Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – OT: The Lord of the Rings: The Rings of Power – Staffel 2 (2024)

Hatte ich vor zwei Jahren dem brandneuen Bewegtbildmaterial aus Mittelerde noch entgegengefiebert, so war „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – Staffel 2“ einfach eine weitere Serienfortsetzung, wie unzählige andere. Der Hype um die teuerste Serie aller Zeiten war endgültig verflogen und auch inhaltlich war ich nicht sonderlich neugierig. Als es dann los ging, hatte ich mich aber doch gefreut. Ob ich letztendlich begeistert oder enttäuscht wurde? 💍

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – Staffel 2 | © Amazon Prime Video

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – Staffel 2 | © Amazon Prime Video

Enttäuschend und doch will ich die Serie lieben

Auch dieses Jahr hatte ich wieder gewartet, bis alle acht Episoden verfügbar waren. Somit konnte ich recht kondensiert meine Reise nach Mittelerde antreten. Perfekt für die kälter werdenden Herbsttage. Vielleicht ist das auch schon das Problem, das ich mit der Serie habe: Waren sowohl „Der Herr der Ringe“ als auch „Der Hobbit“ recht eindeutige Reiseabenteuer, so wird „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ übertrieben fragmentiert erzählt. Mit unzähligen Parteien. Unzähligen Schauplätzen.  Unzähligen Figuren, die teils überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Versteht mich nicht falsch, auch Peter Jacksons Filme erzählen große (teils sogar größere) Geschichten, in denen unsere Gefährten zerschlagen werden und sich in eigenen Abenteuern weiter durch diese Welt schlagen. Doch das Ziel war stets klar, man hat die Figuren zusammen kennengelernt und die Handlungsstränge hängen eindeutig zusammen. Bei dieser zweiten Staffel hatte ich jedoch teils das Gefühl, als würde ich drei bis fünf unterschiedliche Serien schauen, die alle irgendwie in Mittelerde spielen, aber nicht wirklich viel miteinander zu tun haben. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt dass manche Handlungsstränge nur alle paar Episoden vorkommen. Die größten Probleme, die ich der Serie attestiere, sind also strukturell im Drehbuch verankert.

Das alles war auch schon in der ersten Staffel ein Problem und klingt insgesamt unfassbar negativ. Ist es auch auf frustrierende Art und Weise. Doch hatte ich mich nach dem Wiedereintritt in diese Serie auf jede einzelne Episode gefreut, denn den Look und auch die Schauspieler:innen mag ich nach wie vor sehr. Wie gerne habe ich mich in Khazad-dûm aufgehalten und auch neue Ecken Mittelerdes entdeckt. Es hätte alles so schön sein können. Mit mehr Fokus auf den Erzählstrang rund um Sauron und das Schmieden der Ringe der Macht in Eregion würde hier eine wirklich tolle Serie drinstecken. Aber dann stehen plötzlich wieder der Stranger und die Haarfoots im Mittelpunkt. Mit diesem Erzählstrang habe ich mit in diesem Jahr wirklich nicht warm geworden. Die Handlung schreitet nicht voran und findet komplett abgekapselt zum restlichen Geschehen statt. Tom Bombadil hin, Tom Bombadil her. Mit Númenor ging es mir ganz ähnlich. Sicher wichtig für das große Ganze und in Tolkiens Mythologie, doch im Rahmen einer kohärent voranschreitenden Serienhandlung leider eher ablenkend bzw. unnötig. Hier wäre viel mehr Feinschliff am Drehbuch nötig gewesen. Selbst wenn man dadurch von der Vorlage, welche ja (so zumindest mein Verständnis) auch eher in Fragmenten erzählt ist bzw. nur einzelne Ereignisse der Geschichte Mittelerdes abbildet, abgewichen wäre. Schade drum.

Fazit

Es ist schwierig mit „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ und mir. Die Serie ist famos, wenn auch ohne jegliche Besonderheit inszeniert. Look und Inszenierung wecken eben Erinnerungen an die Peter-Jackson-Filme. Das ist gut so. Leider ist das Drehbuch bzw. die Dramaturgie viel zu zerfasert, als dass ich hier eine kohärente Geschichte in ihrer Gesamtheit wahrnehmen könnte. Dennoch möchte ich die Serie weiterhin lieben und gebe deshalb erneut viel zu wohlwollende: 8/10 (7.5) Punkte.

