American Beauty (1999)

Zum Abschluss des langen Filmsonntags, hat sich gestern noch ein DVD-Abend mit Sam Mendes „American Beauty“ ergeben. Mit der ersten Sichtung des Films verbinde ich einige ganz besondere Momente und auch die noch folgenden haben den Film zu etwas Besonderem gemacht. Auch gestern habe ich wieder festgestellt, dass kaum ein Film komischer, ernsthafter, optimistischer, deprimierender, fröhlicher und trauriger zugleich daher kommt. Kurzum: Ein Meisterwerk.

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Die Geschichte von Lester Burnham – genial verkörpert von Kevin Spacey – mag wie eine Satire auf den uramerikanischen way of life erscheinen. Die typischen Vorstädte, verbohrter Patriotismus und konservatives Gedankengut. Doch „American Beauty“ ist viel mehr. Wer kann sich nicht mit Lester identifizieren? Wer hat nicht bereits einen Lebensweg eingeschlagen, der irgendwie endgültig erscheint? Der Film treibt diese Ängste auf die Spitze und wirkt doch jederzeit real und nachvollziehbar, was zu großen Teilen den wirklich fantastischen Schauspielleistungen aller Beteiligten zuzuschreiben ist.

Die gewählte Erzählform ist interessant und außergewöhnlich. Durch die Vorwegnahme des Endes wird keineswegs Spannung herausgenommen. Sie wird eher gefördert. Ein stetiges, beunruhigendes Erwarten liegt den gesamten Film über in der Luft. Dazwischen gibt es unzählige wirklich komische Szenen, die teilweise so beängstigend treffend und zielsicher sind, dass einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt. Das große Finale ist ein Meisterstück der Montage: Zugleich traurig und hoffnungsvoll. Selbst nach der – ich weiß nicht wievielten – gestrigen Sichtung, war ich noch lange in der Gedankenwelt des Films gefangen. Das schaffen nicht viele Filme.

Die Inszenierung ist perfekt. Kamera, Score, Montage. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen. Ein für ein Kinodebut in jeder Hinsicht beeindruckender Film. Und nicht nur dafür. Der Film macht nachdenklich. Ob man nicht auch selbst etwas mehr leben sollte. Ob man zufrieden ist. Nach der Sichtung gestern war ich es: 10/10 Punkte.

Die Passion Christi – OT: The Passion of the Christ

Pünktlich zu Ostern kommt Mel Gibsons kontrovers diskutiertes Bibeldrama „Die Passion Christi“ als TV-Erstausstrahlung natürlich zur richtigen Zeit. Auch für mich, denn mich hat schon länger interessiert, was denn nun dran ist, an dem oft als skandalös bezeichneten Werk.

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Vorausschicken sollte ich, dass ich durchaus gläubiger Christ bin, wenngleich ich mit der Kirche selbst nicht allzu viel anfangen kann. Ebenfalls muss ich über so manch in der Bibel geschildertes Ereignis eher schmunzeln, als dass es in mir ein Gefühl der Erfurcht auslöst. Vielen Dingen stehe ich folglich eher skeptisch gegenüber, wenngleich ich mir sicher bin, dass Gott in irgendeiner Form existiert. Ob Jesus – und damit Gottes Sohn – nun wirklich so, wie in der Bibel überliefert, auf Erden gewandelt ist, darüber mag ich mir kein Urteil erlauben. Dennoch glaube ich, dass auch hier ein wahrer – historischer – Kern zugrunde liegt.

Ich habe versucht an den Film möglichst objektiv heranzugehen, wenngleich ich mir eigentlich sicher war, ihm nicht sonderlich viel abgewinnen zu können. Letztendlich hat es mich überrascht, wie mitreißend Gibson die Darstellung von Jesus letztem Gang doch gelungen ist. Rein inszenatorisch erinnert der gesamte Film an die letzten Minuten von „Braveheart“. Es wird in Zeitlupe gefoltert, es gibt Großaufnahmen des Leidenden und der Schmerz wird fast körperlich spürbar. Unterbrochen wird die Folterorgie durch Rückblenden, die eine emotionale Bindung herstellen. Was die Folterszene in „Braveheart“ zu einer der eindringlichsten des gesamten Films gemacht hat, verliert hier etwas an Wirkung. Teils konnt ich zwar fast nicht mehr hinsehen, doch wurden das körperliche Leiden und der Sadismus der Wachen zu sehr in den Vordergrund gerückt. Meiner Meinung nach hätte man auf eine ausgewogenere Mischung von Rückblenden und dem Leidensweg setzen sollen. Die gewählte Erzählform an sich weiß nämlich durchaus mitzureißen.

