Das Reich der Sonne – OT: Empire of the Sun

Steven Spielberg gehört für mich zu den größten Regisseuren aller Zeiten. Kaum ein anderer versteht es die verschiedensten Zuschauertypen – vom Cineasten bis zum Gelegenheitskinogänger – gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen. Zudem mag ich die – oft kritisierte –  Bedeutung der Familie und die damit verbundene Hoffnung, die sich wie ein roter Faden durch all seine Filme zieht. Umso gespannter war ich deshalb auf „Das Reich der Sonne“ – einen der letzten mir unbekannten Filme des Regisseurs. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

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In „Das Reich der Sonne“ erleben wir die Wirren des Krieges aus den Augen eines 11jährigen Jungen. Welche Perspektive könnte besser sein um das Unbegreifliche begreifbar zu machen? Der Film hebt sich dadurch auch von allen anderen Antikriegsfilmen ab. Ihn als solchen zu bezeichnen wäre sowieso falsch. Spielberg zeigt eine Reise. Eine Reise von der Kindheit zum Erwachsenwerden. Eine Reise, die Jamie Graham – aufgrund der äußeren Umstände – viel zu schnell durchleben muss.

Der Junge wird nicht von irgendeinem (heute unbekannten) Schauspieler gespielt: Er wird vom – damals gerade einmal – 13jährigen Christian Bale („Batman Begins“) verkörpert. Dieser liefert eine unglaubliche Leistung. Fantastisch. Eindringlich. Großartig. Ich bin schwer begeistert. Der von mir stets gern gesehene John Malkovich spielt Basie, einen Glücksritter, der sich dem Jungen – zumindest zeitweise – annimmt. Ansonsten ist mir besonders Ben Stiller in einer kleinen Nebenrolle aufgefallen. Man merkt an den Schauspielern, dass der Film doch schon 19 Jahre auf dem Buckel hat. Ansonsten weist er glücklicherweise noch keine Alterungserscheinungen auf – so wie eigentlich alle Filme Spielbergs.

Neben der toll erzählten Geschichte, den beeindruckenden Bildern und den grandiosen Schauspielern sticht besonders der wunderschöne Score von John Williams hervor. Das Gesamtbild, das sich durch all diese Faktoren ergibt, ist rund und macht „Das Reich der Sonne“ zu einem äußerst sehenswerten – wenngleich auch nicht allzu bekannten – Film für alle Freunde Spielbergs.

Ich bin schwer begeistert und hoch erfreut spät – aber dennoch – auf diese Perle gestoßen zu sein. Das schöne 2-DVD-Set gibt es zur Zeit übrigens für knappe 5 Euro. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld. Dies war garantiert nicht meine letzte Sichtung: 9/10 Punkte.

Batman Begins (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Januar 2011 veröffentlicht.

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Christopher Nolans „Batman Begins“ anzuschauen. Die klassischen Tim Burton-Filme um den schwarzen Ritter haben mir recht gut gefallen, wenngleich die letzte Sichtung auch schon ewig zurückliegt und ich damals mit der düsteren Welt noch nicht so viel anfangen konnte, wie es heute wohl der Fall wäre. Joel Schumachers Versuche habe ich irgendwann einmal im TV verfolgt und glücklicherweise bereits wieder vergessen. Umso höher waren nun die Erwartungen für die aktuelle Adaption, zumal Christopher Nolan mit „Memento“ einen der interessantesten Filme der jüngeren Filmgeschichte abgeliefert hat. Von den überschwänglichen Kritiken einmal ganz zu schweigen.

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„Batman Begins“ setzt da an, wo der Titel vermuten lässt: Am Anfang. Man ist als Zuschauer live dabei, wenn Bruce Wayne zum mystisch angehauchten Superhelden aufsteigt. Wenn er sein Fledermaus-Trauma durchlebt. Wenn seine Eltern umgebracht werden. Nolan erzählt diese Gestaltwerdung in größtenteils ruhigen, doch eindringlichen Bildern. Im Mittelpunkt steht klar Bruce Wayne und seine innere Zerrissenheit. Es vergeht beinahe eine Stunde bis der Held das erste Mal sein Kostüm überstreift und das ist auch gut so. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film neu, spannend, großartig.