Reservation Dogs – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Es ist manchmal schon komisch. Da die beiden halbstündigen Serien, die wir momentan verfolgen, nämlich „Abbott Elementary“ und „What We Do in the Shadows“, momentan pausieren, habe ich recht spontan in „Reservation Dogs“ reingeschaut. Eigentlich war mein Interesse daran nicht sonderlich groß und wäre Taika Waititi nicht mit involviert gewesen, dann hätte ich nicht einmal diesen ersten Schritt gewagt. Ob sich dieser jedoch gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung. 🏹

Reservation Dogs | © FX

Reservation Dogs | © FX

Ich nehme mein Fazit direkt vorweg, auch um euch zum Reinschauen zu bewegen: „Reservation Dogs“ ist meine Serie des Jahres. Eine der lustigsten und bewegendsten Serien, die ich je gesehen habe. Auch wenn euch Setting und Prämisse nicht von Grund auf interessieren (ging mir übrigens genauso), kann ich euch die Serie nur ans Herz legen. Mit das Beste, was ich seit langer Zeit gesehen habe:

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Gen V – Staffel 1 (2023)

Die Amazon-Prime-Video-Serie „The Boys“ ist mit dem Start der vierten Staffel gerade wieder in aller Munde. Der perfekte Zeitpunkt für mich, um das letztes Jahr gestartete Spin-off „Gen V – Staffel 1“ nachzuholen. Eigentlich hatte ich nie den Drang, unbedingt reinschauen zu wollen, doch aufgrund einer Lücke im Programm, und dem Hype um die Hauptserie, hat sich die Sichtung angeboten. 🦸‍♀️🦸‍♂️

Gen V – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Gen V – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Teenage Angst im „The Boys“-Universum

Natürlich beginnt auch „Gen V“ mit einer schockierenden und sehr blutigen Szene. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass die Serie deutlich harmloser ausfallen soll als „The Boys“. Mich mag meine Erinnerung trügen, doch hatte ich diesen Eindruck nicht. Einzig die Grundstimmung ist eine andere, da es nicht nur egomanische Arschlöcher zu geben scheint, sondern Figuren, mit denen man durchaus mitfühlen kann. Das lässt „Gen V“ etwas weicher bzw. zugänglicher erscheinen. Explodierende Penisse und blutige Gewaltexzesse gibt es natürlich dennoch und das nicht zu knapp. Selbst die zynische Grundhaltung ist vorhanden, wirkt aber nicht ganz so extrem wie in der Mutterserie. Unter all den Superheld:innen-Kram mixen sich natürlich auch klassische Coming-of-Age-Elemente mit großem Fokus auf die Darstellung von Teenage Angst. Altbekanntes also, was jedoch frisch und tatsächlich recht extrem verpackt wird.

Es mag holzhammerartig wirken, doch wenn hier z.B. nichtbinäre Geschlechtsidentität als Superkraft behandelt wird, dann macht sich „Gen V“ damit relevanter als „The Boys“. Auch Neurodivergenz wird mehr oder weniger direkt thematisiert und ich empfand den Umgang damit durchaus sensibel (kaum zu glauben bei dieser Serie). Natürlich dürfen im College-Setting auch Romanzen nicht fehlen und speziell die Annäherung zwischen Emma und Sam ist sehr gelungen. Die Verknüpfungen zur Hauptserie fand ich auch geschickt eingewoben (nicht zu viel und nicht zu wenig) und die Rahmenhandlung zwar nicht sonderlich innovativ, aber doch stets mitreißend. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass mir „Gen V“ teils besser gefallen hat als die Hauptserie. Einen Bonuspunkt gibt es zudem für die Puppenszene. Herrlich!

