Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS3)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Nachdem ich vergangenes Jahr nicht dazu gekommen bin, „Schöne Bescherung“ zu sehen, war es in diesem Jahr – immerhin ist in drei Tagen schon Weihnachten – höchste Zeit sich wieder mit den Griswolds auf die Feiertage einzustimmen. Somit katapultiert sich der Film auch unangefochten auf den ersten Platz, der in diesem Blog am häufigsten besprochenen Filme. Und auch diese Sichtung war bestimmt nicht die letzte…

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Nachdem ich „Christmas Vacation“ das letzte Mal in der, was der größeren Runde an Zuschauern geschuldet war, synchronisierten Fassung gesehen habe, stand in diesem Jahr natürlich wieder die Originalfassung auf dem Programm. Wie bei jeder Sichtung hatte ich im Vorfeld wieder ein wenig Sorge, dass mich die nur allzu bekannte Geschichte ein wenig langweilen könnte, doch weit gefehlt: Der dritte Film der Griswold-Saga hat mich erneut wunderbar unterhalten. Nahezu jede seiner beinahe schon episodisch angelegten Szenen ist beste Comedy. Ob nun Slapstick oder Wortwitz, der Film treibt den vorweihnachtlichen Wahnsinn stets gekonnt auf die Spitze.

Neben seinen komischen Qualitäten, war ich auch wieder beeindruckt, wie gut es „Schöne Bescherung“ gelingt bei mir Weihnachtsgefühle aufkommen zu lassen. Dies ist bestimmt größtenteils meiner persönlichen Vergangenheit mit dem Film – immerhin begleitet er seit inzwischen schon 20 Jahren – geschuldet, doch eben auch der Tatsache, dass Clark Griswold einmal wieder nur das Beste für seine Familie will. In diesem Fall steht das perfekte Weihnachtsfest auf dem Programm.

Ich muss gar nicht mehr schreiben, da der Film seine Fans ja ohnehin schon längst gefunden hat. Wer dagegen bisher nichts mit ihm anfangen konnte, wird sich sowieso lieber an anderen Weihnachtsklassikern erfreuen. Für mich gehört „Christmas Vacation“ jedoch zur Vorweihnachtszeit, wie kein zweiter Film: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Kevin: Allein in New York – OT: Home Alone 2: Lost in New York (1992)

Aktualisierung: Ich habe „Kevin: Allein in New York“ am 18. Dezember 2020 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich gestern mit „Kevin: Allein zu Haus“ nach langer Abstinenz wieder einmal einen Film gesehen hatte, war ich natürlich erneut auf den Geschmack gekommen. Somit stand heute die Fortsetzung „Kevin: Allein in New York“ auf dem Programm, an den ich mich allerdings kaum noch erinnern konnte. Sollte dies ein schlechtes Zeichen gewesen sein?

Kevin: Allein in New York (1992) | © 20th Century Fox

Kevin: Allein in New York (1992) | © 20th Century Fox

Bereits die ersten Bilder und Klänge lassen vergessen, dass zwischen beiden Produktionen zwei Jahre liegen: Man fühlt sich sofort wieder heimisch bei den McCallisters und der Film startet tatsächlich nahezu unverändert zum Vorgänger. Es gibt ein paar Anspielungen und augenzwinkernde Referenzen, doch letztendlich wird der dramaturgische Aufbau 1:1 übernommen. Dies fand ich zu Beginn noch recht angenehm und aufgrund einiger Abweichungen (z.B. Hotelaufenthalt samt neuer Charaktere) auch ziemlich unterhaltsam. Im weiteren Verlauf jedoch hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht, zumal die Kopien (z.B. die Vogelfrau) nicht gegen das Original (in diesem Fall Marley) ankommen.

Die direkte Konfrontation zwischen Kevin und seinen beiden Widersachern ist erneut ein großer Spaß. Schadenfreude wird hier groß geschrieben und die auf die Spitze getriebene comichafte Gewalt ist mindestens ebenso unterhaltsam wie im Vorgänger. Harry und Marv können einem auch wirklich leid tun, doch es ist ja nicht so, als wären sie nicht gewarnt worden: ‚You can mess with a lot of things, but you can’t mess with kids on Christmas.‘

Letztendlich ist „Home Alone 2: Lost in New York“ ein typisches Sequel, das sich vielleicht etwas zu starr an seinem Vorgänger entlang hangelt, doch schon alleine aufgrund des veränderten Schauplatzes sehenswert ist. Ein wenig mehr Abstand zwischen den Sichtungen mag die Seherfahrung zudem noch positiver ausfallen lassen. Auch wenn der Film für mich nicht den Klassikerstatus des Originals erreicht, so hatte ich dennoch großen Spaß damit: 7/10 Punkte.

