
Independence Day (1996) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Independence Day (1996) | © 20th Century Fox Home Entertainment
Noch heute kann ich mich genau an meine Kinosichtung von „Moulin Rouge“ vor ziemlich exakt 10 Jahren erinnern. Ich war hin und weg. Das hatte ich wahrlich nicht erwartet. Ein Film, wie ein Rausch. Ich weiß auch noch genau, dass wir es damals beinahe nicht ins Kino geschafft hätten, da wir Möbel für unsere neue Wohnung gesucht hatten. Erst heute kann ich abschätzen, welchen Stellenwert der Film in meiner persönlichen Filmgeschichte einnimmt.

Seit der damaligen Sichtung habe ich „Moulin Rouge“ vergleichsweise oft gesehen und ich kenne kaum einen Film, der bei mir jedes Mal aufs Neue einen solch imposanten audiovisuellen Eindruck hinterlässt. Baz Luhrmann („Australia“) hat hier wirklich alle Register gezogen und ein Meisterwerk geschaffen, an dem sich alle zukünftigen Musicalfilme messen lassen müssen. Normalerweise habe ich ein Problem mit Regisseuren, die sich einer zu artifiziellen Bildsprache bedienen, wie z.B. Jean-Pierre Jeunet oder Tim Burton, doch Luhrmann schafft es trotz der theaterhaften Kulissen und der äußerst lebendigen Montage echte Gefühle zu transportieren und eine mitreißende Geschichte zu erzählen. In meinen Augen eine unglaubliche filmische und künstlerische Leistung.
Natürlich leben Musicals auch immer von ihrer Musik und auch hier hat „Moulin Rouge“ Maßstäbe gesetzt. Der musikalische Streifzug durch die Popgeschichte ist absolut gelungen und kein Song wirkt aufgesetzt oder beliebig platziert. Besonders das ELEPHANT LOVE MEDLEY ist einfach nur grandios und gibt den Inhalt der Szene perfekt wieder, als wäre es nur für diesen Film geschrieben worden. Ich möchte nun gar keine weiteren Stücke hervorheben, denn alle sind absolut hörenswert. Einzig das extra für den Film komponierte COME WHAT MAY hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, wurde es doch von sehr begabten Freunden auf unserer Hochzeit vorgetragen.
Neben Inszenierung und Musik möchte ich noch die Schauspieler erwähnen, die ganz großartig in ihren Rollen aufgehen. Wer hätte Nicole Kidman und Ewan McGregor solch eine gesangliche Leistung zugetraut? Ich nicht, war aber umso positiver überrascht von ihnen. Für mich eine der gelungensten Darstellungen von wahrhafter, poetischer Liebe in einem Film. Auch die Nebendarsteller sind allesamt fantastisch. Von Kulissen, Kostümen usw. fange ich nun am besten gar nicht erst an.
Ihr merkt schon: „Moulin Rouge“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Kritikpunkte habe ich keine und ich bin mir sicher, dass ich den Film auch in 10 Jahren noch gerne schauen werde und er kein bißchen angestaubt wirken wird. Das ist Film, das ist Musik, das ist Kunst. Baz Luhrmann wusste sein Medium perfekt zu nutzen und das spürt man in jeder Einstellung – und sei sie noch so kurz: 10/10 Punkte.
Prädikat: Lieblingsfilm
Was für eine Wundertüte von einem Film! Da erwartete ich mir wirklich nicht viel, doch dann bot „Pandorum“ genau die Art von Unterhaltung, wie ich sie im Kino viel zu lange vermisst habe. Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Horror ist dabei kein großes Kino (und will es auch nicht sein), bedient aber Genrefreunde so gut, wie kaum ein zweiter Film der letzten Jahre.

Als Freund von Filmen, die auf Raumschiffen spielen, hatte man in den letzten Jahren wahrlich keine große Auswahl. Sollten diese Raumschiffe dann noch Schauplatz eines Horrorszenarios sein, so kann man die Filme an einer Hand abzählen: Viel mehr als die „Alien“-Reihe und „Event Horizon“ hat dieses Subgenre leider nicht zu bieten. Für mich unverständlich, denn was gibt es unheimlicheres, als verlassene Raumschiffe mit irgendeiner mysteriösen Bedrohung in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls?
