30 Rock – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 7)

Kaum zu glauben, dass meine erste Begegnung mit „30 Rock“ inzwischen schon sieben Jahre zurückliegen soll. Damit heißt es Abschied nehmen von einer der intelligentesten und stets aktuellsten Comedys, die je über meinen Bildschirm geflimmert ist. Was werde ich die Wortgefechte zwischen Liz Lemon und Jack Donaghy vermissen. Keine tagesaktuellen Witze oder Anspielungen auf den Heimsender NBC mehr. Kein Tracey, keine Jenna, kein Kenneth. Schade, doch es war eine verdammt gute Zeit!

30 Rock | © NBC

30 Rock | © NBC

„30 Rock“ lief damals in direkter Konkurrenz zu Aaron Sorkins „Studio 60 on the Sunset Strip“ und es sollte sich schon bald abzeichnen, dass nur eine Serie, die hinter die Kulissen einer großen Unterhaltungssendung blickt, überleben sollte. Auch wenn die Genres grundsätzlich verschieden sind, so konnte in der Wahrnehmung der Zuschauer – und wohl auch der Networks – anscheinend nur eine Sendung überleben. Ich für meinen Teil habe beide Serien sehr gerne gesehen und hätte damals wohl sogar Aaron Sorkins Drama bevorzugt – letztendlich bin ich doch wirklich sehr froh, dass die Serie rund um die fiktive Sketch Comedy „TGS with Tracy Jordan“ überlebt hat.

Auch nach sieben Jahren war kaum ein Qualitätseinbruch zu erkennen, was eine Seltenheit bei solch langlebigen Serien darstellt. Sicher war die erfrischende und selbstironische Art politische, popkulturelle und zeitgeschichtliche Ereignisse zu verarbeiten gegen Ende nicht mehr neu, doch hatte ich nie das Gefühl die Serie hätte sich selbst überlebt. Auch das Finale hat mir ausgezeichnet gefallen, da z.B. selbst die Doppelfolge als Event zum Serienende selbstreflektierend in die Handlung eingearbeitet wurde. Die letzte Szene nach den Credits hat mich zudem mit einem großen Grinsen zurückgelassen. Auf welchem anderen Weg hätte die Serie auch enden sollen?

Natürlich war „30 Rock“ stehts überdreht, hat auf mehr Metaebenen gespielt, als alle Serien die ich kenne („Community“ vielleicht ausgenommen) und konnte dennoch eine glaubhafte eigene Welt aufbauen. Ebenso waren die Charaktere allesamt vollkommen überzeichnet, doch blieben sie dabei sympathisch und innerhalb ihrer Welt glaubhaft. Loben muss ich auch die Schauspieler, die allesamt fantastisch gespielt haben – allen voran Tina Fey, die für mich wohl die lustigste Frau auf Erden ist, und Alec Baldwin, der den republikanischen Großkapitalisten mit Herz besser gibt, als man sich das in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können.

Erwähnenswert finde ich noch die beiden Live Shows, die sowohl für die Ost- als auch Westküste jeweils live ausgestrahlt wurden, was die Kreativität aller Beteiligten noch einmal zusätzlich forderte und für etliche Gaststars sorgte. Wirklich sehr gelungen. Wenn ich an „30 Rock“ denke, dann muss ich übrigens auch immer an meinen eigenen Besuch von 30 Rockefeller Plaza denken. Schade nur, dass nicht Kenneth Parcell die Führung geleitet hat.

Fazit

Wir ihr merkt bin ich selbst nach sieben Jahren immer noch begeistert von dieser Serie und auch wirklich traurig, dass ich in ein paar Monaten nicht mehr in die fiktive Version des NBC-Studios im Rockefeller Center zurückkehren werde. Wer die Serie noch nicht kennt, dem kann ich sie nur ans Herz legen. Alle anderen dürften ohnehin bereits entschieden haben, ob sie mit dieser Art von Humor klar kommen. Ich für meinen Teil werde Liz, Jack und Co. vermissen. Ihr gehört zu den Guten: 9/10 Punkte.