Ab der Verwandlung begibt sich Nolan wieder auf ausgetretenere Pfade: Batman kicks ass! Und das macht er besser denn je. Ich hatte das Gefühl das alles schon einmal in abgewandelter Form gesehen zu haben. Das Besondere des ersten Teils hat irgendwie gefehlt. Dennoch ist auch die weitere Geschichte spannend und äußerst unterhaltsam. Nur mit der Verfolgungsjagd im Batmobil wurde es meiner Meinung nach etwas übertrieben. Das Ende des Films ist dann mehr als befriedigend und breitet bereits die Geschichte des zweiten Teils vor den Füßen der Zuschauer aus: The Joker is back!

Erstaunt hat mich die Vielzahl an Stars, die in dem Film mitwirken. Christian Bale liefert einen grandiosen Bruce Wayne/Batman. Sein Spiel ist nuanciert und bringt eine enorme Tiefe in die bekannte Figur. Michael Caine gibt als Albert eine tolle Vaterfigur ab und ist mehr als reine Staffage. Ebenso Katie Holmes, bei der ich allerdings immer das Problem haben werde, sie als kleine Joey Potter aus „Dawson’s Creek“ zu sehen. Überraschend waren für mich die Auftritte von Morgan Freeman, Gary Oldman und besonders Rutger Hauer. Liam Neeson darf auch nicht vergessen werden, der am Ende gegen seinen bekannten Rollentypus anspielt. Eine wahrlich runde Sache.

Mir hat „Batman Begins“ gestern wirklich viel Spaß bereitet, wenngleich ich mich auch nicht so stark mit der Figur identifizieren kann, wie z.B. mit „Spider-Man“. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Fortsetzung, bei der wir anscheinend einen herrlich fiesen Joker erleben dürfen. Hierfür gibt es erst einmal 8/10 Punkte.

Brick (2005)

Gestern Abend gab es wieder einmal einen Film, der mich bereits im Kino sehr interessiert hätte: Mein diesjähriges Ostergeschenk „Brick“. Rian Johnsons Kinodebut hatte mich bereits mit seinem wunderbaren Trailer gefangengenommen. Mysteriös und anders. Ungewöhnlich und fremd – und doch irgendwie vertraut. Umso gespannter war ich bei der gestrigen Sichtung, wie denn wohl der Film hinter dem Trailer aussehen wird, den ich bereits unzählige Male gesehen hatte.

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„Brick“ ist eine klassische Detektivgeschichte. Ein Film noir par excellence. Sprache, Lichtstimmung, Kameraführung. Alles scheint der Hochzeit der Schwarzen Serie entsprungen. Doch „Brick“ ist anders. Die Handlung ist an einer amerikanischen Highschool angesiedelt. Hauptfiguren sind allesamt Schüler. Rian Johnson gelingt hier das Unglaubliche: Er schafft es beide Elemente mit einer Ernsthaftigkeit zu verbinden, die ihresgleichen sucht. An einigen wenigen Stellen droht der Film in die Parodie zu rutschen (z.B. Mutter von Pin), doch der Film reißt sich stets im letzten Moment zusammen und kriegt die Kurve. Die Atmosphäre, die der Film verbreitet, ist wirklich grandios. Muss man gesehen haben.

Die Geschichte selbst hätte ohne Probleme in die Erwachsenenwelt verlagert werden können. Entfernt man die inszenatorischen Feinheiten und die besondere Situation, bleibt letztendlich eine typische Film noir Kriminalgeschichte übrig. Diese ist stets interessant, doch letztendlich weit weniger mysteriös und überraschend, wie uns der Film das teils glauben machen mag. Hier war ich gegen Ende beinahe etwas enttäuscht, wenngleich Johnson natürlich seiner Linie treu geblieben ist und auf neumodischen Schnickschnack weitgehend verzichtet wurde.

„Brick“ ist wahrlich faszinierend. Auch was seine Entstehungsgeschichte angeht: So hat der Regisseur sein eigenes Drehbuch verfilmt. Das Geld dafür hat er von Verwandten und Bekannten zusammengekratzt. Letztendlich sind ca. 500.000 Dollar zusammengekommen. Wirklich grandios, dass solch ein kleines Meisterwerk für diesen Betrag entstehen kann. Meine Hochachtung an Rian Johnson. Man merkt dem Film sein niedriges Budget zu keiner Zeit an. Es gibt bekannte Schauspieler zu sehen: Joseph Gordon-Levitt kennt man evtl. aus „Hinter dem Mond gleich links“ (OT: „Third Rock from the Sun“), Nora Zehetner aus „Heroes“ und Emilie de Ravin aus „Lost“. Auch der Score ist fantastisch und beschwört eine ganz eigene Atmosphäre herauf. Audiovisuell ist der Film wahrlich eine Pracht.

