True Lies: Wahre Lügen (1994)

Ich bin alt. Verdammt alt. Das wurde mir gestern Abend schlagartig klar, als ich realisierte dass James Camerons actionreiche Parodie „True Lies“ inzwischen auch schon 15 Jahre auf dem Buckel hat. 15 Jahre. Unglaublich. Dabei war mir der Film stets als noch relativ jung im Gedächtnis. In meinen Teenagerjahren unzählige Male gesehen. Nun das zweite Mal auf DVD. Kann der Film heute immer noch überzeugen?

truelies3

Oh ja. Er kann. Auch wenn ich die Dialoge beinahe komplett mitsprechen kann, so haben sich die einzelnen Szenen nicht abgenutzt. Sie erscheinen so frisch, wie bei der ersten Sichtung. James Cameron ist hier wirklich das Meisterstück gelungen eine herrlich komische Parodie mit völlig überdrehter Action zu kombinieren. Grandios! In jedem anderen Actionfilm würde man sich vermutlich an den Kopf fassen, wenn die Hauptfigur auf einem Pferd durch die Lobby eines Hotels jagd oder mit einem Kampfjet durch Wolkenkratzer fegt. Hier treffen solche Szenen exakt den Ton des Films. Man hat nie das Gefühl einen lächerlichen Film zu sehen und nimmt Charaktere und Handlung im Rahmen ihrer Welt ernst. Dieses Kunststück schaffen nur ganz wenige Parodien.

Neben Camerons absolut fabelhafter Inszenierung tragen vor allem die perfect gecasteten Schauspieler zum Gelingen des Films bei. Arnold Schwarzenegger muss sich nicht groß verstellen, ist seine Rolle doch archetypisch angelegt. Sein Umfeld dagegen muss reagieren und hier gibt es eine wunderbar wandlungsfähige Jamie Lee Curtis zu sehen. Einfach herrlich! Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern scheint zudem für ihre Rollen perfekt gewesen zu sein. Hinzu kommt ein herrlich überdreht aufspielender Bill Paxton, der für mehr als nur einen Lacher sorgt. Des Weiteren gibt es Charlton Heston mit Augenklappe zu bewundern und Eliza Dushku (Faith, „Buffy: The Vampire Slayer“) ist als rotziger Teenager zu sehen.

Neben diversen Knallerdialogen und komödienhaften Szenen, kommt natürlich auch die Action nicht zu kurz. Diese wirkt – trotz ihrer völligen Überzogenheit – nie lächerlich oder fehlplatziert. Da könnten sich moderne Actionfilme à la „Wanted“ die eine oder andere Scheibe abschneiden – insbesondere in Bezug auf die Verbindung von Action und Handlung.

James Camerons „True Lies“ ist trotz seiner für einen Actionfilm enormen Lauflänge zu jeder Zeit unterhaltsam. In seinem inszenatorischen Gigantismus und seiner inhaltlichen Leichtigkeit stellt diese Geburt des 90er Jahre Kinos für mich den perfekten Popcornfilm dar. Es gibt kaum einen Actioner, der unterhaltsamer wäre. Grandios und absolutes Pflichtprogramm: 10/10 Punkte.

Hellboy – Director’s Cut (2004)

Als ich Guillermo del Toros Comicverfilmung „Hellboy“ – bereits damals im Director’s Cut – zum ersten Mal sah, wusste ich nicht so recht was ich zu erwarten hatte. Die Vorlage war mir fremd und ich konnte den Film anfangs nur schwer einordnen. Eines stand jedoch ohne Zweifel fest: Ich hatte verdammt viel Spaß mit dem roten Affen!

hellboy

Aus der Vielzahl an Comicverfilmungen ist mir „Hellboy“ eindeutig als die sympatischste in Erinnerung geblieben. Auch wenn die Hauptfigur wohl – oberflächlich betrachtet – weit weniger menschlich erscheinen mag als die „X-MEN“ oder „The Hulk“, so steckt hinter der harten roten Schale doch der menschlichste aller Superhelden. Dieser Eindruck ist wohl vor allem auch Ron Perlmans grandiosem Spiel zu verdanken, der unter der Maske zur Höchstform aufläuft. Als hätte Mike Mignola die Vorlage nur für ihn geschrieben.

