The Expendables (2010)

Was hat das filmische Web 2.0 gejubelt, als „The Expendables“ angekündigt wurde. Alle Actionstars des 80er Jahre Kinos in einem Film versammelt. Entsprechend gierig wurde jedes noch so unscharfe Schauspielerfoto, jede noch so bedeutungslose News und jeder Kommentar von Sylvester Stallone aufgesogen und weiterverbreitet. Ein Hype für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Ein Hype für alle, die mit „Rambo“, „Phantom Commando“ und Co. aufgewachsen sind. Ein Hype für uns.

Da auch ich mich immer noch an den meisten 80er Jahre Actionvehikeln erfreue, war die Erwartungshaltung entsprechend hoch und wurde erst durch diverse durchwachsene Kritiken gedämpft. Bis zur heutigen Sichtung ist dann allerdings etliche Zeit verstrichen, was mir wieder einen neutraleren Blickwinkel auf den Film erlaubte. Was ist nun also dran an dem Actionkracher des vergangenen Jahres? Konnte Stallone den selbst gesäten Vorschusslorbeeren gerecht werden oder haben die verbitterten Kritiker recht behalten, die anscheinend ihre filmischen Wurzeln vergessen haben?

Um es auf den Punkt zu bringen: Ja, der Film atmet die Luft des 80er Jahre Actionkinos. Nein, der Film ist keine tarantinoesque Hommage an das Genre. Und nein, Sylvester Stallone ist weder ein besonders guter Drehbuchautor noch ein sonderlich begabter Regisseur. Ich wollte den Film wirklich lieben. Warum auch nicht? Stallone hat nahezu alles was im Actionkino Rang und Namen hat(te) in seinem Film untergebracht. Mich stören nicht einmal die nur kurzen Gastauftritte von Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger. Alleine für diese Szene lohnt sich der Film. Nein, seine Fehler begeht Stallone woanders.

Die Geschichte ist völlig ausreichend. Hier hatte ich auch nicht mehr erwartet. Schließlich will man ja an seine Vorbilder anknüpfen. Das Problem ist folglich nicht was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird. Die Dialoge sind spröde und oft kann man den Witz nur erahnen. Stallone beweißt leider absolut kein Händchen für Comic Timing oder einen gelungenen Spannungsaufbau. Selbst das worauf es ankommt – die lang erwarteten Actionsequenzen – werden durch abgedroschene Videoclipästhetik mit Wackelkamera und CGI-Blut erzählt. Auch wenn Handlung und Charaktere durchaus an die gute, alte Zeit erinnern – die Inszenierung macht hier viel wieder kaputt.

Insgesamt ist „The Expendables“ für Genrefans durchaus empfehlenswert. Es macht Spaß die altgedienten Haudegen noch einmal in Action zu sehen. Leider jedoch versagt der Film an vielen Stellen, an denen er wirklich hätte auftrumpfen können. Hier hätte Stallone das Ruder einmal lieber aus der Hand gegeben. Mit ihm als Produzent und einem fähigeren Regisseur hätte der Film genau das werden können, als das er im Vorfeld gefeiert wurde: Die Hommage an das 80er Jahre Actionkino. So bleibt es leider beim ehrenwerten, aber letztendlich ziemlich müden Versuch: 5/10 Punkte.

Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt – OT: Pirates of the Caribbean: At World’s End (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt“ am 9. September 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute Abend gab es mit „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ bereits zum zweiten Mal das Finale der erfolgreichen Piratentrilogie. Nach der Sichtung bin ich – ebenso zum wiederholten Male – etwas ernüchtert, denn der Film konnte sich zum damaligen Kinobesuch leider nicht steigern. Etwas hat sich aber verändert: Die Hoffnung auf einen gelungenen vierten Teil ist deutlich gestiegen.

Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt (2007) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt (2007) | © Walt Disney

Hat der erste Teil der Trilogie noch eine relativ abgeschlossene Geschichte erzählt, wurde im zweiten das Tor zu einem fantastischen Paralleluniversum aufgestoßen: Piraten, Kraken und düstere Versprechen. All dies wurde vor sonnendurchfluteter Kulisse mit viel Humor erzählt. Was hatte der Mittelteil der Trilogie jedoch nicht zu bieten? Einen Showdown – und diesen gibt es nun endlich in „At World’s End“ zu bestaunen. Ein beinahe dreistündiger Showdown, so man denn den zähen Spannungsaufbau dazuzählen mag.

