Selbst der große Endkampf ist nur ein blasser Abklatsch gegen den des Vorgängers – nur statt Kraken und Wasser gibt es nun eben Kronos und Feuer.

In einigen Szenen kam jedoch tatsächlich eine nette Abenteueratmosphäre auf. So fand ich das Labyrinth sehr schön gestaltet und wirklich atmosphärisch umgesetzt. Leider jedoch werden unsere Helden auch hier in austauschbare Action gestürzt und der Abenteueraspekt schnell links liegen gelassen. Weiterhin fand ich die Effekte größtenteils wirklich gelungen und den Film schön anzusehen. Unterhalten wurde ich somit durchaus, doch eine weitere Fortsetzung brauche ich nun wirklich nicht mehr: 4/10 Punkte.

The Dark Knight Rises (2012)

Was war das im vergangenen Jahr wieder für ein Hype um den neuen Batman-Film. Nach dem Kinostart hörte man dann größtenteils enttäuschte Stimmen. Obwohl ich die ersten beiden Teile der Superheldentrilogie beim zweiten Durchgang wirklich zu schätzen gelernt habe, ließ ich mir mit meiner Sichtung von „The Dark Knight Rises“ erst einmal Zeit. Inzwischen hat sich der Staub gelegt und somit konnte ich mir nun endlich eine eigene Meinung bilden…

dark_knight_rises_2

Die Erwartungen waren hoch, keine Frage. Ich weiß jetzt noch, wie überrascht ich damals war, dass „The Dark Knight“ alle Rekorde brach. Sicher hatte auch schon „Batman Begins“ das Genre aufgewirbelt, doch erst der Nachfolger öffnete – vermutlich zusammen mit „Iron Man“ – dem Genre alle Türen. Superheldenfilme waren nun nicht mehr nur für die Geeks und Comicleser interessant, sondern in der breiten Masse angekommen. Besonders Nolans realistischer Ansatz schien auf fruchtbaren Boden zu fallen und somit erwartete mit „The Dark Knight Rises“ wohl jeder Typ von Zuschauer den perfekten Abschluss seiner Superheldentrilogie.

Wäre Christopher Nolans Trilogie eine TV-Serie, dann wäre – so hart es klingt – der zweite Teil von vielen Zuschauern wohl als reine Füllepisode wahrgenommen worden. Zwar mit wichtiger Charakterentwicklung, doch für die übergreifende Handlung eher unwichtig. Eigentlich. „The Dark Knight Rises“ schlägt viel mehr Brücken zum ersten Teil, sowohl inhaltlich, als auch stilistisch. Bane ist eine Bösewicht mit Motivation, das macht ihn einerseits langweiliger, als den grandiosen Joker, andererseits aber auch bedeutsamer. Weiterhin wird der Mythos weitergesponnen und Schauplätze, wie The Pit, oder Bösewichte, wie die League of Shadows, sind eher fantastisch angehaucht und stellen somit engere Bezüge zu „Batman Begins“ dar, was mir durchaus gefallen hat.

Aus „The Dark Knight“ entliehen sind dagegen aktuelle sozialpolitische Themen und die Bedeutsamkeit, mit der die Handlung erzählt wird. Auch wenn man die Geschichte bestimmt knapper hätte erzählen können, so fand ich sie jedoch nicht übermäßig komplex oder zerfahren, wie ich in einigen Kritiken gelesen hatte. Ich konnte der Handlung stets folgen und gelangweilt wurde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Sicher gibt es einige Zufälle und dramaturgische Schwächen, doch sehe ich Nolans Batman-Filme auch immer noch als das, was sie sind, nämlich Comicverfilmungen.

Mal abgesehen von dem großen Hype und enttäuschten Erwartungen, ist „The Dark Knight Rises“ ein absolut gelungenes Finale der Trilogie. Mitreißend, spannend und unterhaltsam. Qualitativ nehme ich den Film in etwa so wahr, wie die ersten beiden Teile bei meinen ersten Sichtungen, das heißt auch für das Finale besteht durchaus noch Steigerungspotential: 8/10 Punkte.