Fringe – Season 5

Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass sich diese Serie einmal so stark entwickeln wird? Angefangen als durchaus nette Mystery-of-the-Week-Show, bietet „Fringe – Season 5“ im leider letzten Jahr Science-Fiction der Extraklasse. Wirklich erfolgreich war die Serie dabei nie, konnte jedoch eine treue Anhängerschaft aufbauen, weshalb FOX – es geschehen noch Zeichen und Wunder – ihr einen würdigen Abschluss ermöglichte. Spoiler sind zu erwarten.

fringe_s5_3

Nachdem die vierte Staffel einen etwas konfusen Handlungsbogen (vom Paralleluniversum hin zu einer alternativen Zeitlinie samt gleicher und doch anderer Charaktere) bot, war die Zielsetzung des Finales von Anfang an recht klar: Es wurde direkt an die Episode „Letters of Transit“ der vierten Staffel angeknüpft, die uns einen Blick auf die von Observern dominierte Zukunft gewährte. Der Widerstandskampf unserer liebgewonnenen Charaktere gegen diese scheinbar unbesiegbaren Invasoren stand im Mittelpunkt der Handlung und sollte auch Zentral für alle Elemente des eigentlichen Serienfinales sein.

Zu Beginn wirkt alles sehr neu und anders. Man befindet sich in einer totalitären Welt, die mehr an George Orwell, als an die bekannte und oft durchaus farbenfrohe Mysterwelt der bisher bekannten Serie erinnert. Die Themen werden schwerer und die Bedrohung ist unmittelbarer – zumal alle Charaktere auch von großen Verlusten gezeichnet sind. Selbst für Walter scheint es dieses Mal keinen Ausweg zu geben, ist er doch in Gefahr sich selbst zu verlieren.

Mir hatte bereits die aus dem normalen Rahmen herausfallende Episode im vierten Jahr der Serie ausgezeichnet gefallen. Umso erfreuter war ich, eine Staffel zu sehen, die komplett in dieser Welt spielt. Aufgrund der begrenzten Anzahl von nur 13 Episoden, wird die Handlung auch recht zügig vorangetrieben, weshalb ich auch ab und zu den Faden verloren hatte, wer nun wann und in welcher Zeitlinie konserviert wurde und wie sich die Ereignisse dieser Staffel in die bisherige Serie einfügen. Dennoch wurden sowohl die Geschichte, als auch die Charaktere zu einem würdigen Finale geführt, das mich weit mehr überzeugte, als das der letzten großen J.J. Abrams-Serie.

Um die Entwicklung der Serie aufzuzeigen, habe ich im Folgenden ein Ranking aufgestellt, das noch einmal verdeutlich, wie stark sich die Serie über die letzten Jahre entwickelt hat. Auch die ersten beiden Staffeln sind nicht schlecht, doch fehlt ihnen noch der epische Handlungsbogen. Interessanterweise ergibt sich zusammen dennoch ein absolut schlüssiges Gesamtbild, was man den Autoren durchaus zugute halten muss:

  1. „Fringe – Season 3“
  2. „Fringe – Season 5“
  3. „Fringe – Season 4“
  4. „Fringe – Season 2“
  5. „Fringe – Season 1“

Für alle Fans der Serie führt ohnehin kein Weg an der finalen Staffel vorbei. Allen anderen kann ich „Fringe“ an dieser Stelle nur noch einmal ans Herz legen. Ich werde die Serie vermissen, da sich besonders John Noble als Dr. Walter Bishop in mein Herz gespielt hat und eine der denkwürdigsten Leistungen der letzten Jahre ablieferte. Aber ich möchte mich nicht beschweren, denn fünf gelungene Jahre sind mehr, als man sich eigentlich jemals von der Kombination „Fringe“ und FOX hätte erwarten dürfen: 9/10 (8.6) Punkte.

Parenthood – Season 4

Und wieder geht ein Jahr mit meiner Lieblingsfernsehfamilie zu Ende. Anders als noch zu Beginn der Staffel gedacht, stellt „Parenthood – Season 4“ vermutlich doch nicht das Finale dieser wunderbaren Serie dar. Für mich eine äußerst erfreuliche Entwicklung, gehört die Show rund um den Braverman-Clan doch erneut zu meinen absoluten Highlights der laufenden TV-Saison. Spoiler sind zu erwarten.

parenthood_s4

Der Start ins neue Jahr beginnt auch für den Zuschauer zunächst mit Veränderungen. So verlässt Haddie ihre Familie, um aufs College zu gehen, Sarah nimmt einen neuen Job in einem Fotostudio an und Amy macht Schluss mit Drew. Das alles wird äußerst unterhaltsam und sehr emotional erzählt. Besonders Haddies Abreise hat mich zusammen mit Peter Krause („Six Feet Under“), der ihren Vater Adam Braverman spielt, doch die eine oder andere Träne verdrücken lassen. Überhaupt ist die vierte Staffel die wohl bisher emotionalste, was größtenteils an der bereits in der zweiten Episode eingeführten Krebserkankung von Adams Frau Kristina liegt. Unglaublich stark und mitreißend rezählt – und das sage ich, obwohl ich solche Handlungsstränge normalerweise nicht mag.