Kevin: Allein zu Haus – OT: Home Alone (1990)

Aktualisierung: Ich habe „Kevin: Allein zu Haus“ am 11. Dezember 2020 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Während die gesamte filmische Blogosphäre Kritiken zu Peter Jackson jüngstem Ausflug nach Mittelerde verfasst, schreibe ich heute meine erste Filmkritik nach knapp sieben Wochen unfreiwilliger Pause. Die Wahl fiel mit „Kevin: Allein zu Haus“ auf einen der Jahreszeit angemessenen und wohlbekannten Klassiker meiner Jugend. Ob die erste Sichtung seit bestimmt 12-15 Jahren an den Erfolg von damals anschließen konnte?

Kevin: Allein zu Haus (1990) | © 20th Century Fox

Kevin: Allein zu Haus (1990) | © 20th Century Fox

Früher war „Home Alone“ einer dieser Filme, bei denen man eben eingeschaltet hat bzw. die Eltern überredete einzuschalten. Zwar war ich bei den ersten TV-Ausstrahlungen schon etwas älter, als der im Deutschen titelgebende Kevin, doch hatte der Film bei mir ganz klar einen Nerv getroffen. Als Teenager habe ich ihn dann jedoch aus den Augen verloren und so war ich heute umso erfreuter, zu erkennen, was John Hughes und Chris Columbus damals tatsächlich geschaffen haben: einen der zurecht großen Weihnachtsklassiker meiner Generation.

John Hughes hatte schon immer ein Händchen dafür die Gefühle von Kindern bzw. meist Jugendlichen auf die Leindwand zu bannen und ihnen somit eine Stimme zu geben. Auch wenn „Kevin: Allein zu Haus“ anders ist, als die meisten seiner Filme, so lassen sich gewisse Themen doch auch darin wiederfinden. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird in der Eingangsszene herrlich auf die Spitze getrieben und der wohl nur allzu bekannte Wunsch endlich einmal alleine sein zu wollen, bildet die Grundlage eines Feuerwerks aus Slapstick auf der einen und berührenden Weihnachtsszenen auf der anderen Seite.

Es ist schon erstaunlich, wie einen die Erinnerung trügen kann. Die eigentliche Konfrontation Kevins mit den beiden tölpelhaften Einbrechern (grandios gespielt von Joe Pesci und Daniel Stern) dauert tatsächlich nicht einmal 20 Minuten, doch hätte ich schwören können, dass diese Szenen einen Großteil des immerhin 100-minütigen Films ausmachen. Dennoch sind es gerade der Spannungsaufbau sowie Kevins Auskosten des Alleineseins, die den Ton setzen und „Home Alone“ wohl für nahezu alle Zielgruppen zu solch einem durchschlagenden Erfolg werden ließen.

Obwohl Chris Columbus‘ Weihnachtskomödie heute bereits über 20 Jahre alt ist, so wirkt sie immer noch erstaunlich frisch und ich musste bei den Slapstickeinlagen erneut herzlich lachen. Man mag von Macaulay Culkin – der mir mit „My Girl“ eines der traumatischsten Filmerlebnisse meiner Jugend bescherte – halten, was man will, doch damals war er wahrlich die perfekte Wahl für Kevin McCallister. Die Bewertung mag nostalgisch gefärbt sein, doch ist „Kevin: Allein zu Haus“ auch heute noch einer der am besten durchkomponierten – und das nicht nur aufgrund John Williams‘ famosen Scores – Feiertagsfilme: 9/10 Punkte.

The Ides of March: Tage des Verrats (2011)

Passend zur amerikanischen Präsidentschaftswahl am 6. November habe ich mir heute George Clooneys „The Ides of March: Tage des Verrats“ angesehen. Spätestens seit Aaron Sorkins „The West Wing“ habe ich ohnehin ein Faible für den US-amerikanischen Wahlzirkus, doch bereits während meines Englisch LKs (vor inzwischen 14 Jahren; damals war gerade die Lewinsky-Affäre aktuell) war ich von der pompös inszenierten US-Politik fasziniert. Kann George Clooney dem Thema neue Facetten abgewinnen?