Winter’s Bone (2010)

Seltsamerweise hatte mich der Film bis zur heutigen Sichtung nicht sonderlich interessiert. Obwohl „Winter’s Bone“ größtenteils sehr gut besprochen wurde, brachte ihn erst die kürzlich vermehrte Medienpräsenz von Jennifer Lawrence auf meinen Radar. Und obwohl mir nach einer vollen Arbeitswoche eher nach seichter Unterhaltung war, habe ich mich letztendlich an die düstere Literaturverfilmung herangewagt. Ob das die richtige Entscheidung war?

winters_bone_2

Wenn ich den Film mit nur wenigen Worten beschreiben wollte, dann wären diese wohl: bedrückend und doch hoffnungsvoll. Bedrückend ist das Setting, die Lebensumstände der gezeigten Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Hoffnungsvoll ist einzig und allein die von Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem: The Hunger Games“) fantastisch gespielte Hauptfigur Ree – doch ihr aufopferungsvolles und zugleich anpackendes Wesen ist genug, um diesen Aspekt des Films zu tragen und ein Gegengewicht zu all der bedrückenden Trostlosigkeit zu schaffen.

„Winter’s Bone“ ist kein fröhlicher Film und doch hat er seltsam schöne Szenen. Selbst die ausgewaschenen Landstriche besitzen eine gewisse Ästhetik, der man sich nur schwer entziehen kann. Rees Suche nach ihrem Vater ist alles andere als effekthascherisch inszeniert und doch wirkt ihre Reise unwahrscheinlich bedeutend. Das Ergebnis der Suche ist dabei beinahe schon vernachlässigbar und im Mittelpunkt stehen eher Begegnungen und einzelne Situationen. Der dokumentarische Look unterstreicht dabei die Unmittelbarkeit. Auch wenn die eigentliche Geschichte am Ende des Films abgeschlossen scheint, so habe ich diese Welt, die einem im Unterhaltungskino sonst nicht gezeigt wird, mit sehr gemischten Gefühlen verlassen.

Weder die Handlung noch die Inszenierung sind sonderlich aufregend. Der Film lebt in meinen Augen von seinem Setting, den tollen Schauspielern (größtenteils Laien aus der Region) und eben dem dokumentarischen Erzählstil. Unbedingt sehenswert, jedoch kein Film, den ich mir einmal im Jahr anschauen würde: 8/10 Punkte.

The Cabin in the Woods (2011)

Obwohl es gestern Abend aufgrund eines langwierigen Kampfes mit den nicht schlafen wollenden Kindern eigentlich schon viel zu spät war, habe ich dennoch an meinem Plan festgehalten und mir endlich „The Cabin in the Woods“ angesehen. Immerhin soll es sich hierbei um die neue Offenbarung im Horrorgenre handeln, die von niemand geringerem als Joss Whedon geschrieben und produziert wurde – meine Vorfreude war folglich enorm. Spoiler sind zu erwarten.

cabin_in_the_woods_1

Auch wenn es wirklich nicht einfach war, so gelang es mir doch größtenteils Spoiler zu vermeiden – leider nur größtenteils, denn ich hatte leider den Trailer gesehen und dieser liefert leider (wie eben so oft) viel zu viele Informationen. Danach hatte ich bis zur Sichtung gestern Abend lange Zeit mir meine eigene Geschichte zusammen zu reimen – und leider muss ich sagen, dass diese Kopfkino-Version gelungener war, als das was ich letztendlich zu sehen bekam. Sorry, Joss. Dabei fing alles so gut an und die erste Filmhälfte hält einige herrliche Szenen parat. Schon alleine der Epilog: Bradley Whitford („The West Wing“), Richard Jenkins („Six Feet Under“) und die bezaubernde Amy Acker („Angel“) liefern sich ein whedonesques Wortgefecht – was kann man mehr wollen?

Ich fand es herrlich, dass auch die typischen Opfer durchaus Charakter hatten und ihre stereotypen Eigenschaften erst durch die Puppenspieler verpasst bekommen haben. Besonders die Darstellung dieses ungewöhnlichen Bürojobs hat mir ausgezeichnet gefallen. Typische und nur allzu bekannte Bürothemen (z.B. Telefonat über Lautsprecher) wurden aufgegriffen und mit besonderem Twist erzählt. Herrlich! Zwar zeichnete sich schon in der ersten Filmhälfte ab, wohin sich die Geschichte bewegen sollte, doch insgesamt hatte ich zu diesem Zeitpunkt wirklich noch enorm viel Spaß mit dem Film.

