Sherlock Holmes (2009)

Früher habe ich Guy Ritchies Filme geliebt. Sowohl „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ als auch „Snatch“ waren damals echte Kultfilme in meinem Freundeskreis. Danach habe ich jedoch schnell das Interesse an Ritchies Werk verloren. Erst mit seiner 2009er Interpretation von „Sherlock Holmes“ tauchte er wieder auf meinem Radar auf. Eine zweifelsfrei lohnende Wiederbegegnung. Keine Frage.

Zunächst einmal fällt die grandiose Optik des Films auf. Die Ausstattung ist wahrlich überwältigend. Besonders das detailreiche Bild der Blu-ray lädt öfter einmal dazu ein, einzelne Frames ausführlich zu studieren. Trotz des viktorianischen Settings wirkt der Film unglaublich dynamisch und modern. Hier hat man – auch was die Charaktere angeht – eine äußerst faszinierende Mischung aus klassischem Abenteuer- und modernem Actionfilm geschaffen. Da macht das Zuschauen wirklich Spaß.

Neben der Optik lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Robert Downey Jr. („Ironman“) und Jude Law geben ein herrliches Leinwandpaar, welches eine wunderbare Chemie besitzt. Dabei kann der Film eine homoerotische Spannung zwischen seinen Figuren nicht verleugnen, was auch durchaus zum schrägen Ton des Films passt. Die leider nicht sonderlich tief gehenden Charaktermomente sind auch das Highlight des Films und trösten über so manche Schwäche in der Geschichte hinweg.

Die Handlung ist wirklich nicht sonderlich innovativ. Ein Bösewicht, ein paar falsche Fährten, stimmungsvolle Sets und ein paar knackige Actionsequenzen. Am Ende dann eine wenig überraschende Auflösung samt Showdown. Leider nichts, was besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Das ist leider auch der Knackpunkt, der dem Film letztendlich eine höhere Bewertung verwehrt.

Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ ist eine spannend inszenierte und modern visualisierte Interpretation der klassischen Detektivreihe. Der Film macht teils (besonders in seiner Hälfte) unglaublich viel Spaß, gegen Ende enttäuscht die Geschichte dann leider doch etwas. Dennoch sollte man sich den Film alleine aufgrund seiner famosen Optik und den gut aufgelegten Darstellern ansehen. Einfach unterhaltsames Popcornkino: 7/10 Punkte.

Serenity (2005) (WS1)

Nachdem ich die letzten Tage notdürftig mit den Comics „Those Left Behind“ und „Better Days“ überbrückt habe, war es nun an der Zeit mit „Serenity“ einmal wieder Abschied von meinem Lieblingraumschiff zu nehmen. Abschied von meinen Lieblingscharakteren, Abschied von meinem Lieblingsuniversum. Doch bestimmt nicht zum letzten Mal.

Wie bereits bei der letzten Sichtung von „Serenity“ muss ich auch dieses Mal wieder das zu viel zu schnelle Voranschreiten der Geschichte bemängeln. Im Vergleich zur Ursprungsserie „Firefly“ kann es sich Joss Whedon leider nicht mehr erlauben sich mit den kleinen, aber feinen Details seines Universums aufzuhalten. Er hat eine Geschichte zu erzählen. Schließlich wollen neue Zuschauer auf den aktuellen Stand gebracht werden und auch die Brücke zum großen Finale gilt es zu schlagen. Kein einfaches Unterfangen.

Für mich wirkt die Struktur des Films folglich auch etwas unausgegoren, was besonders im Mittelteil auffällt. Wie toll wäre es doch gewesen diese Geschichte noch über mindestens eine Staffel zu strecken. Doch im mag mich gar nicht beschweren, denn schließlich ist besonders das letzte Drittel des Film ein absoluter Hochgenuss. Düster, hart, schnell und einfach mitreißend. Zudem durchsetzt von einer seltsam anmutigen Endzeitpoesie. Für Freunde der Serie wirklich erfgreifende Minuten.