Zu Beginn des Films wähnt man sich noch in ähnlichen Gefilden, wie bei Aaron Sorkins leider nur fiktiver Bartlet-Administration. Alle Figuren scheinen von idealistische Ansichten und einer hohen Motivation getrieben. Der aufstrebende Kandidat Mike Morris (gespielt von George Clooney selbst) scheint alles zu haben, was man sich von einem Politiker wünscht: eine Vision, Integrität und das gewisse Etwas. Folglich kann man sich anfangs gut mit Wahlkampfmanager Stephen Meyers (Ryan Gosling) identifizieren, der voller Überzeugung zu sein scheint. Doch schon bald wird die angeblich so perfekte Welt rund um Morris und sein Wahlkampfteam Risse bekommen, die nicht wieder zu kitten sind.

Ich war erstaunt, wie drastisch der Ton des Films wechselt. Anfangs noch idealistisch und patriotisch (auch wenn nie Sorkin-Ausmaße erreicht werden), dann plötzlich düster und zynisch. Darauf war ich nicht vorbereitet und fühlte mich teils etwas vom Film überrumpelt. Doch gerade das macht ihn aus. „The Ides of March“ zeichnet ein wahrscheinlich viel realistischeres Bild vom Weg zur Macht, als vergleichbare Filme oder auch Sorkins Serie. Opportunismus ist an der Tagesordnung und letztendlich geht es nur darum vorwärts zu kommen. Ideale werden über den Haufen geworfen und kein einzelner Charakter bleibt seiner Linie treu. Was ist verantwortbar um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen?

„The Ides of March“ ist ein Schauspielerfilm. Neben Gosling und Clooney beeindrucken vor allem Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti, die auch die beeindruckendsten Szenen des Films prägen. Ansonsten merkt man dem Film an, dass er auf einem Theaterstück basiert. Er wirkt teils etwas statisch und zu formelhaft, doch gerade die unaufgeregte Art die Geschichte zu erzählen sehe ich durchaus als Pluspunkt. George Clooneys Film ist teils unerwartet bitteres Politkino, das man durchaus gesehen haben sollte: 8/10 Punkte.

Hell (2011)

Deutsche Genrefilme lassen sich – zumindest außerhalb des Amateurbereichs – an einer Hand abzählen. Sicher gibt es auch mal Thriller oder Gangsterfilme, doch tiefer wagt man sich selten in die unbekannten Gebiete abseits von Beziehungskomödie oder existenziellem Drama. Schon alleine deshalb sollte man sich Tim Fehlbaums „Hell“ anschauen. Postapokalyptische Horrorfilme aus Deutschland sieht man schließlich nicht alle Tage…

Der Film beginnt wie unzählige US-Filme dieser Art: Eine kleine Gruppe von Menschen schlägt sich nach einer mehr oder weniger definierten Katastrophe (hier eben verstärkte Sonneneinstrahlung) durch verlassene Gegenden und kämpft mit anderen Überlebenden um die knappen Ressourcen. Wer hier an „The Book of Eli“ oder den ungleich beeindruckenderen „The Road“ denken muss, liegt vollkommen richtig. Tim Fehlbaum setzt die postapokalyptische Ödnis visuell beeindruckend um. Oft ist man selbst als Zuschauer geblendet und kann sich somit gut in die Charaktere hineinversetzen. Ein toller Kniff, der auch intelligent genutzt wird.

Inhaltlich schlägt der Film leider keine neuen Wege ein. Die erste Stunde lebt vom alltäglichen Überlebenskampf, Misstrauen und einem spannungsgeladenen Angriff auf unsere kleine Gemeinschaft (u.a. Hannah Herzsprung und Stipe Erceg). Stark inszeniert, gut gespielt und teils äußerst spannend. Danach schlägt der Ton des Films um und wir befinden uns in einer Art Survival-Horror, der an „Texas Chainsaw Massacre“ oder „The Hills Have Eyes“ erinnert. Hier folgt der Film leider zu sehr den Genrekonventionen (inklusive typischer Schlachthausszene) ohne jedoch die Intensität seiner Vorbilder zu erreichen. Die letzte halbe Stunde birgt somit keinerlei Überraschungen, kann jedoch erneut mit ein paar imposanten Bildern aufwarten.

