Eureka – Season 1

Das Sommerloch der Midseason ist stets ein guter Zeitpunkt, verpasste Serien nachzuholen. So geschehen mit „Eureka – Season 1“. Im Vorfeld wusste ich nur wenig über die Show und konnte mich demnach überraschen lassen.

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Eureka ist eine Stadt in den USA, in der die genialsten Wissenschaftler der Welt wohnen. Genau genommen wohnen dort nur hochintelligente Leute. Ausgenommen Sheriff Carter und Tochter Zoe. Im Grunde genommen ist „Eureka“ eine Serie nach dem Strickmuster Case of the Week. Das allein wäre wohl recht langweilig, doch in dieser Stadt gibt es keine gewöhnlichen Fälle. Dank der hohen Geek-Dichte – und das ist in keinster Weise abfällig gemeint – sind Probleme à la misslungene Zeitreisen und Dimensionssprünge, ausgebüchste Nanoroboter, verrücktgewordene KIs etc. an der Tagesordnung.

Durch die normale – sprich nicht hyperintelligente – Herangehensweise von Sheriff Carter ergeben sich zudem immer wieder interessante Spannungen mit der Denkerelite. Die Stimmung der Serie ist dabei eher komödiantisch ausgerichtet. In Eureka herrscht eine heimelige Kleinstadtatmosphäre – nur eben mit dem gewissen Etwas.

„Eureka“ macht Spaß. Keine Frage. Dennoch ist es keine Serie, bei der man am liebsten sofort die nächste Folge sehen würde. Es fehlt der übergeordnete Handlungsbogen. Zwar gibt es einen solchen, doch fällt dieser eher aus dem Rahmen und wirkt etwas aufgesetzt. Die einzelnen Fälle sind dagegen sehr unterhaltsam, wenngleich sie sich in ihrer Struktur auch zu sehr ähneln.

Schauspielerisch und Inszenatorisch ist alles im grünen Bereich. Insgesamt ist „Eureka“ eine durchaus unterhaltsame Serie, die sich zwar nie zu sonderlichen Höhenflügen aufschwingt, aber auf ihre schrullige Art zu Punkten weiß: 7/10 Punkte.

Veronica Mars – Season 1

Auch wenn man heutzutage von einer wahren Serienvielfalt beinahe erschlagen wird, so bleiben die wirklich besonderen doch eine Seltenheit. Oft wird einem das auch erst nach dem Ende einer Serie klar. Ich bin mir allerdings jetzt schon ziemlich sicher, dass auch „Veronica Mars – Season 1“ zu diesen besonderen Erlebnissen in der Serienwelt zählt. „Well, you know what they say: Veronica Mars, she’s a marshmallow.“

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Anfangs hatte ich etwas befürchtet, dass uns Veronica Mars zu sehr in die Welt der Teenager entführt. Mit den typischen Problemchen, die besser in eine Soap passen, als in eine ernsthafte Serie. Glücklicherweise ist dem nicht so. Sicherlich hat auch Veronica Mars mit ihrem Liebesleben, der Schule etc. zu kämpfen – aber wie sollte es auch anders sein? Sie ist schließlich noch ein Teenager. Allerdings werden auch diese Dinge so geschickt in die Storyline eingeflochten, dass sie selbst dem abgeneigtesten erwachsenen Zuschauer nicht zu negativ auffallen sollten.

Veronica Mars ist nämlich nicht der normale Teenager, den man noch von seiner Schulzeit kennt. Sie ist der fleischgewordene Traum eines jeden (Ex-)Schülers. Sie strotzt vor Selbstbewusstsein, sie ist unglaublich schlagfertig, sie ordnet sich nicht den Cliquen unter, sie ist stilbewusst, sieht gut aus und arbeitet nebenbei als Privatdetektivin. Wer wäre in seiner Schulzeit nicht gerne wie sie gewesen bzw. hätte gerne jemanden wie sie als Freund gehabt? Ich denke hier liegt das große Identifikationspotential, selbst wenn man seine eigene Schulzeit schon lange hinter sich hat. Veronica Mars verkörpert all das, was man damals – aller Wahrscheinlichkeit nach – selbst angestrebt hat. Sie lebt den Traum.