Inzwischen sieht es so aus, dass „Serenity“ tatsächlich das unumstößliche Ende dieses Minifranchise darstellt – zumindest in den Bewegtbildmedien. In Comicform dürfen wir uns wohl noch bald auf „The Shepherd’s Tale“ freuen, welches uns endlich den Hintergrund von Shepherd Book offenbart. Immerhin. Wie auch schon „Object’s in Space“ lässt mich „Serenity“ immer etwas wehmütig zurück. Ein Gefühl, das auch wunderbar zum Ende dieses außergewöhnlichen Films passt. Sehr sehenswert: 9/10 Punkte.

Titan A.E. (2000)

Aktualisierung: Ich habe „Titan A.E.“ am 5. Oktober 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Manchmal ist es wunderbar persönliche, beinahe vergessene Filmklassiker hervorzuholen. So habe ich mich seit viel zu langer Zeit einmal wieder Don Bluths „Titan A.E.“ gewidmet. Bereits bei der ersten Sichtung im Kino hatte mich der Film unwahrscheinlich begeistert. Nerdkino in Perfektion. Darauf folgten unzählige Sichtungen auf DVD und die traurige Erkenntnis, dass der Film zu unrecht komplett in der Versenkung verschwunden ist.

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Die Geschichte um den vaterlosen Cale Tucker, der sich auf die Suche nach einem verschollenen Raumschiff begibt, welches die Menschheit retten soll, ist simpel aber mitreißend. Überhaupt lebt der Film eher von seinen Animationssequenzen, welche – auf für heutige Augen gewöhnungsbedürftige Art und Weise – klassische 2D-Animation mit computergenerierten Grafiken verbinden. Heute (immerhin 10 Jahre später) mag das alles etwas angestaubt wirken, doch lässt man sich darauf ein, wird man mit teils wunderschönen Szenen belohnt.

Die Atmosphäre des Films ist ziemlich dicht und auch wenn sich die Inszenierung nicht eindeutig für ein Zielpublikum entscheiden kann, so dürfte man als Jugendlicher oder jung gebliebener Erwachsener am meisten Spaß mit „Titan A.E.“ haben. Die grafische Gestaltung und die zusammengewürfelte Crew erinnern mich heute tatsächlich etwas an den grandiosen Sci-Fi-Western „Firefly“, was durch die pointierten Dialoge unterstützt wird. Man merkt hier deutlich, dass Joss Whedon am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Eine besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, den ich damals rauf und runter gehört habe. Auch wenn sich mein Musikgeschmack seitdem doch weiterentwickelt hat, wurde ich bei der gestrigen Sichtung wieder davon mitgerissen. Da werden Erinnerungen wach.

Fazit

Für mich zählt „Titan A.E.“ ganz klar zu den Geheimtipps zwischen den Genres. Ein Animationsfilm abseits von Disney und Anime, den man auch als Erwachsener mit viel Vergnügen schauen kann. Schade, dass von Don Bluth („In einem Land vor unserer Zeit“) in dieser Hinsicht nichts mehr kam. Einer meiner persönlichen Klassiker: 8/10 Punkte.

Inglourious Basterds (2009)

Es gab eine Zeit, da musste nur der Name Tarantino irgendwie mit einem Film in Verbindung stehen und es gab für mich kein Halten mehr. Heute sehe ich die Sache gelassener, dennoch ärgere ich mich nun „Inglourious Basterds“ nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Der Film hätte es wahrlich verdient gehabt.

Als ich das erste Mal von dem Film hörte war ich sehr neugierig. Besonders da ich ahnte, dass Tarantino eben nicht die oberflächlichen Erwartungen erfüllen würde. Ich bin mit „Reservoir Dogs“ darauf hereingefallen, von dem ich mir damals wilde Überfälle und actionreiche Shootouts erwartete. Was ich jedoch bekam waren endlose Dialoge und verstörende Einzelszenen. Das Davor und das Danach war wichtig. Inzwischen habe ich den Film zu schätzen gelernt und sehe die Geschwätzigkeit in Tarantinos Filmen als sein Markenzeichen an. Meist sind die Dialoge ja auch verdammt gut geschrieben. Insofern war mir bewusst, dass ich hier wohl kaum nur nazimordende Bastarde sehen würde.

