Community – Season 1

Die aktuelle TV-Season war für mich wirklich eine wahre Fundgrube in Sachen Comedy. Neben „Parks and Recreation“ und „Modern Family“ konnte mich besonders „Community – Season 1“ überzeugen. Schon lange habe ich keine Serie mehr in so kurzer Zeit verschlungen. Absolut großartig.

Jeder der vorgestellten Charaktere macht unglaublich viel Spaß. Wirklich jeder. Dan Harmon hat ein wunderbares Ensemble gefunden, das perfekt miteinander harmoniert. Mein Liebling ist wohl Chevy Chase, der als Pierce Hawthorne endlich wieder zu alter Form auflaufen darf. Einfach nur grandios. Doch auch der Rest der bunt zusammengewürfelten – und ganz offen an eine politisch völlig unkorrekte Version von John Hughes „The Breakfast Club“ erinnernde – Truppe ist ein wahrer Quell der Freude.

Der Humor der Serie schwankt zwischen tiefschwarz und erfrischend gutherzig. Eine seltsame Balance, die für mich aber genau die Qualität der Serie ausmacht. Die Handlung der einzelnen Episoden oft an popkulturelle Ereignisse – insbesondere Filme – angelehnt, was der Figur des Abed Nadir zu verdanken ist. Abed ist Film- und Serienfreak. Im Vergleich zu ihm bin ich ein wahrer Asket was die bunten Bilder angeht. Diese simple Prämisse ist Grundlage für die herrlichsten Szenen meines persönlichen Serienjahres. Alleine die Episode in der „GoodFellas“ durchgespielt wurde. Inklusive Voice-over: ‚For as long as I can remember, I always wanted to be in a mafia movie.‘ Oder die Episode „Modern Warfare“, in der jeder Actionfilm der vergangenen 20 Jahre zitiert wurde. Oder der Loophole-Gag für alle „Lost“-Fans. Einfach nur genial.

Aktuell gibt es wohl keine zweite Serie, die so eine hohe Dichte an popkulturellen Referenzen bietet. Alleine dafür liebe ich „Community“. Hinzu kommen erfrischend unkonventionelle Storylines, wunderbare Schauspieler und ein ungewöhnliches Setting. Genau so muss eine moderne Comedyserie aussehen: 10/10 Punkte.

Fringe – Season 2

Nach dem Serienfinale von „Lost“ beendet J.J. Abrams (zumindest aktuell noch) jüngstes Serienbaby „Fringe – Season 2“ gerade einmal das zweite Jahr. Obwohl mich die Serie von allen Werken des Showrunners bisher am wenigsten zu begeistern weiß, so muss ich ihr jedoch auch einen enormen Unterhaltungswert zusprechen. Besonders gegen Ende der Staffel konnte die Serie noch einiges an Boden gut machen.

Zu Beginn des zweiten Jahres hatte ich mich sehr auf ein Wiedersehen mit Olivia Dunham und dem dynamischen Vater/Sohn-Duo Walter und Peter Bishop gefreut. Doch dann stellte sich ziemlich schnell Ernüchterung ein: Im ersten Drittel der Staffel wimmelt es nur so vor durchschnittlichen Einzelepisoden. Die Enttäuschung war – besonders nach dem famosen Finale der ersten Staffel – natürlich groß, doch glücklicherweise sollte es bald wieder aufwärts gehen, was der Rückkehr zum übergreifenden Handlungsbogen zu verdanken ist.

Die Geschichte um das parallele Universum ist wirklich faszinierend. Hier gibt es ein paar fantastische Episoden zu bestaunen, welche sich vor allem in der zweiten Staffelhälfte finden. Hatte mich in der ersten Staffel noch gestört, dass anscheinend auch wirklich jedes unerklärliche Phänomen mit Walter Bishop zusammenhängt, so gefällt mir seine persönliche Involvierung in diesem Haupthandlungsstrang ausgesprochen gut. Sein Charakter (und auch Peters) gewinnt dadurch deutlich an Tiefe und man kann so manche seiner Eigenheiten besser verstehen.

Während des Staffelfinales läuft die Serie dann noch einmal zur Höchstform auf und bietet einen rundum gelungenen Abschluss mit äußerst fiesem Cliffhanger, der die Vorfreude auf die dritte Staffel noch einmal gehörig steigert. Wenn sich diese dann noch mehr auf den episodenübergreifenden Handlungsbogen konzentriert, ist „Fringe“ auch ganz klar in der Oberliga angekommen. Tolle Mysteryunterhaltung mit sympathischen Charakteren und einer äußerst spannenden Rahmenhandlung: 8/10 Punkte.