Auch die zweite Filmhälfte war mit ihrer Monsteraction durchaus unterhaltsam, doch hätte ich mir hier weniger Splatter und mehr Inhalt gewünscht. Vielleicht war ich auch nur enttäuscht, dass Whedon nicht mein Kopfkino umgesetzt hatte. Auf jeden Fall fand ich den Grund für das ganze Spektakel extrem schwach. Opfergaben für irgendwelche alten Götter? Also doch nur ein weiteres Horrorklischee. Dabei hätte man so viel aus der Idee machen können. Ich hatte mir z.B. ausgemalt, dass die Puppenspieler für ein Filmstudio arbeiten, weil sich gezeigt hat, dass man mit echter Angst mehr Erfolg an der Kinokasse hat und jeder Horrorfilm seit Jahren auf diese Weise gedreht wird. Auch hatte ich erwartet, dass die Monster nur inszeniert sind und nicht eine echte Zombie-Redneck-Torture-Family usw. aus dem Hut gezaubert wird – insgesamt also mehr Spiel mit Fiktion, unserer Wahrnehmung des Genres und mehr Anspielungen auf die Filmbranche.

Insgesamt bin ich wohl tatsächlich etwas enttäuscht, wenngleich ich „The Cabin in the Woods“ auch nicht schlecht fand. Ein großer Spaß für Genrefreunde, denen ich jedoch zunächst „Tucker & Dale vs. Evil“ ans Herz legen würde. Nett, witzig und mit teils herrlichen whedonesquen Dialogen, doch weit davon entfernt der „Scream“ der 2010er Jahre zu sein: 7/10 Punkte.

Nachts im Museum 2 – OT: Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Nachts im Museum 2“ am 27. November 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie bei der Besprechung des ersten Teils angekündigt, habe ich heute – nach inzwischen knapp vier Jahren – Shawn Levys „Nachts im Museum 2“ nachgeholt. Eigentlich wären noch unzählige andere Filme im Regal gestanden, denen ich lieber den Vorzug gegeben hätte, doch Krankheit und Müdigkeit forderten exakt diese Art der seichten Unterhaltung ein…

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Nachts im Museum 2 (2009) | © 20th Century Fox

„Night at the Museum: Battle of the Smithsonian“ ist die typische Fortsetzung eines Erfolgsfilms: eine leicht veränderte Handlung, mehr Action und Effekte und ein erweitertes Ensemble. War bereits die Geschichte des ersten Teils nur Makulatur, so ergibt sich die Fortsetzung endgültig in ihr Spiel mit den lebendig gewordenen Ausstellungsstücken. Dies war nicht anders zu erwarten und hat mich auch nicht gestört, denn die Ideen sind nett, der Humor lädt zum Schmunzeln ein und das Herz irgendwie am rechten Fleck.

Einen deutlichen Pluspunkt kann die Besetzung mit Amy Adams verbuchen, die die Flugpionierin Amelia Earhart wunderbar charmant und übermütig verkörpert. Hank Azaria als Oberbösewicht ist zwar reichlich albern, doch sehe ich ihn einfach immer wieder gerne und auch hier macht er seine Sache wirklich gut. Die anderen Stars rund um Ben Stiller sind spielfreudig und lassen auch im zweiten Teil die 100 Minuten wie im Flug vergehen.

Letztendlich muss man auch „Nachts im Museum 2“ nicht gesehen haben, doch fand ich es zumindest schön abermals das Smithsonian zu besuchen – und für mehr Film hätte meine Aufmerksamkeit heute sowieso nicht mehr gereicht. Nett, harmlos und dennoch irgendwie unterhaltsam: 6/10 Punkte.