Ich kann „Brick“ nur weiterempfehlen. Es ist ein ungewöhnliches Erlebnis. Kann man sich allerdings darauf einlassen, wird man garantiert belohnt werden. Es sollte mehr solcher Filme geben, die vom Mut, dem Engagement und der Kreativität seiner Macher zeugen: 9/10 Punkte.

American Beauty (1999)

Zum Abschluss des langen Filmsonntags, hat sich gestern noch ein DVD-Abend mit Sam Mendes „American Beauty“ ergeben. Mit der ersten Sichtung des Films verbinde ich einige ganz besondere Momente und auch die noch folgenden haben den Film zu etwas Besonderem gemacht. Auch gestern habe ich wieder festgestellt, dass kaum ein Film komischer, ernsthafter, optimistischer, deprimierender, fröhlicher und trauriger zugleich daher kommt. Kurzum: Ein Meisterwerk.

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Die Geschichte von Lester Burnham – genial verkörpert von Kevin Spacey – mag wie eine Satire auf den uramerikanischen way of life erscheinen. Die typischen Vorstädte, verbohrter Patriotismus und konservatives Gedankengut. Doch „American Beauty“ ist viel mehr. Wer kann sich nicht mit Lester identifizieren? Wer hat nicht bereits einen Lebensweg eingeschlagen, der irgendwie endgültig erscheint? Der Film treibt diese Ängste auf die Spitze und wirkt doch jederzeit real und nachvollziehbar, was zu großen Teilen den wirklich fantastischen Schauspielleistungen aller Beteiligten zuzuschreiben ist.

Die gewählte Erzählform ist interessant und außergewöhnlich. Durch die Vorwegnahme des Endes wird keineswegs Spannung herausgenommen. Sie wird eher gefördert. Ein stetiges, beunruhigendes Erwarten liegt den gesamten Film über in der Luft. Dazwischen gibt es unzählige wirklich komische Szenen, die teilweise so beängstigend treffend und zielsicher sind, dass einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt. Das große Finale ist ein Meisterstück der Montage: Zugleich traurig und hoffnungsvoll. Selbst nach der – ich weiß nicht wievielten – gestrigen Sichtung, war ich noch lange in der Gedankenwelt des Films gefangen. Das schaffen nicht viele Filme.

Die Inszenierung ist perfekt. Kamera, Score, Montage. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen. Ein für ein Kinodebut in jeder Hinsicht beeindruckender Film. Und nicht nur dafür. Der Film macht nachdenklich. Ob man nicht auch selbst etwas mehr leben sollte. Ob man zufrieden ist. Nach der Sichtung gestern war ich es: 10/10 Punkte.

Die Passion Christi – OT: The Passion of the Christ

Pünktlich zu Ostern kommt Mel Gibsons kontrovers diskutiertes Bibeldrama „Die Passion Christi“ als TV-Erstausstrahlung natürlich zur richtigen Zeit. Auch für mich, denn mich hat schon länger interessiert, was denn nun dran ist, an dem oft als skandalös bezeichneten Werk.

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Vorausschicken sollte ich, dass ich durchaus gläubiger Christ bin, wenngleich ich mit der Kirche selbst nicht allzu viel anfangen kann. Ebenfalls muss ich über so manch in der Bibel geschildertes Ereignis eher schmunzeln, als dass es in mir ein Gefühl der Erfurcht auslöst. Vielen Dingen stehe ich folglich eher skeptisch gegenüber, wenngleich ich mir sicher bin, dass Gott in irgendeiner Form existiert. Ob Jesus – und damit Gottes Sohn – nun wirklich so, wie in der Bibel überliefert, auf Erden gewandelt ist, darüber mag ich mir kein Urteil erlauben. Dennoch glaube ich, dass auch hier ein wahrer – historischer – Kern zugrunde liegt.