Ich war erstaunt, wie sehr „Hell“ nach Kino aussieht. Obwohl das Budget gering war, wirkt Fehlbaums Film wertiger, als die meisten anderen deutschen Kinofilme, die oft zu sehr nach Fernsehproduktion aussehen. Man merkt es an allen Ecken, dass Fehlbaum seine Hausaufgaben gemacht hat: Licht, Kamera, Schnitt und Farbkorrektur lassen schnell vergessen, dass man hier nur einen kleinen deutschen Film vor sich hat. Wirklich beeindruckend. Einen Kritikpunkt habe ich übrigens noch: Die Hinterwäldler hätten wenigstens einen leicht bayerischen Dialekt sprechen können. Die Rednecks in den US-Filmen nuscheln schließlich auch immer in tiefstem Südstaaten-Slang.

Auch wenn „Hell“ nicht perfekt ist, so hat er mich doch über knapp 90 Minuten wirklich gut unterhalten. Er schlägt meiner Meinung nach selbst große Genrekollegen, wie „The Book of Eli“, da er sich auf das Wesentliche konzentriert und auf pseudo-episches Brimborium verzichtet. Nicht der ganz große Wurf, aber eine große Hoffnung für das deutsche Kino. Ich freue mich bereits auf Tim Fehlbaums nächsten Film: 7/10 Punkte.

The Avengers (2012)

Aktualisierung: Ich habe „The Avengers“ am 5. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Eigentlich hatte ich geplant Joss Whedons „The Avengers“ direkt nach meiner Sichtung der Prequel-Filme im Juni diesen Jahres zu sehen, doch habe ich es – wie so oft – nicht ins Kino geschafft, weshalb ich auf die Heimkinoauswertung warten musste. Heute jedoch war es endlich soweit und ich habe mir das nicht nur lang erwartete, sondern auch noch ungemein erfolgreiche Treffen der Marvel-Superhelden angesehen. Ob es – speziell für mich als Joss Whedon-Anhänger – den hohen Erwartungen gerecht werden konnte?

The Avengers (2012) | © Walt Disney

The Avengers (2012) | © Walt Disney

Ohne langes Herumreden bzw. -schreiben: Der Film macht viel Spaß, Joss Whedon hat alles richtig gemacht und doch ist „The Avengers“ in meinen Augen nicht der Überflieger, als der er gerne gesehen wird. Eben eine kunterbunte Comic-Verfilmung, die sich – Whedon sei Dank – weder ernst nimmt, noch ihre Wurzeln verleugnet oder versucht mehr zu sein als sie ist. Die große Stärke des Films ist wohl vor allem, wie ausgewogen die einzelnen Charaktere präsentiert werden. Man merkt, dass Whedon bisher stets mit Ensembles gearbeitet hat. Ob „Buffy: The Vampire Slayer“, „Angel“ oder „Firefly“ bzw. „Serenity“ – bei all seinen bisherigen Werken stand stets das Team im Vordergrund und diese Erfahrung zahlte sich bei seinem großen Durchbruch in Hollywood aus. Es wurde aber auch Zeit!

Inszenatorisch leistet sich Whedon keine Schwächen und zeigt uns Action, wie man sie gerne sieht: laut, bunt und bombastich, doch stets übersichtlich für den Zuschauer gefilmt. Zudem wird sie häufig von kleinen Charaktermomenten unterbrochen und ist mit Humor durchsetzt. In den ruhigeren Szenen wird die Geschichte vorangetrieben, die weder sonderlich innovativ ist, noch mit Überraschungen aufwartet. Superheldengedöns eben, das von seinen Charakteren und deren Dialogen lebt. In diesen findet man auch Whedons Vorliebe für popkulturelle Anspielungen und schnellen Wortwitz wieder.

Nachdem die erste Phase des Marvel Cinematic Universe nun abgeschlossen ist, ziehe ich ein kurzes Resümee der bisherigen Filme. Tatsächlich ist der erste Ensemble-Film in meinen Augen der gelungenste. Man merkt allerdings in nahezu jeder Einstellung, dass er stilistisch auf die Prequels aufbaut, was aber nicht schlecht ist, da sich so ein rundes Gesamtbild ergibt. Hier nun meine vorläufige Rangliste der Filme der ersten Phase:

  1. „The Avengers“ (8/10 Punkte)
  2. „Iron Man“ (8/10 Punkte)
  3. „Thor“ (7/10 Punkte)
  4. „Captain America: The First Avenger“ (7/10 Punkte)
  5. „Iron Man 2“ (7/10 Punkte)
  6. „Der unglaubliche Hulk“ (7/10 Punkte)

