Die Unbestechlichen – OT: The Untouchables (1987)

Nachdem der Film nun bereits seit über einem Jahr ungesehen in meinem Regal steht, habe ich mir gestern endlich Brian De Palmas Gangsterepos „Die Unbestechlichen“ angesehen. Es war auch wirklich höchste Zeit für eine Sichtung.

Bereits die Opening Credits haben etwas Magisches an sich. Unterstützt durch Ennio Morricones fantastischen Score wird man direkt in das düstere Chicago der 1930er Jahre hineingesogen. Die Einführung von Prämisse und Charakteren geschieht kurz und schmerzlos – und ist so exakt auf den Punkt gebracht, dass man die Figuren bereits ab den ersten Szenen sehr gut zu kennen glaubt. Brilliant gelöst von Mr. De Palma.

Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und man bekommt als Zuschauer kaum eine Verschnaufpause geboten – was besonders im Genre des oft dialoglastigen Gangsterfilms ungewöhnlich erscheint. Einzig die Szenen an der kanadischen Grenze bilden die Ruhe vor dem Sturm. In Chicago selbst zieht die von Al Capone ausgehende Bedrohung immer engere Kreise. Trotz einiger wirklich düsterer Szenen inszenierte De Palma „The Untouchables“ jedoch nicht als klassisches Gangsterdrama, sondern eher als Großstadtwestern – und das in seinem ganz eigenen Stil.

Als herausragend bleiben besonders die Szenen am Bahnhof im Gedächtnis. Nicht nur baut De Palma hier eine inhaltlich wunderbar funktionierende Hommage an Sergei Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ ein, er schafft es auch wieder einmal eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt und entlädt sich nicht etwa in einem Knall, sondern in einer grandiosen Zeitlupensequenz. Eine Szene für die Ewigkeit.

Überzeugen kann natürlich auch das – aus heutiger Sicht – unglaubliche Staraufgebot: Kevin Costner, Sean Connery, Andy Garcia und Robert De Niro spielen famos und auch bei den Nebendarstellern werden sich keine Schwächen geleistet. Kritikpunkte lassen sich sowieso nur schwer finden. Müsste ich einen nennen, dann wäre das wohl die klassische Schwarzweißzeichnung der Figuren. Da gibt es keine Grauzone. Gut oder böse. Vielleicht macht aber auch gerade das den Charme dieses Films aus.

Mit „Die Unbestechlichen“ kenne ich nun einen weiteren grandiosen Gangsterfilm von Brian De Palma. An meinen bisherigen Favoriten „Carlito’s Way“ kommt jedoch auch dieser nicht heran. Ich würde ihn jedoch vor „Scarface“ einordnen, wobei sich die Filme natürlich nur schwer vergleichen lassen. So oder so ist das Gangsterepos um Al Capone ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Planet Erde – OT: Planet Earth (2006)

Nachdem mir die BBC-Dokuserie „Unser blauer Planet“ bereits ausgezeichnet gefallen hat, habe ich mir in den letzten Monaten die beiden Staffeln der Nachfolgeserie „Planet Erde“ angesehen. Inhaltlich noch deutlich umfassender und visuell noch beeindruckender, waren die insgesamt 11 Episoden ein wahrer Genuss für die Sinne.

Die Themen der einzelnen Folgen sind extrem abwechslungsreich und reichen von Wüsten-, über Dschungel- bis hin zu Tiefseewelten. Hier ist wirklich für jeden Tier- und Naturfreund etwas dabei. Wie schon bei „Unser blauer Planet“ besticht die Serie hauptsächlich durch die fantastischen Naturaufnahmen. So hat man unseren Planeten wahrlich noch nie gesehen. Ein beeindruckendes Zeugnis der Kraft der Natur.

Die vermittelten Informationen sind reichhaltig und ergänzen die famosen Bilder perfekt. Man kommt aus dem Staunen teils wirklich nicht mehr heraus. Jede Episode vergeht wie im Flug und ich hätte mir gerne noch weitere Staffeln der Serie angesehen. „Planet Erde“ kann man wirklich als Standardwerk der Naturdokus bezeichnen.

Auch wenn die deutschen DVDs nur um ca. 5 Minuten gekürzte Episoden und nur deutschen Sprechertext beinhalten, so hatte ich doch eine rundum gelungene Sichtung. Eine fantastische Naturdoku von herausragender Qualität. Bitte mehr davon: 10/10 Punkte.