Wer ist Hanna? – OT: Hanna (2011)

Nach einer 60-Stunden-Woche (zugegebenermaßen in zwei Jobs) war mein Kopf gestern Abend eigentlich nicht mehr sonderlich aufnahmefähig, doch die neuen Filme stapeln sich und somit habe ich „Wer ist Hanna?“ in den Player geschoben. Ich hatte sehr gemischte Meinungen darüber gelesen, fand jedoch den Trailer interessant genug, um mich zu einer Sichtung hinreißen zu lassen…

hanna

Erwartet hatte ich im schlimmsten Fall eine uninspirierte Kopie von „Die Bourne Identität“, sprich einen weiteren Agententhriller nach Schema F. Auf die Geschichte trifft das auch zu und die gesamte Handlung fände wohl auf einer Briefmarke Platz. Für mich ist „Hanna“ – so der Originaltitel – jedoch einer der wenigen Filme, die sich hauptsächlich durch ihre formalen Merkmale definieren – und, was selten vorkommt, dennoch exzellent funktionieren. Hinzu kommt die titelgebende Hauptfigur, die den Film meiner Meinung nach mühelos trägt, da man diese fremdartige und seltsam künstlich wirkende Welt durch ihre Augen kennenlernt. Eine fantastische Leistung von Saoirse Ronan (Susie Salmon, „In meinem Himmel“).

Man könnte erwarten, dass durch die überstilisierte Inszenierung im Zusammenhang mit dem hypnotischen Elektroscore von THE CHEMICAL BROTHERS – der Jugend der 90er noch durch ihren Hit BLOCK ROCKIN‘ BEATS bekannt – eine große Distanz zu den Charakteren aufgebaut wird, doch überraschenderweise wirken diese sehr lebendig und innerhalb ihrer stilisierten Welt glaubwürdig. Überhaupt ist die märchenhafte Atmosphäre die ganz große Stärke des Films, da sie uns auf eine Wahrnehmungsebene mit Hanna bringt.

Wie soll man also „Wer ist Hanna?“ am besten beschreiben? Agententhriller? Roadmovie? Actionfilm? Irgendwie etwas von all dem und doch dominiert kein Element die anderen eindeutig. Der Film passt in keine Schublade und wenn man ihn in eine stecken wollte, müsste man für diese wohl die Kategorie Actionmärchen erfinden. Auch wenn der Film inhaltlich nicht besonders ausgefeilt ist, so überzeugt er doch durch seine Charaktere und kann durch seine formalen Aspekte beeindrucken. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Sichtung: 8/10 Punkte.

The Shield – Season 1

Nachdem die sieben Staffeln umfassende Komplettbox der Serie bereits seit einem knappen Jahr bei mir im Regal steht, war es höchste Zeit mit „The Shield – Season 1“ in die düsteren Gefilde Los Angeles‘ abzutauchen. Somit steht ein neuer Serienmarathon an, dem ich nach dieser ersten Staffel bereits freudig entgegenblicke. Dabei war ich anfangs eher skeptisch und dachte die Serie würde es schwer bei mir haben…

the_shield_s1

Von allen Seriengenres, denen ich bisher begegnet bin, rangieren Cop-Shows oder Krimis in meiner Gunst nur knapp über Arzt- oder Anwaltsserien. Doch hat ja z.B. gerade die Anwaltsserie „Damages“ – die übrigens ebenfalls auf dem Sender FX lief – gezeigt, dass sich Serien durchaus über ihre Genregrenzen hinwegsetzen können. Auch wenn „The Shield“ durchaus Anätze eines klassischen Procedurals besitzt, so sind die Erzählstränge nach einer Episode jedoch so gut wie nie abgeschlossen, sondern werden oft etliche Folgen später erneut aufgegriffen. Weiterhin gibt es einige dominierende Handlungsbögen, welche sich über die gesamte Staffel erstrecken und besonders im letzten Drittel für etliche Höhepunkte sorgen. Genial!

Neben dem dramaturgischen Aufbau, fällt besonders die Inszenierung aus dem Rahmen. Wenn man nach ein paar Folgen „The Shield“ wieder ein paar klassische Ermittlungsserien – z.B. „Bones“ oder „The Mentalist“ – sieht, dann fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Auf Erholungsurlaub mit Mord, netten Witzchen zwischen Kollegen und heiterer Musikuntermalung. „The Shield“ ist anders. Los Angeles ist der Schmelztiegel des Verbrechens. Die wackelige Handkamera nimmt grobkörnige Bilder auf und versetzt den Zuschauer ohne Filter oder Beschönigung mitten ins Geschehen.