Teils habe ich das Gefühl gehabt die Verfilmung eines Romans zu sehen, den ich seit Kindestagen nicht mehr gelesen habe. Viele Zitate und Begebenheiten sind mir aus dem Religionsunterricht noch sehr präsent gewesen und es war teils wirklich interessant diese perfekt inszeniert auf dem Bildschirm zu sehen. Diese perfekte Inszenierung ist gleichzeitig jedoch auch ein Manko des Films. Gibson wollte – nach eigener Aussage – den Leidensweg Christi so darstellen, wie er sich zugetragen hat. Gegen dieses Vorhaben spricht allerdings die viel zu emotionale Art der Inszenierung. Es wird in Bildern geschwelgt, es gibt unzählige Zeitlupenaufnahmen, die Montage ist sehr manipulativ usw. Der Film wirkt für seinen Inhalt technisch zu perfekt. Andererseits wüsste ich auch nicht, wie man diesen Anspruch hätte besser umsetzen können. Dokumentarstil? Ohne emotionale Inszenierung? Ich weiß es nicht.

Die letzte große Frage, die sich mir stellt: War es überhaupt nötig diesen letzten Abschnitt aus Jesus Leben in dieser emotionalen Detailversessenheit zu zeigen? Ich bin mir nicht sicher. Andererseits: Welcher Film ist schon nötig? Insgesamt lässt mich Gibsons Werk recht unschlüssig zurück. Der Film konnte mich durchaus packen, selbst die Gewaltdarstellung finde ich gerechtfertigt. Allerdings hätte man die Geschichte inhaltlich ausgewogener erzählen können, denn dann wäre die emotionale Bindung auch mit weniger Gewaltszenen vorhanden gewesen und man hätte sich nicht allein auf den Schockeffekt und das Mitgefühl der Zuschauer verlassen müssen.

Es wäre bestimmt interessant zu wissen, wie bibelfeste und sehr gläubige Menschen den Film aufnehmen. Ebenso wie Menschen ohne Glauben, für die das Gesehene wohl jeglicher Grundlage entbehrt. Ich selbst bereue die Sichtung nicht, wenngleich der Film für mich auch etwas schwierig zu greifen ist. Deshalb wollte ich eigentlich auch auf eine Bewertung nach der klassischen Punkteskala verzichten. Doch letztendlich handelt es ja nur um einen Film. Die Umsetzung einer Geschichte. Und als diese ist der Film – trotz Schwächen und seiner besonderen Position – durchaus mitreißend und in starken Bildern erzählt, wenngleich ich es wohl bei dieser einen Sichtung belassen werde: 7/10 Punkte.

300 (2007)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Oktober 2014 veröffentlicht.

Gestern Abend war ich endlich einmal wieder im Fremdsprachenkino in Nürnberg. Somit mein dritter Kinobesuch diese Woche. Unglaublich. Wohl das erste mal seit den seeligen Schultagen. Der Anlass war Zack Snyders „300“. Ein Film, der mir bereits nach dem Trailer wie geschaffen für eine O-Ton-Sichtung schien. Viel Action, markige Sprüche und mit „This is Sparta!“ einen catch phrase, der sich bereits so ins Gedächtnis gebrannt hatte, dass eine synchronisierte Fassung für mich undenkbar gewesen wäre.

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Zunächst zum Look des Films: Ich hatte anfangs befürchtet, dass mir die doch sehr künstliche Optik irgendwann auf den Senkel geht. Tat sie nicht. Sie passt perfekt zum Inhalt und man möchte – so man auf brutales Abschlachten steht – jeden einzelnen Frame nehmen und an die Wand hängen. Visuell ist der Film brilliant. Noch nie wurde so ästhetisch gestorben. Noch nie waren Kampfszenen trotz äußerster Brutalität so stilisiert. Es mag seltsam klingen, doch der Film ist wunderschön anzusehen. Ich kann mich nur noch einmal wiederholen: Visuell eine Bombe – und vermutlich deswegen letztendlich auch so umstritten.

