Bad Banks – Staffel 1

Nach dem längeren Ausflug in die düstere Welt von „The Leftovers“ habe ich mich, im Gegensatz zu allen anderen Serien-Fans, nicht nach Westeros aufgemacht, sondern nach Frankfurt begeben. Dort finden sich im Rahmen von „Bad Banks – Staffel 1“ beinahe ebenso viele Intrigen und Machtspiele, wie in der momentanen Hype-Serie. Warum dies nicht der einzige Grund ist, der euch dazu bewegen sollte, einmal einer deutschen Serie eine Chance zu geben, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Meine Beziehung zur deutschen TV-Serie

Als ich von der Serie hörte bzw. las, war ich zunächst skeptisch. Deutsches Fernsehen. Damit verbinde ich am ehesten noch den drögen „Tatort“ am Sonntagabend. Ein Phänomen, das sich mir bis heute nicht erschließt. Auch andere hoch gehandelte deutsche Serien, wie „Stromberg“ oder „Pastewka“, haben es bei mir nicht geschafft, sich wirklich als herausragend zu etablieren. Eben auch weil die Originale bzw. deren US-Versionen, sprich „The Office“ und „Curb Your Enthusiasm“, so viel gelungener sind als unsere Ableger. Die letzte originelle deutsche Serie, die ich wirklich regelmäßig verfolgt habe, dürfte Anfang der 2000er wohl „Berlin, Berlin“ gewesen sein. Davor ist mir nur „Das Boot“ aus dem Jahr 1981 als bemerkenswert im Gedächtnis geblieben. Die neue Welle deutscher Serien diverser Streaming-Portale ist bisher an mir vorbei gegangen. Somit war ich umso neugieriger, ob diese Koproduktion des ZDF mit ARTE meine Wahrnehmung der deutschen TV-Serie tatsächlich ändern kann.

In die Abgründe der Finanzbranche

Schon während der ersten Episode wird klar, dass sich „Bad Banks“ zumindest audiovisuell stark an internationalen Serienproduktionen orientiert. Sei es das Color-Grading, die Kameraarbeit oder die Schnittfrequenz. Alles schreit nach modernen Sehgewohnheiten – und das meine ich durchaus positiv. Auch inhaltlich hätte diese Serie wohl in jedem anderen Land entstehen können, jedoch passt diese kühle, abgeklärte Darstellung der Finanzwelt schon ziemlich gut als Thema für eine Serie aus Deutschland – auch wenn dies nur ein weiteres Klischee bestätigt. Am meisten ist mir der Ursprung der Serie bei den SchauspielerInnen aufgefallen. Die Mischung aus bekannten Gesichtern und frischen Newcomern geht voll und ganz auf: Paula Beer ist in der Hauptrolle großartig und schafft es ihren Charakter in etlichen Nuancen einerseits zerbrechlich und sorgenvoll, andererseits machthungrig und kalkulierend darzustellen. Mit Désirée Nosbusch, Tobias Moretti und Jörg Schüttauf ergänzen deutsche Schauspielgrößen das Ensemble, die hier Nebenrollen mit dem nötigen Gewicht ausstatten. Alles in allem wirklich sehr gelungen.

Inhaltlich orientiert sich die Serie am Trend der vergangenen Jahre, eher Antihelden in den Mittelpunkt zu rücken. Klar, eine Jana Liekam ist noch kein Walter White, doch auch sie greift teils zu drastischen Mitteln, um ihre Ziele zu erreichen. Statt dem Aufstieg zum Drogenbaron sind es natürlich eher White-Collar-Verbrechen, doch sind diese weniger verwerflich? Nur weil man weniger von körperlicher Gewalt gebraucht macht? Hier könnte die Serie noch mehr in die Vollen gehen und die Schicksale der Betroffenen zeigen, die durch Bilanzfälschungen, faule Kredite usw. ruiniert werden. Andererseits wäre das auch sehr plakativ und würde eventuell die bewusst inszenierte Distanz aufbrechen. Potenzial für eine zweite Staffel ist definitiv vorhanden.

Fazit

Ja, die erste Staffel von „Bad Banks“ wird ihrem Ruf tatsächlich gerecht. Auch ich mit meiner eher schwierigen Beziehung zu deutschen TV-Produktionen (siehe oben) muss neidlos zugeben, dass die AutorInnen rund um Oliver Kienle hier einen wirklich sehr sehenswerten Finanz-Thriller in Episodenform geschaffen haben. Selbst Skeptikern kann ich nur empfehlen, hier mehr als einen Blick zu riskieren: 9/10 (8.5) Punkte.