Wenn auch die unnötig kompliziert erzählte Geschichte nicht wirklich viel hergibt, so muss man doch neidlos zugeben, dass das was auf der Leindwand bzw. dem Bildschirm zu sehen ist, auf jeden Fall zu beeindrucken vermag. Die See wirbelt herum, Fischmonster und Piraten sind in einen nicht enden wollenden Kampf verwickelt und die Kamera fliegt über tosende Strudel und klirrende Säbel, als wäre sie selbst Teil der Elemente. Visuell unglaublich beeindruckend, doch leider ebenso ermüdend.

Vor dem Showdown gibt es einige nette Szenen mit Capatain Jack Sparrow, denen jedoch die Leichtigkeit der vorhergehenden Späße abgeht. Überhaupt ist der gesamte Film sehr düster gehalten, was ungewohnt ist und doch eine ganz besondere Stimmung heraufbeschwört. Zu der bisherigen Filmreihe passt diese Weltuntergangsstimmung in meinen Augen jedoch nur bedingt und somit war ich richtig froh, als sich im Epilog wieder auf die wahren Stärken zurückbesinnt wurde: Lockere Späße mit unserem Lieblingscaptain. Ergo die Hoffnung auf „Fluch der Karibik 4: Fremde Gezeiten“.

Der Abschluss von Gore Verbinskis bombastischer Filmtrilogie ist leider deutlich schwächer, als seine beiden Vorgänger. Oft lässt der Film den Eindruck entstehen, als wäre das Drehbuch mit der heißen Nadel gestrickt worden und die Effekte seien nur Mittel zum Zweck. Dennoch weiß der Film zu gefallen und für Freunde düsterer Unterhaltung, gibt es zumindest ein für solch einen Blockbuster ungewohnt bittersüßes Ende zu bestaunen. Sehenswert, aber oft leider zu gewollt: 7/10 Punkte.

Fluch der Karibik 2 – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2“ am 31. August 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nun bin ich doch schneller als gedacht dazu gekommen mir „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“ erneut anzusehen. Auf dieses Erlebnis war ich ziemlich gespannt, hatte ich den Film nach der damaligen Kinosichtung doch überraschend gut bewertet. Oft ist es ja so, dass man sich von der spontanen Euphorie übermannen lässt und der Film bei genauerer Betrachtung den positiven Erinnerungen nicht stand hält. Doch trifft dies auch auf die Fortsetzung der Piratensaga zu?

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Um es kurz und knapp zu machen: Ich hatte heute wieder genauso viel Spaß, wie vor fünf Jahren – unglaublich, oder? – im Kino. Der Film ist komischer als der erste Teil, um einiges düsterer und er hat mehr Schauwerte zu bieten. Die Figuren scheinen sich noch mehr gefunden zu haben und es gibt einen famosen Bösewicht. Einzig und allein die Geschichte bleibt etwas auf der Strecke bzw. man bekommt nur eine unnötig aufgeblasene Version der Handlung des Vorgängers präsentiert. Normalerweise müsste ich den Film nun abstrafen, doch feuert Gore Verbinski hier ein Feuerwerk an Actionszenen ab, dass es eine wahre Freude ist. Unterhaltungskino in Perfektion.

Schon alleine die Kannibaleninsel ist an Actionslapstick kaum zu überbieten. Herrlich überdreht und völlig absurd choreographiert bleibt hier kein Auge trocken. Überboten wird das Spektakel nur noch durch den Mühlenrad-Kampf, der ein grandioses comic timing besitzt und zu den unterhaltsamsten Filmszenen überhaupt zählt. Neben diesen lockerleichten Actioneinlagen stimmt der Film bereits ziemlich düstere Töne an, welche sich in „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ letztendlich komplett durchsetzen werden. In diesem Teil stimmt die Mischung jedoch noch und macht das beste aus beiden Welten.

Beeindruckend fand ich auch bei der heutigen Sichtung die Effekte. Nicht so sehr den Kraken, als viel mehr Davy Jones und seine Crew. Selbst in strahlendstem Sonnenschein kann man hier keine CGIs ausmachen. Oberflächenbeschaffenheit, Licht und Animation – alles ist perfekt getroffen. Hinzu kommt, dass man den Schauspieler Bill Nighy tatsächlich hinter den Effekten erkennt. Ein lebendiger, atmender Charakter. Für mich eine der ganz großen Leistungen der VFX-Kunst.

