Shrek 2 (2004)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek 2“ am 4. März 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich mich einmal wieder in die überdrehte Märchenwelt von „Shrek 2“ begeben. Im Gegensatz zum Vorgänger kenne ich den zweiten Teil noch nicht auswendig, weshalb mir dieser auch etwas mehr Spaß gemacht hat. Die Vorfreude auf den dritten Teil ist auf jeden Fall noch einmal gestiegen.

Shrek 2 (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Shrek 2 (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Die Geschichte fügt sich nahtlos an den ersten Teil an und erweitert die Märchenwelt und ihre Figuren (grandios: der gestiefelte Kater), ohne jedoch die etablierten Charaktere und ihre Eigenheiten aus den Augen zu verlieren. Zwar gewinnt auch hier die Rahmenhandlung keine Innovationspreise, doch überzeugt auch das zweite Abenteuer des grünen Ogers mit seinen unzähligen Anspielungen auf diverse Märchen und seinen Referenzen auf die Popkultur. Einfach ein großer, unbeschwerter Spaß.

Technisch ist der Film makellos und überzeugt durch knallbunte Farben und tolle Animationen. Die Welt ist superlebendig und man kann sich – wie bereits im ersten Teil – gut vorstellen, dass sich die klassischen Märchen dort wirklich zugetragen haben. In sehr überdrehter Form, aber dennoch glaubwürdig. Unterstützt wird die spaßige Atmosphäre mit allseits bekannten Popsongs, die von den Darstellern (u.a. Eddie Murphy) teils selbst vorgetragen werden.

„Shrek 2“ ist ein wirklich gelungener Animationsfilm, der zwar nicht unbedingt lange im Gedächtnis bleibt, während der Sichtung aber wirklich ausgezeichnet zu unterhalten weiß und einfach gute Laune verbreitet. Der dritte Teil darf kommen: 8/10 Punkte.

Crank (2006)

Es gibt nur wenige Filme – besonders im Actiongenre – die noch Innovationen bieten. „Crank“ gehört zu diesen seltenen Ausnahmen. Ein dreckiger, kleiner Actionfilm. Hirn aus und Spaß haben. So etwas hat es – meiner Meinung nach – schon länger nicht mehr gegeben. Entweder wollten die Filme mehr sein, als sie sind oder waren einfach nur Kopien von bereits existierenden Vorbildern. „Crank“ dagegen macht keinen Hehl daraus nur durchgeknallte, comicartige Action zeigen zu wollen – und das ist gut so.

Die knapp 85 Filmminuten vergehen wie im Flug. Man wird in die Geschichte hineingeworfen, muss sich mit der Hauptfigur erst einmal orientieren und bevor man sich versieht, beginnt das Adrenalin durch die Adern zu pumpen. Bis zum bitteren Ende gibt es keine Verschnaufpause. Weder für Chev (genial: Jason Statham), noch für den Zuschauer. Dem Film gelingt dabei das Kunststück nicht ermüdend zu wirken. Bei vielen anderen Actiongewittern („Matrix: Revolutions“, „Bad Boys 2“ etc.) schalte ich irgendwann ab, weil es einfach zu viel wird. Hier jedoch ist jede einzelne Actionszene ungewöhnlich und meist mit scharzem Humor durchsetzt. Die Inszenierung steht der wahnsinnig schnellen Handlung dabei um nichts nach.

Ich bin ja eigentlich eher skeptisch, wenn die Optik eines Films zu effektlastig ist und aufgesetzt wirkt, wie z.B. bei Tony Scotts „Man on Fire“. Auch „Crank“ spielt viel mit Filtern und Bildverfremdung. Allerdings passt das wahnsinnig gut zur Handlung (Drogeneinfluss, Adrenalin) und wirkt nie übertrieben oder selbstzweckhaft. Zudem werden diese Spielereien durch herrlich altmodische Actionszenen und ungewöhnliche Kameraperspektiven (u.a. von Inline Skates gefilmt) ergänzt. Der besondere Look des Films entsteht auch durch den Einsatz von HD-Kameras. Hier wird nicht versucht Film zu kopieren und doch wird der typische Videolook vermieden. Die Bild- und Bewegungsschärfe ist zudem durch den äußerst kurz gewählten Shutterspeed extrem hoch (wie z.B. in den Kampfszenen von „Gladiator“).

