The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3

Eigentlich verfolge ich aktuell laufende Serien nicht mehr so gerne und warte lieber darauf, dass sie komplett abgeschlossen sind, bevor ich mich ihnen widme. Es gibt aber eine aktuelle Serie, deren Start ich jedes Jahr kaum erwarten kann: Ob „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3“ an den Erfolg der Vorjahre anknüpfen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🎙

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3 | © Amazon Prime Video

Die beste unterhaltsamste Serie aller Zeiten?

Zunächst einmal die schlechten Nachrichten: Im Gegensatz zur zweiten Staffel gibt es im dritten Jahr, wie bereits in der ersten Staffel, nur acht Episoden zu genießen. Das ist einerseits schade, andererseits hätte ich wohl auch nach 24 Episoden das Gefühl, die Figuren und ihre Welt zu früh zu verlassen. Insofern ist es gut, dass die Autoren sich nicht von äußeren Einflüssen leiten lassen, sondern der Geschichte die Zeit geben, die sie brauchen, um sie auf die bestmögliche Art und Weise zu erzählen. Nachdem die ebenfalls von Amazon produzierte Serie „Tom Clancy’s Jack Ryan“ im Vergleich zum Vorjahr ziemlich abgefallen ist, hatte ich ein wenig Sorge, dass auch „The Marvelous Mrs. Maisel“ nicht mehr ihr extrem hohes Niveau halten können würde. Diese Sorge war jedoch unbegründet, denn was Showrunnerin Amy Sherman-Palladino in dieser Staffel an Dialogwitz und Ausstattung abfeuert ist einfach unfassbar. ❤

Auf Welttournee mit Mrs. Maisel

Hat man sich bereits im zweiten Jahr ein wenig von New York entfernt, so geht es in der dritten Staffel auf Welttournee (auch wenn wir die USA nicht wirklich verlassen). Das sorgt für Abwechslung und schafft zugleich Raum für ganz neue Konflikte sowie komische Situationen. Dabei macht der Handlungsstrang rund um die Tour mit Sänger Shy Baldwin nur einen kleinen Teil der Staffel aus. Weiterhin begleiten wir Midges Eltern Abe und Rose Weissman beim kompletten Verlassen ihrer Komfortzone, was für mich fast schon die amüsantesten Szenen der acht Episoden waren. Doch auch Susies Versuch Sophie Lennon zu managen ist einfach nur ein steter Quell der Freude.

Der präzise geplante Aufbau der einzelnen Episoden hat mich ein wenig an „Seinfeld“ erinnert, speziell was die unglaubliche Dichte an Handlungssträngen und die unfassbar pointierten Dialogen angeht. A propos „Seinfeld“: Mich hat es auch enorm gefreut, Jason Alexander (George Costanza in der Kult-Sitcom) als Abes Jugendfreund in einer doch eher ernsten Rolle zu sehen. Neben den inhaltlichen Vorzügen stechen vor allem die formalen Aspekte heraus, denn „The Marvelous Mrs. Maisel“ sieht und klingt einfach unfassbar gut. Jeder Song ist mit Bedacht gewählt und ich würde am liebsten in diese idealisierten 60er Jahre eintauchen. Großartig!

Fazit

Ja, auch die dritte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ konnte mich von vorne bis hinten überzeugen. Am meisten mochte ich, neben vielen anderen Highlights, vielleicht Midges Date mit Lenny Bruce. Ein kurzer, perfekter Moment. Genauso wie die gesamte Staffel. Schon jetzt steht fest, was die von mir am meisten erwartete Serie 2020 sein wird. Wenn ihr noch nicht reingeschaut habt, dann ist jetzt der perfekte Zeitpunkt. Unfassbar gute Unterhaltung: 10/10 (9.6) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Good Omens – Die komplette Serie (2019)

Momentan überbrücken wir mit kürzeren Serien die Zeit, bis am 6. Dezember die langerwartete dritte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ anläuft. Damit hat es auch endlich die Miniserie „Good Omens“ auf den heimischen Fernseher geschafft. Die Adaption des Romans von Terry Pratchett und Neil Gaiman ist auf knackige sechs Episoden beschränkt, was ein famoses Format für eine Buchverfilmung ist. Ob sich der typische Humor der Autoren gekonnt auf den Bildschirm übertragen ließ? 👼😈