Nun stellt sich mir natürlich die Frage, welchen Teil der Reihe ich bisher am besten finde. Der erste ist insgesamt wohl runder und erzählt die schlüssigere Geschichte. Der zweite dagegen quillt schon fast über vor fantastischen Szenen, die oft wohl auch außerhalb ihres Kontexts funktionieren würden. Unterhalten haben mich beide Filme ausgezeichnet und dabei möchte ich es auch belassen: 9/10 Punkte.

Fluch der Karibik – OT: Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (2003)

Aktualisierung: Ich habe „Fluch der Karibik“ am 27. August 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der aktuellste Teil der Filmreihe dürfte wohl der in den letzten Wochen am häufigsten rezensierte Film der Blogosphäre sein. Der ideale Zeitpunkt also für mich mit „Fluch der Karibik“ noch einmal den Ursprung des bombastischen Franchise unter die Lupe zu nehmen. Ich war ja schon immer ein Freund der filmischen Freibeuter und so hatte ich mich damals enorm über die Ankündigung zu Gore Verbinskis Piratenabenteuer gefreut.

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Nachem Renny Harlins „Die Piratenbraut“ im Jahr 1995 so gnadenlos gefloppt ist, darf man es schon beinahe als Wunder betrachten, dass Disney das Multi-Millionen-Dollar-Projekt überhaupt in Auftrag gegeben hat. Dazu noch eine Idee, die auf einer Freizeitparkattraktion beruht. Insofern also nicht sonderlich erstaunlich, dass „Fluch der Karibik“ darauf getrimmt wurde für nahezu jede Zielgruppe als perfekter Unterhaltungsfilm zu funktionieren – und noch erstaunlicher: Es ist ihm tatsächlich gelungen. Abenteuer, Humor, Action, Romantik, angenehmer Grusel und eine neue Kultfigur. Ein Traum made in Hollywood – und das sowohl für die Produzenten als auch die Zuschauer.

Auch bei meiner inzwischen dritten (vielleicht auch vierten) Sichtung hatte ich wieder enorm viel Spaß mit Captain Jack Sparrow und Co. Dieses Mal ist mir besonders aufgefallen, wie zielstrebig der Film darauf abziehlt möglichst viele Knöpfe bei seinem Publikum zu drücken. Keine Szene wirkt nebenbei erzählt oder überflüssig. Das Timing stimmt, die Charaktere sind ausformuliert, als hätte man sie bereits auf dutzenden von Abenteuern begleitet und die Handlung ist kompakt und mitreißend zugleich. Hinzu kommt Klaus Badelts unverkennbar aus der Schmiede Hans Zimmers stammender Score, der wohl die meistverwendeten Musikstücke der jüngeren Zeit geliefert haben dürfte.

Kritikpunkte gibt es zwar ein paar, doch insgesamt schmälern sie den ungemeinen Unterhaltungswert des Films kaum. So sind mir die Kampfszenen etwas zu dominant in die Handlung eingebaut. Da wäre weniger sicher mehr gewesen. Weiterhin hätte man dem Film ruhig ein wenig mehr Ecken und Kanten geben können, doch dann wäre vielleicht nicht genau diese Art Film dabei herausgekommen, was auch irgendwie schade gewesen wäre.

Was bleibt sonst noch zu erwähnen? Natürlich „Monkey Island“ – ein paar Szenen scheinen wie aus dem Spiel übernommen (das sich wiederum ebenso bei Disneys Freizeitparkattraktion bedient hat), doch letztendlich ist ein Will Turner eben kein Guybrush Threepwood und Captain Jack Sparrow steht sowieso auf einem anderen Blatt. Insofern wäre ich einer Verfilmung der originalen Computerspielreihe immer noch nicht abgeneigt (dann aber bitte mit dem originalen LucasArts-Score).