Fazit

Ich hätte niemals gedacht, dass mir „Gen V“ so gut gefallen würde. Die Serie ist deutlich mehr als nur ein Zwischensnack bis zur nächsten Staffel von „The Boys“. Nun bin ich gespannt, wie groß ihr Einfluss auf die Hauptserie sein wird. In die zweite Staffel werde ich dann bestimmt schneller reinschauen. Nun geht es aber erst einmal zurück zu Billy Butcher, Homelander und Co. Nicht nur als Spin-off überraschend sehenswert: 9/10 (8.5) Punkte.

Fallout – Staffel 1 (2024)

Nach der von mir langerwarteten Romanadaption „3 Body Problem“ habe ich recht spontan „Fallout“ auf Amazon Prime Video gesehen. Die Kritiken waren zwar gut, doch meine Erwartungen nicht sonderlich hoch. Schließlich habe ich die Videospiele nie gespielt. Da mir allerdings bereits „The Last of Us“ ausgezeichnet gefallen hat, und die Serie so bequem verfügbar war, habe ich einen Blick riskiert. 🤠

Fallout – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Fallout – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Endzeit einfach mal auf elf gedreht

Ich hatte im Vorfeld bereits ein paar überschwängliche Besprechungen gelesen und wusste auch ungefähr, was mich erwarten würde. Mit diesem irrwitzigen Mix aus ernsthafter Endzeiterzählung, bitterböser Satire und doch irgendwie emotionalem Kern hätte ich jedoch nicht gerechnet. Hinzu kommt, dass „Fallout“ einfach unfassbar hochwertig produziert ist. Solch eine Serie, auch mit diesem unfassbar expliziten Gewaltgrad, einfach so im Stream hingeworfen zu bekommen, das übersteigt mein Fassungsvermögen teilweise noch immer. Wie sich die Welt doch verändert hat, seit man „From Dusk Till Dawn“ und Co. höchstens unter der Ladentheke kaufen konnte. Aber ich schweife ab. „Fallout“ gehört zu jenen Serien, die mich in jeder einzelnen Episode wirklich überrascht haben. Das gelingt nicht mehr vielen Shows. Neben all den unfassbaren Details und Storylines hat mich wohl vor allem der erzählerische Ton der Serie überzeugt. Die Mischung aus Humor, Ernsthaftigkeit und blankem Entsetzen ist wahrlich perfekt getroffen.

Auch die Figuren sind großartig gezeichnet und perfekt besetzt: Ella Purnell spielt die Wandlung von der doch eher naiven Bunkerbewohnerin hin zur Endzeit-Badass grandios. Walton Goggins (bekannt aus u.a. „The Shield“) als Cooper Howard bzw. der Ghoul ist fantastisch wie immer. Selbst kleinste Nebenrollen sind wunderbar besetzt, so habe ich mich extrem gefreut zunächst die Stimme von Matt Berry (bekannt aus „What We Do in the Shadows“) zu hören und ihn später auch noch zu sehen. Am Ende dieser ersten Staffel gibt es zudem noch einige Wendungen, welche eine zweite Staffel nicht nur zwingend notwendig machen, sondern auch die Vorfreude darauf steigern. Das alles macht enorm viel Spaß und ich frage mich nur, wie nachhaltig die Serie wirklich ist. Noch würde ich vermuten, dass mir „The Last of Us“ deutlich länger im Gedächtnis bleiben wird. Schon alleine aufgrund der Thematik und den Figuren.

Fazit

Auch wenn ich die Welt vorher noch nicht im Detail kannte, so hatte ich doch wirklich viel Spaß mit „Fallout“. Speziell die hochwertige Produktionsqualität gekoppelt mit dem detaillierten Worldbuilding und dem beißenden Humor hat mich wirklich positiv überrascht. Eine extrem unterhaltsame Serie, auf deren Fortführung ich mich jetzt schon freue. Einzig was die Halbwertszeit angeht bin ich mir noch nicht ganz sicher. Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall: 9/10 (8.8) Punkte.

