Ein beliebter Streitpunkt unter Filmfreunden ist, welcher der beiden ersten Filme der „Alien“-Reihe denn besser ist: Ridley Scotts klaustrophobischer Horrorthriller oder James Camerons düsteres Actionabenteuer. Früher ging bei mir die Tendenz oft eher Richtung „Aliens: Die Rückkehr“, da der Film mehr Monster, coolere Sprüche und die bombastischere Action bot. Heute jedoch weiß ich, dass beide Filme für ihr Genre bahnbrechend sind.

Wie bereits angedeutet, schlägt „Aliens“ eine andere Richtung ein als sein Vorgänger. Es wäre vermutlich leicht gewesen, die bekannte Geschichte minimal abgeändert noch einmal durchzuspielen. James Cameron hat jedoch glücklicherweise einen anderen, eigenständigen Weg gewählt und das bisher eingeführte Universum rund um Weyland-Yutani und LV-426 wunderbar erweitert. Der Charakter der Hauptfigur Ellen Ripley erfährt eine konsequente Weiterentwicklung und auch die Aliens werden mit neuen Facetten ausgestattet. Vor allem jedoch wird die Handlung actionbetonter, ohne jedoch die dichte Atmosphäre zu vernachlässigen.
Gesehen habe ich erneut die Special Edition des Films, welche sinnvolle und teils enorm spannende Handlungserweiterungen beinhaltet. Auch wenn Cameron nicht das Label Director’s Cut verwendet, so darf man – wenn man diversen Interviews Glauben schenken mag und wie auch bei der Special Edition von „The Abyss“ – von der Wunschfassung des Regisseurs ausgehen. Die gut zweieinhalb Stunden vergehen tatsächlich auch wie im Flug, wenngleich der Spannungsaufbau über eine Stunde beansprucht und es erst im Anschluss zur ersten Konfrontation mit den Aliens kommt. Wirklich bemerkenswert und beinahe schon ein Lehrstück in Sachen Filmstruktur.
Man liest oft, dass Camerons Drehbuch im Vergleich zum Original Schwächen in der Charakterzeichnung aufweist und man die Aliens zu lange und zu oft zu Gesicht bekommt, was der Spannung abträglich ist. Ich persönlich kann diesen Kritikpunkten nur vehement widersprechen, denn für das Genre sind die Charaktere wirklich wunderbar ausgearbeitet. Besonders die angedeutete Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Ripley und Newt gibt dem Film ein emotionales Grundgerüst, welches für einen Actionfilm außergewöhnlich tief geht. Und die Aliens? Außer der Königin im Showdown gibt es auch nicht viel mehr Alien zu sehen, als in Scotts Version. Durch den Schnitt und die voranpeitschende Handlung wirkt es aber so, als wären beständig ein Dutzend Aliens im Bild. Grandios!
Wie bereits in „Alien“ gibt es auch im Nachfolger unzählige Szenen, welche sich nicht mehr aus dem kollektiven Filmbewusstsein wegdenken lassen. Alleine der Endkampf zwischen Laderoboter-Ripley und der Königin ist epochales Actionkino. Kaum zu glauben, dass der Film in seiner ursprünglichen Fassung bereits 24 Jahre auf dem Buckel hat. Auch hier kann ich wieder nur die aktuelle Blu-ray empfehlen. Bisher war die Bildqualität von „Aliens“ ja immer eher bescheiden, doch jetzt wirkt der Film tatsächlich so, als wäre er erst gestern gedreht worden. Ein absoluter Pflichtkauf für jeden Fan.
Für mich steht „Aliens“ seinem Vorgänger in nahezu nichts nach. Objektiv betrachtet ist Scotts Film bestimmt der wichtigere – schon alleine aufgrund der natürlichen Innovativität des Erstlings. Man darf aber nicht vergessen, dass Cameron aus der vorhandenen Ausgangssituation nicht nur das maximale herausgeholt hat, sondern dem Franchise seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken konnte. Für mich wohl eine der besten Fortsetzungen überhaupt und zu Recht auf Augenhöhe mit dem Vorgänger: 10/10 Punkte.
Prädikat: Lieblingsfilm