Good Omens (2019) | © Amazon Prime Video

Good Omens (2019) | © Amazon Prime Video

Ein kunterbunter Weltuntergang

Zunächst einmal muss ich vorausschicken, dass ich die Vorlage nicht kenne. Terry Pratchetts Humor ist mir aber bestens vertraut und ich mochte auch die bisherigen BBC-Verfilmungen seiner Scheibenwelt-Romane. Das wundervolle Pratchett-Gefühl überträgt sich auch in dieser Serie von Anfang an auf uns Zuschauer. Herrlich abgefahren und mit verschrobenem Humor durchsetzt. Am meisten hat mich „Good Omens“ jedoch an die kurzlebige Serie „Pushing Daisies“ erinnert. Weniger inhaltlich, aber inszenatorisch. Sie ist extrem verspielt und es gibt unzählige Handlungssprünge, die plötzlich Nebenfiguren ins Zentrum rücken oder kleine Details erzählen, bevor sich wieder der Haupthandlung gewidmet wird. Das ist zwar alles wunderbar anzusehen, doch hatte ich stets das Gefühl, dass diese formalen Aspekte ein tieferes Eintauchen in die Geschichte verhindern.

Auf dem Papier ist „Good Omens“ eine Serie, die ich lieben müsste. Die bei mir all die richtigen Knöpfe drückt. Ich liebe den Humor in den Einzelszenen, die Schauspieler sind famos und auch das Setting, das mich ein wenig an eine harmlose Variante von „Preacher“ erinnert hat, mag ich sehr. Doch irgendwie hat es nicht geklickt. Vielleicht liegt es an der zerfaserten Struktur, die in Romanform vermutlich besser funktioniert, vielleicht an etwas anderem. Ich kann den Finger nicht genau darauf legen, doch so sehr ich manche Aspekte mochte, so wenig hat mich die Serie in ihrer Gesamtheit leider abholen können. Das Finale der Serie hat sich nach etwas unnötigem und schlecht ausgeführtem CGI-Bombast glücklicherweise größtenteils auf die Beziehung zwischen Aziraphale (Michael Sheen) und Crowley (David Tennant) konzentriert, dem ohnehin stärksten Element der Serie. Damit hat „Good Omens“ für mich zumindest ein versöhnliches Ende genommen.

Fazit

Ich hatte mich wirklich auf „Good Omens“ gefreut und wurde von der sechsteiligen Miniserie auch gut unterhalten. Allerdings konnte sie mich nicht so packen und begeistern, wie ich mir das erhofft hatte. Dennoch schön, dass es das Werk von Terry Pratchett und Neil Gaiman auf die große, kleine Leinwand in unseren Wohnzimmern geschafft hat: 7/10 (7.3) Punkte.

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2

Eine der positivsten Serien-Überraschungen im letzten Jahr war für mich die erste Staffel von „Tom Clancy’s Jack Ryan“. Die Amazon-Produktion hat das ein wenig angestaubte Genre des Spionage-Thrillers gekonnt modernisiert und mit dem neuen Jack Ryan einen frischen Heldentypus etabliert. Folglich habe ich mich sehr auf „Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2“ gefreut. Warum die zweite Staffel jedoch nicht an das famose erste Jahr heranreicht, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2 | © Amazon Prime Video

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2 | © Amazon Prime Video

Rückkehr zu bekannten Genre-Konventionen

Das erste, was mir negativ aufgefallen ist, war das Herausschreiben (oder eben nicht) von Jack Ryans Freundin Dr. Cathy Mueller. Es scheint so als hätte es sie nie gegeben. Keine Erklärung. Nicht einmal in einem Nebensatz. Einfach weg. Das ist schlechter Erzählstil und hat zudem ein seltsames Licht auf den Hauptcharakter geworfen, der bei erster Gelegenheit mit einer Unbekannten ins Bett hüpft. Überhaupt scheint sich Jack Ryan eher zum stereotypen Agenten zurückentwickelt zu haben. Dies mag an der persönlich gefärbten Rachegeschichte liegen, aber auch davon abgesehen ist nur noch wenig vom empathischen Helden der ersten Staffel zu spüren. Dies ist schade, hatte der neue Ansatz die gesamte Serie doch gleich viel zeitgemäßer wirken lassen. Der Jack Ryan der zweiten Staffel ist dagegen viel näher am klassischen Heldentypus der 80er/90er Jahre dran.