The Leftovers – Season 1 to 3

In den letzten Monaten habe ich mich einmal wieder einem Serien-Großprojekt gewidmet. Groß eher aufgrund des Inhalts und weniger aufgrund der doch recht kompakten drei Staffeln bzw. 28 Episoden. Die Rede ist von „The Leftovers“. Der HBO-Serie eilt der Ruf voraus sehr düster zu sein. Extrem düster. Und ja, das ist sie auch. Was die Serie des „Lost“-Autoren Damon Lindelof sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden, spoilerfreien Besprechung…

The Leftovers – Season 1 to 3 | © Warner Home Video

The Leftovers – Season 1 to 3 | © Warner Home Video

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This Is Us – Season 2

Obwohl ich mich immer wieder kritisch über die aktuelle Übermacht der Streaming-Dienste äußere, so muss ich an dieser Stelle doch auch kundtun, dass ich mich sehr über die Veröffentlichung von „This Is Us – Season 2“ bei Prime Video gefreut habe. Dieses wunderbar emotional erzählte Familien-Drama hat mir bereits in seinem ersten Jahr extrem gut gefallen und ich kann schon einmal verraten, dass auch die zweite Staffel bei mir voll ins Schwarze getroffen hat.

This Is Us – Season 2 | © NBC

This Is Us – Season 2 | © NBC

Abschied, Trauer, Familie und Leben

Der Geist, der das Leben der Familie Pearson bereits während der ersten Staffel heimgesucht hat, dominiert auch das zweite Jahr. Der Tod des Vaters (gespielt von Milo Ventimiglia) Ende der 90er Jahre strahlt mit voller Kraft in die Gegenwart der Familie. Anfangs dachte ich noch, dass mich dieser starke Fokus auf einen Todesfall nerven würde, doch haben die Autoren einen guten Weg gefunden, die restlichen Handlungsstränge mit diesem emotionalen Kern zu verknüpfen. Als Zuschauer kann man sich folglich darauf einstellen, dass in vielen Episoden kein Auge trocken bleibt. Wem dieser starke Fokus auf Gefühle abschreckt, der sollte wohl einen weiten Bogen um „This Is Us“ machen. Allerdings verpasst ihr dann eine wunderbar geschriebene und großartig gespielte Serie.

In den Handlungssträngen der Gegenwart, hadern die drei Geschwister nicht nur mit den Erinnerungen an den Tod ihres Vaters, sondern haben mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Das ist teils sehr unterhaltsam (z.B. gibt es Gastauftritte von Silvester Stallone und Ron Howard), größtenteils überwiegt aber auch hier das Drama. Gerade Kevins Geschichte fand ich fast ein wenig zuviel des Guten, doch haben die Autoren auch hier den Bogen gut hinbekommen. Insgesamt würde ich mir ab und zu dennoch ein wenig mehr Leichtigkeit wünschen, aber vermutlich ist „This Is Us“ einfach nicht diese Art von Familienserie. Für mich gliedert sie sich irgendwo zwischen „Six Feet Under“ und „Parenthood“ ein – und das meine ich weniger auf qualitativer Ebene, sondern eher aufgrund der behandelten Themen und der inhaltlichen Schwerpunkte. Grandios sind alle drei Serien. Jede auf ihre Art und Weise.

Fazit

Auch die zweite Staffel von „This Is Us“ hat mich wirklich gepackt. Eine Familienserie, wie man sie sich nur wünschen kann. Große Emotionen, stark geschrieben und ebenso stark gespielt. Der Ausblick auf die dritte Staffel war mir beinahe schon ein wenig zu dramatisch, doch ich bin mir sicher, dass die Autoren auch hier das richtige Maß finden werden. Ich für meinen Teil freue mich schon sehr darauf: 9/10 (9.3) Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2

Es ist passiert: Ich habe die beste Serienstaffel gesehen, seit ich dieses Blog betreibe. Und nein, ich habe nicht noch einmal „The Wire“ oder „The West Wing“ geschaut. Welcher Serie gebührt dann diese Ehre? Nachdem ich schon die erste Staffel großartig fand, hat mich „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2“ voll und ganz überzeugt. In meinen Augen ist es nahezu die perfekte Serienstaffel. Warum das so ist, bringe ich euch in der folgenden Besprechung nahe…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