Verdammnis – OT: Flickan som lekte med elden

Kaum für das Heimkino erhältlich, habe ich Daniel Alfredsons Verfilmung des Stieg Larsson Bestsellers „Verdammnis“ auch schon gesehen. Wie bei den meisten Adaptionen mir bekannter Bücher waren die Erwartungen relativ hoch, wenngleich mir auch durchaus bewusst war, wie leicht es doch ist enttäuscht zu werden.

Im Gegensatz zur Verfilmung von „Verblendung“ – dem ersten Teil der „Millenium“-Trilogie – waren die allgemeinen Kritiken zum Nachfolger eher verhalten. Auch ich sah dem Film mit gemischten Gefühlen entgegen, da die beiden Fortsetzungen ursprünglich für das Fernsehen geplant waren und nur aufgrund des großen Erfolgs ihres Vorgängers eine Kinoauswertung erfahren haben. Ob sich dies – samt Wechsel auf dem Regiestuhl – tatsächlich auf die Qualität der Umsetzung ausgewirkt hat?

Leider ja. Daniel Alfredson filmte seine Version von Stieg Larssons düsterer Welt deutlich uninspirierter als noch Niels Arden Oplev den Vorgänger. Die Kamera scheint immer ein unbeteiligter Beobachter zu sein. Kühl und distanziert. Auch die Figuren bleiben deshalb auf Distanz zum Zuschauer, was der Geschichte nicht zugute kommt. Durch die fehlende Vision des Regisseurs sieht „Verdammnis“ leider tatsächlich ziemlich oft nach TV-Krimi aus, wenngleich er – aufgrund seiner Romanvorlage – ungleich drastischere Szenen zu bieten hat.

Inhaltlich kann man dem Film keine allzu großen Vorwürfe machen. Die Geschichte wird bis auf das nötigste heruntergekocht, die spannenden Recherchen fehlen natürlich, doch was gezeigt wird macht durchaus Sinn und wird mit viel Liebe zum Detail erzählt. Kenner der Vorlage dürfen sich über größtenteils stimmungsvolle Locations sowie einen spannenden Schlussakt freuen. Neueinsteiger werden dagegen wohl so einige Probleme haben der Geschichte zu folgen.

Ich für meinen Teil bin insgesamt doch recht zufrieden mit dieser Adaption. Etwas mehr Budget und vor allem ein mutigerer Regisseur wären natürlich wünschenswert gewesen. So allerdings kann „Verdammnis“ seinen TV-Look nie ganz abstreifen, was vielen Szenen leider ihre Intensität nimmt. Nicht schlecht, doch da wäre mehr drin gewesen: 6/10 Punkte.

The Office (US) – Season 6

Nun ist es tatsächlich geschehen. Mein einstiger Favorit am Serienhimmel beginnt mit „The Office – Season 6“ langsam aber sicher zu verblassen. Ist dies das sichere Ende von Dunder Mifflin bzw. Sabre? Kann man sich die Serie überhaupt noch anschauen? Und wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Zunächst einmal muss ich mir selbst den Wind aus den Segeln nehmen: Auch die sechste Staffel von „The Office“ bietet ausgezeichnete Unterhaltung und ich habe (beinahe) jede einzelne Episode mit größtem Vergnügen gesehen. Dennoch lassen sich Abnutzungserscheinungen – ganz besonders im Vergleich zur Schwestershow „Parks and Recreation“ – langsam nicht mehr verleugnen. Der besondere Witz der Show ist alltäglich geworden.

Der absolute Tiefpunkt dieser Staffel kam für mich in Form einer Clipshow. Wenn ihr euch fragt was eine Clipshow ist, dann habt ihr in den 90er Jahren zu wenige Sitcoms gesehen und somit Episoden verpasst, die bereits gesehene Highlights nur wieder aufwärmen. Selbst „Friends“ oder auch „Seinfeld“ haben unter diesem Fluch gelitten. So etwas nun 2010 in einer modernen Single-Camera Comedy zu sehen hat mich schon etwas erschüttert.