Der Fall, um den sich Ryan, Greer und Co. dieses Mal kümmern müssen, ist dagegen ziemlich spannend: Ich mochte das Setting in Venezuela und die politischen Verstrickungen samt Kampfeinsatz im Hinterland. Die Nebengeschichte rund um den deutschen Auftragskiller Max Schenkel sowie die von Noomi Rapace gespielte Femme Fatale war mir dagegen viel zu klischeehaft geschrieben sowie für den eigentlichen Plot zu wenig relevant. All das ist toll inszeniert und sieht wirklich nach großem Kino aus, aber inhaltlich tritt die Serie hier oft auf der Stelle. Sobald sich Ryan wieder nach Venezuela begibt, nimmt auch die Serie wieder Fahrt auf. Hier hätte ich gerne mehr Zeit verbracht und dafür die teils unnötigen Nebenschauplätze gestrichen.

Fazit

Auch wenn ich in meiner Besprechung eher die negativen Aspekte herausgehoben habe, so bietet auch die zweite Staffel von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ sehr gute Unterhaltung. Wir haben acht Episoden in nur einer Woche durchgeschaut, was für unsere Verhältnisse wirklich sportlich ist. Ein gutes Zeichen, auch wenn ich mir für die dritte Staffel wieder eine gelungenere Charakterentwicklung sowie ein durchdachteres Drehbuch wünsche: 8/10 (7.7) Punkte.

The Boys – Season 1

Mangels Netflix-Account bin ich oft außen vor, wenn es um neue Hype-Serien geht. Doch nun lief auch auf Prime Video eine neue Serie an, die in aller Munde zu sein scheint: Ob „The Boys – Season 1“ gerechtfertigt so früh in meinem Programm gelandet ist, erzähle ich euch in der folgenden Besprechung… 🦸‍♂️🦸‍♀️

The Boys – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Boys – Season 1 | © Amazon Prime Video

Die Dekonstruktion des Superhelden-Mythos

Ganz neu ist das alles nicht. Spätestens mit Alan Moores „Watchmen“ wurde die Ära der postmodernen Superhelden eingeläutet. Auch die eher witzig-brutale Schiene wurde mit „Kick-Ass“ und Co. bereits im Mainstream-Kino abgedeckt. Nachdem die moderne Kinowelt komplett in Marvel-Hand ist, und spätestens mit Disney+ auch immer mehr Vorstöße in Richtung des kleinen Bildschirms vorgenommen werden, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch hier die Dekonstruktion unserer Helden manifestiert. Noch vor dem Start der „Watchmen“-Serie auf HBO, geht Amazon mit der Comic-Verfilmung „The Boys“ an den Start. Mir war der Comic im Vorfeld noch nicht bekannt, doch bereits der Trailer hat mich stilistisch sehr an die oben genannten Vorbilder erinnert:

In nur acht Episoden (jeweils mit einer knappen Stunde Laufzeit) erzählt „The Boys“ die Geschichte einer Welt, in der Superhelden in unserer Gesellschaft etabliert sind. Sie sind Helden und Medienstars zugleich. Werbefiguren und Influencer. Gesteuert von einem Konzern, der – wie sollte es anders sein? – nur an zwei Dingen interessiert ist: Macht und Geld. Da beides korrumpiert, ist es auch kein Wunder, dass unsere Helden alles andere als Saubermänner und -frauen sind. Eher das Gegenteil. Kein Wunder, dass sich mit den titelgebenden „The Boys“ eine Gegenbewegung formiert hat.

Sex, Drugs and Blood’n’Gore!

Wir nehmen die Welt durch die Augen von Hughie (gespielt von Jack Quaid, Sohn von Meg Ryan und Dennis Quaid) wahr, dessen Freundin von einem Flash-artigen Superhelden namens A-Train wortwörtlich über den Haufen gerannt wurde. Alleine diese Szene setzt gekonnt den Ton für „The Boys“: Ultrabrutal, schockierend und doch comichaft und witzig überzeichnet. Zumindest während der acht Episoden der ersten Staffel wird diese Formel auch nie langweilig. Ich hatte jede Sekunde Spaß mit der Serie, auch wenn der Humor und der damit einhergehende vorgehaltene Spiegel oftmals eher plump und nicht sonderlich subtil eingesetzt werden.

Neben der inhaltlichen Spritzigkeit (auch das ist durchaus wortwörtlich zu nehmen), hat mich speziell die Inszenierung beeindruckt. Effekte und Look entsprechen schon wirklich Kino-Niveau, was auch durch das für Serien noch ungewohnte Cinemascope-Format unterstützt wird. Ziemlich beeindruckend, was Amazon hier auf die Beine gestellt hat. Auch Soundtrack und Schauspieler (u.a. Karl Urban) spielen auf hohem Niveau, was dem Unterhaltungswert definitiv zugute kommt.

