Severance

Seit Ewigkeiten einmal wieder ein Samstagnachmittag, an dem es nichts zu tun gibt. Aber auch gar nichts. Zeit also sich endlich einmal dem erschreckend schnell wachsenden Stapel an ungesehenen DVDs zu widmen. Von Christopher Smiths „Severance“ versprach ich mir eine amüsante Horrorkomödie, denn schließlich werden überall Vergleiche zum absolut grandiosen „Shaun of the Dead“ gezogen.

„Severance“ versucht komisch zu sein. Komisch und gesellschaftskritisch. Beides gelingt in meinen Augen nicht wirklich. Vielleicht ist das einfach nicht meine Art von Humor. Ein paar Schmunzler waren schon dabei und die Kritik an der Rüstungsindustrie war auch nicht zu übersehen, doch so richtig hat da nichts gezündet. Auch sind die Charaktere – trotz ausführlicher Einführung – erschreckend blass geblieben. Folglich habe ich mich nicht wirklich dafür interessiert, was in der zweiten Filmhälfte mit ihnen geschieht.

Der Horror bricht dann auch ziemlich heftig auf die Akteure herein, was auch nicht so ganz zum lustig gemeinten ersten Teil des Films passen will. Für sich allein genommen gibt es ein paar schön fiese Horrorszenarien zu sehen, doch so richtig Angst wollen die vermummten Einheimischen dann auch nicht verbreiten. Auch hier nichts Halbes und nichts Ganzes.

Inszenatorisch leistet sich Christopher Smith keine Schwächen und der Film weiß über seine 90 Minuten auch zu unterhalten, doch in Erinnerung wird er mir nicht wirklich bleiben. Da hat selbst Smiths „Creep“ bei mir mehr Eindruck hinterlassen. Absoluter Durchschnitt. Da hätte ich mir weit mehr erwartet: 5/10 Punkte.

Der Sternwanderer – OT: Stardust (2007)

Mit Matthew Vaughns „Der Sternwanderer“ habe ich gestern einmal wieder einen Film nachgeholt, den ich im Kino leider verpasst hatte. Der Film hat damals ein recht geringes Medienecho hervorgerufen, was man wohl der verhältnismäßig großen Anzahl an mit ihm startenden Fantasyfilmen zuschreiben kann. Dennoch hätte der Film weit mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

„Stardust“ – so der Originaltitel – kann man wohl am besten mit Rob Reiners „The Princess Bride“ vergleichen. Es handelt sich folglich um keinen klassischen Fantasyfilm à la „Der Herr der Ringe“, sondern eher um eine Fantasykomödie. Bei meiner ersten Sichtung von „The Princess Bride“ war ich auch sehr enttäuscht, da ich den Humor nicht erwartet hatte. Ich hätte damals lieber etwas in der Art von Ron Howards „Willow“ gesehen. Im Nachhinein gesehen ist diese Wunschvorstellung natürlich sehr engstirnig: „The Princess Bride“ zählt zu recht zu den Klassikern des Fantasykinos – und „Der Sternwanderer“ schickt sich an in dessen Fußstapfen zu treten.

Von Anfang an besticht die märchenhafte Atmosphäre, die durch Ian McKellens Erzählstimme wunderbar unterstrichen wird. Oft wird vom Märchen für Erwachsene geredet. Meist sind dies verkappte Horrorfilme oder waschechte Fantasyschinken. „Stardust“ ist jedoch ein waschechtes Märchen. Und ja, Erwachsene werden an ihm ebenso viel Freude haben wie Kinder. Mindestens. Einen großen Teil des Unterhaltungswerts zieht der Film aus der treffsicheren Besetzung. Besonders Michelle Pfeiffer als Hexe, die der ewigen Jugend nachjagt und Robert De Niro als tuntiger Captain Shakespeare sind wahre Glücksgriffe. Doch auch der Maincast – Claire Danes und Charlie Cox – sowie die restlichen Nebendarsteller machen ihre Sache ausgezeichnet.