Die Handlung kann mit der optischen Pracht nicht im Geringsten mithalten. Die Kampfszenen stehen klar im Vordergrund und wenn man als Zuschauer auch froh um etwas Ruhe ist, können die stillen Szenen in Sparta leider nicht wirklich überzeugen. Es fehlt die Identifikation mit den Figuren. Auch wenn Gerald Butler wirklich eine beeindruckende Vorstellung abliefert, so bleibt sein König Leonidas eher eindimensional, wenngleich auch die eindeutig stärkste Figur in dem Schlachtengemälde.

Auf dem Schlachtfeld fehlt zudem etwas die Spannung, da Spartas Kämpfer dem Feind ohnehin überlegen sind. Als Zuschauer ergözt man sich nun also an der bombastischen Optik, wird dem bunten Treiben aber schon bald überdrüssig. So ist es zumindest mir ergangen. Das Ende war dann auch relativ schnell abzusehen. Zwar wieder grandios inszeniert, aber eben nicht emotional bindend. Doch darüber mag ich hinwegsehen, da „300“ in keiner Sekunde einen Hehl daraus macht, eine Comicverfilmung zu sein. Ich störe mich auch nicht an den wie aus dem Ei gepellten Kämpfern oder der äußersten Brutalität. Und schon gar nicht an den historischen Ungenauigkeiten. Wer dem Film solche Dinge vorwirft, sollte lieber bei den Geschichtsbüchern bleiben.

Neben Handlungsschwächen weist „300“ – trotz wirklich gelungener humorvoller Szenen – leider auch unfreiwillige Komik auf. Man merkt hier teils mehr als deutlich, dass manche Dinge, die auf dem Papier funktionieren, sich nicht 1:1 auf das Medium Film transportieren lassen. Hier hätte es mehr Feinschliff im Skript bedurft.

„300“ ist ein bombastischer Kracher von einem Film. Visuell brilliant, inhaltlich leider eher schwach. Trotzdem – oder gerade deshalb – sollte der Film auf der großen Leindwand gesehen werden. Spaß macht er allemal. Allein die FSK-Freigabe löst bei mir Kopfschütteln aus, denn gerade die comichafte Gewaltstilisierung schätze ich als weit gefährlicher ein, als abschreckende Brutalität à la „Pans Labyrinth“. Schon alleine aufgrund der Optik ist „300“ auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

Pans Labyrinth – OT: El Laberinto del Fauno (2006)

Vorgestern Abend habe ich mir endlich Guillermo del Toros „Pans Labyrinth“ angesehen. Ich hatte ja eigentlich schon befürchtet, dass der Film bereits wieder aus den Kinos verschwunden ist, doch dem war glücklicherweise nicht so. Del Toros jüngstes Werk hatte mein Interesse bereits mit den ersten Teasern geweckt. Dem folgten sehr gute Kritiken und eine Oscarnominierung. Auch wenn sich der Film letztendlich dem deutschen Beitrag geschlagen geben musste, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass dieser das vorgestern gesehene Meisterwerk wirklich zu übertreffen vermag.

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Entgegen den – teils durch das Marketing geweckten – Erwartungen ist „Pans Labyrinth“ kein reiner Fantasyfilm. Eher ein Drama. Ein Film über das Erwachsenwerden. Er ist brutal. Abscheulich. Grausam. Wunderschön. Einfühlsam. Fantastisch. Den Film in irgendeine Ecke zu drängen wäre ein Fehler. Jedoch ist er auch kein klassischer Genremix. Del Toros Film ist ausgewogen, er wirkt wie aus einem Guss. Da gibt es keine Elemente, die Fehl am Platz wirken. Keine gezwungen lustigen Sequenzen. Die rohe Brutatität der Welt ist stets spürbar. Selbst in den Traumwelten von Ofelia (grandios: Ivana Baquero), einem Mädchen das bereits in jungen Jahren mehr Grausamkeiten erleben muss, als so manch anderer in seinem ganzen Leben.

Die erzählte Geschichte ist in ihrer Gesamtheit wirklich wunderschön. Wunderschön und zutiefst traurig. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit solch einem Kloß im Hals im Kino gesessen habe. Dennoch gibt es Hoffnung. Diese findet Ofelia in der eigenen Fantasie. Das Ende wirkt demnach trotz allem hoffnungsvoll. Ofelia hat die richtige Entscheidung getroffen und ihren Bruder vor dem Hauptmann gerettet. Ein Teil von ihr lebt demnach weiter. Der letzte Ausflug in ihr Königreich ist für sie der Aufbruch in eine bessere Welt. Dennoch wird dadurch die Trauer nicht negiert. Ein wunderschönes und zugleich tieftrauriges Ende für einen grandiosen Film.