Allein die Eröffnungssequenz ist großes Kino. „Inglourious Basterds“ ist wahrlich Tarantinos Beitrag zum Italowestern. Sergio Leone wäre stolz darauf gewesen. Wie so oft liegt die verstörende Bedrohung nicht in expliziter Gewalt, sondern eben in den Charakteren selbst begründet. Mit Hans Landa hat Tarantino einen so herrlich fiesen Bösewicht geschaffen, dass es eine wahre Freude ist. Ohne Christoph Waltz wäre die Figur jedoch nur halb so sehenswert. Unglaublich gut gespielt. Der Golden Globe ist in meinen Augen mehr als nur verdient.

Neben Christoph Waltz ist mir besonders August Diehl im Gedächtnis geblieben, dessen Wortgefecht mit Michael Fassbender zu meinen Lieblingsszenen des Films gehört. Diehl steht Waltz in Sachen Boshaftigkeit in nichts nach und wird wohl ebenso lange im Gedächtnis des Publikums bleiben. Übehaupt muss man sagen, dass die Wahl der Schauspieler wieder einmal famos ist. Eine wirkliche Hauptrolle gibt es nicht, man hat es eher mit einem Ensemble zu tun, welches jedoch perfekt aufeinander abgestimmt wurde. Dafür hat Tarantino wahrlich ein Händchen.

Die Handlung selbst ist eher wenig spektakulär und wie die meisten Filme des Regisseurs lebt auch „Inglourious Basterds“ von seinen grandiosen Einzelszenen. Man muss sich jedoch wirklich auf den Film einlassen können, um der absurden Comicvariante des Italowestern, welcher im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist, all das abgewinnen zu können, das der Film letztendlich wert ist.

Für mich ist „Inglourious Basterds“ der beste Tarantino seit „Jackie Brown“ und ich bin mir sicher, dass er mit der Zeit noch besser werden wird. Vor zehn Jahren hätte ich den Film in den kommenden Tagen wohl gleich noch ein paar Mal gesehen, heute jedoch bleibt es vorerst bei dieser einen Sichtung. Ein herrlich unkonventionelles Stück Kino, das zumindest meine Erwartungen ziemlich genau erfüllt hat: 9/10 Punkte.

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers – OT: The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor (2008)

Fortsetzungen von Kinohits made in Hollywood. Man muss sie einfach lieben. Rob Cohens „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ ist solch eine Fortsetzung. Ein klassischer Vertreter seiner Art. Mehr Action, mehr Effekte, einfach mehr von allem. Doch insgesamt leider weniger Herz.

Zunächst einmal muss ich meiner Verwunderung Audruck verleihen, dass Stephen Summer „Die Mumie“ inzwisch schon über 10 Jahre auf dem Buckel hat. 10 Jahre! Einfach unglaublich. Mir kommt es vor, als hätte ich diesen äußerst unterhaltsamen Abenteurfilm erst kürzlich im Kino gesehen. Bei solchen Fehleinschätzungen komme ich mir immer unglaublich alt vor. Erschreckend. Bei nüchterer Betrachtung ist mir natürlich bewusst, dass ich sowohl „Die Mumie“ als auch „Die Mumie kehrt zurück“ inzwischen bereits etliche Male auf DVD gesichtet habe.

Die Vorgänger dieses dritten Teils hatten folglich Zeit sich in mein kleines Filmherz zu spielen. Besonders den ersten Teil sehe ich immer wieder gerne, doch auch die erste Fortsetzung ist mir positiv in Erinnerung. Trotz dieser Sichtungen haben die Filme für mich dennoch nie den Stellenwert ihres großes Vorbilds – den „Indiana Jones“-Filmen – eingenommen. Sie waren eher ein kleiner, aber äußerst unterhaltsamer Abenteuersnack für Zwischendurch.

