Rollerball (1975)

Neben „Logan’s Run“, „Soylent Green“ und „THX 1138“ ist Norman Jewisons „Rollerball“ einer der großen Sci-Fi-Filme der 70er Jahre. Er thematisiert ähnliche Themen, wie seine Brüder im Geiste und ist doch anders. Sehr actionbetont. Ein Sportfilm. Dennoch wird auch hier die Luft einer bevorstehenden Revolution geatmet. Die Zeit des Umbruchs ist gekommen.

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„Rollerball“ lebt eindeutig von Hauptdarsteller James Caan und den Actionsequenzen. Diese sind wahrlich atemberaubend inszeniert. Man ist als Zuschauer live beim Spiel dabei. Dies liegt vermutlich auch daran, dass die Regeln recht transparent in die Filmhandlung eingebaut worden sind. Das Spiel ist absolut glaubwürdig. Teilweise sogar erschreckend glaubwürdig. Brot und Spiele in Perfektion.

So gelungen auch die Spielszenen sind, so hätte ich mir doch etwas mehr Hintergrundinformationen über die Corporations gewünscht. Ich denke ein Informationsvorsprung des Zuschauers gegenüber den Figuren hätte der Geschichte nicht geschadet. So tappt man etwas im Dunkeln. Man kann die Motivation von Jonothan E. (James Caan) zwar nachvollziehen, doch eher auf der persönlichen Ebene. Hier wäre etwas mehr kritischer Unterbau nötig gewesen.

Inszenatorisch reißen natürlich besonders die „Rollerball“-Szenen mit. Diese sind auch – für die damalige Zeit – famos in Szene gesetzt und rasant geschnitten. Etwas gestört habe ich mich an den vielen Zooms, die heute einfach etwas unfilmisch wirken. Schauspiel und der klassische Score sind auf hohem Niveau und passen perfekt zur Geschichte.

„Rollerball“ ist sicherlich nicht die beste der düsteren 70er Jahre Utopien, doch kann der Film auch heute noch mitreißen und unterhalten. Dank der tollen Spielszenen und der interessanten – aber ausbaufähigen – Rahmenhandlung, kann ich guten Gewissens immer noch 8/10 Punkte vergeben. Das Remake von John McTiernan soll dagegen ja nicht so gelungen sein.

Bubba Ho-Tep (2002)

Nach etlichen Jahren hat es „Bubba Ho-Tep“ nun endlich auch bei uns auf DVD geschafft. Der Film wurde mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht und hat dann doch viele Zuschauer enttäuscht. Was soll man auch erwarten von einer Geschichte, in der ein schrumpliger Elvis Presley und ein schwarzer John F. Kennedy eine seelensaugende Mumie in einem Altersheim jagen? Vermutlich eine Horrorkomödie im „Evil Dead“-Stil, zumal Bruce Campbell der große Name in der Produktion ist.

„Bubba Ho-Tep“ lässt sich allerdings nicht so leicht in eine Schublade stecken. Ist er ein Horrorfilm? Eine Komödie? Gar ein Drama? Erstaunlicherweise ist der Film tatsächlich oft näher am Drama, als an den anderen Genres. Das hat mich wirklich erstaunt und wurde von den meisten Zuschauern wohl auch nicht so erwartet und dementsprechend skeptisch aufgenommen. Ich war jedoch von Anfang an gefangen von der dichten Atmosphäre, sowie der Betrachtung des Alters durch die Augen des dahinsiechenden Elvis Presley. Teils – trotz derber Sprache – fast schon poetisch und wirklich ergreifend.

Die Geschichte um die Mumie – und damit der Horroranteil – dient eigentlich nur als Funke, die den letzten Lebenswillen der beiden geschichtsträchtigen Helden entfacht. Ihr Dasein bekommt wieder einen Sinn. Etwas, das den meisten alten Menschen in solchen Heimen wohl abgeht. Man kann sich – auch durch die Visualisierung der Erinnerungen – gut in Elvis hineinversetzen und ist sich des Verlusts der Jugend bewusst. Dieser Sehnsucht nach längst vergangener Zeit. Hier steckt weit mehr in „Bubba Ho-Tep“, als sich auf den ersten Blick vermuten ließe.

