Wir kaufen einen Zoo – OT: We Bought a Zoo

Zunächst eine Warnung: Zyniker sollten einen großen Bogen um diesen Film machen und besser auch meine Rezension meiden. Wer nun noch übrig bleibt und beim Titel „Wir kaufen einen Zoo“ nicht das Weite sucht, der könnte die Chance haben mit diesem Film für zwei Stunden in eine bessere Welt zu entfliehen. Eine vorhersehbare und idealisierte Welt, doch gleichzeitig wahrhaftig und emotional reichhaltig. Außerdem mag ich Zoos…

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Cameron Crowe hat mich bisher noch nie enttäuscht. Sein „Singles“ war für mich stets die bessere „Reality Bites“-Variante, seinen Erfolgsfilm „Jerry Maguire“ fand ich äußerst unterhaltsam, obwohl ich mit der Sportsthematik nichts anfangen kann, „Almost Famous“ würde ich sogar fast zu meinen Lieblingsfilmen zählen und selbst das Remake „Vanilla Sky“ konnte mich in Teilen begeistern. Auch „We Bought a Zoo“ merkt man die typische Handschrift Crowes an, was sich besonders durch den Soundtrack und die darin eingesetzt Musik bemerkbar macht. Doch was hat der Film inhaltlich zu bieten?

Der Titel ist Programm. Benjamin Mee (Matt Damon) kauft nach dem Tod seiner Frau einen Zoo, um mit seinen beiden Kindern dem Schatten der Vergangenheit zu entfliehen und einen Neubeginn zu wagen. So einfach, so absurd, so erstaunlich. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und wirkt dennoch wie eine Fantasie. Der Film ist äußerst emotional und manche Szenen drücken durchaus manipulativ auf die Tränendrüse des Zuschauers, was mich hier jedoch nicht sonderlich gestört hat. Der Film ist einfach – und das können heute nicht mehr viele Filme von sich behaupten – schön. Kein Hintergedanke, keine Meta-Ebene – einfach nur schön.

Neben Matt Damon finden sich Scarlett Johansson, Thomas Haden Church und Elle Fanning im Zoo der Familie Mee ein. Eine absolut runde Besetzung, die für mich jedoch von Maggie Elizabeth Jones übertrumpft wurde – aber hier bin ich wahrscheinlich voreingenommen, denn mich hat noch keine andere Kinderdarstellerin so sehr an meine eigene Tochter erinnert, wie sie. Unglaublich und in manchen Szenen beinahe schon unheimlich. Einen Bonuspunkt hat der Film dadurch auf jeden Fall schon sicher.

Auch wenn es keine Überraschungen gibt, so hat mich der Film über seine komplette Laufzeit bestens unterhalten. Das Drehbuch ist oft nicht perfekt und manchmal hätte ich mir eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht. Dennoch hat mich der Film berührt, mich zum Lachen gebracht und mit einem warmen Gefühl ums Herz zurückgelassen. Das braucht man nicht immer, doch ist in unserer Welt, in der Zynismus – besonders in Filmen – häufig mit Coolness verwechselt wird, ab und zu durchaus eine nette Abwechslung. Einfach nur schön und mit einem Bonuspunkt für das Zappelinchen-Look-Alike: 8/10 Punkte.

Rock of Ages – Extended Cut

Heute hätte ich schwören können, dass ich vor dem Fernseher einschlafe. Zu lange Arbeitstage, zu zermürbende Aufgaben und eine geballte Ladung Kinder am Feierabend. Vielleicht habe ich mich deshalb für die Musical-Verfilmung „Rock of Ages“ (gesehen im Extended Cut) entschieden. Obwohl mich der Film interessierte, waren meine Erwartungen aufgrund ziemlich mieser Kritiken nicht sonderlich hoch – doch was soll ich sagen? Ich bin noch wach und wurde bestens unterhalten…

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Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass man mit „Rock of Ages“ ein Musical sieht. Ein verfilmtes Musical und keine Dokumentation über die Rockmusik der 80er Jahre. Wie bei nahezu jedem Musical-Film sollte man deshalb – besonders wenn etliche Rollen von bekannten Filmstars besetzt sind – über eine gewisse Fremdschäm-Toleranz verfügen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Musicals nimmt sich der Film zu keiner Zeit ernst. Die dargestellten 80er Jahre sind eine überstilisierte Version dieses Zeit. Künstlich, cheesy und larger than life. Eine glorifizierte Erinnerung inklusive aller Klischees, die die 80er Jahre so mit sich bringen.