Neben dem großen Thema Krebs steht diese Staffel eindeutig die Adoption Victors durch Julia und Joel im Vordergrund, was auch für einige herzzerreißende Szenen sorgt. Daneben wirkt das Liebesdreieck, in dem sich Sarah mit Mark (Jason Ritter, „The Event“) und Hank (Ray Romano, „Men of a Certain Age“) befindet, geradezu lächerlich – und ist dennoch ziemlich unterhaltsam. Auch die anderen Familienmitglieder bekommen ihre kleinen und großen Handlungsbogen spendiert, so dass man am Ende der Staffel erneut das Gefühl hat ein aufregendes – wenn auch viel zu kurzes – Jahr mit den Bravermans verbracht zu haben.

Insgesamt würde ich die Staffel am liebsten mit glatten 10 Punkten bewerten, doch gab es ein paar Episoden, die nicht 100%-ig in all ihren Storylines überzeugt haben. Somit kommt das vierte Jahr nicht ganz an die vorangegangene Staffel heran, was jedoch keineswegs bedeutet, dass es mit der Qualität abwärts gegangen ist – und ich kann nach wie vor guten Gewissens behaupten, dass „Parenthood“ zu den besten aktuell laufenden Network-Serien gehört. Nun beginnt wieder das Bangen, denn eine Verlängerung ist – auch wenn es im Moment recht gut aussieht – noch lange nicht in trockenen Tüchern. Ich jedoch kann und will den Braverman-Clan jetzt noch nicht ziehen lassen: 9/10 (9.3) Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 1 (WS1)

Nach knapp zwei Wochen kann ich nun guten Gewissens behaupten, dass die Komplettbox von „Die wilden Siebziger!“ das perfekte Weihnachtsgeschenk ist – obwohl man den Scotch auch nicht verachten sollte. In nur zehn Tagen habe ich „That ’70s Show – Season 1“ komplett gesehen, was durchschnittlich ca. zwei bis drei Episoden pro Abend bedeutet. Und das Wunderbare ist, dass ich im Gegensatz zum letzten Durchgang nun direkt mit der zweiten Staffel weitermachen kann…

that_70s_show_s1

Auch bei dieser aktuellen Sichtung hat mich erstaunt, wie modern die Serie selbst nach inzwischen 15 Jahren seit ihrer Erstausstrahlung wirkt – und das Wichtigste: Sie ist immer noch unglaublich lustig! Die Gruppendynamik zwischen Eric, Hyde, Donna, Jackie, Kelso und Fez funktioniert einfach. Jeder Charakter ist auf seine Art wichtig und trägt etwas zur Gruppe bei. Hinzu kommt die Art der Inszenierung, die oft eher an moderne Single-Camera-Comedys, wie z.B. „Scrubs“, erinnert und nicht an angestaubte Sitcoms vor der Jahrtausendwende.

Füher konnte ich mich natürlich am ehesten mit Eric und Co. identifizieren, da ich altersmäßig ziemlich nah dran an den Problemen und Hoffnungen der dargestellten Jugend war. Die Erzählstränge rund um die Eltern waren für mich eher Füllwerk. Heute jedoch befinde ich mich als Vater zweier – zugegebenermaßen noch recht junger – Kinder irgendwo dazwischen, was den Spaß noch einmal verdreifacht, da ich inzwischen manchmal sogar eher die Ansichten Reds und Kittys teile. Überhaupt gehören Erics Eltern zu meinen absoluten Lieblingscharakteren. Exzellent gespielt und geschrieben.

Wie bereits beim letzten Durchgang ist mir auch der Coming-of-Age-Aspekt wieder positiv aufgefallen. Die Serie ist zwar eindeutig eine Sitcom, doch werden auch ernste Aspekte (Arbeitslosigkeit des Vaters, Tod der Großmutter usw.) angesprochen und durchaus subtil in die Handlung eingewoben, ohne dabei wie Fremdkörper zu wirken.

Diese erste Staffel ist auch ziemlich stark, was ihre einzelnen Episoden und die darin erzählten Geschichten angeht. Ausfälle sind absolut keine auszumachen. Zu meinen Lieblingsepisoden gehört z.B. „A New Hope“, in der das Phänomen „Star Wars“ einfach nur herrlich in die Handlung eingewoben wird. Gaststars, wie Joseph Gordon-Levitt oder Dwayne ‚The Rock‘ Johnson, sorgen zudem für Abwechslung.