Neben den ruhigen, emotionalen Szenen gibt es dennoch genügend Albernheiten. Allein die beiden Hauptcharaktere sind so absurd, dass es eine wahre Freude ist. Ihre Erklärungen für das Auftauchen der Mumie und die dementsprechenden Nachforschungen sind teils irre komisch. Der Kampf gegen die Mumie ist dann noch auf typische B-Movie-Art inszeniert und verbreitet trotz offensichtlichem Gummianzug mehr Charme, als jegliches CGI-Gewitter. Dabei wird der Film von einem fantastischen Score unterstützt, der wirklich ins Ohr geht.

„Bubba Ho-Tep“ hat sich als viel mehr entpuppt, als ein simpler Horrorfilm. Er besitzt Tiefe und echten Charakter. Teils regt er sogar zum Nachdenken an. Sicherlich gibt es einige budgetbedingte Abstriche zu machen und die Dramaturgie könnte etwas ausgefeilter sein, doch all das trübt den Spaß nicht im Geringsten. Wer Freude an skurrilen Geschichten hat, sollte auf jeden Fall einmal im Altersheim von Elvis reinschauen: 8/10 Punkte.

Domino

Es gibt Filme, die lassen einen etwas unschlüssig zurück. Zu diesen gehört seit heute Tony Scotts Bilderrausch „Domino“. Zwar kommt der Film den beiden Extremen – Meisterwerk bzw. Schrott – nicht wirklich nahe, doch dazwischen ist beinahe die gesamte Bandbreite vorhanden. Wie sagt Domino so schön? There are three kinds of people in the world. The rich. The poor. And everyone in between. Dieser Film ist irgendwo dazwischen.

Im Vorfeld hatte ich – wie so oft – ein paar Dinge über den Film gelesen. Spoilerfrei natürlich. Am meisten wurde auf Tony Scotts berühmt/berüchtigte Montage eingegangen. Etwas, das mir bereits in Scotts „Man of Fire“ etwas sauer aufgestoßen ist und das ich in „Domino“ verstärkt zu sehen befürchtet hatte. Dem war dann auch so. Doch seltsamer- bzw. glücklicherweise sind mir die Bildverfremdungen hier passender erschienen. Sie haben nicht so sehr wie Fremdkörper in der Geschichte gewirkt. Stimmiger. Schwer zu beschreiben.

Auch wenn der visuelle Overkill also annehmbar war, so hat er teils doch etwas meine Nerven strapaziert. Besonders da auch ruhige Sequenzen (z.B. Beerdigung) nicht verschont geblieben sind. In solchen Szenen gab es dann auch keinerlei Verbindung zwischen Montage und Inhalt. Hier hat sich Scotts Stil als das offenbart, was er oft leider auch ganz einfach ist: Spielerei. Trotzdem darf ich für alle Entwarnung geben, die den Film völlig durch die Montage ruiniert wähnen: In vielen Szenen gibt es wunderbare Bildsequenzen zu bewundern, die Sinn und Spaß machen.

Inhaltlich ist auch nicht alles im grünen Bereich. Die Geschichte um Domino Harvey ist interessant und es gibt charismatische Figuren. Die Handlung braucht etwas bis sie in die Gänge kommt und oft werden – da haben wir es wieder – zu verspielte Sequenzen eingestreut. Ich denke nur an die Jerry Springer-Show, die ausgedehnte Drogensequenz oder auch einige der Interviewszenen. Eine halbe Stunde weniger hätte dem Film meiner Meinung nicht geschadet. Neben dem inhaltlichen Balast und den visuellen Auswüchsen wird nämlich eine spannende Geschichte erzählt, die zudem mit interessanten Figuren bevölkert ist.

Erwähnenswert finde ich zudem Keira Knightley, die mich hier sehr positiv überrascht hat, sowie Mickey Rourke, der endlich wieder zur alten Form zurückgefunden zu haben scheint. Das große Shoot Out am Ende hat mich übrigens sowohl vom Spannungsaufbau, als auch von der Inszenierung sehr an Scotts „True Romance“-Finale erinnert. Überhaupt fand ich das Ende unerwartet emotional, besonders da die wunderschönen End Credits mit der echten Domino Harvey enden, die 2005 an einer Überdosis gestorben ist.

„Domino“ ist gefällt mir besser, als ich gedacht hatte. Teils beeindruckend gespielt und in tollen Bildern erzählt. Teils abschweifend und zu verspielt. Als Gesamtwerk auf jeden Fall sehenswert und durchaus mit Potential: 7/10 Punkte.