Stilistisch erinnert „Hellboy“ eher noch an „Blade II“, als an „Pans Labyrinth“ und ist somit seinen Comicwurzeln absolut treu geblieben. Für mich als Monsterfreund ist der Film sowieso eine kleine Offenbarung: Sammael gibt einen wunderbaren Höllenhund ab und Karl Ruprecht Kroenen ist ein absolut faszinierender Bösewicht. Selbst das riesige Schleimmonster – das sowohl H. P. Lovecrafts Phantasie, als auch Katsuhiro Otomos „Akira“ entsprungen sein könnte – passt perfekt in diese Welt. Comicfantasy at its best!

Nun bin ich mehr als gespannt auf „Hellboy II: The Golden Army“, welcher sich – wenn man nach dem Trailer urteilt – vom Kreaturendesign her gesehen stark bei „Pans Labyrinth“ bedient. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass „Der Hobbit“ bei Guillermo del Toro in guten Händen ist. Ein beruhigendes Gefühl. Dieser höllisch unterhaltsame Ausflug in die bunte Comicwelt ist mir auf jeden Fall 8/10 Punkte wert.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ am 16. Dezember 2016 und am 29. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Peter Jacksons monumentale Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Fantasyklassiker „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ ist ohne Zweifel der Film des neuen Jahrtausends, den ich bisher am häufigsten gesehen habe. Neben zwei Kinobesuchen war die gestrige Sichtung auch schon die fünfte der Special Extended Edition. Stets in der Weihnachtszeit. Stets ein persönliches Highlight. Stets ein Event.

lotrfotr_3

Ich erinnere mich noch gut an die Vorfreude auf den Kinostart des Films. Als bekennender Peter Jackson-Fan hatte ich damals jeden winzigen Schnipsel an Information verschlungen. Das Internet wurde von mir beständig nach neuen Fotos durchforstet und der erste Trailer hat mich sprachlos zurückgelassen – das alles wohlgemerkt noch ohne DSL. Inzwischen sind drei Jahre seit der letzten Sichtung vergangen. Die Weihnachtszeit war stets zu überfüllt und ich hatte nicht genug Ruhe in mir, um mich völlig auf den Film einzulassen. Auch gestern hat mich die Arbeit unterbewusst noch viel zu sehr beschäftigt, doch schon bald hat die filmische Magie wieder zu wirken begonnen.

J. R. R. Tolkiens Romanvorlage ist mir zu diesem ersten Teil der Saga noch vertraut. Dennoch kann ich ihr nicht diesen beinahe schon unfehlbaren Kultstatus zusprechen, den ihr die meisten Fans einräumen. Ich bin auch nie über die erste Hälfte von „Die zwei Türme“ hinausgekommen, war mir Tolkiens Erzählweise doch oft zu weitschweifig und unfokussiert. „Der Hobbit“ zählt dagegen zu meinen Lieblingsbüchern. Insofern halte ich Peter Jacksons entschlackte Adaption der Geschichte für mehr als nur gelungen. Hier stimmt für mich von Tempo über Atmosphäre bis hin zu Casting und Score einfach alles. Man merkt, dass hier ein Fan der Vorlage am Werk war. Ein Fan, der das Medium Film versteht und somit beiden Erzählformen Tribut zollen kann.

Im Gesamtkontext war „Die Gefährten“ lange mein liebster Teil der Trilogie. Ich liebe die idyllische Darstellung des Auenlandes. Die Flucht vor den Ringgeistern. Das magische Bruchtal. Die Minen von Moria gehören auch heute noch zu meinen Lieblingsschauplätzen. Howard Shores THE BREAKING OF THE FELLOWSHIP ist mein Lieblingsstück aus dem gesamten Score. Unzählige magische Momente. Dennoch hat für mich mit den letzten Sichtungen besonders „Die zwei Türme“ an Qualität gewonnen, was dem ersten Teil der Trilogie seinen Status als herausragende Exposition jedoch nicht nimmt.