Hatte ich erwähnt, dass Ms. Mars nebenher als Privatdetektivin arbeitet? Ebenso wie ihr Vater? Aus dieser Prämisse entwickelt sich in jeder Episode ein Fall, der stets höchst interessant ist und bei dem auch vor Themen wie Mord oder Vergewaltigung nicht zurückgeschreckt wird. Ebenso wird eine episodenübergreifende Handlung erzählt: Veronicas Freundin wurde ermordert und es gilt den wahren Täter zu finden. Die ganze Staffel über werden Spuren gelegt und gefunden, die alle – aber auch wirklich alle – in der genialen letzten Episode aufgelöst werden. Selten habe ich ein so mitreißendes Staffelfinale gesehen. Schweißtreibend. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Inszenatorisch weiß die Serie auch zu gefallen. Der Look ist außergewöhnlich. Meist erstrahlt das Bild in bunten Neonfarben, was oft allein durch die Beleuchtung erreicht wird. Anfangs gewöhnungsbedürftig, letztendlich aber mehr als passend und wirklich stilbildend für die Serie. Ebenso fallen viele extreme Weitwinkelaufnahmen und Perspektiven aus dem klassichen Film noir auf, wenngleich dieser Stil nie im Vordergrund steht, wie z.B. beim thematisch ähnlichen „Brick“. Neben der Inszenierung fallen besonders die Schauspieler postiv auf. Allen voran natürlich Kristen Bell. Die perfekte Besetzung für Veronica Mars. Doch auch Enrico Colantoni als Keith Mars hat alle Sympathien auf seiner Seite. Ansonsten ist noch der äußerst passende Titelsong WE USED TO BE FRIENDS der DANDY WARHOLS eine Erwähnung wert. Nicht selten unterlasse ich es den Vorspann zu überspringen.

„Veronica Mars“ ist eine unglaublich gut geschriebene Serie. Der Wortwitz erinnert an den eines Joss Whedon („Firefly“) und ich hoffe sehr, dass die Qualität über die nächsten beiden Staffeln aufrecht erhalten werden kann. Äußerst sehenswert: 9/10 Punkte.

Dexter – Season 1

Zu sagen ich bin begeistert wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Dabei habe ich mich anfangs nur äußerst zögerlich an „Dexter – Season 1“ herangewagt. Eine TV-Serie, die von einem Serienkiller handelt? Ich hatte befürchtet einer unsympathischen Figur zu begegnen. In einer Serie, die schockieren will. Die oberflächlich den Blutdurst der Zuschauer stillt. Viel mehr daneben hätte ich mit meinen Annahmen nicht liegen können.

Dexter ist wie du und ich. Er ist der netty Typ, der gegenüber wohnt. Doch das ist nur die Oberfläche. In Dexter brodelt es. Ihn umgiebt ein dunkles Geheimnis. Wie oft wird gesagt, dass stille Wasser tief sind oder dass sich Abgründe auftun. Auf niemanden trifft das besser zu, als auf Dexter. Er ist das Monster in uns allen. Er ist der sympathische Serienkiller von nebenan. Kann solch eine Figur sympathisch sein? Kann sie eine gesamte TV-Serie tragen? Ja und ja. Man wird bereits in der ersten Folge mit der dunklen Seite konfrontiert. Doch Dexter tötet nicht wahllos. Er lebt nach einem Code. Dieser unterscheidet ihn von den anderen seiner Art. Dieser lässt Dexter menschlich erscheinen.

Durch das Voice-over bekommen wir als Zuschauer einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt Dexters. Man kann ihn sogar bis zu einem gewissen Grad verstehen. Erschreckend? Wohl war. Wer hat sich noch nie wie ein Alien in seiner Umgebung gefühlt? Fremd. Isoliert. Diese bekannten Gefühle schaffen eine Verbindung zum Zuschauer. Man kann sich bis zu einem gewissen Grad mit Dexter identifizieren. Mit einem Serienkiller. Was ist diese Serie doch gut geschrieben.

In „Dexter“ wird – neben den besonderen Umständen der titelgebenden Hauptfigur – eine weitere Serienkillergeschichte erzählt. Diese steht enger in Zusammenhang mit Dexters Leben, als man anfangs auch nur zu vermuten wagt. Gegen Ende wird die Handlung immer dichter und es entsteht ein Sog, wie ich ihn schon lange nicht mehr erlebt habe. Dies möchte ich vor allem dem grandiosen Drehbuch und den fantastisch ausgearbeiteten Figuren zuschreiben. Hier macht jede Rolle Sinn. Es gibt kein Flüllmaterial. Alles ist wichtig, unterhaltsam und für den Gesamtzusammenhang unabdingbar.