Natürlich bin ich mir durchaus bewusst, dass dieses Subgenre auf ein sehr spezielles Publikum zielt und deshalb freut es mich umso mehr, dass Alverts Film sich auch voll und ganz auf seine Zielgruppe einlässt, ohne zu versuchen den Rest der Zuschauer auch noch irgendwie mitzunehmen. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz von uns Genrefans höher schlagen lässt: Von psychologischem Horror, über klassische Geisterhaus-Atmosphäre bis hin zu Monsteraction mit hohem Splatterfaktor. Das alles vor dem Hintergrund einer epischen Sci-Fi-Geschichte, welche mit sehr persönlichen Schicksalen verknüpft ist. Wie gesagt, eine wahre Wundertüte von einem Film.
Manchmal übertreibt es der Film ein wenig mit der Ausschöpfung der Genrekonventionen. Da gibt es plötzlich Kampfszenen, die an Martial Arts erinnern und manche Figuren wirken auch etwas deplatziert. Doch alles in allem bleibt die Atmosphäre schön dicht und die Geschichte ist mitreißend und unkonventionell genug, um aus dem Film mehr als nur eine Ansammlung von Versatzstücken zu machen. Zudem hat Alvert das Ende wirklich schön hinbekommen und ich finde es sehr schade, dass die ursprünglich geplante Trilogie wohl nicht umgesetzt wird.
Wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich „The Descent“ im Weltall anfühlt oder wie wohl ein Spin-off der Serie „Firefly“ bzw. „Serenity“ ausgesehen hätte, das die Reaver ins Zentrum der Handlung stellt, der dürfte ziemlich viel Spaß mit „Pandorum“ haben. Auch allen anderen Genrefreunden – und wirklich auch nur diesen – kann ich den Film nur wärmstens ans Herz legen: 8/10 Punkte.
Kaum sind vier Wochen vergangen seit ich „Batman Begins“ gesehen habe, kann ich endlich die Besprechung zu meiner ersten Wiederholungssichtung von „The Dark Knight“ schreiben. Der Hype um das Sequel ist inzwischen auch abgeflacht, was dem Filmerlebnis durchaus zugute kommt. Heute kann man Christopher Nolans Comicverfilmung endlich vorurteilsfrei genießen.

Für mich wird „The Dark Kight“ immer ein besonderer Film sein, was aber hauptsächlich an den äußeren Umständen meiner Erstsichtung liegt. Vor drei Jahren während unserer Hochzeitsreise im verschlafenen Williamsport, PA war das einer dieser magischen Kinobesuche, die man wohl nie vergessen wird. Der Film war beinahe schon nebensächlich, wenngleich er mich bereits damals äußerst gut zu unterhalten wusste. Dennoch habe ich ihn eher als ziemlich guten Thriller wahrgenommen, als das cineastische Meisterwerk, als das er angekündigt wurde.
Auch gestern habe ich keine filmgewordene Offenbarung gesehen, jedoch einen ziemlich perfekten Unterhaltungsfilm, der mir noch besser gefallen hat, als bei der Erstsichtung. Einerseits konnte ich mich mehr auf den Film konzentrieren und andererseits wurde ich von der technisch perfekten Präsentation der Blu-ray ziemlich umgehauen. Die IMAX-Szenen sind wirklich atemberaubend und fügen sich erstaunlich gut in das CinemaScope-Bild des restlichen Films ein. Ein audiovisuelles Festmahl, dem glücklicherweise auch der Inhalt in nahezu nichts nachsteht.
