The Frighteners – Director’s Cut (1996)

Halloween. Die Nacht, in der ein paar Halbstarke meinen, sie müssten das, was ihnen in amerikanische Medien vorgelebt wird, auf unsinnige Art und Weise nach Deutschland bringen. Für mich bedeutet das: die Klingel ignorieren, hoffen dass die Kinder nicht aufwachen und in Ruhe einen Horrorfilm einlegen. Heute sorgte Peter Jacksons „The Frighteners“ im Director’s Cut für die nötige Abwechslung. Zwar nur bedingt Horror, doch einer der perfekten Filme für Halloween. Lasset das Gruseln beginnen…

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Für Peter Jackson war „The Frighteners“ der letzte Film, bevor er mit „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ endlich Weltruhm erlangte. Anfangs nur ein paar Genrefreaks bekannt, drehte er zwei Jahre zuvor das eher anspruchsvolle Drama „Heavenly Creatures“, um mit der Robert Zemeckis-Produktion um einen glücklosen Geisterjäger in sein Ursprungsgenre zurückzukehren. Als ich den Film vor inzwischen bestimmt 13 Jahren zum ersten Mal sah, war ich ein wenig enttäuscht, wie sehr er als Komödie angelegt ist und dass er die für Jackson damals typischen Splattereinlagen vermissen ließ. Über die Jahre sollte mir der Film jedoch ans Herz wachsen.

Seit dem Erscheinen der wirklich tollen DVD-Box habe ich stets nur den 12 Minuten längeren Director’s Cut gesehen, der den Figuren mehr Tiefe verleiht und dabei den Humor auf die Spitze treibt. „The Frighteners“ ist teils wirklich zum Schreien komisch – und dennoch besitzt er eine recht morbide Stimmung und schlägt gegen Ende sogar in waschechten Horror um. Dabei lebt der Film in jeder Sekunde von seinem Einfallsreichtum. Zwar zündet nicht jede Idee, doch was Jackson an visuellen Spielereien und Wortwitz in seinem Genremix untergebracht hat, ist wahrlich eine Freude.

Man sieht dem Film heute seine inzwischen 17 Jahre zwar an, doch funktionieren die Effekte immer noch, was der wunderbar funktionierenden Kombination aus CGIs und Miniaturen zu verdanken ist, die bereits damals den Grundstein für die Effekte von „Der Herr der Ringe“ legte. Ich habe auch bei der heutigen Sichtung wieder viel gelacht, mich gegruselt und an der herrlichen Atmosphäre erfreut. Zudem ist Michael J. Fox in der Rolle des Geisterjägers Frank Bannister einfach herrlich. Horrorfreunde dürfen sich zudem über einen grandios überdrehten Auftritt von Jeffrey Combs („Re-Animator“) freuen. Perfektes Halloween-Vergnügen: 8/10 Punkte.

Silver Linings – OT: Silver Linings Playbook (2012)

Nach nur drei Filmen – und unzähligen unglaublich unterhaltsamen Interviews – schickt sich Jennifer Lawrence an, sich einen Platz unter meinen absoluten Lieblingsschauspielern zu sichern. So war ihr Mitwirken bei „Silver Linings“ wohl auch einer der Gründe, warum der Film – nach „Winter’s Bone“ und „The Hunger Games“ – überhaupt mein Interesse geweckt hat. Natürlich darf man auch die stets positiven Kritiken nicht vergessen. Oder die Aufmerksamkeit, die dem Film bei den Academy Awards zuteil wurde. Zu Recht?

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Einerseits bin ich beinahe etwas sauer, dass so ein Trubel um „Silver Linings Playbook“ herrschte. All die Oscar-Nominierungen. Als Filmfreund kam man ja gar nicht an dem Film vorbei. Dabei ist David O. Russells wunderbare Liebesdramödie genau die Art von Film, die man gerne entdecken würde. Ein Geheimtipp, von dem man begeistert seinen Freunden berichtet. Ein Film, der sich einem tief ins Herz spielt. Doch keine Chance, denn „Silver Linings“ hat sein Publikum bereits erobert. Und irgendwie freue ich mich ja auch darüber. Insofern sei der Academy in diesem Fall verziehen.