Was die Musik angeht, kann ich mich auch nicht beschweren. Selbst wenn Gitarrenmusik im weitesten Sinne zu meinen bevorzugten Genres zählt, so bin ich nicht der größte Fan von 80er Jahr Stadionrock. Dennoch kenne ich natürlich all die gespielten Songs und bin größtenteils mit ihnen aufgewachsen. Ja, sie sind überproduziert und natürlich klingen sie im Original besser, doch macht es unglaublich viel Spaß Tom Cruise, Alex Baldwin, Russell Brand, Catherine Zeta-Jones, Paul Giamatti usw. all die großen Hits performen zu sehen. Mit DON’T STOP BELIEVIN‘ endet der Film zudem mit einem meiner absoluten Lieblingssongs der Ära, was den Film noch einmal in ein positiveres Licht rückt.

Kritikpunkte gibt es – ganz objektiv gesehen – natürlich zuhauf. So ist das Drehbuch platter als eine Vinylscheibe und der Ausgang der Geschichte ist bereits ab der ersten Szene klar. Die beiden Hauptfiguren sind zudem nicht sonderlich charismatisch, aber weit nicht so schrecklich, wie ich das nach den teils bitterbösen Kritiken befürchtet hatte. Ebenso hat der Film im Mittelteil einige Längen, welche jedoch stets durch eine wunderbar inszenierte Musicalnummer unterbochen werden. Der Film ist somit alles andere als perfekt, doch hat er teils herrliche Dialoge, fantastische Songeinlagen – u.a. zwischen Alec Baldwin und Russell Brand das beste Liebesduett überhaupt – und großartige Darsteller, die sich zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen.

Auch wenn ich mit dieser Kritik vermutlich wieder Kopfschütteln in der filmischen Blogosphäre hervorrufe, so kann ich den Film doch nur wärmstens empfehlen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Wenn also auch ihr nur annähernd etwas mit der Rockmusik der späten 80er Jahre, Musicals an sich und sowohl kitschigem als auch selbstironischem Pathos anfangen könnt, dann solltet ihr eure Luftgitarren auspacken und „Rock of Ages“ eine Chance geben – das hat der Film mehr als verdient: 8/10 Punkte.

Headhunters – OT: Hodejegerne (2011)

Nachdem ich sowohl in diversen Kritiken, als auch meinem Freundeskreis viel Gutes über den Film gehört hatte, wollte ich mir selbst ein Bild von der Jo Nesbø-Verfilmung „Headhunters“ machen. Hinzu kamen Vergleiche zur berühmten Millennium-Trilogie, die mir sowohl in Roman- als auch Filmform ziemlich gut gefallen hatte. Folglich war ich gespannt, was der erneute Ausflug in die düsteren Gefilde Skandinaviens denn so zu bieten hat…

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Zunächst einmal fällt auf, dass sich Jo Nesbø bzw. Regisseur Morten Tyldum viel Zeit für die Einführung der Figuren und die Darlegung der Prämisse nimmt. In der ersten halben Stunde ist vom groß angekündigten Thrill somit noch nicht viel zu spüren, was ich aber durchaus positiv bewerte. Das Voice-over der Hauptperson rückt die Romanherkunft der Geschichte zudem in den Vordergrund und man wird recht schnell in die Handlung hineingezogen. Von Anfang an hat mich jedoch gestört, dass die Figuren oft – ohne jegliche Erklärung – ziemlich dämlich handeln und es für ihre fragwürdigen Aktionen keinerlei Motivation zu geben scheint.

Nach ca. 30 Minuten zieht das Tempo ziemlich an und es beginnt eine halsbrecherische Flucht, die jedoch weder so drastisch noch innovativ inszeniert ist, wie ich das andernorts oft gelesen hatte. Ziemlich unterhaltsam und mit netten Wendungen, doch fehlten mir besonders an dieser Stelle Erklärungen für die Beweggründe der Figuren. Es mag sein, dass dies in der Vorlage absolut stimmig ist, doch in dieser Adaption bekommt man letztendlich nur einen netten Krimi/Thriller mit teils hanebüchenen Plot Points zu sehen.

