Parks and Recreation – Season 1 & 2

Was bin ich dieser Serie zu Beginn ausgewichen. Neben „The Office“ eine weitere Serie im Pseudodokustil, braucht man das wirklich? Heute kann ich ganz klar sagen: Ja, gar keine Frage! Greg Daniels und Michael Schur haben mit „Parks and Recreation – Season 1 & 2“ eine würdige Ergänzung zu diesem Subgenre geschaffen, welche ihr Vorbild inzwischen schon zu überflügeln weiß. Dabei hat alles so unspektakulär begonnen…

Wie bereits das Vorbild „The Office“ startet auch die mit sechs Episoden ebenso knapp bemessene erste Staffel von „Parks and Recreation“ eher schwach, was rückblickend auch an den noch fremden Charakteren liegen mag. Hat man sich jedoch erst einmal mit Leslie Knope und ihrem Team angefreundet, bleibt wahrlich kein Auge mehr trocken. Die Charaktere sind so gut geschrieben, dass es eine wahre Freude ist. Eine absurde Situation jagt die nächste, was in einem herrlich satirischen Blick auf die amerikanische Kommunalpolitik mündet.

Ich muss sagen, dass ich „Parks and Recreation“ gegenüber „The Office“ fast schon den Vorzug gebe. Letztere Serie hat sich über die Jahre aber auch schon ziemlich abgenutzt und im direkten Vergleich wirkt Pawnee einfach frischer und frecher als Scranton. Vermutlich sollte man es mit dem Vergleichen aber auch nicht übertreiben, denn schließlich lassen sich beide Serien an der Spitze der US-Comedyshows finden.

„Parks and Recreation“ sollten Freunde der Vorgängerserie sowie Comedyfreunde im Allgemeinen dringend in ihr Pflichtprogramm aufnehmen. Für mich wohl eine der positivsten Serienüberraschungen in jüngster Zeit. Bitte mehr davon. Am liebsten jetzt und sofort: 9/10 Punkte.

V – Season 1

Neben „Flash Forward“ hatte ich mich im aktuellen Serienjahr besonders auf „V – Season 1“ gefreut. Ein weiteres großbudgetiertes und mysterylastiges Actiondrama, das durchaus vielversprechend aussah. Besonders wenn man die Qualität des letzten großen Serienremakes namens „Battlestar Galactica“ bedenkt, dann hätte „V“ wirklich ein großer Erfolg werden können.

Die Ausgangssituation der Serie ist für mich durchaus faszinierend. Ich mag Science-Fiction und „V“ schien mir exakt die richtige Mischung aus Drama, Action und eben Sci-Fi zu besitzen. Eine Alien-Invasion, Widerstandskämpfer, Verschörung, neue Technologien – was kann man mehr wollen? Wie mir während dieser ersten Staffel klar wurde so einiges, z.B. eine spannende und stetig fortschreitende Handlung. Die Kritikpunkte, die ich bereits für „Flash Forward“ formuliert habe, lassen sich nahezu unverändert auch für „V“ übernehmen. Somit waren beide diesjährige Serienhoffnungen leider ein kleine Enttäuschung.

Im Gegensatz zu „Flash Forward“ verzeihe ich „V“ die Fehler aber irgendwie leichter. Vielleicht liegt das am teils recht trashigen Look der Serie, vielleicht an der abgehobeneren Ausgangssituation, vielleicht aber auch an der Möglichkeit, dass sich die Serie theoretisch noch weiterentwickeln kann. Gegen Ende der Staffel nahm die Handlung zudem endlich Fahrt auf und somit bin ich tatsächlich daran interessiert zu erfahren, wie es mit unseren Helden weitergehen wird. Und natürlich mit Anna (Morena Baccarin, „Firefly“) und ihrer jetzt ja deutlich dezimierten Brut.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich die Originalserie aus den 80er Jahren nicht kenne, mich die Cover der VHS-Kassetten aber schon als Jugendlichen fasziniert hatten. Ob das Remake besser ist? Schlechter? Ich vermag es nicht zu sagen. Um einen bleibenden Eindruck mit „V“ zu hinterlassen, müssen sich die Autoren in der zweiten Staffel auf jeden Fall mächtig ins Zeug legen: 6/10 Punkte.