Inszeniert wie eine Indie-Film, ist „Silver Linings Playbook“ doch gespickt mit großen Namen: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Julia Stiles, Chris Tucker – alles Schauspieler, von denen man auf jeden Fall gehört hat. Sie betreten hier jedoch neues Terrain und leisten allesamt vorzügliche Arbeit. Allen voran natürlich die beiden fantastischen Hauptdarsteller – und besonders Robert De Niro, der hier endlich einmal wieder zu großer Form aufläuft. Ein wunderbares Ensemble in einem Film, der größtenteils von seinen Charakteren und ihrer Darstellern lebt.

Die Handlung ist ungewöhnlich für einen Liebesfilm und schwankt zwischen dramatischen Szenen, wirklich lustigen Momenten und herzerwärmenden Darbietungen. Die psychischen Probleme der beiden Hauptfiguren stehen dabei nicht im Mittelpunkt, sondern sind Teil der Charaktere – und das ohne diese zu Witzfiguren oder abstrakten Klischees verkommen zu lassen. Wirklich sehr schön und mit viel Feingefühl gelöst. Während des Abspanns fand ich es bereits schade diese Welt und ihre Figuren zu verlassen.

Zwar ist der Film nicht frei von Fehlern, doch auch wenn so manche Hinführung zu gewissen Ereignissen ein wenig Erzwungen wirkt, überwiegt bei weitem das gute Gefühl, das einem der Film gibt. Mehr als nur ein Silberstreifen am Horizont. Hinzu kommt der wunderbare – und für ihn ungewöhnliche – Score von Danny Elfman und ein perfekt gewählter Soundtrack, der die Stimmung des Films absolut passend untermalt. Kein Geheimtipp mehr, doch auf jeden Fall ein dicker Tipp: 9/10 Punkte.

Merida: Legende der Highlands – OT: Brave (2012)

Früher, d.h. vor den Kindern, hätte ich mir noch jeden Pixar-Film im Kino angesehen. Heute bin ich schon froh, wenn ich ihn zeitnah auf DVD bzw. Blu-ray nachholen kann. So bin ich auch recht spät in den Genuss von „Merida: Legende der Highlands“ gekommen. Aber die Kinder werden älter und somit rückt auch der erste gemeinsame Kinobesuch in greifbare Nähe – und was wäre da passender als ein Pixar-Film?

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Vom Trailer zu „Brave“ war ich begeistert. Nach „Cars 2“ endlich wieder ein Film, der ganz anders aussieht, als alles was Pixar bisher gemacht hatte. Die Kritiken waren größtenteils jedoch sehr verhalten und es wurde geschimpft, dass Pixar eigentlich nur einen typischen Disney-Film abgeliefert hat. Nach Schema F. Inklusive Prinzessin. Ich konnte und wollte das nicht glauben – und vielleicht liegt es auch daran, dass ich dem Film sehr viele positive Aspekte abgewinnen konnte. Merida eine typische Disney-Prinzessin? No way!

Zunächst einmal muss ich sagen, wie fantastisch ich es finde, dass der Trailer nur auf die ersten 20 Minuten des Films eingeht und der Rest völlig neu für Zuschauer ist, die spoilerlastige Kritiken vermieden haben. Weiterhin ist es bemerkenswert, dass Pixar mit „Merida: Legende der Highlands“ eine völlig neue Zielgruppe anspricht, als in seinen bisherigen Filmen. Es war ja stets so, dass die ganz Kleinen etwas aus dem Film mitnehmen konnten und es eine zusätzliche Ebene gab, auf der sich die Erwachsenen amüsieren konnten. „Brave“ vernachlässigt die ganz jungen Zuschauer beinahe völlig und stürzt sich mit Elan auf die Altersgruppe Teenager. Das hatte ich so nicht erwartet.

Wer nun Merdia mit x-beliebigen Disney-Prinzessinen vergleicht (so gerne ich diese auch mag), hat wohl einen anderen Film gesehen als ich. Hier geht es nicht um die Suche nach der großen Liebe, sondern um Selbstbestimmung, Mut und Erwachsenwerden. Im Zentrum des Films steht die Eltern/Kind- bzw. Mutter/Tochter-Beziehung und alles was in der zweiten Filmhälfte geschieht, ist eine Metapher für die zwangsweise Entfremdung in einem gewissen Alter, der Auseinandersetzung mit Traditionen und dem Zusammenprall der Wünsche und Vorstellungen von Kindern und Eltern. Sicher funktioniert das alles auch wunderbar als fantastischer Abenteuerfilm, doch diese zusätzliche Ebene macht aus Merida eben so viel mehr, als nur eine weitere Disney-Prinzessin.