An den ersten beiden Dritteln des Films habe ich absolut nichts auszusetzen. Es ist eine wahre Freude Heath Ledgers diabolischem Joker zuzusehen. Einfach nur großartig. Christian Bale bleibt als Batman dagegen ziemlich blass, was mich bei der gestrigen Sichtung jedoch nicht sonderlich störte. Vermutlich weil mir seine verhältnismäßig detaillierte Charakterzeichnung aus „Batman Begins“ noch ziemlich gut im Kopf war. Einzig im letzten Drittel bricht die Handlung des Films meiner Meinung nach etwas ein. Harvey ‚Tow Face‘ Dent wirkte für mich hier zu sehr wie das Mittel zum Zweck und konnte mich als eigenständiger Charakter eher wenig überzeugen.
Nun habe ich beide „Batman“-Verfilmungen von Christopher Nolan mit größerem zeitlichen Abstand erneut gesehen. Ich kann für mich festhalten, dass es wirklich fantastische Filme sind. Technisch perfekt und inhaltlich erstaunlich erwachsen. Welcher Film nun besser ist? Ich könnte mich im Moment nicht festlegen, wünsche mir für „The Dark Knight Rises“ insgeheim aber wieder mehr Comic als Realismus. Auch nach dem Hype immer noch großartiges Unterhaltungskino: 9/10 Punkte.
Nach langer, langer Zeit habe ich mich doch tatsächlich zu einem Blindkauf hinreißen lassen. Adam Brooks „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ schien mir eine gute Wahl zu sein, um dem Genre der romantischen Komödie einmal wieder einen Besuch abzustatten. Doch wie wir wissen, gibt es bei Blindkäufen nur eine 50:50-Chance tatsächlich einen guten Film zu erwischen. Zu welcher Gruppe darf sich „Definitely, Maybe“ zählen?

Normalerweise spare ich mir bei meinen Filmbesprechungen eine Zusammenfassung der Handlung. Schließlich gibt es dafür genügend Webseiten. Doch dieser Film macht mir leicht: Mit „Definitely, Maybe“ erlebt der Zuschauer die Prämisse von „How I Met Your Mother“ – nur eben in Film- statt Serienform. Ryan Reynolds (Berg, „Two Guys and a Girl“) spielt Will Hayes, einen Vater, der sich gerade in der Scheidung befindet und seiner Tochter zu erklären versucht, warum das mit ihm und ihrer Mutter nicht so ganz einfach ist. Der Clou bei der Sache: Er erzählt von drei Frauen in seinem Leben und lässt die Tochter raten, welche von diesen letztendlich ihre Mutter ist. Eine Mystery-RomCom sozusagen.
Die Geschichte umspannt beinahe 20 Jahre und entführt den Zuschauer somit ins New York der 90er Jahre. Man erlebt, wie Will Hayes in der New Yorker Wahlkampfzentrale Bill Clintons mitarbeitete, wie er seine eigene Firma aufbaut und natürlich wie er die drei Frauen kennenlernte, die die romantische Seite seines Leben prägten. Ich war wirklich erstaunt und erfreut, wie wenig auf den Beziehungskisten herumgeritten wird und wieviel Freiraum der eigentlichen Charakterentwicklung eingeräumt wurde. Sehr gelungen.
Gegen Ende gelingt es jedoch auch „Definitely, Maybe“ nicht den für romantische Komödien obligatorischen Kitsch komplett zu umschiffen. Doch mich hat das nicht weiter gestört, denn auch der Kitsch gehört eben zum Genre. Zudem hat der Film mit seiner Vater-Tochter-Beziehung bei mir natürlich voll in eine Kerbe geschlagen. Somit konnte ich auch über diverse Logikfehler und Ungereimtheiten hinwegsehen.
Wenn man sich darauf einlässt, bietet Adam Brooks „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ wunderbare Unterhaltung mit tollen Darstellern (u.a. Isla Fisher, Kevin Kline), einem gut geschriebenen Drehbuch und einem von Florian Ballhaus toll eingefangenem Big Apple. Ich kann nicht verstehen, warum der Film – im Gegensatz zu anderen, weit klischeehafteren Vertetern des Genres – so untergegangen ist. Einfach nur gute, kurzweilige Unterhaltung: 8/10 Punkte.