Glücklicherweise gefällt die restliche Handlung. Es gibt ein paar wunderbare Aktionen von Dwight Schrute zu bestaunen und auch der restliche Büroalltag wird bekannt vergnüglich dargestellt. Dennoch fehlen die ganz großen Highlights und somit wird „The Office“ von ihren jüngeren Genrekollegen langsam aber sicher überholt: 8/10 Punkte.

Modern Family – Season 1

Wenn man mich nach dem besten Serienstart im vergangenen Jahr fragen würde, dann wäre „Modern Family – Season 1“ ohne Zweifel unter den von mir genannten Serien. Ein wahrlich lohnenswertes Jahr für alle Comedyfreunde. Dabei kann man die Serie wohl nicht als besonders innovativ bezeichnen, doch sie macht auf jeden Fall das beste aus ihrem Konzept.

Die Showrunner Steven Levitan und Christoper Lloyd haben den in den letzten Jahren äußerst beliebten Pseudodokustil genommen und einfach auf ein neues bzw. altes Genre übertragen. Weg vom Arbeitsplatz und rein in den Familienalltag. Dadurch entsteht ein anfangs etwas befremdliches Bild, doch schon bald kann man sich dem Bann der Serie nicht mehr entziehen, was durch die Wahl der Erzählform tatsächlich noch unterstützt wird.

Inhaltlich geht es in „Modern Family“ um – wer hätte es gedacht? – eine Großfamilie, in der alle Familienklischees abgedeckt werden. Hier dürfte wohl jeder Zuschauer mindestens eine Identifikationsfigur finden. Bei aller Übertreibung und den oft absurden Geschichten, wird am Ende jedoch stets ein positives Familienbild gezeichnet. Dies wirkt glücklicherweise nie aufgesetzt und man wird sowohl als Familienfreund, als auch als Familienskeptiker herzlich über diese bunte Sippe lachen können.

Nachdem ich viel über Inszenierung und Familie geschrieben habe, nun das Wichtigste zum Schluss:  „Modern Family“ ist unglaublich lustig. Der Humor der Serie orientiert sich an Genrekollegen wie „The Office“ und ist damit eher nicht mit klassischen Familiensitcoms zu vergleichen, was der Serie auf jeden Fall zugute kommt. Das Ensemble wurde perfekt ausgewählt und strotzt mit Ed O’Neill („Married with Children“), Ty Burrell („Back to You“), Jesse Tyler Ferguson („The Class“) uvm. nur so vor talentierten Comedy-Schauspielern.

Wie bereits geschrieben zählt „Modern Family“ eindeutig zu meinen Favoriten unter den Serienstarts des vergangenen Jahres. Ich glaube jeder Comedyfreund wird diese Serie lieben. Einfach nur fantastische Unterhaltung mit großartigen Darstellern und einem pointierten Drehbuch: 9/10 Punkte.

FlashForward – Season 1

Was hatte ich mich auf diese Serie gefreut: „FlashForward – Season 1“ war einer der Serienstarts des vergangenen Jahres. Am meisten lockte mich wohl die Tatsache, dass es sich um eine Romanadaption handelt und die Geschichte somit relativ festgelegt ist. Von wegen! Letztendlich wollte man mit der Serie dann doch nur auf der Mysteryerfolgswelle mitschwimmen.

So interessant die Prämisse der Serie auch ist – ein globaler Blackout samt individuellen Blicken in die persönliche Zukunft der Charaktere – so wenig innovativ wurde die Geschichte letztendlich umgesetzt. Ich hatte beständig das Gefühl eine Kopie von J.J. Abrams Erfolgsserie „Lost“ zu sehen und das sowohl was Dramaturgie, Inszenierung als auch Schauspiel angeht. Anfangs störte mich das noch nicht zu sehr, doch irgendwann trat auch die Handlung auf der Stelle und in die Figurenzeichnung schlichen sich Redundanzen ein.

Letztendlich ist die fehlende eigene Identität auch das größte Problem der Serie. Zu Beginn hatte ich wirklich noch Spaß mit „FlashForward“ und selbst die schwächeren Episoden habe ich recht gerne gesehen, doch wirklich mitgerissen hat mich die Serie leider zu kaum einem Zeitpunkt. Es gab einfach zu viele Charaktere, die zudem nicht wirklich gut ausgearbeitet waren. Man konnte keine wirkliche Beziehung zu ihnen aufbauen, wodurch manche Handlungsstränge einfach nur verpufft sind.