Wenn es einem gelingt den Kopf abzuschalten, dann kann man viel Spaß mit „Headhunters“ haben. Die Charaktere sind nett geschrieben und gut gespielt (u.a. von Nikolaj Coster-Waldau, der Jaime Lannister in „Game of Thrones“ verkörpert) und die Inszenierung packend. Letztendlich hatte ich mir nach den starken Kritiken aber deutlich mehr erwartet. Dem dem Vergleich mit der Millennium-Trilogie hält die Geschichte zudem weder in ihrer Tragweite noch aufgrund ihrer Figuren stand. Freunde von skandinavischen Thrillern dürfen dennoch gerne einmal reinschauen: 6/10 Punkte.

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010) (WS1)

Nach beinahe zwei Wochen notgedrungener Filmpause, sollte man wohl nicht gerade mit einer Wiederholungssichtung von Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ in die Welt der bewegten Bilder zurückkehren. Doch die anderen Filme auf meiner Liste sprengen die 140-Minuten-Grenze, der Tag war anstrengend, die Uhrzeit schon fortgeschritten und die Fortsetzung „Zorn der Titanen“ steht schließlich auch schon zu lange ungesehen im Regal…

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Um es kurz zu machen: Heute war ein actiongeladener, bereits bekannter Popcornfilm nötig, bei dem ich notfalls auch hätte wegdämmern können. Doch auch wenn ich ein paar Mal kurz davor stand, so schaffte es der Schlaf nicht, mich zu übermannen. Somit erlebte ich – nach der Erstsichtung vor gut zwei Jahren – abermals, wie sich Halbgott Perseus mit allerlei Gestalten der griechischen Mytologie kloppt und gegen Zeus und Co. aufbegehrt. Die Handlung bleibt dabei auf das Wesentliche beschränkt und lenkt nicht mit so etwas wie Charakterzeichnung oder intelligenten Dialogen ab. Alles ist leicht verdaulich und morgen werde ich den Film abermals wieder vergessen haben.

Normalerweise sind alle Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära episch und ausufernd, besonders in ihrer Laufzeit, der Anzahl der Charaktere und der Beschreibung der Welt, in der die Geschichte spielt. In dieser Hinsicht ist es beinahe schon erfrischend, wie wenig sich das 2010er „Clash of the Titans“-Remake um all das kümmert. Es geht Schlag auf Schlag und der Film macht in seiner wilden Hetzjagd durch die meisten Genreklischees keine Gefangenen. Wer hier wirklich kritisiert, dass Leterrier die griechische Mythenwelt nicht ernst nimmt, der sollte am besten bei Phoenix bleiben.

Ich für meinen Teil wurde erneut ziemlich gut unterhalten und freue mich tatsächlich schon auf die Fortsetzung, von der ich mir vor allem zwei Dinge erhoffe: noch mehr Monster und noch mehr Gekloppe. Zur kritisieren gibt es natürlich zuhauf, doch das wisst ihr schließlich selbst. Ich habe die erneute Sichtung nicht bereut und auch wenn der Film neben seinen Schauwerten kaum etwas zu bieten hat, so reichen diese vollkommen aus mich alle paar Jahre für knapp 100 Minuten bei Laune zu halten: 6/10 Punkte.

Der Gott des Gemetzels – OT: Carnage (2011)

Gestern noch im Theater gewesen und ein beeindruckende und famos gespielte Aufführung von John Donnellys „The Knowledge“ gesehen und heute Abend tatsächlich ein ähnliches Erlebnis gehabt: Roman Polanskis Verfilmung von Yasmina Rezas Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ war für mich beinahe ebenso intensiv und in der Kombination aus Komik und Gesellschaftskritik auch inhaltlich verwandt. Ob die filmische Umsetzung dem Stück gerecht wurde?