3 Body Problem – Staffel 1 (2024)

Nachdem ich mit „His Dark Materials“ zuletzt eine längere und bereits abgeschlossene Serie gesehen habe, stand mit „3 Body Problem – Staffel 1“ nun wieder eine brandneue Serienstaffel auf dem Programm. Da ich Liu Cixins Buchvorlage großartig fand, habe ich mich sehr auf die Netflix-Adaption gefreut. Zu dieser existieren unterschiedliche Meinungen und ich war gespannt, wie mir die Serienfassung letztendlich gefallen würde. 💫

3 Body Problem – Staffel 1 | © Netflix

3 Body Problem – Staffel 1 | © Netflix

Eine massentauglichere Version der Buchvorlage

Liu Cixins Roman-Trilogie ist eine der herausforderndsten und großartigsten Leseerfahrungen, die ich bisher machen durfte. Das erste Buch „The Three-Body Problem“ ist dabei noch einigermaßen stringent und nachvollziehbar in seiner Handlung. Demnach konnte ich mir bei diesem auch am ehesten vorstellen, wie eine Adaption aussehen kann. Tatsächlich trifft Netflix den Ton der Vorlage in vielen Aspekten exzellent und selbst die herausfordernden Elemente, wie die Dehydration im VR-Spiel, sind glaubhaft und imposant umgesetzt. Andere Elemente erinnern dagegen eher nicht an den Roman: Gerade die Hauptfiguren wirken, obwohl die Serie in Oxford spielt, stark amerikanisiert. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, denn die Vorlage war nicht immer sonderlich stark, wenn es um die handelnden Figuren ging. Es standen eher wissenschaftliche Konzepte und die Jahrhunderte umspannende Geschichte im Vordergrund. Dennoch ist diese Vereinfachung nicht in allen Aspekten gelungen.

Am meisten leidet die Serie wohl unter der Eindampfung auf nur acht Episoden. Es bleibt kaum Raum zum Atmen und die Figuren sind unglaublich blass. Erst in den letzten drei Episoden bekommen die Charaktere ein Gesicht. Dann jedoch ist es leider fast schon zu spät. Die Geschichte samt wissenschaftlichen Ideen dagegen sind auch in dieser vereinfachten Fassung sehr spannend und faszinierend. Am wenigsten harmonieren beide Aspekte wohl in der Episode „Judgment Day“, in welcher eine wissenschaftliche Idee äußerst brutal Anwendung findet. Wie die Figuren darauf reagieren ist so plump, dass es eine Schande ist. Hier hetzt die Serie, wie in so vielen Szenen, von einem Plot Point zum nächsten. Warum man der Show nicht noch fünf Episoden mehr spendiert hat, mag sich mir nicht erschließen. Darin hätten auch keine Big-Budget-Szenen erzählt werden müssen, sondern es hätte Kontext gegeben und Motivation greifbar gemacht werden können. Sehr schade, denn die Geschichte ist auch in Serienform packend und ich habe mich auf jede einzelne Episode gefreut. Ein neues „Game of Thrones“ ist David Benioff und D. B. Weiss mit „3 Body Problem“ leider nicht gelungen. Dafür wäre mehr Vorlagentreue, zumindest ein wenig, und auch Zeit nötig gewesen, ohne direkt in eine Eins-zu-eins-Umsetzung mit 30 Episoden, wie die chinesische Serienfassung, auszuarten.

Fazit

Ich hatte mich so sehr auf diese Adaption gefreut, da konnte ich quasi nur enttäuscht werden. „3 Body Problem“ ist dabei alles andere als eine schlechte Serie und ich finde so manche Abweichung von der Vorlage auch durchaus sinnvoll, doch insgesamt ist sie leider hinter meinen hohen Erwartungen zurückgeblieben. Eine zweite Staffel kann ich dennoch kaum erwarten, schon alleine um zu sehen, wie Benioff und Weiss mit den abstrakter werdenden Konzepten umgehen: 8/10 (7.6) Punkte.