Ein Feuerwerk an spritzigen Dialogen

Schon seit „Gilmore Girls“ wissen wir, dass Amy Sherman-Palladino großartige Dialoge schreiben kann. Auch die erste Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ hat in dieser Hinsicht voll und ganz überzeugt – und ja, die Charaktere und ihre Dialoge sind es auch, welche das zweite Jahr der Serie so überragend machen. Sie sind noch schneller, noch pointierter und werden noch schmissiger vorgetragen. Dabei liegt der Fokus nicht mehr nur auf den beiden famosen Hauptfiguren Midge Maisel (Rachel  Brosnahan) und Susie Myerson (Alex Borstein), sondern auch die Nebenfiguren bekommen deutlich mehr Zeit und Tiefe spendiert. Allen voran natürlich die Eltern, welche ganz famos von Marin Hinkle und Tony Shalhoub verkörpert werden.

Die Staffel startet mit einem Ausflug nach Paris, der nicht nur eben schnell in einer Episode abgehandelt wird, um Schauwerte zu schaffen, sondern der essenziell für die Beziehungen der Figuren (speziell von Rose und Abe Weissman) untereinander sowie ihre Charakterentwicklung und Motivation in der weiteren Staffel ist. Dieser äußerst unterhaltsame Auftakt wird im weiteren Verlauf noch durch die drei in den Catskills spielenden Urlaubsepisoden übertroffen, die in ihrem Mikrokosmos einfach nur herrlich absurd sind. Auch in der zweiten Hälfte der Staffel weiß die Serie durch kunterbunte Tour-Erlebnisse und TV-Auftritte unserer Comedienne zu überzeugen.

Eine wunderbare Ensemble-Serie

Wie bereits erwähnt, bekommen auch die Nebenfiguren mehr Platz eingeräumt, was vermutlich auch den zwei zusätzlichen Episoden zu verdanken ist. Gerade Miriams Vater Abe Weissman muss hier einiges durchmachen, das sein Weltbild gehörig durcheinander würfelt. Tony Shalhoub spielt die Figur so stoisch, dass es eine wahre Freude ist – zumindest bis er dann doch einmal explodiert. Wirklich großartig. Doch auch Joel, seine Eltern oder Neuzugang Benjamin (gespielt von Zachary Levi, bekannt aus der TV-Serie „Chuck“) bekommen alle genügend Screentime, um ihre Charaktere zu entwickeln. Hier hat das Autorenteam rund um Amy Sherman-Palladino wirklich eine gute Balance gefunden.

Neben den inhaltlichen Vorzügen, weiß die Serie vor allem durch ihren Look zu überzeugen. „The Marvelous Mrs. Maisel“ sieht einfach unfassbar gut aus! Etliche Cold-Openings starten mit an Musicals erinnernden Sequenzen, die wunderbar pompös inszeniert sind. Doch auch die restliche Ausstattung, Kostüme, Kamera- und Lichtarbeit sucht ihresgleichen. Ein Augen- und Ohrenschmaus, der in Kombination mit den inhaltlichen Aspekten wahrlich den Eindruck einer perfekten Serie hinterlässt.

Fazit

Die zweite Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ setzt für mich neue Maßstäbe, was serielles Erzählen angeht. Eine der wenigen Serien, an denen ich nichts aussetzen kann. Ich habe jede einzelne Szene genossen und mag einfach nicht glauben, dass ich Mrs. Maisel schon wieder verlassen muss. Bis zur nächsten Staffel vergeht bestimmt noch ein Jahr und ich vermisse sie jetzt schon. Ganz große Serienliebe: 10/10 (9.8) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

The Goldbergs – Season 1

Wie lange habe ich gewartet, endlich diese Serie zu sehen. Seit ich 2013 das erste Mal auf Inishmores Blog davon gelesen habe, war ich heiß auf die Show. In Deutschland gibt es nur die erste Staffel (völlig überteuert) auf DVD und auch Streaming-Dienste haben sie nicht im Programm. Doch in UK wurde ich endlich fündig und habe mir voller Zuversicht „The Goldbergs – Season 1“ sowie die folgenden drei Staffeln gekauft. Ob sich diese Investition in meine Serien-Zukunft auch wirklich gelohnt hat?