Two and a Half Men – Season 4

Weiter geht es mit Onkel Charlie und seiner erweiterten Familie. Auch im vierten Jahr bleibt „Two and a Half Men – Season 4“ absolut sehenswert, was wohl vor allem den wunderbaren Schauspielern zuzuschreiben ist. Und auch sonst bleibt alles beim Alten.

Die Veränderungen der letzten Staffel wurden – wie von mir prophezeit – wieder komplett rückgängig gemacht. Man hat erneut den Status Quo erreicht, allerdings nicht ohne Alan noch weiter in die Abhängigkeit von seinem Bruder zu treiben. Dies birgt wiederum neue Quellen für urkomische Gags auf Alans Kosten. Doch auch Charlie kommt nicht immer ungestraft davon, was für den Zuschauer durchaus einiges an Befriedigung bereithält.

Neben Bertha ist mein Liebling in dieser Staffel natürlich wieder Jake, der mit seinen – wenn auch oft nur kurzen – Auftritten immer für die größten Lacher sorgt. Herrlich waren auch wieder Judiths spezielle Ansichten, welche sich besonders im Zusammenspiel mit Dr. Melnick zeigten sowie Alans Reaktionen darauf. Schade fand ich dagegen den Abschied von Rose, doch wer weiß ob wir sie nicht doch noch einmal wiedersehen werden?

Viel gibt es zu dieser Staffel nicht mehr zu sagen. Sie reiht sich qualitativ und inhaltlich perfekt in die Gesamtserie ein und man kann wunderbar eine nach der anderen Episode wegschauen. Nun bleibt mir nur noch eine Staffel, dann wird es Zeit für DVD-Nachschub. Einfach tolle Unterhaltung: 8/10 Punkte.

The Big Bang Theory – Season 3

In der Zeit der spektakulären Serien- bzw. Staffelfinale geht der Abschluss von „The Big Bang Theory – Season 3“ natürlich etwas unter. Für eine Sitcom hält die aktuelle Staffel dennoch ein recht spannendes Finale parat, das die Vorfreude auf ein viertes Jahr mit der nerdigen Truppe rund um Leonard und Sheldon schürt.

Ich hatte den Eindruck, dass die aktuelle Staffel von „The Big Bang Theory“ in der generellen Rezeption um einiges schlechter wegkommt, als noch die vorhergehende Staffel. Erklären kann ich mir das nicht wirklich, hatte ich doch wieder enorm viel Spaß mit meinen – zumindest amerikanischen – Lieblingsnerds. Leonard und Penny sind endlich ein Paar, Wolowitz und Koothrappali besitzen nach wie vor ihre ganz eigene Dynamik und Shelden ist so oder so der eigentliche Held der Show.

Der Fokus auf Sheldon hatte ja bereits in der zweiten Staffel enorm zugenommen und wurde tatsächlich noch ausgebaut. Dies mag manchmal übertrieben wirken, doch dem Unterhaltungswert schadet diese geringfügige Neuausrichtung auf keinen Fall. Leonard ist sowieso nicht die interessanteste Figur und solange das aktuelle Gleichgewicht bestehen bleibt, freue ich mich wahrlich über die Auswirkungen jeder neue Eskapade Sheldons auf die ohnehin schon gestörte Gruppendynamik: Bazinga!

Mit „The Big Bang Theory“ geht es mir ähnlich wie mit „Two and a Half Men“, der zweiten Serie von Chuck Lorre die ich zurzeit verfolge. Obwohl die Handlung oft nur eine Variation bereits bekannter Ereignisse darstellt, fühle ich mich stets famos unterhalten. Da mich zudem die nerdige Thematik anspricht, zählt die Serie nach wie vor zu meinen aktuellen Sitcomfavoriten: 9/10 Punkte.

Community – Season 1

Die aktuelle TV-Season war für mich wirklich eine wahre Fundgrube in Sachen Comedy. Neben „Parks and Recreation“ und „Modern Family“ konnte mich besonders „Community – Season 1“ überzeugen. Schon lange habe ich keine Serie mehr in so kurzer Zeit verschlungen. Absolut großartig.