Auch wenn ich etwas anderes erwartet hatte und der Film sicherlich nicht zu den besten Pixar-Werken gehört, so bin ich doch sehr positiv überrascht. Wie den zugehörigen Kurzfilm „La Luna“ werde ich auch „Brave“ – wenn die Zeit gekommen ist – gemeinsam mit meiner Tochter anschauen. Wenn schon eine Disney-Prinzessin, dann gerne eine wie Merida: 9/10 Punkte.

Cloud Atlas (2012)

Nachdem die letzte Nacht wieder einmal recht kurz war und der heutige Tag der Arbeit größtenteils zum Arbeiten genutzt wurde, war ich heute kaum noch in Stimmung für einen längeren Filmabend. Da meine Frau jedoch gerade die Vorlage beendet hat, bot sich die Sichtung von „Cloud Atlas“ an, der – nach anfänglichem Zögern – in den letzten Wochen mein Interesse geweckt hatte. Ob sich die knapp drei Stunden gelohnt haben und ob ich tatsächlich wach geblieben bin, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Literaturverfilmung und Tom Tykwer. Wer muss da nicht an „Das Parfum“ (übrigens meine erste Besprechung, die auf diesem Blog kommentiert wurde) denken? Doch „Cloud Atlas“ ist noch größer, noch epischer, noch internationaler angelegt, was sowohl an der Vorlage liegt, als auch daran, dass sich Tykwer den Regiestuhl mit den Wachowski-Geschwistern – ihres Zeichens für die „Matrix“-Trilogie verantwortlich – geteilt hat. Was ich von David Mitchells Roman wusste, fand ich eher anstrengend und so erwartete ich 180 Minuten, die meine volle Aufmerksamkeit fordern würden und von denen mich nur ein Bruchteil unterhalten könnte. Verkopftes Kunstkino, das man gesehen haben sollte, um mitreden zu können. Glücklicherweise lag ich mit meiner Einschätzung komplett daneben.

Während der ersten Szenen war ich zugegebenermaßen ziemlich verwirrt und froh jemanden mit Kenntnis des Romans neben mir zu haben. Doch bereits als man zum zweiten Mal in jeden Erzählstrang eintauchte, was bereits innerhalb der ersten 10 Minuten geschieht, hatten mich die Geschichten gepackt und – was noch erstaunlicher ist – ich habe dieses wilde Sammelsurium an Zeitsprüngen, Charakteren und Genres als eine funktionierende Geschichte gesehen. Hinzu kommt, dass von Verkopftheit oder erzwungenem Arthouse-Stil absolut nichts zu spüren ist. Man kann der Handlung eindeutig folgen, wird dennoch zum Mitdenken angeregt und das Wichtigste: Ich wurde blendend unterhalten.

Aufgrund der fragmentierten Erzählweise bekommt man alle paar Minuten ein neues Genre präsentiert: Drama, Komödie, Thriller, Sci-Fi und Fantasy geben sich die Klinke in die Hand. Leider kein Wunder, dass der Film kein großer Erfolg an der Kinokasse war. So etwas muss man dem breiten Publikum erst einmal verkaufen. Ich dagegen fand es toll. Ich mochte die Botschaft des Films, die Inszenierung, seine Sprunghaftig- und Lebendigkeit, ja selbst das nicht immer perfekte Make-up. Ein großes, fantastisches Filmexperiment, das – zumindest für mich – nahezu perfekt aufgegangen ist.

Ich könnte nun noch viel schreiben. Aktuell bin ich noch verzaubert von dem Filmerlebnis, das wohl noch ein paar Tage nachwirken wird. Es war nicht alles perfekt, doch habe ich bereits jetzt Lust mich noch einmal auf diese epische Reise zu begeben. Und ich will das Buch lesen. Am liebsten sofort. Kann es ein schöneres Kompliment für einen Film geben? Wer offen für Neues, nicht auf Genres festgelegt ist und keinen philosophischen Diskurs erwartet, den könnte „Cloud Atlas“ mindestens ebenso gut unterhalten, wie mich. Das wünsche ich euch: 9/10 Punkte.