Ich habe versucht an den Film möglichst objektiv heranzugehen, wenngleich ich mir eigentlich sicher war, ihm nicht sonderlich viel abgewinnen zu können. Letztendlich hat es mich überrascht, wie mitreißend Gibson die Darstellung von Jesus letztem Gang doch gelungen ist. Rein inszenatorisch erinnert der gesamte Film an die letzten Minuten von „Braveheart“. Es wird in Zeitlupe gefoltert, es gibt Großaufnahmen des Leidenden und der Schmerz wird fast körperlich spürbar. Unterbrochen wird die Folterorgie durch Rückblenden, die eine emotionale Bindung herstellen. Was die Folterszene in „Braveheart“ zu einer der eindringlichsten des gesamten Films gemacht hat, verliert hier etwas an Wirkung. Teils konnt ich zwar fast nicht mehr hinsehen, doch wurden das körperliche Leiden und der Sadismus der Wachen zu sehr in den Vordergrund gerückt. Meiner Meinung nach hätte man auf eine ausgewogenere Mischung von Rückblenden und dem Leidensweg setzen sollen. Die gewählte Erzählform an sich weiß nämlich durchaus mitzureißen.

Teils habe ich das Gefühl gehabt die Verfilmung eines Romans zu sehen, den ich seit Kindestagen nicht mehr gelesen habe. Viele Zitate und Begebenheiten sind mir aus dem Religionsunterricht noch sehr präsent gewesen und es war teils wirklich interessant diese perfekt inszeniert auf dem Bildschirm zu sehen. Diese perfekte Inszenierung ist gleichzeitig jedoch auch ein Manko des Films. Gibson wollte – nach eigener Aussage – den Leidensweg Christi so darstellen, wie er sich zugetragen hat. Gegen dieses Vorhaben spricht allerdings die viel zu emotionale Art der Inszenierung. Es wird in Bildern geschwelgt, es gibt unzählige Zeitlupenaufnahmen, die Montage ist sehr manipulativ usw. Der Film wirkt für seinen Inhalt technisch zu perfekt. Andererseits wüsste ich auch nicht, wie man diesen Anspruch hätte besser umsetzen können. Dokumentarstil? Ohne emotionale Inszenierung? Ich weiß es nicht.

Die letzte große Frage, die sich mir stellt: War es überhaupt nötig diesen letzten Abschnitt aus Jesus Leben in dieser emotionalen Detailversessenheit zu zeigen? Ich bin mir nicht sicher. Andererseits: Welcher Film ist schon nötig? Insgesamt lässt mich Gibsons Werk recht unschlüssig zurück. Der Film konnte mich durchaus packen, selbst die Gewaltdarstellung finde ich gerechtfertigt. Allerdings hätte man die Geschichte inhaltlich ausgewogener erzählen können, denn dann wäre die emotionale Bindung auch mit weniger Gewaltszenen vorhanden gewesen und man hätte sich nicht allein auf den Schockeffekt und das Mitgefühl der Zuschauer verlassen müssen.

Es wäre bestimmt interessant zu wissen, wie bibelfeste und sehr gläubige Menschen den Film aufnehmen. Ebenso wie Menschen ohne Glauben, für die das Gesehene wohl jeglicher Grundlage entbehrt. Ich selbst bereue die Sichtung nicht, wenngleich der Film für mich auch etwas schwierig zu greifen ist. Deshalb wollte ich eigentlich auch auf eine Bewertung nach der klassischen Punkteskala verzichten. Doch letztendlich handelt es ja nur um einen Film. Die Umsetzung einer Geschichte. Und als diese ist der Film – trotz Schwächen und seiner besonderen Position – durchaus mitreißend und in starken Bildern erzählt, wenngleich ich es wohl bei dieser einen Sichtung belassen werde: 7/10 Punkte.

Pans Labyrinth – OT: El Laberinto del Fauno (2006)

Vorgestern Abend habe ich mir endlich Guillermo del Toros „Pans Labyrinth“ angesehen. Ich hatte ja eigentlich schon befürchtet, dass der Film bereits wieder aus den Kinos verschwunden ist, doch dem war glücklicherweise nicht so. Del Toros jüngstes Werk hatte mein Interesse bereits mit den ersten Teasern geweckt. Dem folgten sehr gute Kritiken und eine Oscarnominierung. Auch wenn sich der Film letztendlich dem deutschen Beitrag geschlagen geben musste, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass dieser das vorgestern gesehene Meisterwerk wirklich zu übertreffen vermag.