Fazit

Ich liebe diese Serie und für mich ist wahrlich unverständlich, warum sie hierzulande nur wenige Anhänger hat. Ich freue mich nun bereits enorm auf die verbleibenden sieben Staffeln, von denen ich damals bestimmt auch noch nicht alle gesehen habe. Wer Sitcom-Freund ist und denkt bereits alles in dem Genre gesehen zu haben, der sollte hier unbedingt einmal reinschauen: 9/10 (9.1) Punkte.

Kevin: Allein zu Haus – OT: Home Alone (1990)

Aktualisierung: Ich habe „Kevin: Allein zu Haus“ am 11. Dezember 2020 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Während die gesamte filmische Blogosphäre Kritiken zu Peter Jackson jüngstem Ausflug nach Mittelerde verfasst, schreibe ich heute meine erste Filmkritik nach knapp sieben Wochen unfreiwilliger Pause. Die Wahl fiel mit „Kevin: Allein zu Haus“ auf einen der Jahreszeit angemessenen und wohlbekannten Klassiker meiner Jugend. Ob die erste Sichtung seit bestimmt 12-15 Jahren an den Erfolg von damals anschließen konnte?

Kevin: Allein zu Haus (1990) | © 20th Century Fox

Kevin: Allein zu Haus (1990) | © 20th Century Fox

Früher war „Home Alone“ einer dieser Filme, bei denen man eben eingeschaltet hat bzw. die Eltern überredete einzuschalten. Zwar war ich bei den ersten TV-Ausstrahlungen schon etwas älter, als der im Deutschen titelgebende Kevin, doch hatte der Film bei mir ganz klar einen Nerv getroffen. Als Teenager habe ich ihn dann jedoch aus den Augen verloren und so war ich heute umso erfreuter, zu erkennen, was John Hughes und Chris Columbus damals tatsächlich geschaffen haben: einen der zurecht großen Weihnachtsklassiker meiner Generation.

John Hughes hatte schon immer ein Händchen dafür die Gefühle von Kindern bzw. meist Jugendlichen auf die Leindwand zu bannen und ihnen somit eine Stimme zu geben. Auch wenn „Kevin: Allein zu Haus“ anders ist, als die meisten seiner Filme, so lassen sich gewisse Themen doch auch darin wiederfinden. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird in der Eingangsszene herrlich auf die Spitze getrieben und der wohl nur allzu bekannte Wunsch endlich einmal alleine sein zu wollen, bildet die Grundlage eines Feuerwerks aus Slapstick auf der einen und berührenden Weihnachtsszenen auf der anderen Seite.

Es ist schon erstaunlich, wie einen die Erinnerung trügen kann. Die eigentliche Konfrontation Kevins mit den beiden tölpelhaften Einbrechern (grandios gespielt von Joe Pesci und Daniel Stern) dauert tatsächlich nicht einmal 20 Minuten, doch hätte ich schwören können, dass diese Szenen einen Großteil des immerhin 100-minütigen Films ausmachen. Dennoch sind es gerade der Spannungsaufbau sowie Kevins Auskosten des Alleineseins, die den Ton setzen und „Home Alone“ wohl für nahezu alle Zielgruppen zu solch einem durchschlagenden Erfolg werden ließen.

Obwohl Chris Columbus‘ Weihnachtskomödie heute bereits über 20 Jahre alt ist, so wirkt sie immer noch erstaunlich frisch und ich musste bei den Slapstickeinlagen erneut herzlich lachen. Man mag von Macaulay Culkin – der mir mit „My Girl“ eines der traumatischsten Filmerlebnisse meiner Jugend bescherte – halten, was man will, doch damals war er wahrlich die perfekte Wahl für Kevin McCallister. Die Bewertung mag nostalgisch gefärbt sein, doch ist „Kevin: Allein zu Haus“ auch heute noch einer der am besten durchkomponierten – und das nicht nur aufgrund John Williams‘ famosen Scores – Feiertagsfilme: 9/10 Punkte.