Fazit

Ja, „The Boys“ macht unglaublich viel Spaß und ist genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen. Den Superhelden so langsam überdrüssig, kann man sich hier schön an der Dekonstruktion des Genres ergötzen. Das alles wird oft ganz schön mit der Brechstange erzählt, was aber auch den Reiz der Serie ausmacht. Vielleicht nicht der große Überflieger, doch insgesamt extrem unterhaltsam: 8/10 (8.3) Punkte.

Beat – Staffel 1

Nachdem ich von „Bad Banks“ doch ziemlich begeistert war, habe ich mich nach einer weiteren deutschen Serie umgesehen. Aufgrund der durchaus positiven Besprechung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts, habe ich mich für „Beat – Staffel 1“ auf Prime Video entschieden. Dabei hat mich die Serie, als sie angekündigt wurde, eher nicht gereizt: Berliner Nachtleben, die Club-Szene und Techno. Puh. Alles nicht so wirklich meine Themen. Warum mich die Serie dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr hier…

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

BEAT, POP, BPM, LOOP, BACKSPIN, DROP, CODA

Der Regisseur hinter „Beat“ ist für mich kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2008 bin ich durch seine Verfilmung des grandiosen Jugendbuches „Krabat“ auf Marco Kreuzpaintner aufmerksam geworden. Auch in dieser Amazon-Produktion schafft er es beeindruckende Bilder zu finden: Berlin, der Techno-Club, der heruntergekommene Bauernhof und auch die anderen Drehorte sehen einerseits larger-than-life aus, andererseits aber auch nicht übertrieben auf international getrimmt. „Beat“ fühlt sich nach einer deutschen Produktion an – und das meine ich durchaus positiv. Gerade die Club-Szenen mit den wummernden Bässen und einprägsamen Lichteffekten fand ich imposant umgesetzt. Doch auch abgesehen davon, zeigt „Beat“ eindrucksvoll, dass sich die deutsche Serie keineswegs hinter US-Produktionen verstecken muss, ohne dass dieser Vergleich bewusst angestrebt wird.

Doch wie sieht es inhaltlich aus? Auch hier haben mich gerade die Szenen rund um den Techno-Club überzeugt. Das hätte ich so nicht erwartet. Vielleicht auch, weil hier der Fokus gegeben ist und alles zusammenpasst. Davon abgesehen tanzt die Handlung auf zu vielen Hochzeiten: Da gibt es den Club samt seiner Angestellten, den verrückten Serienkiller (auch wenn er niemanden umbringt), die Entführung von Flüchtlingen gepaart mit Organhandel, einen übertrieben bösen Geschäftsmann, die Russenmafia, den Geheimdienst und am Ende wird sogar noch der Bogen zur RAF und damit der deutschen Geschichte gespannt. Puh. Da will die Serie ziemlich viel. Norbert Eberleins Drehbuch ist temporeich geschrieben, alle Versatzstücke gehören irgendwie zusammen, aber dann auch wieder nicht. Oft werden zuvor eingeführte Elemente wieder fallen gelassen oder verpuffen in ihrer unspektakulären Auflösung. Ein Payoff ist nach dem aufwändigen Setup nicht immer gegeben. Durch die dichte Erzählung und die mitreißende Inszenierung, bleibt der Unterhaltungswert jedoch konstant auf sehr hohem Niveau.

Die Stärken dieser deutsche Serie

Nach „Bad Banks“ ist dies nun also schon die zweite deutsche Serie, die mich unerwartet gut unterhalten hat. Dies liegt nicht zuletzt an den unverbrauchten und frischen Schauspielern: Jannis Niewöhner bietet als titelgebender Beat eine – im Rahmen des Drehbuchs – glaubwürdige Leistung und ich bin gerne mit ihm auf diese Reise gegangen. Karoline Herfurth ist wohl der größte Star der Produktion und auch sie schafft es ihrer doch recht klischeehaften Rolle (eben eine typische Ermittlerin) interessante Facetten abzugewinnen. Besonders stark fand ich die Besetzung der Nebenrollen und Bösewichte: Von Kostja Ullmann über Alexander Fehling bis hin zu Karl Markovics werden hier teils beeindruckende Leistungen aufgefahren, die alleine durch das leider teils unbefriedigende Drehbuch limitiert werden.