Riddick: Chroniken eines Kriegers – Director’s Cut – OT: The Chronicles of Riddick

Im Anschluss an „Pitch Black“ habe ich mir gestern noch David Twohys Fortsetzung „Riddick: Chroniken eines Kriegers“ im Director’s Cut angesehen. Dies war meine erste Sichtung und aufgrund diverser vernichtender Kritiken war meine Erwartungshaltung nicht all zu groß. Letztendlich bekam ich dann genau das, womit ich gerechnet hatte: Einen großen, albernen Sci-Fi-Actionfilm.

Zunächst einmal finde ich die grundlegende Idee des Films samt Übernahme des Charakters aus „Pitch Black“ sehr gelungen. Viele Kritiker haben sich daran gestört, dass eine Nebenfigur aufgeblasen wird, doch ich finde den Schritt nur konsequent, war Riddick im Vorgänger doch eindeutig der interessanteste Charakter. Ich hatte zudem immer gedacht, dass die beiden Filme außer dem Antihelden nichts gemein haben. Dem ist allerdings nicht so: Es wird Bezug auf die Ereignisse aus „Pitch Black“ genommen und die Überlebenden spielen tragende Rollen in der Fortsetzung. All das wirkt seltsamerweise nicht erzwungen oder aufgesetzt – und das obwohl „The Chronicles of Riddick“ eine ganz andere Art Film darstellt, wie sein Vorgänger.

In den Chroniken wird eine episch anmutende Geschichte erzählt. Fantasyelemente übernehmen die tragende Rolle und das Design scheint Filmen wie „Stargate“ oder „Dune“ entsprungen. Die erste halbe Stunde konnte mich auch wirklich begeistern: Es wird von Planet zu Planet gereist, gibt unzählige Figuren und mystische Namen. Die Einführung der Charaktere fand ich zudem sehr gelungen. Doch dann betreten die Bösewichte die Bühne. Diese sind – neben ihrer Eigenschaft Welten auszulöschen – leider überhaupt nicht furcheinflößend. Da hatte ich selbst vor den Grashüpfern aus „Galaxy Quest“ mehr Respekt. Die Kostüme wirken wie aus der originalen „Star Trek“-Serie und die Dialoge sind teils so haarsträubend, dass es an Körperverletzung grenzt. Ich habe mich oft wirklich in einer Parodie gewähnt. Unglaublich.

Sobald die Handlung wieder direkt bei Riddick und Co. ist, macht der Film allerdings wirklich Spaß. Der Gefängnisaufenthalt samt Ausbruch ist sehr gelungen. Sowohl vom Produktionsdesign, als auch von der Action. Man darf  allerdings keine Sekunde über Logik, sowie Sinn und Zweck des Ganzen nachdenken, dann kann man den Unterhaltungswert auch voll und ganz genießen. Denn den besitzt der Film auf jeden Fall. Davon abgesehen ist Riddick wirklich eine tolle Figur. Sicher sollte man von Vin Diesel keine Shakespearschen Schauspielleistungen erwarten, doch als Actionheld taugt er allemal.

Die Geschichte an sich wäre auch gar nicht schlecht wären da nicht, ja wären da nicht die Necromonger. Ich weiß auch nicht was Twohy hier geritten hat. Die Idee (Aufzwingen einer dubiosen Religion) wäre ja an sich noch ganz brauchbar, aber die Handlungen der Figuren, die wirklich dummen Dialoge und die schrecklichen Kostüme machen aus den Villains einfach nur Witzfiguren. Dieser Umstand nimmt dem Film so viel. Es ist wahrlich eine Schande.

„The Chronicles of Riddick“ ist ein wirklich unterhaltsamer Sci-Fi-Actioner, der eigentlich alles besitzt, was man als Genrefreund braucht: Fremde Welten, Raumschiffe, Action, einen schnittigen Helden, Effekte en masse und eine einigermaßen brauchbare Geschichte. Doch leider besitzt der Film auch die Necromonger. Somit sind mehr als 6/10 Punkte leider nicht drin.