Fido – Gute Tote sind schwer zu finden

Da sich bei mir die ungesehenen DVDs nur so stapeln, habe ich mir gestern noch einen zweiten Film gegönnt: „Fido – Gute Tote sind schwer zu finden“ von Andrew Currie. Ein Film, den ich mir letztes Jahr gerne schon auf dem Fantasy Film Fest angesehen hätte.

Die Grundidee ist wirklich wunderbar: Nachdem radioaktive Strahlung aus dem All die Toten auf der Erde zu Zombies werden lässt, kommt es zum berüchtigten Zombiekrieg. Während diesem entwickelt ein Unternehmen mit den klangvollen Namen ZomCon ein Halsband, welches blutrünstige Zombies zu zahmen Bediensteten macht. Soweit zumindest die Theorie.

Diese famose Prämisse wird eingebettet in die heile Welt der 50er Jahre, wie man sie z.B. aus Gary Ross‘ wunderbarem „Pleasentville“ kennt. Insofern überwiegen knallige Farben, ein 50er Jahre Soundtrack und konservative Ansichten. All dies wird verdichtet und in Bezug auf die Zombies ins Maßlose übersteigert. „Fido“ ist demzufolge keine leise und zurückhaltende Satire. „Fido“ ist bunt, übersteigert und oftmals grotesk.

So wunderbar die Idee samt Inszenierung auch ist, so hatte ich teils Probleme mich für die Figuren zu interessieren. Selbst der junge Timmy Robinson war mir nicht sympathisch genug dargestellt. Bei den Figuren hat es mir doch etwas an Feinschliff gemangelt. Ebenso dümpelt die Handlung über weite Strecken vor sich hin, ohne wirklich mitzureißen.

„Fido“ ist ein außergewöhnliches Filmprojekt, welches hauptsächlich durch seine Prämisse und seinen absurden Humor zu überzeugen weiß. Leider wurde nicht das gesamte Potential genutzt. Für alle Zombiefreunde ist die Sichtung dennoch Pflicht: 7/10 Punkte.

Twin Peaks: Fire Walk With Me (1992)

Seitdem ich vor genau zwei Wochen meine Sichtung von „Twin Peaks – Season 1 & 2“ beendet habe, brennt in mir die Neugier auf das Prequel „Twin Peaks: Fire Walk With Me“ – gestern bin ich nun endlich wieder in das kleine Städtchen mit den unzähligen Mysterien zurückgekehrt.

In der ersten halben Stunde begegnen wir außer Gordon Cole keiner uns aus dem Serienuniversum bekannten Figur. Dennoch befinden wir uns unweigerlich in dieser Welt. Sowohl Inszenierung, als auch Charaktere lassen daran nicht den Hauch eines Zweifels aufkommen. Die Verbindung zu Laura Palmer wird schließlich durch den Mord an Teresa Banks hergestellt. Dann betritt Special Agent Dale Cooper die Bühne – wenn auch nur für einige Minuten, die verwirrender kaum sein könnten. Die Exposition ist damit abgeschlossen.

Wir befinden uns nun in Twin Peaks. Bekannte Klänge, bekannte Örtlichkeiten, bekannte Figuren. Man fühlt sich sofort zu Hause. Doch Laura Palmer lebt. Man sieht die letzten Tage ihres Lebens. Hat Anteil an ihren Seelenqualen. Man sieht die Bilder, die einem während der Serie vor dem geistigen Auge standen. Es ist klar: Die Geschichte wird kein gutes Ende nehmen. Selten habe ich bei einer Sichtung so eine Unausweichlichkeit gespürt. Eine Endgültigkeit. Dies ist die Geschichte von Laura Palmers Ermordung.

Da sich der Film beinahe komplett auf die letzten Tage Laura Palmers konzentriert, werden die anderen Figuren konsequenterweise vernachlässigt. Einige liebgewonnene Charaktere bekommen sekundenlange Gastauftritte, andere sieht man überhaupt nicht. Das ist einerseits schade, andererseits bekommt der Film dadurch ausreichend Zeit für den Haupthandlungsstrang. Einzig die Exposition hätte meiner Meinung nach kürzer ausfallen dürfen. Da wollte Lynch wohl Chris Isaak (Special Agent Chester Desmond), Kiefer Southerland (Sam Stanley) und David Bowie (Phillip Jeffries) unterbringen – auf Kosten anderer Figuren.