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die mehrere Interpretationsmöglichkeiten anbieten, macht es „Pans Labyrinth“ seinen Zuschauern nicht künstlich schwer. Man muss sich nicht irgend eine Erklärung aus den Fingern saugen, um auf eine schlüssige Lösung zu kommen. Die Geschichte ist eindeutig – und doch lässt sich nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass Ofelia sich nur in ihre Traumwelten geflüchtet hat. Dieser Hauch von Ungewissheit macht einen großen Teil der Faszination des Films aus.

„Pans Labyrinth“ ist ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben der grandiosen Erzählung bietet er fantastische Schauspieler, grandiose Bilder und Effekte, sowie einen eindringlichen Score, der jedoch nie aufdringlich wirkt. Für mich jetzt schon ein Meisterwerk – und das kann ich nach Erstsichtungen meist noch nicht über einen Film sagen: 10/10 Punkte.

The Cooler: Alles auf Liebe (2003)

Nachdem ich den Film vor einigen Jahren bereits auf dem Fantasy Filmfest verpasst hatte und die DVD seit einiger Zeit ungesehen im Regal steht, habe ich gestern endlich „The Cooler“ gesehen. Regisseur Wayne Kramer ist mir vor einiger Zeit durch seinen visuell und inhaltlich interessanten Thriller „Running Scared“ aufgefallen. Umso gespannter war ich, wie er wohl eine eher ruhig anmutende Liebesgeschichte umzusetzen vermag.

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In „The Cooler“ stehen die Menschen im Vordergrund. Allen voran die titelgebende Figur des Bernie Lootz und mit ihm William H. Macy, der ewige Nebendarsteller. Hier bekommt er endlich eine Hauptrolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert scheint. Seine Darstellung ist wirklich grandios. Besonders im Zusammenspiel mit Maria Bello. Beide Figuren ergänzen sich perfekt und die Schauspieler wissen die ungewöhnliche Liebesgeschichte glaubwürdig zu verkaufen.

Die Inszenierung trägt ihren teil zur Glaubwürdigkeit bei. Allein die Sexszene ist alles andere als romantisch oder perfekt choreographiert. Sie wirkt roh, unbeholfen und – ja eben – glaubwürdig. Wirklich schön gemacht – wie eigentlich alle Szenen, bei denen Macy und Bello im Mittelpunkt stehen. Die restlichen Darsteller können zwar auch überzeugen (wie z.B. der immer gern gesehene Alec Baldwin), doch bleiben deren Charaktere – im Gegensatz zu den Hauptfiguren – eher etwas blass.  Dies liegt zu großen Teilen leider an der etwas unausgewogenen Handlung des Films.

Im Mittelpunkt stehen eindeutig der Cooler und seine Liebesgeschichte. Die restliche Handlung ist durchsetzt mit Versatzstücken des Gangsterfilms à la Scorsese, welche meiner Meinung nach teilweise wie Fehlkörper in der Geschichte wirken. Auch die Szenen mit Bernies Sohn erscheinen meiner Meinung nach etwas aufgesetzt. Da hätte noch einiges an Arbeit in den Feinschliff des Drehbuchs gesteckt werden müssen.

„The Cooler“ ist ein Charakterfilm. Als dieser funktioniert er auch ganz vorzüglich. Die Inszenierung ist ruhig und weit weniger verspielt, als in Krames Folgewerk. Nur die Geschichte kann meiner Meinung nach nicht voll und ganz überzeugen. Trotzdem ein wirklich sehenswerter Film: 7/10 Punkte.

Kill Bill: Vol. 2 (2004)

Wie angekündigt, habe ich gestern endlich „Kill Bill: Vol 2“ gesehen. Die Erwartungen waren hoch. Sehr hoch. Leider schafft es Volume 2 nicht, diese einhundertprozentig zu erfüllen. Dennoch wirkt der Film mit seinen Brüchen zum ersten Teil im Schaffen Tarantinos nur konsequent. Zusammen ergeben beide Volumes dann tatsächlich das erhoffte Meisterwerk – zumindest für Zuschauer, die sich mit dieser Auffassung von Kino und Film identifizieren können.

