Mission: Impossible – Phantom Protokoll – OT: Mission: Impossible – Ghost Protocol (2011)

Im Kino ist der Film völlig an mir vorbeigegangen. Auch wenn ich die vorherigen Filme – den zweiten Teil einmal ausgenommen – recht gerne sah, so hatte ich diese weitere Fortsetzung nie wirklich auf dem Radar. Aufgrund etlicher positiver Besprechungen hat es „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ dann doch recht schnell auf die Liste der noch zu sehenden Filme geschafft – und außerdem: Was kann bei einem Film von Brad Bird (u.a. „Ratatouille“) schon schief gehen?

Heute hätten es wahrlich nicht viele Filme geschafft mich wachzuhalten: wieder wenig Schlaf, wieder knapp 12 Stunden im Büro, wieder keine guten Voraussetzungen für den Filmfreitag. Dennoch wollte ich die Chance nicht ungenützt lassen und habe den frisch erworbenen „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ eingelegt. Eine gute Wahl, denn die Mischung aus übertriebener und interessanterweise doch verhältnismäßig glaubwürdiger Action, entspannten Humoreinlagen und Agententhrill hat sich abermals bewährt. Nachdem mir bereits der von J. J. Abrams inszenierte direkte Vorgänger ausgesprochen gut gefiel, hat mich auch der vierte Teil der Filmreihe bestens unterhalten.

Die Geschichte gewinnt abermals keine Preise, es gibt keine großen Wendungen und man begleitet das frisch zusammengewürfelte IMF-Team ganz einfach bei ihrer Jagd rund um den Globus. Die unzähligen Schauplätze machen auch einen großen Reiz des Agentenabenteuers aus und bieten einen entsprechend großen Spielplatz für Ethan Hunt und Co. Die Missionen sind dabei wieder ausreichend unmöglich – herausragend dabei besonders Dubai – und am Ende wird es stets entsprechend knapp. Der positive Ausgang wird jedoch niemanden überraschen und somit darf man sich bestimmt auch auf einen fünften Teil der Reihe freuen – vorausgesetzt Tom Cruise gibt auch mit über 50 noch einmal den Fassadenkletterer.

Kritisieren kann man höchstens den recht blassen Bösewicht (Michael Nyqvist, „Verblendung“) und die einen Tick zu lange Laufzeit inklusive etwas fadem Showdown. Insgesamt hinterlässt der Film jedoch einen ausgezeichneten Eindruck und bietet exakt die Art von Popcornkino, die man es sich nach solch einer Arbeitswoche – mit ganz eigener unmöglicher Mission – wünscht. Gerne mehr davon: 8/10 Punkte.

Damages – Season 2

Für die zweite Staffel meiner letzten Serienentdeckung habe ich mit knapp einem Monat recht lange gebraucht. Dies liegt aber eher an den äußeren Umständen, als in der Serie selbst begründet, denn auch „Damages – Season 2“ ist über weite Strecken einfach nur beste Unterhaltung. Warum das zweite Jahr mit Patty Hewes dennoch nicht an den grandiosen Auftakt herankommt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Auf die Vorzüge der ersten Staffel bin ich bereits ausführlich in der zugehörigen Besprechung eingegangen. Besonders die Aufteilung in zwei Zeitebenen hat für eine stets vorhandene Grundspannung gesorgt – und exakt dieser Aufbau wird in der zweiten Staffel wieder aufgegriffen. So neu und innovativ dieser an sich simple Kniff auch war, so abgesdroschen und forciert wirkt dieser beim zweiten Anlauf. Hier hätte man sich ruhig von der bekannten Struktur lösen können, zumal die die gezeigte Zukunft weit nicht so neugierig macht, wie die der ersten Staffel. Dennoch gelingt es der Serie abseits dieses Kniffes auch im zweiten Jahr eine wirklich mitreißende Handlung aufzubauen.

