The Dark Knight (2008) (WS1)

Kaum sind vier Wochen vergangen seit ich „Batman Begins“ gesehen habe, kann ich endlich die Besprechung zu meiner ersten Wiederholungssichtung von „The Dark Knight“ schreiben. Der Hype um das Sequel ist inzwischen auch abgeflacht, was dem Filmerlebnis durchaus zugute kommt. Heute kann man Christopher Nolans Comicverfilmung endlich vorurteilsfrei genießen.

Für mich wird „The Dark Kight“ immer ein besonderer Film sein, was aber hauptsächlich an den äußeren Umständen meiner Erstsichtung liegt. Vor drei Jahren während unserer Hochzeitsreise im verschlafenen Williamsport, PA war das einer dieser magischen Kinobesuche, die man wohl nie vergessen wird. Der Film war beinahe schon nebensächlich, wenngleich er mich bereits damals äußerst gut zu unterhalten wusste. Dennoch habe ich ihn eher als ziemlich guten Thriller wahrgenommen, als das cineastische Meisterwerk, als das er angekündigt wurde.

Auch gestern habe ich keine filmgewordene Offenbarung gesehen, jedoch einen ziemlich perfekten Unterhaltungsfilm, der mir noch besser gefallen hat, als bei der Erstsichtung. Einerseits konnte ich mich mehr auf den Film konzentrieren und andererseits wurde ich von der technisch perfekten Präsentation der Blu-ray ziemlich umgehauen. Die IMAX-Szenen sind wirklich atemberaubend und fügen sich erstaunlich gut in das CinemaScope-Bild des restlichen Films ein. Ein audiovisuelles Festmahl, dem glücklicherweise auch der Inhalt in nahezu nichts nachsteht.

An den ersten beiden Dritteln des Films habe ich absolut nichts auszusetzen. Es ist eine wahre Freude Heath Ledgers diabolischem Joker zuzusehen. Einfach nur großartig. Christian Bale bleibt als Batman dagegen ziemlich blass, was mich bei der gestrigen Sichtung jedoch nicht sonderlich störte. Vermutlich weil mir seine verhältnismäßig detaillierte Charakterzeichnung aus „Batman Begins“ noch ziemlich gut im Kopf war. Einzig im letzten Drittel bricht die Handlung des Films meiner Meinung nach etwas ein. Harvey ‚Tow Face‘ Dent wirkte für mich hier zu sehr wie das Mittel zum Zweck und konnte mich als eigenständiger Charakter eher wenig überzeugen.

Nun habe ich beide „Batman“-Verfilmungen von Christopher Nolan mit größerem zeitlichen Abstand erneut gesehen. Ich kann für mich festhalten, dass es wirklich fantastische Filme sind. Technisch perfekt und inhaltlich erstaunlich erwachsen. Welcher Film nun besser ist? Ich könnte mich im Moment nicht festlegen, wünsche mir für „The Dark Knight Rises“ insgeheim aber wieder mehr Comic als Realismus. Auch nach dem Hype immer noch großartiges Unterhaltungskino: 9/10 Punkte.

Batman Begins (2005) (WS1)

Vielleicht liegt es an meiner relativ langen Filmabstinenz – immerhin sind seit meiner letzten Filmsichtung bereits drei Wochen vergangen – doch Christopher Nolans „Batman Begins“ hat mir gestern weit besser gefallen, als noch bei der Erstsichtung vor dreieinhalb Jahren. Inzwischen kann ich den Film auch gut mit dem Nachfolger „The Dark Knight“ vergleichen, was neue Blickwinkel auf Nolans bombastische Comicaction zulässt.