His Dark Materials – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nach der fantastischen „The Last of Us“-Adaption war es gar nicht so einfach, diese Lücke zu füllen. Glücklicherweise hatte ich mit „His Dark Materials“ noch eine komplette Serie im Regal, die auf einer meiner liebsten Buchreihen basiert und die ich schon lange sehen wollte. Die Erwartungen waren entsprechend hoch und ich habe mich mit viel Vorfreude in die Parallelwelten gestürzt. 🧭

His Dark Materials | © BBC One & HBO

His Dark Materials | © BBC One & HBO

„His Dark Materials“ ist ein Koproduktion zwischen BBC One und HBO und damit scheinen sich die richtigen Partner gefunden zu haben. Jedes Buch der Vorlage wird in einer Staffel mit 7 bis 8 Episoden erzählt, was ein passender Umfang ist. Gerne hätte ich mich noch länger in dieser Welt aufgehalten, doch lest selbst:

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Der unglaubliche Hulk – OT: The Incredible Hulk (2008) (WS1)

Endlich Urlaub! Ich habe mich mit letzter Kraft durch diese Arbeitswoche gekämpft und nun fühle ich mich, als würde ich gesundheitlich zusammenklappen. Ist ja oft so, wenn es dann ruhiger wird. Aber ich mach es wie „Der unglaubliche Hulk“ und setze alle meine Hoffnung auf Ruhe und eine Nacht voll erholsamen Schlafes. Sonst muss ich am Ende doch noch wütend werden. Doch genug der blumigen Worte und nach „Iron Man“ zu unserem zweiten MCU-Film im Kreise der Familie. 💉

Der unglaubliche Hulk (2008) | © Walt Disney

Der unglaubliche Hulk (2008) | © Walt Disney

Viel (zu viel) Action und Militär-Gedöns

Während meiner ersten Sichtung hat mir „Der unglaubliche Hulk“ ziemlich gut gefallen. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich auch noch nicht allzu viele Marvel-Filme. Deshalb bin ich heute wohl auch etwas kritischer. Ich finde es spannend, dass man es hier tatsächlich mit einem düstereren Ansatz versucht hat. Humor gibt es kaum und die Geschichte wird enorm actionreich erzählt. Der Look ist (noch) weniger comichaft als bei „Iron Man“ und bildet einen ziemlich großen Kontrast zu den späteren MCU-Filmen. So spannend ich es finde, dass die Marvel-Formel 2008 noch so unausgereift war, so wenig konnte mich das alles heute abholen. Mich hat auch der starke Fokus auf das Militär genervt, der mir insgesamt viel zu maskulinistisch vorkam, selbst wenn es in diesem Film die Bösewichte stellt.

Auch der Endkampf zwischen Abomination und dem Hulk war übertrieben hart und weder interessant noch geschickt umgesetzt. Hinzu kommt der düstere Look, der mir stets etwas aufgesetzt vorkam. Das klingt nun alles nur negativ, ist es aber nicht. Ich mochte erneut die Schauspieler:innen und so manche Actionszene ist durchaus imposant. Letztendlich fand ich die Geschichte aber zu dünn und auch den inneren Konflikt Bruce Banners zu wenig ausgearbeitet. Louis Leterrier mag ein guter Handwerker sein, doch ein Gefühl für seine Figuren scheint er nur bedingt zu besitzen. Für mich ist Ang Lees „Hulk“, trotz fragwürdigen VFX, auf jeden Fall die interessantere Adaption des Comics. Mich wundert es nicht, dass dies die einzige Standalone-Geschichte des grünen Riesen innerhalb des MCU geblieben ist.

Fazit

Lustigerweise habe ich „Der unglaubliche Hulk“ heute am kritischsten gesehen. Die Kinder waren doch recht angetan, aber selbst ihnen war der Film zu actionreich. Damit haben wir den, meiner Meinung nach, schwächsten Beitrag zum MCU auch abgehakt und ich freue mich auf die kommenden Filme – und ja, auch das Wiedersehen mit dem grünen Wüterich in „The Avengers“ in ein paar Wochen: 6/10 Punkte. (Zappelinchen: 7/10 Punkte; Zwergofant: 7/10 Punkte.)