Wie bereits geschrieben, dürfte nahezu jeder Zuschauer gefallen an Gore Verbinskis Auftakt zu seiner Piratensaga finden. Nicht umsonst begann damit eine der größten Erfolgsgeschichten des vergangenen Kinojahrzehnts. Ich für meinen Teil freue mich nun auf die Wiederholungssichtungen des ersten und zweiten Sequels und hoffe, dass ich damit durch bin, bis der vierte Teil die Heimkinos erreicht. Nach wie vor ein bunter, lauter und vor allem sehenswerter Piratenspaß: 9/10 Punkte.

The Road (2009)

Ich liebe postapokalyptische Filme. Ihnen wohnt eine Art von Abenteuer inne, das es erst noch zu erleben gilt. Zombiefilme und Weltuntergangsszenarien sehe ich selbst als Unterart des Genres. Neben Klassikern wie „Mad Max“ gibt es unzählige Varianten des immer gleichen Szenarios (u.a. den ebenso aktuellen, aber ungleich schwächeren „The Book of Eli“). John Hillcoats „The Road“ ist anders. Kein Abenteuer, keine Hoffnung, kein Erbarmen. Wohl einer der beeindruckendsten Filme, die ich bisher gesehen habe – auf jeden Fall einer der deprimierendsten. Spoiler sind zu erwarten.

Auch ich hatte vor der Sichtung einige Meinungen über den Film gehört und gelesen. Er sei schwer zu verdauen, düster und hoffnungslos. Was für eine Untertreibung. „The Road“ packt einen da, wo es weh tut. Er rüttelt auf und lässt einen nicht mehr los. Man wir durch die oft schon hypnotischen Bilder hineingesogen in diese immergraue Welt. Dieses leblose Etwas, das einmal voller Leben war. Doch die ungenannte Katastrophe samt ihrer unheilvollen Hinterlassenschaften ist eigentlich nur Beiwerk. Der Film ist eine Vater-Sohn-Geschichte. Eine Geschichte über Menschlichkeit und Verlust derselben. Ein Film über das Leben und den Tod.

Die dominierenden Themen des Films geben den Rhythmus vor. Bleibst du, stirbst du. Keine Frage. Und wie in dem Film gestorben wird. Die letzten 15 Minuten haben mir zugesetzt, wie schon lange kein Film mehr. Auch jetzt, da ich daran denke, fühle ich mich wie benommen. Doch schon vor dem traurigen, aber nicht hoffnungslosen Finale, hält „The Road“ unzählige Szenen bereit, bei denen ich schwer schlucken musste – und sei es allein, wie der Junge sein Stofftier stets bei sich trägt. Hier mag der (zumindest noch relativ) frischgebackene Vater aus mir sprechen, doch ich habe selten etwas Herzzereißenderes gesehen.

Neben den inhaltlichen Aspekten kann ich vor allem die bewusste und den Schauspielern Raum gebende Inszenierung hervorheben. Ruhige Bilder, lange Einstellungen und das Wissen, wann man wegblenden muss. Auch wenn die Kamera nie wirklich explizite Bilder einfängt, so ist „The Road“ härter und brutaler als jeder Horrorfilm. So bedrohlich habe ich Kannibalismus wahrlich noch nie wahrgenommen, wie er in John Hillcoats Film auf die Leinwand gebannt wurde. All diese Eigenschaften sind natürlich auch zu großen Teilen Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee zuzuschreiben, die beide spielen als ginge es um ihr Leben. Fantastisch.

Wie ihr lest, hat mich „The Road“ voll und ganz gepackt. Ich weiß jetzt schon, dass der Film noch lange nachwirken wird. Kann ich ihn deshalb bedenkenlos empfehlen? Seht euch den Film nur an, wenn ihr eine gewisse Finsternis ertragt. Ich habe mir selten so sehr gewünscht, dass ein Film endlich vorbei ist. Ob ich ihn mir jemals wieder anschauen werde? Im Moment bezweifle ich es noch und so sehr sie mich interessieren würde, so werde ich mich wohl nie an die Vorlage von Cormac McCarthy heranwagen. „The Road“ ist ein großer Film, ein bewegender Film und ein menschlicher Film, doch er wird gewiss keiner meiner Lieblingsfilme werden: 10/10 Punkte.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

Ich liebe Edgar Wright. Bereits mit „Spaced“ hat er mein kleines Nerdherz schneller schlagen lassen. So viele Ideen, so grandios umgesetzt. Dann „Shaun of the Dead“, der Traum eines jeden Zombiefans. Mit „Hot Fuzz“ lieferte er einen der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre ab und nun? „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ – erstmals ohne das Duo Simon Pegg und Nick Frost, dafür mit gefeierter Vorlage. Konnte das wirklich gut gehen?