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Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich begeistert bin, endlich einmal wieder einen aktuellen Film mit einer Laufzeit unter 90 Minuten gesehen zu haben. Was vor 10 Jahren noch völlig normal war, ist heute schon eine Seltenheit – laufen doch selbst ganz simple Komödien meist nicht unter 120 Minuten. Davon einmal abgesehen wirkt das Kammerspiel alles andere als klein und man muss neidlos zugeben, dass Polanski jeden nur erdenklichen Kniff versucht hat, das Stück besonders filmisch umzusetzen. Somit fühlt man sich stets, als wäre man selbst in der Wohnung der Longstreets am Brooklyn Bridge Park gefangen und könnte der peinlichen Zusammenkunft ebensowenig entkommen, wie die Charaktere.

Ob es für die Umsetzung vier so bekannte Schauspieler und etliche Kameraspielereien gebraucht hätte? Ich vermute nicht. Doch hätte „Der Gott des Gemetzels“ dann wahrscheinlich nicht die Presse bekommen, die ihn letztendlich auch erst in mein Bewusstsein rückte – und zugegeben: Es ist schon famos mit anzusehen, wie sich Jodie Foster, John C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz aufstacheln, anzicken und letztendlich ganz offen bekriegen. Ein Schauspielerfilm, der durch diese eben auch ganz besondere Schauwerte bietet.

Inhaltlich ist der Film sehr gelungen, wenngleich es auch keine großen Überraschungen gibt. Von Anfang an ist klar, dass sich die Kinder der beiden ach so zivilisierten Elternpaare – und der Epilog sollte diese Annahme bestätigen – wahrscheinlich schon längst wieder vertragen haben, während im Wohnzimmer der Longstreets die Fetzen fliegen. Doch es geht eher um die Details der Eskalation und in diesen werden schmerzlich komische Wahrheiten seziert, die – natürlich maßlos übersteigert – dann auch ins Schwarze treffen.

Mich hat „Der Gott des Gemetzels“ ziemlich gut unterhalten, wenngleich ich das Apartment auch ganz gerne verlassen hätte. Doch genau darum geht es wohl in dem Film. Wer unsere Stars einmal in einer etwas anderen Rolle sehen möchte und Kammerspielen nicht abgeneigt ist, der sollte sich diesen Film auf jeden Fall anschauen. Nach den 80 Minuten wird man auf jeden Fall froh sein, nicht Teil dieses Gesprächs gewesen zu sein – zumindest vorerst, denn wer weiß in welche Situationen man durch die eigenen Kinder einmal kommt? Ein herrlich unangenehmes Vergnügen: 8/10 Punkte.

Gesetz der Rache – OT: Law Abiding Citizen

Mit F. Gary Grays „Gesetz der Rache“ habe ich mir heute einen Film angesehen, von dem ich im Vorfeld nicht wirklich viel wusste. Zum Glück, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. So bekam ich einen spannenden und wendungsreichen Rachethriller zu sehen, der sich durch einen netten Twist von seinen Genrekollegen abzuheben weiß. Spoiler sind zu erwarten.

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Der Prolog war für mich wieder einmal harter Tobak: Ein Familienvater, der mit ansehen muss, wie seine Frau und seine Tochter bei einem Raubüberfall ermordet werden. Puh! Dies geschieht so schnell und hart, dass man als Zuschauer ziemlich überrumpelt wird. Kurz danach sieht man, wie der Staatsanwalt – gegen den Willen des Vaters – mit einem der Täter einen Deal eingeht, woraufhin dieser schneller als gewünscht auf freien Fuß kommt. 10 Jahre später folgt dann der zu erwartende Rachefeldzug gegen die Täter und eigentlich hätte der Film nach 30 Minuten schon zu Ende sein können – wenn der Vater nicht die Korruptheit des gesamten Justizsystems an den Pranger hätte stellen wollen.

Ein Mann sieht rot. Und dieses Mal muss eine ganze Institution dran glauben. Damit hatte ich zu Beginn wahrlich nicht gerechnet und war entsprechend positiv überrascht. Das Vorgehen des Vaters ist dabei weniger subtil und wird sehr actionreich in Szene gesetzt. Während des Rachefeldzugs erinnert der Film zu Beginn oft eher an Filme wie „Saw“ (inklusive deftigem Splatter und mysteriöser Stimme am Telefon) oder TV-Serien wie „Prison Break“ (Planung über Jahre hinweg, Gefägnis-Setting) werden wach. Der Rächende ist allen Beteiligten mindestens drei Schritte voraus und entsprechend überraschend wirken die meisten seiner Fallen Einfälle.