Diesen aktuell letzten Teil der Reihe hatte ich nie so richtig wahrgenommen. Eine weitere 08/15-Fortsetzung? Muss ich nicht haben. Doch irgendwann holt einen jedes Sequel eines geliebten Franchise ein. Um es kurz zu machen: Ja, „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ ist genauso einfallslos und übertrieben, wie man es sich vorstellt. Dennoch ist es schön die alten Charaktere wiederzusehen und mit ihnen ein neues Abenteuer zu erleben. Leider sind nicht mehr alle Schauspieler mit von der Partie (Rachel Weisz wurde durch Mario Bello ersetzt), was der Atmosphäre des Films doch ziemlich schadet.

Kann ich diesen Film Freunden der Reihe empfehlen? Sicher. Man darf sich nur nicht zu große Hoffnungen machen und muss mit so einigen Albernheiten (Yetis, einem Drachen etc.) leben. Die Vater/Sohn-Dynamik hat mir dagegen recht gut gefallen und hier sehe ich auch Potential für die jetzt schon geplanten Fortsetzungen. Werde ich für diese ins Kino rennen? Bestimmt nicht. Werde ich jedoch reinschauen, wenn einem die DVD hinterher geworfen wird? Oh ja! Denn  ein unterhaltsamer Filmabend sollte auch dann allemal drin sein: 5/10 Punkte.

Into the Wild (2007)

Manche Filme erzählen eine mitreißende Geschichte. Manche Filme berühren einen tief im Herzen. Manche Filme regen zum Nachdenken an. Nur ganz wenigen Filmen gelingt jedoch all das zusammen. Sean Penns „Into the Wild“ gehört zu diesen seltenen Ausnahmen. Ein Film, der mich noch sehr lange beschäftigen wird.

Vor der Sichtung wusste ich nur wenig über die Handlung. Eine wahre Begebenheit mit tragischem Ende. Anscheinend schwere Kost. Die DVD stand auch schon seit Monaten im Regal und ich konnte mich nie so recht zu einer Sichtung durchringen. Gestern jedoch tat ich es und der Film hat mich umgehauen. Im Nachhinein kann ich nun gar nicht sagen, was mich am meisten faszinierte: War es die virtuose Montage? Die bewegende Geschichte? Die tollen Naturaufnahmen? Der fantastische Soundtrack? Die famosen Darsteller? Vermutlich all diese Dinge zusammen.

Durch die Verwendung von verschiedenen Erzählstimmen, die sich als Voice over über die oft hypnotischen Bilder legen, werden die episodenhaften Fragmente des Films zusammengehalten. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt. Eher bildet der emotionale Zustand der Hauptfigur den Anker. Es wird vom Weg zum Ziel gesprungen. Begegnungen werden der Einsamkeit gegenübergestellt. Das Leben dem Tod. Der Fortschritt dem Stillstand. Wirklich eine herausragende Montage.

Kritiker werfen dem Film und Jon Krakauers Vorlage vor, dass Chris McCandless‘ Abenteuer idealisiert und er somit zum tragischen Helden stilisiert würde. Ich kann mich dem überhaupt nicht anschließen. Es wird zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass Chris‘ bzw. Alex Supertramps Ideale die einzig richtigen sind. Es kommt auch deutlich heraus, dass er viel zu blauäugig und unvorbereitet in die Wildnis aufgebrochen ist. Dennoch hat mich sein früher Tod tief berührt. Besonders da er am Ende erkannt hat, dass das Glück eben nicht in der Isolation liegt. Dass er ohne seine Reise und seine Begegnungen nie dieses Glück erfahren hätte.

Emile Hirsch spielt hier die Rolle seines noch jungen Lebens. Gegen Ende des Films sieht er dem echten Chris McCandless tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. Sein Charakter macht über die vorangegangenen zwei Stunden dabei eine absolut glaubhafte Entwicklung durch. Auch die Nebendarsteller müssen sich nicht verstecken und tragen zum realistischen Eindruck bei, den der Film bei mir hinterlassen hat.