Neben den Schauspielern überzeugt die stringente Inszenierung. Trotz der ausschweifenden Handlung hatte ich nie das Gefühl die Übersicht zu verlieren oder gehetzt zu werden. Matthew Vaughn hat hier wirklich ein Gespür für Timing bewiesen, was – im Detail betrachtet – natürlich besonders dem Humor zugute kommt. Mein einziger Kritikpunkt ist der etwas übereifrige Effekteinsatz. Zwar wirklich immer gut gemacht, doch nach dem dutzendsten Zaubereffekt stellt sich langsam aber sicher ein Sättigungsgefühl ein.

Matthew Vaughns „Stardust“ macht richtig viel Spaß. Jedem Fantasyfreund sei der Film – die richtige Erwartungshaltung vorausgesetzt – wirklich ans Herz gelegt. Wenn „The Princess Bride“ zu euren Lieblingsfilmen zählt, dann führt an diesem Film sowieso kein Weg vorbei. Für mich einer der gelungensten Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära: 8/10 Punkte.

Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)

Von Scott Glossermans außergewöhnlichem Genrefilm „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ las ich bereits vor einigen Jahren, doch habe ich erst heute Zeit für eine Sichtung gefunden. Umso schöner natürlich, dass sich die lange Vorfreude ausgezahlt hat.

Ich bin mit dem Slasherfilm aufgewachsen. Freddy Krueger, Jason Voorhees und besonders Michael Myers waren immer gerne gesehene Gäste auf Videoabenden. Ihren Höhepunkt erreichte die Slasherwelle für mich mit Wes Cravens „Scream“, von dem ich damals im Kino komplett umgehauen wurde. Heute dagegen empfinde ich die meisten Slasher – „Scream“ bildet hier immer noch die rühmliche Ausnahme – als vorhersehbar und irgendwie redundant. Aus Nostalgiegründen lohnt sich dennoch ab und an ein Blick auf das Genre.

„Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ ist glücklicherweise kein simpler Slasher. Er fällt eher in eine Reihe mit Wes Cravens Meisterstück und ist somit als Genreparodie zu sehen. Als unglaublich witzige Genreparodie. So gelacht wie während der ersten Stunde des Films habe ich schon lange nicht mehr. Für Slasherkenner ist es eine wahre Freude, wie hier mit den Versatzstücken des Genres gespielt wird. Einfach genial!

Im letzten Drittel nimmt der Film die Wendung zum tatsächlichen, klischeebehafteten Slasherfilm – und das ist auch nur konsequent. Alle Regeln, die zuvor aufgestellt wurden, werden eingehalten. Das mag auf den ersten Blick abgedroschen und repetitiv wirken, doch zeigt der Film hier genau die Mechanismen auf, nach denen das Genre funktioniert und verlangt.

Die Inszenierung in Form von Mockumentary auf der einen und Slasherfilm auf der anderen Seite kann man nur als gelungen bezeichnen. Scott Glosserman zieht in seinem Debütfilm wirklich alle Register. Auch die Darsteller – allen voran Nathan Baesel als Leslie Vernon – heben den Film weit über Genrestandard hinaus.

„Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ ist eine wunderbare Genreparodie, die den Vergleich zu „Scream“ nicht zu scheuen braucht. Man muss als Zuschauer allerdings wirklich Verständnis für den Slasherfilm mitbringen, um seine Freude mit Leslie Vernon zu haben – wenn man es hat, dann zündet die Idee wirklich: 8/10 Punkte.

Fido – Gute Tote sind schwer zu finden

Da sich bei mir die ungesehenen DVDs nur so stapeln, habe ich mir gestern noch einen zweiten Film gegönnt: „Fido – Gute Tote sind schwer zu finden“ von Andrew Currie. Ein Film, den ich mir letztes Jahr gerne schon auf dem Fantasy Film Fest angesehen hätte.

