Ein (un)möglicher Härtefall – OT: Intolerable Cruelty

Nach einem durchaus fordernden und arbeitsreichen Samstag, war ich am Abend nur für leichte Unterhaltung zu haben. Die Wahl fiel letztendlich auf ein „Ein (un)möglicher Härtefall“ der Coen-Brüder, den ich damals sogar im Kino gesehen habe. Nach knapp 10 Jahren konnte ich mich kaum noch an die Handlung erinnern, doch immerhin wusste ich noch genau, dass mich der Film weit besser unterhalten hatte, als sein Ruf vermuten ließ…

Ich weiß noch genau welch ein Raunen durch die Reihen der Kritiker ging, als damals der neue Coen-Film anlief. Als lahme 08/15-RomCom verschrien, ließ kaum jemand ein gutes Haar an dem Werk des Regie-Duos. Somit war ich umso überraschter eine äußerst unterhaltsame Satire auf das Beziehungsleben der selbsternannten High Society zu sehen. Zwar konnte sich der Film nicht mit den großen Coen-Filmen, wie „The Big Lebowski“ oder „Fargo“ messen, doch hatte er mich einfach nur gut unterhalten und war zumindest wesentlich besser als 99% aller tatsächlichen 08/15-RomComs, die Hollywood sonst so hervorbringt.

Auch bei der heutigen Sichtung hat mich das gut gelaunte Spiel von George Clooney und Catherine Zeta-Jones erfreut. Ziemlich überdreht, doch für diese Art von Film absolut passend. Überhaupt wirkt jeder einzelne Charakter wie eine lebendig gewordene Karikatur, was zudem dadurch verstärkt wird, dass nahezu jeder Name eine Alliteration bildet: Miles Massey, Rex Rexroth, Donovan Donely, Sarah Sorkin usw. Mit Figuren, wie Heinz, the Baron Krauss von Espy, gibt es natürlich auch Ausnahmen von der Regel. Durch die völlige Überzeichnung der Charaktere droht der Film zwar manchmal zu kippen, doch schafft er es den Zuschauer durch seine wendungsreiche, doch leider etwas vorhersehbare Geschichte, stets am Ball zu halten.

„Intolerable Cruelty“ ist weit davon entfernt der beste Film der Coen-Brüder zu sein, doch handelt es sich deswegen um einen schlechten Film? Auf keinen Fall! Wenn man in der Stimmung für eine seichte Komödie ist, dann sollte man sich den Film trotz Vorbehalte ruhig einmal anschauen – und ich bin mir sicher, dass er zumindest für knapp 100 Minuten für einfach nur gute Unterhaltung sorgen wird. Zu unrecht unterbewertet: 7/10 Punkte.

Your Highness – Extended Edition (2011)

Als ich das erste Mal von David Gordon Greens „Your Highness“ hörte, war ich neugierig. Eine R-Rated-Komödie mit Fantasysetting? Das hörte sich zumindest nach Spaß an. Die Kritiken waren jedoch größtenteils vernichtend, weshalb ich von einer Sichtung zunächst absah. Nachdem der Film in Christians Foyer und dem Medienjournal jedoch ziemlich gelobt wurde und unzählige Trailer-Sichtungen später, führte kein Weg mehr daran vorbei mich selbst auf dieses äußerst ungewöhnliche Quest zu begeben…

Am erstaunlichsten an „Your Highness“ ist wohl, dass der Film überhaupt in dieser Form produziert wurde – und dass die Macher tatsächlich Schauspieler, wie Natalie Portman, James Franco oder Zooey Deschanel für das Projekt gewinnen konnten. Doch worum geht es in dem Film überhaupt? Dies zu beantworten ist gar nicht so einfach. Im Grunde erleben unsere Helden ein klassisches Sword & Sorcery-Abenteuer, das auch etliche Aspekte dieses Subgenres aufgreift: ein Quest muss bestritten und ein verrückter Magier besiegt werden. Hinzu kommen schleimige Monster, nackte Tatsachen und einige Hektoliter Blut und Gekröse. So weit, so 80er Jahre Fantasyfilm. Doch dies macht nur den einen Teil des Films aus.