Inhaltlich schließt die Staffel nahtlos an das erste Jahr an: Ellen hat sich fest vorgenommen die Mörder ihres Verlobten ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Ebenso nehmen die Ermittlungen des FBIs gegen Patty einen Großteil der Handlung ein, was teils stark an bestimmte Episoden von „The Sopranos“ erinnert. Die ständige Atmosphäre des Misstrauens verändert auch die Charaktere und so wirkt insbesondere Ellen im Vergleich zur ersten Staffel hart und verbittert, was aufgrund der zurückliegenden Ereignisse aber auch kein Wunder ist.

Sehr gut gefallen hat mir die Verknüpfung mit der ersten Staffel. So treten wichtige Figuren, wie Arthur Frobisher, weiterhin auf, nehmen dabei aber eher die Rolle von Nebenfiguren ein. Das Universum der Serie wird somit realistisch erweitert und lässt dennoch Platz für neue Charaktere. Im krassen Gegensatz dazu steht das Finale, das von Realismus nicht viel hält: So manche Wendung hätte man hier ruhig weglassen bzw. feinfühliger vorbereiten können. Dafür hat man dieses Mal auf den obligatorischen Cliffhanger verzichtet, was ich durchaus angenehm fand.

Insgesamt macht auch die zweite Staffel von „Damages“ wirklich viel Spaß, was größtenteils auch an den guten Schauspielern (u.a. Neuzugang William Hurt) liegt. Hinzu kommt die komplexe und spannende Geschichte, welche rückblickend aber doch zu sehr nach Schema F abläuft und eher durch unrealistische Wendungen zu überzeugen versucht. Ich hatte auf jeden Fall wieder viel Spaß mit Patty und Co. und freue mich auf die dritte Staffel: 8/10 (7.9) Punkte.

In Time: Deine Zeit läuft ab – OT: In Time (2011)

Ich liebe die dystopischen Genrefilme der 70er Jahre. Ob „Logan’s Run“, „Soylent Green“ oder „Rollerball“ – jeder dieser Filme besticht durch eine ganz eigene Welt, in der es fest definierte Regeln gibt. High concept eben. Leider gibt es heute immer weniger Filme, die diesen Schritt wagen. Eine Ausnahme bildet der 1997 von Andrew Niccol inszenierte „Gattaca“ und auch sein letztjähriger Genrebeitrag „In Time: Deine Zeit läuft ab“ fügt sich nahtlos in die Reihe der genannten Filme ein. Schafft er es jedoch auch qualitativ an seine Brüder im Geiste anzuschließen?

Ich finde das Konzept von „In Time“ grandios. Die von Andrew Niccol dargestellte Allegorie ist so simpel wie faszinierend. Zeit ist Geld. So einfach, so genial. Schon als ich das erste Mal von der Idee las, ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Im Film wird das Konzept auch sehr plakativ eingesetzt, die Sozialkritik unverblümt ausgesprochen. Auch hier erinnert der Film stark an die Dystopien seiner Vorbilder. Ob nun die Maßnahmen gegen die Überbevölkerung, die in Soylent Green“ und „Logan’s Run“ präsentiert werden, oder der Einsatz von Brot und Spiele um das Volk in „Rollerball“ im Schach zu halten – die angeprangerten Probleme haben sich kaum verändert: Die einen hangeln sich mit Mühe von Tag zu Tag (was in diesem Film eine ganz eigene Bedeutung besitzt) und ermöglichen so das luxuriöse Leben der wenigen anderen.

Man wird als Zuschauer recht schnell in die Regeln dieser Welt eingeführt und sollte diese auch akzeptieren, ohne sie groß zu hinterfragen. Es geht nicht um die technische bzw. genetische Plausibilität der dargestellten Prämisse, sondern um ihre Bedeutung. Natürlich gewährt und der Film nicht nur einen Einblick in diese Welt, sondern erzählt die Geschichte ihres Umsturzes. Dies geschieht durch ausgebreitete Verfolgungsjagden und Actionszenen, die zwar neben der Idee des Films verblassen, doch immerhin recht unterhaltsam geraten sind. Ich hätte es jedoch lieber gesehen, wenn sich Niccol – wie im noch gelungeneren „Gattaca“ – stärker auf die Möglichkeiten seiner Welt konzentriert hätte.