Fazit

Als kleiner, teils reißerischer bis dreckiger Thriller macht „Beat“ eine wirklich gute Figur. Vermutlich nichts, was länger im Gedächtnis bleibt, doch keineswegs unspektakulärer als internationale Genre-Vertreter. Das Drehbuch war mir zwar zu unfokussiert, doch haben Marco Kreuzpaintners Inszenierung und die famosen Schauspieler einiges wett gemacht. Zwar wird die Serie nicht fortgeführt, doch die Staffel ist in sich relativ gut abgeschlossen, so dass ich eine Sehempfehlung aussprechen kann: 8/10 (7.9) Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2

Es ist passiert: Ich habe die beste Serienstaffel gesehen, seit ich dieses Blog betreibe. Und nein, ich habe nicht noch einmal „The Wire“ oder „The West Wing“ geschaut. Welcher Serie gebührt dann diese Ehre? Nachdem ich schon die erste Staffel großartig fand, hat mich „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2“ voll und ganz überzeugt. In meinen Augen ist es nahezu die perfekte Serienstaffel. Warum das so ist, bringe ich euch in der folgenden Besprechung nahe…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

Ein Feuerwerk an spritzigen Dialogen

Schon seit „Gilmore Girls“ wissen wir, dass Amy Sherman-Palladino großartige Dialoge schreiben kann. Auch die erste Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ hat in dieser Hinsicht voll und ganz überzeugt – und ja, die Charaktere und ihre Dialoge sind es auch, welche das zweite Jahr der Serie so überragend machen. Sie sind noch schneller, noch pointierter und werden noch schmissiger vorgetragen. Dabei liegt der Fokus nicht mehr nur auf den beiden famosen Hauptfiguren Midge Maisel (Rachel  Brosnahan) und Susie Myerson (Alex Borstein), sondern auch die Nebenfiguren bekommen deutlich mehr Zeit und Tiefe spendiert. Allen voran natürlich die Eltern, welche ganz famos von Marin Hinkle und Tony Shalhoub verkörpert werden.

Die Staffel startet mit einem Ausflug nach Paris, der nicht nur eben schnell in einer Episode abgehandelt wird, um Schauwerte zu schaffen, sondern der essenziell für die Beziehungen der Figuren (speziell von Rose und Abe Weissman) untereinander sowie ihre Charakterentwicklung und Motivation in der weiteren Staffel ist. Dieser äußerst unterhaltsame Auftakt wird im weiteren Verlauf noch durch die drei in den Catskills spielenden Urlaubsepisoden übertroffen, die in ihrem Mikrokosmos einfach nur herrlich absurd sind. Auch in der zweiten Hälfte der Staffel weiß die Serie durch kunterbunte Tour-Erlebnisse und TV-Auftritte unserer Comedienne zu überzeugen.

Eine wunderbare Ensemble-Serie

Wie bereits erwähnt, bekommen auch die Nebenfiguren mehr Platz eingeräumt, was vermutlich auch den zwei zusätzlichen Episoden zu verdanken ist. Gerade Miriams Vater Abe Weissman muss hier einiges durchmachen, das sein Weltbild gehörig durcheinander würfelt. Tony Shalhoub spielt die Figur so stoisch, dass es eine wahre Freude ist – zumindest bis er dann doch einmal explodiert. Wirklich großartig. Doch auch Joel, seine Eltern oder Neuzugang Benjamin (gespielt von Zachary Levi, bekannt aus der TV-Serie „Chuck“) bekommen alle genügend Screentime, um ihre Charaktere zu entwickeln. Hier hat das Autorenteam rund um Amy Sherman-Palladino wirklich eine gute Balance gefunden.

Neben den inhaltlichen Vorzügen, weiß die Serie vor allem durch ihren Look zu überzeugen. „The Marvelous Mrs. Maisel“ sieht einfach unfassbar gut aus! Etliche Cold-Openings starten mit an Musicals erinnernden Sequenzen, die wunderbar pompös inszeniert sind. Doch auch die restliche Ausstattung, Kostüme, Kamera- und Lichtarbeit sucht ihresgleichen. Ein Augen- und Ohrenschmaus, der in Kombination mit den inhaltlichen Aspekten wahrlich den Eindruck einer perfekten Serie hinterlässt.