Coupling – Season 1 to 4

An meine erste Begegnung mit Steve Moffats bahnbrechender Comedy-Serie kann ich mich noch erinnern als wäre es erst gestern gewesen. Bei der deutschen Erstausstrahlung wirkte „Coupling – Season 1 to 4“ unglaublich frisch, frech und provokant – besonders im Vergleich zu anderen damals laufenden Sitcoms. Insofern war ich neugierig, wie sich die Serie heute – immerhin 10 Jahre nach der ersten Sichtung – so schlägt…

Mir war die Serie besonders durch ihre anzüglichen Witze in Erinnerung, die damals ein absolutes Novum darstellten. Heute dagegen ist man durch Serien wie „Californication“ o.ä. ganz andere Kaliber gewöhnt, doch überzeugt „Coupling“ auch heute noch durch den besonderen Wortwitz und die innovative Erzählstruktur. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass es Serien wie „How I Met Your Mother“ ohne die BBC-Produktion nicht in der Form gegeben hätte, wie wir sie heute kennen: Splitscreen, unzuverlässige Erzähler, unterschiedliche Erzählperspektiven usw. All dies kombiniert Moffat leichter Hand mit wunderbar geschriebener Beziehungs-Comedy und grandiosen Figuren. So dürften Jeff und Patrick wohl auch einen Serienfreunden nicht unbekannten Barney Stinson inspiriert haben…

Weiterlesen

Sherlock – Season 2

Nachdem sich die ganze Welt schon begeistert über „Sherlock – Season 2“ geäußert hat, kann nun auch ich leicht verspätet meinen Senf dazu geben. Nach der wunderbaren ersten Staffel war die Vorfreude auf jeden Fall groß und nach der Sichtung kann kann ich nun kaum glauben, dass es schon wieder vorbei ist. Drei Episoden pro Staffel sind einfach viel zu wenig…

Interessanterweise gleicht die Struktur der Staffel der vorherigen sehr. Anscheinend wollte man sich nicht auf Experimente einlassen und hat das Erfolgsrezept konsequent weitergeführt. So erleben wir in der ersten Episode wie  Sherlock zur öffentlichen Person wird. Zwar wurde das durch Dr. John Watson geführte Blog bereits zuvor thematisiert, doch nimmt es in Kombination mit den in der Presse veröffentlichten Artikeln einen ganz neuen Stellenwert ein. Der Bekanntheitsgrad ist gestiegen und somit ändert sich auch die Dynamik der Ermittlungen.

Mein Favorit dieser zweiten Staffel ist wohl „A Scandal in Belgravia“, da diese Episode in jeder Hinsicht überzeugen kann: Ein spannender Fall, Action, Überraschungen und exakt die Art von Ermittlungsarbeit, die man sich von Sherlock und Watson erwartet. Nahezu perfekt. Die Vorlage von „The Hounds of Baskerville“ ist weithin bekannt, so dass ich äußerst gespannt war, wie man diese wohl umsetzen würde. Die Modernisierung fand ich auch hier sehr gelungen, wenngleich die Episode eindeutig die schwächste der Staffel ist, da die klassische Ermittlungsarbeit fehlt und man sich doch sehr den Genrekonventionen beugt. „The Reichenbach Fall“ ist schließlich der krönende Abschluss, der zwar äußerst mitreißend erzählt ist, insgesamt jedoch etwas zu konstruiert wirkt. Über den Cliffhanger könnte ich mich übrigens erneut aufregen. Das hätte diese Serie nicht nötig – besonders wenn man die geringe Episodenzahl bedenkt…

Vermutlich kann ich mir die Worte sparen, doch wer „Sherlock“ noch nicht gesehen hat, sollte unbedingt reinschauen. Spannende, großartig inszenierte und auf den Punkt geschriebene Unterhaltung. Nach „Coupling“ (und ja, ich weiß auch „Doctor Who“) der zweite (bzw. dritte Coup) des überaus talentierten Steve Moffat. Nun heißt es wieder warten und ich kann nur hoffen, dass Peter Jackson Martin Freeman nicht für zu viele Nachdrehs einplant. Bitte mehr davon – und das möglichst schnell: 9/10 (9.0) Punkte.