Man merkt, dass „Dexter“ auf einer Romanvorlage – „Darkly Dreaming Dexter“ (deutsch: „Des Todes dunkler Bruder“) von Jeff Lindsay – basiert. Ich habe mir ja schon oft gewünscht, man würde sich für Romanverfilmungen mehr Zeit nehmen. Hier scheint dieser Wunsch realisiert worden zu sein. Auch wenn ich die Vorlage nicht kenne, wage ich doch von einer perfekten Adaption zu sprechen. Die Serie hat sich als das perfekte Medium zum Erzählen einer komplexen Geschichte erwiesen. Wie gerne würde ich mehr davon sehen.

Im Fall „Dexter“ kann man wohl auch davon ausgehen mehr zu sehen, läuft Ende des Jahres doch die zweite Staffel an. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf „Dearly Devoted Dexter“ freue. Die perfekte Unterhaltung: 10/10 Punkte.

The Class – Season 1

Wieder einmal habe ich einen nicht erfreulichen Eintrag zu verfassen. Wieder einmal handelt er von der zu frühen Absetzung einer TV-Serie. Dieses Mal hat es „The Class“ von „Friends“-Schöpfer David Crane erwischt. Nach nur einer Staffel. Die Networks haben einfach kein Vertrauen mehr in ihre Shows. „Seinfeld“ hatte damals auch schlechte Quoten in den ersten Staffeln und man hat der Serie trotzdem eine Chance gegeben. Qualität setzt sich eben mit der Zeit doch durch.

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„The Class“ mit „Seinfeld“ zu vergleichen ist natürlich nicht ganz richtig. Die Serie fällt eher in eine Linie mit ihrem indirekten Vorgänger. Würde es nicht schon „How I Met Your Mother“ gäben, hätten alle Freunde der „Friends“ hiermit die perfekte Ersatzdroge gefunden. Der Umstand, dass die Konkurrenzserie auch auf CBS läuft, wurde „The Class“ letztendlich auch zum Verhängnis. Auch wenn ich die Serie um Barney und Co. noch um einiges gelungener finde, so denke ich trotzdem, dass beide Shows perfekt nebeneinander existieren hätten können. Schade drum.

David Cranes Schöpfung bietet im Gegensatz zu „How I Met Your Mother“ eher altbackene Sitcom-Kost. Die Erzählstruktur ist weniger verspielt, es gibt kaum Zeitsprünge, die Geschichte ist vorhersehbarer und doch wirkt die Serie nicht wie eine reine „Friends“-Kopie. Dies liegt schon einmal am Ensemble. Dies besteht aus acht Figuren – und das sind nur die Kerncharaktere. Durch diese Vielzahl gibt es mehr Sprünge in der Handlung und die Show wirkt dynamischer. Anfangs hatte ich mich zwar etwas schwer damit getan, mir die einzelnen Figuren zu merken (evtl. ein Grund für die schlechte Quote), doch bereits nach ein paar Episoden habe ich mich superwohl in der heilen Sitcomwelt gefühlt. Ein wenig zuhause. Eigentlich hätte ich erwartet, dass es jedem „Friends“-Seher so gehen würde.

Die letzte Episode endet nun sehr unbefriedigend. Eben ein typischer Cliffhanger im „Friends“-Stil. Ich hätte furchtbar gern gesehen, wie es mit der bunten Truppe (mein Favorit: Richie Velch) weitergeht. Schade: 9/10 Punkte.

The King of Queens

Zurzeit kommt es förmlich zu einer Schwemme von finalen Serienepisoden. Nun hat es auch den lustigen Dicken erwischt. Das Ende war in diesem Fall allerdings schon länger bekannt, was das Finale von „The King of Queens“ erträglicher macht, als so manch andere spontane Entscheidung. Für mich geht nun nach neun Jahren eine große Serienliebe zu Ende, die sich leider immer mehr – analog zur Serienhandlung – zu einer Hassliebe entwickelt hat.