The Cabin in the Woods (2011)

Obwohl es gestern Abend aufgrund eines langwierigen Kampfes mit den nicht schlafen wollenden Kindern eigentlich schon viel zu spät war, habe ich dennoch an meinem Plan festgehalten und mir endlich „The Cabin in the Woods“ angesehen. Immerhin soll es sich hierbei um die neue Offenbarung im Horrorgenre handeln, die von niemand geringerem als Joss Whedon geschrieben und produziert wurde – meine Vorfreude war folglich enorm. Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn es wirklich nicht einfach war, so gelang es mir doch größtenteils Spoiler zu vermeiden – leider nur größtenteils, denn ich hatte leider den Trailer gesehen und dieser liefert leider (wie eben so oft) viel zu viele Informationen. Danach hatte ich bis zur Sichtung gestern Abend lange Zeit mir meine eigene Geschichte zusammen zu reimen – und leider muss ich sagen, dass diese Kopfkino-Version gelungener war, als das was ich letztendlich zu sehen bekam. Sorry, Joss. Dabei fing alles so gut an und die erste Filmhälfte hält einige herrliche Szenen parat. Schon alleine der Epilog: Bradley Whitford („The West Wing“), Richard Jenkins („Six Feet Under“) und die bezaubernde Amy Acker („Angel“) liefern sich ein whedonesques Wortgefecht – was kann man mehr wollen?

Ich fand es herrlich, dass auch die typischen Opfer durchaus Charakter hatten und ihre stereotypen Eigenschaften erst durch die Puppenspieler verpasst bekommen haben. Besonders die Darstellung dieses ungewöhnlichen Bürojobs hat mir ausgezeichnet gefallen. Typische und nur allzu bekannte Bürothemen (z.B. Telefonat über Lautsprecher) wurden aufgegriffen und mit besonderem Twist erzählt. Herrlich! Zwar zeichnete sich schon in der ersten Filmhälfte ab, wohin sich die Geschichte bewegen sollte, doch insgesamt hatte ich zu diesem Zeitpunkt wirklich noch enorm viel Spaß mit dem Film.

Auch die zweite Filmhälfte war mit ihrer Monsteraction durchaus unterhaltsam, doch hätte ich mir hier weniger Splatter und mehr Inhalt gewünscht. Vielleicht war ich auch nur enttäuscht, dass Whedon nicht mein Kopfkino umgesetzt hatte. Auf jeden Fall fand ich den Grund für das ganze Spektakel extrem schwach. Opfergaben für irgendwelche alten Götter? Also doch nur ein weiteres Horrorklischee. Dabei hätte man so viel aus der Idee machen können. Ich hatte mir z.B. ausgemalt, dass die Puppenspieler für ein Filmstudio arbeiten, weil sich gezeigt hat, dass man mit echter Angst mehr Erfolg an der Kinokasse hat und jeder Horrorfilm seit Jahren auf diese Weise gedreht wird. Auch hatte ich erwartet, dass die Monster nur inszeniert sind und nicht eine echte Zombie-Redneck-Torture-Family usw. aus dem Hut gezaubert wird – insgesamt also mehr Spiel mit Fiktion, unserer Wahrnehmung des Genres und mehr Anspielungen auf die Filmbranche.

Insgesamt bin ich wohl tatsächlich etwas enttäuscht, wenngleich ich „The Cabin in the Woods“ auch nicht schlecht fand. Ein großer Spaß für Genrefreunde, denen ich jedoch zunächst „Tucker & Dale vs. Evil“ ans Herz legen würde. Nett, witzig und mit teils herrlichen whedonesquen Dialogen, doch weit davon entfernt der „Scream“ der 2010er Jahre zu sein: 7/10 Punkte.

Nachts im Museum 2 – OT: Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Nachts im Museum 2“ am 27. November 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie bei der Besprechung des ersten Teils angekündigt, habe ich heute – nach inzwischen knapp vier Jahren – Shawn Levys „Nachts im Museum 2“ nachgeholt. Eigentlich wären noch unzählige andere Filme im Regal gestanden, denen ich lieber den Vorzug gegeben hätte, doch Krankheit und Müdigkeit forderten exakt diese Art der seichten Unterhaltung ein…

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Nachts im Museum 2 (2009) | © 20th Century Fox

„Night at the Museum: Battle of the Smithsonian“ ist die typische Fortsetzung eines Erfolgsfilms: eine leicht veränderte Handlung, mehr Action und Effekte und ein erweitertes Ensemble. War bereits die Geschichte des ersten Teils nur Makulatur, so ergibt sich die Fortsetzung endgültig in ihr Spiel mit den lebendig gewordenen Ausstellungsstücken. Dies war nicht anders zu erwarten und hat mich auch nicht gestört, denn die Ideen sind nett, der Humor lädt zum Schmunzeln ein und das Herz irgendwie am rechten Fleck.