Die Twists gegen Ende waren für meinen Geschmack dann doch etwas zuviel des Guten. Der Tunnel in seine Zelle? Das einfache Transportieren der Bombe (ob nun von Butlers Figur gewollt oder nicht)? Man muss über so manchen Logikfehler hinwegsehen, um sich nicht den Spaß verderben zu lassen. Den macht „Law Abiding Citizen“ (so der weit gelungenere Originaltitel) auf jeden Fall. Ein netter Thriller für Zwischendurch, der oft wirkt als hätte er mehr sein können, als nur ein simpler Actionthriller. So ist die beste Szene in meinen Augen die, in der eine Richterin Butlers auf der Anklagebank sitzenden Charakter nach ein wenig Justiz-Bullshit-Bingo auf Kaution gehen lassen möchte und dieser sie und das Rechtssystem scharf verbal attakiert. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.

Für Freunde von Rachethrillern und Actionfilmen härerer Gangart ist „Law Abiding Citizen“ eine nette Abwechslung. Trotz komplexerer Handlung sollte man sich von der Geschichte letztendlich nicht zu viel erwarten. Einer Zweitsichtung wird der Film aufgrund der fehlenden Spannung wohl nicht standhalten. Für einmalige Unterhaltung ist der Film jedoch ziemlich gut geeignet: 7/10 Punkte.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – OT: The Hobbit: An Unexpected Journey (2012)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ am 27. Dezember 2013, am 13. Dezember 2014, am 19. Dezember 2015 und am 25. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Seit ich Peter Peter Jacksons Verfilmung der „Der Herr der Ringe“-Trilogie kennen und lieben gelernt habe, war die Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Vorgänger ein großer Wunsch von mir. Gestern war es – nach etlichen Startschwierigkeiten – endlich soweit und ich konnte mir „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (OV, 3D mit 24 fps) auf der großen Leindwand ansehen. Die Erwartungen waren hoch, die Ängste aufgrund viel zu vieler bereits gelesener Rezensionen auch. Würde der Film an die alte Trilogie anschließen können oder würde ich bitter enttäuscht werden?

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Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung von „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ vor nun schon über 10 Jahren fehlte von Beginn an ganz klar die Magie. Seitdem hat sich das Marketing von Filmen extrem gewandelt und jeder noch so kleine Schnippsel wird bereits im Vorfeld breitgetreten und ausgiebig diskutiert. Ich selbst bin mit meinem Blog natürlich Teil dieser Maschinerie und freue mich auch stets über die aktuellsten Trailer und andere Neuigkeiten, doch manchmal wünschte ich mir die unschuldige Vorfreude von damals zurück. Zuviel Kalkül, zuviel Analyse, zuviel Meinung. Damals gab es ein paar wenige Filmseiten im Netz, ansonsten hat man sich auf Zeitschriften oder Mundpropaganda verlassen. Während der heutigen Sichtung spukte mir jedoch bereits die Kritik an einzelnen Szenen im Kopf herum, was dem Filmerlebnis sicher nicht zuträglich war.

Doch genug des Genörgels eines alten Mannes und zum lang erwarteten Film: Sobald die ersten Noten von Howard Shores abermals äußerst gelungenen Scores erklingen, erwacht Mittelerde zum Leben. Ich habe mich sofort wieder heimisch im Auenland gefühlt und der Kniff, die erzählerische Klammer parallel zu Bilbos Geburtstagsfeier in „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ zu inszenieren, hat bei mir sofort gezündet. Überhaupt habe ich den Prolog in Beutelsend sehr gemocht und fand die Einführung der Zwergenbande einfach nur unglaublich unterhaltsam. Genau so habe ich mir das beim Lesen der Vorlage vorgestellt. Herrlich!

