Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 2

Hatte ich die erste Staffel beim letzten Mal noch innerhalb nur weniger Tage verschlungen, hat sich die Sichtung von „That ’70s Show – Season 2“ beinahe über ein halbes Jahr hingezogen. Dies liegt jedoch glücklicherweise nicht an der Qualität der Serie, sondern vielmehr daran, dass ich in den letzten Monaten – wie aufmerksame Leser sicher mitbekommen haben – etliche aktuell laufende Comedys verfolgt habe. Umso schöner war es nach der Pause wieder nach Point Place, Wisconsin zurückzukehren…

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Das zweite Jahr führt die Handlung der vorangegangenen Staffel von Beginn an konsequent weiter. Auf allen Ebenen gibt es Entwicklungen, die zunächst schleichend beginnen, doch letztendlich für nahezu alle Charaktere bedeutend sind. Seien es nun die Liebeswirren unter den Teenagern, eine drohende Scheidung oder die Geldsorgen der Eltern – all diese unterschiedlichen Elemente fügen sich erneut harmonisch zusammen und bilden Brücken zwischen Charakteren, die man so nicht erwartet hätte. Die Kombination aus Humor und Drama – wobei auch dieses stets sehr humorvoll behandelt wird – macht wohl die perfekte Mischung aus, welche „That ’70s Show“ (zumindest im Entstehungsland) so erfolgreich werden ließ.

Coming-of-Age ist wieder einmal das zentrale Thema und im Rahmen einer Sitcom wurde es wohl noch nie mit so viel Lebensgefühl zelebriert, wie in „Die wilden Siebziger!“. Selbst die Thematisierung des ersten Mals wird mit viel Feingefühl, Witz und erfreulich wenigen Klischees inszeniert. Jeder einzelne Charakter macht über den Lauf der Staffel eine Entwicklung durch und besonders Hyde nimmt eine immer zentralere Rolle ein, wodurch auch eine schöne Schnittstelle zu Erics Eltern entsteht. Überhaupt sind Red und Kitty im zweiten Jahr wieder großartig!

Fazit

Auch wenn sich die Sichtung der zweiten Staffel sehr lange hingezogen hat, so steht sie der ersten doch in kaum etwas nach. Für mich hat „That ’70s Show“ somit ihren Platz unter den besten und innovativsten Sitcoms gefestigt und ich bin mir sicher, die kommende Staffel wieder ohne größere Pausen zu verschlingen. Wer die Serie noch nicht kennt und auf der Suche nach neuem Sitcom-Stoff ist, der sollte unbedingt einmal reinschauen. Großartige TV-Unterhaltung: 9/10 (8.8) Punkte.

The Shield – Season 3

Auch wenn ich mich seit Sichtung der zweiten Staffel eher auf aktuell laufende Serien konzentriert habe, so hat mich „The Shield – Season 3“ doch stets begleitet. Am liebsten hätte ich wohl die ganze Staffel am Stück gesehen (und vor ein paar Jahren hätte ich das vermutlich auch noch gemacht), doch das Angebot ist zu groß und die Zeit zu knapp. Dabei war ich so neugierig darauf, was aus Vic und Co. nach dem großen Coup des Vorjahres wurde…

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Wie bereits in der vorhergehenden Staffel gibt es unzählige Handlungsstränge, die sich teils über die gesamte Staffel ziehen, teils nach wenigen Episoden abgehandelt sind und teils erst etliche Episoden später wieder aufgegriffen werden. Dieser Aufbau sorgt für eine unglaubliche Dynamik, da man auch als Zuschauer nie weiß, welcher Fall nun wirklich bedeutend ist, und welcher Fall nach 20 Minuten relativ unspektakulär geköst wird. Im Hintergrund steht stets bedrohlich der Coup, der Vic und seinem Strike Team am Ende der zweiten Staffel gelungen ist. Man hört es ja oft, doch dieses Geld macht wirklich nicht glücklich…