Wie bereits bei der letzten Sichtung hat mir die erste Hälfte des Films wirklich ausgezeichnet gefallen. Man erlebt die Heldengeburt in all ihren Facetten, ohne dass diese jedoch zu abgedroschen oder vorhersehbar erscheint. Nolan zementiert hier bereits – auch wenn man dies als Zuschauer anfangs nicht wahrnimmt – das Fundament für den Hauptteil des Films, in der Batman zu voller Größe heranwächst. Ein weiterer Grund für die wirklich unterhaltsame Art und Weise der Heldengeburt ist Nolans auf düsteren Realismus getrimmte Inszenierung, welche damals noch ein Novum im Superheldengenre darstellte.

Die zweite Hälfte des Films hat sich für mich dieses Mal besser in den Film integriert, als noch bei der Erstsichtung. Zwar ist stilistisch durchaus ein gewisser Bruch festzustellen – auch besonders im Vergleich zu „The Dark Knight“ – doch macht dieser für die erzählte Geschichte durchaus Sinn. In diesem Abschnitt des Films erinnert Nolans Werk deutlich mehr an die „Batman“-Filme Tim Burtons, was sich besonders in der artifiziellen Darstellung von Gotham City und speziell The Narrows verdeutlicht. Hätte man den Film zuvor auch als klassischen Actionthriller klassifizieren können, gibt es nun keinen Zweifel mehr, dass „Batman Begins“ der Comicwelt entspringt.

Auch wenn mich der Film bei meiner gestrigen Sichtung nahezu perfekt zu unterhalten wusste, so habe ich doch immer noch einen Kritikpunkt. Wie auch in „Inception“ übertreibt es Nolan hier mit einer Actionszene. War es in dem Sci-Fi-Thriller die Schießerei in den Bergen, so gibt es hier deutliche Längen in der Verfolgungsjagd mit dem Batmobil. Zwar gut und mitreißend inszeniert, doch oft redundant und auf Dauer etwas ermüdend. Insgesamt ist dies aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einem großartigen Filmerlebnis.

Nach der gestrigen Sichtung bin ich nun wieder richtig heiß auf „The Dark Knight“ und freue mich auch bereits auf dessen Nachfolger, der wohl wieder alle Rekorde brechen dürfte. Im Moment sehe ich „Batman Begins“ noch als stärksten Film der Reihe, doch dies kann sich mit der erneuten Sichtung der Fortsetzung wieder schlagartig ändern. Nahezu perfekt inszeniertes Unterhaltungskino: 9/10 Punkte.

Aliens: Die Rückkehr – Special Edition (1986)

Ein beliebter Streitpunkt unter Filmfreunden ist, welcher der beiden ersten Filme der „Alien“-Reihe denn besser ist: Ridley Scotts klaustrophobischer Horrorthriller oder James Camerons düsteres Actionabenteuer. Früher ging bei mir die Tendenz oft eher Richtung „Aliens: Die Rückkehr“, da der Film mehr Monster, coolere Sprüche und die bombastischere Action bot. Heute jedoch weiß ich, dass beide Filme für ihr Genre bahnbrechend sind.

Wie bereits angedeutet, schlägt „Aliens“ eine andere Richtung ein als sein Vorgänger. Es wäre vermutlich leicht gewesen, die bekannte Geschichte minimal abgeändert noch einmal durchzuspielen. James Cameron hat jedoch glücklicherweise einen anderen, eigenständigen Weg gewählt und das bisher eingeführte Universum rund um Weyland-Yutani und LV-426 wunderbar erweitert. Der Charakter der Hauptfigur Ellen Ripley erfährt eine konsequente Weiterentwicklung und auch die Aliens werden mit neuen Facetten ausgestattet. Vor allem jedoch wird die Handlung actionbetonter, ohne jedoch die dichte Atmosphäre zu vernachlässigen.

Gesehen habe ich erneut die Special Edition des Films, welche sinnvolle und teils enorm spannende Handlungserweiterungen beinhaltet. Auch wenn Cameron nicht das Label Director’s Cut verwendet, so darf man – wenn man diversen Interviews Glauben schenken mag und wie auch bei der Special Edition von „The Abyss“ – von der Wunschfassung des Regisseurs ausgehen. Die gut zweieinhalb Stunden vergehen tatsächlich auch wie im Flug, wenngleich der Spannungsaufbau über eine Stunde beansprucht und es erst im Anschluss zur ersten Konfrontation mit den Aliens kommt. Wirklich bemerkenswert und beinahe schon ein Lehrstück in Sachen Filmstruktur.