Ich könnte nun noch viel schreiben, z.B. über Eddie Vedders intensiven Soundtrack oder die wunderschön integrierten Tagebucheinträge. Letztendlich kann ich Sean Penn nur mein Kompliment aussprechen. So berührt hat mich schon lange kein Film mehr. Ich werde mir nun auch Krakauers Vorlage zulegen und mir bei der nächsten Gelegenheit die Blu-ray zulegen. Der Film ist es wert in der bestmöglichen Qualität gesehen zu werden. Wohl die einprägsamste und intensivste Erstsichtung, die ich dieses Jahr erleben durfte: 10/10 Punkte.

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ am 14. März 2011 und am 12. November 2022 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich das erste Mal von James Camerons neuem Großprojekt namens „Avatar 3D“ hörte, war ich dafür Feuer und Flamme. Jahre sind verstrichen, während denen kaum mehr als knappe Informationsfetzen an die Öffentlichkeit drangen. Ein wenig Technik, der Titel, das Genre. Mehr nicht. Dann kam endlich der Trailer und Enttäuschung machte sich breit. Das soll das lang erwartete Jahrhundertprojekt sein?

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Nach weiteren Trailern und ersten Berichten von den Previews war ich dann aber doch wieder angefixt. Enorm angefixt und demnach umso gespannter auf das finale Produkt. James Cameron hatte mich immerhin noch nie enttäuscht. Nachdem ich für heute noch Karten ergattern konnte – nahezu jede Vorstellung ist ausverkauft – stand einem bombastischen Filmerlebnis nichts mehr im Wege. Nun bin ich mir sicher: Dies ist ein Film, der über die Zukunft des Kinos entscheiden wird. Ein Wegbereiter. Schon jetzt ein Teil der Kinogeschichte.

Wenn man über „Avatar“ redet, dann muss man auf die Technik zu sprechen kommen. Das Offensichtlichste zuerst: Wie kein Film vor ihm nutzt James Camerons Sci-Fi-Epos 3D um eine Geschichte zu erzählen. Dabei bleibt die Kamera angenehm unaufdringlich und gibt den Bildern Tiefe ohne jedoch den Zuschauer mit wilden Effekten zu verschrecken. Sehr angenehm und wunderbar anzusehen. Neben der 3D-Optik überzeugt vor allem die Integration von CGI und Realfilm. Einfach perfekt. Besonders die Na’avi sind so überzeugend, dass mir manchmal beinahe der Atem stockte. Gollum, King Kong und nun die Na’vi. Die Zukunft ist nicht aufzuhalten.

Wirklich wunderbar war Camerons Vision des Planeten Pandora. Eine komplett entwickelte Flora und Fauna, welche vor phantastischem Artenreichtum nur so strotzt. Leuchtende Farben, fremdartige Geräusche und ein unglaubliches Gefühl von Lebendigkeit. Besonders zu beachten ist hier auch das Zusammenspiel von Handlung, Art Design und 3D-Technik. Man fühlt sich wirklich, als wäre man selbst auf Pandora gelandet. Colonel Quaritchs ‚You’re not in Kansas anymore!‘ beschreibt das Gefühl schon sehr gut, auch was die Bedeutung des Films anbelangt.

Über die Geschichte selbst wurde bereits viel geschrieben und besonders viel geschimpft. Ich kann die Kritik an ihr nur bedingt nachvollziehen. Kann man es Cameron verdenken, dass er mit seiner neuen Technik kein Arthouse-Drama inszeniert hat? Oder dass er ein möglichst großes Publikum erreichen wollte? Für mich funktioniert die Geschichte wunderbar. Etwas weniger Schwarz-Weiß-Zeichnung wäre zwar schön gewesen, aber wie gesagt hatte ich auch wirklich kein komplexes Drama erwartet. Wichtiger war für mich, dass man mit den Figuren fühlen kann und demnach war ich umso erfreuter, dass es an emotionalen Szenen nicht mangelt und die Na’avi diese perfekt transportieren.