Damages – Season 1

Jede Serie hätte es nach dem „Six Feet Under“-Marathon schwer gehabt. Also habe ich mit „Damages – Season 1“ begonnen eine Serie zu verfolgen, für die sich meine Hoffnungen ohnehin in Grenzen hielten. Eine Anwaltsserie erschien mir nicht sonderlich spannend. Das Genre rangiert bei mir ohnehin nur knapp vor Medical Drama. Aufgrund der guten Kritiken und des günstigen Preises für die Blu-ray hatte ich dennoch zugeschlagen – und sollte reich belohnt werden…

Meine erste Drama-Serie, die ich mehr oder weniger regelmäßig verfolgt habe, dürfte 1998 wohl „Ally McBeal“ bei der deutschen Erstausstrahlung gewesen sein. So toll ich die Serie damals auch fand, so konnte ich danach keine Anwaltsserien mehr sehen. Selbst der inoffizielle Nachfolger „Boston Legal“ hat mich aufgrund der starren Fall-der-Woche-Struktur ziemlich gelangweilt. Seitdem habe ich das Genre gemieden und hätte folglich nicht erwartet, wie sehr mich „Damages“ mitreißt. Am liebsten hätte ich die gesamte Staffel ohne Unterbrechung gesehen – und obwohl bei mir noch weitere Serien auf ihre Sichtung warten, habe ich kurz vor dem Finale bereits die beiden nachfolgenden Staffeln, die es leider nicht auf Blu-ray gibt, geordert.

Die Struktur der Serie lädt von Anfang an zum Mitfiebern ein: In körnigen Bildern wird uns die Haupfigur Ellen Parsons, gespielt von Rose Byrne, präsentiert. Sie ist blutverschmiert und bewegt sich wie in Trance. Von diesem Ausgangspunkt wird die Geschichte in langen Rückblenden erzählt, gegen Ende der Staffel nimmt jedoch die Handlung in der Gegenwart einen immer größeren Stellenwert ein. Durch diesen dramaturgisch einfachen und doch äußerst effektiven Kniff baut die Serie eine Spannung auf, der man sich nur schwer entziehen kann. Langweiliges Anwaltsgerede muss man in „Damages“ nicht über sich ergehen lassen, dafür gibt es spannende Wendungen und Intrigen. Die gut geschriebenen – und vor allem gut gespielten (u.a. Glenn Close oder Ted Danson) – Charaktere sind allesamt keine keine Heiligen und kämpfen, sehr zur Freude der Zuschauer, mit harten Bandagen.

„Damages“ ist eine dieser treibenden Serien, für die man sich am besten ein langes Wochenende reservieren sollte. Erinnerungen an so manche „24“-Staffel oder auch „Dexter“ und Co. werden wach. Auch wenn es wohl keine Serie ist, die mich über ihre Laufzeit hinaus beschäftigen wird, so hat sie mich während der Sichtung doch unerwartet gut unterhalten. Dafür eine mehr als nur dicke Empfehlung: 9/10 (8.6) Punkte.

Six Feet Under – Season 5

Gut zwei Monate nach meiner ersten Begegnung mit den Fishers, habe ich gestern die letzte Episode von „Six Feet Under – Season 5“ gesehen. Für diese letzte Staffel habe ich mir bewusst mehr Zeit gelassen, doch nach knapp drei Wochen hieß es endgültig Abschied nehmen. Ich kann jetzt schon vorausschicken, dass mich zuvor wohl kaum eine zweite Serie emotional so stark für sich beansprucht hat. Warum erfahrt ihr in der folgenden Besprechung, doch lest sie mit bedacht, denn Spoiler sind zu erwarten.

Am Ende der vierten Staffel sah es noch so aus, als wäre den Mitgliedern der Familie Fisher ein kurzer Moment der Erleichterung vergönnt. Doch auch im finalen Jahr prasseln die Schicksalsschläge nur so auf die Fishers ein: Brenda und Nate verlieren ihr ungeborenes Kind, was den Keil nur tiefer zwischen sie treibt. Ruth sieht sich dagegen mit einem Ehemann konfrontiert, der nach seiner Elektroschocktherapie nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Auch die anderen Charaktere straucheln, was in der grandiosen Episode „Time Flies“ rund um Nates 40. Geburtstag wunderbar auf die Spitze getrieben wird. Ein Pulverfass kurz vor dem explodieren und doch nur ein Schatten dessen, was sich bis zum Serienfinale noch alles entwickeln sollte…

Trotz der erneut sehr schwermütigen Elemente gibt es genug zu lachen, was größtenteils herrlich absurden Situationen geschuldet ist. Man erlebt Claire in einem typischen Bürojob, darf David und Keith bei der Kindererziehung bestaunen und sieht wie sich Rico durch den Single-Dschungel kämpft. Natürlich wäre es nicht „Six Feet Under“, wenn die Autoren nicht eine Vielzahl an Mehrdeutigkeiten und oft schmerzhaften Wahrheiten in diesen scheinbar leichten Erzählsträngen versteckt hätten. Das Lachen bleibt einem also nach wie vor oft genug im Halse stecken.