Fazit

Als langjähriger Fan Joss Whedons freut es mich besonders, dass ihm endlich der große Durchbruch gelungen ist. Zwar merkt man „The Avengers“ an, dass der Film in einem bereits sehr vorgegebenen Rahmen entstanden ist, doch konnte Whedon ihm auf jeden Fall seinen Stempfel aufdrücken – inklusive des bei ihm üblichen Dahinscheidens eines nicht unwichtigen Charakters. Für mich ist der Film keine Offenbarung, doch hat er mir enorm viel Spaß gemacht. Zudem frage ich mich seit der Sichtung die ganze Zeit: Wie würde wohl ein „Serenity“-Sequel mit diesem Budget aussehen? Ich hoffe nur Whedon hat in Zukunft auch wieder Zeit und die nötigen Mittel eigene Stoffe zu entwickeln. Bis dahin freue ich mich jedoch auf „The Avengers 2“ und die „S.H.I.E.L.D“-TV-Serie: 8/10 Punkte.

Mission: Impossible – Phantom Protokoll – OT: Mission: Impossible – Ghost Protocol (2011)

Im Kino ist der Film völlig an mir vorbeigegangen. Auch wenn ich die vorherigen Filme – den zweiten Teil einmal ausgenommen – recht gerne sah, so hatte ich diese weitere Fortsetzung nie wirklich auf dem Radar. Aufgrund etlicher positiver Besprechungen hat es „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ dann doch recht schnell auf die Liste der noch zu sehenden Filme geschafft – und außerdem: Was kann bei einem Film von Brad Bird (u.a. „Ratatouille“) schon schief gehen?

Heute hätten es wahrlich nicht viele Filme geschafft mich wachzuhalten: wieder wenig Schlaf, wieder knapp 12 Stunden im Büro, wieder keine guten Voraussetzungen für den Filmfreitag. Dennoch wollte ich die Chance nicht ungenützt lassen und habe den frisch erworbenen „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ eingelegt. Eine gute Wahl, denn die Mischung aus übertriebener und interessanterweise doch verhältnismäßig glaubwürdiger Action, entspannten Humoreinlagen und Agententhrill hat sich abermals bewährt. Nachdem mir bereits der von J. J. Abrams inszenierte direkte Vorgänger ausgesprochen gut gefiel, hat mich auch der vierte Teil der Filmreihe bestens unterhalten.

Die Geschichte gewinnt abermals keine Preise, es gibt keine großen Wendungen und man begleitet das frisch zusammengewürfelte IMF-Team ganz einfach bei ihrer Jagd rund um den Globus. Die unzähligen Schauplätze machen auch einen großen Reiz des Agentenabenteuers aus und bieten einen entsprechend großen Spielplatz für Ethan Hunt und Co. Die Missionen sind dabei wieder ausreichend unmöglich – herausragend dabei besonders Dubai – und am Ende wird es stets entsprechend knapp. Der positive Ausgang wird jedoch niemanden überraschen und somit darf man sich bestimmt auch auf einen fünften Teil der Reihe freuen – vorausgesetzt Tom Cruise gibt auch mit über 50 noch einmal den Fassadenkletterer.

Kritisieren kann man höchstens den recht blassen Bösewicht (Michael Nyqvist, „Verblendung“) und die einen Tick zu lange Laufzeit inklusive etwas fadem Showdown. Insgesamt hinterlässt der Film jedoch einen ausgezeichneten Eindruck und bietet exakt die Art von Popcornkino, die man es sich nach solch einer Arbeitswoche – mit ganz eigener unmöglicher Mission – wünscht. Gerne mehr davon: 8/10 Punkte.

In Time: Deine Zeit läuft ab – OT: In Time (2011)

Ich liebe die dystopischen Genrefilme der 70er Jahre. Ob „Logan’s Run“, „Soylent Green“ oder „Rollerball“ – jeder dieser Filme besticht durch eine ganz eigene Welt, in der es fest definierte Regeln gibt. High concept eben. Leider gibt es heute immer weniger Filme, die diesen Schritt wagen. Eine Ausnahme bildet der 1997 von Andrew Niccol inszenierte „Gattaca“ und auch sein letztjähriger Genrebeitrag „In Time: Deine Zeit läuft ab“ fügt sich nahtlos in die Reihe der genannten Filme ein. Schafft er es jedoch auch qualitativ an seine Brüder im Geiste anzuschließen?