Einen deutlichen Pluspunkt kann die Besetzung mit Amy Adams verbuchen, die die Flugpionierin Amelia Earhart wunderbar charmant und übermütig verkörpert. Hank Azaria als Oberbösewicht ist zwar reichlich albern, doch sehe ich ihn einfach immer wieder gerne und auch hier macht er seine Sache wirklich gut. Die anderen Stars rund um Ben Stiller sind spielfreudig und lassen auch im zweiten Teil die 100 Minuten wie im Flug vergehen.

Letztendlich muss man auch „Nachts im Museum 2“ nicht gesehen haben, doch fand ich es zumindest schön abermals das Smithsonian zu besuchen – und für mehr Film hätte meine Aufmerksamkeit heute sowieso nicht mehr gereicht. Nett, harmlos und dennoch irgendwie unterhaltsam: 6/10 Punkte.

Moonrise Kingdom (2012)

Mit dieser Besprechung werde ich abermals den Unmut der filmischen Blogosphäre auf mich ziehen. Dabei war mir nach unzähligen Sichtungen des Trailers bereits im Vorfeld klar, dass ich eine weitere der üblichen Lobeshymnen schreiben würde. Ich wollte den Film lieben, doch leider hat mich „Moonrise Kingdom“ völlig kalt gelassen. Dabei hätte der märchenhafte Film rund um die erste Liebe aus Kinderperspektive bei mir doch ins Schwarze treffen müssen. Warum hat er es nicht?

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An Wes Andersons gewöhnungsbedürftigem Stil kann es kaum liegen, fand ich doch seinen weit seltsameren „The Life Aquatic with Steve Zissou“ großartig. Bei „Moonrise Kingdom“ hatte ich jedoch stets das Gefühl, Anderson hätte sich auf seinem artifiziellen Inszenierungsstil ausgeruht: noch eine ein bühnenhaftes Set, noch eine Einstellung in Zentralperspektive und noch einmal Bill Murray und Jason Schwartzman in absurden Rollen. Wir haben es ja verstanden. Die Geschichte an sich ist nett und hat einen emotionalen Kern, für den ich durchaus anfällig sein müsste, doch habe ich absolut keinen Zugang zu den Figuren gefunden. Zuviel künstlerische Spielerei, zu wenig Gefühl.

Einige Einzelszenen fand ich wunderbar anzusehen und wirklich unterhaltsam, z.B. das erste Kennenlernen, die Brief-Montage oder die Konfrontation mit den anderen Pfadfindern. Auch die Charaktere waren in ihrer verschrobenen Art amüsant, doch war die gefühlte Distanz zu groß, um mich auch nur annährend ernsthaft für sie zu interessieren. Der gesamte Film wirkt für mich, als hätte Anderson auf Teufel komm raus versucht der Geschichte seinen Stil aufzudrücken. Was bei „Die Tiefseetaucher“ wunderbar funktioniert hat, lässt mich hier zwar anerkennend nicken, doch mein Herz bleibt kalt.

Trotz meiner Kritik war der Film in seiner 60er Jahre Postkartenatmosphäre wunderschön anzusehen. Er hat mich oft schmunzeln lassen und ich musste Anderson für seine absurden Ideen loben, doch habe ich – und das ist für mich das Kriterium überhaupt – zu keiner Sekunde wirklich mitgefiebert oder war emotional in irgendeiner Weise involviert. Vielleicht war es der falsche Tag für den Film, vielleicht ist er auch einfach nicht mein Ding. Nett anzusehen, doch zu gewollt anders(on): 6/10 Punkte.