Pitch Black: Planet der Finsternis (2000)

Das Jahr, in dem „Pitch Black: Planet der Finsternis“ in die Kinos kam, war für mich das Jahr der Sneak Previews. Das letzte Schuljahr. Unendlich viel Zeit. Parties. Kino. So wurde der Besuch der Sneak zum wöchentlichen Ritual. Irgendwann kamen vermehrt Gerüchte auf, es würde ein Science-Fiction-Film gezeigt. Eine gelungene Abwechslung im Komödiensumpf. Nach drei Wochen war es schließlich soweit und ich sah mit „Pitch Black“ einen meiner unterhaltsamsten Sneak-Filme. Für das Folgende droht Spoilergefahr.

Auch heute noch mach David Twohys Sci-Fi-Actioner Spaß. Viel Spaß. Zudem ist er einem im Kino selten gewordenen Genre zugehörig: Dem klassichen Weltraumfilm. Ein Weltraumfilm mit Monstern. Gab es so etwas – sieht man einmal von diversen B- und C-Movies ab – überhaupt außerhalb der „ALIEN“-Reihe? „Pitch Black“ hat – für mich – eine Lücke gefüllt. Sicherlich darf man ihn qualitativ nicht mit den Scott/Cameron-Meisterwerken vergleichen, doch das muss man auch gar nicht. Der Film besitzt genug Eigenständigkeit um einfach nur gut zu unterhalten.

Die Figuren sind zwar alle etwas klischeehaft, aber gut gezeichnet. Keine seelenlosen Abziehbilder – und das ist in einem Monsterfilm schon einmal viel Wert. Zudem gibt es mit Riddick einen Charakter, der nur schwer zu durchschauen ist und der – netter Einfall – seine Fähigkeiten mit den Monstern teilt. Zwar ist diese Figur bewusst cool angelegt und hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen, doch darf man trotz allem nicht den Fehler machen und „Pitch Black“ als reines Vin Diesel-Vehikel à la „xXx“ sehen.

Neben einer spannenden Handlung und – innerhalb der Genregrenzen – überzeugenden Figuren, kann besonders die Optik überzeugen. Das Licht der drei Sonnen wird sehr glaubwürdig dargestellt und auch der Look der Aliens weiß zu gefallen, wenngleich sich das niedrige Budget hier doch ab und zu bemerkbar macht. Das Ende weiß dann auch inhaltlich zu gefallen, kann sich die Ripley-Gedächtnis-Amazone nicht ins Schiff retten, sondern wird in letzter Sekunde zu Hackfleisch. Eine augenzwinkernde Verbeugung vor dem Vorbild? Ich will es einmal glauben.

„Pitch Black“ ist alles andere als großes Kino. Zu großartigem Unterhaltungskino reicht es aber allemal – und das ist manchmal schon viel Wert. Wer auf Filme wie „The Cave“ steht, der wird auch mit diesem kleinen, feinen Sci-Fi-Schocker glücklich: 7/10 Punkte.

Children of Men (2006)

Gestern Abend habe ich mir endlich Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen. Wieder ein Film, bei dem ich mich ärgere, ihn nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Doch hätte auch dieses Erlebnis kaum die Intensität der gestrigen Sichtung übertreffen können.

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Alfonso Cuarón hat mit „Children of Men“ eine düstere Zukunftsvision erschaffen. Eine Art von Film, wie sie seit den 70ern nicht mehr gemacht werden. Die Adaption von P.D. James‘ Roman erinnernt am ehesten an verstörende Utopien, wie „Soylent Green“ oder „Fahrenheit 451“. Der Film ist dreckig, es liegt eine beständige Hoffnungslosigkeit in der Luft und es gibt keine Helden. Damit erhebt sich „Children of Men“ über den Status eines reinen Unterhaltungsfilms. Er hat eine Aussage. Mag man ihn nun als Kommentar zur Globalisierung, als Warnung vor dem Klimawandel oder als Analogie zu heutigen Krisengebieten sehen. Der Film funktioniert. Er funktioniert auf all diesen Leveln.

Die Geschichte an sich ist eher einfach. Eine Rettungsmission. Von A nach B. Doch den Film darauf zu reduzieren wäre nicht nur oberflächlich, es wäre schlicht falsch. Man sieht die Welt durch die Augen von Theo Faron. Einem Mann ohne Zukunft. Ohne Hoffnung. Auf seiner Reise erhascht man unzählige Eindrücke einer kranken Welt. Einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Die im Jahre 2027 – in dem der Film angesiedelt ist – bereits seit langer Zeit aus den Fugen geraten ist. Durch das Aufkeimen von Hoffnung wird Theo wieder ein Sinn in seinem Leben gegeben. Er wandelt nicht mehr wie tot durch diese kranke Welt. Er hat ein Ziel und muss sich deshalb mit dieser Welt auseinander setzen.