Die Grundidee ist wirklich wunderbar: Nachdem radioaktive Strahlung aus dem All die Toten auf der Erde zu Zombies werden lässt, kommt es zum berüchtigten Zombiekrieg. Während diesem entwickelt ein Unternehmen mit den klangvollen Namen ZomCon ein Halsband, welches blutrünstige Zombies zu zahmen Bediensteten macht. Soweit zumindest die Theorie.

Diese famose Prämisse wird eingebettet in die heile Welt der 50er Jahre, wie man sie z.B. aus Gary Ross‘ wunderbarem „Pleasentville“ kennt. Insofern überwiegen knallige Farben, ein 50er Jahre Soundtrack und konservative Ansichten. All dies wird verdichtet und in Bezug auf die Zombies ins Maßlose übersteigert. „Fido“ ist demzufolge keine leise und zurückhaltende Satire. „Fido“ ist bunt, übersteigert und oftmals grotesk.

So wunderbar die Idee samt Inszenierung auch ist, so hatte ich teils Probleme mich für die Figuren zu interessieren. Selbst der junge Timmy Robinson war mir nicht sympathisch genug dargestellt. Bei den Figuren hat es mir doch etwas an Feinschliff gemangelt. Ebenso dümpelt die Handlung über weite Strecken vor sich hin, ohne wirklich mitzureißen.

„Fido“ ist ein außergewöhnliches Filmprojekt, welches hauptsächlich durch seine Prämisse und seinen absurden Humor zu überzeugen weiß. Leider wurde nicht das gesamte Potential genutzt. Für alle Zombiefreunde ist die Sichtung dennoch Pflicht: 7/10 Punkte.

Southland Tales (2006)

Nach den ersten drei Kapiteln in Form von „Southland Tales: The Prequel Saga“, habe ich mir heute Abend den Abschluss von Richard Kellys Sci-Fi-Musical-Comedy-Thriller in seiner filmischen Form angesehen: „Southland Tales“ – der Fiebertraum eines politisch kritischen Popkulturjunkies.

Was für ein Film. Hat mich das Prequel bereits auf die letzten drei Kapitel der Saga vorbereitet, so war ich dennoch überwältigt von der audiovisuellen Kraft der Inszenierung. Die langen, mit wunderbarer Musik unterlegten Montagen erinnern an Kellys Überraschungshit „Donnie Darko“ – Gänsehaut inklusive. In solch emotionalen Momenten – und ohne die Handlung hinterfragen zu müssen – überzeugt der Film auf ganzer Linie. Ganz groß.

Doch was ist mit der Geschichte? Ehrlich gesagt: Ich hatte sie mir komplizierter vorgestellt. Doch bin ich mir durchaus bewusst, dass ich diese Aussage mit Kenntnis des Prequels mache. Ohne die Vorgeschichte wäre ich wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen. Besonders schön ist, dass auch viele Storylines des Comics nun mehr Sinn machen. Einzig das Ende hätte ich mir etwas dramatischer erwartet. Emotionaler. Mehr wie bei „Donnie Darko“ – aber an diesen (auch thematisch verwandten Vorgänger) kommt „Southland Tales“ ohnehin nicht ran.

Was gibt es zu kritisieren? So einiges. Kelly verliert sich häufig in seinem Wust an Charakteren. Vieles wird nur angeschnitten und wichtige Personen bekommen zu wenig Aufmerksamkeit. Einige Dialoge wirken platt – andere dagegen sind Zeilen für die Ewigkeit. Ebenso sitzen die meisten satirischen Spitzen – egal ob gegen ultrakonservative oder neoliberale Bewegungen – zielsicher und regen zum nachdenken an. Andere wirken zu aufgesetzt und vermengen sich mit Sci-Fi-Fantasy-Elementen zu undefinierbaren Aussagen. Am Drehbuch wäre wirklich noch Feinschliff nötig gewesen – aber dann wäre das bunte Sammelsurium an Ideen vielleicht etwas auf der Strecke geblieben.

Insgesamt gesehen ist „Southland Tales“ ein wunderbarer Film, den man einfach wirken lassen muss – am besten mit Kenntnis der Vorgeschichte. Er ist kein neuer „Donnie Darko“ und auch kein ernsthaftes Sci-Fi-Epos. Er ist einzigartig. Ein wilder, bunter Albtraum aus einer erschreckend nahen Parallelwelt: 8/10 Punkte.

Wo die Liebe hinfällt… OT: Rumor Has It…

Ab und zu muss es auch ein Liebesfilm sein. Romantic Comedy nennt sich das dann. Leider sind die meisten Filme dieses Genres dann nicht halb so lustig, wie man es bei der Bezeichnung Comedy erwarten würde. Auch Rob Reiners „Wo die Liebe hinfällt…“ reiht sich leider nahtlos in die Riege dieser oft ganz netten, aber meist doch belanglosen Werke ein.

Um es kurz zu machen: Man bekommt genau das, was man erwartet. Eine nette Geschichte, Herzschmerz, ein paar Lacher und brauchbare Darsteller, die jedoch nur einen Bruchteil ihres Talents zeigen dürfen. In diesem speziellen Fall wissen besonders Shirley MacLaine und Kevin Costner zu überzeugen. Jennifer Aniston ist von mir als alten „Friends“-Fan auch immer gerne gesehen, wenngleich diese Rolle wohl jede RomCom taugliche Darstellerin hätte spielen können. Soweit, so durchschnittlich.

Der besondere Kick an „Rumor Has It…“ ist die Prämisse: Der Film erzählt die wahre Geschichte des Klassikers „Die Reifeprüfung“ – das ist doch einmal eine nette Idee für solch ein ausgelutschtes Genre! Die Anspielungen sitzen und – ich erwähne sie gerne noch einmal – Shirley MacLaine und Kevin Costner wissen als echte Mrs. Robinson sowie Benjamin Braddock zu überzeugen.

Rob Reiners Film ist neben der Grundidee leider alles andere als originell. Zwar für knapp 90 Minuten durchaus unterhaltsam, aber in ebenso kurzer Zeit wieder vergessen. Absolute Durchschnittsware: 5/10 Punkte.

Run, Fatboy, Run (2007)

Da wir heute sowieso in der Stadt unterwegs waren, habe ich mit meinem Vorsatz gebrochen und David Schwimmers „Run, Fatboy, Run“ – meine große Inspiration – doch in der deutschen Synchronisation gesehen. Das war für mich als Pegg-Jünger zwar weniger schön, letztendlich hat es dem Filmerlebnis aber weniger geschadet, als ich befürchtet hatte.

Die Geschichte ist letztendlich nichts besonderes und ihre Versatzstücke sind aus diversen Romantic Comedies hinlänglich bekannt. Sei es der große Fehler aus der Vergangenheit, der neue Freund der Angebeteten oder der verschrobene Freundeskreis des Protagonisten. Was „Run, Fatboy, Run“ so sehenswert macht sind letztendlich die Darsteller – allen voran natürlich Simon Pegg. Seine Darstellung des geborenen Losers ist überzeugend und sympathisch. Eine Rolle wie für ihn gemacht. Doch auch Hank Azaria (u.a. bekannt aus „Friends“) weiß als schleimiger Kontrahent zu überzeugen.

Überraschungen gibt es eigentlich keine. Die Handlung verläuft ziemlich genau so, wie man sich das als Zuschauer nach Sichtung des Trailers – oder nach Lesen der Inhaltsangabe – zusammenreimen würde. Insofern typisch RomCom. David Schwimmer (Ross, „Friends“) inszenierte die Geschichte mit leichter Hand und hat die Erfahrung, die er mit der Regie diverser Sitcom-Episoden gesammelt hat, gekonnt umgesetzt.