„Crank“ macht großen Spaß. Nicht mehr und nicht weniger. Da gibt es keine zweite Ebene, keine versteckte Botschaft. Eine gute Idee, tolle Optik, ein manischer Jason Statham, eine süße Amy Smart und wahnsinnige Actionszenen. Mehr braucht es manchmal gar nicht: 8/10 Punkte.

Arrested Development – Season 1 to 3

Wieso werden die besten Serien so oft vor ihrer Zeit abgesetzt? Schlechte Quoten. Schon klar. Dann stellt sich mir natürlich die Frage, warum nur so wenige Menschen ihre Genialität erkennen. Oder ob ich mit meinem Geschmack daneben liege. Solche und ähnliche Gedanken sind mir gestern nach der letzten Episode von „Arrested Development“ einmal wieder durch den Kopf gegangen. Die Serie ist längere Zeit relativ unbemerkt an mir vorbei gegangen. Dann kam die deutsche TV-Ausstrahlung, der ich jedoch nach einem Hinweis von Inishmore recht schnell den Rücken gekehrt habe, um mich der Originalversion zuzuwenden. Und nun? Nun habe ich eine neue Lieblingsserie und bin – das erste Mal seit „Firefly“ – wirklich entsetzt, dass andere Serien einen wahren Staffellauf hinlegen, während es eine Ausnahmeserie wie „Arrested Development“ mit Mühe und Not auf drei Staffeln schafft.

And now the story of a wealthy family, who lost everything, and the one son who had no choice but to keep them all together …it’s „Arrested Development“. Das Intro zu jeder Episode fasst die Rahmenhandlung auch schon perfekt zusammen. Eine simple Ausgangssituation, aus der alles herausgeholt wird. Aber auch wirklich alles. Dies ist vor allem den großartigen Figuren und dem grandiosen Ensemble von Schauspielern zu verdanken, die ihre Rollen mehr als perfekt verkörpern. Da gibt es wirklich keinen Ausreißer. Die Charaktere haben die Grenze zur Parodie fast schon überschritten und bleiben doch liebenswert und interessant. Eine gewagte Gratwanderung, die von den den Autoren und Darstellern jedoch mit Bravour gemeistert wurde.

Von der Inszenierung erinnert „Arrested Development“ etwas an Larry Davids „Curb Your Enthusiasm“. Auch dort gibt es einen Pseudodokumentarstil und keine Lacher vom Band. Die Serie um die Großfamilie Bluth hat zudem noch einen Erzähler (Ron Howard) spendiert bekommen, der das Geschehen stets äußerst treffend und urkomisch kommentiert. Des Weiteren gibt es immer wieder Einschübe, in denen bestimmte Situationen untereinander referenziert werden. Einfach, effizient und meist zum schlapplachen. Überhaupt habe ich bei kaum einer Serie mehr gelacht als bei „Arrested Development“.

Man könnte nun annehmen, dass der Humor der Serie eher oberflächlich ist und seine Lacher aus schlechten Gags zieht. Dem ist jedoch glücklicherweise nicht so. „Arrested Development“ bietet äußerst intelligenten und hintergründigen Humor, ist sich jedoch nicht zu fein in den passenden Szenen auch einmal deftige Slapstickeinlagen zu präsentieren. Einfach eine gelungene Mischung. Die Gagdichte ist wirklich unglaublich hoch. Man muss jedoch wirklich aufpassen und sich erst einmal ein paar Folgen lang in die Familie einfinden, damit man die subtilen Anspielungen versteht.

Was kann ich noch sagen? Es gehen keine Handlungsfäden verloren und selbst in der letzten Episode kommt es zu grandiosen Überraschungen und Zusammenführungen von Erzählsträngen. Gaststars gibt es zudem wie Sand am Meer: Julia Louis-Dreyfus („Seinfeld“) und Zack Braff („Scrubs“, „Garden State“) zum Beispiel, um nur zwei zu nennen.

Das Geschriebene mag sich ungewohnt euphorisch anhören, doch es ist wirklich so: „Arrested Development“ ist eine Ausnahmeserie und ich kann sie nur jedem ans Herz legen, der etwas für intelligente Geschichten und tolle Figuren übrig hat. Lachen sollte man auch gerne, denn das wird man bei der Sichtung zwangsläufig. Einfach grandios: 10/10 Punkte.