Ich finde das Konzept von „In Time“ grandios. Die von Andrew Niccol dargestellte Allegorie ist so simpel wie faszinierend. Zeit ist Geld. So einfach, so genial. Schon als ich das erste Mal von der Idee las, ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Im Film wird das Konzept auch sehr plakativ eingesetzt, die Sozialkritik unverblümt ausgesprochen. Auch hier erinnert der Film stark an die Dystopien seiner Vorbilder. Ob nun die Maßnahmen gegen die Überbevölkerung, die in Soylent Green“ und „Logan’s Run“ präsentiert werden, oder der Einsatz von Brot und Spiele um das Volk in „Rollerball“ im Schach zu halten – die angeprangerten Probleme haben sich kaum verändert: Die einen hangeln sich mit Mühe von Tag zu Tag (was in diesem Film eine ganz eigene Bedeutung besitzt) und ermöglichen so das luxuriöse Leben der wenigen anderen.

Man wird als Zuschauer recht schnell in die Regeln dieser Welt eingeführt und sollte diese auch akzeptieren, ohne sie groß zu hinterfragen. Es geht nicht um die technische bzw. genetische Plausibilität der dargestellten Prämisse, sondern um ihre Bedeutung. Natürlich gewährt und der Film nicht nur einen Einblick in diese Welt, sondern erzählt die Geschichte ihres Umsturzes. Dies geschieht durch ausgebreitete Verfolgungsjagden und Actionszenen, die zwar neben der Idee des Films verblassen, doch immerhin recht unterhaltsam geraten sind. Ich hätte es jedoch lieber gesehen, wenn sich Niccol – wie im noch gelungeneren „Gattaca“ – stärker auf die Möglichkeiten seiner Welt konzentriert hätte.

Zu Beginn des Films hatte ich noch meine Probleme mit Justin Timberlake, obwohl er mir bereits in David Finchers „The Social Network“ recht gut gefiel. Die Rolle verlangt ihm zwar keine große Schauspielkunst ab, doch wirkt er stets glaubwürdig und engagiert. Dies könnte man auch vom Film an sich behaupten, denn auch wenn er dramaturgische und strukturelle Schwächen besitzt, so trägt ihn seine Idee doch mühelos bis in die letzten Sekunden – und auch das erinnert, wie das Design der Fahrzeuge und mancher Schauplätze, an das 70er Jahre Genrekino.

Die meisten Kritiken, die ich gelesen habe, waren durchwachsen. Meist wurde sich an Details aufgehängt und die Prämisse selbst totdiskutiert. Man sollte sich auf die Idee einlassen und die oberflächliche Action als Teil des Films sehen. Dann kann einen durchaus nachdenklich machenden, spannend inszenierten und stets unterhaltsamen Film sehen. Genrekino, das die investierte Zeit allemal wert ist: 8/10 Punkte.

Extrem laut & unglaublich nah – OT: Extremely Loud & Incredibly Close (2011)

Angefangen hat alles mit einem Trailer, der mich ziemlich begeisterte. Daraufhin habe ich meiner Frau das zugehörige Buch geschenkt und nachdem sie es zu einem der faszinierendsten Werke erklärte, die sie bisher gelesen hatte, war es nur eine Frage der Zeit bis „Extrem laut & unglaublich nah“ in unserem Blu-ray-Player landete. Ich selbst kenne die Vorlage nicht, hatte durch Erzählungen aber schon einen recht guten Eindruck davon und war dementsprechend gespannt auf die Verfilmung…

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. All die Besonderheiten, die ich mir erhoffte, hatte der Film nicht zu bieten. Die Geschichte verläuft relativ chronologisch und auch die Gedankenwelt der Hauptfigur Oskar Schell wirkt weit nicht so komplex und verwirrend wie ich es mir ausgemalt hatte. Zudem hatte ich stets das Gefühl, als würde der Film nur an der Oberfläche einer viel epischeren Geschichte kratzen – ein Eindruck, den man als Kenner der Vorlage anscheinend bestätigen kann. Hinzu kommt, dass mir so einige Handlungselemente – auch wenn sie später aufgelöst werden – unlogisch erschienen: Wer lässt denn bitte einen verhaltensauffälligen Elfjährigen tagelang alleine durch New York streifen?