Was mich bei „Children of Men“ wirklich umgehauen hat, ist die Inszenierung. Alfonso Cuarón erschafft eine Welt, wie sie glaubhafter und beängstigender nicht sein könnte. Man fühlt sich nicht wie 20 Jahre in der Zukunft. Das ist jetzt. Heute. Der Zuschauer ist live dabei. Wenn Bomben explodieren, wenn Immigranten über den Haufen geschossen werden, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Unglaublich. Unglaublich intensiv. Ich war selten so beeindruckt von der Art der Inszenierung. Ganz groß. Ich möchte nicht wissen, wie der Kameramann bei der finalen Häuserschlacht geschwitzt hat, die – mindestens 5 Minuten lang – ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Ich kann es nur noch einmal sagen: Unglaublich!

Trotz seiner grandiosen Wirkung ist der Film nicht fehlerfrei. The Human Project als MacGuffin erschien mir etwas plump. Ebenso die Ehrfurcht der militärischen Einheit vor dem Baby. Auch das Ende hat mich letztendlich nicht 100%ig überzeugt. Doch das sind alles nur Nebensächlichkeiten in einem wirklich herausragenden Film.

Bei den Schauspielern überzeugt allen voran einmal wieder Clive Owen, dem man den gebrochenen Helden voll und ganz abnimmt. Auch Michael Caine als Althippie hat seine Momente und auch der Rest des Casts fügt sich grandios in diese düstere Zukunft ein. Erwähnen muss ich auch noch die grandiosen VFX. So ist z.B. in der Geburtsszene das Baby vollständig computeranimiert. Wirklich grandios gemacht und nicht – zumindest auf den ersten Blick – zu erkennen.

„Children of Men“ sollte man wirklich gesehen haben. Hinter der oberflächlichen Haupthandlung steckt so viel mehr. Alfonso Cuarón hat sich meiner Meinung nach selbst übertroffen. Ich hoffe der Film wirkt bei der nächsten Sichtung noch genauso intensiv: 9/10 Punkte.

Mission: Impossible 2 (2000)

Beinahe zwei Monate nach Sichtung des Vorgängers bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir „Mission: Impossible 2“ anzusehen. Der Film hat ja bereits bei Erscheinen einiges an Schelte einstecken müssen. Ich wollte jedoch unbefangen an die Fortsetzung herangehen und habe mir im Vorfeld vorgenommen, dem Film trotz überzogener Actionsequenzen eine faire Chance zu geben. Gar nicht so einfach, zumal die Action noch das Beste an diesem Werk darstellt.

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Wo fange ich nun an? Am besten mit der Action. Diese ist – typisch für John Woo – bombastisch inszeniert. Der Mann hat tatsächlich ein Auge für solche Szenen. Das kann man ihm wirklich nicht nehmen. Ob die übertriebene Action nun zu „Mission: Impossible“ passt oder nicht, kann man finde ich schlecht sagen. Brian De Palma hat im ersten Teil gegen Ende ja auch bereits auf Action dieser Art gesetzt, weshalb ich John Woo an dieser Stelle nicht den Vorwurf machen will, den Film aufgrund seiner Actionregie an die Wand gefahren zu haben.

Das größte Problem von „Mission: Impossible 2“ ist ganz klar das verkorkste Drehbuch. Die Geschichte ist so unglaublich simplel, dass man sie locker in einer halben Stunde hätte erzählen können. Zusammen mit der Action wäre man nun bei einer Stunde Film. Was also passiert in der restlichen Stunde? Da gibt es endlose Gespräche. Sinnlose Gespräche. Langweilige Gespräche. Dieses Nichts an Inhalt wird von John Woo zudem mit der opernhaften Theatralik seiner Hongkong-Filme inszeniert. Ein Zusammenspiel, das hinten und vorne nicht passt. Da ich jedoch stets an das Gute in den Filmemachern glaube, habe ich einen Blick ins Making Of geworfen, um Begründunge für die Defizite in der Geschichte zu finden. Dort erzählt der Drehbuchautor dann tatsächlich, was für eine anspruchsvolle Arbeit es war, eine Geschichte um die vorab festgelegten Actionssequenzen zu basteln. Zudem ist er furchtbar stolz auf seine Idee mit dem Virus, den er allen Ernstes als MacGuffin bezeichnet. Hitchcock würde sich im Grabe umdrehen.