Life on Mars – Staffel 1

Britische TV-Serien sind an mir bis jetzt weitgehend unbemerkt vorübergezogen. Allein „Spaced“ und „Extras“ habe ich bisher gesichtet. Mit der TV-Ausstrahlung von „Life on Mars“ bin ich schließlich in den Genuss meiner ersten britischen Dramaserie gekommen. Auch hier gibt es – im Gegensatz zu amerikanischen Serien – nur 8 Episoden pro Staffel, wodurch es zu keinen qualitativen Einbrüchen oder Längen kommt.

„Life on Mars“ ist sehr klassisch inszeniert. Alles wirkt old school. Es gibt keine Schnittgewitter, keine ausgewalzten Actionszenen, keine gezwungen wirkenden Cliffhanger. Eine Serie wie aus den 70ern. Selbst der Mysteryplot fügt sich ausgezeichnet ein, da die Lösung von Anfang an fest steht und sich die Geschichte somit voll und ganz auf den Weg konzentrieren kann. Anfangs war ich diesbezüglich noch skeptisch, doch ist es gerade in den Zeiten von „Lost“ und Co. wohltuend auch einmal nicht in jeder Episode mit neuen Rätseln konfrontiert zu werden.

Der Aufbau der einzelnen Episoden ist auch eher klassisch: In jeder Folge wird ein Kriminalfall gelöst und der große Handlungsbogen um Sam Tyler wird fortgeführt. Dieser nahezu identische Aufbau der Episoden ist auch mein großer Kritikpunkt an der Serie. Man weiß als Zuschauer stets was einen erwartet: Die Verfolgungsjagd am Anfang, ein Verdächtiger, ein Verhör usw. Glücklicherweise sind die Kriminalfälle stets interessant genug, um das starre Handlungskorsett zu Beginn vergessen zu lassen. Am stärksten waren für mich jedoch sowieso die Folgen, in denen der zu lösende Kriminalfall direkt mit dem umfassenden Handlungsbogen in Verbingung steht. Besonders die letzte Episode der Staffel fand ich diesbezüglich wirklich schön gelöst.

Neben der Inszenierung und den Geschichten, sticht besonders die Atmosphäre heraus. Das Manchester der 70er Jahre wirkt authentisch und so ganz anders als der glattpolierte Look vieler US-Serien. Der 70er Jahre Soundtrack trägt zudem sehr zur überzeugenden Atmosphäre bei. Von den Schauspielern ganz zu schweigen, die meiner Meinung nach wirklich großartig für ihre Rollen gecastet wurden.

Insgesamt ergibt sich ein wahrlich rundes und zufriedenstellendes Gesamtbild. Dem US-Remake von David E. Kelley sehe ich eher skeptisch entgegen. Auf die zweite Staffel des Originals freue ich mich dagegen sehr und hoffe, dass die Geschichte zu einem würdigen Ende gebracht wird: 8/10 Punkte.

The Cave (2005)

Aktualisierung: Ich habe „The Cave“ am 11. Juni 2009 und am 15. August 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, die sieht man sich trotz unzähliger schlechter Kritiken im Vorfeld an. Manchmal kann das lohnend sein, manchmal nicht. Bruce Hunts Höhlenabenteuer mit dem einfallsreichen Titel „The Cave“ gehört glücklicherweise zur sich lohnenden Gattung.

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Der Film hat mein Interesse allein durch die thematische Verwandschaft zu Neil Marshalls Horrorhit „The Descent“ geweckt. Im Vorfeld wurde „The Cave“ häufig als Plagiat verschrien, doch ging diese höherbudgetierte Version der Geschichte früher in Produktion, als Marshalls Film. Beide Varianten des Höhlenthemas müssen sich allerdings den Vergleich mit Jeff Longs Roman „Im Abgrund“ (OT: „The Descent“) gefallen lassen, der für beide Filme ziemlich wahrscheinlich als Inspirationsquelle gedient hat und der selbst nach einer Verfilmung schreit.