Rock of Ages – Extended Cut

Heute hätte ich schwören können, dass ich vor dem Fernseher einschlafe. Zu lange Arbeitstage, zu zermürbende Aufgaben und eine geballte Ladung Kinder am Feierabend. Vielleicht habe ich mich deshalb für die Musical-Verfilmung „Rock of Ages“ (gesehen im Extended Cut) entschieden. Obwohl mich der Film interessierte, waren meine Erwartungen aufgrund ziemlich mieser Kritiken nicht sonderlich hoch – doch was soll ich sagen? Ich bin noch wach und wurde bestens unterhalten…

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Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass man mit „Rock of Ages“ ein Musical sieht. Ein verfilmtes Musical und keine Dokumentation über die Rockmusik der 80er Jahre. Wie bei nahezu jedem Musical-Film sollte man deshalb – besonders wenn etliche Rollen von bekannten Filmstars besetzt sind – über eine gewisse Fremdschäm-Toleranz verfügen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Musicals nimmt sich der Film zu keiner Zeit ernst. Die dargestellten 80er Jahre sind eine überstilisierte Version dieses Zeit. Künstlich, cheesy und larger than life. Eine glorifizierte Erinnerung inklusive aller Klischees, die die 80er Jahre so mit sich bringen.

Was die Musik angeht, kann ich mich auch nicht beschweren. Selbst wenn Gitarrenmusik im weitesten Sinne zu meinen bevorzugten Genres zählt, so bin ich nicht der größte Fan von 80er Jahr Stadionrock. Dennoch kenne ich natürlich all die gespielten Songs und bin größtenteils mit ihnen aufgewachsen. Ja, sie sind überproduziert und natürlich klingen sie im Original besser, doch macht es unglaublich viel Spaß Tom Cruise, Alex Baldwin, Russell Brand, Catherine Zeta-Jones, Paul Giamatti usw. all die großen Hits performen zu sehen. Mit DON’T STOP BELIEVIN‘ endet der Film zudem mit einem meiner absoluten Lieblingssongs der Ära, was den Film noch einmal in ein positiveres Licht rückt.

Kritikpunkte gibt es – ganz objektiv gesehen – natürlich zuhauf. So ist das Drehbuch platter als eine Vinylscheibe und der Ausgang der Geschichte ist bereits ab der ersten Szene klar. Die beiden Hauptfiguren sind zudem nicht sonderlich charismatisch, aber weit nicht so schrecklich, wie ich das nach den teils bitterbösen Kritiken befürchtet hatte. Ebenso hat der Film im Mittelteil einige Längen, welche jedoch stets durch eine wunderbar inszenierte Musicalnummer unterbochen werden. Der Film ist somit alles andere als perfekt, doch hat er teils herrliche Dialoge, fantastische Songeinlagen – u.a. zwischen Alec Baldwin und Russell Brand das beste Liebesduett überhaupt – und großartige Darsteller, die sich zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen.

Auch wenn ich mit dieser Kritik vermutlich wieder Kopfschütteln in der filmischen Blogosphäre hervorrufe, so kann ich den Film doch nur wärmstens empfehlen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Wenn also auch ihr nur annähernd etwas mit der Rockmusik der späten 80er Jahre, Musicals an sich und sowohl kitschigem als auch selbstironischem Pathos anfangen könnt, dann solltet ihr eure Luftgitarren auspacken und „Rock of Ages“ eine Chance geben – das hat der Film mehr als verdient: 8/10 Punkte.

Der Gott des Gemetzels – OT: Carnage (2011)

Gestern noch im Theater gewesen und ein beeindruckende und famos gespielte Aufführung von John Donnellys „The Knowledge“ gesehen und heute Abend tatsächlich ein ähnliches Erlebnis gehabt: Roman Polanskis Verfilmung von Yasmina Rezas Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ war für mich beinahe ebenso intensiv und in der Kombination aus Komik und Gesellschaftskritik auch inhaltlich verwandt. Ob die filmische Umsetzung dem Stück gerecht wurde?

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Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich begeistert bin, endlich einmal wieder einen aktuellen Film mit einer Laufzeit unter 90 Minuten gesehen zu haben. Was vor 10 Jahren noch völlig normal war, ist heute schon eine Seltenheit – laufen doch selbst ganz simple Komödien meist nicht unter 120 Minuten. Davon einmal abgesehen wirkt das Kammerspiel alles andere als klein und man muss neidlos zugeben, dass Polanski jeden nur erdenklichen Kniff versucht hat, das Stück besonders filmisch umzusetzen. Somit fühlt man sich stets, als wäre man selbst in der Wohnung der Longstreets am Brooklyn Bridge Park gefangen und könnte der peinlichen Zusammenkunft ebensowenig entkommen, wie die Charaktere.