Um den Rest zu begreifen, sollte man sich eine zotige Slacker-Komödie im Judd Apatow-Stil vorstellen mit folgender Handlung vorstellen: Unser Held Thadeous (herrlich: Danny McBride) muss sich auf seinem ersten Quest beweisen und hilft seinem Bruder Fabious (James Franco) dessen Angebetete (Zooey Deschanel) aus den Klauen des bösen Zaubereres Leezar (Justin Theroux) zu befreien und das Fuckening – ja, richtig gelesen – zu verhindern. Der Humor schwankt dabei zwischen dämlich und unfassbar dämlich, doch hat dies für mich erstaunlich gut funktioniert. Man darf an dieser Stelle allerdings nicht den Fehler machen einen guten Film zu erwarten, doch wer schon immer mal eine High Budget-Produktion sehen wollte, in der Natalie Portman das Gemächt eines Minotaurus als Trophäe überreicht werden soll, der darf ruhig einen Blick riskieren.

Ich hatte wirklich enorm viel Spaß mit „Your Highness“, auch wenn mindestens 50% der Witze einfach zu platt für meinen Geschmack waren. In erster Linie haben mir die Fantasyaspekte gefallen, die erstaunlicherweise wirklich gut funktionieren. Auch die Charaktere harmonieren sehr gut miteinander und sind auf ihre ganz besondere Art und Weise sympathisch. Die Bewertung des Films fällt mir nun nicht leicht, denn ich könnte genauso gut Argumente für eine 4 Punkte-, wie für eine 8 Punkte-Wertung finden. Somit bleibe ich bei der goldenen Mitte und der Gewissheit, dass ich die nächste Sichtung nicht mehr nüchtern und mit größerem Publikum angehen werde: 6/10 Punkte.

Crazy, Stupid, Love. (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Crazy, Stupid, Love.“ am 7. November 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Filmabend waren denkbar schlecht: Arbeitsstress bis zur letzten Minute, die gesamte letzte Woche zu wenig Schlaf bekommen und ein generelles Gefühl der Abgeschlagenheit. Doch erstaunlicherweise schlief ich bei „Crazy, Stupid, Love.“ – ganz im Gegensatz zu jedem anderen Abend dieser Woche – nicht völlig K.O. auf dem Sofa ein. Nein, ich hatte über die gesamten 118 Minuten Laufzeit enorm viel Spaß und ein beständiges Lächeln auf den Lippen – und dies hat wahrlich schon lange keine (romantische) Komödie mehr geschafft…

Crazy, Stupid, Love. (2011) | © Warner Home Video

Crazy, Stupid, Love. (2011) | © Warner Home Video

Aus der Prämisse des Films hätte man zweifellos auch eine der zurzeit so angesagten Brachialhumor-Komödien (z.B. „Kill the Boss“) machen können. Ein Familienvater (Steve Carell, „The Office“) trifft nach seiner Scheidung auf einen Womanizer (Ryan Gosling, „The Notebook“), der ihn unter seine Fittiche nimmt um einen richtigen Mann aus ihm zu machen. Das Regie-Duo Glenn Ficarra und John Requa zauberte daraus jedoch eine herzerwärmende und dennoch unglaublich lustige Komödie voller Witz und mit ausnahmslos sympathischen Charakteren. Warum sieht man so etwas nicht öfter? Im Gegensatz zu den erfolgreicheren – aber deutlich schwächeren Genrekollegen – hat man von „Crazy, Stupid, Love.“ nicht wirklich viel gehört, was für mich absolut unverständlich ist.

Die Geschichte ist nicht sonderlich temporeich und hat deshalb auch die nötige Zeit ihre Charaktere entsprechend zu entwickeln. Besonders Steve Carells gehörnter Cal Weaver wächst einem schnell ans Herz. Wirklich fantastisch gespielt! Schön ist auch, dass es keine klischeehaften Feindbilder gibt und man jeder Figur ihre Beweggründe abnimmt. Ryan Gosling bildet den perfekten Gegenpart, der in jedem Entwicklungsstadium seines Charakters zu überzeugen weiß. Hinzu kommen Emma Stone, Julianne Moore und Marisa Tomei als Love Interests, die erfrischenderweise auch fern der typischen Genreklischees agieren. Besser hätte man das Ensemble nicht besetzen können.

Erfrischend fand ich, dass man nicht jeden offensichtlichen Gag mitgenommen hat und zudem eine Geschichte abseits der Situationskomik zu erzählen wusste. Die Wendung des Films hatte ich somit überhaupt nicht vorausgesehen und war an der relevanten Stelle bestimmt für fünf Minuten mit einem dicken Grinsen vor dem Fernseher gesessen. Grandios! Auch im weiteren Verlauf des Films wurden schmalzige Szenen (z.B. Cals Rede vor der Abschlussklasse) glücklicherweise nur sehr dezent eingesetzt und man hat den Figuren ihre Handlungen stets abgenommen. Das offene, aber dennoch hoffnungsvolle Ende hat mich letztendlich glücklich aus dem Film entlassen. Schön, einfach nur schön!