Zu Beginn des Films hatte ich noch meine Probleme mit Justin Timberlake, obwohl er mir bereits in David Finchers „The Social Network“ recht gut gefiel. Die Rolle verlangt ihm zwar keine große Schauspielkunst ab, doch wirkt er stets glaubwürdig und engagiert. Dies könnte man auch vom Film an sich behaupten, denn auch wenn er dramaturgische und strukturelle Schwächen besitzt, so trägt ihn seine Idee doch mühelos bis in die letzten Sekunden – und auch das erinnert, wie das Design der Fahrzeuge und mancher Schauplätze, an das 70er Jahre Genrekino.

Die meisten Kritiken, die ich gelesen habe, waren durchwachsen. Meist wurde sich an Details aufgehängt und die Prämisse selbst totdiskutiert. Man sollte sich auf die Idee einlassen und die oberflächliche Action als Teil des Films sehen. Dann kann einen durchaus nachdenklich machenden, spannend inszenierten und stets unterhaltsamen Film sehen. Genrekino, das die investierte Zeit allemal wert ist: 8/10 Punkte.

Extrem laut & unglaublich nah – OT: Extremely Loud & Incredibly Close (2011)

Angefangen hat alles mit einem Trailer, der mich ziemlich begeisterte. Daraufhin habe ich meiner Frau das zugehörige Buch geschenkt und nachdem sie es zu einem der faszinierendsten Werke erklärte, die sie bisher gelesen hatte, war es nur eine Frage der Zeit bis „Extrem laut & unglaublich nah“ in unserem Blu-ray-Player landete. Ich selbst kenne die Vorlage nicht, hatte durch Erzählungen aber schon einen recht guten Eindruck davon und war dementsprechend gespannt auf die Verfilmung…

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. All die Besonderheiten, die ich mir erhoffte, hatte der Film nicht zu bieten. Die Geschichte verläuft relativ chronologisch und auch die Gedankenwelt der Hauptfigur Oskar Schell wirkt weit nicht so komplex und verwirrend wie ich es mir ausgemalt hatte. Zudem hatte ich stets das Gefühl, als würde der Film nur an der Oberfläche einer viel epischeren Geschichte kratzen – ein Eindruck, den man als Kenner der Vorlage anscheinend bestätigen kann. Hinzu kommt, dass mir so einige Handlungselemente – auch wenn sie später aufgelöst werden – unlogisch erschienen: Wer lässt denn bitte einen verhaltensauffälligen Elfjährigen tagelang alleine durch New York streifen?

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich die Geschichte angesprochen. Die Schauspieler sind gut gewählt – allen voran Max von Sydow, von dem ich gerne mehr gesehen hätte – und die Inszenierung ist äußerst gefällig. Auch wenn der Film ab und zu ziemlich auf die Tränendrüse drückt, so hat er mich emotional nicht so stark mitgenommen, wie ich das zu Beginn noch erwartet hätte. Am stärksten fand ich „Extrem laut & unglaublich nah“ dann auch tatsächlich in den Szenen zwischen Oskar und dem Untermieter. Eine schöne Dynamik, die von der Hintergrundgeschichte des alten Mannes wohl noch enorm profitiert hätte.

Letztendlich ist „Extremely Loud & Incredibly Close“ leider nicht der Film, den ich mir erhofft hatte. Zwar wurde ich wirklich gut unterhalten und hat er mich auch durchaus bewegt, doch ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass hier mehr drin gewesen wäre. Vermutlich muss ich nun doch einmal Jonathan Safran Foers Vorlage lesen, um das ganze Bild zu sehen. Eine wirklich schöne Geschichte, deren Potential leider nicht vollständig genutzt wird: 7/10 Punkte.