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Das erste Mal habe ich die Heffernans bei einer der ersten Ausstrahlungen auf RTLII wahrgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war „The King of Queens“ hierzulande so unbekannt, wie es heute immer noch Larry David ist. Durch die interessante Ausstrahlungstaktik von RTLII, habe ich die ersten vier Staffeln des Kings bestimmt beinahe ein dutzend Mal gesehen – so oft, wie noch keine andere Serie zuvor. Zu dieser Zeit – zwischen Zivildienst und Studium – bin ich einer anspruchsvollen Tätigkeit in einer Kartonfabrik nachgegangen und habe die am Tag zuvor gesehenen Folgen teils im Geiste wieder 1:1 abrufen können. 10 Stunden können unglaublich lang sein. Die ersten vier bis fünf Staffeln von „The King of Queens“ werden bei mir immer einen ganz besonderen Stellenwert haben und ich sehe mir die Folgen auch heute noch sehr gerne an.

Ab der sechsten Staffel hat die Qualität – meiner Meinung nach – rapide abgebaut. Die Serie wurde unrealistischer und das gesunde Gleichgewicht aus abgedrehter Story und einer gewissen Nachvollziehbarkeit der Handlungen der Charaktere ist ins Wanken geraten. Doug und Carry haben sich plötzlich nur noch gestritten und das teils auf so bösartige Weise, dass ein weiteres Zusammenleben teils unglaubwürdig wurde. Die Serie war zwar immer noch unterhaltsam – besonders durch das verstärkte Auftreten von Nebenfiguren, wie z.B. Spence Olchin – doch hat das besondere Etwas gefehlt, das die ersten Staffeln so nachvollziehbar und liebenswert gemacht hat.

Gegen Ende wurde die Serie nun leider immer schlechter und ich denke, es war die richtige Entscheidung hier einen Schlussstrich zu ziehen. Im Gegensatz zu Serien wie „Friends“ gab es bei den Heffernans leider so gut wie keine Charakterentwicklung. Zudem haben die Geschichten angefangen sich zu wiederholen (z.B. Doug und Carrie suchen neue Freunde, Arthur wird abgeschoben). Man hat sich einfach zu sehr auf eingefahrenen Bahnen bewegt und den Zuschauern kein Interesse an einer sich weiterentwickelnden Geschichte zugetraut. Auf Nummer sicher gehen zahlt sich – zumindest qualitativ – nicht immer aus.

„The King of Queens“ ist eine grundsympathische Sitcom mit tollen Figuren und grandiosen Schauspielern (allen voran  Jerry Stiller und Kevin James). Leider wurde viel inhaltliches Potential verschenkt. Unterhaltsam ist die Serie aber zu jedem Zeitpunkt. Die ersten vier Staffeln würden ganz klar die Höchtwertung erhalten. Aufgrund der teils schwachen und uninspirierten nachfolgenden Episoden (inklusive dem durchwachsenen Serienfinale) springen am Ende leider nur 8/10 Punkte heraus. Mal sehen ob eine eventuelle Wiederholungssichtung der späteren Staffeln da noch mehr herausholen kann.

Gilmore Girls – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 7)

Vor einigen Jahren hat meine – damals noch – Freundin nachmittags stets eine Serie namens „Gilmore Girls“ verfolgt. Irgendwann hatten sich ihre Vorlesungszeiten insofern geändert, als sie die Serie aufnehmen und abends ansehen musste. So bin ich dann ab und zu auch in den Genuss der Girls gekommen. Zunächst noch widerwillig, da ich anfangs eine ähnlich simpel gestrickte Serie, wie die vor falscher Moral triefende „Eine himmlische Familie“ befürchtet hatte. Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein. Spoiler zur 7. Staffel und zum Serienfinale habe ich im Folgenden größtenteils vermieden.

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Nun hat die Serie – nach 7 Jahren und Staffeln – ihr Ende gefunden. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Zumindest in Deutschland. Als wir damals mit der Sichtung begonnen hatten, kannte die Serie noch niemand. Man wurde – besonders als Mann – eher belächelt, wenn man von einer lustigen, gut geschriebenen, mit unzähligen Popkulturzitaten gespickten und mit tollen Figuren bevölkerten Serie namens „Gilmore Girls“ erzählt hatte. Aber so ging es mir schon damals bei „Ally McBeal“ – insofern hat das der Begeisterung keinen Abbruch getan.