Für mich ist Peter Jacksons „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ immer noch der Archetyp eines Fantasyfilms. Zusammen mit seinen beiden Nachfolgern erreicht er einen Status in seinem Genre, welcher ihm noch in 10 Jahren zugesprochen werden wird. Für mich die perfekte Kinomagie: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Gandalf: ‚All we have to decide is what to do with the time that is given to us.‘

Mimic (1997)

Es gab eine Zeit, da bin ich so oft ins Kino gegangen dass selbst unscheinbare Horrorfilme wie „Mimic“ auf dem Programm standen. Heute dagegen würde Guillermo del Toros wunderbarer Insektenschocker leider völlig unbemerkt an mir vorbeiziehen. Ein Film also, den ich stets mit meinen goldenen Kinojahren verbinden werde.

mimic

Natürlich ist der Film alles andere als das, was man allgemein als großes Kino bezeichnen würde. Die Mischung aus Wissenschaftsthriller und Tierhorror vermag vermutlich auch nur Genrefans zu begeistern – und da ich mich zu diesen zähle, funktioniert del Toros US-Frühwerk für mich heute noch genauso gut wie damals. Ein pseudowissenschaftlicher Unterbau, tolle Monstereffekte und eine grandiose Atmosphäre – viel mehr muss ein Monsterfilm für mich gar nicht besitzen.

Leider ist das Bild der deutschen DVD dermaßen schlecht, dass man in den dunklen U-Bahntunneln außer Pixelbrei oft nicht wirklich etwas erkennt. Da müsste dringend einmal Abhilfe her! Doch selbst mit den technischen Einschränkungen hat mir „Mimic“ wieder sehr viel Freude bereitet – und mich an eine Zeit zurückdenken lassen, in der es keinen hochgejubelten Blockbuster brauchte, um mich ins Kino zu locken: 7/10 Punkte.

Das Ding aus einer anderen Welt – OT: The Thing (1982)

Welchen Film schaut man sich am besten an einem eingeschneiten Sonntagnachmittag an? Da gibt es zwar einige Alternativen, doch John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ sollte ganz oben auf der Liste stehen. Die winterliche Umgebung kann somit die dichte Atmosphäre des Films noch zusätzlich unterstreichen.

dasding4

Für mich war die heutige Sichtung eine Premiere. Endlich konnte ich wieder einmal eine filmische Bildungslücke schließen, wofür ich weder Kosten noch Mühen gescheut habe. Leider wird einem der Zugang zu Carpenters Remake des 50er Jahre Klassikers durch die wunderbaren Jugenschutzmaßnahmen des Deutschen Staates seit jeher erschwert. Doch das ist ein anderes Thema. Zum Glück wirkt der Film auch heute – nach immerhin 26 Jahren – noch ziemlich frisch.

Die Geschichte ist mir nicht ganz unbekannt, bin ich doch bestens vertraut mit einem weiteren Remake des Stoffes: Der „Akte X“-Episode „Eis“, welche die nahezu identische Prämisse aufgreift und in die Serienhandlung einfügt. In Bezug auf die Atmosphäre des Films hatte ich somit ein kleines Déjà-vu, was durchaus als Kompliment (für beide Interpretationen) zu verstehen ist. Carpenters „The Thing“ lebt von dieser Atmosphäre. Würde sich die Geschichte nicht an diesem verlassenen Außenposten im ewigen Eis zutragen, würde der Film nicht funktionieren. Selten konnte sich der Handlungsort so sehr in den Vordergrund spielen, wie in diesem Film.

Neben der Umgebung kann vor allem die paranoiagetränkte Atmosphäre überzeugen. Diese Handlungselemente wurden formidabel in die Geschichte eigebettet und ich hätte mir fast noch einen stärkeren Fokus auf sie gewünscht. Nicht dass ich keinen Gefallen an den wunderbar altmodischen (im absolut positiven Sinne) Effekten gefunden hätte, doch glaube ich dass eine ausgewogenere Gewichtung dem Film zugute gekommen wäre. Besonders das Finale wirkte wie der typische Endkampf mit einem – wie sollte es anders sein – Riesenmonster.

Nach der heutigen Sichtung bin ich wahrlich beeindruckt von der dichten Atmosphäre des Films, welche zu großen Teilen wohl auch Ennio Morricones wunderbarem Score zu verdanken ist. Dennoch schafft es „Das Ding aus einer anderen Welt“ nicht meinen Lieblingsgenrefilmen (z.B. „ALIEN“) das Wasser zu reichen. Vermutlich hätte ich dazu bereits mit dem Film aufwachsen müssen. Alles in allem ein wirklich gelungener Sci-Fi-Schocker, der zurecht zum Pflichprogramm für Genrefans gezählt wird: 8/10 Punkte.