Vielleicht liegt es an meiner relativ langen Filmabstinenz – immerhin sind seit meiner letzten Filmsichtung bereits drei Wochen vergangen – doch Christopher Nolans „Batman Begins“ hat mir gestern weit besser gefallen, als noch bei der Erstsichtung vor dreieinhalb Jahren. Inzwischen kann ich den Film auch gut mit dem Nachfolger „The Dark Knight“ vergleichen, was neue Blickwinkel auf Nolans bombastische Comicaction zulässt.

Wie bereits bei der letzten Sichtung hat mir die erste Hälfte des Films wirklich ausgezeichnet gefallen. Man erlebt die Heldengeburt in all ihren Facetten, ohne dass diese jedoch zu abgedroschen oder vorhersehbar erscheint. Nolan zementiert hier bereits – auch wenn man dies als Zuschauer anfangs nicht wahrnimmt – das Fundament für den Hauptteil des Films, in der Batman zu voller Größe heranwächst. Ein weiterer Grund für die wirklich unterhaltsame Art und Weise der Heldengeburt ist Nolans auf düsteren Realismus getrimmte Inszenierung, welche damals noch ein Novum im Superheldengenre darstellte.
Die zweite Hälfte des Films hat sich für mich dieses Mal besser in den Film integriert, als noch bei der Erstsichtung. Zwar ist stilistisch durchaus ein gewisser Bruch festzustellen – auch besonders im Vergleich zu „The Dark Knight“ – doch macht dieser für die erzählte Geschichte durchaus Sinn. In diesem Abschnitt des Films erinnert Nolans Werk deutlich mehr an die „Batman“-Filme Tim Burtons, was sich besonders in der artifiziellen Darstellung von Gotham City und speziell The Narrows verdeutlicht. Hätte man den Film zuvor auch als klassischen Actionthriller klassifizieren können, gibt es nun keinen Zweifel mehr, dass „Batman Begins“ der Comicwelt entspringt.
Auch wenn mich der Film bei meiner gestrigen Sichtung nahezu perfekt zu unterhalten wusste, so habe ich doch immer noch einen Kritikpunkt. Wie auch in „Inception“ übertreibt es Nolan hier mit einer Actionszene. War es in dem Sci-Fi-Thriller die Schießerei in den Bergen, so gibt es hier deutliche Längen in der Verfolgungsjagd mit dem Batmobil. Zwar gut und mitreißend inszeniert, doch oft redundant und auf Dauer etwas ermüdend. Insgesamt ist dies aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einem großartigen Filmerlebnis.
Nach der gestrigen Sichtung bin ich nun wieder richtig heiß auf „The Dark Knight“ und freue mich auch bereits auf dessen Nachfolger, der wohl wieder alle Rekorde brechen dürfte. Im Moment sehe ich „Batman Begins“ noch als stärksten Film der Reihe, doch dies kann sich mit der erneuten Sichtung der Fortsetzung wieder schlagartig ändern. Nahezu perfekt inszeniertes Unterhaltungskino: 9/10 Punkte.
Aktualisierung: Ich habe „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ am 30. Juni 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.
Nachdem in letzter Zeit eher düstere Sci-Fi-Filme unser Heimkino dominiert haben, war es einmal wieder Zeit für eine Komödie. Die Wahl ist auf Jay Roachs „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ gefallen, bei dessen Kinosichtung ich damals recht viel Spaß hatte. Zudem läuft die Fortsetzung aktuell im Kino und wenn ich auch nicht glaube, dass wir es zeitlich schaffen, so kann eine prophylaktische Auffrischung dennoch nicht schaden.

Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich (2004) | © Paramount Pictures
Der Auftakt der Filmreihe gehört immer noch zu meinen liebsten romantischen Komödien. Jay Roach ist es mit „Meet the Parents“ gelungen, die richtige Balance zwischen überdrehtem Slapstick, Romantik und augenzwinkernder Familiengeschichte zu finden. Bereits in den von mir sehr geschätzten „Austin Powers“-Filmen hatte er ein Händchen für wunderbares Comic Timing bewiesen und wusste demnach auch hier seine Stars (Ben Stiller und Robert De Niro) entsprechend in Szene zu setzen.