„Gilmore Girls“ lebt von seinen skurrilen Charakteren und den unglaublich pointierten Drehbüchern. Die Dialoge sind schnell. Unglaublich schnell. In ein paar wenigen Sätzen sind da schon einmal locker ein dutzend popkulturelle Anspielungen versteckt. Man muss wirklich aufmerksam sein, um nichts zu verpassen – besonders im O-Ton. Neben den Figuren nimmt ganz klar die Location – die Kleinstadt Stars Hollow – einen besonderen Platz in der Serie ein. Man fühlt sich sofort wohl und irgendwie zuhause. Die Stadt umweht eine leicht traumartige Atmosphäre, was wirklich gut zum Stil der Serie passt. Trotz verschiedener Jahreszeiten, scheint es in Stars Hollow immer Herbst zu sein – ich glaube, das beschreibt es ganz gut.

Die Geschichten um die „Gilmore Girls“ drehen sich – neben den Nebensächlichkeiten des Lebens – hauptsächlich um Familie, Liebe und Beruf. Das hört sich wieder nach einer typischen Frauenserie – ein Begriff, den ich nicht gerne benutze – an, jedoch schafft es die Serie meist nicht im Kitsch zu versinken und den beschwingten Humor aufrecht zu erhalten. Besonders die ersten vier Staffeln meistern diese Gradwanderung perfekt. In der fünften hatten sich erste Abnutzungserscheinungen gezeigt und die sechste war teilweise alles andere als gelungen – jedoch nie so schlecht, dass man nicht weiterschauen wollte. Nach einem schwachen Start in die siebte Staffel, hat sich die Serie gegen Ende wieder zu alter Form aufgeschwungen – und wie das so ist, wenn eine Serie richtig viel Spaß macht, wurde sie abgesetzt.

Nach wochenlangen Gerüchten, kam die Absetzung ziemlich plötzlich. Kurz vor Ausstrahlung der letzten Episode, was mich nicht gerade auf ein gelungenes Serienfinale hoffen ließ. Glücklicherweise hatten die Autoren anscheinend alle Eventualitäten bedacht, so dass man jede Richtung hätte einschlagen können: Eine Fortführung mit beiden Girls, eine ohne Rory und eben das Ende. Man merkt trotzdem in jeder Minute, dass die Folge eher als Staffelfinale konzipiert war. Es ist nicht das Ende, das man sich nach 7 Jahren erhofft hatte. Die Folge wirkt zu vollgestopft und es fehlt doch so viel. Die letzte Szene in Lukes Diner war dann auch garantiert ein Nachdreh, der – als das Ende beschlossen war – angefügt wurde. Dennoch ist die finale Episode kein Desaster, da sie thematisch perfekt passt. Sie wirkt nur nicht rund und der Serie nicht wirklich würdig. Eine verkürzte 8. Staffel wäre meiner Meinung nach perfekt gewesen.

„Gilmore Girls“ ist eine wirklich besondere Serie. Sie kann ihre hohe Qualität fast durchgängig halten. Ebenso sind ihr ein paar tolle Schauspieler entsprungen. Allen voran natürlich Alexis Bledel und Lauren Graham. Doch auch Milo Ventimiglia (Peter Petrelli, „Heroes“) oder Jared Padalecki (Sam Winchester, „Supernatural“) wären ohne „Gilmore Girls“ garantiert nicht da, wo sie heute sind. Das Ende der Serie stimmt mich fast etwas wehmütig. Aber so ist das immer, wenn liebgewonnene Serien zu Ende gehen. Allen, die bis jetzt noch keinen Kontakt mit den Girls hatten, kann ich nur empfehlen doch einmal einen Abstecher nach Stars Hollow zu machen. Es lohnt sich: 9/10 Punkte.

Ein Trio zum Anbeißen – OT: Two Guys and a Girl

Es gibt unzählige Sitcoms da draußen. Ein paar ziemlich gelungene, wenige wirklich außergewöhnliche und recht viele belanglose. „Ein Trio zum Anbeißen“ (OT: „Two Guys and a Girl“) gehört zu den ziemlich gelungenen. Der Aufstieg in die nächst höhere Liga wurde – wie so oft – durch eine frühe Absetzung verhindert. Dennoch konnte sich „Two Guys, a Girl and a Pizza Place“ – der Titel wurde nach den ersten beiden Staffeln geändert – einen festen Platz in meinem Programm sichern.