Ich war wirklich guter Dinge. Wirklich. Auch habe ich kein Problem damit, dass bei einer Fortsetzung neue Wege eingeschlagen werden. Doch „Mission: Impossible 2“ demontiert seinen Vorgänger. Ethan Hunt ist nicht mehr Ethan Hunt. Er ist nur noch Tom Cruise – und dieser Film ist das deutlichste Beispiel für den schlechten Ruf des Schauspielers. Gelackte Oberfläche und ein Grinsen. Mehr ist da – zumindest in diesem Werk – nicht zu holen.

„Mission: Impossible 2“ ist kein Totalausfall. Die Actionszenen machen wirklich Spaß, doch der Rest? Kann man getrost vergessen. Das Schlimmste ist: Ich habe nun nichtmal mehr groß Lust auf den dritten Teil. What did you do, John Woo? So sehr ich seine ersten Hollywood-Ausflüge („Operation: Broken Arrow“ und „Face/Off“) mag, so deutlich zeigt sich mit „Windtalkers“ und „Mission: Impossible 2“ nun der Untergang des besonderen Talents dieses Regisseurs. Schade: 4/10 Punkte.

Deep Blue Sea (1999)

Nachdem unser Running Sushi-Abend gestern spontan ins Wasser gefallen ist, habe ich mich auf andere Art und Weise an Fischen erfreut: Mit Renny Harlins „Deep Blue Sea“. Dieser Film verbindet alles, was ich mir von einem reinen Unterhaltungsfilm erhoffe. Da wird ein Wissenschaftsthriller mit Tierhorror gemixt und all das spielt am, im und unter Wasser. Popcornherz, was willst du mehr?

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„Deep Blue Sea“ ist sicherlich nicht der intelligenteste und subtilste Film seiner Art, doch bestimmt einer der Filme mit dem perfektesten Spannungsaufbau. Harlin zieht hier wirklich alle Register. Auch inszenatorisch. Man fühlt sich selbst gefangen auf dieser fremdartigen Konstruktion mitten im Ozean. Den Elementen und den Haien ausgeliefert. Die Geschehnisse, die letztendlich in der großartigen Hubschrauberszene gipfeln, lassen mich – selbst nach der bestimmt dritten Sichtung – immer noch unruhig werden.

Erfreulich ist auch die Konstellation des Fischfutters. Zwar gibt es – wie immer in diesem Genre – nur Stereotypen, doch sind diese wenigstens einigermaßen glaubwürdig und sympathisch gezeichnet. Auch die Schauspieler wissen die Rollen gut auszufüllen. Selbst LL Cool J (was für ein Name) fällt als comic relief nicht sonderlich negativ auf und zeigt – im Gegensatz zu sonstigen Rapperkollegen – sogar ansatzweise Schauspieltalent.

Neben teils toll inszenierten Wasser- und Haiszenen, fallen allein ein paar CGI-Attacken negativ auf: Zu offensichtlich als Fremdkörper erkennbar. Ganz im Gegensatz zu den animatronischen Haien. Der Film hat allerdings auch schon 8 Jahre auf dem Buckel. Das darf man nicht vergessen.

Für mich ist „Deep Blue Sea“ immer noch einer der unterhaltsamsten Monsterfilme überhaupt. Renny Harlin hat seine Sache ausgezeichnet gemacht und ich finde es schade, dass er nicht mehr an die großen Budgets herangelassen wird – und ja, ich finde „Die Piratenbraut“ (OT: „Cutthroat Island“) klasse! Ich wünschte es gäbe mehr spaßige guilty pleasures, wie diesen Film: 8/10 Punkte.

Gremlins: Kleine Monster (1984)

Vermutlich kennt jeder Phasen, in denen es als besonders cool gilt, bestimmte Filme zu sehen. Als Teenager sind das dann Werke wie „Tanz der Teufel“, „Dawn of the Dead“ oder „Braindead“. Doch auch in der Grundschule gab es bereits solch angesagte Filme. Neben den „Ghostbusters“-Filmen („Voll der eklige Schleim und gruselige Monster!“) stand Joe Dantes „Gremlins“ („Da wird ein Monster in den Mixer gesteckt und es zerplatzt ganz eklig!“) ganz oben auf der Liste. Ob es ein Zufall ist, dass die angesagten Filme stets aufgrund ihres besonders hohen Schleim- und Ekelfaktors cool waren?