The Goldbergs – Season 1 | © Sony Pictures Home Entertainment

The Goldbergs – Season 1 | © Sony Pictures Home Entertainment

„Wunderbare Jahre“ in den 80ern

Selten habe ich mich in einer Serie so schnell zu Hause gefühlt. Charaktere, Ton und Humor haben bei mir sofort geklickt. Ich bin unglaublich schnell Teil der Familie Goldberg geworden. Das ist bei der Serie auch bitter nötig, denn viele Running Gags zünden erst, wenn man wirklich drin ist. Zum Lachen gesellte sich dann auch schnell der Gedanke: „Ach, typisch Murray (oder Beverly oder…)!“ Man wird als Zuschauer in viele Insider-Gags mit einbezogen, was sich durch die kurzen Video-Clips aus der Kindheit des echten Adam F. Goldberg am Ende jeder Episode noch einmal verstärkt. Auch wenn bestimmt viele Geschichten dramatisch überhöht wurden, so entsteht dadurch ein Gefühl von Authentizität. Ich habe mich teils stark an meine eigene Kindheit erinnert gefühlt, die natürlich viel weniger amerikanisch, jüdisch und leider auch weniger popkulturell abgelaufen ist, doch eine Verbindung ist definitiv vorhanden.

Die Serie wird durch die Erzählstimme des erwachsenen Adam Goldberg – gesprochen von Patton Oswalt (Spence Olchin, „The King of Queens“) – begleitet, was uns ohne Zweifel an eine andere große Coming-of-Age-Serie erinnert: „Wunderbare Jahre“. Dieses Kleinod hat es in Deutschland, aufgrund von Rechteproblemen, ja bis heute nicht auf DVD geschafft. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass es „The Goldbergs“ gelingt, den Geist des Vorbilds zu treffen und gar wunderbar in die 1980er Jahre zu übertragen. Ich liebe es, dass der Humor manchmal zwar platt ist, aber dennoch stets echte Emotionen im Vordergrund stehen. Die Serie nimmt ihre Charaktere ernst und man fühlt als Zuschauer mit ihnen. Hinzu kommt, dass die popkulturellen Referenzen nie aufgesetzt wirken, sondern ein elementarer Teil der Handlung sind. Ich denke hier alleine an die großartige Episode „Goldbergs Never Say Die!“, welche eine liebevolle Hommage an „Die Goonies“ darstellt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war es um mich geschehen… ❤

Fazit

Ja, „The Goldbergs“ ist genau die Serie, die ich mir erhofft hatte. Umso mehr freue ich mich darüber, dass ich die verrückte Familie über mindestens drei weitere Staffeln begleiten kann. Genau die richtige Dosis an popkulturellen Referenzen, gepaart mit teils herzergreifenden Momenten und einem wunderbar eingefangenen Zeitkolorit der 1980er Jahre. Für mich zweifellos die beste Half-Hour-Comedy-Serie der letzten Jahre: 9/10 (9.1) Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1

Wieder einmal war ich auf der Suche nach einer neuen Serie. Zwar stehen im Regal noch ein paar größere Brocken, doch wollte ich mich momentan nicht über mehrere Staffeln an eine Serie binden. Da ich kürzlich von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ positiv überrascht wurde, ist die Wahl mit „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1“ auf eine weitere Amazon-Produktion gefallen. Für mich ein wahrer Glücksgriff, denn die Serie sticht nahezu alles aus, was ich in letzter Zeit gesehen haben…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

Ein neuer Hit der „Gilmore Girls“-Autorin

Die Serie ist mir schon öfter untergekommen und speziell die Tatsache, dass sich Amy Sherman-Palladino dafür verantwortlich zeichnet, hat mich neugierig gemacht. Die kürzliche Besprechung im Sneakpod war dann der endgültige Auslöser, auch wirklich einmal reinzuschauen. Und was soll ich sagen? Ich bin so begeistert wie schon lange nicht mehr. Selbst das gehypte und erst kürzlich geschaute „Westworld“ oder die positive Überraschung „Jack Ryan“ können damit nicht mithalten. Natürlich ist ein Vergleich über Genres hinweg schwierig, doch liest man von den anderen aktuellen Serien so viel und von „The Marvelous Mrs. Maisel“ verhältnismäßig wenig. Dabei ist es solch eine moderne, relevante und verdammt unterhaltsame Serie, dass ich nicht genug lobende Worte über sie verlieren kann.