Fazit

Die zweite Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ setzt für mich neue Maßstäbe, was serielles Erzählen angeht. Eine der wenigen Serien, an denen ich nichts aussetzen kann. Ich habe jede einzelne Szene genossen und mag einfach nicht glauben, dass ich Mrs. Maisel schon wieder verlassen muss. Bis zur nächsten Staffel vergeht bestimmt noch ein Jahr und ich vermisse sie jetzt schon. Ganz große Serienliebe: 10/10 (9.8) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1

Wieder einmal war ich auf der Suche nach einer neuen Serie. Zwar stehen im Regal noch ein paar größere Brocken, doch wollte ich mich momentan nicht über mehrere Staffeln an eine Serie binden. Da ich kürzlich von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ positiv überrascht wurde, ist die Wahl mit „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1“ auf eine weitere Amazon-Produktion gefallen. Für mich ein wahrer Glücksgriff, denn die Serie sticht nahezu alles aus, was ich in letzter Zeit gesehen haben…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

Ein neuer Hit der „Gilmore Girls“-Autorin

Die Serie ist mir schon öfter untergekommen und speziell die Tatsache, dass sich Amy Sherman-Palladino dafür verantwortlich zeichnet, hat mich neugierig gemacht. Die kürzliche Besprechung im Sneakpod war dann der endgültige Auslöser, auch wirklich einmal reinzuschauen. Und was soll ich sagen? Ich bin so begeistert wie schon lange nicht mehr. Selbst das gehypte und erst kürzlich geschaute „Westworld“ oder die positive Überraschung „Jack Ryan“ können damit nicht mithalten. Natürlich ist ein Vergleich über Genres hinweg schwierig, doch liest man von den anderen aktuellen Serien so viel und von „The Marvelous Mrs. Maisel“ verhältnismäßig wenig. Dabei ist es solch eine moderne, relevante und verdammt unterhaltsame Serie, dass ich nicht genug lobende Worte über sie verlieren kann.

Die Serie behandelt viele Themen: Man kann sie als klassische Aufstiegsgeschichte im Comedy-Bereich lesen, als Emanzipationsdrama, als jüdische Familiengeschichte oder als Komödie. Es steckt unglaublich viel in „The Marvelous Mrs. Maisel“ und doch sind es am Ende die Charaktere und die Dialoge, welche die Serie so besonders machen. Auch der Stil Amy Sherman-Palladinos ist unverkennbar, wenngleich die Serie in ihren Themen und auch der Inszenierung noch einmal drei Stufen erwachsener wirkt als z.B. „Gilmore Girls“. Hinzu kommen die fantastischen Schauspieler: Angefangen bei Rachel Brosnahan als titelgebende Comedienne Midge Maisel über Alex Borstein als Comedy-Club-Managerin Susie Myerson bis hin zu Tony Shalhoub als Midges Vater – die Besetzung ist einfach großartig!

Ich liebe auch die Inszenierung der 1950er Jahre, die mit Leichtigkeit mit der famosen Darstellung aus „Mad Men“ mithalten kann. Es gibt wunderbare Montagen, die mit zeitgenössischer Musik unterlegt werden und man hat das Gefühl, einer lebhaften Zeit des Umbruchs beizuwohnen. Natürlich bewegen wir uns stets in einer Upper-Class-Welt, was stets selbstironisch aufgenommen wird und einen schönen Kontrast zu den wunderbar modern wirkenden Stand-up-Einlagen bildet. Als einzigen Kritikpunkt würde ich die nahezu komplett fehlende Charakterisierung der Beziehung zwischen Midge und ihren Kindern sehen. Diese wirken stets nur wie Kulisse. Aber vielleicht ist das auch Absicht und entspricht der portraitierten Gesellschaft.

Fazit

Auch wenn ich schon vermutet hatte, dass mir „The Marvelous Mrs. Maisel“ gefallen wird, so hätte ich doch nicht damit gerechnet, wie großartig die Serie tatsächlich ist. Die acht Episoden vergehen wie im Flug und ich hätte am liebsten noch viel mehr Zeit mit Midge, Susie und Co. verbracht. Die Serie wurde jedoch bereits um mindestens zwei Staffeln verlängert, worüber ich mich sehr freue. Solltet ihr dieses Jahr nur eine neue Serie schauen, dann gebt dieser hier eine Chance, auch wenn sie oft unter dem Radar läuft. Einfach nur großartig: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1

Nach langer Zeit habe ich einmal wieder eine brandaktuelle Serie gesehen. Also so richtig aktuell. Wie ist das möglich? Bei Prime Video ist mit „Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1“ eine Serie angelaufen, die tatsächlich mein Interesse geweckt hat. In den letzten Monaten habe ich mich mit „Jagd auf Roter Oktober“ und „Die Stunde der Patrioten“ zu den filmischen Wurzeln dieses Franchises begeben. Zudem sehe ich John Krasinski schon seit „The Office“ und aktuell auch „A Quiet Place“ sehr gerne, so dass ich gespannt war, wie er sich in solch einer actionreichen Serie schlägt…