Cypher

Gestern Abend habe ich nach langem Überlegen einmal wieder einen Film aus der Anfangszeit meiner DVD-Sammlung angesehen. Vincenzo Natalis „Cypher“ ist ein eher unbekannter Sci-Fi-Thriller, der Vergleiche zu Genrehits wie „Equilibrium“ jedoch nicht zu scheuen braucht.

cypher2

Beeindruckend ist vor allem die erste Stunde des Films. Eine sehr ruhige, ausdrucksstarke Inszenierung wird mit einer Handlung gepaart, die Philip K. Dicks Kurzgeschichten entsprungen scheint. Düster und faszinierend. Die dabei vorherrschende Kälte und Distanz findet ihren Ausdruck in faszinierenden Bildern. Bis hier wirklich großes Kino.

In der letzten halben Stunde kippt der Film leider etwas und Actionsequenzen halten Einzug in die zuvor so faszinierende Zukunftswelt. Plötzlich verliert die Inszenierung an Ausdruckskraft und obwohl die finale Wendung wirklich zu überraschen vermag – selbst bei der zweiten Sichtung – kann sie emotional nicht überzeugen. Die letzten Minuten wirken dann nur noch aufgesetzt und beinahe schon lächerlich. Schade.

Über weite Strecken ist „Cypher“ ein wahres Genrejuwel, welches ein größeres Publikum verdient gehabt hätte. Die gegen Ende zu konstruiert wirkende Geschichte und mangelndes Feingefühl bei der Inszenierung hinterlassen beim Film des „Cube“-Regisseurs leider einen schalen Beigeschmack. Dennoch wirklich sehenswert: 7/10 Punkte. Kennt jemand eigentlich Natalis „Nothing“ und kann eine kurze Einschätzung abgeben?

American Graffiti

Gestern Abend habe ich einmal wieder eine filmische Wissenslücke schließen können. George Lucas‘ „American Graffiti“ zeigt – wie so viele Filme nach ihm – den letzten wichtigen Abend an der Grenze zum Erwachsenwerden. Simpel in der Handlung. Simpel in der Aussage. Umwerfend in seiner Ausführung.

americangraffiti2

Bei der Sichtung hatte ich stets das Gefühl, den Film doch schon irgendwie zu kennen. Die unterschiedlichen Charaktere. Das beinahe schon magische Gefühl dieser letzten bedeutenden Nacht. Die Musik. Die Autos. All das hat sich bereits so in der Popkultur festgesetzt, das man kaum glauben kann hier nun endlich das Original zu sehen. Allein wenn man an den exakt 20 Jahre später entstandenen „Dazed and Confused“ von Richard Linklater denkt, sind die Parallelen unübersehbar. Wahrlich ein Meilenstein für diese Art von Coming-of-Age-Film.

Der Verlust der Unschuld – im übertragenen Sinne – ist in nahezu jeder Szene zu spüren. Der Umbruch macht sich dabei nicht nur bei den Charakteren bemerkbar, sondern auch in der Welt, in der der Film spielt. Vietnam steht vor der Tür und das naive Lebensgefühl der 50er Jahre ist bereits dabei zu verblassen. Die nostalgische Stimmung wird auf den Zuschauer perfekt durch kleine, persönliche Geschichten übertragen. Selbst in der heutigen Zeit kann sich wohl jeder noch an solch unbeschwerte Nächte erinnern. Die letzten Nächte der eigenen Jugend.

Für Filmfreunde ist es famos diverse Schauspieler in ihren ersten größeren Rollen zu sehen: Richard Dreyfuss, Ron Howard, Charles Martin Smith und Harrison Ford sind nur einige der bekannten Gesichter. George Lucas und Francis Ford Coppola haben hier wahrlich ein geschicktes Händchen bei der Besetzung bewiesen. Ebenso bei der Auswahl des Soundtracks, der hier wichtiger ist als in kaum einem zweiten Film.