Review: The Last of Us – Staffel 1 (2023)

Nach dem gegen Ende eher durchwachsenen Serienerlebnis mit „Manifest“, stand mir der Sinn nach qualitativ hochwertigerer Unterhaltung. Für mich stand dafür immer HBO, was Serien wie „The Wire“ oder „Game of Thrones“ zweifelsfrei bewiesen haben. Somit bin ich spät auf den Hype rund um „The Last of Us – Staffel 1“ aufgesprungen. Dabei muss ich vorausschicken, dass ich die Spiele nie gespielt habe, doch ein ganz gutes Verständnis von der gezeigten Welt und der grober Rahmenhandlung hatte. 🍄

The Last of Us – Staffel 1 | © HBO

The Last of Us – Staffel 1 | © HBO

Postapokalyptisches Storytelling par excellence

Bereits die erste Episode „When You’re Lost in the Darkness“ ist ein unglaublicher Ritt in die Dunkelheit. Wir erleben den Ausbruch der Pandemie und den schicksalshaften Auslöser, warum aus der männlichen Hauptfigur Joel der verbitterte Mann wurde, der er nach einem Zeitsprung von 20 Jahren ist. Wir treffen in einer Quarantänezone wieder auf ihn, wo er letztendlich die jugendliche Ellie kennenlernt. Dieses ungleiche Duo macht sich fortan auf den Weg durch die zerstörten USA, um einem MacGuffin-artigem Ziel hinterherzureisen bzw. um einfach nur zu überleben. Joel und Ellies Geschichte ist dabei gespickt mit Begegnungen, von denen die Infizierten, ganz im Gegensatz zu z.B. „The Walking Dead“, nur einen extrem kleinen Teil ausmachen. Im Fokus stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen und wie Menschen jeden Alters ganz unterschiedlich vor dem Hintergrund der Apokalypse agieren. Das ist extrem spannend und emotional erzählt, selbst wenn „The Last of Us“ nur bereits bekannte Versatzstücke postapokalyptischer Erzählung aufgreift.

Die erste Episode, die mich dann komplett umgehauen hat, war „Long, Long Time“. In dieser wird eine unwahrscheinliche Liebesgeschichte in Spielfilmlänge erzählt, welche mir noch Tage nach der Sichtung nachgehangen hat. Ein Meisterwerk der Erzählkunst. Nick Offerman (bekannt als Ron Swanson aus „Parks and Recreation“) spielt unfassbar herzergreifend. Konnte es danach noch besser werden? Vielleicht nicht besser, doch auch „Endure and Survive“ hat mich komplett mitgerissen. Das Finale war ein solcher Schlag in die Magengrube, dass ich mich nur schwer davon erholen konnte. Mit „When We Are in Need“ erleben wir kurz vor dem Finale eine Ellie-zentrierte Episode, welche einfach nur eine emotionale Tour-de-Force ist. Apropos Ellie: Bella Ramsey (bekannt aus „Game of Thrones“) ist absolut fantastisch, gerade im Zusammenspiel mit Pedro Pascal (bekannt aus „Narcos“ oder „The Mandalorian“). Ihre Beziehung trägt die Serie, selbst wenn ihre gemeinsame Zeit auf dem Bildschirm eher begrenzt ist. Fantastische Figuren, die wahrlich perfekt ausgearbeitet sind.

Die beste aller Videospielverfilmungen

Das ist vermutlich eine gewagte Aussage für jemanden, der die Vorlage nicht kennt. Allerdings würde die Serie auch perfekt funktionieren, wenn es das Videospiel nicht gäbe und wir hier eine komplett eigenständige Geschichte erzählt bekommen würden. Dabei gibt es durchaus ein paar Sequenzen, die videospielartig wirken bzw. die man ohne die Vorlage vermutlich anders umgesetzt hätte. Ich denke hier z.B. an das Auftauchen des Bloaters, der dann doch eher wie ein weiterer Gegnertyp in einem Videospiel wirkt. Nicht störend, aber doch auffällig. Handlungstechnisch steht die Serie auf jeden Fall für sich bzw. ist „The Last of Us“ als Spiel so gut erzählt, dass es auch in einem anderen Medium perfekt funktioniert. Einzig was ich vom Finale „Look for the Light“ halten soll, weiß ich noch nicht so recht. Es wird, neben den großen Actionszenen und dem verstörenden Twist, einiges zwischen den Zeilen erzählt. Welche Motivation nun eher egoistisch und welche selbstlos getrieben ist, mag einfach erscheinen, doch steckt  einiges mehr an Komplexität dahinter, als sich auf den ersten Blick erschließen mag. Gerade was die Beziehung zwischen Joel und Ellie angeht, wird das noch spannend werden. Die Wartezeit auf die zweite Staffel wird hart.