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„Kill Bill: Vol. 2“ ist das genaue Gegenstück zu Volume 1. Hat der erste Teil von abgedrehten Actionsequenzen und einer überschschwänglichen Inszenierung gelebt, so findet man sich in Volume 2 eher in einem klassischen Tarantinofilm wieder. Lange Einstellungen. Langsame Kamerafahrten. Ausführliche Dialoge und ebensolche Monologe. War Volume 1 Martial Arts mit Italowesternanteilen, so ist Volume 2 Italowestern gespickt mit Martial Arts. Bereits die Eröffnungssequenz in der Kirche atmet die Opernhaftigkeit eines Sergio Leone Westerns. Unglaublich intensiv und wunderbar fotographiert. Diese Ruhe zieht sich durch den gesamten Film und wirkt – auch mit Volume 1 im Hinterkopf – nie fehlplatziert.

Neben der grandiosen Eröffnungssequenz haben es mir besonders die Szenen im Sarg, der Kampf im Trailer, sowie die Lehrstunden mit Meister Pei Mei angetan. Hier war ich fast noch überzeugt, der Film könnte Volume 1 noch übertreffen. Doch mit fortschreitender Laufzeit, gab es einige Szenen, die ich nicht mehr so hundertprozentig überzeugend fand. Allen voran der alternde Bordellbesitzer. Für sich genommen bestimmt nett und unterhaltsam, im Film aber eher störend und einfach unnötig für die Geschichte.

Dann endlich: Das Finale. Bill. Kill Bill. Das lange Vorspiel mit der Tochter und den Gesprächen fand ich zwar irgendwie sinnvoll, da hier das Dilemma (Töten des Vaters) kurz angeschnitten wurde und auch der Inhalt (Superman) durchaus ansprechend war. Doch letztendlich wurde ich emotional nicht so mitgerissen wie erhofft. Das gleiche gilt für den Schlusskampf. Sicher war es konsequent auch hier mit der Erwartungshaltung zu brechen und den lang erwarteten Kampf überraschend (und doch irgendwie erwartet) schnell enden zu lassen. Doch auch hier gilt: Irgendwie unbefriedigend und nicht so befreiend wie erhofft.

Insgesamt ist auch Volume 2 ein wirklich toller Film. Die Figuren bekommen endlich die nötige Tiefe und ihre Motivation wird klarer, wodurch sich die Braut auch endlich einen Namen verdient: Beatrix Kiddo. Auch ergeht es ihr nicht wie anderen Racheengeln, die sich nach getaner Arbeit leer und nutzlos fühlen (Budd und Elle Driver) – nein, sie ist jetzt Mutter und fällt dadurch nicht in das erwartete Loch. All dies ist schön konstruiert und teils gibt es wirklich fantastische Szenen, doch irgendwie wirkt der Film auf mich unrund und – wenn man das Ende betrachtet – emotional zu wenig mitreißend. Vielleicht würde eine Gesamtfassung „Kill Bill“ doch noch ein Stück nach vorne bringen. Mit vielleicht einer etwas anderen Chronologie der Szenen. Vielleicht. Ich kann es nicht sagen, würde mir aber auch diese Fassung auf jeden Fall ansehen.

Tarantino hat mit „Kill Bill“ ein höchstinteressantes und unterhaltsames Racheepos geschaffen. Tolle Bilder, tolle Figuren, grandiose Actionsequenzen. Müsste ich Volume 2 getrennt bewerten, würde ich nach der aktuellen Sichtung 8/10 Punkte vergeben. Das Gesamtwerk schafft es dagegen locker auf 9/10 Punkte – und das war schließlich erst der Anfang…

Trainspotting (1996)

Es gibt Filme, bei denen lässt sich nicht eindeutig sagen, was genau ihre Faszination ausmacht. Zu diesen gehört Danny Boyles „Trainspotting“. Ein Film über kaputte Typen. Junkies. Nicht neue Helden – wie die deutsche Tagline vermuten lässt – sondern verlorene Helden. Die Adaption von Irvine Welshs Romanvorlage hatte mich bereits bei der ersten Sichtung auf ihre Seite gezogen. Weitere Sichtungen folgten und der Soundtrack hat Kultstatus erlangt. Im Englisch LK war Irvine Welshs Kurzgeschichtensammlung „Acid House“ gleichermaßen abstoßend und faszinierend. Ich war gespannt, was mir „Trainspotting“ – der inzwischen überall als Kultfilm gehandelt wird – heute noch gibt.

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Ins Auge springt sofort die Inszenierung. Schnell. Roh. Hart. Modern. Danny Boyle hat das britische Kino durch „Trainspotting“ neu definiert. Ich vermute, dass die Filme von Guy Ritchie in dieser Form nicht existieren würden, hätte Boyle nicht den Wegbereiter gespielt. Doch das Junkiedrama ist mehr. Die klassischen Themen des britischen Kinos à la Ken Loach – Arbeitslosigkeit, mangelnde Perspektiven, soziale Missstände etc. – werden hier in eine neue Generation transportiert. Der Drogenkonsum zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den Film. Er hat auch vom Erzähler Besitz ergriffen. Auch vom Zuschauer. Man steckt tief drin in dieser selbstzentrierten und hoffnungslosen Welt eines Junkies.

Dem Film wurde häufig vorgeworfen, er würde den Drogenkonsum glorifizieren. Zu positiv darstellen. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne kaum einen Film, der die Auswirkungen der Sucht abstoßender darstellt als „Trainspotting“. Natürlich hört der Zuschauer aus dem Off, wie toll es ist auf Heroin zu sein. Natürlich wird man durch die audiovisuelle Gestaltung in andere Sphären getragen. Man erlebt den Film schließlich durch die Augen von Renton. Doch genauso lebt man den kalten Entzug. Die Schmach. Die Hoffnungslosigkeit. Den Identitätsverlust. Angst. Paranoia. Tod.

Die Kunst des Films ist ja gerade, dass Drogen nicht verteufelt werden. Dass man nicht von Anfang an die negativen Auswirkungen sieht. Könnte man sich sonst mit den Figuren identifizieren? Könnte man sonst nachvollziehen, was die Faszination ausmacht? Gerade die Verbindung von abgedrehtem Humor und grausamsten Bildern, die einem das Lachen im Hals stecken lassen, ist die Stärke des Films. Dadurch werden die kaputten Charaktere sympathisch und liebenswert. Man interessiert sich für sie und bekommt die Konsequenzen ihres Handelns umso unmittelbarer zu spüren.

Danny Boyle hat mit „Trainspotting“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Unbequem, hart und doch unterhaltsam. Eine Gradwanderung. Für die Beteiligten und den Zuschauer. Zudem spielt Ewan McGregor hier die Rolle seines Lebens. Ganz groß. Für mich einer der stärksten Filme der 90er: 9/10 Punkte.

Departed: Unter Feinden – OT: The Departed

Nach „Gangs of New York“ habe ich gestern meinen zweiten Scorsese auf der großen Leindwand gesehen: „Departed: Unter Feinden“. Die Kritiken zu dem Gangsterdrama, die ich im Vorfeld gelesen hatte, waren mehr als zwiespältig. Von ‚Nach „GoodFellas“ sein bester Film‘ bis ‚Ein müder Abklatsch des Originals‘ war alles dabei. Dazu muss ich sagen, dass ich das Original – den Asiahit „Infernal Affairs“ – nie gesehen habe. Grundsätzlich stehe ich Remakes auch eher skeptisch gegenüber. Zumindest wenn ich auch das Original kenne. Doch selbst dann kann ich die Neuinterpretation zu schätzen wissen und mir ein objektives Urteil bilden. Umso unverständlicher kommt mir der Tunnelblick so mancher Kritiker vor, die Scorseses Film als Schund bezeichnen, nur weil er ein Remake ist.

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„The Departed“ erzählt im Grunde die Geschichte zweier Männer, die in Konkurrenz zueinander stehen. Die das genaue Gegenteil voneinander sind. Und doch ähnlich. Billy Costigan (Leonardo DiCaprio), der Undercovercop und Colin Sullivan (Matt Damon), der Undercovergangster. Beide wissen um den anderen. Sie wissen jedoch nicht, wer der andere ist. Die Fäden laufen beim irischen Gangsterboss Frank Costello (Jack Nicholson) zusammen, der gleichzeitig FBI-Informant ist. Stoff genug also für ein Gangsterdrama der Extraklasse. Hinzu kommt zudem eine Polizeipsychologin (Vera Farmiga), die von den beiden gegensätzlichen Männern geliebt wird und zudem die einzige Vertrauensperson in diesem zwielichtigen Spiel ist.