Oh ja! Edgar Wright ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Ein Film, wie ein Rausch. Ein Film, dessen audiovisueller Stil alles zu ersticken droht – und wohl gerade deshalb die stillen Szenen umso mehr hervorhebt. Ein Film, der wohl nur von einer bestimmten Generation verstanden werden wird. Lieben oder hassen – eine Grauzone ist kaum vorstellbar. Mich hatte der Film ja bereits beim 8-bit Universal-Logo und dem „The Legend of Zelda“-Jingle. Man muss kein nerdiger Hipster sein, um der audiovisuellen Flut Herr zu werden. Aber es hilft. Vermutlich.

Die Vorlage kenne ich zugegebenermaßen nicht. Noch nicht. Die Lektüre der „Scott Pilgrim“-Comics steht allerdings schon jetzt ganz oben auf meiner Leseliste. Insofern kann ich die Vorlagentreue nicht beurteilen. Das Mitwirken des Autors lässt aber hoffen. Zudem wirkt der Film als geschlossene Einheit und nicht, wie eine schöne 1:1-Umsetzung der Panels. Die Dialoge sind nahezu perfekt. Zwar nicht immer zum laut Lachen, doch stets zum leise Freuen. Herzerwärmend, witzig und pointiert. Man merkt hier auch immer wieder Edgar Wrights perfektes Gefühl für Timing.

Mein Kritikpunkt? Wohl der starke Schwerpunkt auf die Kämpfe. So bombastisch diese anzusehen sind, so sehr hätte ich mir doch noch mehr Dialoge und zwischenmenschliche Szenen gewünscht. Dennoch sind die Kämpfe natürlich wunderbare Allegorien, die einen bestimmten Lebensabschnitt ziemlich gut einfangen. Wie ihre langfristige Wirkung ist, müssen garantiert folgende Wiederholungssichtungen zeigen. Bis dahin hoffe ich auf weitere Filme. Please, Mr. Wright (and Producers, of course).

Für mich ist „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein fantastischer Film, der ein ziemlich undefinierbares Zeitgefühl ziemlich perfekt einfängt. Videospiele, Musik, Leben. Ja, diesen Themen hat dieser Film gefehlt. Nun ist er da und ich bin hoch erfreut. Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden. Wie hätte es auch anders kommen können? Nicht für jeden, aber für seine diffuse Zielgruppe eben einer dieser speziellen Filme: 9/10 Punkte.

The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.

The Social Network (2010)

Als ich zum ersten Mal vom Facebook-Film hörte, dachte ich: Wirklich, muss das sein? Dann wiederum waren David Fincher und Aaron Sorkin federführend beteiligt, die ich beide sehr schätze. Schließlich strich „The Social Network“ etliche Auszeichnungen ein und wurde von den Kritikern gefeiert. Aus dem zunächst unwirklich erscheinenden Projekt wurde einer der angesehensten Filme des Jahres. Höchste Zeit also, mir eine eigene Meinung zu bilden.

Man muss nicht bei Facebook angemeldet sein, um „The Social Network“ etwas abgewinnen zu können. Das Projekt ist keine Softwareverfilmung – und doch hilft es bestimmt ungemein, wenn man den Erfolg des sozialen Netzwerks sowie den damit verbundenen Aufstieg Mark Zuckerbergs zumindest am Rande verfolgt hat. Auch wenn Sorkins Drehbuch eher als Fiktion mit wahrem Kern zu betrachten ist, so zeigt der Film doch wunderbar die Mechanismen auf, die dieser fast schon unglaublichen Erfolgsgeschichte zugrunde liegen.

Durch seine Erzählstruktur, die zwischen der Entwicklungsphase von Facebook und den Anhörungen nach dem bombastischen Erfolg des sozialen Netzwerks wechselt, bekommt der Film eine ganz eigene Dynamik. Diese Art des Erzählens ist natürlich nicht neu, doch wurde sie selten so effektiv eingesetzt, wie in diesem Film. Ich hätte wahrlich nicht erwartet, dass diese eigentlich bereits bekannte Geschichte so mitreißend und spannend erzählt werden kann. Man merkt dem Drehbuch auch oft – ganz besonders in der Eröffnungsszene – den Stil Aaron Sorkins an, der ja spätestens seit „The West Wing“ für seine pfeilschnellen und pointierten Dialoge bekannt ist.