Jeder der vorgestellten Charaktere macht unglaublich viel Spaß. Wirklich jeder. Dan Harmon hat ein wunderbares Ensemble gefunden, das perfekt miteinander harmoniert. Mein Liebling ist wohl Chevy Chase, der als Pierce Hawthorne endlich wieder zu alter Form auflaufen darf. Einfach nur grandios. Doch auch der Rest der bunt zusammengewürfelten – und ganz offen an eine politisch völlig unkorrekte Version von John Hughes „The Breakfast Club“ erinnernde – Truppe ist ein wahrer Quell der Freude.

Der Humor der Serie schwankt zwischen tiefschwarz und erfrischend gutherzig. Eine seltsame Balance, die für mich aber genau die Qualität der Serie ausmacht. Die Handlung der einzelnen Episoden oft an popkulturelle Ereignisse – insbesondere Filme – angelehnt, was der Figur des Abed Nadir zu verdanken ist. Abed ist Film- und Serienfreak. Im Vergleich zu ihm bin ich ein wahrer Asket was die bunten Bilder angeht. Diese simple Prämisse ist Grundlage für die herrlichsten Szenen meines persönlichen Serienjahres. Alleine die Episode in der „GoodFellas“ durchgespielt wurde. Inklusive Voice-over: ‚For as long as I can remember, I always wanted to be in a mafia movie.‘ Oder die Episode „Modern Warfare“, in der jeder Actionfilm der vergangenen 20 Jahre zitiert wurde. Oder der Loophole-Gag für alle „Lost“-Fans. Einfach nur genial.

Aktuell gibt es wohl keine zweite Serie, die so eine hohe Dichte an popkulturellen Referenzen bietet. Alleine dafür liebe ich „Community“. Hinzu kommen erfrischend unkonventionelle Storylines, wunderbare Schauspieler und ein ungewöhnliches Setting. Genau so muss eine moderne Comedyserie aussehen: 10/10 Punkte.

Fringe – Season 2

Nach dem Serienfinale von „Lost“ beendet J.J. Abrams (zumindest aktuell noch) jüngstes Serienbaby „Fringe – Season 2“ gerade einmal das zweite Jahr. Obwohl mich die Serie von allen Werken des Showrunners bisher am wenigsten zu begeistern weiß, so muss ich ihr jedoch auch einen enormen Unterhaltungswert zusprechen. Besonders gegen Ende der Staffel konnte die Serie noch einiges an Boden gut machen.

Zu Beginn des zweiten Jahres hatte ich mich sehr auf ein Wiedersehen mit Olivia Dunham und dem dynamischen Vater/Sohn-Duo Walter und Peter Bishop gefreut. Doch dann stellte sich ziemlich schnell Ernüchterung ein: Im ersten Drittel der Staffel wimmelt es nur so vor durchschnittlichen Einzelepisoden. Die Enttäuschung war – besonders nach dem famosen Finale der ersten Staffel – natürlich groß, doch glücklicherweise sollte es bald wieder aufwärts gehen, was der Rückkehr zum übergreifenden Handlungsbogen zu verdanken ist.

Die Geschichte um das parallele Universum ist wirklich faszinierend. Hier gibt es ein paar fantastische Episoden zu bestaunen, welche sich vor allem in der zweiten Staffelhälfte finden. Hatte mich in der ersten Staffel noch gestört, dass anscheinend auch wirklich jedes unerklärliche Phänomen mit Walter Bishop zusammenhängt, so gefällt mir seine persönliche Involvierung in diesem Haupthandlungsstrang ausgesprochen gut. Sein Charakter (und auch Peters) gewinnt dadurch deutlich an Tiefe und man kann so manche seiner Eigenheiten besser verstehen.

Während des Staffelfinales läuft die Serie dann noch einmal zur Höchstform auf und bietet einen rundum gelungenen Abschluss mit äußerst fiesem Cliffhanger, der die Vorfreude auf die dritte Staffel noch einmal gehörig steigert. Wenn sich diese dann noch mehr auf den episodenübergreifenden Handlungsbogen konzentriert, ist „Fringe“ auch ganz klar in der Oberliga angekommen. Tolle Mysteryunterhaltung mit sympathischen Charakteren und einer äußerst spannenden Rahmenhandlung: 8/10 Punkte.