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Zum ersten Mal habe ich die Serie wahrgenommen, als sie irgendwann im Mittagsprogramm auf SAT.1 lief. Das muss Ende der Schulzeit/Anfang der Zivizeit gewesen sein. Aufgrund des ungünstigen Termins habe ich die Show jedoch nicht regelmäßig verfolgt. Später folgten weitere Eindrücke bei der VOX-Ausstrahlung. Doch erst bei der aktuellen Ausstrahlung auf Comedy Central bin ich regelmäßig hängengeblieben.

Die Geschichten um Pete, Berg und Sharon erinnern mich etwas an „FRIENDS“. Die Stimmung ist ähnlich – und doch anders. Teils kam mir „Two Guys and a Girl“ wie eine Vorstufe zu „How I Met Your Mother“ vor. Auch hier ist die Stimmung ähnlich, wenngleich das Trio doch auf deutlich ausgetreteneren Sitcompfaden wandelt. Diese Vergleiche mögen für einige Leute hinken, aber wenn ich „Ein Trio zum Anbeißen“ einordnen müsste, würde ich es irgendwo zwischen „FRIENDS“ und „How I Met Your Mother“ platzieren – ohne dass die Show jedoch an die Qualitäten einer der beiden anderen Serien heranreicht.

Die Charaktere machen großen Spaß und werden – besonders im O-Ton – genial von ihren Schauspielern verkörpert. Ab Staffel 2 stößt zudem Nathan Fillion zum Ensemble, welcher die Serie in meiner Gunst noch einmal kräftig nach vorne bringt. Doch auch die restlichen Schauspieler wissen zu überzeugen: Richard Ruccolo – bekannt aus der ersten Staffel von „Joey“ – verkörpert Pete, der sich im Laufe der Serie zu einem wirklich interessanten Charakter wandelt. Mit Ryan Reynolds – u.a. „Blade: Trinity“ – hatte ich anfangs so meine Schwierigkeiten, doch sein Berg ist herrlich selbstironisch angelegt und er bietet den perfekten Gegenpol zu Pete. Traylor Howard – u.a. „Monk“ – spielt Sharon, den weibliche Teil des Trios. Alle drei Schauspieler harmonieren perfekt und machen damit den größten Teil der positiven Eigenschaften der Serie aus.

Nach der zweiten Staffel gab es viele Änderungen – nicht nur im Titel. Die wichtigste Location (Pizza Place) ist weggefallen und auch die Charaktere haben einige Änderungen durchgemacht. Wenn man so will, wurde die Serie erwachsener. Auch gegen Ende der vierten Staffel haben sich Neuerungen angebahnt. Diese wurden jedoch nie ausgeführt, da es zu einem abrupten Ende der Serie kam: Sie wurde eingestellt.

Was bleibt, sind vier äußerst unterhaltsame Staffeln mit einem sehr spielfreudigen Cast. Kein Sitcom-Highlight, doch wirklich gute Unterhaltung – und das hat in der Welt der unzähligen Sitcoms schon etwas zu bedeuten. Aufgrund des äußerst unwürdigen Abschlusses kann ich jedoch nicht mehr als 8/10 Punkte vergeben. Diese hat sich „Two Guys and a Girl“ aber redlich verdient.

Stromberg – Staffel 3

Deutsche TV-Produktionen, die ich mir regelmäßig anschaue, lassen sich an einer Hand abzählen. „Berlin, Berlin“ hat in den ersten Staffeln dazu gehört. Gab es eigentlich danach noch etwas? In letzter Zeit brachte mich nur „Stromberg – Staffel 3“ dazu, wieder regelmäßig reinzuschauen. Bereits die ersten beiden Staffeln des „The Office“-Remakes fand ich sehr unterhaltsam, wenngleich sich in der zweiten Staffel schon ein paar Abnutzungserscheinungen gezeigt hatten.

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Die dritte – und vielleicht auch finale – Staffel startet wieder sehr stark. Fremdschämen deluxe ist angesagt. Bernd Stromberg schlittert von einer peinlichen Situation in die nächste. Stets selbstverschuldet und stets unausweichlich. Christoph Maria Herbst zeigt erneut sein ganzes Können und stattet den Abteilungsleiter mit solch einer Mischung aus Arroganz, völliger Selbstüberschätzung und gnadenloser Unsicherheit aus, dass es eine wahre Freude ist. Herbst ist Stromberg. Sich von dieser Rolle zu lösen wird für den Schauspieler nicht einfach werden – und das kann man durchaus als Kompliment verstehen.