Die meisten Kritiker – und auch das spukte mir während der Sichtung beständig im Kopf herum – scheinen den zweiten Teil des Films um einiges gelungener zu finden, als die recht langsame erste Häfte. Dies kann ich für meinen Teil so nicht nachvollziehen, finden sich meine Kritikpunkte doch hauptsächlich in der zweiten Filmhälfte wieder. Die Begegnung mit Gollum fand ich zwar famos in Szene gesetzt, doch die 3D-Achterbahnfahrten durch das Nebelgebirge samt comichaftem Goblin-König? Nein, so hatte ich mir das nicht ausgemalt. Dabei hatte ich größte Hoffnungen für diesen Teil der Erzählung, da die Reise durch die Minen von Moria nach wie vor meine Lieblingsszene der gesamten alten Trilogie ist. Hier gab es jedoch viel zu viel Gewusel samt überzogener Action, bei der die Atmosphäre leider ziemlich auf der Strecke geblieben ist. Von der Extended Edition erhoffe ich mir tatsächlich ein paar ruhigere Momente ohne CGI-Gekloppe.

Die vielkritisierten Ergänzungen sind mir dagegen nicht negativ aufgefallen. Für mich passten die Erweiterungen sehr gut in Peter Jacksons Mittelerde, die sich ohnehin von der J. R. R. Tolkiens unterscheidet. Selbst Radagast der Braune hatte nach einer gewissen Eingewöhnungsphase durchaus so seine Momente. Da hat mich die inszenatorische Anbiederung an die Originaltrilogie deutlich mehr gestört: ob nun die Flucht aus dem Nebelgebirge, das Rufen der Adler oder andere Szenen, die inhaltlich an „Der Herr der Ringe“ erinnern – Peter Jackson hat diese auch exakt so inszeniert, wie in seinem Mammutwerk, was ich oft zu gewollt fand.

Noch ein paar Worte zur Technik: Nachdem ich in den letzten Wochen mir einiges an nativem 48 fps- bzw. 50 fps-Material angesehen hatte stand für mich fest, dass mich die HFR-Version aufgrund ihres Looks nicht wirklich in die Welt Mittelerdes hätte eintauchen lassen. Selbst normales 3D war wieder ablenkend genug. Es funktioniert wunderbar in langsamen, mit Weitwinkel gedrehten Kamerafahrten oder in Szenen, in denen die Kamera eher stationär ist. Sobald jedoch Action gezeigt wird und es zu vielen Umschnitten kommt, hätte ich mir eine klassische 2D-Fassung gewünscht. Somit freue ich mich sowohl von technischer, als auch inhaltlicher Seite auf die entspannte Sichtung der Blu-ray in ca. einem dreiviertel Jahr.

Auch wenn „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ nicht sonderlich elegant erzählt war und Peter Jackson einige Szenen – vor allem die mit ausufernder Action – eher gewöhnungsbedürftig inszeniert hatte, so fand ich die Rückkehr nach Mittelerde doch enorm gelungen. Auch die angeprangerte Länge des Films empfand ich nicht als störend – anders als meine dank 3D trändenden Augen. Heute würde ich mir am liebsten sofort den zweiten Teil ansehen und ich bin mir sicher, dass auch dieser Beginn von Bilbo Beutlins Abenteuer in meiner Gunst noch wachsen wird: 8/10 Punkte.

Total Recall – Extended Director’s Cut (2012)

Als der Film angekündigt wurde, war die Ablehnung der meisten Filmfreunde deutlich spürbar. Schließlich sollte mit „Total Recall“ die Vorlage eines der großen Actionfilme der frühen 90er Jahre neu interpretiert werden. Um es deutlich zu sagen: ein Remake von Paul Verhoevens Kultfilm mit Arnold Schwarzenegger. Ich für meinen Teil war jedoch zurückhaltend neugierig, bietet doch Philip K. Dicks Vorlage durchaus Potential für eine gelungene Neuverfilmung – und was haben Len Wiseman und Kurt Wimmer daraus gemacht?