Das Prequel beantwortet kaum Fragen, stellt einige neue und weiß dennoch auf beinahe ganzer Linie zu überzeugen. Besonders die Szene mit Annie (Heather Graham) zeigt auf, dass es für Special Agent Dale Cooper ein glückliches Ende geben kann. Ganz unaufdringlich, absurd und beinahe schon am Rande erzählt. Man muss als Zuschauer die Geschichte zu Ende denken. Das ist Lynch, wie ich ihn liebe.

„Twin Peaks: Fire Walk With Me“ ist für alle Freunde der Serie eine wertvolle Erweiterung des Universums. Zwar wird der Mord an Laura Palmer etwas entmystifiziert, doch das glücklicherweise nicht auf plumpe Art und Weise. Ich hoffe, dass irgendwann einmal eine würdige DVD-Edition erscheint, bei der ausführliche geschnittene Szenen (angeblich ca. 3 Stunden) mit an Bord sind. Der Film hätte es mehr als verdient: 9/10 Punkte.

Samantha Who? – Season 1

Die kleine, aber äußerst feine Comedy „Samantha Who? – Season 1“ wäre beinahe an mir vorbeigezogen. Doch glücklicherweise habe ich – trotz gewissen Vorbehalten – einen Blick riskiert.

Eine neue Comedy-Serie mit Christina Applegate. Nun gut. „Eine schrecklich nette Familie“ fand ich stets schrecklich und nicht annähernd nett. „Jesse“ wenigstens nett, aber völlig belanglos. Einzig mit ihren Gastauftritten bei „Friends“ konnte mich Frau Applegate überzeugen. Hinzu kommt eine Prämisse, die für mich sehr forciert klang und ich mir eher in einem abgeschlossenen Spielfilm vorstellen konnte.

Wie sehen meine Vorstellungen nun in der Realität aus? Christina Applegate spielt herrlich. Sympathisch und durchgeknallt. Einfach wunderbar! Und die Rahmenhandlung um Samanthas Amnesie? Toll gelöst und kein bißchen aufdringlich. Zudem kann die Serie mit Nebendarstellern auftrumpfen, die immer gerne gesehen sind: Jennifer Esposito (Stacey Paterno aus „Chaos City“), Melissa McCarthy (Sookie St. James aus „Gilmore Girls“), Jean Smart (Martha Logan aus „24 – Season 5“) usw. bringen die nötige Abwechslung in die Show.

„Samantha Who?“ wirkt wie eine äußerst untehaltsame romantische Komödie in Serienform. Mit tollen Darstellern, gelungenen Gags und einer durchdachten Geschichte. Sicherlich seicht, aber es bereitet großes Vergnügen Sam und Co. bei ihren Abenteuern zu begleiten: 8/10 Punkte.

Southland Tales (2006)

Nach den ersten drei Kapiteln in Form von „Southland Tales: The Prequel Saga“, habe ich mir heute Abend den Abschluss von Richard Kellys Sci-Fi-Musical-Comedy-Thriller in seiner filmischen Form angesehen: „Southland Tales“ – der Fiebertraum eines politisch kritischen Popkulturjunkies.

Was für ein Film. Hat mich das Prequel bereits auf die letzten drei Kapitel der Saga vorbereitet, so war ich dennoch überwältigt von der audiovisuellen Kraft der Inszenierung. Die langen, mit wunderbarer Musik unterlegten Montagen erinnern an Kellys Überraschungshit „Donnie Darko“ – Gänsehaut inklusive. In solch emotionalen Momenten – und ohne die Handlung hinterfragen zu müssen – überzeugt der Film auf ganzer Linie. Ganz groß.

Doch was ist mit der Geschichte? Ehrlich gesagt: Ich hatte sie mir komplizierter vorgestellt. Doch bin ich mir durchaus bewusst, dass ich diese Aussage mit Kenntnis des Prequels mache. Ohne die Vorgeschichte wäre ich wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen. Besonders schön ist, dass auch viele Storylines des Comics nun mehr Sinn machen. Einzig das Ende hätte ich mir etwas dramatischer erwartet. Emotionaler. Mehr wie bei „Donnie Darko“ – aber an diesen (auch thematisch verwandten Vorgänger) kommt „Southland Tales“ ohnehin nicht ran.