The Office (US) – Season 6

Nun ist es tatsächlich geschehen. Mein einstiger Favorit am Serienhimmel beginnt mit „The Office – Season 6“ langsam aber sicher zu verblassen. Ist dies das sichere Ende von Dunder Mifflin bzw. Sabre? Kann man sich die Serie überhaupt noch anschauen? Und wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Zunächst einmal muss ich mir selbst den Wind aus den Segeln nehmen: Auch die sechste Staffel von „The Office“ bietet ausgezeichnete Unterhaltung und ich habe (beinahe) jede einzelne Episode mit größtem Vergnügen gesehen. Dennoch lassen sich Abnutzungserscheinungen – ganz besonders im Vergleich zur Schwestershow „Parks and Recreation“ – langsam nicht mehr verleugnen. Der besondere Witz der Show ist alltäglich geworden.

Der absolute Tiefpunkt dieser Staffel kam für mich in Form einer Clipshow. Wenn ihr euch fragt was eine Clipshow ist, dann habt ihr in den 90er Jahren zu wenige Sitcoms gesehen und somit Episoden verpasst, die bereits gesehene Highlights nur wieder aufwärmen. Selbst „Friends“ oder auch „Seinfeld“ haben unter diesem Fluch gelitten. So etwas nun 2010 in einer modernen Single-Camera Comedy zu sehen hat mich schon etwas erschüttert.

Glücklicherweise gefällt die restliche Handlung. Es gibt ein paar wunderbare Aktionen von Dwight Schrute zu bestaunen und auch der restliche Büroalltag wird bekannt vergnüglich dargestellt. Dennoch fehlen die ganz großen Highlights und somit wird „The Office“ von ihren jüngeren Genrekollegen langsam aber sicher überholt: 8/10 Punkte.

Modern Family – Season 1

Wenn man mich nach dem besten Serienstart im vergangenen Jahr fragen würde, dann wäre „Modern Family – Season 1“ ohne Zweifel unter den von mir genannten Serien. Ein wahrlich lohnenswertes Jahr für alle Comedyfreunde. Dabei kann man die Serie wohl nicht als besonders innovativ bezeichnen, doch sie macht auf jeden Fall das beste aus ihrem Konzept.

Die Showrunner Steven Levitan und Christoper Lloyd haben den in den letzten Jahren äußerst beliebten Pseudodokustil genommen und einfach auf ein neues bzw. altes Genre übertragen. Weg vom Arbeitsplatz und rein in den Familienalltag. Dadurch entsteht ein anfangs etwas befremdliches Bild, doch schon bald kann man sich dem Bann der Serie nicht mehr entziehen, was durch die Wahl der Erzählform tatsächlich noch unterstützt wird.

Inhaltlich geht es in „Modern Family“ um – wer hätte es gedacht? – eine Großfamilie, in der alle Familienklischees abgedeckt werden. Hier dürfte wohl jeder Zuschauer mindestens eine Identifikationsfigur finden. Bei aller Übertreibung und den oft absurden Geschichten, wird am Ende jedoch stets ein positives Familienbild gezeichnet. Dies wirkt glücklicherweise nie aufgesetzt und man wird sowohl als Familienfreund, als auch als Familienskeptiker herzlich über diese bunte Sippe lachen können.

Nachdem ich viel über Inszenierung und Familie geschrieben habe, nun das Wichtigste zum Schluss:  „Modern Family“ ist unglaublich lustig. Der Humor der Serie orientiert sich an Genrekollegen wie „The Office“ und ist damit eher nicht mit klassischen Familiensitcoms zu vergleichen, was der Serie auf jeden Fall zugute kommt. Das Ensemble wurde perfekt ausgewählt und strotzt mit Ed O’Neill („Married with Children“), Ty Burrell („Back to You“), Jesse Tyler Ferguson („The Class“) uvm. nur so vor talentierten Comedy-Schauspielern.