Letztendlich ist „Run, Fatboy, Run“ auch nur eine weitere romantische Komödie. Aber eine wirklich sympathische – tolle Darsteller und eine nette Prämisse inklusive. Sehenswert: 7/10 Punkte.

30 über Nacht – OT: 13 Going on 30 (2004)

Ostermontag habe ich seit Urzeiten einmal wieder einen Film aus dem regulären TV-Programm gesehen: „30 über Nacht“. Anfangs nur nebenbei, doch mit dem Erscheinen von Jennifer Garner (Sydney Bristow, „Alias“) hatte der Film meine Aufmerksamkeit auf seiner Seite.

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Die Geschichte ist wirklich nicht neu. Bereit Tom Hans hatte 1988 in „Big“ mit dem spontanen Erwachsensein zu kämpfen – wenngleich die Prämisse auch nicht 100%ig identisch ist. Jenna unternimmt in „30 über Nacht“ eher eine Zeitreise in die Zukunft ihres Lebens und altert nicht einfach an Ort und Stelle. Probleme und skurrile Situationen finden sich jedoch auch in dieser Variante en masse.

Gary Winicks Film bietet lockerleichte Unterhaltung und läuft damit nicht Gefahr im Langzeitgedächtnis hängen zu bleiben. Der große Pluspunkt des Films ist auf jeden Fall seine Hauptdarstellerin. Jennifer Garner spielt so naiv und losgelöst, dass es eine wahre Freude ist. Ohne sie hätte der Film leicht zu einer simplen Lachnummer werden können.

Leider setzt das Ende des Films so sehr auf Kitsch und Schmalz, dass der positive Gesamteindrück etwas geschwächt wird. Warum hat man noch einmal in die Zukunft blicken müssen? Nein, das hätte wahrlich nicht sein müssen.

„30 über Nacht“ bleibt mir somit als nette Komödie mit toller Jennifer Garner und etwas dümmlichen Ende im Gedächtnis. Kann man sich durchaus anschauen: 6/10 Punkte.

Jennas Kuchen – OT: Waitress (2007)

Da unser lokales Fremdsprachenkino leider immer mehr dazu tendiert nur Blockbuster zu  (zeigen, mussten wir bis zur DVD-Veröffentlichung von „Jennas Kuchen“ (bzw. „Waitress“) warten, um in den Genuss des Films zu kommen. Beim Einstandspreis von nicht einmal zehn Euro soll mich das aber auch nicht weiter stören.

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„Waitress“ ist einmal wieder ein Film, der mir nur aufgrund der mitwirkenden Schauspieler aufgefallen ist. In der Hauptrolle ist die bezaubernde Keri Russell zu sehen, die mir bereits in der TV-Serie „Felicity“ ans Herz gewachsen ist. Auch hier kann sie wieder voll und ganz überzeugen, wenngleich es anfangs etwas ungewohnt ist sie mit südlichem Akzent zu erleben. Die männliche Hauptrolle wird von Nathan Fillion übernommen, der seit seiner Darstellung von Capt. Mel Reynolds in „Firefly“ zu meinen Lieblingsschauspielern zählt. In einer wichtigen Nebenrolle tritt zudem noch Cheryl Hines auf, die mir als geduldige Ehefrau von Larry David in „Curb Your Enthusiasm“ schon unzählige Lacher beschert hat.

An grandiosen Schauspielern mangelt es „Waitress“ schon einmal nicht. Doch was bietet der Rest des Films? Man sollte keine reine Komödie erwarten, auch kein reines Drama. Der Film von Adrienne Shelly reiht sich am ehesten in die leisen Töne von „Nobody’s Fool“ oder auch „Grüne Tomaten“ ein und besitzt doch einen ganz eigenen Charme. Die Geschichte ist dabei so einfach wie die Charaktere und überzeugt vor allem durch Situationen, Atmosphäre und die Schauspieler. Nicht unbedingt ein Feel-Good-Movie, aber auf jeden Fall ein Film mit optimistischer Grundhaltung – und gerade das macht ihn so sympathisch.