Die Serie behandelt viele Themen: Man kann sie als klassische Aufstiegsgeschichte im Comedy-Bereich lesen, als Emanzipationsdrama, als jüdische Familiengeschichte oder als Komödie. Es steckt unglaublich viel in „The Marvelous Mrs. Maisel“ und doch sind es am Ende die Charaktere und die Dialoge, welche die Serie so besonders machen. Auch der Stil Amy Sherman-Palladinos ist unverkennbar, wenngleich die Serie in ihren Themen und auch der Inszenierung noch einmal drei Stufen erwachsener wirkt als z.B. „Gilmore Girls“. Hinzu kommen die fantastischen Schauspieler: Angefangen bei Rachel Brosnahan als titelgebende Comedienne Midge Maisel über Alex Borstein als Comedy-Club-Managerin Susie Myerson bis hin zu Tony Shalhoub als Midges Vater – die Besetzung ist einfach großartig!

Ich liebe auch die Inszenierung der 1950er Jahre, die mit Leichtigkeit mit der famosen Darstellung aus „Mad Men“ mithalten kann. Es gibt wunderbare Montagen, die mit zeitgenössischer Musik unterlegt werden und man hat das Gefühl, einer lebhaften Zeit des Umbruchs beizuwohnen. Natürlich bewegen wir uns stets in einer Upper-Class-Welt, was stets selbstironisch aufgenommen wird und einen schönen Kontrast zu den wunderbar modern wirkenden Stand-up-Einlagen bildet. Als einzigen Kritikpunkt würde ich die nahezu komplett fehlende Charakterisierung der Beziehung zwischen Midge und ihren Kindern sehen. Diese wirken stets nur wie Kulisse. Aber vielleicht ist das auch Absicht und entspricht der portraitierten Gesellschaft.

Fazit

Auch wenn ich schon vermutet hatte, dass mir „The Marvelous Mrs. Maisel“ gefallen wird, so hätte ich doch nicht damit gerechnet, wie großartig die Serie tatsächlich ist. Die acht Episoden vergehen wie im Flug und ich hätte am liebsten noch viel mehr Zeit mit Midge, Susie und Co. verbracht. Die Serie wurde jedoch bereits um mindestens zwei Staffeln verlängert, worüber ich mich sehr freue. Solltet ihr dieses Jahr nur eine neue Serie schauen, dann gebt dieser hier eine Chance, auch wenn sie oft unter dem Radar läuft. Einfach nur großartig: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

New Girl – Season 6

Kaum zu glauben, aber ich habe tatsächlich einmal wieder eine TV-Serie gesehen. Man merkt, dass der Hochsommer vorbei ist und wir die langen Abende nicht mehr nur auf der Terrasse verbringen. Schade eigentlich. Dennoch hat es auch Vorteile, zumindest ab und zu, wieder vor den Fernseher zu kommen. Um den Wiedereinstieg nicht zu hart zu gestalten, haben wir uns „New Girl – Season 6“ angesehen. Eine nur allzu bekannte Comedy-Serie, die man auch gut noch spät am Abend einschalten kann…

New Girl – Season 6 | © Twentieth Century Fox

New Girl – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Weiterentwicklung und doch mehr vom Gleichen

Wenig überraschend bietet „New Girl“ auch im sechsten Jahr nur wenig Neues. Okay, das stimmt nicht ganz, denn inhaltlich geht es für die Charaktere durchaus weiter. Nach ihrer Hochzeit ziehen Schmidt und Cece in ein Haus, Winston wird Ally heiraten und selbst Jess‘ Vater geht eine neue Beziehung ein. Für Jess und Nick dagegen bleibt alles beim Alten. Und für die anderen Figuren, wenn man ehrlich ist, eigentlich auch. Schließlich ist dieser Status quo auch die Erfolgsformel, nach der die Serie operiert. Das ist durchaus unterhaltsam, doch lockt dieses Rezept nach sechs Jahren eben niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Fazit

Wer im Vorjahr Spaß mit „New Girl“ hatte, der wird dem bunten Treiben auch im sechsten Jahr etwas abgewinnen können. Alle anderen haben eh schon längst abgeschaltet. Ich für meinen Teil freue mich durchaus, dass man der Serie mit der verkürzten achten Staffel immerhin einen runden Abschluss gönnt – und werde mir auch wieder anschauen: 7/10 (7.3) Punkte.