Neben dem großen Handlungsstrang um die Nachwehen des Überfalls auf den Money Train, hält auch die dritte Staffel wieder einige Prüfungen für ihre Charaktere parat. Detective Wachenbach sieht sich mit einem Serienvergewaltiger (übrigens gespielt von Clark Gregg, Agent Coulson aus „The Avengers“) konfrontiert, der ihn nicht nur beruflich bis aufs Äußerste fordert, sondern auch sein ganz persönliches Weltbild erschüttert und ihn Grenzen überschreiten lässt. Captain Aceveda wird selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs und muss danach lernen damit umzugehen, was ihm auf überraschend unspektakuläre und deshalb doch umso imposantere Art und Weise gelingt. Und Detective Wyms kämpft voller Überzeugung gegen die Windmühlen der Polizeirealität.

Im Strike Team entwickelt sich nach dem Coup eine ganz neue Dynamik, was in erster Linie daran liegt, dass auch das Privatleben der Mitglieder immer stärker in die Gruppe hineinspielt. Egal ob Shanes Verlobte oder Vics Familie – man spürt die Anspannung in vielen Szenen fast körperlich. Mit Ankunft der Decoy Squad steht das Strike Team auch beruflich immer mehr unter Druck, da sich diese Einheit von Undercover-Spezialisten ebenfalls im Gang-Milieu bewegt und somit eine direkte Konkurrenz zu Vics Team bildet. Nach dem Finale steht nicht nur das Strike Team vor dem Aus, es zerbrechen auch Freundschaften.

Für mich hat sich „The Shield“ im dritten Jahr noch ein wenig gesteigert und liefert die bisher überzeugendste Staffel ab. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie sich die Serie in Zukunft noch steigern soll. Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden und ich hoffe bzw. befürchte, dass die Autoren noch weiter in die menschlichen Abgründe hinabsteigen werden. Nach wie vor großartige Unterhaltung: 9/10 (8.9) Punkte.

Silver Linings – OT: Silver Linings Playbook (2012)

Nach nur drei Filmen – und unzähligen unglaublich unterhaltsamen Interviews – schickt sich Jennifer Lawrence an, sich einen Platz unter meinen absoluten Lieblingsschauspielern zu sichern. So war ihr Mitwirken bei „Silver Linings“ wohl auch einer der Gründe, warum der Film – nach „Winter’s Bone“ und „The Hunger Games“ – überhaupt mein Interesse geweckt hat. Natürlich darf man auch die stets positiven Kritiken nicht vergessen. Oder die Aufmerksamkeit, die dem Film bei den Academy Awards zuteil wurde. Zu Recht?

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Einerseits bin ich beinahe etwas sauer, dass so ein Trubel um „Silver Linings Playbook“ herrschte. All die Oscar-Nominierungen. Als Filmfreund kam man ja gar nicht an dem Film vorbei. Dabei ist David O. Russells wunderbare Liebesdramödie genau die Art von Film, die man gerne entdecken würde. Ein Geheimtipp, von dem man begeistert seinen Freunden berichtet. Ein Film, der sich einem tief ins Herz spielt. Doch keine Chance, denn „Silver Linings“ hat sein Publikum bereits erobert. Und irgendwie freue ich mich ja auch darüber. Insofern sei der Academy in diesem Fall verziehen.

Inszeniert wie eine Indie-Film, ist „Silver Linings Playbook“ doch gespickt mit großen Namen: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Julia Stiles, Chris Tucker – alles Schauspieler, von denen man auf jeden Fall gehört hat. Sie betreten hier jedoch neues Terrain und leisten allesamt vorzügliche Arbeit. Allen voran natürlich die beiden fantastischen Hauptdarsteller – und besonders Robert De Niro, der hier endlich einmal wieder zu großer Form aufläuft. Ein wunderbares Ensemble in einem Film, der größtenteils von seinen Charakteren und ihrer Darstellern lebt.

Die Handlung ist ungewöhnlich für einen Liebesfilm und schwankt zwischen dramatischen Szenen, wirklich lustigen Momenten und herzerwärmenden Darbietungen. Die psychischen Probleme der beiden Hauptfiguren stehen dabei nicht im Mittelpunkt, sondern sind Teil der Charaktere – und das ohne diese zu Witzfiguren oder abstrakten Klischees verkommen zu lassen. Wirklich sehr schön und mit viel Feingefühl gelöst. Während des Abspanns fand ich es bereits schade diese Welt und ihre Figuren zu verlassen.

Zwar ist der Film nicht frei von Fehlern, doch auch wenn so manche Hinführung zu gewissen Ereignissen ein wenig Erzwungen wirkt, überwiegt bei weitem das gute Gefühl, das einem der Film gibt. Mehr als nur ein Silberstreifen am Horizont. Hinzu kommt der wunderbare – und für ihn ungewöhnliche – Score von Danny Elfman und ein perfekt gewählter Soundtrack, der die Stimmung des Films absolut passend untermalt. Kein Geheimtipp mehr, doch auf jeden Fall ein dicker Tipp: 9/10 Punkte.

New Girl – Season 2

Letztes Jahr noch als großer Hit gestartet, wandelte sich die Comedy in der Gunst der Kritiker und man las in letzter Zeit kaum noch Gutes über sie. Ich jedoch hatte auch mit „New Girl – Season 2“ enorm viel Spaß. Sogar so viel Spaß, dass ich die Serie zu meinen liebsten Sitcoms der vergangenen TV-Saison zählen würde. Warum lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Wie vermutlich ein Großteil der popkulturell interessierten Medienkonsumenten mag ich Zooey Deschanel. Ihr Mitwirken dürfte, wie bei so vielen, der Grund gewesen sein, warum ich letztes Jahr überhaupt bei „New Girl“ reingeschaut habe. War die Serie zu Beginn noch sehr auf Deschanels Charakter konzentriert, hat sie sich im Laufe der Staffel zu einer Ensemble-Comedy gewandelt, was ich persönlich ausgezeichnet fand. Sympathische Figuren, abgedrehte Situationen und eine Art von Humor, die mich oft zum Lachen brachte.

In der zweiten Staffel wird der bisher eingeschlagene Weg konsequent weitergeführt. Die einzelnen Charaktere bekommen eigene Storylines, die Beziehungen der Figuren untereinander werden wichtiger und es wird ein Repertoire an Insider-Humor aufgebaut. Die Situationskomik lebt dabei weniger von ausgefeilten Dialogen oder Wendungen, sondern von absurder Albernheit – und das hat bei mir erstaunlich gut funktioniert. Besonders die Dynamik zwischen Jess und Nick fand ich herrlich. Meine Lieblingsepisoden im zweiten Jahr waren die Weihnachtsepisode „Santa“, die Detektivgeschichte „Pepperwood“ und der Kampf um den „Parking Spot“.

Bei keiner anderen Comedy musste bzw. konnte ich dieses Jahr so oft und so laut lachen, wie bei „New Girl“. Dies allein reicht schon, um die Serie in meiner Gunst deutlich steigen zu lassen. Weiterhin mochte ich die Entwicklung der Charaktere und die Gaststars (u.a. Regisseur Rob Reiner als Jess‘ Vater). So kann es von mir aus gerne noch ein paar Staffeln weitergehen: 9/10 (8.6) Punkte.

Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (2012)

Puh, was für ein Film. Ich weiß jetzt noch nicht so recht, wo ich mit dieser Besprechung letztendlich ankommen werde. Sicher ist zumindest, dass mich „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ auch über seine Sichtung hinaus beschäftigen wird. Dabei hatte ich den Film im Vorfeld bereits abgeschrieben und wurde nur durch den Oscar-Rummel (Regie, Kamera, VFX, Score) wieder darauf gestoßen…

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Vom Buch hatte ich bereits gehört und dieses in eine Schublade mit dem Label Esoterik-Märchen gesteckt. Dann gab es vor einiger Zeit den Trailer im Kino zu sehen und ich wunderte mich noch, was denn Ang Lee mit solch einem Stoff anfangen will. Die Bilder fand ich gräßlich künstlich und abscheinend nur auf 3D und Effekt ausgelegt. Eine Sichtung stand für mich nicht zur Debatte. Letztendlich waren die Kritiken aber so gut, dass ich mir nun – mit einigem Abstand – doch selbst eine Meinung bilden wollte.

Die erste Überraschung kam mit der ausführlichen Rahmenhandlung. Es dauert beinahe 45 Minuten bis es die bereits im Trailer gezeigte Katastrophe zu sehen gibt – und bis dahin lernt man als Zuschauer den titelgebenden Pi und sein bisheriges Leben ziemlich gut kennen. Auch thematisch wird der Rahmen abgesteckt und man kann sich bereits denken, dass die Anspielungen auf die diversen Weltreligionen für den weiteren Verlauf des Films von Bedeutung sein werden. Ein wirklich schöner Einstieg in die Geschichte, doch der zweite Akt konnte daran unmöglich anschließen. Oder etwa doch?

Die im Trailer von mir noch als gräßlich künstlich wahrgenommenen Bilder hatten mich tatsächlich schnell für sich eingenommen. Zwar wirkten viele Einstellungen immer noch sehr artifiziell und auch der Videolook stieß mir manchmal etwas sauer auf, doch letztendlich gab es unzählige magische Momente, durch die ich immer tiefer in das Märchen – und als solches ist der Film ja auch erzählt – hineingesogen wurde. Rückblickend betrachtet macht die Künstlichkeit der Bilder sowieso Sinn und trägt zum Punkt bei, den Pi am Ende seiner Geschichte(n) zu machen versucht.

Der Regie-Oscar ist meiner Meinung nach wirklich verdient, denn es war bestimmt nicht einfach die eingeschränkte Handlung in solch zauberhafte Bilder zu fassen. Auch die Effekte sind atemberaubend und nach der Sichtung kann ich die Diskussion um die  Wahrnehmung der VFX-Branche – besonders im Hinblick auf „Life of Pi“ sowie Ang Lees Reaktion darauf – nur umso mehr verstehen. Ohne den immensen Einsatz von VFX wäre dieser Film einfach nicht möglich gewesen.

Auch inhaltlich und emotional hat mich der Film gepackt. Selbst wer mit Religion so gar nichts am Hut hat, wird sich eine schlüssige Interpretation aus der Geschichte ziehen können. Zwischen all den möglichen Bedeutungsebenen liegt letztendlich aber eine fantastisch gefilmte und spannend erzählte Abenteuergeschichte, der man sich nur schwer entziehen kann. Inzwischen bin ich am Ende meiner Besprechung angekommen und nun herrascht auch kein Zweifel mehr daran, wie ich den Film bewerten werde: 9/10 Punkte.

Merida: Legende der Highlands – OT: Brave (2012)

Früher, d.h. vor den Kindern, hätte ich mir noch jeden Pixar-Film im Kino angesehen. Heute bin ich schon froh, wenn ich ihn zeitnah auf DVD bzw. Blu-ray nachholen kann. So bin ich auch recht spät in den Genuss von „Merida: Legende der Highlands“ gekommen. Aber die Kinder werden älter und somit rückt auch der erste gemeinsame Kinobesuch in greifbare Nähe – und was wäre da passender als ein Pixar-Film?