Fazit

„Crazy, Stupid, Love.“ dürfte wohl die positivste Überraschung sein, die ich seit langer Zeit sehen durfte. Ein famoses Ensemble in einer durchdachten und liebenswerten Geschichte, die zudem noch unglaublich lustig ist. Wer hätte das gedacht? Ich kann den Film nun all jenen ans Herz legen, die den Glauben an gute Romantic Comedies verloren haben, sowie denen, die mit dem Genre sonst nichts anzufangen wissen. Ein fantastischer Film, der einfach nur glücklich macht: 9/10 Punkte.

Zurück in die Zukunft III – OT: Back to the Future Part III (1990)

Aktualisierung: Ich habe „Zurück in die Zukunft III“ am 24. Januar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich wieder einmal Abschied von Marty McFly und Doc Brown genommen. Ich bin mir auch sicher, dass die nächste Sichtung von „Zurück in die Zukunft III“ einige Zeit auf sich warten lassen wird. Früher dauerte dies – so ich denn meine Eltern davon überzeugen konnte – höchstens bis zur nächsten TV-Ausstrahlung der Trilogie. Heute allerdings warten zu viele neue Filme darauf gesehen zu werden, andere Klassiker stehen in der Warteschlange und Zeit hat sich ohnehin zu einer viel wertvolleren Ressource entwickelt. Schade eigentlich…

Zurück in die Zukunft III (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Zurück in die Zukunft III (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Auch wenn ich den dritten Teil schon immer am schwächsten fand, so hatte ich doch immer eine ganz besondere Beziehung zum Abschluss der Trilogie. Ich konnte – und kann heute teils immer noch – große Teile des Films mitsprechen. Warum? Natürlich aufgrund der Hörspiel-Kassette von Europa, die ich als Kind rauf und runter gehört habe, und deren Konsum die Anzahl der Filmsichtungen bei weitem übersteigt. Somit kollidierte meine Fantasie stets etwas mit der Filmhandlung, doch bei der gestrigen Sichtung konnte ich diesem Problem ganz einfach aus dem Weg gehen, da ich zum ersten Mal auf die englische Originaltonspur zurückgegriffen habe. Zwar keine ganz neue Erfahrung, doch zumindest nicht mehr so verstörend nostalgisch, wie die synchronisierte Fassung, die auch Grundlage des Hörspiels war.

Im Gegensatz zum Original und besonders der ersten Fortsetzung, wirkt „Zurück in die Zukunft III“ viel geradliniger und weniger komplex konstruiert. Marty muss Doc zurückholen, bevor er erschossen wird. Viel mehr gibt die Zeitreisehandlung nicht her. Das Besondere ist eher das Setting, welches – für Westernfreunde – wahrlich famos eingefangen wurde. Somit fällt der dritte Teil interessanterweise ein wenig aus dem Rahmen, was besonders verwunderlich ist, da ja die beiden Fortsetzungen back-to-back gedreht wurden. In meiner Wahrnehmung werden jedoch stets die ersten beiden Teile inhaltlich näher zusammengehören.

Aufgrund der abnehmenden Komplexität, konzentriert sich der Film mehr auf seine Figuren und insbesondere auf Doc Brown, der 1885 seine große Liebe findet. Man gönnt ihm als Zuschauer dieses private Glück und drückt auch allen anderen Beteiligten die Daumen für das große Happy End – und dennoch mochte ich Doc als verrückten Erfinder lieber, ebenso wie Marty als völlig überforderten Wanderer zwischen den Zeiten. Somit ist der dritte Teil eher romantisches Western-, als konfuses Zeitreiseabenteuer. Das funktioniert durchaus gut, kann mich aber nicht mehr so vollständig begeistern, wie die beiden Vorgänger. Das Ende ist zudem etwas zu over-the-top und zuckersüß, was ich den Figuren aber durchaus zugestehen möchte.

Fazit

Auch wenn der Film etwas abfällt, so liebe ich „Zurück in die Zukunft III“ dennoch. Der Abschluss ist inhaltlich rund, die Actionszenen sind famos gefilmt und es gibt genügend Referenzen zu den beiden Vorgängern. Am Ende des Films bin ich dann stets etwas traurig, dass dieses fantastische Abenteuer – immerhin fügen sich alle drei Filme ja nahtlos aneinander – nun erst einmal wieder vorbei ist. Eigentlich würde ich mir wünschen jedes Jahr mindestens einmal Zeit für die Trilogie zu finden, doch Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude… ein wirkliches gelungenes Finale: 9/10 Punkte.