Whitney – Season 1

Eigentlich wollte ich in die Serie nicht reinschauen, doch da mir noch eine Sitcom im Programm fehlte und die erste Staffel komplett auf Hulu verfügbar ist, habe ich „Whitney – Season 1“ doch noch eine Chance gegeben. Ob sich das Reinschauen gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Zu Beginn der Staffel dachte ich wirklich nicht, dass ich durchhalten würde. Eine typische Pärchen-Comedy mit nur allzu bekannten Charakteren und Situationen. Doch nach ein paar Episoden stellte sich der übliche Gewöhnungseffekt ein und die Figuren samt ihrer Eigenheiten sind mir ans Herz gewachsen. Besonders die offen zelebrierte Selbstironie von Autorin und Hauptdarstellerin Whitney Cummings macht die Serie sympathisch. Auch Gaststars, wie z.B. John Cleese, dürfen bewundert werden. Überhaupt hat sich die Serie in der zweiten Hälfte ziemlich gesteigert und so haben die Autoren u.a. auch aktuellere popkulturelle Anspielungen, wie z.B. auf „Drive“, in die Dialoge eingebaut.

Man darf sich natürlich nichts vormachen: Die einzelnen Handlungselemente entspringen allesamt dem Sitcom-Baukasten, doch Wortwitz ist durchaus vorhanden und die größtenteils sympathischen Charaktere laden zum Mitlachen ein. Wer also den neuen Stern am Comedy-Himmel sehen möchte, der sollte um „Whitney“ lieber einen großen Bogen machen. Wer allerdings eine nette Sitcom für Zwischendurch sucht, der darf ruhig einmal reinschauen: 7/10 (6.9) Punkte.

Hugo Cabret – OT: Hugo

Gestern Abend habe ich endlich Martin Scorseses großen Oscar-Film „Hugo Cabret“ gesehen. Der Film hatte mich bereits während seiner Kinoauswertung gelockt, doch habe ich es – wie so oft in letzter Zeit – einfach nicht ins Kino geschafft. Da die opulente Optik die große Leinwand und wache Sinnesorgane fordert, war ich gespannt wie der Film nach einer harten Arbeitswoche im kleinen Heimkino wirkt… Spoiler sind zu erwarten.

Im Vorfeld hatte ich bereits einiges über den Film gelesen: ungewöhnlich sei er für Scorsese, ein Bilderrausch und eine Liebeserklärung ans Kino. Ich wusste also ziemlich genau was ich zu erwarten hatte und bekam das in der ersten Filmhälfte auch zu sehen. Ein visuell beeindruckendes Abenteuer, das so gar nicht nach Scorsese aussah. Die Bilderwelten ließen mich eher an Jean-Pierre Jeunet (u.a. „Mathilde: Eine große Liebe“) denken, dessen überzeichneter und artifizieller Stil eine ganz eigene Handschrift erkennen lässt. Dennoch wirkt „Hugo Cabret“ nicht wie ein Jeunet-Film, da er nie dessen Grad an Skurrilität erreicht. Trotz aller Schauwerte bleibt die Handlung recht bodenständig und die Magie entspringt vor allem der kindlichen Wahrnehmung und den Bilderwelten des Kinos an sich.