Life in Pieces – Season 3

Über das letzte halbe Jahr haben wir uns mit eher niedriger Priorität und teils sehr sporadisch „Life in Pieces – Season 3“ anschaut. Eben immer dann, wenn wir schon müde waren und gerade noch 20 Minuten Unterhaltung zum Abschalten brauchten. Hier zeigt sich, dass die Serie bei uns keinen sonderlich hohen Stellenwert einnimmt, warum sich das Einschalten dennoch lohnen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Eigentlich kann ich die Besprechung der zweiten Staffel nahezu vollständig kopieren, denn weiterhin leidet die Serie in meinen Augen am stärksten unter ihrer Aufteilung in leicht verdauliche Häppchen. Nur selten werden die einzelnen Episödchen zueinander in Bezug gesetzt und ich habe immer mehr das Gefühl, einer Sketch-Comedy, die für eine schnelle Pointe geschrieben wurde, zuzusehen. Das ist wirklich schade, denn ein paar der Charaktere haben wirklich Potenzial, werden aber häufig dem billigen Gag geopfert. Das macht teilweise durchaus Spaß, doch im Vergleich zu Comedys oder Sitcoms, die mehr Wert auf Storytelling legen, fällt „Life in Pieces“ schon extrem ab.

Fazit

Wie bereits beschrieben, funktioniert „Life in Pieces“ für mich wunderbar als kleines Häppchen vor dem zu Bett gehen. Ich würde mir jedoch wirklich wünschen, dass die Autoren mehr wert auf eine Verknüpfung der einzelnen Segmente legen. In ihrer jetzigen Form wird die Serie bei mir nie über das Prädikat ‚ganz nett‘ hinauskommen:  7/10 (6.7) Punkte.

Red Oaks – Season 1 to 3

Schon vor geraumer Zeit hatten wir uns die Pilot-Episode von „Red Oaks“ angesehen. Damals konnte sie uns nicht sofort abholen, so dass die Amazon-Produktion wieder aus unserem Programm verschwunden ist. Aufgrund der mehrfachen Empfehlung durch den Sneakpod wollte ich der Serie noch einmal eine Chance geben und siehe da: Wir waren vollends begeistert. Manchmal lohnt es sich eben doch, Serien eine zweite Chance zu geben…

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Staffel 1: Willkommen in den 80ern

In der ersten Staffel lernen wir die Charaktere kennen, die uns unglaublich schnell ans Herz gewachsen sind. Auch im titelgebenden Country-Club „Red Oaks“ fühlten wir uns sofort zu Hause, was auch kein Wunder ist, steht dieser doch im Zentrum nahezu jeder Episode. Besonders großartig fand ich das authentisch wirkende 80er-Jahre-Gefühl, das durch die Serie heraufbeschworen wird. Man wähnt sich schon fast in einem modernen John-Hughes-Film, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Großartig fand ich auch die Body-Switch-Episode „Body Swap“, welche sich trotz der ungewöhnlichen Prämisse wunderbar in die Serienwelt eingliedert. Ein wahrlich großartiges Vergnügen: 9/10 (8.6) Punkte.

Staffel 2: Eine Zeit des Umbruchs

Mit der zweiten Staffel zeigt sich recht deutlich, dass wir die eingeschlagenen Pfade verlassen. Die erste Episode spielt komplett in Paris und spiegelt die Nouvelle Vague sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch wider. Auch in den weiteren Episoden lassen wir „Red Oaks“ als zentralen Schauplatz größtenteils hinter uns und begleiten die nun etablierten Charaktere bei großen Veränderungen in ihrem Leben: sei es die Scheidung von Davids Eltern, neue Beziehungen oder berufliche Umorientierungen. Das große Thema Coming-of-Age wird auf alle Figuren ausgedehnt und jeder macht eine signifikante Entwicklung durch. Das mochte ich wirklich sehr. Dennoch fühlt sich die zweite Staffel nicht mehr ganz so frisch an, wie die erste: 8/10 (8.2) Punkte.