Zurück in die Zukunft II – OT: Back to the Future Part II (1989)

Aktualisierung: Ich habe „Zurück in die Zukunft II“ am 10. Februar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute musste ich nicht lange überlegen, welchen Film ich denn aus dem Regal holen würde, denn wie bereits angekündigt ging es mit Marty McFly und Doc Brown in „Zurück in die Zukunft II“ auf zu einem neuen Zeitreiseabenteuer. Lange Zeit war die erste Fortsetzung mein Lieblingsteil der Reihe, doch das änderte sich über die letzten Jahre und Sichtungen – nicht dass das Sequel schlecht wäre, doch an den famosen Auftakt der Trilogie kommt der Film nicht ganz heran…

Zurück in die Zukunft II (1989) | © Universal Pictures Germany GmbH

Zurück in die Zukunft II (1989) | © Universal Pictures Germany GmbH

Die Handlung setzt exakt dort ein, wo man unsere liebgewonnenen Charaktere in „Zurück in die Zukunft“ verlassen hat. Es fällt auf, dass Claudia Wells, die Schauspielerin der Jennifer Parker, durch Elizabeth Shue ersetzt wurde. Nur ein kleines Details, das ich bei den bisherigen Sichtungen jedoch nie bemerkt hatte. Ehe man sich versieht, befinden wir uns im Hill Valley der Zukunft und auch wenn es hier einige Parallelen zur Handlung des ersten Teils gibt, so kommt man als Zuschauer aus dem Staunen erst einmal nicht heraus: Hologramme, fliegende Autos und – nicht zu vergessen – Hoverboards! Eine bunte und verrückte Vision der Zukunft, wie sie nur den 80er Jahren entspringen konnte. Hinzu kommen nahezu alle bekannten Charaktere, was diesen Teil des Films zu einem durchgeknallten Spaß werden lässt.

Zurück in der Gegenwart erleben wir den dunkelsten Abschnitt der gesamten Trilogie. Eine Dystopie, in der all unsere Charaktere dem Untergang geweiht sind. Auch in dieser alternativen Zeitlinie treffen wir auf bekannte Figuren, die hier jedoch mit ganz neuen Problemen zu kämpfen haben. Erstmals geht Doc Brown näher auf die Zeitreisetheorie ein, was die „Zurück in die Zukunft“-Reihe noch stärker in der Popkultur verankerte. Der finale Akt in der uns bereits bekannten Vergangenheit ist schließlich ganz großes Kino: Zusammen mit Marty erleben wir ganze Szenen des ersten Teils aus neuen Blickwinkeln und sehen uns unzähligen Herausforderungen gegenüber. Das Finale schließlich dürfte wohl einer der spannendsten Cliffhanger der Filmgeschichte gewesen sein – zumal man es damals als Zuschauer noch nicht gewohnt war, dass Filme back-to-back gedreht wurden, was auch den überflüssigen Ausblick in den dritten Teil erklärt.

Auch wenn der zweite Teil bei weitem nicht so rund und stimmig wirkt, wie der erste Film der Reihe, so beeindruckt er doch gerade durch seine Vielfältigkeit und seinen Ideenreichtum. Bestimmte Motive werden zudem wieder aufgegriffen, doch anstatt sich auf eine kleine persönliche Geschichte zu konzentrieren, wird die Faszination Zeitreise auf die Spitze getrieben – mit all ihren möglichen Auswirkungen. Der Film wirkt dadurch etwas zerfahren, doch stecken auch in ihm unzählige famose Szenen (u.a. das Hoverboard-Rennen) und Zitate, wie Martys ‚Niemand nennt mich eine feige Sau!‘ bzw. ‚Nobody calls me chicken!‘ oder ‚Sie sind der Doc, Doc.‘

Fazit

Aus heutiger Sicht mag der Film nicht mehr ganz so gut funktionieren, wie durch die Augen eines begeisterungsfähigen Kindes gesehen. Auch wenn „Zurück in die Zukunft“ sicherlich der erwachsenere Film ist, so hatte ich jedoch wieder nahezu ebensoviel Spaß mit dem Sequel. Es ist Robert Zemeckis und Bob Gale gelungen den Geist des Originals einzufangen, ohne einen Abklatsch zu produzieren. Die hinzugekommene Ideenvielfalt mag zunächst überwältigend wirken, ist aber gerade deshalb umso beeindruckender. Eine absolut stimmige und sehenswerte Fortsetzung: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Zurück in die Zukunft – OT: Back to the Future (1985)

