Die Unbestechlichen – OT: The Untouchables (1987)

Nachdem der Film nun bereits seit über einem Jahr ungesehen in meinem Regal steht, habe ich mir gestern endlich Brian De Palmas Gangsterepos „Die Unbestechlichen“ angesehen. Es war auch wirklich höchste Zeit für eine Sichtung.

Bereits die Opening Credits haben etwas Magisches an sich. Unterstützt durch Ennio Morricones fantastischen Score wird man direkt in das düstere Chicago der 1930er Jahre hineingesogen. Die Einführung von Prämisse und Charakteren geschieht kurz und schmerzlos – und ist so exakt auf den Punkt gebracht, dass man die Figuren bereits ab den ersten Szenen sehr gut zu kennen glaubt. Brilliant gelöst von Mr. De Palma.

Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und man bekommt als Zuschauer kaum eine Verschnaufpause geboten – was besonders im Genre des oft dialoglastigen Gangsterfilms ungewöhnlich erscheint. Einzig die Szenen an der kanadischen Grenze bilden die Ruhe vor dem Sturm. In Chicago selbst zieht die von Al Capone ausgehende Bedrohung immer engere Kreise. Trotz einiger wirklich düsterer Szenen inszenierte De Palma „The Untouchables“ jedoch nicht als klassisches Gangsterdrama, sondern eher als Großstadtwestern – und das in seinem ganz eigenen Stil.

Als herausragend bleiben besonders die Szenen am Bahnhof im Gedächtnis. Nicht nur baut De Palma hier eine inhaltlich wunderbar funktionierende Hommage an Sergei Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ ein, er schafft es auch wieder einmal eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt und entlädt sich nicht etwa in einem Knall, sondern in einer grandiosen Zeitlupensequenz. Eine Szene für die Ewigkeit.

Überzeugen kann natürlich auch das – aus heutiger Sicht – unglaubliche Staraufgebot: Kevin Costner, Sean Connery, Andy Garcia und Robert De Niro spielen famos und auch bei den Nebendarstellern werden sich keine Schwächen geleistet. Kritikpunkte lassen sich sowieso nur schwer finden. Müsste ich einen nennen, dann wäre das wohl die klassische Schwarzweißzeichnung der Figuren. Da gibt es keine Grauzone. Gut oder böse. Vielleicht macht aber auch gerade das den Charme dieses Films aus.

Mit „Die Unbestechlichen“ kenne ich nun einen weiteren grandiosen Gangsterfilm von Brian De Palma. An meinen bisherigen Favoriten „Carlito’s Way“ kommt jedoch auch dieser nicht heran. Ich würde ihn jedoch vor „Scarface“ einordnen, wobei sich die Filme natürlich nur schwer vergleichen lassen. So oder so ist das Gangsterepos um Al Capone ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

16 Gedanken zu “Die Unbestechlichen – OT: The Untouchables (1987)

  1. Gefällt mir auch sehr gut, obgleich De Niro wenig Screentime hat und der Film an ein richtiges Epos nicht heranreicht. Die Treppensequenz ist natürlich brillant, De Palma halt und der Cast äußerst stark.

    Bei der Bewertung würde ich persönlich also nur einen Punkt runter gehen. 😉

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  2. Ein toller Film, der seinen Charme vor allem aus der Zusammenstellung seiner Charaktere gewinnt, die sich zu einem „verschworenen Haufen“ zusammenschließen um den Bad Guy hinterherzujagen. Immer wieder gerne gesehen!

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  3. Da sind wir uns ja relativ einig. Ich freue mich immer wenn ich Klassiker für mich entdecken kann, die ich zuvor noch nicht kannte. Laut IMDB.com ist De Palma übrigens an einem Prequel dran – könnte interessant werden.

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  4. Da kann ich wieder mal nur unterschreiben. Sehe das ganze absolut identisch, gerade was Lob und auch Kritikpunkte angeht und würde ihn ebenfalls bei 9/10 einstufen, sogar eher noch mit Tendenz nach oben als nach unten.

    Einer meiner Favoriten aus diesem Genre, wenn auch vielleicht nicht gerade episch und durchaus mit anderen thematischen Einsprengseln: „In den Straßen der Bronx“
    Ist de Niro’s erste Regiearbeit gewesen und kann ich nur empfehlen, falls Du den auch noch nicht kennen solltest.

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  5. „In den Straßen der Bronx“ kenne ich wirklich nocht nicht. Werde ich mir auf jeden Fall einmal vormerken. Meine bisherigen Genrefavoriten sind – neben den „Der Pate“-Filmen – eindeutig Scorseses „GoodFellas“ und eben De Palmas „Carlito’s Way“. Sollte ich beide auch einmal wieder ansehen. Achja und „Die Sopranos“ kenne ich auch noch nicht. Mal sehen, wann ich dazu komme… 😉

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  6. Dann hol den auf jeden Fall mal nach! Bin mir eigentlich sicher, dass er Dir zumindest „gut“ gefallen dürfte.

    Okay, die Pate-Filme sind natürlich Klassiker (Teil 3 fehlt mir allerdings bisher), ebenso wie GoodFellas – tolle Filme! Carlito’s Way konnte mich hingegen damals nicht ganz so überzeugen, ähnlich wie Scarface bei dem ich damals allerdings vor allem an dem extrem überdrehten Finale gestört hab.

    Aber wenns um meine persönliche Spitzenfilme des Genres geht, dann würde ich neben „A Bronx Tale“ unbedingt noch „Casino“ und „Es war einmal in Amerika“ nennen. Und zur Vervollständigung dann wohl noch „Heat“, „Der Clou“ und „Road to Perdition“ – dann dürften wir so meine Top10 voll haben. =)

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  7. „Casino“ hat mir auch sehr gut gefallen, wenngleich ich ihn nicht überragend fand. „Es war einmal in Amerika“ hatte ich ganz vergessen! Der Film ist natürlich auch ganz großes Kino. „Heat“ finde ich auch spitze, wenngleich ich ihn nicht zum klassischen Mafiakino zählen würde. „Road to Perdition“ habe ich mir bisher verkniffen – und bei der aktuellen Aufzählung gibt es garantiert auch noch Filme, die ich vergessen habe. Tipps sind aber so oder so immer willkommen!

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  8. Ich fand den Film auch sehr gut, die kurzweiligere Variante eines „Goodfellas“ wenn man so will. Zeitlos, temporeich, eine spßige Darstellertruppe und ein, wenngleich mit geringer Screentime, verdammt guter De Niro. De Palmas Werk sehe ich mir immer wieder sehr gerne an 🙂 .

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  9. Dabei finde ich „GoodFellas“ mindestens ebenso kurzweilig. Aber eben total anders. Sind beides tolle Filme! Die geringe Screentime De Niros ist vielleicht sogar ganz positiv für den Film gewesen, konnte sich die Geschichte dadurch auf Elliot Ness samt Truppe konzentrieren.

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  10. Ja, „Casino“ hat mir auch sehr gut gefallen, wenngleich ich ihn etwas zu lang fand. Das hat Scorsese in „GoodFellas“ irgendwie besser hinbekommen, was nicht bedeuten soll, dass „Casino“ dafür nicht andere Qualitäten besitzt.

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  11. Pingback: The Untouchables – Die Unbestechlichen (1987) | Film-Blogosphäre

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