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Der 2012er „Total Recall“ ist ein wildes Sammelsurium von bereits existierenden Sci-Fi-Szenarien. Bis auf in die Handfläche implementierte Mobiltelefone (was für eine grandios bescheuerte Idee), bietet der Film absolut keine genuine Idee. Es gibt Roboter, welche direkt „I, Robot“ entsprungen scheinen, aus „Star Wars“ wurden die Stormtrooper entliehen, die futuristischen Städte inklusive die Mode der Bewohner enstammen 1:1 Ridely Scotts „Blade Runner“ und die restliche Welt hat man aus Versatzstücken von „Minority Report“ zusammengeschustert. Selbst das nervige Stilmittel der allgegenwärtigen Lens Flares hat Wiseman J.J. Abrams (u.a. verstärkt in „Super 8“ eingesetzt) entrissen. Und die Handlung? Achja, da gab es 1990 ja noch diesen einen Film namens „Total Recall“.

Nachdem ich meinen Frust nun niedergeschrieben habe, muss ich neidlos zugeben, dass das Sci-Fi-Flickwerk schon verdammt gut aussieht. Die Action und die Effekte besitzten schon einen gewissen Wow-Effekt. Am liebsten hätte ich den Film alle paar Sekunden angehalten, nur um mich an den Zukunftswelten zu ergötzen. Vermutlich hätte dafür aber auch ein Buch mit dem Artwork des Films gereicht. Die in dieser Welt stattfindende Action ist aber mitreißend genug, damit man als Zuschauer am Ball bleibt. Oft ist der Videospiel-Faktor zwar schon grenzwertig, doch Langeweile kam größtenteils nicht auf. Letztendlich hat man sich aber auch daran satt gesehen.

Einen Vergleich zu Verhoevens Film kann ich mir an dieser Stelle eigentlich sparen, da dieser nahezu alles besser macht. Sicher ist der Trash-Faktor höher, doch spielt er auf dem Mars, hat die bessere (und blutigere) Action und die komplexere Handlung – und das mag bei einem Schwarzenegger-Film etwas heißen. Wisemans Remake ist einfach zu belanglos und ohne Ecken und Kanten inszeniert, um irgendeine Relevanz zu besitzen. In einem Satz: Der Film besitzt keinen Charakter.

Als Sci-Fi-Freund darf man dennoch ruhigen Gewissens einen Blick riskieren, doch vermutlich hat man als solcher das alles sowieso schon ein gutes dutzend Mal gesehen. Wer für – im sogenannten Extended Director’s Cut – über 2 Stunden Sci-Fi-Porn sehen möchte, der findet mit Len Wisemans „Total Recall“ den Film der Wahl. Die Zeit vergeht wie im Flug und danach ist der Film auch schon vergessen. Alle anderen bleiben lieber bei Verhoeven: 5/10 Punkte.

Cowboys & Aliens – Extended Director’s Cut (2011)

Manche Filme können mit den an sie gerichteten Erwartungen einfach nicht mithalten. Als die ersten Informationen zu  „Cowboys & Aliens“ die filmliebende Öffentlichkeit erreichten, schien der nächste Genreklassiker vor der Tür zu stehen. Schon der Titel schrie nach Selbstironie und Genrepersiflage. Als letztendlich jedoch der große Spaß ausblieb, hagelte es Verrisse und so war ich – trotz grundlegendem Interesse – erst einmal zurückhaltend, was die Sichtung des Films betraf…

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Zunächst einmal war ich erfreut über die gelungene Westernatmosphäre. Man hat das Genre erst genommen und somit eine glaubwürdige Bühne für dieses seltsame Zusammentreffen geschaffen. Während der ersten 45 Minuten schien sich der Film genau nach meinem Geschmack zu entwickeln. Etwas ernsthafter als vermutet, doch warum nicht? Aufgesetzte Selbstironie ist ja auch nicht zwangsweise ein Qualitätsmerkmal. Dann jedoch beginnt der zweite Akt, während dessen etliche Zusammenhänge an diversen Lagerfeuern erkärt werden, ewig durch die Pampa geritten wird und teils hanebüchene charakterliche und dramaturgische Vorbereitungen für das Finale getroffen werden. Zäh wie Kaugummi.

Nach ca. einer Stunde mit viel zu viel Gerede, langweiliger Action und nur allzu vorhersehbaren Charakterentwicklungen, wurde endlich das Finale angegangen. Dies war zwar auch nicht sonderlich innovativ – weder inszenatorisch, noch inhaltlich – doch flogen hier endlich einmal die Fetzen und die titelgebenden Aliens durften unsere gesichtslosen Reiter blutig und mit Schmackes dezimieren. Wieder eine Viertelstunde, die recht unterhaltsam war.