Was gibt es zu kritisieren? So einiges. Kelly verliert sich häufig in seinem Wust an Charakteren. Vieles wird nur angeschnitten und wichtige Personen bekommen zu wenig Aufmerksamkeit. Einige Dialoge wirken platt – andere dagegen sind Zeilen für die Ewigkeit. Ebenso sitzen die meisten satirischen Spitzen – egal ob gegen ultrakonservative oder neoliberale Bewegungen – zielsicher und regen zum nachdenken an. Andere wirken zu aufgesetzt und vermengen sich mit Sci-Fi-Fantasy-Elementen zu undefinierbaren Aussagen. Am Drehbuch wäre wirklich noch Feinschliff nötig gewesen – aber dann wäre das bunte Sammelsurium an Ideen vielleicht etwas auf der Strecke geblieben.

Insgesamt gesehen ist „Southland Tales“ ein wunderbarer Film, den man einfach wirken lassen muss – am besten mit Kenntnis der Vorgeschichte. Er ist kein neuer „Donnie Darko“ und auch kein ernsthaftes Sci-Fi-Epos. Er ist einzigartig. Ein wilder, bunter Albtraum aus einer erschreckend nahen Parallelwelt: 8/10 Punkte.

Southland Tales: The Prequel Saga (Richard Kelly)

Das war also Richard Kellys „Southland Tales: The Prequel Saga“ – und eigentlich müsste ich die ca. 300 Seiten noch einmal lesen. Vielleicht würde ich dann mehr verstehen. Vielleicht geht es auch gar nicht um Verständnis. Vermutlich nicht. Das Comic-Prequel zum Kinofilm „Southland Tales“ strotzt nur so vor Ideen. Vor verrückten Ideen – und wenn ich verrückt schreibe, dann meine ich das auch so. Man wird beim Lesen förmlich von Kellys Ideenreichtum überrollt. Unglaublich.

Wenn ich davon ausgehe, dass ich auch nur die Hälfte des Inhalts richtig interpretiert habe – dann ist das ein guter Schnitt. Wenn ich mir dann vorstelle, dass diese Informationen für den Film auch nur ansatzweise wichtig sind, dann kann ich verstehen, warum der Film in Cannes beim Publikum durchgefallen ist. Auf Basis meiner bisherigen Kenntnisse kann ich sagen, dass „Donnie Darko“ im Vergleich zu „Southland Tales“ wie simples Popcornkino erscheint. Ein endgültiges Urteil kann und will ich mir allerdings erst nach Sichtung des Films erlauben.

Worum geht es also? Einen Filmstar mit Gedächtnisverlust. Eine telepathisch begabte Pornoqueen. Eine mysteriöse Energiequelle mit der wohlklingenden Bezeichnung Fluid Karma. Den verrückten Baron Von Westphalen. Einen furzenden Messias. Ein mysteriöses Drehbuch namens „The Power“. Die Serpentine Dream Theory. Achja, und den Weltuntergang nicht zu vergessen.

Für jeden, der sich mit Richard Kellys jüngstem Werk beschäftigt, ist „Southland Tales: The Prequel Saga“ Pflichtlektüre. Für alle anderen macht das abgedrehte Comic wohl nicht viel Sinn. Eines ist sicher: Es ist verdammt unterhaltsam und kratzt ein paar interessante Themen an. Im Zusammenspiel mit „Southland Tales“ kann daraus eine wirklich große Saga werden: 8/10 Punkte.

Das Magische Messer (Philip Pullman)

Knapp ein Monat ist vergangen, als ich mit Lyra Listenreich in eine neue Welt übergewechselt bin. In Philip Pullmans „Das magische Messer“ befinde ich mich nun in dieser neuen Welt. Anfangs jedoch nicht an Lyras Seite. Man macht sich zu Beginn mit Will – einem Jungen aus wieder einer anderen Welt – auf die Suche nach einem Versteck. Dort trifft Will auf Lyra und die Geschichte bekommt eine vollkommen neue Dimension.

Nach „Der Goldene Kompass“ war ich zunächst verwundert, wie anders der zweite Teil der „His Dark Materials“-Trilogie doch wirkt. Eine neue Hauptfigur, neue Welten, neue Charaktere, neue Regeln. Ein komplett neues Ausmaß an Möglichkeiten. Auch die Sprache hat sich geändert: Herrschten in der Beschreibung von Lyras Welt eher karge und kalte Beschreibungen hervor, so blüht die Sprache in Cittàgazze regelrecht auf. Doch man darf sich davon nicht täuschen lassen. Die Geschichte wird düsterer und epischer. Es sind Tote zu beklagen, Blut fließt und es steht ein Kampf bevor. Ein Kampf gegen die höchste Autorität. Gegen Gott.

„Das Magische Messer“ bringt die ohnehin schon grandiose Geschichte aus „Der Goldene Kompass“ auf einen ganz neuen Level. Ich hatte so viel Spaß beim Lesen, wie schon lange nicht mehr und kann den finalen Teil „Das Bernstein-Teleskop“ kaum mehr abwarten. Ein in jeder Hinsicht fantastisches Buch: 10/10 Punkte.

The Reaping

Gestern Abend haben wir mit Stephen Hopkins „The Reaping“ den neuen 40 Zoll LCD-TV meiner Schwester eingeweiht. So grandios die Sichtung in Bezug auf Bildqualität und -größe war, so enttäuschend war letztendlich leider der Film. Vielleicht war ich aber aufgrund der Technik aber auch zu sehr abgelenkt.

Der Film hält eine nette Exposition bereit, in der wir die Hauptfiguren in ihrem beruflichen Umfeld kennen lernen. Der nun folgende Spannungsaufbau weiß auch zu überzeugen und das Setting sowie die Darstellung der Plagen ist wirklich gelungen. Leider wird schon relativ früh begonnen, mit effektreichen Flashbacks mehr aus der Geschichte zu zaubern, als eigentlich dahinter steckt. Im letzten Drittel entwickelt sich der Film dann leider immer mehr zur reinen Effektorgie, bei der Atmosphäre, Handlung und Figuren beinahe vollständig auf der Strecke bleiben.

Unter dem Strich bietet „The Reaping“ nette Unterhaltung, mit teils brauchbarer Atmosphäre und einem forcierten, aber unterhaltsamen Twist am Ende des Films. Leider verkommen die vorhergehenden zwanzig Minuten zum faulen Budenzauber, dem es in allen Belangen an Qualität mangelt. Es bleibt ein absolut durchschnittlicher Okkult-Thriller mit netter Hilary Swank und brauchbarer Grundidee: 5/10 Punkte.

Twin Peaks – Season 1 & 2

Wieder einmal habe ich eine großartige Serie abgeschlossen. Eine Serie, welche die TV-Welt geprägt haben dürfte, wie kaum eine zweite. Eine Serie, die sich oft eher unter Kunst, als unter Unterhaltung einordnen lässt. Eine Serie von Kinomagier David Lynch: „Twin Peaks – Season 1 & 2“ – seine bislang einzige.

Seit ich den Pilotfilm sah, ist beinahe ein halbes Jahr ins Land gezogen. Eine ungewöhnlich lange Zeit für gerade einmal 30 Episoden. Doch „Twin Peaks“ ist keine normale TV-Serie. „Twin Peaks“ ist anders. Teils unbequem, oft surreal, manchmal sogar langweilig. Doch eines ist „Twin Peaks“ nie: gewöhnlich. David Lynch und Mark Frost haben ein Universum geschaffen, das immer etwas neben der Spur scheint. Leicht verschoben. Beinahe eine Parallelwelt. Das Setting – die Wälder der nordwestlichen USA – tragen enorm zu der unheilvollen Atmosphäre bei.

Es ist wirklich schwer die Serie zu beschreiben. Man muss sie mit eigenen Augen sehen – und vermutlich sieht auch jeder Zuschauer etwas anderes in ihr. Grundsätzlich geht es um einen Mordfall, der die kleine Stadt Twin Peaks in Aufruhr versetzt. Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) wird deshalb zur Lösung des Falls nach Twin Peaks geschickt. Mit ihm lernt man die verschrobenen Einwohner und Geheimnisse der ungewöhnlichen Kleinstadt kennen. Lynch und Frost hatten den Mord an Laura Palmer als MacGuffin konzipiert, d.h. er sollte das Mysterium in „Twin Peaks“ bleiben, welches nie aufgeklärt wird. Das Studio jedoch wollte einen Mörder präsentiert bekommen – und so kam es dann auch, weshalb die zweite Staffel zu Beginn etwas ziellos wirkt.