Nach dem Ende des Films saß ich wie geplättet im Kinosessel. Nicht nur aufgrund der neuen 3D-Technik, sondern vor allem aufgrund des Gesamtpakets. James Cameron hat unglaublich viel in seinen Film gepackt. So viel, dass ich um eine Folgesichtung nicht herumkommen werde. Am liebsten noch einmal in 3D. Keine Frage. Doch ich denke selbst im Heimkino dürfte „Avatar“ aufgrund seiner grandiosen Technik und seiner famos gestalteten Figuren erneut mitreißen. Ein Kinoerlebnis, an das ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde: 9/10 Punkte.

Blood Diamond (2006)

Nachdem ich den Film schon seit dessen Erscheinen sehen wollte, habe ich mir gestern Abend endlich Edward Zwicks „Blood Diamond“ angesehen. Ein beindruckender und daneben noch viel bedrückenderer Ausflug in die dunkle Geschichte Afrikas.

Wer hier ein romantisch verklärten Blick auf den schwarzen Kontinent erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden. Bereits die Anfangsszene zeigt mit brutaler Wucht, welcher Ton hier angeschlagen wird. Ein Dorf wird ausgelöscht. Einfach mal so. Wenn die Kamera hier das erste Mal die mordenden Kindersoldaten einfängt, kann man nicht so wirklich glauben, was man da eben gesehen hat. Grausam, brutal und düster.

Auch der von Leonardo DiCaprio gespielte Diamantenschmuggler Danny Archer ist alles andere als ein strahlender Held. Verschlagen, zynisch und vom Leben gezeichnet geht es ihm nur um die titelgebenden Diamanten. Steine mit denen Kriege finanziert werden. Es ist wirklich erschreckend, welche Zusammenhänge in diesem Film deutlich gemacht werden und man möchte als Zuschauer gar nicht wissen, welche Auswirkungen unsere konsumbestimmte Überflussgesellschaft sonst noch auf das Leben bzw. Sterben in den Entwicklungsländern hat.

Der Film selbst ist großartig inszeniert und besetzt. Die Kamera ist stets mitten drin und man möchte manchmal am liebsten die Augen verschließen aufgrund der Gräueltaten, die sie einfängt. Leonardo DiCaprio mag teils etwas zu jung für seine Rolle wirken, doch ist seine Darstellung wirklich beeindruckend. Ein Charakter mit Tiefe. Ebenso hat mir Djimon Hounsou als verzweifelter Familienvater gefallen, dessen Kampf so ganz anders motiviert ist als Archers.

Als Kritikpunkt könnte man anführen, dass die Balance zwischen Abenteuerfilm und anklagendem Geschichtsdrama nicht immer ausgewogen ist. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sich der Film mehr auf eine Richtung festgelegt hätte. Allerdings wäre dann wohl entweder die inhaltliche Tiefe oder das mitreißende Element verloren gegangen. Somit möchte ich festhalten, dass „Blood Diamond“ ein nahezu auf ganzer Linie überzeugender Film ist, den man wohl nicht so schnell vergisst: 9/10 Punkte.

Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los – OT: Ice Age: Dawn of the Dinosaurs (2009)

Gerade habe ich mir Carlos Saldanhas „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los“ angesehen. Zudem gab es eine kleine Prämiere: Dank meiner neuen Sehhilfe war das Blu-ray Erlebnis für mich heute so scharf wie nie zuvor. Wirklich äußerst beeindruckend. Doch das nur am Rande.

Der dritte Teil der „Ice Age“-Filme fällt sowohl inhaltlich, als auch inszenatorisch genau ins Raster seiner Vorgänger. Die bekannte Figurenkonstellation wird aufgebrochen und die Charaktere müssen sich zusammenraufen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dabei wird – wie bereits im zweiten Teil – von Punkt A nach B marschiert. Eine Reise, auf der es etliche Abenteuer zu bestehen gibt. Die einzige Neuerrung ist die Umgebung: Ein geheimes Tal, welches von Dinosauriern bevölkert ist.