Zurück zu „The Cave“: Man sollte den Film nicht mit „The Descent“ vergleichen. Hunts Version ist mehr Abenteuer- denn Horrorfilm. Die Erforschung und die visuellen Wunder des ausladenden Höhlensystems stehen klar im Vordergrund. Die Bilder sind teils wirklich grandios. Besonders die Aufnahmen am und im Wasser können überzeugen. „The Cave“ ist durch die tollen Bilder sehr atmosphärisch, schafft es aber nie ein wirkliches Gefühl von Klaustrophobie zu erzeugen. Allerdings habe ich das auch gar nicht sonderlich vermisst, da der – für einen Höhlenfilm – recht offene Inszenierungsstil recht gut zur Handlung passt.

Die Handlung ist dann auch der Knackpunkt. Weder sonderlich innovativ, noch besonders spannend oder außerordentlich wendungsreich. Trotzdem habe ich mich wirklich gut unterhalten. Bis auf das Finale und den Schlussgag gab es für mich auch keine größeren Ausreißer in den qualitativen Keller. Nett anzusehen und mit einem stets präsenten Hauch von Abenteuer. Die Figuren waren genau so klischeehaft, wie man es in solch einer Art Film erwartet. Dies trifft übrigens auch auf die Monster zu.

Fazit

Alles in Allem kann „The Cave“ hauptsächlich durch sein Setting und die tollen Bilder Punkten. Nette Szenen, wie im unterirdischen See nach dem Wasserfall, bringen den Film auch noch einmal nach vorne. Erwähnenswert ist für „Lost“-Fans zudem die Teilnahme von Daniel Dae Kim (Sun Kwon) an der Expedition. Wer ohne großartige Erwartungen an den Film herangeht und etwas für Höhlen übrig hat, wird bestimmt gut unterhalten: 7/10 Punkte.

Das Phantom der Oper – OT: The Phantom of the Opera

2001 hat Baz Luhrmann mit „Moulin Rouge“ bewiesen,  dass Musicals das Medium Film voll und ganz ausnutzen können. Drei Jahre später hat Joel Schumacher versucht, Andrew Lloyd Webbers Musicalklassiker „Das Phantom der Oper“ ähnlich aufwendig und filmisch auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis kommt zwar nicht an Luhrmans Meisterwerk heran, weiß aber dennoch zu begeistern.

Mit Musicals ist das so eine Sache. Entweder man kann ihnen etwas abgewinnen, oder nicht. Ich gehöre zu der ersten Gruppe. „Das Phantom der Oper“ habe ich bis jetzt allerdings noch nicht auf der Bühne gesehen. Doch kenne ich die meisten Songs in und auswendig, da ich als Kind Heimorgelunterricht hatte, in dem ich alles von Andrew Lloyd Webber – von „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“, über „Cats“ und „Starlight Express“, bis hin zu „Das Phantom der Oper“ – rauf und runter gespielt habe. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Seitdem sind viele Jahre vergangen und doch habe ich bei der gestrigen Sichtung die meisten Stücke wiedererkannt.

Joel Schumachers Film beginnt – ähnlich wie „Moulin Rouge“ – mit einem Bilderrausch. Wirklich beeindruckend, was da auf die Leinwand gezaubert wird. Der weitere Verlauf ist ähnlich bunt und aufwendig, wenngleich er auch viele klassischere Szenen beinhaltet. Man merkt teils eben doch, nur eine Bühnenadaption zu sehen. Auch – oder gerade – in den gesungenen Sequenzen. Meist sind diese wirklich gelungen und überzeugen mit einer tollen Choreographie und Inszenierung. Zu Musicals gehört einfach eine epische larger than life Inszenierung, weshalb der Gesang gerade in den einfachen Szenen etwas befremdlich wirkt. Auch manche Handlungen sind übertrieben theatralisch und zeugen von der Bühnenherkunft.

Insgesamt ist Schumachers „Das Phantom der Oper“ – trotz einiger Schwächen – wirklich gelungen. Ein audiovisueller Bilderrausch, der meist voll und ganz zu überzeugen weiß. Natürlich sollte man etwas für Musicals übrig haben, denn wenn man die Musik und die überschwängliche Inszenierung wegnimmt, bleibt nicht mehr viel übrig. Doch dafür ist es schließlich ein Musical: 8/10 Punkte.