„American Graffiti“ ist sicherlich nicht der spannendste oder lustigste Film. Er erzählt keine epische Geschichte. Er besitzt keine besonderen Schauwerte. Er ist ein kleiner Film. Er zeigt uns einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben von Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein – und das macht er perfekt. George Lucas hat hier wirklich einen der Archetypen des Coming-of-Age-Films geschaffen: 8/10 Punkte.

Zodiac – Director’s Cut (2007)

Seit langer Zeit habe ich heute einmal wieder einen Film gesehen, der mich wirklich rundum überzeugen konnte – und das bereits bei seiner Erstsichtung. Die Rede ist von David Finchers „Zodiac“ in der um knapp 5 Minuten längeren Director’s Cut Version.

Es ist wirklich erstaunlich und kaum fassbar, wie detailversessen im Film die Mordserie rund um den Zodiac-Killer nachvollzogen wird. Man fühlt sich förmlich ins Amerika der späten 60er bis frühen 80er Jahre zurückversetzt. David Fincher ist hier Großartiges gelungen. Jede Szene atmet Perfektionismus. Bereits „Sieben“ und „Fight Club“ waren nahe dran, doch „Zodiac“ sprengt hier nahezu die Möglichkeiten – und das sowohl inhaltlich, wie auch audiovisuell.

Am meisten hatte ich vor der Sichtung befürchtet, dass der Fall keine Spannung aufkommen lässt. Dass die Ermittlungsarbeiten zu trocken dargestellt werden. Dass die Authentizität um jeden Preis in den Vordergrund gerückt wird. Doch die Befürchtungen waren völlig unbegründet. Schon lange habe ich keinen so spannenden Film mehr gesehen. Man wird gepackt von diesem Mysterium. Wird hineingezogen in die Besessenheit der Ermittler. Man fühlt mit ihnen. Leidet mit ihnen. Ich bin David Fincher wirklich dankbar, dass er keine Szene dem billigen Effekt geopfert hat oder sich in der Lauflänge einschränken ließ.

Nach dem Film habe ich mich noch etwas mit den wirklich sehenswerten Extras der wunderbar gelungenen DVD – zurzeit übrigens für 7,99 € bei Müller erhältlich – beschäftigt. Erst hier wird einem noch einmal bewusst, wie nahe die filmische Interpretation Finchers an den echten Gegebenheiten sein muss. Man mag den Film nicht für eine CGI-Granate halten, doch was hier getrickst wurde, um authentische Bilder zu schaffen ist meiner Meinung nach nichts anderes als eine Meisterleistung der VFX-Technik. Die Interviews mit den überlebenden Opfern, sowie den beteiligten Ermittlern werfen übrigens noch einmal ein teils ganz neues Licht auf den Fall. Sehr sehenswert.

Nachdem ich den Perfektionismus so sehr gelobt habe, kann ich auch nur sagen: Der Film ist perfekt. Ich wüsste keinen Kritikpunkt. Toll gespielt von allen Beteiligten. Packend und visuell großartig inszeniert. Absolut spannend und mitreißend, auch auf emotionaler Ebene. Ganz großes Kino: 10/10 Punkte.

Session 9

Nach dem gestrigen Halloween-Raclett, gab es anschließend natürlich den obligatorischen Gruselfilm. Dieses Jahr ist die Wahl auf den mir noch unbekannten „Session 9“ von Brad Anderson gefallen. Bis auf den Schauplatz der verlassenen Nervenheilanstalt und das Mitwirken von David Caruso hatte ich auch noch kein Vorwissen in Bezug auf die Handlung – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen gruseligen Filmabend. Spoiler sind zu erwarten.

Gleich zu Beginn ist mir der Look des Films aufgefallen – leider nicht besonders positiv. Ich hatte schon den Verdacht, dass unsägliche Bildverschlimmbesserer à la 100 Hz am Werk sind, doch dem war nicht so. „Session 9“ wurde mit der damals jungen 24P HD Technik von Sony gefilmt, was man dem Film leider in jeder Einstellung ansieht. Dadurch konnte zwar eine große Tiefenschärfe sowie eine natürliche Beleuchtung erreicht werden – doch sieht das Ergebnis eben nicht aus wie Film. Besonders für dieses Genre der Atmosphäre nicht wirklich zutragend.