Man liest oft, dass Camerons Drehbuch im Vergleich zum Original Schwächen in der Charakterzeichnung aufweist und man die Aliens zu lange und zu oft zu Gesicht bekommt, was der Spannung abträglich ist. Ich persönlich kann diesen Kritikpunkten nur vehement widersprechen, denn für das Genre sind die Charaktere wirklich wunderbar ausgearbeitet. Besonders die angedeutete Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Ripley und Newt gibt dem Film ein emotionales Grundgerüst, welches für einen Actionfilm außergewöhnlich tief geht. Und die Aliens? Außer der Königin im Showdown gibt es auch nicht viel mehr Alien zu sehen, als in Scotts Version. Durch den Schnitt und die voranpeitschende Handlung wirkt es aber so, als wären beständig ein Dutzend Aliens im Bild. Grandios!

Wie bereits in „Alien“ gibt es auch im Nachfolger unzählige Szenen, welche sich nicht mehr aus dem kollektiven Filmbewusstsein wegdenken lassen. Alleine der Endkampf zwischen Laderoboter-Ripley und der Königin ist epochales Actionkino. Kaum zu glauben, dass der Film in seiner ursprünglichen Fassung bereits 24 Jahre auf dem Buckel hat. Auch hier kann ich wieder nur die aktuelle Blu-ray empfehlen. Bisher war die Bildqualität von „Aliens“ ja immer eher bescheiden, doch jetzt wirkt der Film tatsächlich so, als wäre er erst gestern gedreht worden. Ein absoluter Pflichtkauf für jeden Fan.

Für mich steht „Aliens“ seinem Vorgänger in nahezu nichts nach. Objektiv betrachtet ist Scotts Film bestimmt der wichtigere – schon alleine aufgrund der natürlichen Innovativität des Erstlings. Man darf aber nicht vergessen, dass Cameron aus der vorhandenen Ausgangssituation nicht nur das maximale herausgeholt hat, sondern dem Franchise seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken konnte. Für mich wohl eine der besten Fortsetzungen überhaupt und zu Recht auf Augenhöhe mit dem Vorgänger: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Transformers (2007) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Transformers“ am 5. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer arbeitsreichen Woche hatte ich gestern Abend Lust auf einen furiosen Actionfilm, bei dem man – wie man so schön sagt – sein Gehirn an der Kasse abgeben kann. Trotz der großen Auswahl an ebensolchen Filmen, ist meine Wahl auf Michael Bays „Transformers“ gefallen – und das obwohl ich von der Verfilmung Hasbros erfolgreicher Spielzeugreihe bei der ersten Sichtung doch etwas enttäuscht war.

Transformers (2007) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Transformers (2007) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Ich weiß auch nicht woran es liegt – vielleicht wirken die hektischen Schnitte auf dem heimischen Bildschirm weniger anstrengend, als auf der großen Kinoleinwand und vielleicht klingen die Dialoge im englischen Originalton nicht ganz so dämlich, wie in der Übersetzung – doch ich hatte gestern wirklich Spaß mit dem Film. Vermutlich spielt auch die Erwartungshaltung eine große Rolle, denn dieses Mal wusste ich ja auf was ich mich einlasse: Eine lächerliche Rahmenhandlung, welche mit enormen Schauwerten umgesetzt wurde.

Der Handlungsstrang um Sam Witwicky (Shia LeBeouf) wirkt – besonders zu Beginn – immer noch recht albern, was aber durchaus zur Grundstimmung des Films passt. Michael Bays Militärfetisch ist – wie in all seinen Filmen – perfekt inszeniert, jedoch übertreibt er es in „Transformers“ damit doch etwas. Den dritten Handlungsstrang – rund um die Aufdeckung der Invasion – empfand ich dieses Mal als durchaus ansehbar. Die Zusammenführung der drei Kerngeschichten am Hoover-Damm ist schließlich noch einmal ein audiovisuelles Highlight.