Syriana (2005)

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Stephen Gaghans „Syriana“ anzusehen. Der Film hat mich hauptsächlich aufgrund seiner Thematik interessiert, wenngleich auch seine Präsenz bei den Acadamy Awards 2006 zum gesteigerten Interesse beigetragen hat.

Im Vorfeld waren viele Stimmen zu hören, die den Politthriller als langweilige Kopie von Soderberghs „Traffic“ dargestellt hatten. Sicherlich ist eine gewisse strukturelle und inszenatorische Verwandschaft nicht zu leugnen. Gaghan hat schließlich die Drehbücher zu beiden Filmen geschrieben. Zudem handelt in beiden Fällen um Politthriller, die ähnlich wie Robert Altmans Klassiker „Short Cuts“ aufgebaut sind. Dennoch ist „Syriana“ weit davon entfernt eine Kopie zu sein. Geschweige denn langweilig.

Den Inhalt hier wiederzugeben, würde wohl den Umfang des Eintrags sprengen. Zudem muss ich zugeben, bei der gestrigen Sichtung bestimmt nicht alle Details der komplexen Korruptionsgeschäfte mitbekommen zu haben. Der Film ist komplex. Sehr komplex. Man muss wirklich aufpassen, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt eine Vielzahl an Figuren und noch mehr Hintermänner, die nur kurz in Erscheinung treten und doch von äußerster Wichtigkeit für die Handlung sind. Dabei bleibt „Syriana“ über weiter Strecken dennoch übersichtlich, spannend und erschütternd.

Die Geschichten gipfeln in einem Höhepunkt, der von den Figuren in den vorangehenden beinahe zwei Stunden detailliert vorbereitet wird. Welten treffen aufeinander. Ideologien. Letztendlich geht es jedoch um Geld und Macht. Die Stärke von „Syriana“ ist, dass die Figuren dem Zuschauer doch ziemlich schnell ans Herz wachsen. Sicherlich ist das bei der Vielzahl an Charakteren und der begrenzten Laufzeit nur bedingt möglich, doch gerade unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen, zeigt sich die wahre Stärke des Films. So hat mich der Tod des Jungen doch sehr berührt und auch die Folter des CIA-Agenten fand ich in seiner Intensität weit grausamer, als die gesamten Folterszenen in „Saw III“.

„Syriana“ ist ein wirklich toller Film, der zum Nachdenken anregt. Trotz seiner Komplexität schafft er es zu unterhalten und mitzureißen. Wer etwas für Politthriller – und insbesonders „Traffic“ – übrig hat, dem wird auch Gaghans Film über das korrupte Ölgeschäft gefallen: 9/10 Punkte.

Saw III (2006)

Zusammen mit Neil Marshalls „The Descent“ stellt James Wans „Saw“ für mich einen der besten Genrebeiträge der letzten Jahre dar. Der Mix aus klassischem Serienkillerfilm und modernem Horrorthriller hat mich damals voll und ganz überzeugt. Die Fortsetzung „Saw II“ ist – wie erwartet – bedeutend schwächer ausgefallen, konnte mich aber aufgrund ihres gelungenen Finales und der stringenten Kontinuität zum ersten Teil dennoch gut unterhalten. Nun kehrt Jigsaw in „Saw III“ erneut zurück, um seine Opfer auf seine ganz eigene kreative Art um die Ecke zu bringen. Spoiler sind zu erwarten, wenngleich es keine wirklichen Überraschungen zu verraten gibt.

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Wo fange ich nur an? In „Saw III“ bleibt nun beinahe nichts mehr davon übrig, was den ersten Teil in meinen Augen wirklich sehenswert gemacht hat. Keine ungewisse Ausgangssituation, keine Psychospielchen, keine überraschende Auflösung. Darren Lynn Bousmans Fortsetzung reduziert die Reihe – noch mehr als im zweiten Teil – auf die Darstellung kreativer Tötungsarten. Etwas, das im Original nur einen Bruchteil der Handlung ausgemacht hat. Wirklich schade. War aber zu erwarten.