Ob es für die Umsetzung vier so bekannte Schauspieler und etliche Kameraspielereien gebraucht hätte? Ich vermute nicht. Doch hätte „Der Gott des Gemetzels“ dann wahrscheinlich nicht die Presse bekommen, die ihn letztendlich auch erst in mein Bewusstsein rückte – und zugegeben: Es ist schon famos mit anzusehen, wie sich Jodie Foster, John C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz aufstacheln, anzicken und letztendlich ganz offen bekriegen. Ein Schauspielerfilm, der durch diese eben auch ganz besondere Schauwerte bietet.

Inhaltlich ist der Film sehr gelungen, wenngleich es auch keine großen Überraschungen gibt. Von Anfang an ist klar, dass sich die Kinder der beiden ach so zivilisierten Elternpaare – und der Epilog sollte diese Annahme bestätigen – wahrscheinlich schon längst wieder vertragen haben, während im Wohnzimmer der Longstreets die Fetzen fliegen. Doch es geht eher um die Details der Eskalation und in diesen werden schmerzlich komische Wahrheiten seziert, die – natürlich maßlos übersteigert – dann auch ins Schwarze treffen.

Mich hat „Der Gott des Gemetzels“ ziemlich gut unterhalten, wenngleich ich das Apartment auch ganz gerne verlassen hätte. Doch genau darum geht es wohl in dem Film. Wer unsere Stars einmal in einer etwas anderen Rolle sehen möchte und Kammerspielen nicht abgeneigt ist, der sollte sich diesen Film auf jeden Fall anschauen. Nach den 80 Minuten wird man auf jeden Fall froh sein, nicht Teil dieses Gesprächs gewesen zu sein – zumindest vorerst, denn wer weiß in welche Situationen man durch die eigenen Kinder einmal kommt? Ein herrlich unangenehmes Vergnügen: 8/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS3)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Nachdem ich vergangenes Jahr nicht dazu gekommen bin, „Schöne Bescherung“ zu sehen, war es in diesem Jahr – immerhin ist in drei Tagen schon Weihnachten – höchste Zeit sich wieder mit den Griswolds auf die Feiertage einzustimmen. Somit katapultiert sich der Film auch unangefochten auf den ersten Platz, der in diesem Blog am häufigsten besprochenen Filme. Und auch diese Sichtung war bestimmt nicht die letzte…

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Nachdem ich „Christmas Vacation“ das letzte Mal in der, was der größeren Runde an Zuschauern geschuldet war, synchronisierten Fassung gesehen habe, stand in diesem Jahr natürlich wieder die Originalfassung auf dem Programm. Wie bei jeder Sichtung hatte ich im Vorfeld wieder ein wenig Sorge, dass mich die nur allzu bekannte Geschichte ein wenig langweilen könnte, doch weit gefehlt: Der dritte Film der Griswold-Saga hat mich erneut wunderbar unterhalten. Nahezu jede seiner beinahe schon episodisch angelegten Szenen ist beste Comedy. Ob nun Slapstick oder Wortwitz, der Film treibt den vorweihnachtlichen Wahnsinn stets gekonnt auf die Spitze.

Neben seinen komischen Qualitäten, war ich auch wieder beeindruckt, wie gut es „Schöne Bescherung“ gelingt bei mir Weihnachtsgefühle aufkommen zu lassen. Dies ist bestimmt größtenteils meiner persönlichen Vergangenheit mit dem Film – immerhin begleitet er seit inzwischen schon 20 Jahren – geschuldet, doch eben auch der Tatsache, dass Clark Griswold einmal wieder nur das Beste für seine Familie will. In diesem Fall steht das perfekte Weihnachtsfest auf dem Programm.

Ich muss gar nicht mehr schreiben, da der Film seine Fans ja ohnehin schon längst gefunden hat. Wer dagegen bisher nichts mit ihm anfangen konnte, wird sich sowieso lieber an anderen Weihnachtsklassikern erfreuen. Für mich gehört „Christmas Vacation“ jedoch zur Vorweihnachtszeit, wie kein zweiter Film: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm