Veronica Mars – Season 1

Auch wenn man heutzutage von einer wahren Serienvielfalt beinahe erschlagen wird, so bleiben die wirklich besonderen doch eine Seltenheit. Oft wird einem das auch erst nach dem Ende einer Serie klar. Ich bin mir allerdings jetzt schon ziemlich sicher, dass auch „Veronica Mars – Season 1“ zu diesen besonderen Erlebnissen in der Serienwelt zählt. „Well, you know what they say: Veronica Mars, she’s a marshmallow.“

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Anfangs hatte ich etwas befürchtet, dass uns Veronica Mars zu sehr in die Welt der Teenager entführt. Mit den typischen Problemchen, die besser in eine Soap passen, als in eine ernsthafte Serie. Glücklicherweise ist dem nicht so. Sicherlich hat auch Veronica Mars mit ihrem Liebesleben, der Schule etc. zu kämpfen – aber wie sollte es auch anders sein? Sie ist schließlich noch ein Teenager. Allerdings werden auch diese Dinge so geschickt in die Storyline eingeflochten, dass sie selbst dem abgeneigtesten erwachsenen Zuschauer nicht zu negativ auffallen sollten.

Veronica Mars ist nämlich nicht der normale Teenager, den man noch von seiner Schulzeit kennt. Sie ist der fleischgewordene Traum eines jeden (Ex-)Schülers. Sie strotzt vor Selbstbewusstsein, sie ist unglaublich schlagfertig, sie ordnet sich nicht den Cliquen unter, sie ist stilbewusst, sieht gut aus und arbeitet nebenbei als Privatdetektivin. Wer wäre in seiner Schulzeit nicht gerne wie sie gewesen bzw. hätte gerne jemanden wie sie als Freund gehabt? Ich denke hier liegt das große Identifikationspotential, selbst wenn man seine eigene Schulzeit schon lange hinter sich hat. Veronica Mars verkörpert all das, was man damals – aller Wahrscheinlichkeit nach – selbst angestrebt hat. Sie lebt den Traum.

Hatte ich erwähnt, dass Ms. Mars nebenher als Privatdetektivin arbeitet? Ebenso wie ihr Vater? Aus dieser Prämisse entwickelt sich in jeder Episode ein Fall, der stets höchst interessant ist und bei dem auch vor Themen wie Mord oder Vergewaltigung nicht zurückgeschreckt wird. Ebenso wird eine episodenübergreifende Handlung erzählt: Veronicas Freundin wurde ermordert und es gilt den wahren Täter zu finden. Die ganze Staffel über werden Spuren gelegt und gefunden, die alle – aber auch wirklich alle – in der genialen letzten Episode aufgelöst werden. Selten habe ich ein so mitreißendes Staffelfinale gesehen. Schweißtreibend. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Inszenatorisch weiß die Serie auch zu gefallen. Der Look ist außergewöhnlich. Meist erstrahlt das Bild in bunten Neonfarben, was oft allein durch die Beleuchtung erreicht wird. Anfangs gewöhnungsbedürftig, letztendlich aber mehr als passend und wirklich stilbildend für die Serie. Ebenso fallen viele extreme Weitwinkelaufnahmen und Perspektiven aus dem klassichen Film noir auf, wenngleich dieser Stil nie im Vordergrund steht, wie z.B. beim thematisch ähnlichen „Brick“. Neben der Inszenierung fallen besonders die Schauspieler postiv auf. Allen voran natürlich Kristen Bell. Die perfekte Besetzung für Veronica Mars. Doch auch Enrico Colantoni als Keith Mars hat alle Sympathien auf seiner Seite. Ansonsten ist noch der äußerst passende Titelsong WE USED TO BE FRIENDS der DANDY WARHOLS eine Erwähnung wert. Nicht selten unterlasse ich es den Vorspann zu überspringen.

„Veronica Mars“ ist eine unglaublich gut geschriebene Serie. Der Wortwitz erinnert an den eines Joss Whedon („Firefly“) und ich hoffe sehr, dass die Qualität über die nächsten beiden Staffeln aufrecht erhalten werden kann. Äußerst sehenswert: 9/10 Punkte.

27 Gedanken zu “Veronica Mars – Season 1

  1. Import-DVD? Hat die wenigstens die deutsche Tonspur? Ich weiß, es ist zwar oft eine Schande, sich die synchronisierten Fassungen anzuschauen, aber mir ist das immer zu anstrengend. Ich mach das immer gern bei der zweiten Sichtung. 🙂

    Hast du eigentlich zufällig die HBO-Serie „Rome“ im Blick? Ich fand die ja wirklich klasse. Läuft ab Juli auf RTL2 – leider nur gekürzt. Die UK-Import-Fassung hat aber auch die deutsche Tonspur. Also ich kanns nur empfehlen 😉

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  2. Nee, hat keine deutsche Tonspur. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich eigentlich alles im O-Ton schaue (meist mit englischen Untertiteln) und somit recht geübt bin.

    „Rome“ hat mich auch schon immer interessiert. Ich warte einmal die deutsche DVD-Veröffentlichung ab. Ansonsten war ich auch schon oft kurz davor, die UK-Version zu bestellen.

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  3. Ja ok, mit genug Übung kommt man natürlich gut damit zurecht. Hab mir auch die ersten Folgen der zweiten Staffel von Rome auf Englisch angeschaut, klappte auch immer besser mit der Zeit. Hab über die Gewohnheiten beim Filme schauen schon viele Diskussionen geführt, das ist manchmal extrem unterschiedlich 🙂

    Und wie gesagt, Rome kann ich dir nur wärmstens ans Herz legen. Das Set und die Machart sind wirklich mehr als genial – wohl nicht umsonst ist es die teuerste je produzierte Serie aller Zeiten. Meine ganze Familie hat die Serie mit Genuss gesehen und wir wollten nach jeder Folge unbedingt weiterschauen. Für mich als Latein- und Geschichtsstudent ist die Serie sowieso ein Highlight, weil sie verhältnismäßig korrekt in der historischen Wiedergabe ist.

    Die UK-fassung ist inzwischen auch erheblich reduziert. Und das die deutsche ab 16 sein wird, gibt mir ein wenig zu denken, ob da nicht geschnitten wurde (denn die Verleih-Version war ab 18).

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  4. HBO-Serien sind meist sowieso über alle Zweifel erhaben. Ich fand damals auch „Band of Brothers“ äußerst sehenswert und mitreißend, obwohl ich mit dem Thema Krieg normalerweise nicht so viel anfangen kann – vielleicht aber auch gerade deshalb.

    Die UK-Version habe ich inzwischen schon für ca. 45 € entdeckt. Soweit ich weiß will Warner nun doch eine deutsche 18er auf den Markt schmeißen. Mal sehen wie die sich preislich so entwickelt.

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  5. Ich habe anfangs, als VM auf ZDF noch zur supertollen Sendezeit samstags um 14 Uhr lief, in die Serie reingeschaut und mir ging es so, wie du schreibst: Zu teenagerlastig. Aber vielleicht hätte ich mir noch ein, zwei Folgen mehr ansehen sollen… Ich glaube, das nehm ich mir mal vor. Auf dein Urteil ist ja eigentlich Verlass. 🙂

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  6. Bei mir hat es erst so nach ca. 6 Folgen geklickt. Dann dafür aber richtig. Die Teenielastigkeit fällt nach der Zeit auch nicht mehr so stark auf, da die verschiedenen Familien und die damit verbundenen Fälle in den Mittelpunkt gerückt werden. Außerdem ist Veronica Mars einfach toll… um einfach mal ganz platt ins Schwärmen zu geraten. 😉

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  7. Jaaa hab schon so viel davon gehört- und bin nie dazu gekommen, die Serie zu schauen, zumal die ja echt bekloppte Sendezeiten hatte, als die irgendwann auf Sat1 oder so lief. Muss mich echt mal ranhalten..

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  8. Ja, das mit den Sendezeiten. Doch amerikanische TV-Serien haben es hierzulande sowieso nicht leicht. Sieht man einmal von den diversen „CSI“-Klonen ab. Du musst die Schuld also nicht zwangsweise bei dir suchen… 😉

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    • Eine exzellente Wahl! Da du Teenager-Serien ja nicht abgeneigt bist und dieses Element durchaus auch einen Teil der Serie ausmacht, dürftest du deinen Spaß mit Veronica haben. Beneidenswert, dass du die Serie noch nicht kennst. Bin schon gespannt was du berichtest!

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