Erwähnenswert ist natürlich die schauspielerische Leistung von Jesse Eisenberg (Columbus, „Zombieland“), dem ein intensives Portrait des Facebook-Gründers gelingt. Ob diese Darstellung dem echten Mark Zuckerberg entspricht? Dies können wohl nur die Personen beurteilen, die dabei waren. So oder so hat Eisenberg dem Filmcharakter einen Stempel aufgedrückt, der von nun an wohl auch immer mit dem realen Vorbild verbunden werden wird. Andrew Garfield dagegen fand ich anfangs noch recht blass, gegen Ende hat sein Eduardo Saverin jedoch immer mehr an Profil gewonnen. Insgesamt auf jeden Fall ein starkes Ensemble an Jungschauspielern.

Insgesamt hat mir David Finchers „The Social Network“ wirklich ausgezeichnet gefallen. Erzählt wird eine altbekannte Geschichte in einer neuen Zeit. Das Spiel ist das gleiche, nur Spielfeld und Spieler haben gewechselt. Gerne hätte ich noch mehr über die genauen Hintergründe erfahren und als 10-teilige Miniserie wäre dies wohl auch durchaus möglich gewesen. Dann aber wohl ohne den famosen Score von Trent Reznor, die beeindruckenden Originalschauplätze und Finchers erneut perfekten VFX-Einsatz (z.B. CG-Winklevoss-Zwilling). Zu Recht einer der angesehensten Filme des letzten Jahres: 9/10 Punkte.

Cargo (2009)

Nachdem mich Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Schocker „Pandorum“ erst kürzlich nahezu vollends zu überzeugen wusste, haben mir C4rter und Lars den den schweizer Genrefilm „Cargo“ ans Herz gelegt. Die mit 5 Mio. CHF (ca. 3,8 Mio. Euro) relativ günstige Produktion hatte aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte sowieso schon mein Interesse geweckt, jedoch hatte ich stets Angst nur einen etwas größeren Amateurfilm zu sehen zu bekommen.

Die Angst war glücklicherweise weitgehend unbegründet. Dennoch stellt sich mir nun natürlich die Frage, nach welchen Maßstäben „Cargo“ am besten zu bewerten ist. Sollte man seine Entstehungsgeschichte berücksichtigen oder ihn direkt mit seinen Genrekollegen vergleichen? Ich habe mich für letztere Möglichkeit entschieden, denn dies dürfte weitgehend unverfälscht zeigen, welches Potential doch in diesem kleinen Film steckt. So oder so sollte man sich als Filminteressierter mit der 9-jährigen Entstehungsgeschichte des Films auseinandersetzen. Es lohnt sich.

Der Film beginnt mit einer äußerst beeindruckenden CGI-Sequenz, welche uns eine gigantische Raumstation zeigt. Überhaupt kann man den Effekten nichts ankreiden. Sie unterstützen allesamt die Geschichte und zeigen uns teils beeindruckende Welten. Besonders der Frachtraum ist hier als besonders gelungen hervorzuheben. Überhaupt merkt man dem Film an, dass sich viele Gedanken um das Produktionsdesign gemacht wurden. Die stärksten Elemente erinnern hier an Filme, wie „Blade Runner“ oder „Alien“ – bei manchen Sets fällt das knappe Budget dann allerdings doch leider negativ auf.

Die Geschichte des Films erinnert anfangs, wie man auch überall liest, an Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Alien“, ohne jedoch auch nur zu irgendeinem Zeitpunkt dessen Intensität zu erreichen. Gegen Ende des Films werden dagegen Erinnerungen an „Matrix“ wach, was eine nette Wendung darstellt, insgesamt aber zu unaufregend erzählt wird. Hier sehe ich auch das große Manko des Films: Die Geschichte ist für sich genommen recht nett und hat durchaus Potential, doch das – um es neudeutsch auszudrücken – lahme Pacing des Films will oft nicht so recht funktionieren. Es fehlt an Geschwindigkeitswechseln und dramatischen Szenen. Der Film wirkt zu sehr, als würde er auf Schienen laufen.