Tom Clancy's Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

„24“ trifft auf „Homeland“ und etwas „The Office“

Der Serienhit „24“ gehörte damals, Anfang der 2000er, zu den ersten Serien, die ich leidenschaftlich verfolgt hatte. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September war das Setting höchst aktuell und hat ein packendes, aber auch recht reaktionäres Bild des Kampfes gegen den Terror gezeichnet. Heute würde das Action-Drama in dieser Form nicht mehr funktionieren. Bereits 2011 hat „Homeland“ gezeigt, dass das Trauma der Ereignisse von vor 10 Jahren tiefere Wunden hinterlassen hat, und Action und Folter nicht die alleinigen erzählerischen Mittel sind. Noch einmal 7 Jahre später steht nun mit „Jack Ryan“ die nächste Serie rund um den Terror in den Startlöchern. Wie bereits erwähnt, basiert sie auf Tom Clancys Romanen, die bereits mehrfach verfilmt wurden. Nun geht es jedoch zurück zu den Anfängen des Charakters und in ein modernes Setting – und das funktioniert auf jeder Ebene famos.

Die Serie verbindet gekonnt große Spannung und harte Action mit gut geschriebenen Charakteren, denen wir uns als Zuschauer nahe fühlen können. Gerade John Krasinski, der wohl nicht die naheliegendste Besetzung ist, bringt für Jack Ryan einen riesigen Sympathiebonus. Sein Charakter zweifelt durchaus auch einmal und ist nicht immer der strahlende Held. Die selbstzerstörerische Natur der CIA-Arbeit hält sich, im Gegensatz zu Carrie Mathison aus „Homeland“, jedoch in Grenzen. Die Serie ist unterhaltsam, scheut aber auch nicht davor zurück, drastische Bilder zu zeigen oder brisante Themen (z.B. Flüchtlingskrise, Einsatz von Drohnen) anzusprechen. In manchen Szenen wurden gar Erinnerungen an „Zero Dark Thirty“ wach. Eine wirklich packende Mischung, die ich so nicht erwartet hatte.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so begeistert  von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ sein würde. Mit dieser Produktion ist Amazon tatsächlich ein großer Wurf gewonnen. Extrem unterhaltsam und doch auch reflektiert und teils kritisch erzählt. Ein Terror-Thriller für das Jahr 2018. Durch den kompakten Rahmen von acht Episoden, ist das Erzähltempo extrem hoch und man könnte die Serie, wenn man denn die Zeit hat, bestimmt gut an zwei Tagen bingen, wie es die Kids heute so machen. Ein famoser Einstand von John Krasinski als Jack Ryan. Gerne mehr davon: 9/10 (8.8) Punkte.

Red Oaks – Season 1 to 3

Schon vor geraumer Zeit hatten wir uns die Pilot-Episode von „Red Oaks“ angesehen. Damals konnte sie uns nicht sofort abholen, so dass die Amazon-Produktion wieder aus unserem Programm verschwunden ist. Aufgrund der mehrfachen Empfehlung durch den Sneakpod wollte ich der Serie noch einmal eine Chance geben und siehe da: Wir waren vollends begeistert. Manchmal lohnt es sich eben doch, Serien eine zweite Chance zu geben…

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Staffel 1: Willkommen in den 80ern

In der ersten Staffel lernen wir die Charaktere kennen, die uns unglaublich schnell ans Herz gewachsen sind. Auch im titelgebenden Country-Club „Red Oaks“ fühlten wir uns sofort zu Hause, was auch kein Wunder ist, steht dieser doch im Zentrum nahezu jeder Episode. Besonders großartig fand ich das authentisch wirkende 80er-Jahre-Gefühl, das durch die Serie heraufbeschworen wird. Man wähnt sich schon fast in einem modernen John-Hughes-Film, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Großartig fand ich auch die Body-Switch-Episode „Body Swap“, welche sich trotz der ungewöhnlichen Prämisse wunderbar in die Serienwelt eingliedert. Ein wahrlich großartiges Vergnügen: 9/10 (8.6) Punkte.