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Vom Trailer zu „Brave“ war ich begeistert. Nach „Cars 2“ endlich wieder ein Film, der ganz anders aussieht, als alles was Pixar bisher gemacht hatte. Die Kritiken waren größtenteils jedoch sehr verhalten und es wurde geschimpft, dass Pixar eigentlich nur einen typischen Disney-Film abgeliefert hat. Nach Schema F. Inklusive Prinzessin. Ich konnte und wollte das nicht glauben – und vielleicht liegt es auch daran, dass ich dem Film sehr viele positive Aspekte abgewinnen konnte. Merida eine typische Disney-Prinzessin? No way!

Zunächst einmal muss ich sagen, wie fantastisch ich es finde, dass der Trailer nur auf die ersten 20 Minuten des Films eingeht und der Rest völlig neu für Zuschauer ist, die spoilerlastige Kritiken vermieden haben. Weiterhin ist es bemerkenswert, dass Pixar mit „Merida: Legende der Highlands“ eine völlig neue Zielgruppe anspricht, als in seinen bisherigen Filmen. Es war ja stets so, dass die ganz Kleinen etwas aus dem Film mitnehmen konnten und es eine zusätzliche Ebene gab, auf der sich die Erwachsenen amüsieren konnten. „Brave“ vernachlässigt die ganz jungen Zuschauer beinahe völlig und stürzt sich mit Elan auf die Altersgruppe Teenager. Das hatte ich so nicht erwartet.

Wer nun Merdia mit x-beliebigen Disney-Prinzessinen vergleicht (so gerne ich diese auch mag), hat wohl einen anderen Film gesehen als ich. Hier geht es nicht um die Suche nach der großen Liebe, sondern um Selbstbestimmung, Mut und Erwachsenwerden. Im Zentrum des Films steht die Eltern/Kind- bzw. Mutter/Tochter-Beziehung und alles was in der zweiten Filmhälfte geschieht, ist eine Metapher für die zwangsweise Entfremdung in einem gewissen Alter, der Auseinandersetzung mit Traditionen und dem Zusammenprall der Wünsche und Vorstellungen von Kindern und Eltern. Sicher funktioniert das alles auch wunderbar als fantastischer Abenteuerfilm, doch diese zusätzliche Ebene macht aus Merida eben so viel mehr, als nur eine weitere Disney-Prinzessin.

Auch wenn ich etwas anderes erwartet hatte und der Film sicherlich nicht zu den besten Pixar-Werken gehört, so bin ich doch sehr positiv überrascht. Wie den zugehörigen Kurzfilm „La Luna“ werde ich auch „Brave“ – wenn die Zeit gekommen ist – gemeinsam mit meiner Tochter anschauen. Wenn schon eine Disney-Prinzessin, dann gerne eine wie Merida: 9/10 Punkte.

Castle – Season 5

Wie in den letzten Jahren, habe ich mich auch in der vergangenen TV-Saison über meine wöchentliche Dosis „Castle – Season 5“ gefreut. Besonders nach dem Finale der vierten Staffel durfte man sich als langjähriger Zuschauer auf eine neue Dynamik zwischen den Charakteren freuen, was ich zu Beginn jedoch nicht ohne Vorbehalte sah – doch Vorsicht, denn Spoiler sind zu erwarten.

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Man kennt das als Serienfreund ja: Seit der Pilotfolge gibt es ein romantisches Knistern zwischen zwei Charakteren und jede weitere Episode ist darauf ausgelegt, den Zuschauer mit der Frage ‚Kriegen sie sich, oder kriegen sie sich nicht?‘ bei der Stange zu halten. Auch „Castle“ ist hier keine Ausnahme und es war nur eine Frage der Zeit, wann aus Richard Castle und Kate Beckett ein Paar wird. Oft geht Geschichten dieser Art – sei es nun in Film- oder Serienform – danach schnell die Puste aus, doch hier hat es für mich erstaunlich gut funktioniert und die Chemie zwischen den beiden Charakteren wird auch weiterhin aufrecht gehalten.