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Entgegen den – teils durch das Marketing geweckten – Erwartungen ist „Pans Labyrinth“ kein reiner Fantasyfilm. Eher ein Drama. Ein Film über das Erwachsenwerden. Er ist brutal. Abscheulich. Grausam. Wunderschön. Einfühlsam. Fantastisch. Den Film in irgendeine Ecke zu drängen wäre ein Fehler. Jedoch ist er auch kein klassischer Genremix. Del Toros Film ist ausgewogen, er wirkt wie aus einem Guss. Da gibt es keine Elemente, die Fehl am Platz wirken. Keine gezwungen lustigen Sequenzen. Die rohe Brutatität der Welt ist stets spürbar. Selbst in den Traumwelten von Ofelia (grandios: Ivana Baquero), einem Mädchen das bereits in jungen Jahren mehr Grausamkeiten erleben muss, als so manch anderer in seinem ganzen Leben.

Die erzählte Geschichte ist in ihrer Gesamtheit wirklich wunderschön. Wunderschön und zutiefst traurig. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit solch einem Kloß im Hals im Kino gesessen habe. Dennoch gibt es Hoffnung. Diese findet Ofelia in der eigenen Fantasie. Das Ende wirkt demnach trotz allem hoffnungsvoll. Ofelia hat die richtige Entscheidung getroffen und ihren Bruder vor dem Hauptmann gerettet. Ein Teil von ihr lebt demnach weiter. Der letzte Ausflug in ihr Königreich ist für sie der Aufbruch in eine bessere Welt. Dennoch wird dadurch die Trauer nicht negiert. Ein wunderschönes und zugleich tieftrauriges Ende für einen grandiosen Film.

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die mehrere Interpretationsmöglichkeiten anbieten, macht es „Pans Labyrinth“ seinen Zuschauern nicht künstlich schwer. Man muss sich nicht irgend eine Erklärung aus den Fingern saugen, um auf eine schlüssige Lösung zu kommen. Die Geschichte ist eindeutig – und doch lässt sich nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass Ofelia sich nur in ihre Traumwelten geflüchtet hat. Dieser Hauch von Ungewissheit macht einen großen Teil der Faszination des Films aus.

„Pans Labyrinth“ ist ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben der grandiosen Erzählung bietet er fantastische Schauspieler, grandiose Bilder und Effekte, sowie einen eindringlichen Score, der jedoch nie aufdringlich wirkt. Für mich jetzt schon ein Meisterwerk – und das kann ich nach Erstsichtungen meist noch nicht über einen Film sagen: 10/10 Punkte.

The Cooler: Alles auf Liebe (2003)

Nachdem ich den Film vor einigen Jahren bereits auf dem Fantasy Filmfest verpasst hatte und die DVD seit einiger Zeit ungesehen im Regal steht, habe ich gestern endlich „The Cooler“ gesehen. Regisseur Wayne Kramer ist mir vor einiger Zeit durch seinen visuell und inhaltlich interessanten Thriller „Running Scared“ aufgefallen. Umso gespannter war ich, wie er wohl eine eher ruhig anmutende Liebesgeschichte umzusetzen vermag.

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In „The Cooler“ stehen die Menschen im Vordergrund. Allen voran die titelgebende Figur des Bernie Lootz und mit ihm William H. Macy, der ewige Nebendarsteller. Hier bekommt er endlich eine Hauptrolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert scheint. Seine Darstellung ist wirklich grandios. Besonders im Zusammenspiel mit Maria Bello. Beide Figuren ergänzen sich perfekt und die Schauspieler wissen die ungewöhnliche Liebesgeschichte glaubwürdig zu verkaufen.

Die Inszenierung trägt ihren teil zur Glaubwürdigkeit bei. Allein die Sexszene ist alles andere als romantisch oder perfekt choreographiert. Sie wirkt roh, unbeholfen und – ja eben – glaubwürdig. Wirklich schön gemacht – wie eigentlich alle Szenen, bei denen Macy und Bello im Mittelpunkt stehen. Die restlichen Darsteller können zwar auch überzeugen (wie z.B. der immer gern gesehene Alec Baldwin), doch bleiben deren Charaktere – im Gegensatz zu den Hauptfiguren – eher etwas blass.  Dies liegt zu großen Teilen leider an der etwas unausgewogenen Handlung des Films.

Im Mittelpunkt stehen eindeutig der Cooler und seine Liebesgeschichte. Die restliche Handlung ist durchsetzt mit Versatzstücken des Gangsterfilms à la Scorsese, welche meiner Meinung nach teilweise wie Fehlkörper in der Geschichte wirken. Auch die Szenen mit Bernies Sohn erscheinen meiner Meinung nach etwas aufgesetzt. Da hätte noch einiges an Arbeit in den Feinschliff des Drehbuchs gesteckt werden müssen.