Aktualisierung: Ich habe „Zurück in die Zukunft“ am 27. Januar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie so oft stand ich gestern Abend vor dem DVD-Regal und überlegte mir welcher Film als Abendunterhaltung denn angemessen wäre. Nach dem harten Tobak vom Vortag sollte der Unterhaltungswert auf jeden Fall nicht zu kurz kommen – und sind wir einmal ehrlich: Ist Robert Zemeckis „Zurück in die Zukunft“ nicht einer der unterhaltsamsten Filme überhaupt? Als mein Blick auf die bisher noch ungesehene Blu-ray-Fassung fiel, war die Entscheidung auch schon gefallen. Somit machte ich mich nach Jahren wieder nach Hill Valley auf, um Marty McFly und Doc Brown einen Besuch abzustatten…

Zurück in die Zukunft (1985) | © Universal Pictures Germany GmbH

Zurück in die Zukunft (1985) | © Universal Pictures Germany GmbH

Noch heute erinnere ich mich an diese magische erste Sichtung als wäre es erst gestern gewesen: Es muss irgendwann während meiner Grundschulzeit gewesen sein. Die Geburtstagsfeier eines Freundes. Nachdem wir draußen gespielt hatten, ging es zurück in die Wohnung und es wurde eine VHS-Kassette in den Rekorder geschoben. Ich erinnere mich nur noch an Fragmente und bin mir sicher nicht den gesamten Film verfolgt zu haben, doch was ich sah packte mein junges Ich in seinem Innersten. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich damals sehr unerfahren war, was Filme angeht. Wir hatten lange nur die ersten drei Programme und auch keinen Videorekorder. Dieser Nachmittag war für mich eine kleine Offenbarung – und dennoch sollte es noch Jahre dauern, bis ich den Film zum ersten Mal komplett und bewusst sah.

Etliche TV-Sichtungen später, zählte „Zurück in die Zukunft“ samt Fortsetzungen zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Jede weitere Begegnung mit den Charakteren versetzte mich zudem an jenen magischen Nachmittag zurück. Spätestens mit Veröffentlichung der DVDs habe ich „Zurück in die Zukunft“ bewusster wahrgenommen und ihn auch außerhalb der nostalgischen Aspekte zu schätzen gelernt. Wie die anderen großen Trilogien und Lieblingsfilme meiner Kindheit war jede Sichtung dennoch immer etwas Besonderes. Kein Film, den man einfach einmal so einlegt. Kein Wunder also, dass seit der letzten Sichtung inzwischen wieder mindestens 6 Jahre vergangen sind.

Gestern Abend war ich zunächst etwas skeptisch, ob sich die ursprüngliche Begeisterung erneut einstellen würde – ein absolut unbegründeter Zweifel. Sofort habe ich mich wieder zu Hause in Hill Valley gefühlt und mich mit den Charakteren identifiziert, als hätte ich Marty McFlys rote Weste nie abgelegt. Dennoch gab es eine Neuerung, denn gestern habe ich den Film erstmals im Original gesehen. Kein ‚Hallo McFly, jemand zu Hause?‘ mehr, sondern ein ‚Hello McFly, anybody home?‘ – anfangs ungewohnt, doch letztendlich ein großer Genuss. Trotz der wunderbar nostalgischen Gefühle, die der Film jedes Mal bei mir weckt, wirkte er bei der gestrigen Sichtung äußerst modern und einfach unfassbar unterhaltsam.

Trotz seiner Leichtigkeit ist es ein wahres Vergnügen mitzuverfolgen, wie pefekt Robert Zemeckis und Bob Gale das Drehbuch gestaltet haben. Jede einzelne noch so nebensächlich wirkende Szene hat ihren Platz in der Geschichte. Jede Aktion in einer Zeitebene wirkt sich auf die andere aus. Die komplexe Handlung wirkt dabei zu keinem Zeitpunkt konstruiert oder steif, was auch den famosen Darstellern zu verdanken ist. Michael J. Fox und Christopher Lloyd spielen die Rolle ihres Lebens und auch die Nebenfiguren sind mit Lea Thompson (Beverly, „Howard the Duck“), Crispin Glover und Tom Wilson perfekt besetzt. Das Motiv der Zeit ist stets präsent (z.B. die Rolle der Uhr im Finale) und die Möglichkeiten der Zeitreisethematik (z.B. Marty wird selbst Zeuge seines Starts ins Abenteuer) werden zu 100% ausgeschöpft – zumindest wenn man den zweiten Teil noch außen vor lässt.

Fazit

Ich könnte nun noch mehrere Seiten über einzelne Elemente des Films schreiben, doch stehen die beiden Fortsetzungen ja auch noch an. Wenn man die schwierigen Umstände der Produktion bedenkt, dann grenzt es schon an ein Wunder, dass der Film so rund und in sich absolut schlüssig wirkt. Es ist eines dieser seltenen Werke voller Magie, die Hollywood nur alle Jubeljahre hervorbringt und an denen ich keinen, aber wirklich auch keinen Kritikpunkt finden kann. Ich freue mich nun unglaublich auf die Fortsetzung, die ich – wenn alles klappt – schon heute Abend genießen werde. Das war noch Kino, wie es sein soll: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Die Monster AG – OT: Monsters, Inc. (2001)

Gestern Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich partout nicht für einen Film entscheiden. Er sollte aufgrund der vorhergehenden recht kurzen Nacht nicht zu lang sein und zudem den Zuspruch von Frau bullion finden. Da sprang mir die Blu-ray von „Die Monster AG“ ins Auge und in diesem Moment war die Entscheidung schon gefallen. Obwohl ich den Film liebe liegt die letzte Sichtung inzwischen schon mindestens 6 Jahre zurück. Somit war es höchste Zeit für eine Auffrischung…

Bereits bei der Kinosichtung, die inzwischen bereits unglaubliche 11 Jahre zurückliegt, war ich hin und weg. Es folgten Sichtungen auf VHS, DVD und sogar eine Analyse des Films während des Studiums. Langweilig wurde er nie. Mit „Monsters, Inc.“ hat Pixar seinen bis heute kreativsten Film abgeliefert: Während die Geschichten aller anderen Filme irgendwie in unserer Welt – sei es aus der Perspektive von Spielzeugen, Nagetieren oder Robotern der Zukunft – spielen, so wurde hier eine komplette neue Welt geschaffen. Eine Welt mit eigenen Bewohnern, eigenen Regeln und einem komplett neuen Industriezweig: der Schrei-Energie-Gewinnung. Wenn man sich den Film ansieht, wirken all diese Elemente, als würden sie wie selbstverständlich zusammenpassen. Als gäbe es gar keine Alternative – und genau hier liegt die Kunstfertigkeit Pixars: im Welten bauen und Geschichten erzählen.

Natürlich sind auch die grafische Gestaltung und die Animation der Charaktere wieder über jeden Zweifel erhaben. Besonders auf Blu-ray ist es eine Freude die detailreichen Sets und Figuren zu bewundern. Jedes einzelne Element passt perfekt in diese Welt und auch wenn die Technik in den letzten 10 Jahren große Sprünge gemacht hat, was die Darstellungsqualität von Texturen, Haaren usw. angeht, wirkt „Die Monster AG“ zu keinem Zeitpunkt altmodisch oder angestaubt. Ruhige Szenen voller Charaktertiefe wechseln sich dabei mit äußerst rasanten Actionszenen ab. Besonders das Finale im Türenlager ist mit seinen im Sekundentakt wechselnden Locations eine wahre Freude!

Als Vater eines Mädchens, das sich im ungefähr gleichen Alter wie Boo befindet, war ich mehr als überrascht, wie exakt es dem Animationsteam von Pixar gelungen ist die Eigenheiten in den Bewegungsabläufen und dem Verhalten eines Kindes abzubilden. Einfach nur großartig! Auch Sully (John Goodman) und Mike (Billy Chrystal) sind fantastische Charaktere, die mehr Leben besitzen als so manche reale Filmfigur. Die unzähligen Nebencharaktere, die Monstropolis bevölkern, sind zudem bis ins letzte Detail liebevoll gestaltet und man kann in wahrlich jeder einzelnen Szene unzählige kleine Gags und Anspielungen entdecken.