Tragisch ist wohl das Schicksal von Autorin, Regisseurin und Darstellerin Adrienne Shelly, die noch vor der Uraufführung ihres Films ermordet wurde. Sie hinterlässt einen Mann und eine Tochter, die in der letzten Einstellung auch als Jennas Tochter zu sehen ist. Mit „Waitress“ hat sie ihr filmisches Vermächtnis hinterlassen und wird nicht nur als Autorin und Regisseurin, sondern auch mit ihrer bezaubernden Darstellung der eigenwilligen Dawn in Erinnerung bleiben.

„Waitress“ ist einer jener besonderen kleinen Filme, die wohl an den meisten Leuten vorbeiziehen, aber doch mehr als einen Blick wert sind. Anrührend und bezaubernd. Die grandiosen Darsteller und die gekonnte Inszenierung lassen über leichte Drehbuchschwächen hinwegsehen: 9/10 Punkte.

Nobody ist der Größte – OT: Un genio, due compari, un pollo (1975)

Gestern Abend habe ich eine Reise zu den Wurzeln meiner Filmleidenschaft unternommen. Ich habe „Nobody ist der Größte“ gesehen. Zu diesem Film hege ich eine ganz besondere Beziehung: Es war der erste Film, den ich abends komplett ansehen durfte. Es war irgendwann während meiner Grundschulzeit und bis dahin war spätestens um 21:00 Uhr Zapfenstreich angesagt. Doch dann kam Nobody. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob damit das lange Aufbleiben eingeläutet wurde oder ob es ein Einzellfall war. An diesen einen Abend erinnere ich mich jedoch noch ganz genau.

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Mir fällt es aufgrund meiner besonderen Beziehung zu dem Film natürlich schwer, eine nachvollziehbare Bewertung abzugeben – somit wird diese Filmbesprechung noch weniger objektiv, als die restlichen. Bei den Kritikern hat „Nobody ist der Größte“ ja bekanntermaßen einen schweren Stand. Besonders im Vergleich zu seinem gelungenen Vorgänger „Mein Name ist Nobody“ kann man einen qualitativen Rückschritt kaum bestreiten. Dennoch muss man den Film meiner Meinung nach mit anderen Augen sehen: In der Fortsetzung – die eigentlich nichts mit dem ersten Teil zu tun hat – hat die Figur des Nobody den wilden Westen schon fest im Griff. Der Wandel ist bereits vollzogen. Somit sollte man „Nobody ist der Größte“ auch als reinen Spaßwestern im Geiste der Trinity-Filme sehen und nicht als Abgesang auf den klassischen Spaghettiwestern, wie ihn noch der Vorgänger zelibrierte.

Abgesehen von allen offensichtlichen Schwächen bietet der Film auch für das kritische Auge tolle Szenen. Das Duell mit Klaus Kinski ist wahrlich grandios und als Nobody Kinskis Charakter in einer der Folgeszenen einfach aus dem Fenster wirft, dann ist das schon nahe an großem Kino dran. Auch wenn die Geschichte des Films nur aus Versatzstücken besteht so ist sie doch äußerst unterhaltsam und kann mit tollen Figuren (z.B. der rotbärtige Captain samt Tochter) und nett anzusehenden Darstellern (Miou-Miou) aufwarten.

Für mich ist „Nobody ist der Größte“ ein echter Kindheitsklassiker. Auch heute noch freue ich mich über so manch bekannte Szene und den schelmischen Witz von Terence Hill. Damals wurde zudem eine Ära eingeläutet: Die Ära der Bud Spencer- und Terence Hill-Filme. Trotz Schwächen ganz klare 8/10 Punkte.