Wenn ich nicht wüsste, dass „The Departed“ ein Remake ist, dann wäre ich nie auf den Gedanken gekommen. So sehr atmet der Film die dreckige Luft aus Scorseses Gangsteruniversen. Seine Handschrift ist in jeder Szene erkennbar. Selbst die Figuren – allen voran Frank Costello – sind typisch für diese Art von Film. Für Scorsese. Allein Billy ist etwas zu gut. Auch das Ende ist untypisch. In der letzten Szene des Undercovercops war ich wirklich geschockt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich denke jedoch diese Szene hätte eine weiter reichende Wirkung gehabt, wenn am Ende Colin nicht doch noch Gerechtigkeit widerfahren wäre. Erschien mir etwas wie ein Mittelweg und wenig konsequent. Doch egal wie man es dreht und wendet, das gesamte Ende ist untypisch für Scorsese und seine üblichen Charaktere. Und vielleicht gerade deshalb so überraschend gut gelungen.

Mehr als typisch für Scorsese ist jedoch die unglaubliche Inszenierung. Da stimmt einmal wieder alles. Man fühlt sich wirklich in die dreckige Gangsterwelt hineinversetzt. Die Kamera von Michael Ballhaus und die geniale Musikuntermalung tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Allein die Szene in der Billy seinen Einstand ins Viertel feiert und THE HUMAN BEINZ mit NOBODY BUT ME erklingen. Wahnsinn. Neben der Inszenierung stechen besonders die fabelhaften Schauspieler heraus. Allen voran natürlich Jack Nicholson. Doch auch Leonardo DiCaprio kann wieder einmal zeigen, was er wirklich drauf hat. Auch Matt Damon macht seine Sache gut. Von dem grandiosen Supportcast einmal gar nicht zu sprechen.

Martin Scorsese ist mit „The Departed“ fulminant in sein Genre zurückgekehrt. Und das ausgerechnet mit einem Remake. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das Original wirklich um so viel besser ist. Dafür liebe ich Scorseses Gangsteruniversen und die dreckige Atmosphäre einfach viel zu sehr. Ich werde „Infernal Affairs“ jedoch bei Gelegenheit eine faire Chance geben.

„The Departed“ mag nicht Scorseses bester Film sein. Vielleicht auch nicht der beste seit „GoodFellas“. Aber bestimmt der beste seit „Casino“. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach: 8/10 Punkte.

Königreich der Himmel – Director’s Cut – OT: Kingdom of Heaven (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 14. März 2010 veröffentlicht.

Lange hat es gedauert, bis ich Ridley Scotts neustes Epos „Königreich der Himmel“ gesehen habe. Doch bereits vor der Kinoaufführung wurden Gerüchte laut, dass Scott seinen Traum nicht verwirklichen konnte und einen Großteil an Szenen aus dem Film schneiden musste. Nachdem erste Kritiken eher verhalten waren und ein Director’s Cut immer wahrscheinlicher wurde, wollte ich mit der Sichtung warten. Meiner Meinung nach hat sich das durchaus gelohnt, denn „Königreich der Himmel“ ist seit Langem einmal wieder ein echter Director’s Cut und nicht nur ein als Extended Version betitelter Producer’s Cut.

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Der Film fängt stark an. Sehr stark. Die Atmosphäre im Frankreich des späten 12. Jahrhunderts ist so dicht, dass man fast den leisen Schnee in der Luft schmecken kann. Wirklich wunderbar. Hier lernt man Balian kennen. Einen Schmied, der vom Schicksal gebeutelt wurde. Mit ihm stürzt man förmlich in die Geschichte hinein. Da auch für die Figur ein neues Leben beginnt, kann man sich als Zuschauer leicht mit dem Schmied identifizieren. Die Reise nach Jerusalem wird beeindruckend und ohne Längen dargestellt. Zugleich wird die Geschichte hier bereits in einem enormen Tempo weitergetrieben. Kürzungen – wie im Kinocut – erscheinen mir hier fast unmöglich. Ich fand wirklich jede Szene wichtig und sehenswert.

Balians Ankunft und sein Fuß fassen in Jerusalem fand ich auch nett anzusehen. Allerdings sind mir hier einige Rhythmusprobleme aufgefallen. Teils kamen mir die Szenen und Handlungen der Figuren zu spontan und unbegründet vor, teils zu langatmig. Doch auch dieser Teil der Geschichte strahlt eine große Faszination aus und als Zuschauer muss man sich an eine Hand voll neuer Charaktere gewöhnen, die im weiteren Verlauf der Geschichte eine große Rolle spielen werden.