Interessanterweise hat man für „Cowboy & Aliens“ tatsächlich einige hochklassike Darsteller gewonnen. Allen voran Daniel Craig, der den schweigsamen Fremden durchaus gekonnt verkörpert. Auch Harrison Ford kann als fieser Großgrundbesitzer überzeugen, wobei die Rolle selbst nicht sonderlich viel hergibt. Was wohl Sam Rockwell geritten hat den langweiligen Barkeeper/Arzt zu geben? Olivia Wilde wirkte auf mich übrigens nur wie eine billige Kopie von Summer Glau. Sorry, Fanboys…

Letztendlich ist die Sache mit „Cowboys & Aliens“ ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet er ein gelungenes Westernsetting und nette Effekte, andererseits sind die meisten Charaktere stinklangweilig und die Handlung hätte sich wohl jeder 10-jährige aufregender beim Lego-Spielen ausdenken können. Auch wenn ich doch größtenteils recht gut unterhalten wurde, kommt der Film über Mittelmaß einfach nicht hinaus: 5/10 Punkte.

The Grey: Unter Wölfen – OT: The Grey (2011)

Obwohl ich nach einem Tag voll intensiver Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest doch recht müde war, wollte ich die Gelegenheit einen Film zu sehen nicht ungenutzt lassen. Um 20 Uhr haben wir also die Blu-ray von „The Grey“ eingelegt. Nun ist es 23:30 Uhr – und nein, ich habe nicht den dreieinhalb stündigen Extended Cut gesehen. Immerhin kam ich dank Staffellauf zwischen Kind und Film gar nicht auf die Idee einzuschlafen. Doch wie war eigentlich der Film?

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Joe Carnahan erzählt in „The Grey“ eine sehr einfache Geschichte: der Mensch gegen die Natur. Ein Flugzeug stürzt in Alaska ab und die Gruppe Überlebender muss sich gegen die raue Natur und ein Rudel Wölfe behaupten. Selten war ein Filmtitel so passend gewählt, denn nicht nur die Wölfe sind grau. Auch die Eislandschaft Alaskas wirkt wie eine undefinierbare graue Masse. Ohne Anfang und Ende. Nur Wildnis. Ebenso rau und unmittelbar ist der Film inszeniert. Die Kamera ist stets nah am Geschehen und wirkt dokumentarisch. Auch die Montage wirkt abrupt und beinahe schon ruppig. Nein, von „The Grey“ sollte man sich wahrlich keine Hochglanzaction oder eine Aneinanderreihung von Beauty Shots erwarten (ein paar CGI-Sequenzen sind aber leider doch recht offensichtlich).

Auch wenn die Handlung des Films recht geradlinig ist und bis zu einem gewissen Punkt durchaus auch Genrekonventionen folgt, so ist „The Grey“ weit mehr als ein reiner Tierhorrorfilm. Die Charaktere sind relativ gut ausgearbeitet und zu einem Teil von ihnen kann man durchaus so etwas wie eine Beziehung aufbauen. Auch streift der Film etliche Themen – von Religiosität und Glaube bis hin zu Selbstbestimmung und moralischen Fragen –, die jedoch eher tangentiell auf die Handlung einwirken. Ich möchte nicht soweit gehen und, wie so manch anderer Kritiker, den Film als Allegorie auf das Leben an sich o.ä. sehen. Dennoch zeigt die Behandlung dieser Themen sehr schön, wie unterschiedlich Menschen in solch einer Extremsituation reagieren können und wie weit gefächert ihre Motivationen sind.

Mir hat „The Grey“ wirklich ziemlich gut gefallen. Er ist kompromiss- und gnadenlos. So manches Ableben wirkt absurd und unfair. Die Gefahr der Natur wirkt oft ungreifbar und ist doch stets gegenwärtig. Hinzu kommen intensive Aufnahmen der unwirtlichen Wildnis und glaubwürdige Darsteller. Das Ende des Films ist zudem wirklich unerwartet und ich muss noch einmal in mich gehen, ob ich es gelungen finde. So oder so wird mir dieser Überlebenskampf noch länger im Gedächtnis bleiben: 8/10 Punkte.