„The Cooler“ ist ein Charakterfilm. Als dieser funktioniert er auch ganz vorzüglich. Die Inszenierung ist ruhig und weit weniger verspielt, als in Krames Folgewerk. Nur die Geschichte kann meiner Meinung nach nicht voll und ganz überzeugen. Trotzdem ein wirklich sehenswerter Film: 7/10 Punkte.

Master and Commander: Bis ans Ende der Welt – OT: Master and Commander: The Far Side of the World (2003)

Manche Filme wecken das Interesse. Allerdings nicht genug. Zu diesen zählt Peter Weirs „Master and Commander: Bis ans Ende der Welt“. Die DVD steht nun bestimmt schon ein Jahr ungesehen im Regal. Ich hatte sie schon oft in der Hand, habe mich jedoch stets für einen anderen Film entschieden. Doch gestern war es endlich soweit. Und wie das oft ist mit Filmen, deren Sichtung man immer wieder verschiebt, wurde ich überrascht – und das durchaus positiv!

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„Master and Commander“ ist ein klassischer Historienfilm. Leider wird er nie mit den sonstigen (modernen) Genregrößen („Gladiator“ etc.) genannt. Dabei hätte er es wirklich verdient. Der einzige Unterschied zu den anderen großen Epen: Der Handlungsraum wird auf ein Segelschiff begrenzt. Das Leben auf diesem wird akribisch genau dargestellt. Es ist dreckig, ungemütlich und fordernd. Die Crew ist bunt zusammengewürfelt und wird nur durch ihren Captain zusammengehalten. Dieser wird von Russell Crowe meisterlich verkörpert. Crowe ist einer der Darsteller, mit denen ich eigentlich nichts anfangen kann. Sicher macht er seine Sache meist gut, aber er ist mir weder sympathisch, noch fand ich seine Leistungen bisher besonders herausragend. Für die Rolle des Capt. Jack Aubray ist er aber eindeutig die perfekte Wahl. Sein Gegenpart – Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin – wird ebenso grandios von Paul Bettany verkörpert. Beide Figuren harmonieren auf eine interessante Art und Weise. Die Beziehung bildet das Zentrum des Films und stellt die Bindung zum Zuschauer her.

Die Geschichte ist simpel: Die Surprise soll die französische Fregatte Acheron abfangen und unschädlich machen. Leichter gesagt als getan, denn die Acheron ist das deutlich stärkere Schiff. Nach der beeindruckenden Anfangssequenz beginnt eine Jagd auf Leben und Tod, während der sich weitere Handlungsstränge entwickeln, die das Leben auf dem Schiff beschreiben und teils doch von essentieller Bedeutung für die Haupthandlung sind. Schön gemacht. Stets interessant und nie beiläufig erzählt.

Inszenatorisch ist der Film eine Wucht. Man wähnt sich teils wirklich auf dem Schiff und fühlt das Meer um sich herum. Auf Spielereien verzichtet Peter Weir glücklicherweise, denn die klassiche Inszenierung trägt den Film perfekt. Durch die feine Chrarakterarbeit ist die Identifikation stets gegeben. Trotz der enormen Anzahl an Figuren auf dem Schiff wird es für den Zuschauer nie unübersichtlich oder uninteressant. Eine Tatsache, die nicht jeder Historienfilm von sich behaupten kann.

„Master and Commander“ ist ganz großes Kino. Interessant und unterhaltsam. Audiovisuell eine Bombe. Ich bin schwer beeindruckt von der Leistung aller Beteiligten: 9/10 Punkte.

Das Phantom der Oper – OT: The Phantom of the Opera

2001 hat Baz Luhrmann mit „Moulin Rouge“ bewiesen,  dass Musicals das Medium Film voll und ganz ausnutzen können. Drei Jahre später hat Joel Schumacher versucht, Andrew Lloyd Webbers Musicalklassiker „Das Phantom der Oper“ ähnlich aufwendig und filmisch auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis kommt zwar nicht an Luhrmans Meisterwerk heran, weiß aber dennoch zu begeistern.