All das hört sich nun nicht sonderlich spektakulär an. Ist es auch nicht. Ich hatte jedoch meinen Spaß. Die Animation ist herrausragend, ich mag die Charaktere und fand sogar die teils ziemlich kindischen Gags amüsant. Ein etwas naiver und einfacher Spaß für die ganze Familie. Hinzu kommen einige Wortspiele, welche wohl nur den Erwachsenen einige Lacher abringen können. Richtig stark fand ich zudem die beeindruckende Tangosequenz. Kann was!

Wer bereits die beiden Vorgänger mochte, der macht auch mit „Ice Age 3“ nichts falsch. Insgesamt hat mir der Film in etwa so gut gefallen, wie der erste Teil. Zwar noch weit vom Animationsolymp entfernt, doch in meinen Augen weit gelungener, als so manch anderer Pixarklon. Aufgrund der Dinos wohl besonders für Kinder ein Heidenspaß: 7/10 Punkte.

Der mit dem Wolf tanzt – Langfassung – OT: Dances With Wolves (1990)

Es gibt nur wenige Filme, die einen wirklich mit Haut und Haaren gefangen nehmen. Von denen man sich selbst nach dem Abspann nicht emotional lösen kann. Zu diesen Filmen gehört Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“. Gesehen habe ich den Film – in der Langfassung – gestern bestimmt zum dritten Mal und einmal wieder war ich erstaunt über die Wirkung dieses außergewöhnlichen Epos.

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Der Film nimmt sich viel Zeit um seine Charaktere einzuführen. Dadurch lernt man die Hauptfigur John Dunbar (Kevin Costner) wirklich kennen und kann eine emotionale Beziehung zu ihr aufbauen. Ab der Ankunft im verlassenen Fort braucht man als Zuschauer diese starke Identifikation auch, da der Film sonst nicht funktionieren würde. Man lebt sein Leben in der Wildnis. Man lernt mit ihm die neuen Nachbarn kennen und durch ihn tanzt man auch mit dem Wolf.

Begleitet wird die wunderschöne Geschichte von unglaublichen Naturbildern, die in einem fast schon verzauberten Licht erstrahlen. Der Kameramann transportiert den Westen wirklich spürbar ins heimische Wohnzimmer. Umso beeindruckender auf Blu-ray. Dabei ist die Landschaft nie nur schmuckes Beiwerk, sondern hilft stets die Geschichte zu erzählen. Ebenso wichtig und imposant ist John Barrys fantastischer Score, welcher dem Epos durchgehend als emotionaler Anker dient.

Die Annäherung zwischen Dunbar und den Ureinwohnern Amerikas wird sehr behutsam erzählt. Costners Figur geht so offenherzig auf diese ihm fremde Kultur zu, dass man den Mann nur bewundern kann. Trotzdem wirkt der Film durchaus realistisch, da hier nicht glorifiziert wird und die unterschiedlichen ethischen Grundlagen beider Kulturen durchaus kritisch betrachtet werden. Sehr gewinnend finde ich hier die Erzählerstimme, die nicht im Raum schwebt, sondern durch Johns Tagebuch fest im Film verankert ist.

Besonders beeindruckt hat mich in „Der mit dem Wolf tanzt“ vor allem Costners Spiel. Man nimmt ihm die Rolle voll und ganz ab – wenn man dazu noch bedenkt, dass er bei diesem Film für nahezu alles verantwortlich war, kann man nur sagen: Hut ab, Mr. Costner! Es stecken so viele wunderbare Details in dem Film, wie z.B. der titelgebende Wolf als Metapher für die Annäherung mit der Natur, dass man aus dem Entdecken gar nicht mehr heraus kommt.

„Der mit dem Wolf tanzt“ ist ein überwältigendes Filmerlebnis, das emotional zu berühren weiß. Durch die lange Laufzeit erinnert man sich noch während der Film läuft an gewisse vergangene Szenen zurück, was einen noch enger mit den Filmfiguren zusammenschweißt. Ein wahres Epos und einer meiner persönlichen Lieblinge: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm