Syriana (2005)

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Stephen Gaghans „Syriana“ anzusehen. Der Film hat mich hauptsächlich aufgrund seiner Thematik interessiert, wenngleich auch seine Präsenz bei den Acadamy Awards 2006 zum gesteigerten Interesse beigetragen hat.

Im Vorfeld waren viele Stimmen zu hören, die den Politthriller als langweilige Kopie von Soderberghs „Traffic“ dargestellt hatten. Sicherlich ist eine gewisse strukturelle und inszenatorische Verwandschaft nicht zu leugnen. Gaghan hat schließlich die Drehbücher zu beiden Filmen geschrieben. Zudem handelt in beiden Fällen um Politthriller, die ähnlich wie Robert Altmans Klassiker „Short Cuts“ aufgebaut sind. Dennoch ist „Syriana“ weit davon entfernt eine Kopie zu sein. Geschweige denn langweilig.

Den Inhalt hier wiederzugeben, würde wohl den Umfang des Eintrags sprengen. Zudem muss ich zugeben, bei der gestrigen Sichtung bestimmt nicht alle Details der komplexen Korruptionsgeschäfte mitbekommen zu haben. Der Film ist komplex. Sehr komplex. Man muss wirklich aufpassen, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt eine Vielzahl an Figuren und noch mehr Hintermänner, die nur kurz in Erscheinung treten und doch von äußerster Wichtigkeit für die Handlung sind. Dabei bleibt „Syriana“ über weiter Strecken dennoch übersichtlich, spannend und erschütternd.

Die Geschichten gipfeln in einem Höhepunkt, der von den Figuren in den vorangehenden beinahe zwei Stunden detailliert vorbereitet wird. Welten treffen aufeinander. Ideologien. Letztendlich geht es jedoch um Geld und Macht. Die Stärke von „Syriana“ ist, dass die Figuren dem Zuschauer doch ziemlich schnell ans Herz wachsen. Sicherlich ist das bei der Vielzahl an Charakteren und der begrenzten Laufzeit nur bedingt möglich, doch gerade unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen, zeigt sich die wahre Stärke des Films. So hat mich der Tod des Jungen doch sehr berührt und auch die Folter des CIA-Agenten fand ich in seiner Intensität weit grausamer, als die gesamten Folterszenen in „Saw III“.

„Syriana“ ist ein wirklich toller Film, der zum Nachdenken anregt. Trotz seiner Komplexität schafft er es zu unterhalten und mitzureißen. Wer etwas für Politthriller – und insbesonders „Traffic“ – übrig hat, dem wird auch Gaghans Film über das korrupte Ölgeschäft gefallen: 9/10 Punkte.

8 Gedanken zu “Syriana (2005)

  1. Die Beschreibung „Welten treffen aufeinander“ trifft’s ziemlich gut. Unter dem Aspekt hat mir der Film auch sehr gut gefallen. Für mich fast schon ein Dokumentarfilm, würden da nicht an allen Ecken und Enden bekannte Schauspieler herumspringen. Wer sich einmal über die Schlechtigkeit der Welt insbesondere der Methoden zur Befriedigung des Öl- und Machthungers der USA und dem einhergehenden Leid in den betroffenen Weltregionen informieren möchte, dem sei der Film wärmstens ans Herz gelegt. Trotzdem war es bisweilen aber nicht ganz leicht, dem Geschehen zu folgen und die einzelnen Handlungsstränge auseinanderzuhalten, zum anderen zog sich für mich der Film doch auch ein wenig. Da hat mir Spielbergs „Munich“ etwas besser gefallen, welches in Sachen Komplexität „Syriana“ sowieso auch in nichts nachsteht.

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  2. Spielbergs „München“ fand ich auch fast noch eine Spur besser. Wenn man die Filme so vergleichen kann. Im Gegensatz zu „Syriana“ ist „München“ aufgrund der geschichtlichen Ereignisse einfach klarer definiert. „Syriana“ wirkt auf mich globaler und unmittelbarer, wenngleich die Ereignisse aus „München“ auf die heutige Welt mindestens ebenso viel Einfluss besitzen.

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  3. Ich habe den Film schon vor einer Weile gesehen und muss sagen, ich erinnere mich kaum noch an die genauen Zusammenhänge. Das ist aber sicherlich auch ein Film, den man sch beliebig oft ansehen kann, weil man immer noch etwas entdeckt, das man vergessen oder übersehen hat. Mich hat er jedenfalls auch sehr mitgenommen und trotz der Komplexität begeistert. Besonders die Innenansichten der „anderen Seite“, also der arabischen Jungen, war gut gemacht, weil man sich mit denen auch total identifizieren konnte, was man ja sonst eher tendenziell nicht tut.

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  4. Ich fand auch, dass der Film sehr ausgewogen war und die Darstellung der – uns fremden – östlichen Welt sehr gelungen. Im Kern sind wir alle wohl doch nicht so verschieden, werden aber durch unser Umfeld entsprechend geprägt. Hat der Film gut eingefangen.

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