Neben ein paar Episoden, welche die übergreifende Handlung rund um den Mord an Becketts Mutter fortführen, bilden abgeschlossene Fälle weiterhin den Grundpfeiler der Serie. Dieses Konzept funktioniert auch nach wie vor tadellos, da sich die Charaktere durchaus weiterentwickeln und stets unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Highlights waren für mich dieses Mal die Episode, die auf einer Comic Convention spielte und damit natürlich die obligatorische „Firefly“-Referenz heraufbeschwor. Weiterhin gab es eine schöne Horror-Episode à la „The Ring“ und eine Doppelfolge, die teils an „96 Hours“ erinnerte. Für die 100. Episode hat man sich für eine unglaublich unterhaltsame Hommage an Alfred Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ entschieden und das Finale setzt letztendlich voll und ganz auf emotionale Charaktermomente.

Auch wenn nicht jede Episode ein Higlight war, so habe ich mich jede Woche auf einen neuen Fall mit Castle, Beckett und Co. gefreut. Somit ist für mich „Castle“ eine dieser Serien, von denen ich glaube, dass sie auch nach ihrer x-ten Staffel noch funktionieren können. Für eine Procedural-Serie wirklich sehr ungewöhnlich. Nun bin ich schon gespannt, wie sich die Serie aufgrund der jüngsten Ereignisse entwickelt: 9/10 (8.5) Punkte.

Cloud Atlas (2012)

Nachdem die letzte Nacht wieder einmal recht kurz war und der heutige Tag der Arbeit größtenteils zum Arbeiten genutzt wurde, war ich heute kaum noch in Stimmung für einen längeren Filmabend. Da meine Frau jedoch gerade die Vorlage beendet hat, bot sich die Sichtung von „Cloud Atlas“ an, der – nach anfänglichem Zögern – in den letzten Wochen mein Interesse geweckt hatte. Ob sich die knapp drei Stunden gelohnt haben und ob ich tatsächlich wach geblieben bin, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Literaturverfilmung und Tom Tykwer. Wer muss da nicht an „Das Parfum“ (übrigens meine erste Besprechung, die auf diesem Blog kommentiert wurde) denken? Doch „Cloud Atlas“ ist noch größer, noch epischer, noch internationaler angelegt, was sowohl an der Vorlage liegt, als auch daran, dass sich Tykwer den Regiestuhl mit den Wachowski-Geschwistern – ihres Zeichens für die „Matrix“-Trilogie verantwortlich – geteilt hat. Was ich von David Mitchells Roman wusste, fand ich eher anstrengend und so erwartete ich 180 Minuten, die meine volle Aufmerksamkeit fordern würden und von denen mich nur ein Bruchteil unterhalten könnte. Verkopftes Kunstkino, das man gesehen haben sollte, um mitreden zu können. Glücklicherweise lag ich mit meiner Einschätzung komplett daneben.

Während der ersten Szenen war ich zugegebenermaßen ziemlich verwirrt und froh jemanden mit Kenntnis des Romans neben mir zu haben. Doch bereits als man zum zweiten Mal in jeden Erzählstrang eintauchte, was bereits innerhalb der ersten 10 Minuten geschieht, hatten mich die Geschichten gepackt und – was noch erstaunlicher ist – ich habe dieses wilde Sammelsurium an Zeitsprüngen, Charakteren und Genres als eine funktionierende Geschichte gesehen. Hinzu kommt, dass von Verkopftheit oder erzwungenem Arthouse-Stil absolut nichts zu spüren ist. Man kann der Handlung eindeutig folgen, wird dennoch zum Mitdenken angeregt und das Wichtigste: Ich wurde blendend unterhalten.