Fazit

Wenn man sich an der flachen Geschichte nicht weiter stört, der bombastischen Inszenierung etwas abgewinnen kann und – im Idealfall – als Kind tatsächlich mit den titelgebenden Actionfiguren gespielt hat, dann dürfte man mit „Transformers“ durchaus seinen Spaß haben. Ich habe mich gestern tatsächlich ziemlich gut amüsiert, weshalb sich der Film eine Aufwertung verdient hat: 7/10 Punkte.

Kick-Ass (2010)

Was hatte ich mich auf diesen Film gefreut: Matthew Vaughns „Kick-Ass“ versprach ein großer, bunter Spaß zu werden. Eine Comicverfilmung, die dem Superheldengerne neue Aspekte entlocken könnte. Dank sich teils überschlagender Kritiken war ich auch guter Dinge, dass sich meine Erwartungen erfüllen werden – und so sollte es dann auch kommen…

Selten zuvor hat ein Film so exakt meine Erwartungshaltung abgebildet. „Kick-Ass“ ist bunt, laut und kocht nur so über vor seltsamem Humor. Das Konzept erinnert – und ja, dieser Vergleich ist sehr weit hergeholt – in Grundzügen an Alan Moores „Watchmen“ mit seinen kostümierten Helden. Vigilantismus in Strumpfhosen. In Matthew Vaughns Film gibt es jedoch keine ausgefeilten Charakterstudien, sondern vor allem überdrehte Comic-Action, eingebettet in absurde Handlungsstränge.

„Kick-Ass“ beginnt als Teenie-Komödie und streift leicht das Coming-of-Age-Genre, nur um im nächsten Moment in surreale Gewalt zu explorieren. Beim ersten Auftritt von Hit Girl konnte ich kaum glauben, was sich da auf dem Bildschirm abspielt: Zu BANANA SPLITS der von mir sehr geschätzten THE DICKIES gab es plötzlich ein Feuerwerk aus Blut und Gewalt – und all dies ausgeführt von einem 11-jährigen Mädchen. Moralisch natürlich fragwürdig, doch in diesem Kontext einfach nur äußerst unterhaltsam. Wahnsinn.

Nach der schön erzählten Entstehung des titelgebenden Möchtegernhelden sowie des oben genannten Auftritts von Hit Girl schleicht sich die Normalität in den Film ein. Es gibt weitere überdrehte Actionszenen, charakterbildende Momente und durchaus auch Längen. Immer noch sehr unterhaltsam, aber man hat sich in meinen Augen zu sehr auf den bereits eingeführten Elementen ausgeruht und zu wenig Feinschliff ins Drehbuch gesteckt. Dadurch bleiben die Charaktere leider auch nur das, was sie letztendlich sind: Zweidimensionale Comicfiguren.

„Kick-Ass“ wird mir bestimmt nicht sehr lange im Gedächtnis bleiben. Dazu mangelt es sowohl der Geschichte, als auch den Charakteren an Tiefe. Dafür bin ich mir sicher, dass ich bei jeder weiteren Sichtung wieder enorm viel Spaß mit dem Film haben werde: Die flotte Inszenierung, der tolle Soundtrack und die überdrehte Action haben die Comicverfilmung garantiert nicht zum letzten Mal in meinen Blu-ray-Player wandern lassen. Auf jeden Fall sehenswert: 8/10 Punkte.

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010)

Manche Filme sieht man sich an, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste. Auch Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ wurde von der Kritik übelst verrissen, doch als ich den Trailer damals im Kino sah, wusste ich: Das wird bestimmt ein großer Spaß! Alleine schon aufgrund des Kraken. Eine böse Fehleinschätzung meinerseits?

