Twin Peaks: Fire Walk With Me

Seitdem ich vor genau zwei Wochen meine Sichtung von „Twin Peaks – Season 1 & 2“ beendet habe, brennt in mir die Neugier auf das Prequel „Twin Peaks: Fire Walk With Me“ – gestern bin ich nun endlich wieder in das kleine Städtchen mit den unzähligen Mysterien zurückgekehrt.

In der ersten halben Stunde begegnen wir außer Gordon Cole keiner uns aus dem Serienuniversum bekannten Figur. Dennoch befinden wir uns unweigerlich in dieser Welt. Sowohl Inszenierung, als auch Charaktere lassen daran nicht den Hauch eines Zweifels aufkommen. Die Verbindung zu Laura Palmer wird schließlich durch den Mord an Teresa Banks hergestellt. Dann betritt Special Agent Dale Cooper die Bühne – wenn auch nur für einige Minuten, die verwirrender kaum sein könnten. Die Exposition ist damit abgeschlossen.

Wir befinden uns nun in Twin Peaks. Bekannte Klänge, bekannte Örtlichkeiten, bekannte Figuren. Man fühlt sich sofort zu Hause. Doch Laura Palmer lebt. Man sieht die letzten Tage ihres Lebens. Hat Anteil an ihren Seelenqualen. Man sieht die Bilder, die einem während der Serie vor dem geistigen Auge standen. Es ist klar: Die Geschichte wird kein gutes Ende nehmen. Selten habe ich bei einer Sichtung so eine Unausweichlichkeit gespürt. Eine Endgültigkeit. Dies ist die Geschichte von Laura Palmers Ermordung.

Da sich der Film beinahe komplett auf die letzten Tage Laura Palmers konzentriert, werden die anderen Figuren konsequenterweise vernachlässigt. Einige liebgewonnene Charaktere bekommen sekundenlange Gastauftritte, andere sieht man überhaupt nicht. Das ist einerseits schade, andererseits bekommt der Film dadurch ausreichend Zeit für den Haupthandlungsstrang. Einzig die Exposition hätte meiner Meinung nach kürzer ausfallen dürfen. Da wollte Lynch wohl Chris Isaak (Special Agent Chester Desmond), Kiefer Southerland (Sam Stanley) und David Bowie (Phillip Jeffries) unterbringen – auf Kosten anderer Figuren.

Das Prequel beantwortet kaum Fragen, stellt einige neue und weiß dennoch auf beinahe ganzer Linie zu überzeugen. Besonders die Szene mit Annie (Heather Graham) zeigt auf, dass es für Special Agent Dale Cooper ein glückliches Ende geben kann. Ganz unaufdringlich, absurd und beinahe schon am Rande erzählt. Man muss als Zuschauer die Geschichte zu Ende denken. Das ist Lynch, wie ich ihn liebe.

„Twin Peaks: Fire Walk With Me“ ist für alle Freunde der Serie eine wertvolle Erweiterung des Universums. Zwar wird der Mord an Laura Palmer etwas entmystifiziert, doch das glücklicherweise nicht auf plumpe Art und Weise. Ich hoffe, dass irgendwann einmal eine würdige DVD-Edition erscheint, bei der ausführliche geschnittene Szenen (angeblich ca. 3 Stunden) mit an Bord sind. Der Film hätte es mehr als verdient: 9/10 Punkte.

5 Gedanken zu “Twin Peaks: Fire Walk With Me

  1. Ja, das mit den Spoilern macht teilweise Sinn, wenngleich man als Zuschauer so ziemlich das bekommt, was man von einem „Twin Peaks“-Prequel erwartet.

    Warum hast du Zweifel bezüglich des Films? Ich fand ihn im Kontext der Serie sehr treffend und würde ihm jeden Lynch/“Twin Peaks“-Fan ans Herz legen.

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  2. Ich denke da muss man sich selbst eine Meinung bilden. „Fire Walk With Me“ macht die Serie zumindest in keiner Form kaputt, d.h. alles wird im Einklang gehalten. Auf die Kinofilme von Lynch bezogen, würde ich ihn auf einer Qualitätstufe mit „Wild at Heart“ einordnen, vielleicht sogar etwas besser.

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  3. Pingback: Media Monday #160 | Tonight is gonna be a large one.

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