Der zweite Teil fügt dem ohnehin guten Ensemble noch Dustin Hoffman und Barabara Streisand hinzu. In „Meet the Parents“ ist es demnach vor allem eine Freude Kinogrößen, wie De Niro oder Hoffmann, völlig übertrieben und von jeglichen Grenzen befreit, gegeneinander antreten zu sehen. Die Rahmenhandlung ist dabei vernachlässigbar und vermutlich hätte der Film für mich noch besser funktioniert, wenn man auf den Subplot rund das Kindermädchen verzichtet hätte – aber nun gut, irgendeinen Konflikt musste es eben geben.
Wer von dem Film aufgrund seiner großen Namen einen gewissen Anspruch erwartet, der sollte wissen, dass einer der Running Gags Robert De Niro mit künstlicher Silikonbrust beinhaltet. Doch „Meet the Fockers“ macht besonders dann Spaß, wenn man sich auf ebensolchen Humor einlässt. Dabei wird es nicht zu platt und die Charaktere bleiben – bis zum unvermeidlichen Happy End – auch allesamt symapthisch. Für mich eine gelungene Fortsetzung, die trotz Hofmann und Streisand jedoch nicht ganz an ihren Vorgänger heranreicht: 7/10 Punkte.
Der bislang leider letzte Teil der „Alien“-Saga ist auch der einzige, den ich im Kino gesehen habe. Jean-Pierre Jeunets „Alien: Die Wiedergeburt“ wurde bereits damals sehr kritisch aufgenommen und ich weiß noch genau, dass sich die meisten meiner Freunde einer Sichtung verweigert hatten. Der harte Kern, der den Kinobesuch wagte, war jedoch begeistert und ich erinnere mich noch an den Spaß, den ich bereits damals mit dem Film hatte.

Wenn man bedenkt, dass bereits David Finchers „Alien 3“ zu kämpfen hatte, die Gunst der Fans zu erlangen, so ist es nicht erstaunlich, dass auch Jeunets „Alien: Resurrection“ bis heute nicht so richtig akzeptiert worden ist. War der direkte Vorgänger ein düsteres und beinahe schon existenzielles Drama, so wurde mit dem vierten Teil der Reihe eine hundertprozentige Kehrtwendung vollzogen und aus dem düsteren Sci-Fi-Horror wurde eine bunte und beinahe schon comichafte Groteske.
Anfangs fiel es mir schwer zu akzeptieren, dass Rilpey nun nur noch ein Klon war und man Weyland-Yutani durch eine gesichtslose Militärorganisation ersetzt hatte. Doch dieser Eindruck währte selbst bei der Erstsichtung nur einen kurzen Moment, denn bevor man sich groß Gedanken machen kann, prescht der Film mit herrlich absurden Ideen vorwärts, die mich als Zuschauer beständig zwischen Lachen und Entsetzen pendeln ließen. Heute weiß ich, wem die gelungenen Aspekte des Films zu verdanken sind und für welchen Serienmeilenstein „Alien: Resurrection“ letztendlich die Grundlage war: Man hatte Joss Whedon für das Drehbuch engagiert, der die Geschichte um eine bunt zusammengewürfelte Crew von Schmugglern herum gestaltete, die nicht nur zufällig an eine nur allzu bekannte Besatzung eines Schiffs der Firefly-Klasse erinnert.
Ich weiß nicht, wie sehr letztendlich an Whedons Drehbuch herumgedoktert wurde, doch man erkennt eindeutig seinen Stil. Besonders Ron Perlmans Johner scheint wie der verlorene Zwillingsbruder von Adam Balwins Jayne und auch die Betty könnte das Zwillingsschiff der Serenity sein. Leider lassen die Dialoge den typischen Whedon-Witz nur erahnen und auch die Handlung des Films könnte ausgewogener und stringenter sein. Jean-Pierre Jeunets visuell brachiale Inszenierung schafft es jedoch inhaltliche Schwächen geschickt zu überspielen – und Ideen hat der Film ohnehin en masse zu bieten. Ob man diese nun gelungen findet oder nicht, ist eben Geschmackssache.