Wie man bis hier wahrscheinlich herauslesen konnte, bin ich von „Monsters, Inc.“ immer noch absolut begeistert. Für mich ist es sogar der bis dato gelungenste Pixar-Film – und das mag bei der beständig hohen Qualität etwas heißen! 2013 soll es eine Fortsetzung bzw. ein Prequel geben und wenn diese nur annähernd so hochwertig werden sollte, wie der 2010 erschienene „Toy Story 3“, dann sollte sich jeder Animationsfreund den Kinostart ganz dick im Kalender markieren. Ich für meinen Teil freue mich so oder so auf ein Wiedersehen mit Mike, Sully und Co. Die perfekte Kinounterhaltung: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Slither (2006) (WS1)

Heute Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich nicht wirklich für einen Film entscheiden. Eigentlich absurd, da unzählige unsehene und interessante Filme nur auf ihre Sichtung warten. Dennoch ist die Wahl auf James Gunns „Slither“ gefallen, der mich bereits bei der Erstsichtung gut zu unterhalten wusste. Irgendjemand muss dem in der Blogosphäre um sich greifenden Oscar-Wahn ja Paroli bieten…

Stärker als noch bei der letzten Sichtung sind mir die verschiedenen Subgenres aufgefallen, die James Gunn mit seiner Horrorkomödie abarbeitet. So gibt es Cronenberg’schen Körperhorror à la „Die Fliege“ zu sehen, Tierhorror mit Wuselfaktor, Sci-Fi-Horror und letztendlich hat auch noch der gute alte Zombie seinen Auftritt. Erstaunlicherweise fügt sich all das zu einer recht plausiblen Geschichte zusammen, die oft verstörender ist, als man das von der Prämisse erwartet hätte. Dies betrifft besonders die erste und die letzte Viertelstunde, die sich auf die Beziehung zwischen Starla und Grant konzentriert – und das nicht nur aufgrund der Ekeleffekte.

Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz, doch besitzt dieser nicht den Stellenwert, wie in anderen Genreparodien – falls man „Slither“ überhaupt als eine solche bezeichnen sollte. Letztendlich lebt der Film von seinen relativ gut ausgearbeiteten Charakteren, der schön eingefangenen Kleinstadtatmosphäre und den gut geschriebenen Dialogen. Die Schauspieler – allen voran Nathan Fillion (Captain Malcolm Reynolds, „Firefly“ und Richard Castle, „Castle“) – sind perfekt besetzt und es ist eine Freude ihnen bei ihrem abstrusen Abenteuer zuzusehen.

Horrorfreunde, die übertriebenem Körperhorror mit deftigen Splattereinlagen etwas abgewinnen können, sind bei dem Film an der richtigen Adresse. Ich für meinen Teil hätte durchaus auf so manche Effektorgie (besonders im Finale) verzichten können, doch hat das dem Spaß keinen Abbruch getan. Auf jeden Fall ist „Slither“ eines der interessanteren Werke im Genre-Einheitsbrei und sollte dem geneigten Horror-Fan zumindest einen Blick wert sein: 7/10 Punkte.

Howard: Ein tierischer Held – OT: Howard the Duck (1986)

Für den heutigen Filmabend zum Start ins Wochenende habe ich mir ein ganz besonderes Werk ausgesucht. Wie vor einigen Wochen bereits bei der Aufzählung der Top 10 meiner Guilty Pleasures erwähnt, gehörte „Howard: Ein tierischer Held“ in meiner Kindheit bzw. Jugend zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Jede TV-Zeitschrift wurde nach neuerlichen Ausstrahlungen durchsucht, wodurch es der Film auf eine bestimmt stattliche Anzahl an Sichtungen brachte. Die DVD steht inzwischen schon seit geraumer Zeit ungesehen im Regal und somit war ich gespannt, wie sich Howard denn heute so schlägt…

Ich sollte vorausschicken, dass ich den Film bei der heutigen Sichtung zum ersten Mal im englischen Originalton genießen durfte. Dies war zu Beginn etwas ungewohnt, doch hat sich letztendlich ausgezahlt: Es ist unglaublich, wie viel Wortwitz in dem Film steckt. Da jagt tatsächlich ein Oneliner den nächsten. Ebenso dürfte ich den Film heute zum ersten Mal in der ungeschnittenen Fassung gesehen haben. Da wir lange Zeit keinen VHS-Rekorder besaßen, musste ich als Kind stets auf die – meist sonntagnachmittags stattfindende – TV-Ausstrahlung zurückgreifen, die doch um etliche harrsche Szenen erleichtert war. Den Film habe ich dennoch geliebt. Ebenso wie Lea Thompson, die mit ihrem Auftritt in „Howard the Duck“ wohl zu einer der ersten Frauen gehört haben dürfte, die ich wirklich heiß fand.