Mit Musicals ist das so eine Sache. Entweder man kann ihnen etwas abgewinnen, oder nicht. Ich gehöre zu der ersten Gruppe. „Das Phantom der Oper“ habe ich bis jetzt allerdings noch nicht auf der Bühne gesehen. Doch kenne ich die meisten Songs in und auswendig, da ich als Kind Heimorgelunterricht hatte, in dem ich alles von Andrew Lloyd Webber – von „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“, über „Cats“ und „Starlight Express“, bis hin zu „Das Phantom der Oper“ – rauf und runter gespielt habe. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Seitdem sind viele Jahre vergangen und doch habe ich bei der gestrigen Sichtung die meisten Stücke wiedererkannt.

Joel Schumachers Film beginnt – ähnlich wie „Moulin Rouge“ – mit einem Bilderrausch. Wirklich beeindruckend, was da auf die Leinwand gezaubert wird. Der weitere Verlauf ist ähnlich bunt und aufwendig, wenngleich er auch viele klassischere Szenen beinhaltet. Man merkt teils eben doch, nur eine Bühnenadaption zu sehen. Auch – oder gerade – in den gesungenen Sequenzen. Meist sind diese wirklich gelungen und überzeugen mit einer tollen Choreographie und Inszenierung. Zu Musicals gehört einfach eine epische larger than life Inszenierung, weshalb der Gesang gerade in den einfachen Szenen etwas befremdlich wirkt. Auch manche Handlungen sind übertrieben theatralisch und zeugen von der Bühnenherkunft.

Insgesamt ist Schumachers „Das Phantom der Oper“ – trotz einiger Schwächen – wirklich gelungen. Ein audiovisueller Bilderrausch, der meist voll und ganz zu überzeugen weiß. Natürlich sollte man etwas für Musicals übrig haben, denn wenn man die Musik und die überschwängliche Inszenierung wegnimmt, bleibt nicht mehr viel übrig. Doch dafür ist es schließlich ein Musical: 8/10 Punkte.

Syriana (2005)

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Stephen Gaghans „Syriana“ anzusehen. Der Film hat mich hauptsächlich aufgrund seiner Thematik interessiert, wenngleich auch seine Präsenz bei den Acadamy Awards 2006 zum gesteigerten Interesse beigetragen hat.

Im Vorfeld waren viele Stimmen zu hören, die den Politthriller als langweilige Kopie von Soderberghs „Traffic“ dargestellt hatten. Sicherlich ist eine gewisse strukturelle und inszenatorische Verwandschaft nicht zu leugnen. Gaghan hat schließlich die Drehbücher zu beiden Filmen geschrieben. Zudem handelt in beiden Fällen um Politthriller, die ähnlich wie Robert Altmans Klassiker „Short Cuts“ aufgebaut sind. Dennoch ist „Syriana“ weit davon entfernt eine Kopie zu sein. Geschweige denn langweilig.

Den Inhalt hier wiederzugeben, würde wohl den Umfang des Eintrags sprengen. Zudem muss ich zugeben, bei der gestrigen Sichtung bestimmt nicht alle Details der komplexen Korruptionsgeschäfte mitbekommen zu haben. Der Film ist komplex. Sehr komplex. Man muss wirklich aufpassen, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt eine Vielzahl an Figuren und noch mehr Hintermänner, die nur kurz in Erscheinung treten und doch von äußerster Wichtigkeit für die Handlung sind. Dabei bleibt „Syriana“ über weiter Strecken dennoch übersichtlich, spannend und erschütternd.

Die Geschichten gipfeln in einem Höhepunkt, der von den Figuren in den vorangehenden beinahe zwei Stunden detailliert vorbereitet wird. Welten treffen aufeinander. Ideologien. Letztendlich geht es jedoch um Geld und Macht. Die Stärke von „Syriana“ ist, dass die Figuren dem Zuschauer doch ziemlich schnell ans Herz wachsen. Sicherlich ist das bei der Vielzahl an Charakteren und der begrenzten Laufzeit nur bedingt möglich, doch gerade unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen, zeigt sich die wahre Stärke des Films. So hat mich der Tod des Jungen doch sehr berührt und auch die Folter des CIA-Agenten fand ich in seiner Intensität weit grausamer, als die gesamten Folterszenen in „Saw III“.

„Syriana“ ist ein wirklich toller Film, der zum Nachdenken anregt. Trotz seiner Komplexität schafft er es zu unterhalten und mitzureißen. Wer etwas für Politthriller – und insbesonders „Traffic“ – übrig hat, dem wird auch Gaghans Film über das korrupte Ölgeschäft gefallen: 9/10 Punkte.