So visuell imposant die erste Filmhälfte auch inszeniert ist, so wenig passiert inhaltlich. Man lernt Hugos Umgebung kennen und erfährt von seiner Vergangenheit. Davon abgesehen lässt sich die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen. Auch der emotionale Zugang zum Film ist aufgrund der bewusst inszenierten Künstlichkeit nicht einfach. Nur in bestimmten Momenten gelingt es den Charakteren zum Zuschauer durchzudringen. In der zweiten Filmhälfte jedoch eröffnet der Film eine ganz neue Welt…

Im Vorfeld hatte ich mich stets gefragt wo Scorsese denn in diesem Kinder- bzw. Jugendfilm die Liebeserklärung ans Kino untergebracht haben soll. Als aufgelöst wurde, dass es sich bei Hugos Antagonist um Georges Méliès handelt und man Ausschnitte aus dessen Lebensgeschichte in bunten Bilder vorgeführt bekommt, hat der Film in meinen Augen deutlich an Qualität und Bedeutung gewonnen. Was nun folgt ist tatsächlich eine Liebeserklärung ans Kino, die in eine ungewöhnliche Rahmenhandlung verpackt wurde.

Die Bewertung des Films fällt mir nun nicht leicht. Einerseits war es ein fantastisches audiovisuelles Erlebnis, das mich besonders mit den Rückblenden von Georges Méliè Leben sehr gut unterhalten hat. Andererseits haben mich Charaktere und Geschichte auch erstaunlich kalt gelassen, was aber auch an meiner doch recht müden Verfassung gelegen haben mag. Insofern entscheide ich mich für die bessere der beiden Wertungsstufen und kann jedem Kinofreund nur empfehlen sich selbst eine Meinung zu bilden: 8/10 Punkte.

Eureka – Season 5

Mit dieser Staffel heißt es von einer der sympathischsten Serien in meinem Programm Abschied nehmen. SyFy setzt den Dauerbrenner mit „Eureka – Season 5“ ab, was wohl eine große Lücke im Programm des Spartensenders hinterlassen dürfte. Auch ich werde die Abenteuer in der nerdigen Kleinstadt vermissen…

Wie bereits in der vierten Staffel setzt „Eureka“ auch im fünften Jahr – ganz im Gegensatz zu den vorangegangenen Staffeln – auf einen episodenübergreifenden Handlungsbogen. Natürlich wird immer noch die typische Katastrophe-der-Woche eingestreut, doch insgesamt hat sich die Serie weiterentwickelt. Die Idee des Zeitsprungs nach der Astraeus-Mission fand ich enorm unterhaltsam und ich hätte gerne noch mehr in dieser Richtung gesehen. Leider wurde dieser Handlungsstrang zu schnell aufgelöst. Die Bedrohung der fleischgewordenen NPCs in der zweiten Staffelhälfte war dagegen wenig innovativ und lässt den bekannten Witz und Ideenreichtum der Serie vermissen.

Das eigentliche Finale präsentiert uns letztendlich wieder eine typische Katastrophe-der-Woche, was nicht sonderlich spannend ist, doch einfach zur Serie passt. Zudem hat jeder wichtige Charakter noch einen kurzen Gastauftritt und die Endgültigkeit, welche die gesamte Episode über der Serie hängt, strahlt exakt die Melancholie aus, die solch ein Serienfinale benötigt. Nicht perfekt, aber durchaus angemessen. Besonders da man nach den letzten Einstellungen das Gefühl hat sofort wieder mit der ersten Staffel beginnen zu können.

Insgesamt hat mir auch dieser Ausflug nach „Eureka“ gut gefallen. Auch wenn die Serie ihren Höhepunkt bereits überlebt hat, so werde ich sie nächstes Jahr dennoch vermissen. Sympathische und seichte Unterhaltung abseits der ausgetretenen Pfade: 7/10 (7.4) Punkte.

Küss den Frosch – OT: The Princess and the Frog (2009)

Meine letzte Filmsichtung liegt inzwischen schon wieder drei Wochen zurück und somit habe ich beschlossen heute auf jeden Fall einen Film zu sehen. Komme was wolle. Es kaum auch, was wollte – und somit war die Sichtung von Disneys „Küss den Frosch“ alles andere als entspannt. Vermutlich ist es aber auch prinzipiell keine gute Idee nach einem viel zu langen Tag die Schnullerentwöhnung einzuleiten und dann noch zu denken man könne in Ruhe einen Film schauen…

Trotz mehrerer Unterbrechungen und Ablenkungen habe ich den Film sehr genossen. Disneys Rückkehr zur klassischen Animation ist wahrlich schön anzuschauen und klingt – Randy Newman sei Dank – einfach nur großartig! Zwar hatte ich vor einiger Zeit den Trailer gesehen, doch überraschte mich die Handlung von „The Princess and the Frog“ in großen Teilen doch ziemlich. Erwartet hatte ich die klassische Abhandlung des Märchens, nur eben mit Südstaaten-Setting. Den Twist in der Geschichte fand ich somit äußerst unterhaltsam und – auch wenn die weitere Handlung natürlich recht vorhersehbar ist – erstaunlich eigenständig erzählt.

Die Animation ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Zwar werden durchaus etliche CGIs eingesetzt und auch Licht sowie VFX wirken sehr modern, doch die Charaktere selbst lassen den Charme älterer Disney-Klassiker aufleben. Psychedelische Voodoo-Tänze und beschwingte Jazz-Nummern wechseln sich ab und bieten somit beste Unterhaltung für nahezu jede Zielgruppe. Bezaubernd für große und kleine Zeichentrickfreunde, wenngleich der Film für die jüngsten Zuschauer recht düster und teils sogar traurig geraten ist. Verehrte FSK, really?

Auch wenn der Film nicht an die ganz großen Klassiker heranreicht, so hatte ich doch enorm viel Spaß mit ihm. Für die nächste Sichtung erhoffe ich mir bessere äußere Umstände (d.h. weniger Müdigkeit und schreiende Kinder), doch selbst unter erschwerten Bedingungen kann ich „Küss den Frosch“ nur jedem Animationsfreund ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Damages – Season 1

Jede Serie hätte es nach dem „Six Feet Under“-Marathon schwer gehabt. Also habe ich mit „Damages – Season 1“ begonnen eine Serie zu verfolgen, für die sich meine Hoffnungen ohnehin in Grenzen hielten. Eine Anwaltsserie erschien mir nicht sonderlich spannend. Das Genre rangiert bei mir ohnehin nur knapp vor Medical Drama. Aufgrund der guten Kritiken und des günstigen Preises für die Blu-ray hatte ich dennoch zugeschlagen – und sollte reich belohnt werden…

Meine erste Drama-Serie, die ich mehr oder weniger regelmäßig verfolgt habe, dürfte 1998 wohl „Ally McBeal“ bei der deutschen Erstausstrahlung gewesen sein. So toll ich die Serie damals auch fand, so konnte ich danach keine Anwaltsserien mehr sehen. Selbst der inoffizielle Nachfolger „Boston Legal“ hat mich aufgrund der starren Fall-der-Woche-Struktur ziemlich gelangweilt. Seitdem habe ich das Genre gemieden und hätte folglich nicht erwartet, wie sehr mich „Damages“ mitreißt. Am liebsten hätte ich die gesamte Staffel ohne Unterbrechung gesehen – und obwohl bei mir noch weitere Serien auf ihre Sichtung warten, habe ich kurz vor dem Finale bereits die beiden nachfolgenden Staffeln, die es leider nicht auf Blu-ray gibt, geordert.

Die Struktur der Serie lädt von Anfang an zum Mitfiebern ein: In körnigen Bildern wird uns die Haupfigur Ellen Parsons, gespielt von Rose Byrne, präsentiert. Sie ist blutverschmiert und bewegt sich wie in Trance. Von diesem Ausgangspunkt wird die Geschichte in langen Rückblenden erzählt, gegen Ende der Staffel nimmt jedoch die Handlung in der Gegenwart einen immer größeren Stellenwert ein. Durch diesen dramaturgisch einfachen und doch äußerst effektiven Kniff baut die Serie eine Spannung auf, der man sich nur schwer entziehen kann. Langweiliges Anwaltsgerede muss man in „Damages“ nicht über sich ergehen lassen, dafür gibt es spannende Wendungen und Intrigen. Die gut geschriebenen – und vor allem gut gespielten (u.a. Glenn Close oder Ted Danson) – Charaktere sind allesamt keine keine Heiligen und kämpfen, sehr zur Freude der Zuschauer, mit harten Bandagen.

„Damages“ ist eine dieser treibenden Serien, für die man sich am besten ein langes Wochenende reservieren sollte. Erinnerungen an so manche „24“-Staffel oder auch „Dexter“ und Co. werden wach. Auch wenn es wohl keine Serie ist, die mich über ihre Laufzeit hinaus beschäftigen wird, so hat sie mich während der Sichtung doch unerwartet gut unterhalten. Dafür eine mehr als nur dicke Empfehlung: 9/10 (8.6) Punkte.

Legende – Director’s Cut – OT: Legend (1985)

Ich mochte das Fantasykino schon immer. Bis jedoch Peter Jacksons Mammutwerk in die Kinos kam, musste man sich mit Filmen der 80er begnügen. Diese waren teils grandios (z.B. „Willow“), teils aber auch ziemlicher Unfug (z.B. „Krull“). Auch Ridley Scott hatte sich mit „Legende“ am Genre versucht und es fiel mir schon damals schwer den Film einzuordnen. Seit Beginn des DVD-Zeitalters habe ich den Film jedoch stets gemieden, da ich auf eine Veröffentlichung des Director’s Cuts wartete – gestern war es dann endlich soweit…

Wenn man den Film mit drei Wörtern beschreiben wollte, dann am besten mit diesen: Einhörner, Glitzerstaub und Seifenblasen. Der Film besitzt eine beinahe schon verstörend traumhafte Atmosphäre. Seien es nun die sonnendurchfluteten Wälder am Anfang oder die Festung der Dunkelheit am Ende des Films, Ridley Scott ist es abermals gelungen einem Genre durch einen eindeutigen visuellen Stil seinen Stempel aufzudrücken – und dieser beinhaltet in diesem Fall eben Einhörner, Glitzerstaub und Seifenblasen. Obwohl die Bilder nahezu komplett künstlich erschaffen wurden, wirken sie doch lebendig – nur eben anders als die uns bekannte Welt. Scott hat mit „Legende“ eine tatsächliche fantastische Welt geschaffen, die auch heute noch beeindrucken kann.

Neben der visuellen Präsentation gibt es natürlich noch die Handlung des Films und in dieser sind leider auch alle Schwachpunkte zu finden. Im Prinzip wird die älteste aller Geschichten erzählt: Gut gegen Böse, das Licht gegen die Dunkelheit. Mehr gibt es nicht. Natürlich bietet der Film Interpretationsebenen und man mag Lilis sexuelles Erwachen in ihrer Begegnung mit Darkness sehen, doch letztendlich begleitet man nur Tom Cruise als Waldjungen Jack, der sich auf macht um seine Prinzessin zu retten. Die Faszination ergibt sich einzig und allein durch die Bilder (z.B. die verstörende Gefägnisszene oder Lilis Tanz) und weder Handlung noch Charaktere können auch nur annähernd mit diesen mithalten.

Da meine Sichtung des europäischen Kinocuts bereits zu lange zurückliegt, konnte ich Handlungserweiterungen des Director’s Cuts nur bedingt ausmachen. Er wirkt auf mich noch etwas düsterer, aber da mag ich mich auch täuschen. Freunde des Fantasykinos sollten Ridley Scotts kitschig-düsteren Ausflug zu den Wurzeln des Genres auf jeden Fall gesehen haben. Der Film ist teils irritierend, größtenteils unterhaltsam und stets ein Augenschmaus: 7/10 Punkte. Die Einhörner haben mir jedoch in „Blade Runner“ besser gefallen…