Ebenso roh und hart wie die Bilder sind nicht nur die eingespielten Musikstücke, sondern auch die Charaktere. Ob Freund oder Feind wird nie so richtig klar. Besonders Vic Mackey (grandios verkörpert von Michael Chiklis) ist eine Figur, der Ambiguität auf die Stirn tätowiert scheint. Wir als Zuschauer wissen, dass er ein egomanisches Arschloch ist, der nur nach seinen eigenen Regeln spielt – und doch kann man nicht umhin, ihn in manchen Situationen zu bewundern und seine mehr als fragwürdige Vorgehensweise angebracht zu finden. Diese Wahrnehmung des Charakters erinnert mich stark an Tony Soprano oder Dexter Morgan, mit denen man ebenso mitfiebert, obwohl man genau weiß, dass ihre Aktionen falsch sind. Neben Mackey gibt es noch etliche andere wirklich gut geschriebene und interessante Figuren, doch ist er – bis jetzt – eindeutig die schillerndste Gestalt der Serie.

Nach ein paar Episoden Eingewöhnungszeit hatte mich die Serie mit ihrem Charme aus äußerst realistisch wirkenden Aufnahmen, überdrehten Actionszenen und mitreißendem Charakterdrama völlig in den Bann gezogen. Trotz der beständigen Schläge in die Magengrube bleibt die Show unglaublich unterhaltsam, was für eine gute Balance spricht. Packendes, toll gespieltes und exzellent inszeniertes Serienkino: 9/10 (8.9) Punkte.

Moonrise Kingdom (2012)

Mit dieser Besprechung werde ich abermals den Unmut der filmischen Blogosphäre auf mich ziehen. Dabei war mir nach unzähligen Sichtungen des Trailers bereits im Vorfeld klar, dass ich eine weitere der üblichen Lobeshymnen schreiben würde. Ich wollte den Film lieben, doch leider hat mich „Moonrise Kingdom“ völlig kalt gelassen. Dabei hätte der märchenhafte Film rund um die erste Liebe aus Kinderperspektive bei mir doch ins Schwarze treffen müssen. Warum hat er es nicht?

moonrise_kingdom_1

An Wes Andersons gewöhnungsbedürftigem Stil kann es kaum liegen, fand ich doch seinen weit seltsameren „The Life Aquatic with Steve Zissou“ großartig. Bei „Moonrise Kingdom“ hatte ich jedoch stets das Gefühl, Anderson hätte sich auf seinem artifiziellen Inszenierungsstil ausgeruht: noch eine ein bühnenhaftes Set, noch eine Einstellung in Zentralperspektive und noch einmal Bill Murray und Jason Schwartzman in absurden Rollen. Wir haben es ja verstanden. Die Geschichte an sich ist nett und hat einen emotionalen Kern, für den ich durchaus anfällig sein müsste, doch habe ich absolut keinen Zugang zu den Figuren gefunden. Zuviel künstlerische Spielerei, zu wenig Gefühl.

Einige Einzelszenen fand ich wunderbar anzusehen und wirklich unterhaltsam, z.B. das erste Kennenlernen, die Brief-Montage oder die Konfrontation mit den anderen Pfadfindern. Auch die Charaktere waren in ihrer verschrobenen Art amüsant, doch war die gefühlte Distanz zu groß, um mich auch nur annährend ernsthaft für sie zu interessieren. Der gesamte Film wirkt für mich, als hätte Anderson auf Teufel komm raus versucht der Geschichte seinen Stil aufzudrücken. Was bei „Die Tiefseetaucher“ wunderbar funktioniert hat, lässt mich hier zwar anerkennend nicken, doch mein Herz bleibt kalt.

Trotz meiner Kritik war der Film in seiner 60er Jahre Postkartenatmosphäre wunderschön anzusehen. Er hat mich oft schmunzeln lassen und ich musste Anderson für seine absurden Ideen loben, doch habe ich – und das ist für mich das Kriterium überhaupt – zu keiner Sekunde wirklich mitgefiebert oder war emotional in irgendeiner Weise involviert. Vielleicht war es der falsche Tag für den Film, vielleicht ist er auch einfach nicht mein Ding. Nett anzusehen, doch zu gewollt anders(on): 6/10 Punkte.