Für mich funktioniert „Twin Peaks“ am besten, wenn die Handlung vorangetrieben wird. Oft kommt es hier zu ungewöhnlichen Einfällen des Autorenteams, welche sich über mehrere Episoden verdichten, nur um am Ende ganz anders aufgelöst zu werden, als man es als Zuschauer vermuten würde. Besonders das Finale der Serie setzt hier – was Surrealismus in TV-Serien angeht – völlig neue Maßstäbe. Grandios und sowohl stilistisch als auch inhaltlich ein Schlag in die Magengrube des Zuschauers.

In „Twin Peaks“ wird jedoch nicht nur eine Geschichte erzählt – oft wird diese sogar von diversen Nebenhandlungen in den Hintergrund gedrängt. Dann überwiegen skurrile Einzelszenen, welche einer  absurden Komödie entsprungen scheinen. Oft wirkt die Serie auch wie eine überhöhte Seifenoper – ein Stilelement, welches von Lynch und Frost bewusst eingesetzt wurde. Hier zeigt sich für mich auch die einzige Schwäche der Serie: die Selbstverliebtheit der Autoren. So werden einige satirisch angelegte Handlungsstränge über die Maßen strapaziert, so dass die Seifenoper tatsächlich Einzug in die Serie hält (die Geschichte um Josie, der Bürgerkriegswahn von Benjamin Horne etc.) – in solchen Szenen ist die Serie oft nur noch anstrengend und man würde sich einen stärkeren Fokus auf die Haupthandlung wünschen.

Erstaunt hat mich auch, wie nahe Horror und Humor in „Twin Peaks“ zusammenliegen. Manche Szenen sind wirklich beängstigend und erwecken durch die grandiose Inszenierung blanken Terror. Lynch hat seine Mittel hier sehr effizient eingesetzt. Im nächsten Moment schwenkt die Serie dann wieder in absurden Humor um. Diese Gradwanderung wird durch den fantastischen Score von Angelo Badalamenti perfekt unterstützt, welcher mir auf Dauer allerdings etwas eintönig erschien. Vielleicht ein Stilmittel? In kleinen Dosen auf jeden Fall wunderschön anzuhören.

Neben der grandiosen Inszenierung und der ungewöhnlichen Handlung, überraschen vor allem die unzähligen Schauspieler, die man inzwischen aus diversen Film- und TV-Produktionen kennt: Kyle MacLachlan („Blue Velvet“, „Dune“) ist die perfekte Besetzung für den ungewöhnlichen FBI-Agenten. Lara Flynn Boyle („Men in Black II“), Mädchen Amick („Joey“), Sherylin Fenn („Gilmore Girls“) und Heather Graham („Boogie Nights“, „Scrubs“) bilden die Garde der jugendlichen Hauptdarstellerinnen. Grace Zabriskie („Seinfeld“, „The King of Queens“) und Ray Wise („Dead End“) überzeugen als Eltern des Mordopfers Laura Palmer. Des Weiteren gibt es noch Billy Zane („Titanic“) und David Duchovny („Californication“) zu sehen. Besonders hervorzuheben ist zudem Michael J. Anderson als The Man from Another Place, der einige Jahre später die Hauptrolle in einer ähnlich surrealen Serie übernehmen durfte: Samson in „Carnivàle“.

Für mich geht mit „Twin Peaks“ ein großartiges Erlebnis zu Ende, welches sich wirklich nur schwer in Worte fassen lässt. David Lynchs Ausflug in die TV-Welt ist nicht immer leicht zu konsumieren, doch wenn man sich darauf einlässt wird man mit grandiosen Bildern und einer tollen Geschichte belohnt. Da einige Handlungsstränge jedoch sehr an meinen Nerven gezehrt haben, vergebe ich insgesamt 9/10 Punkte und freue mich nun schon auf die Sichtung des Kinoprequels „Twin Peaks: Fire Walk With Me“.