Staffel 3: Der Abschied von „Red Oaks“

In der dritten Staffel haben alle Charaktere noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht: David hat endlich eine Wohnung in New York City, sein Vater eine neue Beziehung, seine Mutter erlebt ihre zweite Jugend und zwischen Wheeler und Misty wird es ernst. Douglas Getty (grandios gespielt von Paul Reiser) versucht das Schicksal von „Red Oaks“ aus dem Gefängnis zu lenken – und man merkt auch als Zuschauer, dass an diesem ursprünglichen Zentrum der Handlung nur noch aus Nostalgie festgehalten wird. Gegen Ende fügen sich alle Handlungsstränge wunderbar schlüssig zusammen und jeder einzelnen Figur wird ein passendes Ende spendiert. Vielleicht ein wenig zu positiv, doch warum auch nicht? Ich mochte das sehr und hätte gerne noch mehr Zeit mit den Figuren verbracht: 9/10 (8.8) Punkte.

Fazit

Mir hat „Red Oaks“ nach dem holprigen ersten Start wirklich extrem gut gefallen. Letztendlich war die Serie genau mein Ding: Coming-of-Age, 80er, Filmbezug – eine ziemlich perfekte Mischung. Die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen und ich kann mit Überzeugung sagen, dass dies die beste Amazon-Serie ist, die ich bisher gesehen habe. Kann ich jedem wirklich nur ans Herz legen: 9/10 (8.5) Punkte.

This Is Us – Season 1

Eigentlich wollte ich mit der Sichtung dieser Serie noch warten bis sie abgeschlossen ist oder zumindest ein paar mehr Staffeln verfügbar sind. Nach der epischen siebten Staffel von „Game of Thrones“ habe ich aber bewusst zu diesem Familiendrama gegriffen, um einen gewissen Gegenpol zu setzen. Nachdem ich nun gut zwölf Stunden mit „This Is Us – Season 1“ verbracht habe, bin ich einerseits froh, die Serie schon jetzt gesehen zu haben, andererseits aber auch nicht, da die Wartezeit bis zur zweiten Staffel unendlich lang werden wird…

This Is Us – Season 1 | © NBC

This Is Us – Season 1 | © NBC

Das Bild einer Familie über mehrere Jahrzehnte

Ich liebe gut geschriebene Familienserien. Seit der letzten Staffel von „Parenthood“ klafft eine Lücke in meinem Programm – und „This Is Us“ schickt sich an, diese gekonnt zu füllen. Tatsächlich erinnert die Serie sehr an Jason Katims famoses Familiendrama, das sich über sechs Staffeln in mein Herz gespielt hat. Sogar so sehr, dass ich fast schon verwundert war, ihn im Abspann nicht als Showrunner verewigt zu sehen. Der Kniff, der „This Is Us“ so besonders macht, ist dabei so einfach wie genial: Die Erzählung über unterschiedliche Zeitebenen ist einfach großartig und funktioniert unglaublich gut. Zudem hat die Serie dadurch Erinnerungen an meine eigene Kindheit und Jugend geweckt. Ganz besonders deshalb, da sich meine Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen und letztendlich bis hin zum Vater über exakt den gleichen Zeitraum erstreckt hat, wie bei den drei Geschwistern der Serie: von den frühen 80ern bis heute. Das verstärkt das Identifikationspotenzial enorm.

Schon nach nur 18 Episoden bin ich großer Fan aller Figuren – und das sowohl auf der heutigen Zeitebene als auch in der Vergangenheit. Die Serie ist unglaublich emotional erzählt und gerade gegen Ende bleibt kein Auge mehr trocken. Wirklich rundum gelungen. Dennoch gibt es auch ein paar Schwachstellen, die glücklicherweise nicht zu sehr ins Gewicht fallen: Teils war mir der Fokus auf die oft sehr dramatischen Handlungselemente ein wenig zu stark. Das hat die Geschichte zwar nach vorne getrieben, aber auch unrealistisch anmutende Schwerpunkte gesetzt. Aber vermutlich erinnert man sich im Leben auch eher an die dramatischen Dinge. Insofern passt diese Erzählweise wiederum sehr gut zur gewählten Form.

Fazit

„This Is Us“ ist eine Serie wie für mich gemacht. In jeder Hinsicht. Wie oben schon angedeutet, finde ich es extrem schade, mit der ersten Staffel bereits abgeschlossen zu haben. Ich vermisse die Charaktere jetzt schon. Sie sind mir ans Herz gewachsen und ich freue mich bereits jetzt auf den Zeitpunkt, wenn es in mit der zweiten Staffel weitergeht. Es wird dann wie nach Hause kommen sein: 9/10 (9.2) Punkte.