In „Saw III“ geht es von Anfang an zur Sache: In den ersten 20 Minuten prasseln die blutigen Szenen nur so auf den Zuschauer ein. Ich habe nichts gegen Gewaltdarstellungen in Filmen. Sie sollten allerdings etwas zur Geschichte oder wenigstens zur Atmosphäre beitragen. Doch was in diesen ersten Minuten in „Saw III“ so ausführlich dargestellt wird, bringt die Geschichte um keinen Schritt weiter. Nichts. Nada. Es gibt zu diesem Zeitpunkt keine Identifikationsfigur, keine Handlung, nur die blanke Gewalt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Film schon fast abgeschrieben.

Glücklicherweise folgen dennoch einige Handlungssequenzen, die dem bunten bzw. roten Treiben wenigstens etwas Sinn einhauchen. Jigsaw ist – wie bereits im letzten Teil – kurz davor das Zeitliche zu segnen und will noch ein letztes Spiel spielen. Dieses besteht erneut aus einer Aneinanderreihung von Fallen und kann emotional nicht wirklich mitreißen, da der Spieler viel zu unsympathisch dargestellt wird und er dieses Mal nicht um sein Leben kämpft, sondern um das von Menschen, die er sowieso lieber tot sehen würde. Klingt seltsam, ist aber so. Parallel entführt das mörderische Dreamteam Jigsaw/Amanda eine Ärztin, die sich um Jigsaws Hirntumor kümmern soll. In diesem Handlungsstrang folgt eine Szene, die Ridley Scotts Finale von „Hannibal“ zu übertreffen scheinen will. Gelingt ihr auch. So allein auf die Detailversessenheit der Darstellung reduziert. All das lässt mich als Zuschauer zwischen Ekel und Belanglosigkeit schwanken. Keine gute Mischung. Doch eingestreut werden immer wieder Rückblenden, die sich auf den ersten Teil der Horrorsaga beziehen. Man sieht Jigsaw bei den Vorbereitungen zu seinem großen Auftritt in Teil 1, man sieht ihn bei der Vorbereitung zu Amandas Falle und beim Basteln der Puppe. Diese Szenen bringen wirklich Atmosphäre und tragen zum Gesamtwerk „Saw“ bei. Leider machen solch gelungene Szenen nur einen Bruchteil des Films aus. Der Rest geht in Blut und Schweinehack unter.

Meiner Meinung nach hat sich die Horrortrilogie in die völlig falsche Richtung bewegt. Man hätte die gelungenen Szenen aus beiden Fortsetzungen nehmen und daraus einen würdigen zweiten Teil schaffen sollen. Das hätte etwas werden können. Leider will man auch im – oder gerade im – Horrorgenre nur immer höher, weiter und schneller hinaus. Dieser Umstand hat „Saw III“ für mich ziemlich belanglos gemacht. In Teilen zwar durchaus gelungen, insgesamt aber einfach nur enttäuschend. Ob ich dem kommenden vierten Teil noch eine Chance geben werde? Der dritte kommt für mich leider nicht über 4/10 Punkte hinaus.

Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen – OT: Wallace & Gromit in The Curse of the Were-Rabbit (2005)

Die Knetgummihelden von Aardman sind mir das erste Mal im Alter von 16 Jahren über den Weg gelaufen. Seitdem sind inzwischen über 10 Jahre vergangen. Bereits damals war ich begeistert von der Animationstechnik und der Liebe zum Detail. Einige Jahre später bin ich durch eine Sneak-Preview zufällig auf „Chicken Run“ gestoßen, der sich für mich zu einem persönlichen Überraschungshit entwickelt hat. Nach der – wie so oft – verpassten Kinosichtung, bin ich nun endlich dazu gekommen, mir das neueste Abenteur der Knetveteranen anzusehen: „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“.

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Wie bereits vor 10 Jahren, besticht immer noch der unglaubliche Detailreichtum. Zudem wirkt der Film aufgrund der physikalisch präsenten Sets und Figuren einfach realer, als die meisten computergenerierten Filme. Aardman hat wirklich eine fantastische Arbeit geleistet. Ich mag gar nicht daran denken, wie unglaublich aufwendig die Stop Motion-Animation in den Actionsequenzen gewesen sein muss. Die Macher verdienen meinen vollen Respekt. Ich erinnere mich noch an meine erste Studienarbeit, in der ich mit der gleichen Technik gearbeitet habe. Obwohl letztendlich nur ein 90sekündiger Kurzfilm mit zwei supereinfachen Figuren herausgekommen ist, waren die Aufnahmen sehr nervenzerrend. Vielleicht zeige ich ihn hier gelegentlich einmal. Dann kann man auch sehen, wie verdammt gut Aardman ihr Handwerk verstehen.