Für mich ist „Alien: Resurrection“ ein absolut sehenswerter Film in einer von mir sehr geschätzten Reihe. Vermutlich gerade weil er nicht versucht die Erfolgsformel der Vorgänger zu kopieren. Neben groteskem Humor, bietet er auch einige verstörende Szenen (z.B. Klone 1-7 und insbesondere das Alien-Baby), welche durchaus Diskussionspotential bieten – und soweit ich mich entsinne auch tatsächlich geboten haben. Ein seltsamer Abschluss, den man jedoch nicht vorschnell verurteilen sollte: 8/10 Punkte.
Eigentlich müsste ich für David Finchers „Alien 3“ zwei Einträge schreiben. Einen, der den Film verreißt und sein ungenutztes Potential anprangert, und einen weiteren, der die wunderbar düstere Inszenierung des Films lobt sowie die seltsame Wirkung, die er auf mich als Zuschauer hat, herausstellt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen und ich möchte versuchen, die ambivalente Wirkung des Films im Folgenden entsprechend darzustellen.

Jedes Mal, wenn ich „Alien 3“ sehe, muss ich mich erst einmal aufregen. Warum nur hat man diesen Weg gewählt? In „Aliens“ aufwändig eingeführte Charaktere werden einfach so wieder aus der Geschichte herausgeschrieben. Was hätte es da für Möglichkeiten gegeben. Die Abenteuer von Ripley, Newt und Hicks – aber nein, statt dessen gibt es seltsame Mönche und ein Hunde- bzw. Kuh-Alien. Ich verstehe wirklich nicht, wie man sich nur für diesen Drehbuchentwurf entscheiden konnte. Bei „Alien 3“ mag ja durchaus einiges funktionieren, das Drehbuch gehört leider nicht dazu.
Ich höre nun viele Fans aufschreien, die dem Film eine ähnliche Dichte zuschreiben, wie Ridley Scotts grandiosem Ursprung der Reihe. Doch mal ehrlich: Die Geschichte ist nichts weiter als eine lauwarme Kopie des klaustrophobischen Klassikers und auch wenn Fincher alle Register zieht, so bleibt die Spannung hier teils einfach auf der Strecke. Dieser seltsame Gefangenenorden mit seinen bedeutungsschwangeren Reden und pseudoreligiösen Anspielungen will einfach nicht so recht ins Alien-Universum passen. Da reißt auch der überinszenierte Weyland-Yutani-Auftritt am Ende des Films nichts mehr.
Trotz meiner durchaus massiven Kritikpunkte liebe ich den Film auf besondere Art und Weise. David Fincher hat das durchschnittliche Drehbuch genommen und famos atmosphärische Bilder geschaffen, welche die allgegenwärtige Finsternis direkt ins Herz der Zuschauer projizieren. Besonders Ripleys neuer Look hat etwas Ikonographisches an sich und wird wohl stets mit der Filmreihe verbunden werden. Überhaupt fand ich Sigourney Weavers Spiel grandios. Ihr gelingt es perfekt die neue Ausgangslage in spürbare Verzweiflung und Entschlossenheit umzusetzen. Die letzte halbe Stunde des Films ist – nach einigen Längen – auch endlich Spannungskino vom Feinsten: Die Jagd des Aliens durch die Gänge samt subjektiver Kameraperspektive ist einfach überwältigend.
Wenn man über „Alien 3“ schreibt, so muss man zwangsläufig die unterschiedlichen Schnittfassungen erwähnen. Ich habe gestern zum zweiten Mal die sogannte Special Edition gesehen, welche eigentlich einen auf Hochglanz polierten Workprint darstellt. Es ist nicht der ominöse Director’s Cut, da das Kapitel „Alien 3“ für David Fincher endgültig abgeschlossen ist. Ich für meinen Teil denke jedoch, dass auch ein solcher nicht viel mehr aus dem Film hätte herausholen können. Dazu sind die Schwächen einfach zu sehr im Drehbuch begründet.