Glücklicherweise nicht. Leterriers Remake des 1981er Stop-Motion-Fantasyhits hat durchaus seine Momente. Natürlich sollte man als geneigter Zuschauer weder gigantischen Monstern noch überproduziertem Fantasy-Quatsch abgeneigt sein. Egal ob „Der Herr der Ringe“ oder „Fluch der Karibik“ – es gibt wohl kaum einen erfolgreichen Genrefilm der letzten 10 Jahre, aus dem hier nicht beliebig geklaut wurde. Doch das fällt angesichts der hanebüchen erzählten Geschichte glücklicherweise kaum noch ins Gewicht.

Richtig Spaß macht der Film in seinen überbordenden Actionsequenzen. Wenn Perseus mit seinen Kumpanen gegen fliegende Monster, riesige Skorpione oder den Kraken kämpft, dann bleibt kein Auge trocken. In diesen Szenen hat mein kleines Monsterfilmherz aufgeregt geklopft, nur um während der Szenen im Olymp kräftig ins Stolpern zu kommen. Natürlich ist auch diese himmlische Soap Teil des Films, doch musste man unbedingt Liam Neeson und Ralph Fiennes in albernen Kostümen so unmotiviert chargieren lassen?

Inszenatorisch hat die 2010er Version von „Clash of the Titans“ – einmal abgesehen von den irritierenden Szenen im Olymp – durchaus einiges zu bieten. Die Action ist wirklich schön anzusehen und auch die diversen Wanderungen unserer mutigen Recken sind wunderbar in Szene gesetzt. Insofern hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Film, wenngleich er mir auch nicht länger in Erinnerung bleiben wird. Großer Fantasy-Quatsch eben: 6/10 Punkte.

The Book of Eli

Es gibt Genres, die eine große Anziehungskraft auf mich ausüben. Zu diesen gehören alle Unterarten des Endzeitfilms. Das Leben nach der Apocalypse. Wie auch immer diese ausgesehen haben mag. Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis mir „The Book of Eli“ der Hughes-Brüder über den Weg läuft. Der Trailer sah interessant aus und so erhoffte ich mir neue Aspekte trotz der nur allzu bekannten Prämisse.

Audiovisuell ist der Film absolut beeindruckend. Stilisierte Endzeitbilder, die man in dieser Form wohl noch nicht gesehen hat. Entsättigte Landschaftsbilder werden von einem eindringlich wummernden Score begleitet. Unzählige Farbfilter geben der Wanderung unseres Helden einen surrealen Touch. Nein, diese Welt ist nicht mehr die unsrige. So wunderbar Elis Streifzug durch das wüstenartige Amerika auch anzusehen ist, so sehr hält uns diese überstilisierte Form der Inszenierung auch auf Distanz. Es fällt schwer Zugang zu dieser Welt zu finden.

Die Handlung des Films ist von Anfang auf mysteriös getrimmt. Der einsame, wortkarge Held mit undurchsichtiger Mission. Leider jedoch wirkt gerade dieser Mystery-Aspekt seltsam fehl am Platz. Eli scheint unverwundbar und was es mit dem Buch auf sich hat, erschließt sich schon alleine aufgrund des Filmtitels. Besonders das Ende des Films wirkt hier extrem aufgesetzt und gezwungen. Ja, man kann religiöse Schriften so oder so auslegen. Gutes oder Schlechtes mit ihnen bewirken. Keine Frage. Mich stört nicht der Grundgedanke des Films, sondern das reichlich platte Drehbuch. Ein fähigerer Autor hätte da wahrlich mehr herausholen können.

Richtig gut gefallen hat mir das westernartige Duell zwischen Eli (Denzel Washington) und Carnegie (Gary Oldman). Hier wird eine schöne Atmosphäre heraufbeschworen, die in ihren besten Momenten an die „Mad Max“-Trilogie erinnert, deren Qualität jedoch zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Trotz teils völlig überzeichneter Charaktere nimmt sich der Film viel zu ernst, was natürlich auch in seiner Thematik begründet ist. Dennoch hätte man da – nein, das Drehbuch ist wirklich nicht gelungen – etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen können.