Fazit

Wie ihr vermutlich schon rausgelesen habt, hat mich „The Last of Us“ begeistert, wie schon lange keine Serie mehr. Die Investition in die Ultra-HD-Blu-ray-Box hat sich definitiv gelohnt, schon alleine aufgrund der sehenswerten Extras. Die letzten zwei Wochen haben sich angefühlt, als hätte ich fast jeden Abend einen kurzen Film gesehen. So intensiv war die Immersion für mich. Für mich eine der besten, wenn nicht sogar die beste, unter den aktuell laufenden Dramaserien: 10/10 (9.6) Punkte.

Hard Hit – OT: Balsinjehan (2021)

Nachdem wir bereits letzte Woche einen Filmabend ohne Kinder hatten, war es auch heute soweit. Eigentlich wollte Frau bullion ihren Geburtstag nachfeiern, doch sie ist immer noch nicht 100% fit, so dass sie die Feier verschoben hat. Da ich Lust auf einen Thriller hatte, wanderte „Hard Hit“ in den Player. Das südkoreanische Remake eines spanischen Films ist noch recht frisch in meiner Sammlung und schien die perfekte Wahl für diesen Filmabend zu sein… 📱

Hard Hit (2021) | © Capelight Pictures

Hard Hit (2021) | © Capelight Pictures

Schnörkellos und packend erzählt

Die Geschichte um einen Bankdirektor, der mit einer Bombe in seinem Auto erpresst wird, eine größere Summe Geld auf ein Konto zu überweisen, ist wunderbar simpel und gerade deshalb so effektiv. Durch die Tatsache, dass sich seine Kinder auf der Rückbank befinden und niemand das Auto verlassen darf, erhöht den Spannungsfaktur ungemein. Im weiteren Verlauf besteht die Handlung zu großen Teilen aus Telefonaten und Verfolgungsjagden. Das klingt nicht sonderlich aufregend, hat mich aber doch an meinen Sitz gefesselt. Die Wendung gegen Ende kommt nicht sonderlich überraschend und ist nur konsequent. Das alles dauert nur ca. 90 Minuten, die nahezu in Echtzeit erzählt werden. Sehr aufregend, schnörkellos und auf den Punkt inszeniert.

Durch die Einfachheit der Geschichte weiß ich nicht, ob sie beim zweiten Mal ebenso gut funktionieren würde. Schließlich kennt man dann bereits ihren Ausgang. Ich habe während der Sichtung einmal wieder festgestellt, wie sehr ich das südkoreanische Kino mag, auch wenn „Hard Hit“ nicht annähernd in einer Liga von „Die Taschendiebin“ oder „Parasite“ spielt. Ein unterhaltsamer Thriller ist der Film allemal. Das Mediabook von Capelight ist für den Film eine mehr als würdige Veröffentlichung:

Fazit

Mir hat „Hard Hit“ viel Spaß bereitet. Die 90 Minuten sind wie im Flug vergangen und ich war teils wirklich angespannt. Ich hoffe diese Sichtung als Auslöser zu nehmen, mich einmal wieder mehr mit dem asiatischen Kino auseinanderzusetzen. Wenn ihr auf der Suche nach einem kurzweiligen Thriller seid, dann kann ich euch „Hard Hit“ nur empfehlen: 7/10 Punkte.

The Crown – Staffel 6

Mit diesem Artikel heißt es für mich wieder einmal Abschied nehmen von einer Serie. Nie hätte ich zu Beginn gedacht, dass mich die Geschichte von Elizabeth II. samt Familie so begeistern würde. Auch „The Crown – Staffel 6“ fand ich packend, speziell da ich mich grob an die Ereignisse, so wie sie medial präsentiert wurden, erinnern kann. Warum das Spannungsfeld zwischen Fiktion und Realität für mich damit noch größer wird, lest ihr in der folgenden Besprechung… 👑

The Crown – Staffel 6 | © Netflix

The Crown – Staffel 6 | © Netflix

Der endgültige Untergang der Krone?