Doch wie schlägt sich der viel gescholtene Film heute? Ist er letztendlich ein filmisches Desaster, das nur durch Kinderaugen gesehen glänzte? Mitnichten! Ich war ja wirklich skeptisch und während des Prologs auf Howards Heimatplaneten musste ich mich beinahe fremschämen: Das sollte einer der Klassiker meiner Kindheit gewesen sein? Doch schon schnell hatte mich der Film wieder in seinem Bann. Der Humor ist köstlich, die 80er Jahre-Atmosphäre perfekt eingefangen und die Geschichte geht allem so gegen den Strich, dass es eine wahre Freude ist! Wie konnte George Lucas nur jemals davon ausgehen, dass dieser Film ein finanzieller Erfolg werden würde? Für ihn gibt es keine Zielgruppe: Erwachsene finden ihn zu albern, für Kinder ist er zu brutal und zu sehr mit anzüglichen Anspielungen durchsetzt. Die Actionszenen sind völlig übertrieben und chaotisch, die Charaktere grandios over-to-top und der Bösewicht äußerst abstoßend. Seltsamerweise funktioniert der Film dennoch tadellos – zumindest für mich. So viel Spaß hatte ich schon lange bei keiner Sichtung mehr.

Ich bin wirklich froh Howard nach all den Jahren noch eine Chance gegeben zu haben. Der Film ist einfach herrlich! Alleine um den jungen Tim Robbins (Andy Dufresne, „Die Verurteilten“) als völlig hysterischen Wissenschaftsassistenten Phil Blumburtt zu sehen, lohnt sich das Reinschauen. Mal abgesehen von aller Nostalgie und Verklärung ist der Film weit nicht so schlecht, wie er stets gemacht wird. Er nimmt sich selbst nicht ernst und das sollte man auch nicht als Zuschauer, denn wenn man ihn als abgedrehten Genremix mit starkem 80er Jahre-Einfluss sieht, dann dürfte man auf jeden Fall seinen Spaß damit haben. Simply ducktastic: 8/10 Punkte.

Out of Sight (1998)

Es gibt Filme, die in gewissen Lebensabschnitten eine besondere Bedeutung besitzen. Auch Steven Soderberghs „Out of Sight“ gehört zu diesen Filmen. Ich weiß noch genau, wie sehr ich den Film damals bei der ersten Sichtung im Kino mochte. George Clooney war spätestens seit „From Dusk Till Dawn“ enorm angesagt und bereits im Jahr zuvor gelang es Quentin Tarantino mit der Elmore Leonard-Verfilmung „Jackie Brown“ zu begeistern. Soderbergh kombinierte nur noch beide Elemente: Was sollte da noch schief gehen?

Glücklicherweise nicht viel. Auch wenn Stephen Soderbergh nicht komplett die entspannte Coolness eines „Jackie Brown“ erreicht, so ist seine Elmore Leonard-Adaption doch eine unglaublich unterhaltsame Mischung aus Caper-Movie und Screwball-Komödie. George Clooney und Jennifer Lopez geben wahrlich ein fantastisches Leinwandpaar mit erstaunlich glaubwürdiger Chemie ab. Damals hatte ich nach diesem Film und Oliver Stones „U-Turn“ sogar noch große Hoffnungen für Frau Lopez als Schauspielerin – doch das war bevor sie sich auf ihr Latinageträller konzentrierte. Auch die restlichen Schauspieler, wie Ving Rhames, Steve Zahn, Don Cheadle, Dennis Farina und Samual L. Jackson (mit einem Cameoauftritt) können sich sehen lassen.

Soderbergh inszeniert die flotte Gangstergeschichte lockerleicht und lässt Miami in sonnendurchfluteten Bildern aufleben, nur um uns in der zweiten Filmhälfte ins düsterkalte Detroit zu entführen. Die nicht chronologisch erzählte Geschichte ist ausreichend komplex, kann jedoch nicht an die in den 90er Jahren populären Gangsterfilme Tarantinos anknüpfen. Die Stärken von „Out of Sight“ liegen eher in der Kombination aus glaubwürdiger Liebesgeschichte und Gangsterkomödie. Beide Bestandteile des Films harmonieren dafür aber ausgezeichnet miteinander.

Auch wenn man dem inzwischen immerhin schon 14 Jahre alten Film die 90er Jahre ansieht, so ist er doch überraschend gut gealtert. Zwar konnte er mich bei dieser aktuellen Sichtung nicht mehr zu solchen Begeisterungsstürmen hinreißen, wie noch damals, doch hat er mich erneut zwei Stunden bestens unterhalten – und ich bin mir sicher das wird ihm auch das nächste Mal gelingen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte sich von der Liebesgeschichte nicht abschrecken lassen und sich ganz entspannt auf das Abenteuer „Out of Sight“ einlassen: 8/10 Punkte.