Der letzte Akt der Geschichte findet seinen Höhepunkt in der Schlacht um Jerusalem, die zwar beeindruckend dargestellt wird, aber irgendwie ein Gefühl des Mittendrinseins vermissen lässt. Die direkten Handlungen vor und nach der Schlacht fand ich wesentlich imposanter. Vielleicht hat man in der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära einfach auch schon zu viele Leinwandschlachten diesen Ausmaßes gesehen. Das Ende des Films macht dann noch einmal deutlich, wie ausschlaggebend die damaligen Ereignisse selbst für die heutige Zeit noch sind. Anders als in vielen ähnlichen Filmen haben die abschließenden Texttafeln tatsächlich etwas zu vermitteln und machen Eindruck. Schön gelöst und durch den wundervollen Score auch auf emotionaler Ebene berührend.

Mir hat Scotts „Königreich der Himmel“ sehr gut gefallen. Meiner Meinung nach steht das Epos seinem indirekten Vorgänger „Gladiator“ in nichts nach. Die Botschaft, was guten Glaube ausmachen sollte – und das egal in welcher Religion – ist stets präsent und wirkt dennoch nie aufdringlich. Scott hat seine Themen wahrlich gut gewählt und hat sich einmal mehr als Meister der visuellen Erzählkunst erwiesen. Auch bei den Darstellern kann man dem Film keine Vorhaltungen machen. Selbst Orlando Bloom konnte mich in der Rolle des friedfertigen Ritters überzeugen. Schade nur, dass Liam Neesons Figur so früh abtritt. War eine interessante Rolle.

„Königreich der Himmel“ ist für mich einer der gelungensten modernen Historienfilme. Sollte man sich als Freund des Genres auf jeden Fall in der vom Regisseur gewünschten Fassung ansehen: 9/10 Punkte.

Stay (2005)

Ich habe „Stay“ am 25. Januar 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Marc Forsters „Stay“  ist ein filmisches Rätsel. In den letzten Jahren gab es einige Filme dieser Art.  Kultfilme, wie „Donnie Darko“. Mainstreamvarianten, wie „Butterfly Effect“. Anspruchsvollere Vertreter, wie „The Jacket“. Diese Filme werden häufig als Lynch light abgestempelt. Diese Bezeichnung trifft zwar teils zu, wird den erzählten Geschichten aber nicht immer gerecht.

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Stay (2005) | © STUDIOCANAL

„Stay“ spielt – wie alle Filme diesen Genres – mit der Realitätswahrnehmung seiner Figuren. Auch der Zuschauer hat damit zu kämpfen. Man weiß, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist. Dass es eine Lösung für die verzerrte Wahrnehmung geben muss. Die Suche nach dieser Lösung macht bei dieser Art von Film am meisten Spaß. Die Lösung selbst ist häufig leider enttäuschend oder offensichtlicher, und damit weit weniger mysteriös, als man sich gewünscht hätte. So auch in „Stay“. Zu oft hat man diese Auflösung bereits gesehen. Zu viel wurde mit der Erwartungshaltung gespielt – und dennoch: Der Film lässt mich als Zuschauer nicht unbefriedigt zurück.

Marc Forster gelingt es, eine äußerst eindringliche Atmosphäre zu schaffen. Die Welt ist trist. Es überwiegen dreckige Gelbtöne, die nur durch sterilkaltes Blau unterbrochen werden. Auch das Leitthema von Selbstmord, Schuld und Sühne trägt zur beinahe schon hoffnungslosen Atmosphäre bei. Die Dunkelheit wird etwas durch Ewan McGregors Charakter gebrochen, der stets noch etwas Optimismus auszustrahlen imstande ist. Das Finale des Films mag letztendlich geschichtlich enttäuschen, doch werden hier manche stilistische Entscheidungen erst offensichtlich (z.B. die angesprochenen Gelbtöne). Überhaupt wirkt der Film sehr genau durchkomponiert. Jedes Bild und jeder Übergang wirken wie ein kleines Kunstwerk, was wiederum durch die Geschichte des Kunststudenten reflektiert wird und somit nicht aufgesetzt wirkt.

„Stay“ bietet tolle Unterhaltung und lädt zum Mitraten ein. Das Ende ist dann leider etwas enttäuschend, was dem Film einen Spitzenplatz unter seinen Genrekollegen verwehrt. Punkten kann Marc Forster jedoch mit Stilsicherheit und Anspruch. Insgesamt ein wirklich tolles Seherlebnis: 8/10 Punkte.