Endzeitfans dürften, trotz seiner Schwächen, Spaß an dem Film haben. Die spärlich eingesetzte Action ist zwar fragwürdig, aber stets gut inszeniert. Leider ist die Geschichte größtenteils recht hanebüchen, was – besonders gegen Ende – ziemlich viel kaputt macht. Zum einmal Schauen kann man jedoch durchaus eine Empfehlung aussprechen. Man sollte sich nur nicht zu viel erwarten: 6/10 Punkte.

Inception (2010)

Gestern Abend haben wir unser Zappelinchen zum ersten Mal in treusorgende Hände gegeben, um einmal wieder einen Abend in trauter Zweisamkeit zu genießen. Was lag da näher, als mit Christopher Nolans „Inception“ einmal wieder den Zauber der großen Leinwand zu spüren? Nicht nur das große Medienecho hatte mich neugierig gemacht. Was ist also dran am neuen Überfilm des gefeierten Regisseurs?

Natürlich ist bei solch einem Hype immer Vorsicht geboten, besonders wenn man sich erst bei dessem Abflachen seine eigene Meinung bilden kann. Mich jedoch hatte „Inception“ bereits in seinen Bann gezogen, als die ersten Informationen über die Handlung an die Öffenlichkeit drangen. Ein weiterer Traumfilm. Endlich! Dazu ein mehr als nur fähiger Regisseur und ein großes Budget. Ich mochte ja schon Tarsem Singhs unterbewerteten Bilderrausch „The Cell“ und Bernard Roses „Paperhouse“, in dem ein Kind durch düstere Albtraumlandschaften durchstreift.

„Inception“ geht das Thema Traum sehr technisch an. Es wird ein komplexes Regelwerk aufgebaut, an das sich unsere Helden halten müssen, um ihren Auftrag – ein mehr oder minder simpler Heist – zu erfüllen. Im Gegensatz zu den zuvor von mir genannten Filmen gibt es in Nolans Traumlandschaften keine surrealen Elemente. Selbst die jetzt schon berühmte Faltszene entspringt eher einem technischen Hintegrund: Traumarchitekten bauen Traumlabyrinthe und genau so mechanisch, wie man sich das vorstellt, sieht das letztendlich auch aus. Auch wenn ich gerne weitere Traumeigenschaften (spontane Zeit- und Ortswechsel usw.) gesehen hätte, so hat der eher realistische Traumstil doch auch zur Stringenz der Geschichte beigetragen, denn wie sagte Cobb so schön? Dreams feel real while we’re in them. It’s only when we wake up that we realize something was actually strange.

Die Handlung des Films macht wirklich Spaß. Man ist immer am Ball und gespannt, was wohl als nächstes passieren mag. Als der Film zu Ende war hatte ich zudem nicht das Gefühl zweieinhalb Stunden im Kino gesessen zu haben, doch Traumzeit vergeht eben viel schneller. Überhaupt nicht verstehen kann ich allerdings, wie man den Film als zu komplex wahrnehmen kann. Sicher gibt es am Ende vier Handlungsebenen, doch diese sind in der Montage so klar voneinander getrennt, dass es eigentlich überhaupt nicht zu Missverständnissen kommen kann. Mitdenken schadet natürlich nicht, doch wer „Inception“ schon zu kompliziert findet, der sollte tunlichst die Finger von Cronenberg, Lynch und Co. lassen.

Über die Originalität der Geschichte kann man sich natürlich streiten. Wie bereits mehrfach in der Blogosphäre zu lesen war, gibt es die Grundidee von „Inception“ bereits in Don Rosas „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“ zu lesen. Genauer gesagt in der Geschichte „Lebensträume“, in der die Panzerknacker mithilfe eines Geräts von Daniel Düsentrieb in die Träume von Onkel Dagobert eindringen und versuchen seine Safekombination in Erfahrung zu bringen (die gesamte Geschichte gibt es hier nachzulesen). Was das nun bedeutet? Was ich schon immer wusste: Die Duck-Comics – insbesondere Carl Barks‘ und Don Rosas Werke – stecken voller famoser Ideen, die auch auf der großen Leinwand Bestand hätten.