Meine Kritik liest sich nun schlimmer, als ich die Serie tatsächlich wahrgenommen habe. Die Produktionswerte sind absolut sehenswert, die Schauspieler im Großen und Ganzen auch nett anzusehen und selbst die Handlung weiß zu  großen Teilen zu faszinieren. Es mangelt einfach an den Details, was besonders schwer ins Gewicht fällt, weil sich die Serie eben so offensichtlich an ihrem großen Vorbild orientiert. Doch bei diesem waren eben unter anderem die Charaktere besser geschrieben, die Mysterien spannender und der Score ungleich schöner.

Der fehlende Abschluss von „FlashForward“ wiegt natürlich auch noch einmal schwer, wofür man der Serie allerdings keinen wirklichen Vorwurf machen kann. So bleibt am Ende leider ein etwas unbefriedigendes Erlebnis, welches durchaus Unterhaltungspotenzial besitzt, aber letztendlich doch weit hinter meinen Erwartungen blieb: 6/10 Punkte.

Mary Poppins (1964)

Mit Walt Disneys Kinderbuchverfilmung „Mary Poppins“ bin ich zu einer nostalgische Reise aufgebrochen. Einerseits weil ich den Film seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe und andererseits, weil er wunderschöne Erinnerungen an das Broadway Musical heraufbeschwört, das ich vor zwei Jahren während meiner Hochzeitsreise gesehen habe.

Man kann wirklich sagen, was man will, doch Disneys Klassiker sind einfach wunderbare Filme. Sie mögen teils naiv erscheinen, es wird viel gesungen, die Geschichte samt ihrer Botschaft ist leicht zu durchschauen und doch verströmen sie unwiderlegbar eine ganz eigene Kinomagie. Mir persönlich fällt es ziemlich leicht diese Filme mit staunenden Kinderaugen zu betrachten. Besonders im heutigen Kino, in dem es besonders angesagt ist der Welt mit möglichst großem Zynismus zu begegnen, finde ich diese Art von Film einfach nur erfrischend und herzerwärmend.

Mit „Mary Poppins“ hat Regisseur Robert Stevensen unter der Aufsicht von Walt Disney ein ganz besonderes Meisterwerk geschaffen. Julie Andrews und Dick Van Dyke spielen ihre Rollen so ungezwungen, dass es eine wahre Freude ist. Die Geschichte wird durch kunterbunte Bilder erzählt, welche man so vorher noch nie auf der Leinwand gesehen hatte. Doch am meisten wissen wohl Richard M. und Robert B. Shermans Songs zu begeistern, welche sich aus der Musicalgeschichte heute nicht mehr wegdenken lassen.

Wie in jedem Disneyfilm gibt es auch hier eine Botschaft, die allerdings – zumindest wenn man sich auf den Film einlassen kann – erfreulich unaufdringlich daherkommt. Überhaupt finde ich es wunderbar, wie viel man auch als Erwachsener aus dem Film mitnehmen kann und komplett auf schwarzen Humor hat man hier schließlich auch nicht verzichtet. Ein wunderbar zeitloser Film, der sich umfassend wohl nur mit dem Wort Supercalifragilisticexpialidocious beschreiben lässt. Absolutes Pflichtprogramm für alle Disney- und Musicalfreunde: 10/10 Punkte.

Lost – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

Wenn es eine TV-Serie gibt, die ursprünglich meine Begeisterung für US-Dramaserien geweckt hat, dann ist das wohl „Lost“ von Serienaltmeister J.J. Abrams. Nach sechs Staffeln ist der Ausflug nun vorbei. Kaum zu glauben. Keine andere Serie hat mich – zumindest zu Beginn – so an den Bildschirm gefesselt, wie dieses mysteriöse Inseldrama. Auch wenn die Serie ihre Qualität auch nicht über die komplette Laufzeit halten konnte, so wird sie für mich doch immer einen besonderen Stellenwert einnehmen.

Während der ersten beiden Staffeln zählte „Lost“ eindeutig zu meinen absoluten Lieblingsserien. So herrlich mysteriös, so unglaublich spannend und so wunderbar erzählt. Die – zumindest in den ersten Staffeln noch – geschickte Verquickung von zwei Zeitebenen brachte dem Zuschauer die Charaktere viel näher, als dies durch einen einzelnen Handlungsstrang möglich gewesen wäre. Ein netter Kniff, den man so konsequent umgesetzt wohl noch in keiner erfolgreichen Mainstream-TV-Serie gesehen hatte. Man darf hier wohl durchaus berechtigt von innovativer Fernsehunterhaltung sprechen, auch was Budget und Inszenierung angeht.

Leider nahm die Qualität der einzelnen Staffeln mit steigender Zahl ab. Bereits in der dritten Staffel war ein kleiner Einbruch zu spüren, der sich leider bis zum inhaltlich unbefriedigenden Finale fortsetzte. Während der ersten beiden Staffeln war man komplett der Insel ausgeliefert. Unzählige Geheimnisse, ebenso viele Überraschungen – ich denke hier alleine an die grandiose Eröffnungssequenz der zweiten Staffel – und emotionale Charaktermomente. So wunderbar, dass ich am liebsten eine Folge nach der anderen verschlungen hätte.

Dann jedoch wurde das Ensemble immer mehr erweitert und ich hatte das Gefühl, dass die Mysterien nur noch dem Selbstzweck dienten. Nach durchaus unterhaltsamen pseudowissenschaftlichen Erklärungen fand man in der fünften Staffel eher wieder zum Übernatürlichen zurück und führte zwei neue Spieler ein. Zu diesem Zeitpunkt war ich anfangs zwar verwirrt, hatte jedoch das Gefühl die Autoren wüssten zumindest was sie tun. Nach der finalen Staffel sehe ich das nun mit anderen Augen. „Lost“ ist an meinen Erwartungen gescheitert. Bis zum Finale lieferten die Autoren das, was die Fans sehen wollten: Geheimnisse über Geheimnisse. Am Ende blieb jedoch nicht mehr viel davon übrig. Kaum eine aufgeworfene Frage wurde beantwortet und man hat sich einzig und allein auf den emotionalen Charakter der Serie verlassen.

Bin ich enttäuscht? Inhaltlich auf jeden Fall. Wenn man es genau betrachtet ist die Insel samt ihrer Mysterien nichts weiter als ein überdimensionierter MacGuffin – nicht mehr und nicht weniger. Man hat hier den einfachen Ausweg genommen. „Lost“ war schon immer auch ein exzellentes Charakterdrama und als solches funktioniert auch das Finale tadellos. Doch war die Serie eben auch viel mehr und somit war ich umso enttäuschter, dass die Autoren ihr Versprechen eines großen Plans nicht einlösen konnten. Trotz der inhaltlichen Mängel gehe ich emotional befriedigt aus der Serie heraus und das kann man den Machern durchaus zugute halten. Über die fallengelassenen Mysterien kann man sich nun selbst noch den Kopf zerbrechen – oder eben auf die Zeichentrickserie mit Hurley und Ben als Hauptfiguren warten, denn letztendlich ist auch „Lost“ eben nur kommerzielle Unterhaltung und somit hat ABC/Disney wohl auf ein massenkompatibles und notfalls wohl auch ausschlachtbares Finale geschielt. Dies soll allerdings den Stellenwelt der vorangegangenen Staffeln nicht schmälern. Hier meine Einzelwertungen:

1. „Lost – Season 1″ (10/10)
2. „Lost – Season 2″ (10/10)
3. „Lost – Season 3″ (9/10)
4. „Lost – Season 4″ (8/10)
5. „Lost – Season 5″ (8/10)
6. „Lost – Season 6″ (7/10)

Die meisten „Lost“-Freunde der ersten Stunde werden sich wohl – wie auch ich – trotz Enttäuschung hauptsächlich an die guten Zeiten erinnern. Und was das für Zeiten waren. Kaum eine zweite Serie hat so zum Mitraten eingeladen und so für hitzige Diskussionen gesorgt. Seinen Stellenwert in der modernen Popkultur kann man J.J. Abrams Inseldrama sowieso nicht mehr absprechen. Doch auch wer noch nicht reingeschaut hat und aufgrund der durchwachsenen Kritiken nun abgeschreckt wurde, sollte sich einen Ruck geben und der mysteriösen Insel einen Besuch abstatten. Doch Vorsicht, ihr werdet so schnell nicht wieder von ihr loskommen: 9/10 Punkte.

Castle – Season 2

Wie schön es doch ist, wenn sich Serien in ihrem zweiten Jahr steigern können. Hatte ich letztes Jahr nur ganz gern in die Serie reingeschaut, mauserte sich „Castle – Season 2“ zu einem kleinen Highlight in meiner Serienwoche. Wer hätte gedacht, dass dies ein anscheinend simpler TV-Krimi einmal schaffen könnte?

Inhaltlich hat sich im Vergleich zur ersten Staffel kaum etwas geändert. Zwar gibt es nun ein paar episodenübergreifende Fälle, doch typischerweise hat man es immer noch mit einem Mord-der-Woche-Schema zu tun. Klingt altbacken? Das dachte ich anfangs auch, doch inzwischen sind die Fälle so herrlich verzwickt, dass es eine wahre Freude ist. Oft folgt eine absurde Wendung auf die nächste, was ausgezeichnet zum Stil der Serie passt und mich als Zuschauer freudig miträtsen lässt.

Neben den gelungeneren Kriminalfällen kann die zweite Staffel rund um den egozentrischen Krimiautor Richard Castle besonders durch die schmissigen Dialoge und das symapthische Schauspiel aller Beteiligten punkten. Es macht einfach unglaublich viel Spaß Nathan Fillion und Stana Katic bei ihren Plänkeleien zuzusehen. Doch auch der Supportcast ist nicht zu verachten. Eine absolut runde Sache. Ein besonderes Schmankerl gibt es in dieser Staffel übrigens für Fans von Fillions vorangehender Serie „Firefly“ – mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten…

Ich kann die zweite Staffel von „Castle“ allen Serienfreunden nur ans Herz legen, selbst solchen, die – wie ich – mit Krimishows ansonsten eher nur wenig anfangen können. Vermutlich sollte man die Serie auch nicht als Krimi, sondern mehr als Komödie sehen, dann dürfte man deutlich mehr Spaß mit ihr haben. Zurzeit wohl mein liebster leichter Seriensnack: 8/10 Punkte.

Drag Me to Hell (2009)

Auf die Sichtung von Sam Raimis „Drag Me to Hell“ hatte ich mich schon sehr lange gefreut. Endlich einmal wieder ein vielversprechender Genrefilm, den besonders die Fans in den Himmel lobten. Ein ziemlich zuverlässiges Qualitätsmerkmal. Folglich konnten meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht werden, oder etwa doch?

Zunächst einmal sollte ich vorausschicken, dass ich Sam Raimis frühe Genrebeiträge zwar durchaus gelungen finde, sie aber insgesamt nicht so ins Herz geschlossen habe, wie wohl die meisten Gernefreunde. Für mich ist seine „Evil Dead“-Trilogie dann am gelungensten, wenn sie den Zuschauer zum Lachen bringt. Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick. Vermutlich kann ich deshalb auch mit dem ersten Teil – dem in Deutschland zu trauriger Berühmtheit gelangten „Tanz der Teufel“ – am wenigsten anfangen.

Von vielen vergessen ist Raimis Rückkehr ins Genre aus dem Jahr 2000. „The Gift“ ist ein unspektakulärer, aber doch effektiver und atmosphärischer Gruselfilm, der mich damals unruhig auf der Kante des Kinosessels hin und her rutschen ließ. Sehr klassisch und ohne Humor inszeniert. Nach seiner „Spider-Man“-Trilogie kehrte Raimi mit „Drag Me to Hell“ nun erneut in sein Genre zurück und begab sich dabei wieder komplett zu seinen Wurzeln, sprich: Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick.

Wie die meisten guten Horrorfilme greift auch „Drag Me to Hell“ aktuelle sozialkritische Tendenzen auf und verarbeitet diese auf mehr oder minder dezente Art und Weise. Dieses Mal sind herzlose Bänker der Auslöser für das über die Charaktere hereinbrechende Böse und man darf sich auf einen besonders kreativen Ansatz zur Tilgung von Hypothekenschulden freuen. Die Geschichte bleibt dabei äußerst oberflächlich und lebt vor allem von ihren herrlich überzeichneten Schockszenen. Absolut ekelerregend und stets unterhaltsam. Der Übergang vom ersten Erschrecken zu hysterischem Lachen ist bei diesem Film wirklich nahtlos.

Kritisieren kann man natürlich die einfach konstruierte Geschichte samt vorhersehbarer Wendung, doch dank des trashigen Charmes mag ich dem Film nicht wirklich böse sein. Bis auf einige schlechte CGI-Effekte ist „Drag Me to Hell“ herrlich altmodisch und nimmt sich selbst alles andere als ernst. Für Genrefreunde kann ich insofern nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 7/10 Punkte.