Wie bereits geschrieben zählt „Modern Family“ eindeutig zu meinen Favoriten unter den Serienstarts des vergangenen Jahres. Ich glaube jeder Comedyfreund wird diese Serie lieben. Einfach nur fantastische Unterhaltung mit großartigen Darstellern und einem pointierten Drehbuch: 9/10 Punkte.

FlashForward – Season 1

Was hatte ich mich auf diese Serie gefreut: „FlashForward – Season 1“ war einer der Serienstarts des vergangenen Jahres. Am meisten lockte mich wohl die Tatsache, dass es sich um eine Romanadaption handelt und die Geschichte somit relativ festgelegt ist. Von wegen! Letztendlich wollte man mit der Serie dann doch nur auf der Mysteryerfolgswelle mitschwimmen.

So interessant die Prämisse der Serie auch ist – ein globaler Blackout samt individuellen Blicken in die persönliche Zukunft der Charaktere – so wenig innovativ wurde die Geschichte letztendlich umgesetzt. Ich hatte beständig das Gefühl eine Kopie von J.J. Abrams Erfolgsserie „Lost“ zu sehen und das sowohl was Dramaturgie, Inszenierung als auch Schauspiel angeht. Anfangs störte mich das noch nicht zu sehr, doch irgendwann trat auch die Handlung auf der Stelle und in die Figurenzeichnung schlichen sich Redundanzen ein.

Letztendlich ist die fehlende eigene Identität auch das größte Problem der Serie. Zu Beginn hatte ich wirklich noch Spaß mit „FlashForward“ und selbst die schwächeren Episoden habe ich recht gerne gesehen, doch wirklich mitgerissen hat mich die Serie leider zu kaum einem Zeitpunkt. Es gab einfach zu viele Charaktere, die zudem nicht wirklich gut ausgearbeitet waren. Man konnte keine wirkliche Beziehung zu ihnen aufbauen, wodurch manche Handlungsstränge einfach nur verpufft sind.

Meine Kritik liest sich nun schlimmer, als ich die Serie tatsächlich wahrgenommen habe. Die Produktionswerte sind absolut sehenswert, die Schauspieler im Großen und Ganzen auch nett anzusehen und selbst die Handlung weiß zu  großen Teilen zu faszinieren. Es mangelt einfach an den Details, was besonders schwer ins Gewicht fällt, weil sich die Serie eben so offensichtlich an ihrem großen Vorbild orientiert. Doch bei diesem waren eben unter anderem die Charaktere besser geschrieben, die Mysterien spannender und der Score ungleich schöner.

Der fehlende Abschluss von „FlashForward“ wiegt natürlich auch noch einmal schwer, wofür man der Serie allerdings keinen wirklichen Vorwurf machen kann. So bleibt am Ende leider ein etwas unbefriedigendes Erlebnis, welches durchaus Unterhaltungspotenzial besitzt, aber letztendlich doch weit hinter meinen Erwartungen blieb: 6/10 Punkte.

Lost – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

Wenn es eine TV-Serie gibt, die ursprünglich meine Begeisterung für US-Dramaserien geweckt hat, dann ist das wohl „Lost“ von Serienaltmeister J.J. Abrams. Nach sechs Staffeln ist der Ausflug nun vorbei. Kaum zu glauben. Keine andere Serie hat mich – zumindest zu Beginn – so an den Bildschirm gefesselt, wie dieses mysteriöse Inseldrama. Auch wenn die Serie ihre Qualität auch nicht über die komplette Laufzeit halten konnte, so wird sie für mich doch immer einen besonderen Stellenwert einnehmen.

Während der ersten beiden Staffeln zählte „Lost“ eindeutig zu meinen absoluten Lieblingsserien. So herrlich mysteriös, so unglaublich spannend und so wunderbar erzählt. Die – zumindest in den ersten Staffeln noch – geschickte Verquickung von zwei Zeitebenen brachte dem Zuschauer die Charaktere viel näher, als dies durch einen einzelnen Handlungsstrang möglich gewesen wäre. Ein netter Kniff, den man so konsequent umgesetzt wohl noch in keiner erfolgreichen Mainstream-TV-Serie gesehen hatte. Man darf hier wohl durchaus berechtigt von innovativer Fernsehunterhaltung sprechen, auch was Budget und Inszenierung angeht.

Leider nahm die Qualität der einzelnen Staffeln mit steigender Zahl ab. Bereits in der dritten Staffel war ein kleiner Einbruch zu spüren, der sich leider bis zum inhaltlich unbefriedigenden Finale fortsetzte. Während der ersten beiden Staffeln war man komplett der Insel ausgeliefert. Unzählige Geheimnisse, ebenso viele Überraschungen – ich denke hier alleine an die grandiose Eröffnungssequenz der zweiten Staffel – und emotionale Charaktermomente. So wunderbar, dass ich am liebsten eine Folge nach der anderen verschlungen hätte.

Dann jedoch wurde das Ensemble immer mehr erweitert und ich hatte das Gefühl, dass die Mysterien nur noch dem Selbstzweck dienten. Nach durchaus unterhaltsamen pseudowissenschaftlichen Erklärungen fand man in der fünften Staffel eher wieder zum Übernatürlichen zurück und führte zwei neue Spieler ein. Zu diesem Zeitpunkt war ich anfangs zwar verwirrt, hatte jedoch das Gefühl die Autoren wüssten zumindest was sie tun. Nach der finalen Staffel sehe ich das nun mit anderen Augen. „Lost“ ist an meinen Erwartungen gescheitert. Bis zum Finale lieferten die Autoren das, was die Fans sehen wollten: Geheimnisse über Geheimnisse. Am Ende blieb jedoch nicht mehr viel davon übrig. Kaum eine aufgeworfene Frage wurde beantwortet und man hat sich einzig und allein auf den emotionalen Charakter der Serie verlassen.

Bin ich enttäuscht? Inhaltlich auf jeden Fall. Wenn man es genau betrachtet ist die Insel samt ihrer Mysterien nichts weiter als ein überdimensionierter MacGuffin – nicht mehr und nicht weniger. Man hat hier den einfachen Ausweg genommen. „Lost“ war schon immer auch ein exzellentes Charakterdrama und als solches funktioniert auch das Finale tadellos. Doch war die Serie eben auch viel mehr und somit war ich umso enttäuschter, dass die Autoren ihr Versprechen eines großen Plans nicht einlösen konnten. Trotz der inhaltlichen Mängel gehe ich emotional befriedigt aus der Serie heraus und das kann man den Machern durchaus zugute halten. Über die fallengelassenen Mysterien kann man sich nun selbst noch den Kopf zerbrechen – oder eben auf die Zeichentrickserie mit Hurley und Ben als Hauptfiguren warten, denn letztendlich ist auch „Lost“ eben nur kommerzielle Unterhaltung und somit hat ABC/Disney wohl auf ein massenkompatibles und notfalls wohl auch ausschlachtbares Finale geschielt. Dies soll allerdings den Stellenwelt der vorangegangenen Staffeln nicht schmälern. Hier meine Einzelwertungen:

1. „Lost – Season 1″ (10/10)
2. „Lost – Season 2″ (10/10)
3. „Lost – Season 3″ (9/10)
4. „Lost – Season 4″ (8/10)
5. „Lost – Season 5″ (8/10)
6. „Lost – Season 6″ (7/10)

Die meisten „Lost“-Freunde der ersten Stunde werden sich wohl – wie auch ich – trotz Enttäuschung hauptsächlich an die guten Zeiten erinnern. Und was das für Zeiten waren. Kaum eine zweite Serie hat so zum Mitraten eingeladen und so für hitzige Diskussionen gesorgt. Seinen Stellenwert in der modernen Popkultur kann man J.J. Abrams Inseldrama sowieso nicht mehr absprechen. Doch auch wer noch nicht reingeschaut hat und aufgrund der durchwachsenen Kritiken nun abgeschreckt wurde, sollte sich einen Ruck geben und der mysteriösen Insel einen Besuch abstatten. Doch Vorsicht, ihr werdet so schnell nicht wieder von ihr loskommen: 9/10 Punkte.