Einen weiteren Vergleich muss sich „Inception“ nun von mir gefallen lassen – und zwar den Vergleich zu Martin Scorseses jüngsten Film. Wenn ihr euch nun fragt, was der simple Thriller „Shutter Island“ – Leonardo DiCaprio einmal außen vor gelassen – denn mit Christopher Nolans gepriesenem Meisterwerk zu schaffen haben soll, dann schaut einmal genau hin: Beide Filme handeln von nicht verarbeiteten Schuldgefühlen, in beiden Filmen flüchtet sich die Hauptfigur deshalb in eine Traumwelt und beide Filme enden äußerst ambivalent. Und die vielleicht wichtigste Parallele: Beide Filme haben bei mir ähnliche Emotionen hervorgerufen. Denkt einmal darüber nach.

Um mit meinen Ausführungen zu einem Ende zu finden, muss ich noch festhalten, dass ich „Inception“ zwar unglaublich mitreißend und unterhaltsam fand, jedoch den Hype um den Film nicht so recht verstehen kann. Doch das ging mir bereits bei Nolans „The Dark Knight“ so. So gut „Inception“ auch ist, er ist nicht Nolans bester Film. „Memento“ war innovativer und „The Prestige“ einfach faszinierender, doch das ist vielleicht nur meine Meinung. So oder so lohnt es sich auf jeden Fall diesem Traumlabyrinth einen ausführlichen Besuch abzustatten: 9/10 Punkte.

Sherlock Holmes (2009)

Früher habe ich Guy Ritchies Filme geliebt. Sowohl „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ als auch „Snatch“ waren damals echte Kultfilme in meinem Freundeskreis. Danach habe ich jedoch schnell das Interesse an Ritchies Werk verloren. Erst mit seiner 2009er Interpretation von „Sherlock Holmes“ tauchte er wieder auf meinem Radar auf. Eine zweifelsfrei lohnende Wiederbegegnung. Keine Frage.

Zunächst einmal fällt die grandiose Optik des Films auf. Die Ausstattung ist wahrlich überwältigend. Besonders das detailreiche Bild der Blu-ray lädt öfter einmal dazu ein, einzelne Frames ausführlich zu studieren. Trotz des viktorianischen Settings wirkt der Film unglaublich dynamisch und modern. Hier hat man – auch was die Charaktere angeht – eine äußerst faszinierende Mischung aus klassischem Abenteuer- und modernem Actionfilm geschaffen. Da macht das Zuschauen wirklich Spaß.

Neben der Optik lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Robert Downey Jr. („Ironman“) und Jude Law geben ein herrliches Leinwandpaar, welches eine wunderbare Chemie besitzt. Dabei kann der Film eine homoerotische Spannung zwischen seinen Figuren nicht verleugnen, was auch durchaus zum schrägen Ton des Films passt. Die leider nicht sonderlich tief gehenden Charaktermomente sind auch das Highlight des Films und trösten über so manche Schwäche in der Geschichte hinweg.

Die Handlung ist wirklich nicht sonderlich innovativ. Ein Bösewicht, ein paar falsche Fährten, stimmungsvolle Sets und ein paar knackige Actionsequenzen. Am Ende dann eine wenig überraschende Auflösung samt Showdown. Leider nichts, was besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Das ist leider auch der Knackpunkt, der dem Film letztendlich eine höhere Bewertung verwehrt.

Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ ist eine spannend inszenierte und modern visualisierte Interpretation der klassischen Detektivreihe. Der Film macht teils (besonders in seiner Hälfte) unglaublich viel Spaß, gegen Ende enttäuscht die Geschichte dann leider doch etwas. Dennoch sollte man sich den Film alleine aufgrund seiner famosen Optik und den gut aufgelegten Darstellern ansehen. Einfach unterhaltsames Popcornkino: 7/10 Punkte.