In Bezug auf die Handlung hat der Film schnell eine ganz eigene Atmosphäre aufgebaut, was vor allem der grandiosen Location zu verdanken ist. Das verlassene Sanatorium wirkt wie gemacht für Horrorfilme. Besonders wenn man einen ebensolchen erwartet. „Session 9“ ist jedoch kein Horrorfilm. Nicht einmal ein Gruselfilm. Er lässt sich wohl am ehesten mit Andersons wunderbarem Nachfolgewerk „The Machinist“ vergleichen, ohne ihm jedoch auch nur annähernd das Wasser reichen zu können.

Ob ich die Handlung nun komplett richtig interpretiert habe, oder nicht – was bleibt ist eine 08/15-Auflösung, die ich bereits vermutet hatte als das erste Mal von Schizophrenie die Rede war. Die berühmte Endmontage, in der es den Zuschauern wie Schuppen von den Augen fallen soll ist dann bei mir auch etwas wirkungslos verpufft. Eigentlich schade, hat der Film bis dahin doch – zumindest in einigen Szenen – eine wunderbar schaurige Atmosphäre aufgebaut.

„Session 9“ ist ein netter Mysterythriller mit gewöhnungsbedürftiger Optik und relativ schwacher Auflösung. Freunde des Genres dürfen jedoch gerne einmal einen Blick riskieren. Unterhaltsam, für Halloween aber letztendlich zu wenig echter Grusel: 6/10 Punkte.

Terminator 2: Tag der Abrechnung – OT: Terminator 2: Judgment Day – Special Edition (1991)

Aktualisierung: Ich habe „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ am 4. April 2023 erneut im Kino gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute Abend war es einmal wieder Zeit für einen Actionkracher. Was liegt da also näher, als James Camerons „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ in der 15 Minuten längeren Special Edition? Nichts. Zumal ich mir sowieso schon seit der letzten Sichtung des ersten Teils vornehme diesen Klassiker aus Jugendtagen in den Player zu schieben.

Terminator 2: Tag der Abrechnung (1991) | © Studiocanal

Terminator 2: Tag der Abrechnung (1991) | © Studiocanal

Wie so oft bei Lieblingsfilmen aus Kindertagen ist die heutige Sichtung schwierig. Man kann nahezu alle Dialoge mitsprechen und weiß genau, welches Handlungselement als nächstes kommt. Pure Nostalgie. Die letzte Sichtung – kurz nach Kauf der damals grandiosen Ultimate Edition von Kinowelt – liegt auch schon länger zurück. Umso interessanter war es zu sehen, wie sich die Wirkung des Films im Lauf der Zeit verändert hat. Ganz besonders im Vergleich zu der des Vorgängers.

Früher hätte ich „Terminator 2: Jugdement Day“ eindeutig zu meinem Lieblingsteil der Reihe erklärt. Keine Frage. Eine Menge lustige Sprüche, enorme Actionszenen und ein guter Arnie. Heute jedoch wirken gerade diese Elemente teils etwas aufgesetzt. Obwohl ich Edward Furlong als John Conner sehr gerne sehe, zerrt seine Darstellung in so mancher Sequenz doch sehr an meinen Nerven. Auch der ständige Hinweis, dass unser Arnie doch ja niemanden töten solle ist der Atmosphäre alles andere als zuträglich.

Doch genug des Kritisierens: James Camerons Mammutfortsetzung weiß auch heute noch bestens zu unterhalten. Die Effekte sind immer noch grandios. Besonders Robert Patricks T-1000 ist eine Wucht. Beängstigend kühl gespielt und durch bahnbrechende VFX hat diese Figur die ganze Effektbranche auf ein neues Level gehievt. Auch Arnold Schwarzenegger spielt seine Rolle erneut mit Bravour, doch hat er mich als böse Killermaschine noch weit mehr beeindruckt.

Fazit

Insgesamt hat der Film mit den Jahren etwas abgebaut, doch so ist eben manchmal. In den Erinnerungen an frühere Sichtungen spielen eben noch andere Faktoren eine Rolle, als allein die Qualität des Films. Dennoch darf man sich nicht täuschen lassen: „Terminator 2: Judgment Day“ ist zurecht immer noch einer der besten Actionfilme – wenngleich ich heute allerdings den Vorgänger bevorzugen würde: 9/10 Punkte.