Trotz meiner Kritikpunkte sollten sich Sci-Fi-Freunde „Cargo“ durchaus einmal ansehen. Die Mischung aus Big Budget Bildern und recht deutsch bzw. schweizerisch wirkendem Kammerspiel hat man so auf jeden Fall noch nie gesehen. An seine Vorbilder kommt der Film natürlich nicht heran, doch das was er erreicht, muss man erst einmal nachmachen. Interessant, anders und für Genrefans auf jeden Fall sehenswert: 6/10 Punkte.

Avatar: Aufbruch nach Pandora – Extended Collector’s Cut (2009) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ am 22. November 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Kaum zu glauben, dass seit der Kinosichtung schon weit über ein Jahr vergangen ist. Inzwischen weiß man, welchen Stellenwert „Avatar“ in der Filmgeschichte einnehmen wird. Zeit also, sich noch einmal ausführlich mit James Camerons Sci-Fi-Epos zu beschäftigen. Gesehen habe ich dieses Mal den sogenannten Extended Collector’s Cut, welcher den Film um eine alternative Anfangsszene sowie alle Szenen der Special Edition ergänzt.

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Als ich den Film damals in der ersten Aufführungswoche im Kino sah, war noch nicht abzusehen welchen durchschlagenden Erfolg James Cameron abermals an den Kinokassen dieser Welt haben würde. Ehrlich gesagt hätte ich auch nicht vermutet, dass die breite Masse so stark auf diese doch sehr sci-fi-lastige Geschichte anspringt. Für mich war jedoch bereits damals klar, dass es Cameron erneut geschafft hat unseren Wahrnehmungshorizont für visuelle Effekte zu erweitern. Hinzu kommt der erstmals vollkommen überzeugende Einsatz von 3D, welcher selbst mich als Skeptiker zu überzeugen wusste. So sehr sogar, dass ich die zusätzliche Ebene bei der gestrigen Sichtung beinahe etwas vermisst habe.

Natürlich hat der große Erfolg des Films auch unzählige Kritiker auf den Plan gerufen. Vermutlich muss man als ernstzunehmender Cineast immer etwas gegen den Strom schwimmen. Mir selbst ist auch durchaus bewusst, dass die Geschichte keinen Originalitätspreis gewinnt, doch mit wieviel Liebe zum Detail – auch inhaltlich – sie umgesetzt wurde, wird leider viel zu oft ignoriert. Die Grundthemen (Arroganz durch technischer Überlegenheit, Ignoranz gegenüber der Natur) wurden von Cameron ja bereits in den meisten seiner anderen Filme mal mehr („The Abyss“ und „Aliens“), mal weniger plakativ (u.a. „Terminator“ und „Titanic“) behandelt. Ob man den Film nun als Ethno- bzw. Ökokitsch wahrnimmt oder ihm auch eine inhaltliche Relevanz für unsere heutige Gesellschaft einräumt, hängt wohl mit dem Grad an Zynismus zusammen, mit dem man selbst seiner Umwelt begegnet.

Mir hat der Film bei der gestrigen Sichtung erneut sehr viel Freude bereitet. Die Geschichte ist mitreißend erzählt, die Figuren gut geschrieben und die audiovisuellen Aspekte über jeden Zweifel erhaben. Pandora atmet und lebt – und ich freue mich jetzt schon darauf, mich etwas mehr mit der Entstehungsgeschichte des Films zu befassen. Mal sehen, ob ich während meines Urlaubs ein paar Stündchen dafür herausschinden kann. Zum Thema Fassungen sei gesagt, dass der Extended Collector’s Cut ein paar nette, aber nicht zwingend nötige Erweiterungen enthält. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall gerne etwas länger auf Pandora verweilt.

Auch wenn „Avatar“ als erfolgreichster Film in die Geschichte des Kinos eingegangen ist, so sehe ich in ihm immer noch den indirekten Nachfolger von „The Abyss“ oder „Aliens“ – eben ein weiterer Film von unserem James Cameron (jetzt einmal als Genrefreund gesprochen). Auf die Fortsetzungen freue ich mich schon sehr, zumal ich bei Cameron alles erwarte, nur keinen Stillstand. Zu meinen Lieblingsfilmen möchte ich „Avatar“ zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zählen, doch viel fehlt nicht mehr: 10/10 Punkte.