Nun aber zum Film selbst: Die Geschichte ist an klassische Gruselfilme angelehnt und wird in einem aberwitzigen Tempo erzählt. Da gibt es keine einzige überflüssige Szene. Oft driftet der Film in die Parodie ab, was sehr gut zum überdrehten Stil der Erzählung passt. Der Schwerpunkt liegt – wie bereits bei den Kurzfilmen – immer auf den beiden Hauptfiguren und der Chemie zwischen ihnen. Der Verlauf der Geschichte ist generell ziemlich vorhersehbar, doch schadet das dem Film nicht unbedingt. Man merkt hier aber teils, wer die eigentliche Zielgruppe ist. Dennoch gibt es mehr als genügend versteckte Gags, die auch den erwachsenen Zuschauer ansprechen (z.B. der nackte Wallace versteckt seine Preziosen hinter einer Pappschachtel, auf der ‚May contain nuts‘ zu lesen ist).

Insgesamt ist auch das erste Kinoabenteuer von Wallace und Gromit ein riesengroßer Spaß. Dennoch kommt der Film meiner Meinung nach nicht ganz an den Ausbruch des Federviehs heran. Wenn man etwas für Animation übrig hat: Auf jeden Fall ansehen! 8/10 Punkte.

Vier Hochzeiten und ein Todesfall – OT: Four Weddings and a Funeral (1994)

Mike Newells „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ habe ich zum ersten Mal mit 14 Jahren im Kino gesehen. Der Auslöser war die Rolle von Rowan „Mr. Bean“ Atkinson, den ich damals ganz toll fand. Nach dieser ersten Sichtung war ich einerseits enttäuscht, dass der Part des Komikers so klein ausgefallen ist, andererseits fand ich den restlichen Film überraschend gut gelungen. Zumindest für eine romantische Komödie, mit denen ich in diesem Alter noch recht wenig anzufangen wusste.

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In den folgenden Jahren habe ich „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ erstaunlich oft gesehen, wobei mir besonders die Figuren und die Atmosphäre des Films ans Herz gewachsen sind. Inzwischen sind seit der letzten Sichtung einige Jahre vergangen. Doch da ich die Nachfolger aus der Feder von Richard Curtis („Notting Hill“ und „Tatsächlich… Liebe“) recht gelungen fand, wurde es meiner Meinung nach einmal wieder Zeit für eine Auffrischung der Erinnerungen. Umso passender, dass es den Film zurzeit für gerade einmal 2,99 € bei Weltbild (auch in den Ladengeschäften) gibt.

Auch heute noch kann mich der Beziehungsreigen um die Gruppe von sympathischen Hochzeitsgängern begeistern. Der Aufbau ist geschickt: Aller Figuren werden über einen Zeitraum von ca. 18 Monaten begleitet. Allerdings werden nur Hochzeiten (und eine Beerdingung) gezeigt. Die Charakterisierung bleibt deswegen gerade so oberflächlich, dass man der Handlung einige Logikfehler verzeihen kann, und geht doch so tief, dass einem die Figuren ans Herz wachsen. Meiner Meinung nach sehr schön gelöst.

Die Geschichte ist eigentlich ziemlich simpel und fast schon vernachlässigbar. Der Film lebt von den Figuren und der Atmosphäre auf den Feiern. Dort stolpern die Charaktere teils etwas unbeholfen herum, was Erinnerungen an eigene Erlebnisse mit großen Festen dieser Art aufkommen lässt. Allerdings sieht die Bilanz bei mir etwas anders aus: Ich war schon auf mehr Beerdigungen als Hochzeiten. Sollte mir das zu denken geben?

Zwar merkt man dem Film sein Alter von inzwischen 13 Jahren in manchen Szenen schon an, doch gefällt er mir heute immer noch sehr gut. Damals war Hugh Grants trottelig charmante Art eben noch eine echte Neuerung. Insofern kann man den Film durchaus als Klassiker unter den RomComs bezeichnen: 8/10 Punkte.