In den letzten vier Episoden vor dem Finale feuert Alan Ball noch einmal aus allen Rohren – auch wenn es wohl kein unpassenderes Bild gibt, um den letzten großen Handlungsbogen zu beschreiben. Ich war die gesamte letzte Woche wie gefangen in dieser Welt und die am Abend zuvor gesehene Episode ist mir noch den ganzen darauf folgenden Tag nachgehangen. Das ist mir seit dem Finale von „The Sopranos“ nicht mehr passiert und wurde nur noch durch die letzte Episode in Überlänge übertroffen. Zwar ist es mir gelungen Spoiler zu vermeiden, doch bereits seit den ersten Episoden der Serie war mir klar, wie ich als Showrunner diese Serie enden lassen würde – und so kam es dann auch: Ich muss allerdings zugeben, dass mir die Endmontage zu überstilisiert war. Weichzeichner und überstrahlte Bilder? Das hätte nicht sein müssen. Die Erwartungen waren aber auch verdammt hoch und letztendlich hat mich das Finale dann doch so mitgerissen, dass ich vergangene Nacht noch davon geträumt habe.

Normalerweise präsentiere ich in meiner letzten Besprechungen einer länger gelaufenen Serie noch einmal eine Rangliste der einzelnen Staffeln. Bei „Six Feet Under“ ist mir das jedoch nicht möglich, da der Qualitätsunterschied zu gering ist und es keiner Staffel gelingt sich von der restlichen Serie abzusetzen. Im Moment glaube ich mich zu erinnern, dass mir – neben dieser Staffel – das zweite Jahr mit den Fishers am besten gefallen hat, doch das kann sich im nächsten Augenblick wieder ändern. Einen besonderen Stellenwert nimmt auf jeden Fall das Staffelfinale ein, das die Serie wirklich wunderbar beendet. Besonders das letzte gemeinsame Abendessen fand ich einfach grandios umgesetzt. Ein kleiner finaler Glücksmoment inmitten dieser gebeutelten Schicksalsgemeinschaft.

Nach dem Ende der Serie fühle ich mich etwas leer, was stets ein absurder Zustand ist, da es sich ja nur um eine fiktive Welt mit fiktiven Charakteren handelte. Geübte Serienfreunde werden das Gefühl aber kennen. Neben „The West Wing“ und „The Sopranos“ zählt Alan Balls tragikomisches Familiendrama zu den beeindruckendsten Serien, die ich bisher erleben durfte. Ich bin relativ spät in den Genuss gekommen und kann allen, die die Serie bisher gemieden haben, nur raten den Sprung zu wagen. Es lohnt sich definitiv. Auch wenn die 10 Punkte offiziell nicht geknackt wurden, so hat sich die Serie tief in mein Herz gespielt: 9/10 (9.1) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 19. Mai 2017 veröffentlicht.

Als ich das erste Mal von Ridley Scotts Plan hörte das „Alien“-Franchise wiederzubeleben, war ich mehr als begeistert – schließlich gehört die Filmreihe zu meinen persönlichen Lieblingen. Die Informationen wandelten sich im Laufe der Zeit: von Sequel über Prequel bis hin zu Sci-Fi ohne „Alien“-Bezug. Dann jedoch kam der Trailer und meine Vorfreude auf „Prometheus: Dunkle Zeichen“ kannte keine Grenzen mehr. Eindeutige Referenzen auf Scotts 1979er Genreklassiker, die bei mir Gänsehaut auslösten. Dann die ersten in großen Teilen vernichtenden Kritiken. Höchste Zeit also mir eine eigene Meinung zu bilden…

Bekanntermaßen zähle ich „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ zu meinen Lieblingsfilmen: bereits unzählige Male gesehen und immer noch begeistert. Dabei mag ich nicht nur die Horroraspekte, sondern vor allem die durchgestaltete Welt, in der die Filme spielen. Angefangen bei den surrealistischen Designs H. R. Gigers oder den grandiosen Raumschiffwelten Jean ‚Moebius‘ Girauds bis hin zur fiktiven Weyland-Yutani Corporation – die Welt war mehr als nur Bühne für ein Horrormärchen; sie war realistisch, drecking und belebt. James Cameron entführte uns 1986 mit „Aliens: Die Rückkehr“ tiefer in diese Welt und ich erhoffte mir von „Prometheus“ endlich noch mehr von ihr zu sehen – die Hoffnung bzw. Befürchtung das damals titelgebende Monster tatsächlich wieder auf der Leinwand zu sehen, hatte ich bei der gestrigen Sichung schon abgelegt.