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich die Geschichte angesprochen. Die Schauspieler sind gut gewählt – allen voran Max von Sydow, von dem ich gerne mehr gesehen hätte – und die Inszenierung ist äußerst gefällig. Auch wenn der Film ab und zu ziemlich auf die Tränendrüse drückt, so hat er mich emotional nicht so stark mitgenommen, wie ich das zu Beginn noch erwartet hätte. Am stärksten fand ich „Extrem laut & unglaublich nah“ dann auch tatsächlich in den Szenen zwischen Oskar und dem Untermieter. Eine schöne Dynamik, die von der Hintergrundgeschichte des alten Mannes wohl noch enorm profitiert hätte.

Letztendlich ist „Extremely Loud & Incredibly Close“ leider nicht der Film, den ich mir erhofft hatte. Zwar wurde ich wirklich gut unterhalten und hat er mich auch durchaus bewegt, doch ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass hier mehr drin gewesen wäre. Vermutlich muss ich nun doch einmal Jonathan Safran Foers Vorlage lesen, um das ganze Bild zu sehen. Eine wirklich schöne Geschichte, deren Potential leider nicht vollständig genutzt wird: 7/10 Punkte.

Hugo Cabret – OT: Hugo

Gestern Abend habe ich endlich Martin Scorseses großen Oscar-Film „Hugo Cabret“ gesehen. Der Film hatte mich bereits während seiner Kinoauswertung gelockt, doch habe ich es – wie so oft in letzter Zeit – einfach nicht ins Kino geschafft. Da die opulente Optik die große Leinwand und wache Sinnesorgane fordert, war ich gespannt wie der Film nach einer harten Arbeitswoche im kleinen Heimkino wirkt… Spoiler sind zu erwarten.

Im Vorfeld hatte ich bereits einiges über den Film gelesen: ungewöhnlich sei er für Scorsese, ein Bilderrausch und eine Liebeserklärung ans Kino. Ich wusste also ziemlich genau was ich zu erwarten hatte und bekam das in der ersten Filmhälfte auch zu sehen. Ein visuell beeindruckendes Abenteuer, das so gar nicht nach Scorsese aussah. Die Bilderwelten ließen mich eher an Jean-Pierre Jeunet (u.a. „Mathilde: Eine große Liebe“) denken, dessen überzeichneter und artifizieller Stil eine ganz eigene Handschrift erkennen lässt. Dennoch wirkt „Hugo Cabret“ nicht wie ein Jeunet-Film, da er nie dessen Grad an Skurrilität erreicht. Trotz aller Schauwerte bleibt die Handlung recht bodenständig und die Magie entspringt vor allem der kindlichen Wahrnehmung und den Bilderwelten des Kinos an sich.

So visuell imposant die erste Filmhälfte auch inszeniert ist, so wenig passiert inhaltlich. Man lernt Hugos Umgebung kennen und erfährt von seiner Vergangenheit. Davon abgesehen lässt sich die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen. Auch der emotionale Zugang zum Film ist aufgrund der bewusst inszenierten Künstlichkeit nicht einfach. Nur in bestimmten Momenten gelingt es den Charakteren zum Zuschauer durchzudringen. In der zweiten Filmhälfte jedoch eröffnet der Film eine ganz neue Welt…

Im Vorfeld hatte ich mich stets gefragt wo Scorsese denn in diesem Kinder- bzw. Jugendfilm die Liebeserklärung ans Kino untergebracht haben soll. Als aufgelöst wurde, dass es sich bei Hugos Antagonist um Georges Méliès handelt und man Ausschnitte aus dessen Lebensgeschichte in bunten Bilder vorgeführt bekommt, hat der Film in meinen Augen deutlich an Qualität und Bedeutung gewonnen. Was nun folgt ist tatsächlich eine Liebeserklärung ans Kino, die in eine ungewöhnliche Rahmenhandlung verpackt wurde.

Die Bewertung des Films fällt mir nun nicht leicht. Einerseits war es ein fantastisches audiovisuelles Erlebnis, das mich besonders mit den Rückblenden von Georges Méliè Leben sehr gut unterhalten hat. Andererseits haben mich Charaktere und Geschichte auch erstaunlich kalt gelassen, was aber auch an meiner doch recht müden Verfassung gelegen haben mag. Insofern entscheide ich mich für die bessere der beiden Wertungsstufen und kann jedem Kinofreund nur empfehlen sich selbst eine Meinung zu bilden: 8/10 Punkte.