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Manche Filme aus dieser Zeit überdauern den momentanen Hype. Dazu gehört auch „Gremlins“. Der Spannungsaufbau ist ruhig und langsam. Es herrscht die typsiche 80er Jahre Atmosphäre und – als Kenner des Films – fühlt man sich sofort wieder wohl in dieser besonderen Weihnachtsnacht. Die Figuren sind allesamt sehr sympathisch und werden von ihren Schauspielern glaubwürdig dargestellt. Aufgefallen ist mir wieder einmal besonders Corey Feldman, der sich anscheinend in all meinen liebsten Filmen aus der Kindheit rumtreibt.

Die eigentlichen Hauptdarsteller sind allerdings eindeutig die Kreaturen. Was hier allein durch Puppentricks entsteht, ist – aus heutiger Sicht – der pure Wahnsinn. Sicher merkt man den Effekten ihr Alter an, doch mich können die süßen Mogwais und die fiesen Gremlins auch heute noch überzeugen. Wirklich fantastisch und irgendwie zeitlos. Vielleicht sehe ich das auch nur so, weil mich diese Art von Film durch die Kindheit begleitet hat. Schwer zu sagen.

Die Geschichte lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Allerdings weiß ich noch ganz genau, wie ich damals mit leuchtenden Augen einem Freund zugehört hatte, der von den „Gremlins“ erzählte. Die drei Regeln: Nicht mit Wasser in Kontakt bringen, nicht dem Sonnenlicht aussetzen und niemals nach Mitternacht füttern. Allein durch die Erzählung haben sich diese Regeln bei mir ins Gedächtnis gebrannt und ich war so unglaublich gespannt auf diesen Monsterfilm.

„Gremlins“ hat fast nichts von seinem Charme verloren. Auch heute noch zündet das Feuerwerk aus bösem, schwarzem Humor und Familienfilm. Um jedoch in den vollen Genuss zu kommen, muss man wohl eine persönliche Bindung zu den kleinen, (anfangs) pelzigen Tieren haben: 9/10 Punkte.

Slither

Es gibt nur wenige Schauspieler, die mich dazu bewegen, einen Film zu sehen. Nathan Fillion gehört – seitdem ich ihn in Joss Whedons Kultserie „Firefly“ gesehen habe – eindeutig dazu. Da mir „Slither“ zudem noch aufgrund seines Genres vielversprechend erschien, habe ich mich wirklich auf die Sichtung gefreut. Eine berechtigte Vorfreude.

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Ich liebe Monsterhorrorfilme. Besonders solche, die leicht selbstironisch inszeniert sind und sich nicht all zu ernst nehmen. Der beste Film dieser Art ist wohl nach wie vor „Tremors“ (deutsche Titel: „Im Land der Raketenwürmer“). Da in diesem Genre gute Filme wirklich Mangelware sind, kam „Slither“ gerade zur rechten Zeit. James Gunn versucht in seinem Film nie seine Vorbilder zu toppen. Er nimmt sie nie bewusst auf die Schippe. Er nimmt sie ernst – und deshalb funktioniert der Film. „Slither“ ist keine Parodie und doch kein ernsthafter Horrorfilm. Er bewegt sich irgendwo dazwischen. Das hat er mit „Tremors“ gemein, auch wenn er nie an diesen Klassiker heranreicht.

Die Geschichte ist in großen Teilen vorhersehbar. Sie ist nicht sonderlich originell. Die Dramaturgie ist teils etwas holprig und man hat stets das Gefühl, alles schon einmal in ähnlicher Form gesehen zu haben. Doch „Slither“ macht Spaß, hat tolle Figuren und ist einfach sympathisch. Mehr braucht es für diese Art von Film gar nicht.

Die Effekte sind – so man Blut, Schleim und Gekröse abkann – grandios, die Inszenierung ist flott und die Schauspieler verleihen ihren Figuren genau das richtige Maß an Authentizität, um in dieser Welt des selbstironischen Horrorfilms zu funktionieren. Allen voran natürlich Nathan Fillion, der – wie immer – das gewisse Etwas zu seiner Rolle beiträgt.

Zwar kein neuer Genreklassiker, aber immerhin ein großer, schleimiger Spaß: 7/10 Punkte.