Staffel 2: Eine Zeit des Umbruchs

Mit der zweiten Staffel zeigt sich recht deutlich, dass wir die eingeschlagenen Pfade verlassen. Die erste Episode spielt komplett in Paris und spiegelt die Nouvelle Vague sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch wider. Auch in den weiteren Episoden lassen wir „Red Oaks“ als zentralen Schauplatz größtenteils hinter uns und begleiten die nun etablierten Charaktere bei großen Veränderungen in ihrem Leben: sei es die Scheidung von Davids Eltern, neue Beziehungen oder berufliche Umorientierungen. Das große Thema Coming-of-Age wird auf alle Figuren ausgedehnt und jeder macht eine signifikante Entwicklung durch. Das mochte ich wirklich sehr. Dennoch fühlt sich die zweite Staffel nicht mehr ganz so frisch an, wie die erste: 8/10 (8.2) Punkte.

Staffel 3: Der Abschied von „Red Oaks“

In der dritten Staffel haben alle Charaktere noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht: David hat endlich eine Wohnung in New York City, sein Vater eine neue Beziehung, seine Mutter erlebt ihre zweite Jugend und zwischen Wheeler und Misty wird es ernst. Douglas Getty (grandios gespielt von Paul Reiser) versucht das Schicksal von „Red Oaks“ aus dem Gefängnis zu lenken – und man merkt auch als Zuschauer, dass an diesem ursprünglichen Zentrum der Handlung nur noch aus Nostalgie festgehalten wird. Gegen Ende fügen sich alle Handlungsstränge wunderbar schlüssig zusammen und jeder einzelnen Figur wird ein passendes Ende spendiert. Vielleicht ein wenig zu positiv, doch warum auch nicht? Ich mochte das sehr und hätte gerne noch mehr Zeit mit den Figuren verbracht: 9/10 (8.8) Punkte.

Fazit

Mir hat „Red Oaks“ nach dem holprigen ersten Start wirklich extrem gut gefallen. Letztendlich war die Serie genau mein Ding: Coming-of-Age, 80er, Filmbezug – eine ziemlich perfekte Mischung. Die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen und ich kann mit Überzeugung sagen, dass dies die beste Amazon-Serie ist, die ich bisher gesehen habe. Kann ich jedem wirklich nur ans Herz legen: 9/10 (8.5) Punkte.

Mozart in the Jungle – Season 1 & 2

So langsam aber sicher arbeite ich mich durch alle Amazon-Eigenproduktionen durch. Da ich Musik-Serien sehr gerne sehe, war es nur eine Frage der Zeit bis „Mozart in the Jungle – Season 1 & 2“ den Weg in unser Abendprogramm findet. Und dort ist die Serie über die Laufzeit ihrer ersten beiden Staffeln auch geblieben…

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Die Amazon-Serie basiert auf einem Buch, mit dem reißerischen Untertitel „Sex, Drugs, and Classical Music“ – da weiß man doch gleich, was man bekommt, oder? Zumindest bei HBO hätte die Serie wohl ganz anders ausgesehen und sich wohl in erster Linie auf die beiden erstgenannten Punkte konzentriert. Bei Amazon dagegen liegt der Fokus der Serie größenteils auf klassischer Musik und Geschichten, die das Orchester betreffen. Zwar gibt es auch mal Sex und Drogen, doch insgesamt ist die Serie für ihr Thema doch erstaunlich zahm und nett. Doch dies trifft ja fast schon auf alle Amazon-Serien (z.B. „Alpha House“) zu, die ich bisher gesehen habe.

Wie schon bei der Musical-Serie „Smash“ steht das Leben der Künstler im Mittelpunkt. Die Atmosphäre beider Serien ist auch ähnlich, doch ist „Mozart in the Jungle“ deutlich mehr Comedy als das oft unnötig dramatische Musical. Da Musikserien ein eher noch seltenes Genre sind („Nashville“ kenne ich zum Beispiel noch nicht), lohnt sich der Blick hinter die Kulissen der New Yorker Symphoniker auf jeden Fall. Ihre Qualität hält die Serie übrigens auch im zweiten Jahr:

  1. „Mozart in the Jungle – Season 1“ (7.9 Punkte)
  2. „Mozart in the Jungle – Season 2“ (7.9 Punkte)

Wer auf der Suche nach leichter Comedy-Unterhaltung abseits von teils brachialem Sitcom-Humor ist, der sollte durchaus einmal in diese nette Serie reinschauen. Kommt zudem ein Faible für klassische Musik hinzu, dann könnt ihr richtig viel Spaß mit „Mozart in the Jungle“ haben: 8/10 (7.9) Punkte.