Leider nimmt die Qualität von Staffel 3 mit jeder Folge weiter ab. Zwar stets unterhaltsam, doch teils schon so übertrieben, dass gerade die feine überhöhte Realität der Bürogeschichten fast vollständig verloren geht. Bisher konnte man diese Abteilung der Capitol stets als – teils erschreckend realistische – Satire auf das eigene Büro sehen. Doch irgendwann wurde in den aktuellen Folgen ein Punkt erreicht, der aus den Figuren simple Charaktere einer TV-Serie gemacht hat. Zu übertrieben. Zu unglaubwürdig. Stets unterhaltsam, aber im „Stromberg“-Universum ein Rückschritt.

Inszenierung und besonders Schauspieler sind wirklich über jeden Zweifel erhaben. Zu viel darf ich hier allerdings nicht loben, da doch alles auf dem Original von Ricky Gervais basiert. Trotzdem: Hätte ja auch in die Hose gehen können. Insofern kann man schon froh sein, dass der typische deutsche Serien-Look außen vor gelassen wurde.

„Stromberg“ kann auch in der dritten Staffel ausgezeichnet unterhalten. Ob eine vierte nötig ist, kann ich nicht beantworten. Man müsste sich hierbei wirklich etwas Neues einfallen lassen und/oder sich auf die Anfänge zurückbesinnen. Staffel 3 bekommt von mir 7/10 Punkte. Der gesamten Serie dagegen möchte ich 8/10 Punkte zusprechen. Warum nun nicht einmal eigene Ideen in dieser Qualität umsetzen?

Entourage – Season 1 & 2

Schon wieder bin ich einer TV-Serie verfallen. Ausnahmsweise ist diese (noch) nicht von der Absetzung bedroht. HBO sei dank. Nach den ersten zwei Staffeln „Entourage“ darf ich mich also auf mindestens zwei weitere freuen. Das sind doch einmal gute Nachrichten.

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Die Serie zeigt das Leben des aufstrebenden Hollywoodstars Vinncent Chase und seiner Freunde. Seiner „Entourage“. Jeder einzelnen Figur wird die volle Aufmerksamkeit geschenkt. So ist Vinnie Chase zwar der Dreh- und Angelpunkt der Serie, doch ist er auf seine Freunde genauso angewiesen, wie sie auf ihn. Das wird oft genug mehr als deutlich. Hauptidentifikationsfigur ist für den Zuschauer wohl sein engster Freund und Manager Eric Murphy. Meist sieht man die Serienwelt durch seine Augen und teilt mit ihm das Wissen um die Geschäfte und Verhandlungen, die das weitere Leben der vier Freunde bestimmen.

Anfangs habe ich mir etwas schwer getan mit der Serie. Alles hat unglaublich übertrieben und überheblich gewirkt. Teure Autos, Parties, Drogen, Sex und Hip-Hop. Die Klischeevorstellung vom neureichen Hollywood. Doch bereits nach den ersten Folgen sind die Menschen hinter der Oberflächliche hervorgetreten. Menschen mit Problemen, Beziehungsängsten und Träumen. Die Gruppe der vier Freunde harmoniert dabei so perfekt, dass man sofort in ihre Welt hineingesogen wird. Diese Welt soll wohl kein realistisches Abbild Hollywoods zeigen, sondern eine – wie so oft in Film und Fernsehen – übersteigerte Realität. Diese ist durchsetzt mit teils köstlichem Humor und skurrilen Szenen, welche nicht selten auf das Konto von Vincents Agenten Ari Gold (genial: Jeremy Piven) gehen.

Audiovisuell ist die Serie ein Traum: Es glitzert an allen Ecken und man bekommt die Wunsch-/Traumvorstellung von Hollywood zu sehen. Sicher werde auch die dunkleren Seiten aufgezeigt – aber nur am Rande. Im Vordergrund stehen eindeutig der Spaß und die Charaktere. Der Soundtrack ist klasse und breit gestreut. Auch wenn des Öfteren Hip-Hop-Töne zu vernehmen sind, so gibt es für die Rockfraktion FRANZ FERDINAND und Co. Ganz zu schweigen vom genialen Titelsong SUPERHERO des Alternativeurgesteins JANE’S ADDICTION.

Neben all den oben genannten Vorzügen kann die Serie mit einer stimmigen Rahmenhandlung aufwarten, die mit unzähligen Gaststars gespickt ist: Jessica Alba, Gary Busey, James Cameron, Larry David uvm.