Aufgrund der fragmentierten Erzählweise bekommt man alle paar Minuten ein neues Genre präsentiert: Drama, Komödie, Thriller, Sci-Fi und Fantasy geben sich die Klinke in die Hand. Leider kein Wunder, dass der Film kein großer Erfolg an der Kinokasse war. So etwas muss man dem breiten Publikum erst einmal verkaufen. Ich dagegen fand es toll. Ich mochte die Botschaft des Films, die Inszenierung, seine Sprunghaftig- und Lebendigkeit, ja selbst das nicht immer perfekte Make-up. Ein großes, fantastisches Filmexperiment, das – zumindest für mich – nahezu perfekt aufgegangen ist.

Ich könnte nun noch viel schreiben. Aktuell bin ich noch verzaubert von dem Filmerlebnis, das wohl noch ein paar Tage nachwirken wird. Es war nicht alles perfekt, doch habe ich bereits jetzt Lust mich noch einmal auf diese epische Reise zu begeben. Und ich will das Buch lesen. Am liebsten sofort. Kann es ein schöneres Kompliment für einen Film geben? Wer offen für Neues, nicht auf Genres festgelegt ist und keinen philosophischen Diskurs erwartet, den könnte „Cloud Atlas“ mindestens ebenso gut unterhalten, wie mich. Das wünsche ich euch: 9/10 Punkte.

The Shield – Season 2

Unvorstellbare eineinhalb Monate habe ich für die Sichtung von „The Shield – Season 2“ benötigt. Vor ein paar Jahren hätte ich die 13 Episoden wohl locker innerhalb von ein oder zwei Wochen verschlungen. Das Cop-Drama ist mit seiner Vielzahl an Charakteren und unterschiedlichen Erzählsträngen sogar wie gemacht für eine fokussierte Sichtung, doch glücklicherweise entfaltet es auch über einen längeren Zeitraum einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann…

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Zu Beginn der Staffel hatte ich noch so meine Probleme mit einigen Erzählsträngen. Besonders Vics Privatleben schien mir etwas forciert aus den Fugen zu geraten. Hier wäre eine langsamere Entwicklung meiner Meinung nach glaubhafter gewesen. Auch die Reaktion des Strike Teams auf Vics Gewaltausbruch in Bezug auf Armadillo hatte mich erstaunt, wurden doch andere Konflikte – zumal mit geringerem Bedrohungspotential für das Team – auf ähnliche Art und Weise gelöst. Doch nach einigen Episoden wurde die Motivation einzelner Charaktere in Bezug auf den Vorfall erklärt, wodurch dieser Erzählstrang noch zu einem Highlight der Staffel wurde, wenn auch leider mit sehr abruptem Ende.

Neben den großen Themen der Staffel (Armadillo, Money Train usw.), gab es wieder etliche Einzelfälle, die in ihrer Darstellung der menschlichen Perversion erneut nicht zu überbieten waren. Immer wenn man denkt, man hätte im Rahmen der Serie bereits alles gesehen, setzen die Autoren noch einen drauf. Die gezeigten menschlichen Abgründe werden zudem wunderbar in den Aktionen des Strike Teams – allen voran Vic Mackey – gespiegelt. Man begrüßt als Zuschauer somit die größtenteils drastischen Aktionen und vergisst nur allzu schnell, dass Vic Grenzen im Sekundentakt überschreitet.

Nach Abschluss des ersten großen Erzählstrangs der Staffel, gibt es eine komplette Episode als Rückblende, welche die Entstehung der Polizeistation zeigt. Dies fand ich sehr interessant, da auch die Dynamiken zwischen den einzelnen Charakteren dadurch eine neue Ebene bekamen. Zwar nicht unbedingt nötig, doch eine nette Zäsur zur Haupthandlung, welche den Weg für die nachfolgenden vier Episoden freimachte, die in einem famosen Staffelfinale mündeten. Hochspannung par excellence.

Ich für meinen Teil bin wahrlich begeistert, wie sich die Staffel entwickelt hat. Nach dem im Vergleich zur ersten Staffel etwas schwächeren Anfang, hat sich „The Shield“ im zweiten Jahr wirklich sehr stark entwickelt. Eine mitreißende und schockierende Cop-Serie, die stets für Überraschungen gut ist und mit ihren Figuren wahrlich nicht zimperlich umgeht. Nun bin ich bereits sehr gespannt, was das dritte Jahr für Vic und Co. bereit hält: 9/10 (8.8) Punkte.

The Shield – Season 1

Nachdem die sieben Staffeln umfassende Komplettbox der Serie bereits seit einem knappen Jahr bei mir im Regal steht, war es höchste Zeit mit „The Shield – Season 1“ in die düsteren Gefilde Los Angeles‘ abzutauchen. Somit steht ein neuer Serienmarathon an, dem ich nach dieser ersten Staffel bereits freudig entgegenblicke. Dabei war ich anfangs eher skeptisch und dachte die Serie würde es schwer bei mir haben…

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Von allen Seriengenres, denen ich bisher begegnet bin, rangieren Cop-Shows oder Krimis in meiner Gunst nur knapp über Arzt- oder Anwaltsserien. Doch hat ja z.B. gerade die Anwaltsserie „Damages“ – die übrigens ebenfalls auf dem Sender FX lief – gezeigt, dass sich Serien durchaus über ihre Genregrenzen hinwegsetzen können. Auch wenn „The Shield“ durchaus Anätze eines klassischen Procedurals besitzt, so sind die Erzählstränge nach einer Episode jedoch so gut wie nie abgeschlossen, sondern werden oft etliche Folgen später erneut aufgegriffen. Weiterhin gibt es einige dominierende Handlungsbögen, welche sich über die gesamte Staffel erstrecken und besonders im letzten Drittel für etliche Höhepunkte sorgen. Genial!

Neben dem dramaturgischen Aufbau, fällt besonders die Inszenierung aus dem Rahmen. Wenn man nach ein paar Folgen „The Shield“ wieder ein paar klassische Ermittlungsserien – z.B. „Bones“ oder „The Mentalist“ – sieht, dann fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Auf Erholungsurlaub mit Mord, netten Witzchen zwischen Kollegen und heiterer Musikuntermalung. „The Shield“ ist anders. Los Angeles ist der Schmelztiegel des Verbrechens. Die wackelige Handkamera nimmt grobkörnige Bilder auf und versetzt den Zuschauer ohne Filter oder Beschönigung mitten ins Geschehen.

Ebenso roh und hart wie die Bilder sind nicht nur die eingespielten Musikstücke, sondern auch die Charaktere. Ob Freund oder Feind wird nie so richtig klar. Besonders Vic Mackey (grandios verkörpert von Michael Chiklis) ist eine Figur, der Ambiguität auf die Stirn tätowiert scheint. Wir als Zuschauer wissen, dass er ein egomanisches Arschloch ist, der nur nach seinen eigenen Regeln spielt – und doch kann man nicht umhin, ihn in manchen Situationen zu bewundern und seine mehr als fragwürdige Vorgehensweise angebracht zu finden. Diese Wahrnehmung des Charakters erinnert mich stark an Tony Soprano oder Dexter Morgan, mit denen man ebenso mitfiebert, obwohl man genau weiß, dass ihre Aktionen falsch sind. Neben Mackey gibt es noch etliche andere wirklich gut geschriebene und interessante Figuren, doch ist er – bis jetzt – eindeutig die schillerndste Gestalt der Serie.

Nach ein paar Episoden Eingewöhnungszeit hatte mich die Serie mit ihrem Charme aus äußerst realistisch wirkenden Aufnahmen, überdrehten Actionszenen und mitreißendem Charakterdrama völlig in den Bann gezogen. Trotz der beständigen Schläge in die Magengrube bleibt die Show unglaublich unterhaltsam, was für eine gute Balance spricht. Packendes, toll gespieltes und exzellent inszeniertes Serienkino: 9/10 (8.9) Punkte.