Die erweiterte Fassung ist durchaus sehenswert und transportiert noch mehr von der beinahe schon zu düsteren Atmosphäre. Man lernt die Charaktere besser kennen, wodurch sie nicht mehr zu reinem Alienfutter verkommen. Einer der größten neuen Handlungsblöcke – die Gefangennahme des Aliens – ist allerdings ziemlich redundant zur finalen Falle und fügt der Geschichte keine wirklich neuen Aspekte hinzu. In meinen Augen ist keine Fassung der anderen wirklich überlegen. Für Fans lohnt sich ein Blick auf die erweiterte Fassung dennoch auf jeden Fall. Für alle anderen ist es eben wie Hund oder Kuh – und ja, ich finde das sollte als reguläres Sprichwort anerkannt werden.
Wie man es auch dreht und wendet, „Alien 3“ ist eine kleine Enttäuschung. Die nun folgende Bewertung ist, objektiv betrachtet, bestimmt zu gut für den Film, doch für mich gehört er inzwischen einfach zu der Reihe und wenn ein Film es schafft, dass ich bei jeder Sichtung mit mir selbst ringe und zwischen Verzweiflung und Begeisterung schwanke, dann hat er auf jeden Fall einiges richtig gemacht. Eine filmische Hassliebe, die ich über die Jahre lieben gelernt habe: 8/10 Punkte.
Nach einer schlaflosen Nacht und einem ziemlich turbulenten Tag aufgrund eines fiebrigen und zahnenden Zappelinchens, war uns nur noch nach seichter Unterhaltung. Folglich haben wir uns Joseph Vilsmaiers „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ angesehen. Die Verfilmung des bayerischen Volksstücks hatte zwar keine sonderlich guten Kritiken bekommen, schien jedoch genau das Richtige für einen Abend, an dem es mit der Konzentration nicht mehr weit her war.

Die Geschichte um einen Büchsenmacher, der den Tod um 21 weitere Lebensjahre betrügt, ist an und für sich nett und bietet Potential für etliche komische Verwicklungen. So erwartete ich eine Komödie, welche aus dieser Prämisse ihr Kapital schlägt. Zu sehen bekam ich dagegen ein ziemlich biederes Heimatdramödchen, welches zwar mit schönen Bildern auftrumpfen kann, jedoch beständig unentschlossen zwischen Drama und Komödie hin- und herpendelt. Die Szenen im Himmel sind bestimmt lustig gemeint, doch wirken sie peinlich und als hätte man aus Versehen Szenen eines anderen Films in die Geschichte hineingeschnitten.
So schön die Naturaufnahmen anzusehen sind und so wunderbar Franz-Xaver Kroetz den eigensinnigen Brandner Kaspar verkörpert, so verpasst es das Drehbuch eine stringente Dramaturgie aufzubauen. Die Regie versagt zudem die teils durchaus komischen Szenen rund um den Boandlkramer (nach einer gewissen Gewöhnungsphase ziemlich nett gespielt von Michael ‚Bully‘ Herbig) entsprechend in Szene zu setzen. So ehrenhaft es sein mag, den Heimatfilm wieder populär zu machen, so verkrampft und humorfrei bleibt dieser Versuch leider. Dann lieber Marcus H. Rosenmüllers gelungenen „Wer früher stirbt, ist länger tot“, der sich einer ähnlichen Thematik bedient.
„Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ hat durchaus seine Momente, welche allesamt den wunderbaren Schauspielern zu verdanken sind. Leider schaffen sie es nicht gegen die dröge Inszenierung und das holprige Drehbuch anzuspielen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen. Schade um die netten Ansätze und die verpasste Chance diese urbayerische Geschichte einem größeren Publikum besser zu verkaufen: 4/10 Punkte.