Da es sich um einen 3D-Film handelt, habe ich für die Kinokarte wieder einmal knapp 12 Euro hingelegt. Nicht nur deshalb hätte ich den Film am liebsten ganz klassisch in 2D gesehen. Umso überraschter war ich folglich, dass es Ridley Scott als ersten Regisseur seit James Cameron gelungen ist, mich von 3D zu überzeugen. Der Film hätte bestimmt auch ohne die zusätzliche Ebene funktioniert, doch empand ich die Tiefe in den Bildern dieses Mal als echten Mehrwert. Der Film sieht einfach nur unglaublich gut aus: seien es die minutenlange Flüge über karge Landschaften, sphärische Weltraumszenen oder klaustrophobische Höhlensysteme. Diesen Aufpreis habe ich wahrlich gerne gezahlt.

Auch wenn ich die bisherigen Kritiken aufgrund eventueller Spoiler nur überflogen hatte, so ließen sich doch immer wieder ähnliche Kritikpunkte finden: zu viel pseudoreligiöse Symbolik, zu langweilig, zu viele nicht zusammenpassende Elemente oder erzwungen wirkende Brücken zum Ur-Film – und was soll ich sagen? Ich bin begeistert! Ridley Scott hat mir mit „Prometheus“ genau das geboten, was ich mir erhofft hatte: eine neue Geschichte im bekannten Universum, eine Quasi-Rückkehr nach LV-426 (bzw. LV-223), eine neue Crew und neue Monster. Auch wenn der Film mehr Genres mixt als noch „Alien“, so fühlt er sich doch zu jeder Sekunde so an, als hätte er tatsächlich 33 Jahre vor den grausigen Ereignissen auf der Nostromo spielen können.

Die Geschichte an sich hat mir wirklich gut gefallen. Zwar holpert die Dramaturgie und Charakterzeichnung an so mancher Stelle, doch hat dies der Rahmenhandlung keinen Abbruch getan. Hier hoffe ich tatsächlich auf die bereits angekündigte längere Schnittfassung – mehr Details zu den Konstrukteuren und ihren Intentionen benötige ich an dieser Stelle jedoch noch nicht. Die Vorfreude auf die Fortsetzung ist auf jeden Fall bereits entfacht. Die restlichen, oft nur angedeuteten Zusammenhänge sind bei genauerer Betrachtung eigentlich recht klar und ich empfand es eher angenehm, dass Scott uns Zuschauern nicht jedes Handlungselement bis ins Kleinste vorgekaut hat.

Die Bezüge zu „Alien“ hat Scott ebenso recht geschickt in den Film eingebaut. Für mich wirkte das wie echter Fanservice, ohne nur bekannte Elemente wieder aufzuwärmen. Bei der – natürlich zu erwartenden – Aktivierung des Space Jockeys hatte ich Gänsehaut, ebenso fand ich Elizabeth Shaws (Noomi Rapace) Entwicklung zur Heldin ziemlich famos. Über die Kaiserschnitt-Szene mag man sich streiten, doch fand ich sie sehr effektiv und eindeutig als Referenz zur Chestburster-Szene aus „Alien“ inszeniert. Ebenso haben mich die Zusammensetzung der Crew, der Androide (fantastisch dargestellt von Michael Fassbender), die Dramaturgie des Finales usw. stets an den Klassiker denken lassen. Einzig die Szene im Abspann wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen und auch im ansonsten sehr gelungenen Score hätte ich mir einen näheren Bezug zur Jerry Goldsmiths Musik gewünscht.

Nun ist die Besprechung doch länger geworden, als ich eigentlich geplant hatte. Ihr seht also, dass mich der Film nahezu vollends begeistert hat. Zwar sind mir seine Schwächen durchaus bewusst, doch alleine schon dieses „Alien“-Gefühl noch einmal im Kino erleben zu dürfen ist unbezahlbar. Wie gerne würde ich mehr hochbudgetierte Filme dieses Genres sehen! Umso dankbarer bin ich folglich Ridley Scott und hoffe sehr auf eine gelungene Fortsetzung. Wäre ich gestern nicht so müde gewesen, hätte ich am liebsten noch einmal „Alien“ eingelegt und auch heute hat mich der Film noch den ganzen Tag beschäftigt. Als Konsequenz daraus bekommt „Prometheus“ von mir auch einen Punkt mehr, als er es vermutlich objektiv verdient hätte: 9/10 Punkte.