Im sechsten Jahr stand erneut kein Wechsel der Besetzung an, was den Einstieg für mich wieder sehr vereinfacht hat. Überhaupt fand ich die jeweils zweiten Staffeln mit neuer Besetzung stets ein wenig stärker als die ersten. Diese finale Staffel fokussiert sich während der ersten vier Episoden nahezu komplett auf Prinzessin Diana und ihren tragischen Tod. Hier ist mir besonders stark aufgefallen, dass die Autor*innen der Staffel oftmals erzählerische Tricks haben einfallen lassen, um verschiedene Seiten bzw. Interpretationen in der Handlung abzudecken, die niemand wissen kann, außer die Personen, die tatsächlich dabei waren. Zum Beispiel, wird so die Frage der Verlobung geklärt. Das wirkt teils etwas konstruiert und auffällig, ist aber auch eine interessante Herangehensweise. Vor allem jedoch dürfte damit allen Zuschauer*innen bewusst werden, dass wir hier eine stark fiktionalisierte Version der Geschichte zu sehen bekommen und eben nicht die tatsächlichen Begebenheiten.

Wirklich stark fand ich auch die Episode „Ruritania“, welche die Beziehung zwischen Tony Blair und Elizabeth II. thematisiert. Leider bleibt es bei dieser einen Episode und wir tauchen nicht mehr so tief in dieses Spannungsfeld ein, wie noch in den ersten Staffeln mit Winston Churchill. Ohnehin wirkt die zweite Hälfte der finalen Staffel sehr fragmentiert, was Themenschwerpunkte angeht: Neben der Tony-Blair-Episode gibt es eine auf Prinz William fokussierte Coming-of-Age-Geschichte und einen emotionalen Abschied von Margarete, der Schwester der Königin. Vielleicht ist „Ritz“ auch die stärkste Episode dieser Staffel, speziell was das Verweben verschiedener Zeitebenen angeht. Das hätten die Autor*innen gerne noch häufiger einbauen können, selbst wenn die Produktion dadurch komplexer geworden wäre. Davon abgesehen wirkt die zweite Staffelhälfte nicht ganz so rund, wobei jede Episode für sich auch toll anzusehen ist. Da kann ich die teils harschen Kritiken nicht nachvollziehen. Allerdings bin ich im Royal Game auch nicht tief drin, sprich ich sehe die Serie eher als „Downton Abbey 2.0“ und als solches funktioniert sie für mich exzellent. Fast hätte ich mir im Finale gewünscht, dass die Königin das Zepter tatsächlich weiterreicht, um auch deutlich zu machen, dass es sich hierbei nur um Fiktion mit realen Bezugspunkten handelt.

Die finale Staffel reiht sich beim mir somit im unteren Mittefeld ein und beschließt ein überraschend gelungenes Drama über die Krone:

  1. „The Crown – Season 2“ (9.3 Punkte)
  2. „The Crown – Season 4“ (9.2 Punkte)
  3. „The Crown – Season 5“ (8.8 Punkte)
  4. „The Crown – Season 6“ (8.6 Punkte)
  5. „The Crown – Season 3″ (8.6 Punkte)
  6. „The Crown – Season 1“ (8.5 Punkte)

Fazit

Mir hat der Abschied von „The Crown“ sehr gut gefallen. Die Schauspieler*innen waren abermals famos, Ausstattung und Inszenierung über jeden Zweifel erhaben. Inhaltlich mochte ich diese letzte Staffel auch sehr. Einzig die fragmentierte Erzählweise wirkte nicht ganz rund. Ich reihe mich somit nicht in das Feld der Kritiker*innen ein, welche das Finale abgestraft haben. Bis zum emotionalen Schluss beste Unterhaltung: 9/10 (8.6) Punkte.