2012 (2009)

Was für ein Trash! Das waren wohl die Worte, die mir bei der Sichtung von Roland Emmerichs „2012“ am häufigsten durch den Kopf gegangen sind. Bei seiner Kinoauswertung hat mich der Film nicht sonderlich interessiert, doch da die Effektszenen im Trailer durchaus beeindruckend sind und ich zudem John Cusack recht gerne sehe, habe ich mich dennoch auf den Film eingelassen.

Die erste Stunde ist auch richtig gute Unterhaltung, wenn man in der Lage ist sich auf den Film einzulassen. Wer mehr erwartet, als ein monströses Effektspektakel, darf sich eigentlich sowieso nicht beschweren. Die Prämisse ist zugeschnitten auf eine Genereration von Zuschauern, welche „Galileo“ oder „Welt der Wunder“ als hochwissenschaftliche Sendungen sehen. Wohl unterhaltsam, aber eben auch nicht konsumierbar ohne sich stets zu denken: Was für ein Trash!

Der pseudowissenschaftliche Hintergrund ist für den Spannungsaufbau durchaus ausreichend und die Charaktere werden – typisch für dieses Genre – in episodenhaften Szenarien vorgestellt. Soweit, so gut. Als dann das Chaos losbricht gibt es unglaubliche Schauwerte zu bewundern. Beinahe schon zu viel für die Rezeptoren. Reizüberflutung deluxe. Mit „2012“ hat Emmerich wohl tatsächlich die obere Fahnenstange des Gigantismus im Katastrophenfilm erreicht. Mehr wird – zumindest in den kommenden Jahren – einfacht nicht gehen.

Ungefähr ab der Hälfte – und nachdem man mit Woody Harrelsons Charakter die unterhaltsamste Figur des Films vorzeitig hat aussteigen lassen – gibt es die ersten wirklich dramatischen Szenen zu sehen und mit diesen fällt der Film in sich zusammen. Die Charaktere sind viel zu blass, um echtes Drama transportieren zu können. Das Drehbuch ist zu flach und schlecht konstruiert, um das Interesse über die viel zu langen zweieinhalb Stunden aufrecht zu erhalten. Selbst den tollen Effektszenen wurde ich irgendwann überdrüssig.

Das Finale auf der Arche ist zudem wirklich öde. Es mag daran liegen, dass ich gestern auch schon ziemlich müde war, doch die pseudo-humanitären Diskussionen um den Wert eines Menschenlebens waren einfach nur nervtötend und zudem schlecht geschrieben und langweilig inszeniert. Wer will so etwas in einem Film wie „2012“ schon sehen? Hier konnte sich der Film nicht einmal mehr auf seinen Trashfaktor berufen, der ihn in den vorherigen zwei Stunden über Wasser gehalten hat.

Auch wenn ich als CGI-Freund die Effekte ziemlich gelungen und beeindruckend fand, so muss ich doch sagen, dass der restliche Look des Films doch sehr an meinen Nerven gezerrt hat: Liebe Regisseure (und besonders Michael Mann), bitte lasst die Finger von diesem scheußlichen Videolook! Das will im Kino wirklich niemand sehen. Glücklicherweise fällt dieser Look nur in wenigen Szenen auf, doch das reichte aus, um mich immer wieder aus dem Film zu reißen.

Insgesamt hat Emmerich mit „2012“ zum dutzendsten Mal die gleiche Geschichte erzählt. Dieses Mal nur mit noch mehr Wumms und noch weniger Drehbuch. Visuell teils atemberaubend, doch inhaltlich einfach nur mau. Kann man sich als VFX-Freund durchaus anschauen und als solcher wird man ein absolut durchschnittliches Effektespektakel bis zu einem gewissen Grad auch zu schätzen wissen: 5/10 Punkte. Was für ein Trash!