„Entourage“ macht Spaß. Unglaublich viel Spaß. Jeder der gerne auch nur etwas Hollywoodluft schnuppert (und sei es nur bei den Oscars), der wird sich in der Serienwelt pudelwohl fühlen. Ich freue mich jetzt schon auf hoffentlich viele weitere Seasons: 9/10 Punkte.

Arrested Development – Season 1 to 3

Wieso werden die besten Serien so oft vor ihrer Zeit abgesetzt? Schlechte Quoten. Schon klar. Dann stellt sich mir natürlich die Frage, warum nur so wenige Menschen ihre Genialität erkennen. Oder ob ich mit meinem Geschmack daneben liege. Solche und ähnliche Gedanken sind mir gestern nach der letzten Episode von „Arrested Development“ einmal wieder durch den Kopf gegangen. Die Serie ist längere Zeit relativ unbemerkt an mir vorbei gegangen. Dann kam die deutsche TV-Ausstrahlung, der ich jedoch nach einem Hinweis von Inishmore recht schnell den Rücken gekehrt habe, um mich der Originalversion zuzuwenden. Und nun? Nun habe ich eine neue Lieblingsserie und bin – das erste Mal seit „Firefly“ – wirklich entsetzt, dass andere Serien einen wahren Staffellauf hinlegen, während es eine Ausnahmeserie wie „Arrested Development“ mit Mühe und Not auf drei Staffeln schafft.

And now the story of a wealthy family, who lost everything, and the one son who had no choice but to keep them all together …it’s „Arrested Development“. Das Intro zu jeder Episode fasst die Rahmenhandlung auch schon perfekt zusammen. Eine simple Ausgangssituation, aus der alles herausgeholt wird. Aber auch wirklich alles. Dies ist vor allem den großartigen Figuren und dem grandiosen Ensemble von Schauspielern zu verdanken, die ihre Rollen mehr als perfekt verkörpern. Da gibt es wirklich keinen Ausreißer. Die Charaktere haben die Grenze zur Parodie fast schon überschritten und bleiben doch liebenswert und interessant. Eine gewagte Gratwanderung, die von den den Autoren und Darstellern jedoch mit Bravour gemeistert wurde.

Von der Inszenierung erinnert „Arrested Development“ etwas an Larry Davids „Curb Your Enthusiasm“. Auch dort gibt es einen Pseudodokumentarstil und keine Lacher vom Band. Die Serie um die Großfamilie Bluth hat zudem noch einen Erzähler (Ron Howard) spendiert bekommen, der das Geschehen stets äußerst treffend und urkomisch kommentiert. Des Weiteren gibt es immer wieder Einschübe, in denen bestimmte Situationen untereinander referenziert werden. Einfach, effizient und meist zum schlapplachen. Überhaupt habe ich bei kaum einer Serie mehr gelacht als bei „Arrested Development“.

Man könnte nun annehmen, dass der Humor der Serie eher oberflächlich ist und seine Lacher aus schlechten Gags zieht. Dem ist jedoch glücklicherweise nicht so. „Arrested Development“ bietet äußerst intelligenten und hintergründigen Humor, ist sich jedoch nicht zu fein in den passenden Szenen auch einmal deftige Slapstickeinlagen zu präsentieren. Einfach eine gelungene Mischung. Die Gagdichte ist wirklich unglaublich hoch. Man muss jedoch wirklich aufpassen und sich erst einmal ein paar Folgen lang in die Familie einfinden, damit man die subtilen Anspielungen versteht.

Was kann ich noch sagen? Es gehen keine Handlungsfäden verloren und selbst in der letzten Episode kommt es zu grandiosen Überraschungen und Zusammenführungen von Erzählsträngen. Gaststars gibt es zudem wie Sand am Meer: Julia Louis-Dreyfus („Seinfeld“) und Zack Braff („Scrubs“, „Garden State“) zum Beispiel, um nur zwei zu nennen.

Das Geschriebene mag sich ungewohnt euphorisch anhören, doch es ist wirklich so: „Arrested Development“ ist eine Ausnahmeserie und ich kann sie nur jedem ans Herz legen, der etwas für intelligente Geschichten und tolle Figuren übrig hat. Lachen sollte man auch gerne, denn das wird man bei der Sichtung zwangsläufig. Einfach grandios: 10/10 Punkte.